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Wolfgang Breuer Windbruch
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Wolfgang Breuer Windbruch

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Als sie jetzt das Haus betrat und Licht machte, war sie begeistert. Es roch nicht nur frisch geputzt und sauber. Im Wohnbereich sah es auch wieder ganz manierlich aus. Die Helferschar hatte tatsächlich alles, was nicht durch den Sturm zerstört worden war, wiederhergerichtet und vieles, soweit möglich, sogar wieder zusammengebaut. Die Tür zum Balkon war repariert, vereinzelte Bilder wieder aufgehängt und auf dem Esstisch stand sogar der Strauß Blumen, den sie am Mittag noch aus der Garage gerettet hatte. Ronja musste ihn dort am Abend zuvor vergessen haben. Womöglich auf ihrem Autodach. Der Sturm hatte ihn wohl in die Garagenecke gefegt.

Schnell schaute sie nach dem Anrufbeantworter. Doch der hatte, bis auf mehrere Nachfragen von ‚Rommert und Sohn’, nichts zu bieten. „Armer Schatz“, flüsterte Mina vor sich hin, „keine Meldung von Deinem Mann. Wie soll ich Dir das nur beibringen?“

Nachdenklich machte sie noch einen Kontrollgang durch das Haus und überschlug in Gedanken, was ‚Friedrike’ hier wohl an Schäden angerichtet haben mochte. Hoffentlich sind die beiden gut versichert.’

Nach einem kurzen Besuch des ebenfalls aufgeräumten und durchgewischten Bades legte sie sich schließlich zum Schlafen ins Gästezimmer. ‚Eine groteske Premiere’, dachte sie bei sich. ‚Hier hat seit dem Einzug der Körners noch keiner übernachtet. Dafür hätte es durchaus einen schöneren Anlass geben können.’

Kripo-Chef Klaus Klaiser saß zu dieser Zeit noch immer daheim im Arbeitszimmer und grübelte, wie man diesem anonymen Anrufer auf die Spur kommen könnte. Alle Versuche seiner Leute, diesen Menschen durch Hausbesuche und unverfängliche Gespräche ausfindig zu machen, waren gescheitert.

Die Suche hätte auch nur mit unheimlich viel Glück zum Erfolg führen können. Wer ist schon so dämlich und unterhält sich mit der Polizei, bei der er Stunden zuvor einen dubiosen Alarmruf abgesetzt hat. Er musste ja damit rechnen, dass der aufgezeichnet wird. Aber einen Versuch war die Befragung wert. Schließlich ging es um ein Menschenleben.

Erschwerend kam hinzu, dass längst auch das Verschwinden von Leon Körner angezeigt worden war. Der alte Rommert hatte sich am Abend auf der Wache gemeldet. Nach mehreren vergeblichen Versuchen, dessen Frau Ronja zu erreichen. Da müsse etwas passiert sein, hatte er leutselig angemerkt. Sein Angestellter sei sonst die Zuverlässigkeit in Person. Aber der habe sich schon seit über einem Tag nicht mehr gemeldet und sei auch nicht erreichbar.

Dass das Verschwinden Körners in unmittelbaren Zusammenhang mit dem dubiosen Anruf gebracht werden könnte, darüber war in der Abendrunde zwar auch geredet worden. Doch der Gedanke wurde zunächst einmal verworfen. Weil der Ingenieur eigentlich längst in Brandenburg hätte sein müssen. Er war schließlich schon tags zuvor rechtzeitig losgefahren, um nicht vom drohenden Unwetter erwischt zu werden. Aber an seinem Ziel angekommen war er nachweislich nicht.

Daher verlegten sich die Kripo wie die Kollegen von der Schutzpolizei zunächst einmal darauf, die Polizeidienststellen auf dem Weg nach Potsdam in die Suche nach ihm und seinem Fahrzeug einzubinden. Wo hatte es eventuell einen Unfall mit Beteiligung Körners gegeben? Oder wo war er unter Umständen aufgegriffen oder aufgefunden worden?

Irgendwann fiel Klaiser der Kuli aus der Hand. Er war eingeschlafen. Den ganzen Tag über hatte er gegen den Orkan gekämpft und unter anderem dafür gesorgt, dass der nagelneue Wintergarten nicht zu Bruch ging.

Dieses filigrane Teil aus viel Glas, das nach den Wünschen seiner Frau Ute zur Krimmelsdell hin an ihr Haus angebaut worden war, hatte ein Schweinegeld gekostet. Aber es zeigte sich als wenig sturmresistent. Die wummernden Böen drohten die Glasflächen einzudrücken.

In einem wahren Himmelfahrtskommando hatte Klaus mit Hilfe dreier Nachbarn mehrere große Spanplatten aus der Garage auf die Terrasse expediert, sie zum Schutz der Scheiben einfach davor gestellt und im Aluminiumprofil festgeschraubt.

„Scheiß der Hund drauf“, hatte er geflucht. „Die Löcher im Profil kann man wieder zumachen.“ Und die Spanplatten, die eigentlich für den Ausbau des Dachbodens in der Garage lagerten, waren ersetzbar, falls sie gänzlich unbrauchbar würden.

Auf jeden Fall hatte das Provisorium gehalten. Nur der Vorrat an Bosch-Pils nicht. Der war am Ende der Aktion und der dringend notwendigen ‚Nachbesprechung’ aufgebraucht.

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