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Dr. medic Roland Pfeiffer Der Migräne-Detektiv
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Da das Endokrine System mit seinen Hormondrüsen durch das Vegetative Nervensystem gesteuert wird, kann die permanente Reizung der Nerven zu hormonellen Störungen, insbesondere der Schilddrüse und der Eierstöcke führen. Und so kann es passieren, dass es nicht zu einer Schwangerschaft kommt. Sobald die natürliche Regulationsfähigkeit des Körpers durch die Auslöschung der Störfelder des vegetativen Nervensystems und die Normalisierung der Zellatmung wiederhergestellt ist, steht einer Schwangerschaft nichts mehr im Wege.
Fall 2: Fäulnismilieu und Histamin

Eine 48-jährige Rechtsanwältin litt seit dem 30. Lebensjahr fast täglich an leichten bis mittelschweren Kopfschmerzen. Hinzu kamen zwei bis drei Migräneanfälle pro Woche, die sie mit Aspirin, Paracetamol oder Triptanen behandelte. Ihre Schulter-Nackenverspannungen wurden regelmäßig durch Massagen und Krankengymnastik behandelt, was ihre Symptome aber nur leicht linderte. Ihre Beschwerden belasteten sie auch psychisch stark und sie war deshalb nur noch stundenweise arbeitsfähig. Neben den zirka drei grippalen Infekten im Jahr, die sie regelmäßig mit Antibiotika behandelte, waren keine weiteren Erkrankungen bekannt. Sie litt auch nicht unter Allergien oder Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Lediglich Blähungen störten sie immer wieder. Diese gingen aber in der stark überwiegenden Kopfschmerzsymptomatik unter. Sie wurde mehrfach internistisch, neurologisch und orthopädisch untersucht. Zwei Aufenthalte in Migränekliniken brachten keinerlei Erfolg. Ihre Schmerzen besserten sich dadurch nicht.

Ihr Blutbild sowie ihre intrazelluläre Mikronährstoffanalyse waren vollkommen unauffällig. Die Leberwerte waren leicht erhöht. Die Schilddrüsenwerte lagen ebenso wie die Entzündungsmarker im Normbereich.
Wegen der Blähungen erstellten wir ein Darmprofil und führten eine Untersuchung der Darmflora durch. Es zeigte sich ein Mangel an Verdauungsenzymen (Pankreaselastase), ein erhöhter Anteil von Fett und Eiweiß im Stuhl, eine stark über der Norm liegende Anzahl an Colibakterien, Enterokokken und Clostridien (Clostridium Species) sowie ein verminderter Anteil an Laktobazillen. Außerdem fiel ein stark (12-fach) erhöhter Histaminspiegel im Stuhl auf, der mit einem Diaminoxidasespiegel im Serum einherging, der gerade noch im Normbereich (DAO 11) lag. In Summe lag also eine Fäulnisdyspepsie vor. Das heißt, ausgelöst durch den Mangel an Verdauungsenzymen, wurden Fett und Eiweiß schlecht verdaut. Das schuf optimale Ernährungsbedingungen und Vermehrungsvorteile für die gasbildenden Fäulnisbakterien. Insbesondere die Clostridien, deren Wachstum durch häufige Antibiotikagaben begünstigt wurde, können giftige Stoffwechselprodukte bilden. Diese müssen über die Leber abgebaut werden. Der Körper der Patientin wurde mit bakteriellen Abfallprodukten und Histamin überschwemmt und vergiftet. Das führte zu Blähungen und einer starken Leberbelastung, die sich in den erhöhten Leberwerten ausdrückte.

Die Überschwemmung mit Bakterientoxinen und Histamin führte außerdem zu einer Störung der Energieversorgung der Mitochondrien und damit zur Irritation des Migränegenerators im Hirnstamm. Dort wurden Neuropeptide ausgeschüttet und der Trigeminusnerv in den Hirngefäßen gereizt. So nahm das Migräneunheil seinen Lauf.
Als erster Schritt der Behandlung wurden eine histaminarme Kost und zu jeder Mahlzeit zwei Kapseln Diaminoxidase, ein histaminabbauendes Enzym, verordnet. Dies führte bereits zu einer Entlastung. Im zweiten Schritt wurden die Clostridien durch die zweiwöchige Gabe von sauerstofffreisetzenden Substanzen nach jeder Mahlzeit stark reduziert. Zu jeder Mahlzeit nahm die Patientin Verdauungsenzyme ein. Der dritte Schritt war der Aufbau einer gesunden Darmflora durch die Gabe von Laktobazillen und Bifidobakterien. Diese konnten nun auf den Schleimhautplätzen siedeln, die durch die Verdrängung der Clostridien frei geworden waren. Sechs Monate nach Beginn der Darmsanierung waren sowohl die chronischen Kopfschmerzen als auch die Migräne komplett verschwunden.
Fall 3: Mikronährstoffmängel, Darmentzündung und Nahrungsmittelunverträglichkeiten

Ein 17-jähriges Mädchen kam mit seiner Mutter in meine Praxis. Sie litt seit etwa vier Jahren zunehmend an Migräneattacken, allergischem Asthma und Neurodermitis an Gesicht, Hals und Ellenbeugen. Eine Hausstauballergie sowie Heuschnupfen waren bereits bekannt. Das Mädchen wendete regelmäßig Cortisonsprays und cortisonhaltige Salben an.

Die intrazelluläre Mikronährstoffanalyse zeigte einen Mangel an Zink, Selen, Vitamin B6, und Vitamin D3 an. Die Darmflorauntersuchung ergab einen Mangel an Colibakterien, Enterokokken, Bifidobakterien und Laktobazillen, außerdem erhöhte Eiweißrückstände und einen verminderten Stärkeanteil im Stuhl. Alpha-1-Antitripsin, ein Marker für Entzündung und schlechte Absorption der Schleimhaut, war erhöht. Ebenso das sekretorische IgA im Stuhl und die Antikörper gegen Gliadin, was auf eine Glutenunverträglichkeit hinweist. Die erhöhten Werte von Alpha-1-Antitripsin und sekretorischem IgA im Stuhl machten eine Nahrungsmittelunverträglichkeit wahrscheinlich. Ich führte deshalb einen Bluttest auf die 88 wichtigsten Nahrungsmittel durch. Dieser zeigte eine drastische Erhöhung der IgG4-Antikörper gegen Roggen, Weizen, Dinkel und sämtliche Milchprodukte an. Alle Werte waren 150- bis 300-fach erhöht. Die übrigen Nahrungsmittel wurden fast alle gut vertragen.
Im ersten Schritt verordnete ich eine weitgehend glutenfreie Diät sowie den Verzicht auf sämtliche Milchprodukte. Außer Butter, die nur wenig Milchproteine und viel Milchfett enthält. Im zweiten Schritt führte ich eine Sanierung der hyperdurchlässigen Darmschleimhaut mit mikrobiologischen Präparaten, Aminosäuren und Mikronährstoffen durch. Die allergischen Prozesse nahmen dadurch ab, entzündliche Bereiche der Darmschleimhaut schlossen sich und die normale Barrierefunktion der Darmschleimhaut stellte sich wieder her. Der letzte Migräneanfall trat fünf Wochen nach Beginn der Therapie auf. Danach kam es zu keinen weiteren Migräneattacken. Als erfreuliche Begleiterscheinungen der Migränebehandlung heilte die Neurodermitis völlig aus und das Mädchen benötigte keine Cortisonsprays mehr für ihr Asthma.

Dieser Fall zeigt, dass auch auf immunologischem Wege Migräneanfälle getriggert werden können. Interessant ist, dass gerade Milch- und Getreideprodukte nicht toleriert wurden. Dies ist sehr häufig zu beobachten und wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass in zehntausenden von Jahren Steinzeit diese Produkte nicht Bestandteil der Ernährung waren. Vor zirka 5000 Jahren ernährten sich die Menschen erstmals von Milch und Getreide und offensichtlich haben sich bis heute viele Menschen noch nicht genetisch an diese Nahrungsmittel angepasst.
Ein weiterer Aspekt in diesem Fall ist der Zusammenhang zwischen einer Fehlbesiedlung des Darms und Störungen des Gehirnstoffwechsels. Wird die gesunde Darmflora durch Fehlernährung, Antibiotika oder Chemikalien, wie Konservierungsstoffe, geschädigt, so bilden sich Entzündungsmediatoren (TNF-Alpha, IL6). Diese führen zu einer Zerstörung und erhöhten Durchlässigkeit der Darmschleimhaut. Dadurch können Schadstoffe ungehindert ins Blut und ins Gehirn eintreten. Das kann zu neuronalen Entzündungen im Gehirn führen und diese können sich wiederum als Migräneanfälle äußern.
Fall 4: Kohlenhydratunverträglichkeit

Eine 23-jährige, ebenso freundliche, wie übergewichtige Sekretärin stellte sich mit Kopfschmerz seit früher Kindheit bei mir vor. In den letzten Jahren traten immer häufiger Migräneattacken auf, besonders an Wochenenden und in Entspannungsphasen nach Stress. Oft wachte sie morgens bereits mit Migräne auf. Bei der Frage nach ihren Ernährungsgewohnheiten stellte sich heraus, dass sie zum Frühstück entweder ein Schokoladencremebrötchen aß oder aus Zeitmangel gar nichts zu sich nahm. Am Mittag aß sie meist Nudeln mit Ketchup oder Pizza, dazu Kuchen und Cola in der Kantine. Am Abend machte sie sich in der Regel Käsebrote oder schob sich eine Fertigpizza in den Ofen. Da sie zwischen den Mahlzeiten oft Heißhungerattacken auf Süßigkeiten bekam, waren Schokoladenriegel und Bonbons ihre ständigen Begleiter, die sie je nach Verlangen zwischendurch konsumierte. Sie verzichtete auf Butter, da sie annahm, dass diese ihrer Figur abträglich sei. Stattdessen strich sie sich lieber eine Diätmargarine aufs Brot. Generell versuchte sie, sich fettarm und fleischarm zu ernähren und aß lieber mehr Kohlenhydrate. Ein bis zwei Stunden nach den Mahlzeiten fühlte sie sich meist müde oder spürte eine innere Unruhe. Oft war sie auch depressiv verstimmt. Hinzu kam eine starke Wetterfühligkeit.

Nahrungsmittelunverträglichkeiten im Sinne von Antikörperreaktionen gegen Nahrungsmittelproteine lagen bei der Patientin nicht vor. Es gab keine Unfälle in der Vorgeschichte und auch die osteopathische Untersuchung war unspektakulär. Ich erklärte ihr, dass ihre Ernährungsgewohnheiten, ihr Körpergewicht und ihre Kopfschmerzsymptome stark auf eine Kohlenhydratunverträglichkeit schließen ließen.
Um dieses Phänomen zu verstehen, machen wir einen kleinen Ausflug in die Steinzeit. Bis vor etwa 5000 Jahren ernährten sich die Menschen als Jäger und Sammler im Wesentlichen von Fleisch, Fett, Fisch, Wurzeln, Beeren etc. Es gab kein Getreide und keinen raffinierten Zucker und somit keine schnell verbrennbaren Kohlenhydrate. Wenn nun ein genetisch derartig ausgestatteter Mensch plötzlich Zucker oder Getreide zu sich nimmt, ohne gleichzeitig ausreichend Fette zu essen, steigt der Blutzuckerspiegel sehr schnell an und fällt genauso schnell wieder ab. In Erwartung eines anhaltenden hohen Blutzuckers werden enorme Mengen an Insulin ausgeschüttet, um den Zucker abzubauen. Das Resultat ist eine Unterzuckerung, da der Blutzucker unter das Ausgangsniveau fällt. Im Hirnstamm gibt es eine Kontroll- und Messinstanz, die dafür sorgt, dass grundlegende, lebenswichtige Blutwerte wie Sauerstoffgehalt, Blutzucker und Flüssigkeitsmenge in bestimmten Grenzen gehalten werden. Fällt nun der Blutzuckerwert plötzlich stark ab, wird in diesem Zentrum Alarm geschlagen. Das aktiviert den Migränegenerator im Hirnstamm sowie den Trigeminusnerv und kann zu Veränderungen des Durchmessers der Hirngefäße führen. Der Migräneanfall kann dadurch ausgelöst werden. Dieser Vorgang läuft vor allem an Wochenenden und in Entspannungsphasen nach Stress ab, da in diesen Phasen der Cortisonspiegel, der in Stresszeiten den Blutzuckerspiegel hochhält, stark absinkt.
Es war nicht einfach, die Ernährungsgewohnheiten der Patientin völlig umzustellen. Sie sollte gute Fette wie Butter, Sahne und Pflanzenöle zu sich zu nehmen, auf konzentrierte Süßigkeiten verzichten und Zeiten der Unterzuckerung vermeiden. Da ihre Bemühungen schon bald durch immer länger werdende Intervalle ohne Migräne belohnt wurden, gelang es mir nach vier Monaten die Patientin völlig migränefrei zu bekommen.
Fall 5: Wirbelblockaden und andere osteopathische Dysfunktionen

Eine 26-jährige Altenpflegerin kam sehr verzweifelt in meine Praxis. Sie litt seit neun Jahren an Migräneattacken zunehmender Intensität und Häufigkeit. Sie hatte diese lange Jahre als unabänderlich hingenommen. Seit einigen Monaten ging den Anfällen eine Aura mit plötzlichen Sehstörungen und minutenlangem, völligem Ausfall des Sehvermögens voraus. Dadurch wurde ihre Fähigkeit, Auto zu fahren, stark beeinträchtigt. Sie entschloss sich, im Internet nach Abhilfe zu suchen und stieß dabei auf meine Praxis. Ich erklärte ihr mein Behandlungskonzept und die Tatsache, dass nach 10 bis 20 Behandlungen 75% meiner Patienten dauerhaft von ihrer Migräne geheilt sind. Weitere 10% erleben nur noch sehr selten auftretende, deutlich kürzere und weniger intensive Anfälle.

Ich schlug ihr vor, zunächst wie üblich nach der Anamnese und vor der osteopathischen Untersuchung, einige Laboranalysen vorzunehmen. Sie lehnte das rundherum ab, einmal aus Kostengründen und, weil sie überzeugt war, dass die Migräne eher etwas mit ihren Schulter-Nacken-Verspannungen zu tun hatte. Ich schloss daher an die Anamnese direkt die osteopathische Untersuchung an. Ich stellte bei der Patientin eine durch einen Beckenschiefstand bedingte Beinlängendifferenz fest. Das linke Bein war bei ihr dadurch kürzer. In Folge dessen war der 2. Halswirbel (Axis) nach links verschoben und nach rechts rotiert. Der 1. Halswirbel (Atlas) war nach rechts verschoben, rotiert und nach unten gekippt. Hinzu kamen Muskelhartspann und mehrere Wirbelblockaden im Bereich der oberen und mittleren Brustwirbelsäule, starke Muskelverspannungen und Fasziendistorsionen im Bereich des Trapezius-Muskels sowie des Schulterblatthebermuskels. Im Areal der Schädelknochen traf ich auf ein craniosakrales Fehlspannungsmuster und das Zwerchfell zeigte eine reduzierte Beweglichkeit.
Ich behandelte und löste alle Spannungsmuster sowie die Blockaden der oberen Halswirbel mit sanften osteopathischen Techniken und bat die Patientin, zwei Wochen später wiederzukommen. Zwei Tage vor dem zweiten Termin sagte sie diesen aus finanziellen Gründen ab. Außerdem wollte sie erst einmal den Erfolg der ersten Behandlung abwarten. Sie habe immerhin die letzten zwölf Tage keine Migräne mehr gehabt. Auf meinen Einwand hin, dass es sehr unwahrscheinlich sei, dass die Migräne mit nur einer Behandlung dauerhaft beseitigt ist und dass ich ihr gerne in Form von Ratenzahlungen entgegenkommen könne, antwortete sie nicht. Ich verbuchte sie innerlich, mit Bedauern, als Therapieabbrecherin. Drei Jahre später rief sie mich überraschend an und bat mich, ihren Ehemann wegen eines gesundheitlichen Problems zu untersuchen. Sie selbst sei vor langer Zeit bei mir gewesen und mit der Behandlung sehr zufrieden gewesen. Trotz der langen Zeit, erinnerte ich mich wegen ihres auffälligen Namens sofort an sie und fragte sie nach ihrer Migräne. Freudig berichtete sie, dass sie seit meiner Behandlung keine Migräne mehr gehabt habe. Ich war sehr überrascht und bedankte mich für die, wenn auch verspätete, Rückmeldung. Seither weiß ich, dass manchmal schon eine einmalige Auflösung von Spannungen und Blockaden den Körper wieder soweit ins Gleichgewicht bringen kann, dass der Körper die verbliebenen Belastungen gut kompensiert.

Meine Hypothese ist, dass die mit dem Beckenschiefstand verbundene Beinlängendifferenz dazu geführt hatte, dass sich der 1. und 2. Halswirbel verschoben, verdreht und blockiert hatten. Die Blockade der ersten beiden Halswirbel führte zu einer Irritation der Nerven des oberen Grenzstranges. Dadurch wurden auch das Ganglion cervicale superius und der Trigeminusnerv irritiert. Das wiederum beeinflusste die Steuerung der Durchblutung der Hirngefäße und löste Nitrostress und Schmerz aus. Da ich normalerweise 10 bis 20 Behandlungssitzungen auf verschiedenen Behandlungsebenen bis zur völligen Ausheilung der Migräne ansetze, ist der Therapieerfolg nicht immer so eindeutig auf eine Ursache zurückzuführen, wie in diesem Fall.
Fall 6: Flüssigkeitsmangel
Auf die folgende Migräneursache bin ich durch einen 45-jährigen Patienten gestoßen, der wegen Rückenschmerzen zu mir in Behandlung kam. Routinemäßig fragte ich nach, ob er auch an Kopfschmerz oder Migräne leide. Er hatte bis vor 15 Jahren Migräne gehabt. Seither nicht mehr. Auf meine Frage, wie er seine Migräne losgeworden sei, antwortete er, dass er gleich morgens nach dem Aufstehen einen halben Liter Wasser trinke. Diesen Tipp hätte ihm ein Freund gegeben und bei ihm habe es geholfen. Seither hatte er nie wieder Migräne.

Diesen Fall hatte ich bei einer meiner Patientinnen im Hinterkopf. Ich hatte die 31-jährige Betriebswirtin mit unauffälligen Laborwerten zehnmal osteopathisch und neuraltherapeutisch behandelt und dennoch traten bei ihr wöchentliche Migräneanfälle auf.

Die Patientin musste für drei Monate beruflich nach China reisen. Ich war etwas unglücklich über die Unterbrechung der Behandlung, da ich den Aufbaueffekt gefährdet sah. Wir vereinbarten, die Behandlung nach ihrer Rückkehr fortzusetzen. Ich gab ihr den Tipp, dass sie bei ihrem Gewicht von fünfzig Kilogramm darauf achten solle, mindestens zwei Liter Wasser über den Tag verteilt zu trinken. Einen halben Liter Wasser empfahl ich ihr gleich morgens nach dem Aufstehen zu sich zu nehmen. Nach den drei Monaten kam sie strahlend zum vereinbarten Termin und berichtete, dass sie den Ratschlag mit dem Wasser experimentell erprobt habe. Im ersten Monat habe sie sich manchmal daran gehalten und manchmal auch nicht. In dem von ihr geführten Migränetagebuch konnte sie feststellen, dass die Migräneanfälle ausschließlich an den Tagen auftraten, an denen sie wenig getrunken hatte. Daraufhin trank sie ab dem zweiten Monat konsequent jeden Tag nach Anweisung ausreichend Wasser. Seither habe sie keinerlei Spur von Migräne oder Kopfschmerz mehr gehabt. Nicht einmal bei Wetterwechsel, bei dem es sonst besonders schlimm gewesen sei.

Im Hirnstamm gibt es eine Messstation, die Alarm schlägt, wenn grundlegende, lebenswichtige Körperfunktionen in Gefahr sind. Fällt nun im Blut entweder der Flüssigkeitsspiegel, der Sauerstoffgehalt oder der Blutzuckerspiegel, so scheint dies bei Menschen, die entweder genetisch dafür prädisponiert sind oder deren Ursachenfass mit anderen Belastungen weitgehend gefüllt ist, eine Aktivierung des Migränegenerators auszulösen.
Fall 7: Stirnnarbe als Störfeld

In der Anfangszeit meiner Migränebehandlungen kam eine Mutter mit ihrem 10-jährigen Sohn in meine Praxis. Mindestens zweimal in der Woche musste der Junge wegen Migräneanfällen von der Schule nach Hause gehen. Das Ganze seit seinem Skateboard-Sturz vor sechs Monaten. Er war bei diesem Sturz auf die Stirn gefallen und hatte dort seither eine etwa 5 cm lange Narbe. Während der Schulferien hatte er regelmäßig bis zu sechs Wochen keine Migräne. Seine Mutter ging daher davon aus, dass der Schulstress wohl die Ursache für sein Leiden sei. Die Tatsache, dass die Migräne erstmals zwei Wochen nach dem Sturz auftrat, hielt sie für Zufall.

Mein Vorschlag, das Nächstliegende zu tun und das potentielle Narbenstörfeld neuraltherapeutisch durch Unterspritzen mit Procain zu entstören, fand bei der Mutter wenig Anklang. Zumal der Junge schon bei dem Gedanken an eine Spritze in die Stirn ängstlich das Gesicht verzog. Ich behandelte ihn mehrere Male osteopathisch und mit Laserakupunktur, doch weder die Häufigkeit noch die Intensität der Migräneattacken besserten sich. Jetzt gelang es mir die Familie zu überzeugen, dass es notwendig war, die Narbe zu entstören. Die Mutter meinte, es könne eigentlich nicht an der Narbe liegen, da diese ja auch in den Ferien da gewesen sei, er aber trotzdem in dieser Zeit keine Migräne hatte. Sie ließ sich dennoch auf den Versuch ein. Die Narbe bereitete ich mit einem schmerzlindernden Pflaster vor. Tapfer biss der Junge unter Tränen die Zähne zusammen, während ich die Narbe unterspritzte. Daraufhin war das Kind zwei Monate migränefrei. Nach einem erneuten Anfall wiederholten wir die Behandlung sofort noch einmal. Danach traten keine weiteren Anfälle mehr auf, wie mir die Mutter neun Monate später bestätigte. Das Narbenstörfeld war ausgelöscht.

Was war nun die Erklärung dafür, dass der Junge während der Schulferien, trotz des Narbenstörfeldes, keine Migräne hatte? Die Erklärung liefert hier wieder das Fassmodell. Wenn das Fass der sich addierenden Ursachen überzulaufen droht, entlädt es sich in einer Migräneattacke. Solange das Fass aber nur halb voll ist, passiert gar nichts. Der Körper besitzt eine wunderbare Kompensationsfähigkeit. Ist das Fass aber ganz voll, genügt schon eine Kleinigkeit, wie z. B. ein Wetterwechsel, um es zum Überlaufen zu bringen. Beim Entleeren des Fasses spielt es nun keine Rolle ob wir oben oder unten Volumen abzapfen. Wenn es halb leer ist, kompensiert der Körper die Belastung wieder problemlos alleine. Der Schulstress füllte offensichtlich schon vor dem Sturz die eine Hälfte des Fasses. Das hinzukommende Narbenstörfeld auf der Stirn im Bereich des 1. Astes des Trigeminusnervs, der ohnehin eine wichtige Rolle in der Migräneentstehung hat, füllte die andere Hälfte. In den Ferien reichte das Narbenstörfeld alleine nicht aus, das Fass zu füllen, weshalb trotz der Narbe keine Migräne auftrat. Dies ist auch die Erklärung dafür, dass manchmal unterschiedliche Therapeuten mit unterschiedlichen Therapieansätzen zum gleichen Ergebnis kommen können.
Fall 8: Mandelstörfeld

Die 27-jährige, sehr zierliche Sekretärin, ist mir aus der Anfangszeit meiner neuraltherapeutischen Behandlungen im Gedächtnis geblieben. Sie litt seit ihrem 14. Lebensjahr an Migräne. Die Attacken kamen in etwa wöchentlichem Abstand, dauerten zwei Tage und gingen mit Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit einher. Sie litt ein- bis zweimal jährlich wiederkehrend an Mandelentzündungen. Berufliche Belastung bestand durch eine Mobbingsituation am Arbeitsplatz. An Medikamenten hatten ihr anfänglich Triptane geholfen. Mittlerweile machte es keinen Unterschied mehr, ob sie die Medikamente einnahm oder nicht.

Ihre Wirbelsäule erschien unauffällig, der Bauch ebenfalls. Die Schulter-Nackenmuskulatur war besonders im Bereich des Trapezius-Muskels sehr hart. Sie konnte ihren Kopf nur sehr eingeschränkt nach links und rechts drehen. Bei 45° Drehung war Schluss. Normalerweise sollte sich der Kopf von der Mitte aus in jede Richtung um etwa neunzig Grad drehen lassen. Die osteopathische Lösung der verhärteten Muskel- und Bindegewebsstrukturen an Nacken und Schultern sowie die Verbesserung des venösen und lymphatischen Abflusses am Kopf-Hals-Übergang und der oberen Brustkorböffnung führten dazu, dass die Patientin nach der ersten Sitzung den Kopf wieder in gutem Winkel drehen konnte und ein angenehmes Gefühl von Leichtigkeit in diesem Bereich hatte. Sie fühlte sich, als hätte ihr jemand einen Sandsack von den Schultern genommen. Wir planten die nächste Sitzung eine Woche später und hofften, dass durch die Behandlung zumindest die nächste Migräneattacke ausbleiben würde. Aber, dies blieb zunächst nur eine Hoffnung. Unbeeindruckt von aller Entspannung trat die nächste Attacke vier Tage später, genau zum erwarteten Zeitpunkt auf. Die Untersuchung am zweiten Termin zeigte erneut eine Einschränkung der Drehfähigkeit des Kopfes. Nicht mehr so drastisch wie beim ersten Mal, aber doch deutlich. Und das, obwohl die Patientin gerade Urlaub hatte. Man konnte diese Verspannung also nicht auf ihre berufliche Belastung zurückführen, wie es sonst bei einer Sekretärin, durch den erhöhten Bedarf an Feinmotorik am PC und die damit verbundene Anspannung der Schulter-Nackenmuskulatur, nahegelegen hätte. Was also hatte die erneute Verspannung innerhalb einer Woche ausgelöst?