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Matthias Boden Ein tödliches Komplott
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Matthias Boden Ein tödliches Komplott

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Vor der FBI Zen­tra­le ver­ab­schie­de­ten sie sich von­ein­an­der und fuh­ren zu ih­ren Woh­nun­gen. Sie muss­ten noch für den Auf­trag in Port­land pa­cken be­vor am Nach­mit­tag ihr Flie­ger ging. Erst kurz vor dem Ab­flug wür­den sie sich wie­der am Flug­ha­fen tref­fen. As­hleigh Spears war sehr ge­spannt auf das was sie er­war­ten wür­de. Nach­dem die ei­gent­li­che Po­li­zei bis­her nur Hin­wei­se ge­sam­melt hat­te, ka­men sie den Tä­tern nicht auf die Spur. Es brauch­te die Hil­fe der Pro­fis vom FBI. Die Hil­fe von ihr und ih­rem Kol­le­gen. Ei­gent­lich freu­te sie sich auf die­se Auf­ga­be, ihr war nur nicht wohl bei dem Ge­dan­ken kei­ner­lei Kol­le­gen au­ßer Cooper bei sich zu ha­ben. Sie wa­ren nur zu zweit und die Ge­sell­schaft SNB ope­rier­te in den ge­sam­ten USA. Wie vie­le Leu­te dar­an be­tei­ligt wa­ren, konn­te man nicht ab­schät­zen. Na­tür­lich hat­ten sie die Po­li­zei­be­am­ten der Städ­te im Rücken, aber die konn­ten ih­nen nur Hin­wei­se lie­fern.

Auch Cooper wä­re es lie­ber ge­we­sen in ei­nem großen Te­am auf Ver­bre­cher­jagd zu ge­hen und nicht nur mit sei­ner Kol­le­gin. Er wuss­te, dass es ge­fähr­lich wer­den könn­te nur zwei Bun­de­s­agen­ten ins Feld zu schi­cken, um ei­ne gan­ze Or­ga­ni­sa­ti­on hoch­zu­neh­men. Oft hör­te man da­von, dass Freun­de und Kol­le­gen aus dem Le­ben ge­ris­sen wur­den, nur weil sie im Kampf ge­gen skru­pel­lo­se Ver­bre­cher al­lei­ne ge­gen ei­ne Über­macht an­ge­tre­ten wa­ren. Ih­re ein­zi­ge Aus­sicht auf Hil­fe war In­ter­pol in Ly­on, die aber ers­tens noch nichts von ih­rem Glück wuss­ten und zum an­de­ren nur Bü­ro­ti­ger be­schäf­tig­ten die sich ma­xi­mal an Brief­bö­gen mal die Fin­ger auf­schnit­ten. Die­se Men­schen wa­ren nicht im frei­en Feld zu ge­brau­chen. Da konn­te es schon ziem­lich hart zur Sa­che ge­hen.

Am frü­hen Nach­mit­tag, die laue Früh­lings­son­ne stand be­reits schon ziem­lich tief am Fir­ma­ment, tra­fen die bei­den Agen­ten vor dem Flug­ha­fen von Wa­shin­ton D.C. zu­sam­men. Ih­re Rei­se­ta­schen wur­den in die Ma­schi­ne ge­la­den und die bei­den Spe­ci­al Agents folg­ten in die Alu­mi­ni­um­hül­le. Wäh­rend die Boeing 737 über die Start­bahn ras­te, warf Cooper Knight einen Blick in die Ak­ten die ih­nen ihr Agen­ten­füh­rer zu­sam­men­ge­stellt hat­te. As­hleigh bat ihn laut vor­zu­le­sen was sie bis­her hat­ten. Sie woll­te sich die Ak­ten nicht auch noch an­schau­en müs­sen. Cooper las und fass­te es in sei­nen ei­ge­nen Wor­ten für sie zu­sam­men.

»Die meis­ten Op­fer sind jun­ge Frau­en die in pre­kä­ren Le­ben­sum­stän­den ste­cken. Be­vor­zugt spre­chen sie Stu­den­tin­nen an, die mit dem Klein­geld was sie als Kell­ne­rin ver­die­nen ihr Le­ben und ihr Stu­di­um fi­nan­zie­ren. Sie lo­cken sie al­le mit klei­ne­ren Be­trä­gen, wie 2000 bis et­wa 5000 Dol­lar für ein­fa­che Bo­ten­diens­te. Ir­gend­wo et­was ab­ho­len und an ei­nem an­de­ren Ort wie­der ab­stel­len. Die Po­li­zei tappt nach wie vor im Dun­keln. Sie ha­ben so­gar schon ver­sucht einen Ver­däch­ti­gen nur zu be­schat­ten und dar­auf zu war­ten, wer das ge­lie­fer­te Päck­chen ab­holt, aber auch nach drei Ta­gen war noch nie­mand dar­an in­ter­es­siert. Als sie das Pa­ket dann selbst ge­holt ha­ben war es leer. Der In­halt war wie von Zau­ber­hand ver­schwun­den, ob­wohl sie das Pa­ket die gan­zen drei Ta­gen nicht aus den Au­gen ge­las­sen hat­ten. Was die Be­am­ten in Texas ver­sucht ha­ben wä­re auch mein ers­ter An­satz ge­we­sen. Die ha­ben nur den Lie­fe­rant mit Zi­vil­be­am­ten be­ob­ach­tet und dar­auf ge­war­tet was pas­siert. Aber auch nach mehr als ei­nem Mo­nat wur­de er nicht wie­der be­auf­tragt. Ir­gend­je­mand der Grup­pie­rung die hin­ter SNB steht muss ent­we­der die gan­zen Ku­rie­re über­wa­chen, oder Ver­bin­dun­gen in die höchs­ten Po­li­zei­krei­se ha­ben.«

»Das wird ja im­mer bes­ser«, maul­te As­hleigh Spears ih­ren Kol­le­gen an. »Da ver­schwin­det Ma­te­ri­al aus Pa­ke­ten die über­wacht wer­den und die Ku­rie­re wer­den nicht mehr ein­ge­setzt, wenn wir sie im Au­ge be­hal­ten. Das ist ja wie ver­hext! Aber könn­ten wir nicht mit ein biss­chen Über­wa­chungs­tech­nik zu­min­dest die Emp­fän­ger aus­fin­dig ma­chen?«

»Wie soll das ge­hen?«, frag­te Cooper ver­wirrt. »Die las­sen ih­re Pa­ke­te nicht un­be­auf­sich­tigt. Wir kön­nen da nicht ein­fach einen Sen­der an­brin­gen und dar­auf war­ten, dass es ab­ge­lie­fert wird.«

Spears lä­chel­te ge­heim­nis­voll, »Wenn wir einen Ku­ri­er um­dre­hen kön­nen dann schaf­fen wir es auch ein Pa­ket nach­zu­ver­fol­gen.«

Wäh­rend die Boeing in zehn Ki­lo­me­ter Hö­he wei­ter Rich­tung Wes­ten flog dis­ku­tier­ten die bei­den As­hleighs Vor­schlag. Die Fra­ge war nur wie man einen Ku­ri­er um­dre­hen konn­te oh­ne das die SNB Leu­te nichts da­von mit­be­ka­men. Ganz egal aus wel­cher Per­spek­ti­ve sie das Pro­blem aber auch be­trach­te­ten ka­men sie zu kei­nem zu­frie­den­stel­len­den Er­geb­nis. Das Pro­blem war ein­fach nicht zu lö­sen. Je­de Mög­lich­keit die sie be­spra­chen, führ­te im­mer wie­der in die glei­che Sack­gas­se. Ei­ne Lie­fe­rung die nicht aus den Au­gen ge­las­sen wur­de konn­te man nicht ein­fach mit ei­nem Sen­der ver­se­hen, oh­ne dass es je­mand mit­be­kam. Sie brauch­ten an­de­re Lö­sungs­an­sät­ze.

Dann be­rich­te­te Cooper vom letz­ten Ku­ri­er den die Kol­le­gen in Port­land fest­ge­nom­men hat­ten. »Ed­win Nash hat fast 18 kg Cry­stal Meth aus dem Kof­fer­raum ei­nes Wa­gens der an ei­ner Um­ge­hungs­stra­ße ab­ge­stellt war her­aus­ge­holt. Sein Auf­trag war es die hoch­ge­fähr­li­che Dro­ge nach Sa­cra­men­to in Ka­li­for­ni­en zu brin­gen. Als er sie über­nom­men hat­te wur­de er von den Kol­le­gen ein­kas­siert. Lei­der hielt er sich für einen Ge­heim­agen­ten der sei­nen Auf­trag zu En­de brin­gen muss­te und fing an sich ge­gen sei­ne Fest­nah­me zur Wehr zu set­zen. Ein jun­ger Strei­fen­cop, der ihn mit sei­ner Dienst­waf­fe in Schach hal­ten woll­te, um sei­nen Vor­ge­setz­ten zu si­chern war al­ler­dings so ner­vös bei der Ge­schich­te das sich ein Schuss ge­löst hat. Er traf Mis­ter Nash so un­glück­lich in den Ober­bauch, dass sein Pro­jek­til erst den Ma­gen durch­lö­cher­te und an­schlie­ßend die Milz zer­fetz­te. Der 19 Jah­re al­te Aus­hilfs­ar­bei­ter wur­de in der Kli­nik notope­riert und konn­te durch die Ärz­te ge­ret­tet wer­den. Die Kol­le­gen ha­ben sein Ap­par­te­ment durch­sucht und fan­den nicht den ge­rings­ten Hin­weis auf das SNB. Erst als sie ihn ver­neh­men konn­ten kam her­aus, dass er da­für 2500 Dol­lar er­hal­ten soll­te, was in sei­nem Fall un­ge­fähr drei Mo­nats­ge­häl­tern ent­spricht. Der Wa­gen den man ihm zur Ver­fü­gung stell­te war erst am Vora­bend aus der Ga­ra­ge ei­ner Fa­mi­lie ge­stoh­len die einen Kur­z­ur­laub in der Ka­ri­bik ver­bringt.«

»Sehr cle­ver«, summ­te As­hleigh, »Der Dieb­stahl des Wa­gens wä­re al­so gar nicht auf­ge­fal­len be­vor Nash sei­nen Auf­trag be­en­det hat­te. Wie ha­ben die Kol­le­gen da­von er­fah­ren, dass Mis­ter Nash et­was er­le­digt?«

»Es gab einen an­ony­men Hin­weis auf den Wa­gen in dem die Dro­gen ver­steckt wa­ren.«

»Ein an­ony­mer Hin­weis auf gleich mal 18 kg Cry­stal Meth? Wer könn­te ein In­ter­es­se dar­an ha­ben so et­was zu ver­ra­ten?«, frag­te sie.

»Ein Dro­gendea­ler dem es an­ge­bo­ten wur­de?«

»Un­wahr­schein­lich«, schüt­tel­te Spears den Kopf, »zu­fäl­lig weiß ich, dass die meis­ten Dro­gen an der West­küs­te über den Ha­fen von Se­att­le ins Land ge­lan­gen und Cry­stal Meth ver­kauft sich am bes­ten in Los An­ge­les, Las Ve­gas oder in San Fran­cis­co. Sa­cra­men­to liegt nicht weit von San Fran­cis­co ent­fernt. Gut mög­lich, dass es nur ein wei­te­rer Über­ga­be­ort war an dem die 18 Kg auf­ge­teilt wer­den soll­ten. 6 kg wer­den ex­tra ab­ge­packt und die rest­li­chen 12 kg wer­den durch einen wei­te­ren Ku­ri­er wei­ter nach Sü­den ge­schafft. 1,5 Gramm da­von kos­ten knapp 100 Dol­lar. Das sind al­so rech­ne­risch 1,2 Mil­lio­nen Dol­lar. Die 2500 Dol­lar für Nash sind al­so nicht mehr als ein klei­nes Trink­geld und er trägt das gan­ze Ri­si­ko.«

Cooper nick­te nur stumm. Ed­win Nash wür­de für ei­ni­ge Jah­re hin­ter Git­ter ver­schwin­den. Er wuss­te zwar nicht was er da trans­por­tiert aber das spiel­te auch kei­ne Rol­le. Al­lei­ne die trans­por­tier­te Men­ge war so groß, dass man ihm ei­ne Ver­tei­lungs­ab­sicht nach­wei­sen konn­te. Un­wis­sen­heit schützt nicht vor ei­ner Stra­fe. Die Stra­fe für Dro­gen­schmug­gel über ei­ne Bun­des­gren­ze war so schon hoch ge­nug, dass es kei­ne Rol­le mehr spiel­te, ob er es ver­kau­fen woll­te oder nicht.

3. Kapitel

Vereinigte Staaten, Cleveland (OH)

Es är­ger­te ihn maß­los. Der gan­ze Plan war ge­schei­tert. Er hat­te für die­ses Vor­ha­ben ex­tra mehr als ei­ne Mil­li­on ris­kiert und ein ver­damm­ter Strei­fen­cop mit sei­nem un­ru­hi­gen Fin­ger ver­ei­tel­te ihn. Jetzt hat­te er bril­lan­te Fo­tos, die ihm über­haupt nicht schmeck­ten. Wa­rum muss­te der Ser­geant ge­nau an die­sem ver­damm­ten Tag mit ei­nem Frisch­ling un­ter­wegs sein, der sich schon in die Ho­se macht, wenn ei­ner laut hus­tet? Das konn­te ein­fach nicht wahr sein. Gut, der Auf­tritt sei­nes Ku­ri­ers war gar nicht so übel wie er sich das vor­ge­stellt hat­te, aber die Fol­gen wa­ren al­les an­de­re als das, was er ge­plant hat­te. Aus­ge­rech­net die­ser Cop stand ihm in Port­land noch im Weg.

Der Plan war ei­gent­lich nar­ren­si­cher. Sein Ku­ri­er soll­te den ver­damm­ten Cop so weit rei­zen bis der sich nicht mehr hal­ten konn­te und dem Ku­ri­er et­was an­tut. Dann wä­re er ihn we­nigs­tens gleich los ge­we­sen und die Na­ti­on wä­re wie­der durch­ge­dreht. Ein dun­kel­häu­ti­ger Ku­ri­er, jung und däm­lich wie ei­ne Land­stra­ße, wird von ei­nem Dro­gen­cop auf of­fe­ner Stra­ße ver­prü­gelt. Da­zu die hüb­schen Fo­tos die er in Auf­trag ge­ge­ben hat­te schön un­ter die Me­di­en ver­teilt und schon hät­te er die­sen Ty­pen min­des­tens die nächs­ten tau­send Jah­re los. Die gan­ze afro­ame­ri­ka­ni­sche Be­völ­ke­rung hät­te wie­der et­was wor­auf sie ein­prü­geln konn­te und sei­ne Ge­schäf­te an der West­küs­te fie­len nicht mehr ins Ge­wicht. Vor al­lem be­käme sie nie­mand mit, weil sie al­le ab­ge­lenkt wä­ren.

Schon viel zu oft war ihm die­ser Dro­gen­spür­hund in die Pa­ra­de ge­fah­ren und hat­te mehr als ge­nug sei­ner Ak­tio­nen ver­hin­dert. Der muss­te ein­fach weg, da­mit er in Port­land freie Hand hat­te. Jetzt stand er in sei­nem Bü­ro am Fens­ter und blick­te hin­un­ter auf den La­ke Erie. In sei­ner Hand hielt er ein Glas zwölf Jah­re ge­reif­tem Scotch mit zwei Eis­wür­feln, die im Glas klirr­ten. Er muss­te sich et­was Neu­es aus­den­ken. Der Blick auf das blaue Was­ser, was in der Früh­lings­son­ne glänz­te, brach­te ihn im­mer wie­der auf die bes­ten Ide­en. Heu­te al­ler­dings blieb die Wir­kung aus. Da­für mel­de­te sich das Te­le­fon auf sei­nem Schreib­tisch. Miss­mu­tig stell­te er das Glas auf die Tisch­plat­te und nahm das Ge­spräch ent­ge­gen.

»Was?«, frag­te er sau­er.

»Wir be­kom­men ein Pro­blem in Port­land, Sir.«

»Was für ein Pro­blem? Tritt zu­fäl­lig noch der Co­lum­bia Ri­ver über die Ufer und schwemmt die­ses Dreck­loch weg?«

»Nein Sir«, schränk­te der An­ru­fer ein. »Das FBI ist auf dem Weg nach Port­land. Wa­shing­ton schickt zwei Spe­ci­al Agents die un­se­re Ak­ti­vi­tä­ten un­ter­su­chen sol­len. Die sit­zen schon in ei­ner Ma­schi­ne, die in Kür­ze hier lan­det!«

»Ha­ben wir zu­fäl­lig noch ei­ne Bo­den-Luft-Ra­ke­te üb­rig? Wir könn­ten sie vom Him­mel ho­len. Es war klar, dass sich die­se Schnüff­ler ir­gend­wann auf die Su­che ma­chen. Wir sind dar­auf vor­be­rei­tet. Schaf­fen sie bes­ser die­sen Ser­geant Bar­ber aus dem Weg. Der hat uns in den letz­ten Mo­na­ten schon vie­le Lie­fe­run­gen ver­saut und ich bin es lang­sam leid ihn mit Samt­hand­schu­hen an­fas­sen zu müs­sen.«

»Un­se­re Waf­fen sind be­reits ver­kauft Sir. Aber das ist das FBI, was da an­kommt und kein Tau­ben­züch­ter­ver­ein.«

»Es gibt kei­nen großen Un­ter­schied zwi­schen dem FBI und ei­nem Tau­ben­züch­ter­ver­ein. Die wer­den nichts Ver­wert­ba­res fin­den und flie­gen dann wie­der zu­rück. Selbst, wenn sie et­was fin­den soll­ten ha­be ich sie im­mer ge­nau da wo ich sie ha­ben will. Je mehr sie zu se­hen glau­ben, um­so ein­fa­cher ist es sie zu täu­schen. Un­se­re Vö­gel­chen be­kom­men Bar­geld in ei­nem Brief­um­schlag, das sich nicht zu­rück­ver­fol­gen lässt. Die glau­ben, sie ar­bei­ten für ei­ne staat­li­che Be­hör­de und es gibt im gan­zen Land Mil­lio­nen da­von. Das ein­zi­ge, was mir Sor­gen macht, sind die­se däm­li­chen Be­am­ten, die mir im­mer wie­der in die Sup­pe spu­cken und ex­trem ho­he Kos­ten ver­ur­sa­chen. Das Hu­man­ka­pi­tal ist egal, die sind leich­ter zu er­set­zen als feh­len­de Zi­ga­ret­ten. Aber die­se klei­nen Men­gen, die wir sie trans­por­tie­ren las­sen, ge­hen ganz schön ins Geld. Ro­ger Bar­ber hat uns zwi­schen­zeit­lich schon mehr als vier Mil­lio­nen ge­kos­tet, weil er sei­ne Ad­ler­na­se im­mer wie­der in mei­ne An­ge­le­gen­hei­ten hängt. In kei­ner an­de­ren Stadt ha­ben wir die­ses ver­damm­te Pro­blem. Aber es ist nicht so ein­fach einen Dro­gen­fahn­der um­zu­le­gen, oh­ne die ge­sam­te Trup­pe auf­zu­we­cken, die an ih­ren Do­nut­lä­den schla­fen. Ich möch­te den aus dem Weg ha­ben, dann kön­nen wir end­lich mit großen Men­gen ope­rie­ren.«

»Was sol­len wir tun?«, frag­te die Stim­me aus dem Te­le­fon.

»Nicht in die Ho­sen schei­ßen. Ich küm­me­re mich schon dar­um. Im Mo­ment blei­ben wir in Port­land bei den klei­nen Men­gen bis wir end­lich Bar­ber aus dem Weg ha­ben. Än­dern sie ein­fach die Rou­ten für un­se­re Lie­fe­run­gen bis ich grü­nes Licht ge­be.«

»Wann kommt die nächs­te Lie­fe­rung?«

Er muss­te kurz nach­den­ken. Es war nicht so ein­fach den Über­blick zu be­hal­ten, wenn man in vie­len Städ­ten gleich­zei­tig am Ar­bei­ten war. Dann fiel es ihm wie­der ein. »Die nächs­te Lie­fe­rung trifft nächs­ten Don­ners­tag ein. Ir­gend­was um 30 Ki­lo­gramm in klei­nen Men­gen wie bis­her. Ver­sen­den sie ma­xi­mal fünf Ki­lo­gramm zu un­se­ren Ab­neh­mern, bis wir den blö­den Cop los­ge­wor­den sind.«

»In Ord­nung Sir«, klang die Stim­me aus dem Hö­rer und die Ver­bin­dung wur­de un­ter­bro­chen.

Der gu­te Scotch in sei­nem Glas war durch die ge­schmol­ze­nen Eis­wür­fel schon ver­wäs­sert. Wü­tend kipp­te er den In­halt in die Blu­men auf sei­ner Fens­ter­bank und schenk­te sich ein zwei­tes Glas ein. Die­ses Mal oh­ne Eis­wür­fel. Er brauch­te einen Plan, den Ro­ger Bar­ber, den Dro­gen­fahn­der aus Port­land, end­lich dar­an hin­der­te, sei­ne Ge­schäf­te auf­zu­de­cken. Er­neut blick­te er wie­der auf das auf­ge­wühl­te Was­ser un­ter­halb sei­nes Bü­ros. Nur we­ni­ge Mi­nu­ten spä­ter hat­te er ei­ne groß­ar­ti­ge Idee, wie er sei­nen Wi­der­sa­cher im Wes­ten aus dem Weg räu­men könn­te. Er trank den Scotch mit ei­nem tie­fen Zug aus und schluck­te das hoch­pro­zen­ti­ge Ge­tränk. Die Hit­ze des Al­ko­hols in sei­nem Sch­lund fühl­te er bis es in sei­nem Ma­gen lan­de­te. Dann griff er zum Te­le­fon und wähl­te ei­ne Kurz­wahl.

»Ja?«, mel­de­te sich ei­ne zar­te Frau­en­stim­me.

»Hal­lo Em­ma. Sag mal, wann hat Bar­ber sei­nen nächs­ten Ter­min bei ei­ner dei­ner An­ge­stell­ten?«

»In un­ge­fähr ei­ner Wo­che be­sucht ihn Ma­de­lei­ne, aber warum möch­test du das wis­sen?«

»Kannst du Ma­de­lei­ne et­was mit­ge­ben, wenn sie ihn be­sucht?«

»Kla­mot­ten oder was?«, frag­te sie.

»Hör auf mit dem Un­sinn. Ich will, dass sie ihm et­was un­ter­schiebt, am bes­ten gut ver­steckt!«

Er hör­te sie lei­se stöh­nen be­vor sie sag­te, »Wie groß und schwer ist es, was sie ver­ste­cken soll?«

Ein Lä­cheln um­spiel­te sei­ne Lip­pen, »Et­wa ein Pfund schwer und nicht grö­ßer als drei Schach­teln Kip­pen.«

»Das soll­te sie schaf­fen. Musst du wis­sen, wo es ver­steckt ist?«

»Nur grob. Das FBI wird es dann schon fin­den und ihn aus dem Ver­kehr zie­hen!«

»Du weißt schon das mir da­durch ein Stamm­kun­de weg­fällt?«

Er nick­te. »Na­tür­lich weiß ich das. Ich wer­de mir et­was als Aus­gleich ein­fal­len las­sen. Vi­el­leicht der Bür­ger­meis­ter oder so.«

»Der ist doch so­wie­so schon Kun­de bei mir«, lach­te sie, »Die hal­be Stadt­ver­wal­tung ist bei mir Kun­de. Wenn das de­ren Schlam­pen zu Hau­se wüss­ten, könn­te ich die Stadt über­neh­men!«

»Du be­kommst einen Aus­gleich, das ist ver­spro­chen, Em­ma. So­bald Bar­ber weg ist sor­ge ich da­für, dass du einen neu­en Kun­den be­kommst, der ge­nug Geld bei dir lässt«, ver­sprach er.

»Okay, ich ge­be dir Be­scheid wo Ma­de­lei­ne dein Päck­chen ver­steckt hat. Wer bringt es?«

Er dach­te kurz dar­über nach, dann sag­te er, »Ein Ku­ri­er wird es am üb­li­chen Platz hin­ter­le­gen. Ich sor­ge da­für, dass es spä­tes­tens am Don­ners­tag da ist.«

»In Ord­nung«, be­stä­tig­te sie die Ab­spra­che. »Ich ge­be dir so­fort Be­scheid wo sie es bei ihm hin­ter­legt hat.«

»Dan­ke Em­ma«, lä­chel­te er und leg­te auf.

Di­rekt da­nach nahm er sei­nen gol­de­nen Ku­gel­schrei­ber und mach­te sich ei­ne kur­ze No­tiz auf sei­ner Schreib­un­ter­la­ge. Den Ku­ri­er zu fin­den war kein Pro­blem, nur muss­te er ein­mal mehr auf das Geld für ein hal­b­es Ki­lo Stoff ver­zich­ten. Al­ler­dings wä­re er dann auch Ro­ger Bar­ber los und konn­te in Port­land end­lich auf die großen Lie­fe­run­gen um­stei­gen. Die Ku­rie­re wa­ren zwar nicht teu­er, aber für je­den klei­nen Ab­schnitt muss­te er wie­der Klein­be­trä­ge auf­wen­den, die sich mit der Men­ge schon zu ei­nem großen Aus­ga­b­e­pos­ten sum­mier­ten. Die an­de­re Mög­lich­keit wä­re Port­land kom­plett aus­zu­spa­ren und einen Um­weg über Spo­ka­ne und dann nach Re­no in Kauf neh­men. Der län­ge­re Weg war zwar si­che­rer, aber es wür­de zu ei­ner Un­ter­ver­sor­gung füh­ren, die er sich nicht er­lau­ben woll­te. Das gan­ze Lie­fer­netz­werk auf­zu­bau­en war schon schwer ge­nug.

* * *

Bahamas, Nassau

Ein­mal die Wo­che traf sich das gan­ze Te­am mit den Kin­dern in Ja­sons Bar. Die jüngs­ten er­leb­ten die­se Ta­ge im­mer zu­sam­men. Da­mi­en, der äl­tes­te un­ter den Kin­dern freu­te sich auf sei­ne Freun­din­nen Va­le­ria und Emi­lia und sei­nen bes­ten Freund Mi­ka, den Sohn von Mi­ke und Ka­rya­ni. Wäh­rend die Er­wach­se­nen al­le zu­sam­men um einen Tisch sa­ßen und sich über al­les Mög­li­che un­ter­hiel­ten, durf­ten die vier Klei­nen to­ben so viel sie woll­ten. Ja­son hat­te so­gar den Sonn­tag in sei­ner Bar als Fa­mi­li­en­tag aus­ge­schrie­ben. Al­le an­we­sen­den Kin­der durf­ten so vie­le Fish and Chips, oder auch nur Chips, al­so Pom­mes in sich rein­stop­fen wie sie woll­ten. Die El­tern durf­ten sich einen schö­nen Tag oh­ne den Nach­wuchs ma­chen und be­zahl­ten die Ver­pfle­gung für die Kin­der nur an­tei­lig. Für einen klei­nen Un­kos­ten­bei­trag wa­ren die Ge­trän­ke und das Es­sen für die Kin­der frei und Ja­son hat­te ex­tra für die­se Ta­ge ein paar jun­ge Frau­en en­ga­giert, die auf die Kin­der auf­pass­ten.

Als sich das her­um­ge­spro­chen hat­te, dass sonn­tags in Ja­sons Bar Fa­mi­li­en­tag war, mit Schwim­men und großem Kin­der­pro­gramm, wur­de er mit großem In­ter­es­se auf­ge­nom­men. Den gan­zen Tag lang war die Bar voll mit jun­gen Fa­mi­li­en die ei­ne kur­ze Aus­zeit von ih­ren Kin­dern ge­nos­sen. Auch die Er­wach­se­nen hat­ten Spaß, denn sie konn­ten sich in al­ler Ru­he un­ter­hal­ten, oh­ne auf den Nach­wuchs zu ach­ten oder von ih­nen ge­stört zu wer­den. Die Kids wa­ren be­schäf­tigt und durf­ten auf ei­nem großen Tram­po­lin her­um­sprin­gen. So­gar ei­ne klei­ne Hüpf­burg hat­te sich Ja­son ge­leis­tet, die ne­ben­an mit Druck­luft sta­bil ge­hal­ten wur­de. Auf dem fei­nen Sand durf­ten die klei­nen Bur­gen bau­en oder in ei­nem ab­ge­sperr­ten Be­reich ins war­me Meer sprin­gen. Auch ei­ni­ge Ein­hei­mi­sche be­tei­lig­ten sich an dem Fa­mi­li­en­tag. Es gab zum Bei­spiel Kin­der­schmin­ken, einen Zeich­ner und ein äl­te­rer Mann aus der Nä­he schar­te im Ab­stand von ei­ner Stun­de im­mer wie­der Kin­der um sich, de­nen er Ge­schich­ten er­zähl­te. Ver­pfle­gung gab es durch die jun­gen Da­men, die sich um die Auf­sicht küm­mer­ten. Je­der be­kam so viel zu trin­ken und zu es­sen wie er woll­te. Auch Eis gab es zum Null­ta­rif.

Ja­sons Bar war sonn­tags noch nie so gut be­sucht ge­we­sen, und durch Da­mi­en und die Kin­der des Te­ams kam er auf die­se Idee. Mit der Kal­ku­la­ti­on, die er auf Ba­sis ei­ni­ger we­ni­ger Be­su­cher an­stell­te, war es an­fangs ein Null­sum­men­spiel. Nach­dem sich die­ser Tag aber her­um­ge­spro­chen hat­te war die Bar so voll, dass er lo­cker noch ei­ne wei­te­re mit Gäs­ten ver­sor­gen konn­te. Nun stell­te er zu­sätz­lich noch Bän­ke und Ti­sche auf, da­mit er kei­ne Re­ser­vie­run­gen an­neh­men muss­te und der Mas­se an Gäs­ten Herr zu wer­den. Trotz­dem war es im­mer noch schwie­rig al­le un­ter­zu­brin­gen. Die Kin­der hat­ten je­de Men­ge Spaß an den Ta­gen, wäh­rend die El­tern ih­re Ru­he hat­ten.

Für die Kin­der des Te­ams war es das High­light je­der Wo­che. Schon am frü­hen Mor­gen wa­ren die vier to­tal auf­ge­kratzt und konn­ten es kaum er­war­ten los­zu­fah­ren. Da­mi­en war im­mer der ers­te der vor Ort war. Ja­son war, der ers­te der am Mor­gen die Bar öff­ne­te und Liz kam dann we­nig spä­ter mit ih­rem Sohn nach. Für Emi­lia und Va­le­ria be­gann der Spaß erst nach dem Mit­ta­ges­sen. Leo­nie und Do­lo­res hat­ten bei den bei­den Mäd­chen im­mer wie­der be­ob­ach­tet wie sie wäh­rend der Fahrt die Lenk­be­we­gun­gen nach­ahm­ten. Als sie es Mi­cha­el ge­gen­über er­wähn­ten, kam er auf ei­ne gran­dio­se Idee. Ei­nes der Mäd­chen durf­te wäh­rend der Hin­fahrt auf sei­nem Schoß sit­zen und den großen SUV len­ken. Auf der Rück­fahrt war dann die an­de­re dran mit Fah­ren. Micha be­dien­te die Pe­da­le und die Mäd­chen das Lenk­rad, na­tür­lich mit Un­ter­stüt­zung durch den Va­ter. Trotz­dem wa­ren sie dar­auf Feu­er und Flam­me.

Als sie an der Bar an­ka­men, wa­ren die bei­den Mäd­chen nicht mehr zu hal­ten. Die zwei rann­ten wie der Wind auf die ein­zel­nen Te­am­mit­glie­der zu und schlos­sen sie in die Ar­me. Auch Da­mi­en und der klei­ne Mi­ka be­grüß­ten sich un­ter­ein­an­der mit ei­ner Umar­mung. So­fort da­nach wa­ren die vier bis am Abend nicht mehr zu se­hen. Auf Leo­nie war­te­te je­den Sonn­tag be­reits ihr Lieb­lings­drink auf sie. So­bald Ja­son den schwar­zen SUV an­fah­ren sah, nahm er sich den Mi­xer zur Hand, warf ei­ni­ge Eis­wür­fel und ei­ne gel­be Ma­ra­cu­ja hin­ein. Dann füll­te er den Mi­xer mit eis­kal­ter Milch auf und ließ die Ma­schi­ne et­wa ei­ne Mi­nu­te lau­fen. Den Drink füll­te er in ein großes Glas und stell­te es vor Leo­nies Stamm­platz am Tisch. Die Sitz­ord­nung war im­mer die glei­che. Die sie­ben Er­wach­se­nen un­ter­hiel­ten sich an­ge­regt den gan­zen Tag lang. Nur Ja­son stand hin und wie­der auf, da­mit er sich um das Ge­schäft küm­mern konn­te.

Do­lo­res woll­te von Ka­rya­ni wis­sen wie sie auf den Na­men ih­res Soh­nes ka­men. Die Er­klä­rung da­für lie­fer­te Mi­ke, »Wir ha­ben lan­ge dar­über nach­ge­dacht wie er hei­ßen soll­te. Da wa­ren ganz schön vie­le Na­men im Spiel, aber wir konn­ten uns auf kei­nen da­von ei­ni­gen.«

Ka­rya­ni setz­te fort, »Un­se­re Idee war, ihm einen Na­men zu ge­ben der et­was von uns bei­den hat­te. Im End­ef­fekt war un­se­re Idee dann un­se­re Vor­na­men zu ver­wen­den. Wir ha­ben die ers­ten bei­den Buch­sta­ben un­se­rer Vor­na­men kom­bi­niert. Da­bei ka­men schließ­lich zwei mög­li­che Na­men her­aus. Ein­mal Mi­ka oder eben Ka­mi. Der ers­te ge­fiel uns al­ler­dings bes­ser, des­we­gen ha­ben wir ihn Mi­ka ge­tauft.«

»Ich hat­te eher ge­dacht, ihr lasst den Com­pu­ter ent­schei­den«, scherz­te Liz, die da­mit auf das liebs­te Hob­by der bei­den an­spiel­te.

Die Agen­ten ver­stan­den sich un­ter­ein­an­der pri­ma. Nicht nur, dass sie sich je­den Tag bei der Ar­beit be­geg­ne­ten, sie muss­ten sich auch blind auf die an­de­ren ver­las­sen kön­nen. Das schweiß­te sie zu­sam­men und sie wa­ren im Lauf der Zeit zu den dicks­ten Freun­den zu­sam­men­ge­wach­sen. Liz fühl­te sich im Krei­se ih­rer fünf Kol­le­gen mehr als wohl. Als sie noch in Lon­don Dienst für das dor­ti­ge Re­vier ar­bei­te­te, war sie eher die Ein­zel­gän­ge­rin, die Spu­ren ver­folg­te und dann die je­wei­li­gen Tä­ter vor Ge­richt stel­len ließ. Nie­mals hat­te sie ge­dacht, mit meh­re­ren un­ter­schied­li­chen Cha­rak­teren ein Te­am zu bil­den. Ber­nand Rous­sel hat­te sie da­mals mehr oder we­ni­ger wild zu­sam­men­ge­wür­felt. In den ers­ten Wo­chen war Mi­cha­el ein ro­tes Tuch für sie und Mi­ke be­trach­te­te sie als Si­cher­heits­ri­si­ko. Von Leo­nie, die da­mals noch Lea hieß und als Auf­trags­kil­le­rin ar­bei­te­te, hielt sie nicht das ge­rings­te.

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