Книга Die Chiemsee Elfen читать онлайн бесплатно, автор Yvonne Elisabeth Reiter – Fictionbook, cтраница 9
Yvonne Elisabeth Reiter Die Chiemsee Elfen
Die Chiemsee Elfen
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Yvonne Elisabeth Reiter Die Chiemsee Elfen

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Die Wan­gen des Hein­zel­chens rö­te­ten sich. Er senk­te sei­nen Kopf und ging zu sei­nem Ar­beits­platz zu­rück.

»Oh, da bin ich aber froh«, er­wi­der­te die See­jung­frau er­leich­tert, denn in der Zau­ber­welt war es von be­son­de­rer Be­deu­tung, dass kein Le­be­we­sen ohne sei­ne Zu­stim­mung rein für den Ver­zehr ge­tö­tet wur­de.

»Hal­lo, ich bin Pie­ra«, stell­te sie sich so­gleich vor und reich­te Ni­mue ihre rech­te Hand.

Ni­mue nahm sie an. »Hal­lo, ich bin …«

»Das weiß ich doch.« Pie­ra lä­chel­te vor Freu­de, Ni­mue end­lich ken­nen­zu­ler­nen. »Darf ich dich fra­gen, ob wir zu dei­ner Ge­burts­tags­fei­er kom­men dür­fen?«

Ni­mue war er­staunt über die er­neu­te An­fra­ge ei­nes ihr un­be­kann­ten We­sens. »Hmm, ich ken­ne dich doch gar nicht, wer bist du?«

»Ich bin eine See­jung­frau und lebe haupt­säch­lich im Starn­ber­ger See.«

Ni­mue spür­te die vor Neu­gier ste­chen­den Bli­cke der Hein­zel­chen auf ih­rem Kör­per. Da deu­te­te sie der See­jung­frau mit ei­ner Hand­be­we­gung an, ihr zu fol­gen. Kurz dar­auf schweb­ten bei­de aus der Kü­che in den Hof­gar­ten hin­aus. Sie setz­ten sich auf eine Bank di­rekt vor ei­nem Strauch mit ro­ten und gel­ben Ro­sen. Die­se blüh­ten be­son­ders herr­lich und so be­merk­te Pie­ra: »Schön habt ihr es hier!«

»Ja, Oma ist eine wah­re Gar­ten­künst­le­rin.«

Als sie zur Ruhe ka­men, er­klär­te die See­jung­frau: »Un­se­re Hei­mat ist im Was­ser. Wir kön­nen aber auch auf dem Land le­ben. Dort ver­wan­delt sich un­se­re Flos­se zu zwei mensch­li­chen Bei­nen. Aus die­sem Grund le­ben ei­ni­ge aus mei­ner Fa­mi­lie un­ter Was­ser und an­de­re auf dem Land.«

»Ihr lebt in­mit­ten der Men­schen?«

»Ja, das tun wir. Un­se­re Kör­per glei­chen den ih­ren, was un­se­re wah­re Iden­ti­tät ver­steckt. Nur sehr fein­füh­li­ge Men­schen spü­ren un­se­re rei­ne Ener­gie. Sie füh­len sich von uns an­ge­zo­gen, ver­ste­hen je­doch nicht, wo­her die­se An­zie­hung kommt.« – Pie­ra lach­te kurz auf – »Man­che glau­ben, dass sie sich un­s­terb­lich in uns ver­liebt ha­ben. Doch meis­tens sind es nur die Ener­gi­en, auf die sie re­a­gie­ren.«

»So habt ihr vie­le Ver­eh­rer?«

Pie­ra sah Ni­mue fra­gend an.

»So sagt man doch, Ver­eh­rer, oder nicht?«, war sich Ni­mue plötz­lich un­si­cher.

»Wir ha­ben vie­le Ver­eh­rer, ja, das stimmt. Aber wir spü­ren ganz deut­lich, ob es die wah­re Lie­be oder nur eine An­zie­hung aus er­wähn­ten Grün­den ist. So­mit wer­den es schon be­deu­tend we­ni­ger.«

»Wie vie­le seid ihr?«

»Wir sind 16 und wür­den uns alle über eine Ein­la­dung sehr freu­en.«

Ni­mue moch­te die­ses schö­ne We­sen, das in der ma­gi­schen Was­se­r­ener­gie des Rei­ches Shen­ja leicht gol­den schim­mer­te. Aus die­sem Grund fiel es ihr nicht schwer, zu­zu­sa­gen. »Gut, ich freue mich auf euer Kom­men.«

Pie­ra be­dank­te und ver­ab­schie­de­te sich.

Ni­mue blieb zu­rück und be­ob­ach­te­te ihre schö­nen, wei­chen Schwün­ge, wäh­rend sie in Rich­tung Wald schweb­te. Sie war eine wun­der­schö­ne See­jung­frau mit hell­blon­den, fast wei­ßen Haa­ren. Ihre Flos­se war kö­nigs­blau und von fei­ner Sta­tur. Ihre Brust war durch ein gleich­fa­r­bi­ges Ober­teil be­deckt, das durch dün­ne Trä­ger rund­um ver­bun­den war. Es sah aus, als ob es ein Spin­nen­netz wäre, wel­ches sich über ih­ren Ober­kör­per web­te.

Nach ein paar Mi­nu­ten ver­schwand Pie­ra im Wald. Dann ging Ni­mue auf ihr Zim­mer. Dort fing sie an, alle von ihr ein­ge­la­de­nen Gäs­te auf­zu­schrei­ben. An­sons­ten wür­de sie bald den Über­blick ver­lie­ren, denn aus ir­gend­ei­nem Grund hat­te sie das Ge­fühl, dass es noch mehr wer­den wür­den.


Nach­dem sie ih­ren Stift zur Sei­te ge­legt hat­te, be­trach­te­te sie im Spie­gel ihr Kleid mit Ent­set­zen.

»Ich habe das Kleid viel zu früh an­ge­zo­gen. Nun schau, es ist schmut­zig ge­wor­den«, be­klag­te sich Ni­mue bei der Spie­gelda­me.

»Ja, du hast recht. Das ist kein Pro­blem, Ni­mue. Willst du es zum Abend­es­sen an­be­hal­ten?«

»Ja, na­tür­lich. Ich habe ge­hört, dass es Ka­tars Lieb­lings­fa­r­be ist.«

»Nun gut. Komm nä­her zu mir an den Spie­gel her­an. Ich muss dir je­doch gleich sa­gen, dass ich das nicht im­mer ma­chen kann. Es kos­test mich viel Ener­gie, und wo­für gibt es Wel­len­schlag­ma­schi­nen, die die Wä­sche wa­schen?«

Ni­mue wuss­te nicht, was sie vor­hat­te. Sie ver­trau­te ihr den­noch und stell­te sich di­rekt vor den Spie­gel.

»Also«, wies die Spie­gelda­me sie an, »bleib in die­sem Ab­stand ste­hen und dreh dich, wenn ich es dir sage.«

»Okay, Spie­gel«, ant­wor­te­te Ni­mue, neu­gie­rig auf das, was nun pas­sie­ren wür­de.

Es dau­er­te Se­kun­den oder viel­leicht so­gar Mi­nu­ten, in de­nen nichts ge­sch­ah. Ni­mue hat­te das Ge­fühl, dass es ewig an­hielt, so still auf ei­nem Platz zu ste­hen und auf et­was zu war­ten, das sie noch nicht kann­te. Dann ging es auf ein­mal los. Die Spie­gelda­me füll­te sich mit hel­lem Licht. So hell, dass sich Ni­mue nicht mehr dar­in se­hen konn­te. Dar­auf­hin fing das Licht an, weit in den Raum hin­ein­zu­leuch­ten. Doch nur einen Mo­ment spä­ter fo­kus­sier­te es sich voll auf Ni­mue, als ob es eine Hül­le um ih­ren Kör­per bil­den woll­te. Sie dreh­te sich auf Be­fehl und schon war al­les wie­der vor­bei.

Die Spie­gelda­me er­klär­te er­schöpft: »Ui, jetzt muss ich mich aus­ru­hen.«

Ni­mue mus­ter­te ihr Kleid. Es war sau­ber, als ob sie es ge­ra­de an­ge­zo­gen hät­te. »Dan­ke, lie­ber Spie­gel.«

»Ist schon gut, hab‘ ‘nen schö­nen Abend, Ni­mue.«

So­fort schnell­ten an bei­den Sei­ten Tü­ren aus dem Holz­rah­men, so schnell, dass Ni­mue rü­ck­wärts sprin­gen muss­te, um ih­nen aus­zu­wei­chen. Sie schlos­sen sich gleich­zei­tig mit ei­nem tie­fen Atem­zug der Spie­gelda­me. Kurz dar­auf schlief sie ein.

Ni­mue war ver­blüfft über ihre Küns­te. Noch nie zu­vor hat­te sie ein Kleid ge­rei­nigt.

»Ob sie noch mehr kann, wo­von ich nichts weiß?«, wun­der­te sich Ni­mue. Da wur­de ihr plötz­lich klar, dass sie seit fast Jahr­zehn­ten mit der Spie­gelda­me in die­sem Zim­mer zu­sam­men­leb­te und nichts über sie wuss­te, zu­min­dest nicht, dass sie au­ßer ei­nem Spie­gel­bild und ei­nem all­zu oft fre­chen Mund­werk auch an­de­re Fä­hig­kei­ten be­saß. Noch nicht ein­mal die Tü­ren hat­te sie bis zu die­sem Tag ge­se­hen, die aus feins­tem Ma­ha­go­ni be­stan­den. Zu­dem hat­ten sie In­tar­si­en über die gan­ze Län­ge hin­weg. Die Holz­ver­zie­run­gen stell­ten eine gro­ße Blu­me je­weils in der Mit­te der Tür dar. Rings­her­um wa­ren klei­ne­re, die sich an den Stän­geln mit­ein­an­der ver­ban­den. Die äu­ße­ren Blu­men hat­ten die Fa­r­be Hell­li­la, wäh­rend die in­ne­re un­be­malt war.

Ni­mue mus­ter­te den ge­schlos­se­nen Spie­gel noch eine gan­ze Wei­le, bis sie be­merk­te, dass es Zeit zum Abend­mahl war. Gleich dar­auf mach­te sie sich auf den Weg zum Ta­fel­saal, denn an die­sem Tag woll­te sie auf kei­nen Fall zu spät kom­men.

Auf dem Schloss­gang fiel ihr ein Piep­sen auf, das mal lau­ter, mal lei­ser er­tön­te. Je­weils drei­mal »piep, piep, piep«, bis es ver­meint­lich die Rich­tung wech­sel­te. Ein­mal klang es, als ob es hin­ter ih­rem Rü­cken wäre, dann vor ihr, dann ne­ben ihr rechts oder mal links. Sie konn­te kei­nen Ort de­fi­nie­ren, von dem es mit Be­stimmt­heit aus­ging. Sie zuck­te mit den Schul­tern und ging wei­ter, doch gleich­zei­tig schärf­te sie ih­ren Ge­hör­sinn. Als sie das Ge­räusch in­ten­si­ver wahr­nahm, er­kann­te sie, dass dies von ei­nem We­sen aus­ge­hen muss­te und es nicht die Holz­bal­ken oder an­de­re im Gang vor­han­de­nen Ge­gen­stän­de sein konn­ten.

»Wer und wo bist du?«, frag­te sie dar­auf­hin harsch.

Nichts. Kei­ne Re­ak­ti­on, au­ßer ei­nem er­neu­ten Pie­pen.

»Zeig dich«, for­der­te sie das un­be­kann­te We­sen auf. Da ent­deck­te sie vor sich einen Licht­ke­gel, der in der Dun­kel­heit der Abend­däm­merung schwach schim­mer­te. Die Licht­quel­le schwank­te der­art stark hin und her, dass sie kei­nen Kör­per aus­fin­dig ma­chen konn­te.

»Wer bist du und war­um ver­folgst du mich? Sprich end­lich!«, rief sie auf­ge­bracht.

Gleich dar­auf sah sie ein klei­nes We­sen di­rekt auf sie zu stol­zie­ren, das je Schritt kla­rer und sicht­ba­rer wur­de, wo­bei das Licht um es her­um zu­neh­mend ver­blass­te.

»Mea cul­pa, Eure Ho­heit, ich woll­te Sie nicht ver­är­gern«, ant­wor­te­te es mit wei­cher Stim­me.

»Mea cul­pa?«, frag­te sie nach.

»Mei­ne Schuld, Eure Ho­heit.«

»Ach so, sag das doch gleich.«

»Ich möch­te mich vor­stel­len, Eure Ho­heit.«

»Das hört sich doch gut an«, be­merk­te Ni­mue nun mit ei­nem Lä­cheln.

»Ich bin ein Geist, ge­nau­er ge­sagt ein Pla­ge­geist, und kann es den Men­schen und an­de­ren We­sen oft schwer ma­chen. Ich lie­be es, sie zu är­gern und ih­nen Sa­chen zu ver­le­gen oder sie zu kit­zeln oder Din­ge, die sie tra­gen, an­zu­stup­sen, so­dass sie ih­nen auf den Bo­den fal­len.«

»Das ist aber nicht nett, Geist.«

»Na ja, wir sind Licht­geis­ter und manch­mal, da rüt­teln wir die Kör­per der gu­ten See­len auf, um im All­tag nicht ein­zu­schla­fen.«

»Was meinst du da­mit?«, frag­te sie we­nig über­zeugt von sei­ner The­o­rie.

»Wir pla­gen die Men­schen so lan­ge, bis sie an­fan­gen, ihre Wahr­neh­mungs­fä­hig­keit in ih­rer Fein­heit wie­der zu emp­fin­den, um ihre ver­meint­li­che Un­ge­schick­lich­keit zu be­en­den. Sie er­ken­nen un­er­war­tet wah­re Struk­tu­ren in oder um et­was her­um.«

»Struk­tu­ren, um et­was her­um?«

»Manch­mal ver­schließt der sich ste­tig wie­der­ho­len­de All­tag und des­sen geis­ti­ge Nach­läs­sig­keit die Au­gen vor der Wirk­lich­keit. Also, trä­ge Men­schen se­hen nicht so gut wie schwung­vol­le Men­schen. Oder Zau­ber­we­sen, de­nen geht es da ja nicht an­ders«, er­klär­te der Geist.

»Und was se­hen sie dann nicht?«, woll­te Ni­mue wis­sen.

»Die Wahr­heit in Din­gen, wie zum Bei­spiel Ver­trä­gen, Un­ta­ten von ver­meint­lich lie­ben Freun­den oder Part­nern oder, oder, oder, da gibt es so eine lan­ge Lis­te, dass wir hier noch ewig ste­hen könn­ten.«

Das war das Stich­wort für Ni­mue. Ewig hat­te sie kei­ne Zeit und wahr­schein­lich war sie jetzt eh schon wie­der zu spät dran.

»Wie heißt du und was willst du?«, frag­te sie den­noch.

»Mein Name ist Pla­go­si­us und ich wür­de ger­ne mit mei­ner Fa­mi­lie zu dei­nem Fest kom­men.«

»Wie vie­le?«

»17, Eure Ho­heit.«

»Gut, ich freue mich. Bis bald.«

Sie schweb­te zü­gig los, wäh­rend er noch sprach: »Wir uns auch. Bis bald.«

Als sie den Saal er­reich­te, sah sie mit Er­leich­te­rung, dass die meis­ten El­fen eben­falls ge­ra­de erst ein­tra­fen. Des­halb ging sie in al­ler Ruhe durch die Rei­hen zu ih­rem Tisch, der an die­sem Abend be­son­ders fest­lich ge­deckt war. Die Ker­zen hat­ten die Fa­r­be ih­res Klei­des. Zu­dem wa­ren Blu­men über­all auf dem Tisch ver­streut und schu­fen eine war­me und an­ge­neh­me Stim­mung.

Ni­mue freu­te sich, heu­te als Ers­te an ih­rem Fa­mi­li­en-Tisch zu sein. Dann sah sie Ma­rie und So­phia auf sie zu­kom­men und kurz dar­auf auch Aoi­fe den Saal be­tre­ten. Nach­ein­an­der ka­men Oona, Aar und Tan­te Ti­a­ra mit ih­rem Mann Seog und ih­ren fünf Kin­dern: Chris­ti­an, Mi­cha­el, Tagh, Clau­di­ne und Kris­tin. Alle setz­ten sich. Gleich dar­auf kam Ma­rie, die Schwes­ter des Kö­nigs, mit ih­rem Mann Ca­min und Acair, der Bru­der des Kö­nigs mit sei­ner Frau Cloet, ge­folgt von Ma­ri­es Kin­dern, Clau­di­us und Léa. Letz­te­re wur­de auf der Flucht in Frank­reich ge­bo­ren, kurz nach­dem sich ihr On­kel Ka­tar ver­lobt hat­te; des­halb be­kam sie den Na­men ih­rer zu­künf­ti­gen Tan­te.

Es dau­er­te nicht lan­ge und auch die Kin­der von Acair ka­men her­ein und setz­ten sich an den Tisch; Chri­don, Mass­mo und Spa­nie. Die­se Na­men wa­ren die un­ge­wöhn­lichs­ten am Hofe, aber Cloet lieb­te das Au­ßer­ge­wöhn­li­che. Dar­auf schweb­ten ei­lig Lila und ihr Bru­der Chri­san her­ein, Aars Ge­schwis­ter, und hin­ter ih­nen her ihre Fa­mi­li­en. Je­der sprach mit je­dem und Ni­mue be­ob­ach­te­te, wie gut­ge­launt alle wa­ren. Die Tür schnell­te er­neut auf und Ni­mue sah über­rascht, dass ihr On­kel Seoc von der Zau­be­r­in­sel mit sei­ner Frau und Kin­dern ge­kom­men war. Freu­dig lä­chel­te sie ih­rer Cou­si­ne Cara ent­ge­gen, die ihr schon von Wei­tem zu­wink­te. Sie setz­te sich ne­ben Ni­mue, wäh­rend Seoc, sei­ne Frau Hauch und ihre Kin­der Leon und Mu­sik auf der an­de­ren Sei­te des Ti­sches Platz nah­men.

Ni­mue be­merk­te zu Cara: »Su­per, dass ihr heu­te schon da seid.«

»Nur für die­sen Abend, Ni­mue.« Dann nahm Cara ihre Hand und leg­te et­was Har­tes auf die In­nen­flä­che. »Hier, das habe ich für dich mit­ge­bracht.«

Ni­mue konn­te das Ob­jekt nicht ein­zig und al­lein mit dem Ge­fühl be­stim­men und er­hasch­te einen Blick dar­auf. Es war ein Stein, ge­nau­er ge­sagt ein Frosch aus Stein oder ein Stein­frosch, wie auch im­mer man es nen­nen moch­te.

»Ich habe ja noch gar nicht Ge­burts­tag?«

»Nein, der Frosch hat mich ge­be­ten, ihn mit­zu­neh­men. Er möch­te mit dir spre­chen.«

»Ach so«, ant­wor­te­te Ni­mue, ein we­nig ir­ri­tiert über einen spre­chen­den Stein. Sie konn­te je­doch kei­ne wei­te­ren Fra­gen mehr stel­len, denn so­gleich ging die gro­ße Ein­gangs­tür auf und alle El­fen ver­stumm­ten. Kö­nig Seo­ras und Ka­tar tra­ten lang­sam über die Schwel­le her­ein in den Saal. Gleich­zei­tig hör­te Ni­mue ein »Céad míle fáil­te« ru­fen und meh­re­re wei­te­re Will­kom­mens­ru­fe dar­auf. Der Kö­nig und Ka­tar ver­beug­ten sich und gin­gen lang­sam an den Ti­schen vor­bei auf sie zu.

Ni­mue kann­te den Aus­spruch »Céad míle fáil­te.« Ihr Groß­va­ter hat­te ihr er­zählt, dass es sich hier­bei um einen irisch-gä­li­schen Aus­spruch han­del­te, der »tau­send­fach will­kom­men« heißt. Das El­fen­volk Shen­ja hat­te die­sen Will­kom­mens­gruß von ih­ren gu­ten El­fen­freun­den aus Ir­land be­reits Jahr­tau­sen­de zu­rück über­nom­men und pfleg­ten die­sen noch heu­te, wenn sie eine be­son­de­re El­fen­see­le be­grüß­ten.

Ni­mue moch­te die­sen Aus­spruch sehr, weil er Tra­di­ti­on ent­hielt, und so lä­chel­te sie vor sich hin. Da be­weg­te sich wie aus dem Nichts der Frosch in ih­rer Hand. Sie er­schrak hef­tig, wäh­rend sie sei­ne fei­ne Stim­me ver­nahm: »Hey, Ni­mue.«

Sie beug­te sich un­ter den Tisch und er­wi­der­te lei­se: »Sei still! Jetzt nicht! Nach dem Es­sen.«

Dar­auf­hin hör­te sie ein ge­dämpf­tes »Oki­do­ke« und schon war es wie­der still un­ter dem Tisch.

Als Ka­tar an ihr vor­bei­ging, klopf­te er kurz auf ihre Schul­ter: »Hal­lo, mei­ne Klei­ne.«

Ni­mue freu­te sich sehr über die­se Ges­te, denn sie zeig­te sei­ne Zu­nei­gung ihr ge­gen­über.

Léa folg­te den bei­den und setz­te sich ne­ben Ka­tar. Nach­dem alle Platz ge­nom­men hat­ten, hall­te laut das ein­stim­men­de »Sláin­te!« durch den Saal. Heu­te war es je­doch nicht wie im Hof­pro­to­koll vor­ge­schrie­ben der Kö­nig, der es aus­rief, son­dern Ka­tar. Alle er­ho­ben die Glä­ser und pros­te­ten sich zu. Lang­sam er­tön­ten vie­le Stim­men im Raum und der fest­li­che Abend nahm sei­nen Lauf.

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