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Dr. medic Roland Pfeiffer Der Migräne-Detektiv
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Schmerzhafte Verspannungen im Bereich des Trapezius-Muskels können aus anderen Körperregionen hauptsächlich auf drei Arten projiziert werden. Erstens über den Phrenicusnerv, der Störinformationen aus dem oberen Bauchraum zurück in den Bereich seiner Kerngebiete im Bereich des 3.-5. Halswirbels und die von dort abgehenden sensiblen Nervenfasern von Haut und Muskeln der Schulter projiziert. Zweitens über viszero-somatische Reflexe von Brust- und Bauchorganen. Man findet z. B. bei Asthmatikern immer eine verspannte Schulter-Nackenmuskulatur. Drittens über eine Irritation der Mandeln, die von einem kleinen Ast des Glossopharyngeusnervs versorgt werden, der wiederum in enger Verbindung zum Accessoriusnerv steht, über den der Befehl, den Trapeziusmuskel anzuspannen, übermittelt wird.
Da bei der Patientin sowohl Brustorgane als auch Bauchraum aus osteopathischer Sicht unauffällig waren, lag es nahe, die Mandeln, die schon in der Anamnese durch häufige Entzündungen auffielen, neuraltherapeutisch zu entstören. Ich spritzte also die drei Mandeln, die beiden seitlichen Gaumenmandeln und die in der Mitte hinter dem weichen Gaumen gelegene Rachenmandel, mit Procain an. Die nächste erwartete Wochenmigräne blieb zu unserer Freude dieses Mal aus, kam aber nach zwei Wochen wieder. Ein erster Hoffnungsschimmer, denn das starre wöchentliche Anfallsschema war durchbrochen. Ich spritzte die drei Mandeln in immer größer werdenden Abständen noch drei weitere Male an. Danach trat keine Migräne mehr auf. Die Patientin bestätigte mir dies letztmals zwei Jahre nach Beendigung der Behandlung.
Fall 9: Nitrostress und Cholesterinsenker

Ein 45-jähriger Professor aus Frankreich hatte vor 25 Jahren einen schweren Motorradunfall, bei dem er frontal auf ein Auto aufgeprallt war. Seither litt er in etwa ein- bis zweiwöchigen Abständen unter Migräneattacken, die in den letzten Jahren immer häufiger und länger wurden. Nachdem er innerhalb von zwei Wochen vier jeweils zweitägige, extrem starke Anfälle mit Sehstörungen und Erbrechen hatte, entschloss er sich, im Internet nach Abhilfe zu suchen. Dabei stieß er auf meine Praxis. Er war in der Vergangenheit schon mehrmals bei verschiedenen Osteopathen in Behandlung gewesen. Das verschaffte ihm vorübergehend Erleichterung, jedoch keine dauerhafte Besserung. Vor acht Jahren teilte ihm sein Hausarzt mit, dass er einen stark erhöhten Cholesterinspiegel habe. Deshalb müsse er lebenslang cholesterinsenkende Medikamente (Statine) einnehmen, was er dann auch tat. Jedenfalls bis er zu mir in die Sprechstunde kam.

Nach der Anamnese nahm ich, wie üblich, die wichtigsten Laboranalysen ab. In erster Linie interessierte mich, ob aufgrund des Schleudertraumas Nitrostress, Oxidativer Stress und Vitamin-B12-Mangel vorlagen. Aber auch sein Cholesterinprofil und ganz besonders die Höhe des oxidierten LDL waren mir wichtig. Bei der osteopathischen Untersuchung waren außer einer verspannten Schulter-Nackenmuskulatur, einer eingeschränkten Beweglichkeit des Kreuzbeins und ein paar druckschmerzhaften Halswirbeln keine dramatischen Auffälligkeiten festzustellen, die die Migräne hätten erklären können. Wie erwartet, stellten wir sehr hohen Nitrostress, einen starken intrazellulären Vitamin-B12-, B2-, B3- und Coenzym-Q10-Mangel fest. Sein Cholesterinspiegel lag etwa 30% über der Norm, ebenso der LDL-Anteil. Interessant war, dass der Spiegel des oxidierten LDL völlig im Normbereich lag. Ich empfahl dem Patienten, eine Woche täglich hochdosiert (1mg/d) Vitamin B12 zu spritzen und danach auf dreitägige Intervalle überzugehen. Außerdem riet ich ihm dringend, seinen Cholesterinsenker abzusetzen und hochdosiert Coenzym Q10, Vitamin B2 und B3, Vitamin C und andere Antioxidantien einzunehmen.
Fünf Wochen nachdem ich dem Patienten diese Therapieempfehlungen gegeben hatte, kam er zum nächsten Behandlungstermin aus Frankreich angereist. Er berichtete, es gehe ihm schon viel besser. Er habe in den letzten fünf Wochen nur zweimal einen leichten Anflug von beginnender Migräne gehabt, den er jedoch jedes Mal durch eine Vitamin-B12-Spritze innerhalb einer halben Stunde völlig zum Abklingen habe bringen können. Der Patient kam noch einige Male in Behandlung. Nach den anfänglichen Erfolgen fasste er Vertrauen, sich die druckschmerzhaften Stellen der Halswirbelsäule neuraltherapeutisch mit Lokalanästhetika anspritzen zu lassen. Nach 15 Behandlungen traten keine weiteren Migräneattacken auf und wir beschlossen, die Behandlung bis auf weiteres zu beenden, da die Anreise aus Frankreich für den Patienten sehr aufwendig war. Sechs Monate nach Abschluss der Behandlung bestätigte mir der Patient auf meine Nachfrage hin, dass er seither keine Migräneattacke mehr gehabt habe. Er sich aber weiterhin einmal pro Woche Vitamin B12 spritze, die Antioxidantien weiter einnehme und keine Cholesterinsenker mehr zu sich nehme.

Was war geschehen? Ähnlich wie die in Fall 8 geschilderte Patientin, litt der Professor unter Nitrostress und Vitamin-B12-Mangel in seinen Körperzellen, als Folge eines Schleudertraumas. Die Situation verschlimmerte sich durch die Einnahme der cholesterinsenkenden Statine. Diese verursachen in den Energiekraftwerken unserer Zellen, den Mitochondrien, Schäden durch Vernichtung von Coenzym Q10, zusätzlich zu den durch Nitrostress verursachten Zerstörungsprozessen (Literaturempfehlung 27). Durch Nitrostress und Cholesterinsenker war ein massives Zellatmungsproblem entstanden. Der Patient lebte quasi wie in einer Plastiktüte. Das wiederum löste im Hirnstamm die Alarmglocke für Sauerstoffmangel aus und aktivierte damit den Migränegenerator.
Der aufmerksame Leser wird sich nun vielleicht fragen, ob es nicht unverantwortlich war, den Cholesterinsenker einfach abzusetzen? Hatte ich den armen Mann nicht dem hohen Risiko ausgesetzt, an Arteriosklerose, Herzinfarkt und Hirnschlag zu erkranken? Hier antworte ich mit einem klaren „Nein“. Nach neueren Erkenntnissen wurden der Gesamtcholesterinwert und die Gesamt-LDL-Fraktion für das Arterioskleroserisiko erheblich überschätzt, da die gefährlichen Plaques, die die Gefäße langsam verschließen, aus oxidiertem LDL gebildet werden. Der Spiegel des oxidierten LDL lag bei diesem Patienten aber völlig im Normbereich und blieb es auch nach Absetzen der Cholesterinsenker. Es gibt Menschen, die genetisch bedingt sehr hohe Cholesterinspiegel haben und damit in bester Gesundheit über 90 Jahre alt werden. An dieser Stelle möchte ich den Neurologen Dr. Perlmutter zitieren (Literaturempfehlung 22). In seinem Buch „Dumm wie Brot“ schreibt er: „Da Cholesterin für das gesunde Gehirn so wichtig ist, bin ich wie viele meiner Kollegen der Ansicht, dass Statine, der Verkaufsschlager zur Cholesterinsenkung, den unzählige Menschen einnehmen, Gehirnproblemen und anderen Erkrankungen Vorschub leisten könnten.“ Diese Medikamente haben außerdem eine Vielzahl anderer gefährlicher Nebenwirkungen. Die beste und gleichzeitig nebenwirkungsfreie Möglichkeit, diese Plaques effizient abzubauen, ist die Einnahme von hochdosierten Antioxidantien wie Vitamin C, Coenzym Q10, Alpha-Liponsäure, Glutathion, Melatonin etc. Bei diesem und bei anderen Patienten mit Coenzym-Q10-Mangel erzielte ich die messbar besten Behandlungsergebnisse mit einem Präparat mit geschmolzenem Ubiquinol in ultrakleinen Tropfen, die direkt über die Mundschleimhaut schnell und gut aufgenommen werden. Ubiquinol ist die am besten wasserlösliche Form des Coenzyms Q10 und wird daher mehr als dreimal besser vom Körper aufgenommen als Ubiquinon. Bei manchen, preislich deutlich günstigeren Präparaten konnte ich keine nennenswerte Verbesserung des Coenzym-Q10-Spiegels im Blut feststellen.
Fall 10: Nitrostress und Halswirbelblockaden nach Treppensturz

Eine 52-jährige, sehr schlanke Verkäuferin, berichtete, dass sie fast täglich an Kopfschmerz oder Migräne leide, seit sie vor drei Jahren kopfüber eine Kellertreppe hinuntergefallen und mit dem Kinn aufgeschlagen war. Ich erklärte ihr, dass sie möglicherweise eine instabile Halswirbelsäule habe. Daraus seien wahrscheinlich Nitrostressquellen an der Wirbelsäule entstanden, verbunden mit einem erhöhten Vitamin-B12-Verbrauch. Meinen Vorschlag, zumindest einen Nitrostresstest durchzuführen, lehnte sie ab, da sie nicht privat versichert war und ihr die Laborkosten in Höhe von ca.100,- Euro dafür zu teuer erschienen. Außerdem wollte sie am nächsten Tag in den Urlaub fahren. In solchen Fällen schlage ich die Methode vor, „in den Busch hineinschießen und schauen was herausfliegt“. Ich empfahl ihr, eine Woche lang täglich 1mg Vitamin B12 zu spritzen und danach auf eine bis zwei Spritzen pro Woche zu reduzieren.

Bei der osteopathischen Untersuchung fielen zwei Halswirbelblockaden und zwei Brustwirbelblockaden auf, die ich sofort löste. Danach wünschte ich ihr einen schönen Urlaub. Sechs Wochen später kam sie zurück und berichtete, sie habe während der ersten Woche, in der sie täglich 1mg Vitamin B12 gespritzt hatte, keine Kopfschmerzen und keine Migräne gehabt. Daraufhin hätte sie versucht, auf größere Abstände zu gehen, habe aber sofort wieder Migräne bekommen. Sie spritzte sich daher über komplett sechs Wochen täglich weiter 1 mg Vitamin B12. Unter dieser Therapie trat keine Migräne mehr auf. Ich war neugierig, wie sich der intrazelluläre Vitamin-B12-Spiegel, der indirekt über die Methylmalonsäure im Urin gemessen wird, unter sechswöchiger, täglich tausendfach erhöhter Vitamin-B12-Therapie entwickelt hatte. Wir führten deshalb einen Urintest durch. Das Ergebnis war zu meiner großen Überraschung ein nur sehr geringfügig erhöhter intrazellulärer Vitamin-B12-Spiegel. Die Patientin hatte also aufgrund ihrer instabilen Halswirbelsäule so starken Nitrostress, dass sie das Tausendfache der normalen täglichen Dosis an Vitamin B12 verbrauchte, um diesen zu kompensieren und keine Migräne zu bekommen. Da es natürlich ein unangenehmer Gedanke ist, sich möglicherweise lebenslang täglich eine Spritze in Bauch oder Po setzen zu müssen, versuchten wir auf Vitamin-B12-Tabletten umzustellen. Ich verschrieb ihr Cyancobalamin-Tabletten (1mg), von denen sie täglich zwei unter der Zunge zergehen lassen sollte. Das Resultat war leider gleich Null. Die Patientin bekam einen Migräneanfall, als ob sie kein Vitamin B12 eingenommen hätte.
Es scheint also tatsächlich so zu sein, dass oral verabreichtes Vitamin B12 bei manchen Patienten nur zu einem sehr geringen Teil vom Körper in die Zellen aufgenommen wird. Man darf auch nicht vergessen, dass das Vitamin B12, um seine Arbeit in den Mitochondrien zu tun, durch zwei Membranen hindurchkommen muss. Einmal durch die Zellmembran und durch die Mitochondrienmembran in der Zelle. Damit dies gelingen kann, muss offensichtlich ein sehr hoher Spiegel im Blut vorliegen, der mit Tabletten manchmal nicht erreicht wird. Mittlerweile habe ich allerdings gute Erfahrungen mit Vitamin-B12-Kapseln gemacht, in denen das Vitamin B12 in Form von Methylcobalamin (500mcg) in Kombination mit Vitamin B6, Folsäure und Biotin enthalten ist. Bei diesen Kapseln wird durch die Kombination der vier Vitamine eine sehr gute Aufnahme erzielt, so dass bei täglicher Gabe meist ein zufriedenstellender, intrazellulärer Vitamin-B12-Spiegel erreicht wird. Vitamin B12 kann übrigens nicht überdosiert werden, da es wasserlöslich ist und nach 24 bis 36 Stunden, je nach Präparat, über die Nieren wieder ausgeschieden wird.
Fall 11: Nitrostress und osteopathische Dysfunktion nach Schleudertrauma

Eine 50-jährige Sozialarbeiterin litt seit einem Auffahrunfall, der zehn Jahre zurücklag, unter Migräne, chronischen Kopfschmerzen, Schulter-Nackenschmerzen, Tinnitus, Herzrhythmusstörungen, Wirbelblockaden, Rückenschmerzen, Bewegungseinschränkungen, kribbelnden Missempfindungen (Parästhesien) des rechten Armes, immer wiederkehrenden Schluckstörungen und chronischer Erschöpfung.

Bei der osteopathischen Untersuchung fielen mir ein ausgeprägter Muskelhartspann im Bereich der Schulter-Nackenmuskulatur insbesondere des Trapeziusmuskels, des Schulterblatthebermuskels, der Zungenbeinmuskulatur, der kurzen Nackenmuskulatur und der Muskulatur des Brustkorbs auf. Wiederkehrende Wirbelblockaden im Bereich von Halswirbelsäule (HWS) und oberer Brustwirbelsäule (BWS) ergänzten die Symptome. Die Mobilisation der Kopfgelenke löste bei der Patientin Übelkeit aus. Druckschmerzhafte Dornfortsätze an HWS und BWS wiesen auf entzündliches Geschehen bzw. Nervenirritation im Bereich des Sympathischen Grenzstrangs hin.
Ich behandelte die Patientin osteopathisch und injizierte Lokalanästhetika an Hals- und Brustwirbelsäule (Selektive Rezeptorblockaden). Um den mit einem Schleudertrauma verbundenen Nitrostress zu neutralisieren, injizierte ich zudem regelmäßig hochdosiertes Vitamin B12. Der Patientin ging es innerhalb von sieben Monaten wöchentlicher Behandlung kontinuierlich besser, bis die Migräne endlich ganz ausblieb.

Was waren die Ursachen für die Leiden dieser Patientin? Die Überdehnung der Strukturen zwischen Kiefer und Zungenbein, der Halswirbelligamente sowie eine Kompression anderer Strukturen hatte zu einer komplexen Symptomatik geführt.
Durch die instabile Halswirbelsäule werden die Nervenäste (Ramii meningei) gereizt, die aus dem Bereich der oberen drei Halswirbelsegmente die Hirnhautauskleidung der hinteren Schädelgrube innervieren und Verbindung zum Trigeminusnerv, sowie zum obersten Schaltzentrum des Vegetativen Nervensystems (Ganglion cervicale superius) halten und so zu chronischem Kopfschmerz führen können. Hinzu kamen kompensatorische, wiederkehrende Wirbelblockaden insbesondere im Bereich der unteren Halswirbelsäule, oberen Brustwirbelsäule und des Übergangs zwischen Halswirbelsäule und Brustkorb, mit Bewegungseinschränkungen, Wurzelreizungen und Missempfindungen (Parästhesien) im rechten Arm. Die angespannte Schulter-Nackenmuskulatur, durch Reizung der Halswirbelsegmente C3-C5 mit Reizung des Nucleus spinosus des Trigeminusnervs in diesem Bereich, trug zu einer Verstärkung der Kopfschmerzsymptomatik bei. Die Kompression von Brustbein, Brustkorb und Herz beeinträchtige die Brustwirbelsäule. Die Verschiebung der Zugspannung im Bereich der vorderen und hinteren Muskel-Faszien-Kette führte zu Spannungsgefühlen. Im Bereich der instabilen Halswirbelsegmente wurde vermehrt Stickstoffmonoxid produziert, was zu einer mitochondrialen Unterversorgung und damit verbundenem Erschöpfungszustand führte. Der durch Stickstoffmonoxid ausgelöste Nitrostress verursacht über Hemmung der Mitochondrienfunktion und des Citratcyclus’ ein extremes Energiedefizit sowie eine Beeinträchtigung wichtiger Stoffwechselprozesse.
Fall 12: Trapezius-Triggerpunkte

In meiner Anfangszeit als Migränetherapeut kam ein 11-jähriges Mädchen mit seiner Mutter in meine Praxis. Damals arbeitete ich bei Migräne nur mit Akupunktur und Laserakupunktur und hatte die anderen Säulen erfolgreicher Migränetherapie noch nicht für mich und meine Patienten entdeckt. In dieser Zeit konnte ich noch nicht in 75% der Fälle, sondern nur etwa in 20%, die Migräne dauerhaft ausheilen. Das Kind litt schon seit dem sechsten Lebensjahr an Migräneanfällen, die etwa alle zwei bis drei Wochen auftraten.

Da das Mädchen Nadelangst hatte, blieb nur Laserakupunktur zur Behandlung. Ich behandelte nach der traditionell chinesischen Anamnese Leber- und Gallenblasenmeridian mit dem Laserakupunkturgerät. Zusätzlich behandelte ich mit Laserakupunktur versuchsweise die Triggerpunkte im Bereich der verhärteten Muskelstränge der Schulter insbesondere des Trapeziusmuskels und des Schulterblatthebermuskels. Triggerpunkte sind verhärtete, tastbare Knoten in punktuell zusammengezogenen Muskelfasern, die ein ausgeprägtes Spannungsgefühl im Muskel vermitteln. Man kann die Punkte entweder manuell einzeln plattdrücken, was sehr schmerzhaft ist, oder aber mit einer längeren Akupunkturnadel „auseinanderzucken“ lassen, als schnellere, elegantere und vollständigere Methode. Dabei sind für den Behandelnden und für den Patienten Muskelzuckungen spürbar. Zu meiner Überraschung konnte ich bei dem Mädchen auch ohne Nadel, nur mit dem Laserstrahl und leichtem Druck auf den Triggerpunkten, das typische Zucken auslösen. In der Regel ist das meist nur mit einer Nadel möglich. Ich behandelte das Mädchen zehn Mal innerhalb von drei Monaten. Nach den ersten vier Behandlungen traten keine weiteren Migräneanfälle auf.

Schade ist, dass ich nie herausfinden werde, wie es gewesen wäre, wenn ich als Therapieansatz nur die chinesischen Energiemeridiane gelasert hätte oder aber nur die Triggerpunkte behandelt hätte. Die Kombination von Therapiemethoden ist letztlich ein wissenschaftliches Problem, das ich heute, bei weitaus profunderem Wissen über Migräne, noch in stärkerem Maße habe als damals. Da ich heute meistens mehrere Therapiemethoden miteinander verbinde, um möglichst schnell zum Therapieerfolg zu gelangen, bevor dem Patienten die Geduld ausgeht, kann ich oftmals im Nachhinein nicht eindeutig sagen, welche Methode nun eigentlich den größten Teil des Erfolges ausgemacht hat.
Fall 13: Ungesunde Ernährung und Lebensweise

Ein 17-jähriges Mädchen kam mit seiner Mutter in meine Sprechstunde und berichtete, sie habe seit sechs Monaten fast täglich Kopfschmerzen, die etwa zweimal wöchentlich in Migräne übergingen. Meist begannen die Kopfschmerzen am späten Vormittag im Schulunterricht und besserten sich gegen Abend. Hinzu kämen Konzentrationsstörungen. Schon in der Anamnese zeigten sich mehrere mögliche Hinweise auf die Ursache. Das Mädchen gab an, bei ihrem Körpergewicht von fünfzig Kilogramm nur einen halben Liter Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Normal wären mindestens zwei Liter. Ich empfehle vierzig Milliliter pro Kilogramm Körpergewicht. Auf die Frage nach ihren Ernährungsgewohnheiten erklärte sie, dass sie meistens nicht frühstücke, mittags gegen 13.00 Uhr eine Portion Pommes Frites oder Nudeln oder ein Sandwich zu sich nehme und abends dann zwischen 17.00 Uhr und 22.00 Uhr noch Pizza, Pasta oder etwas Ähnliches esse. Zwischendurch trinke sie süße Limonaden, ohne die sie nicht leben könne. Seit einem traumatischen Ereignis in der Nachbarschaft könne sie abends nur noch mit Licht einschlafen. Meist schlafe sie vor dem laufenden Fernseher ein.

Der aufmerksame Leser wird auch ohne medizinische Ausbildung bemerken, dass dieser Lebenswandel nicht gesund sein kann. Ich erklärte der jungen Dame, dass eine Änderung der Lebensweise dringend erforderlich sei, wenn sie ihre Kopfschmerzen loswerden wolle. Sie hielt dies zunächst für Unsinn. Da sie aber aufgrund ihrer Kopfschmerzen einen hohen Leidensdruck hatte, erklärte sie sich bereit, testweise einen Monat lang alle meine Änderungsvorschläge umzusetzen. Sie wollte dann anhand ihres Befindens entscheiden, ob sie die Veränderungen beibehalte oder nicht. Ich empfahl ihr, mindestens zwei Liter ungesüßtes Wasser über den Tag verteilt zu trinken. Jeden Morgen vor der Schule unbedingt ein eiweiß- und fettreiches Frühstück mit Ei, Butter, fettem Quark oder Fleisch zu sich zu nehmen, mittags ein ebensolches Mittagessen und abends spät vor dem Schlafen noch ein fettreiches und kohlenhydratarmes Spätstück zu essen. Da sie sich nicht vorstellen konnte, ohne Licht und Fernsehen einzuschlafen, riet ich ihr eine Zeitschaltuhr zu kaufen, die nach einer Stunde Licht und Fernseher ausschaltet. Ich erklärte ihr, dass weitere Untersuchungs- und Behandlungsmaßnahmen nur nach dieser Testphase Sinn hätten. Wir vereinbarten einen Folgetermin. Nach vier Wochen erklärte die Patientin lächelnd, dass sie seit drei Wochen weder Kopfschmerz noch Migräne gehabt habe.

Was war passiert? Das Mädchen hatte durch sein mangelhaftes Trinkverhalten und sein unregelmäßiges, kohlenhydratreiches, fett- und eiweißarmes Essverhalten ständig dafür gesorgt, dass in ihrem Hirnstamm Alarm ausgelöst wurde. Der Hirnstamm kontrolliert, ob lebenswichtige Substanzen, wie Flüssigkeit und Glukose in ausreichendem Maße vorhanden sind. Es kam daher zu andauernden, starken Blutzuckerschwankungen und Flüssigkeitsspiegelschwankungen. Als hätten diese beiden Faktoren nicht schon ausgereicht, strapazierte sie ihr Nervenkostüm nachts noch mit Fernseh-Dauerbeschallung und sorgte für eine stark verminderte Melatonin-Produktion. Es gibt Studien, die klar zeigen, dass schon ein kleines, im Schlafzimmer brennendes Lämpchen ausreicht, um die Produktion dieses wichtigen Schlafhormons stark zu vermindern. Da Melatonin wichtige Funktionen hat, unter anderem auch für den Abbau von Histamin im Körper, wurde ihr ganzer Körper durch diesen Raubbau in einen Zustand von Unordnung versetzt. Dieser hätte wahrscheinlich schon alleine gereicht, um Kopfschmerz und allerlei psychische Symptome hervorzurufen.
Fall 14: Steißbeinnarbe

Eine 26-jährige Studentin litt seit vier Jahren unter heftigen, mindestens einmal wöchentlich auftretenden Migräneattacken. Die Laborbefunde waren unauffällig, auch die osteopathische Untersuchung ergab keine größeren Auffälligkeiten, die die Attacken erklärt hätten. Aus der Anamnese ergab sich, dass die Beschwerden vor vier Jahren etwa zeitgleich mit einer Steißbeinfistel aufgetreten waren. Diese wurde neun Monate nach ihrer Entdeckung operativ verschlossen. Nach der Operation glaubte die Patientin zunächst, dass mit der Fistel auch die Migräne weg sei, da sie ab diesem Zeitpunkt sechs Monate lang keine Migräneattacken mehr verspürte. Doch kurz darauf setzte die Migräne umso heftiger wieder ein.

Ich dachte zuerst an ein klassisches Narbenstörfeld im Bereich der etwa 5 cm langen Narbe in der Analfalte über dem Steißbein. Die Patientin war einverstanden, sich die Narbe mit Procain infiltrieren zu lassen. Beim Spritzen bemerkte ich, dass das Narbengewebe äußerst hart war und ich nur mit ungewöhnlich hohem Stempeldruck den Inhalt der Spritze ins Gewebe pressen konnte. Tapfer biss die Patientin die Zähne zusammen. Ich vereinbarte mit ihr, dass sie mich in wöchentlichen Abständen über die weitere Entwicklung auf dem Laufenden halten solle. Die ersten vier Wochen war sie völlig beschwerdefrei. Nach der fünften Woche berichtete sie, dass sie noch keine Migräne habe, jedoch wieder Kopfschmerzen aufgetaucht seien. Sie habe das Gefühl, kurz vor der nächsten Migräne zu stehen. Wir entschieden uns, die Steißbeinnarbe nochmals mit Procain zu unterspritzen. In der Neuraltherapie ist es ein bekanntes Phänomen, dass sich Störfelder, wie Narben, oft mehrmals in zeitlich immer größeren Abständen wiederaufbauen, bis sie endgültig verschwinden. Zu unserer Überraschung, aber auch Enttäuschung bekam sie zwei Tage nach der zweiten Unterspritzung eine erneute heftige Migräneattacke. Eine weitere Narbenunterspritzung, kurz darauf, konnte die wieder aufgeflackerte Migräne nicht bremsen.