Книга Walter Ulbricht. Mein Urgroßvater читать онлайн бесплатно, автор Florian Heyden – Fictionbook, cтраница 5
Florian Heyden Walter Ulbricht. Mein Urgroßvater
Walter Ulbricht. Mein Urgroßvater
Walter Ulbricht. Mein Urgroßvater

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Florian Heyden Walter Ulbricht. Mein Urgroßvater

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Zur allgemeinen Überraschung besucht Lenin nach seiner Rede die deutsche Delegation. Er ist überarbeitet, sein Gesicht blass und eingefallen, von Krankheit gezeichnet. Er muss sich zusammennehmen und spricht nicht lange. Trotzdem schüttelt er nach dem Gespräch Walter und der restlichen Delegation die Hand und wünscht alles Gute. Die meisten bleiben noch eine Weile in Moskau, um bei Tee und Brot privat zu sprechen.158 Ende Dezember kehrt Walter nach Jena zurück, wo die Polizei längst wieder nach ihm fahndet. Kaum zurück stürzt sich Walter mit gewohntem Fleiß in die Funktionärsarbeit und wertet auf dem Bezirksparteitag in Erfurt den Weltkongress aus.

Den Entschlüssen des Kongresses folgend, beginnt er mit einer Arbeit, die ihm den Spitznamen „Genosse Zelle“ einbringt: die Gründung von Betriebszellen. Anders als die traditionelle Gliederung nach Wohngebieten soll die KPD fest in Betrieben verwurzelt werden, in kleinen, straff geführten und disziplinierten Betriebszellen. Die Kommunisten sollen nach Lenins Doktrin die Avantgarde der Arbeiterklasse sein und so den Kampf gegen die Bourgeoisie vorantreiben.

Wie erwartet bestätigt der Bezirksparteitag Walter als Delegierten Thüringens für den VIII. Parteitag im Februar 1923 in Leipzig. Der Parteitag wird für ihn ein großer Erfolg: Noch keine dreißig Jahre alt, wird er in die Zentrale und zum Sekretär des Politbüros gewählt. In einem kurzen Diskussionsbeitrag stellt er sich als Anhänger der herrschenden Rechten, als „Brandlerianer“ vor und kritisiert die Parteilinken um Ruth Fischer. Noch kennen ihn lediglich wenige Delegierte und er erhält nur 112 Stimmen. Wenig, verglichen mit den 166 Stimmen für den Parteivorsitzenden Brandler. Aber die Wahl ist ein weiterer wichtiger Schritt auf der Karriereleiter. Zwar hat Walter eigentlich wenig Lust, Jena zu verlassen und nach Berlin weitab seiner Familie zu ziehen, doch Beschluss ist Beschluss.

Der Parteitag findet in einer Atmosphäre extremer politischer Spannungen statt. Nur drei Wochen zuvor haben alliierte Truppen das Ruhrgebiet, Deutschlands industrielles Herz, besetzt, um 269 Millionen Goldmark ausstehender Reparationen einzufordern. Die Regierung hat darauf zum passiven Widerstand aufgerufen, niemand soll mit den Besatzern zusammenarbeiten. Der Generalstreik soll Frankreich daran hindern, sich aus den Zechen und Stahlwerken der Ruhr zu bedienen. Das gelingt nur teilweise. Vor allem hat der Streik aber Folgen für Deutschland. Die Gelddruckmaschinen werden angeworfen, um den Streik zu bezahlen. Die Inflation wird zur Hyperinflation, die bereits geschwächte Mark fällt ins Bodenlose. Bald ist das neugedruckte Geld das Papier nicht mehr wert, auf dem es gedruckt ist. Streiks, Plünderungen und Hungerunruhen erschüttern das Land. Rechte Politiker, Militärs und Unternehmer denken über eine „nationale Diktatur“ nach. Angesichts des Chaos ringen die Delegierten auf dem Parteitag um die richtige Strategie. Teile des Exekutivkomitees glauben, dass die Zeit für einen Aufstand reif ist. Wie soll man weiter vorgehen? Ist es Zeit für eine Revolution? Soll die KPD mit der SPD zusammenarbeiten oder ist nur ein Umsturz nach sowjetischem Vorbild erlaubt?

Auf der Linie der Komintern argumentiert Walter gegen die Mehrheit der Delegierten, man dürfe sich erst an einer Regierung beteiligen, wenn das Reich direkt vor der Diktatur des Proletariats stehe.159 Zwei Tage nach dem Ende des Parteitags zieht Walter zurück zu seiner Familie nach Leipzig.160 Als Mitglied der Zentrale pendelt er ab jetzt von dort nach Berlin. Die Polizei fahndet nach ihm, doch sein Aufenthaltsort lässt sich nicht feststellen. Ein Foto von ihm ist nicht vorhanden und es ist nicht möglich, eines zu beschaffen. Martha wird verhört und behauptet, auch kein Foto von ihrem Mann zu besitzen. Von den Nachbarn wird Walter sehr allgemein als etwa 1,65 Meter groß, schlank, bartlos, mit gesunder Gesichtsfarbe und blondem, welligem Haar beschrieben.161 Ansonsten hat die Polizei kaum Informationen zur Fahndung.

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