
Полная версия:
Matthias Boden Ein tödliches Komplott
- + Увеличить шрифт
- - Уменьшить шрифт
Die Erklärung war für die beiden verständlich und natürlich wussten sie das die beiden Mamas unter der Woche im Büro der Agenten an ihrem Schreibtisch saßen, oder Leonie mal wieder draußen in der Sonne auf Früchte schoss. Sie konnten während dieser Zeit mit Damien entweder im Büro oder in Jasons Bar spielen so viel sie wollten. Michael kochte sogar unter der Woche im Büro und da musste dann auch Damien mithelfen. Valeria hatte dabei Spaß, nur Emilia konnte sich etwas Schöneres vorstellen. Scheinbar kam sie mehr nach ihrer Mutter die bereits in jungen Jahren Spaß an Waffen hatte.
Während Michael im Badezimmer verschwand und sich duschte, zogen die beiden Jüngsten leichte Kleidchen im Partnerlook an. Dolores und Leonie kümmerten sich derweil um das fast leere Schwimmbad auf der Terrasse. Die umliegenden Spielzeuge der Mädchen legten sie wieder ordentlich an ihren Platz zurück und ließen einen Gartenschlauch den Wasserspiegel wieder auf normal anheben. Die beiden Kinder würden spätestens nach der Pizza wieder im Wasser toben. Bevor ihr Vater aus dem Badezimmer kam, standen die beiden schon wartend in der Küche.
Nachdem seine Kinder immer wieder nach Pizza verlangten und Michael nicht ständig Lust hatte erst einen Hefeteig zu machen und dann ewig zu warten bis er aufgegangen war hatte er sich einen Gärschrank für die Küche besorgt. Dort hatte er genug Hefeteig für die ganze Familie schon vorbereitet. Während Emilia die Pizzasauce vorbereitete, versuchte Valeria den Teig auszurollen. Ihre Kraft reichte noch nicht aus, um die Teigfladen gleichmäßig vorzubereiten. Michael musste ihr helfen.
Als die Vorbereitungen abgeschlossen waren, durften die beiden Mädchen den Teig mit ihren Lieblingszutaten belegen. Auch hier zeigte sich welches Mädchen von welcher leiblichen Mutter stammte. Während Emilia wie Leonie Hähnchen bevorzugte mochte Valeria deutlich lieber Salami und Schinken. Eines hatten aber beide gemeinsam, auf keiner Pizza konnte es zu viel Käse geben. Die Pizzen für die beiden Mütter belegte Michael der die beliebtesten Beläge seiner Frauen natürlich kannte. Während die Mafiatorten im Ofen gebacken wurden kümmerte er sich um neuen Hefeteig für den Gärschrank. Die beiden Mädchen saßen wartend vor der Scheibe und schauten gebannt zu wie der Käse, den sie sehr großzügig darauf verteilt hatten, langsam schmolz. Die Vorfreude stand ihnen schon deutlich ins Gesicht geschrieben.
Nach dem Essen unterhielt sich Micha mit Leonie, die ihm half das Geschirr in die Spülmaschine zu räumen.
»Emilia kommt mehr nach dir mein Herzblatt. Meinst du, wir sollten ihr auch den Umgang mit Waffen näherbringen?«, fragte er seine geliebte Frau.
Leonie dachte einen Moment darüber nach, »Schön, dass du fragst Liebling, ich denke das würde ihr Spaß machen, aber nicht das sie irgendwann auch meinen ehemaligen Beruf ergreift.«
»Das wird kaum passieren«, lachte Micha, »François wird sie sicher so wie dich an die Hand nehmen und eine Agentin aus ihr machen.«
Damit war Leonie einverstanden. Sie hatte ihr Leben als Auftragskillerin begonnen und arbeitete jetzt international für Interpol und durfte ihre Fähigkeiten dort einbringen. Nebenbei hatte sie erst da den Mann ihres Lebens und eine ganz besondere Frau kennengelernt mit denen sie jetzt ein Eheleben auf den Bahamas führen konnte. Valeria war eher die ruhigere der beiden Mädchen und interessierte sich wie andere Kinder für Pferde. Dolores und Leonie hatten sich auch schon in Nassau umgesehen, wo sie ihren Lieblingstieren nahe sein konnte. Ein kleiner Reitstall am Rand der Stadt bot für eine geringe Gebühr sogar Reitkurse an. Michael war nicht so begeistert davon seine Tochter auf den Rücken eines Gauls zu setzen der größer war als er selbst. Er machte sich große Sorgen um Verletzungen, wenn sie abgeworfen wurde. Immerhin waren die Mutter von Liz Croll, ihrer Anführerin, bei einem Reitunfall gestorben als sie gerade neun Jahre alt war. Das sollte seiner Tochter auf keinen Fall passieren.
Dolores und Leonie beruhigten ihn aber. Sein kleines Mädchen würde ja auf kleinen Fohlen reiten lernen und nicht auf ein großes Springpferd klettern um dann damit über den Strand reiten. Außerdem war der Platz durch eine Koppel begrenzt. Erst, wenn Valeria ein bisschen reiten gelernt hatte und alt genug war gab es auch die Möglichkeit eine Reitbeteiligung für sie zu bezahlen. Das bedeutete für die kleine, dass sie immer das gleiche Pferd ritt, sich aber natürlich auch darum kümmern musste. Man konnte ihr aber auch ein eigenes Reitpferd kaufen und dort im Stall stehen lassen. Aber im Moment war sie einfach noch zu jung. Mit ihren fünf Jahren könnte sie gerade mal auf ein Pony aufsteigen und ein bisschen im Freien über die Koppel reiten. Der Reitstall stellte sogar eine Trainerin zur Verfügung die für kleines Geld den Kindern alles beibrachte um sich sicher im Sattel halten zu können. Schließlich beugte sich Michael dem Druck der beiden Frauen und stimmte zu Valeria im Reitstall anzumelden.
Leonie würde unterdessen Emilia die Waffen näherbringen. Natürlich völlig ungefährliche Spielzeuge die mit Zündhütchen einen Knall abgaben, ohne ein Projektil auszuwerfen. Die ehemalige Auftragskillerin nahm sie auch ins Gebet niemals auf Lebewesen anzulegen. Da gab es auch nur eine einzige Ausnahme. Wenn ihr böse Erwachsene etwas antun wollten, durfte sie sich selbstverständlich verteidigen, aber auch nur, wenn sie die Leute nicht kannte und klar erkennbar war, dass sie ihr oder ihren Freunden etwas antun wollten. Zusammen erklärten die drei Agenten den beiden Mädchen was sie vorhatten. Die Mädchen jubelten und wollten sofort anfangen.
Michael erinnerte die beiden kurzen daran, dass dafür erst noch Vorbereitungen nötig waren. Valeria benötigte für ihren Reitunterricht natürlich noch passende Hosen und Schuhe sowie einen passenden Helm. Ohne die Schutzausrüstung durfte sie nicht auf ein Pferd steigen. Emilia brauchte selbstverständlich auch mindestens eine Schutzbrille und natürlich eine Spielzeugwaffe und Reinigungsmaterial. Das spielte für die beiden kleinen allerdings keine Rolle. Sie wollten direkt nach Nassau und die Sachen besorgen.
Es war Samstag und die drei Erwachsenen wollten ihre Kinder natürlich auch nicht enttäuschen. Vor allem Michael konnte seinen beiden kleinen Mädchen nichts abschlagen. Eine halbe Stunde später starteten die Eltern mit den beiden im großen SUV nach Nassau. Leonie nahm Emilia an die Hand und suchte einen Büchsenmacher auf, während Michael und Dolores mit Valeria in einem Sportgeschäft verschwand. Dolores suchte mit der kleinen einen passenden Schutzhelm aus während Michael sich schon um Reitklamotten für seine Tochter kümmerte. Sie brauchten fast eine ganze Stunde bis Valeria mit Reitstiefeln und passenden Hosen mit dem Helm unter dem Arm auf die Straße trat. Die kleine war sichtlich stolz auf ihre neue Ausrüstung für die Dolores fast 400 Dollar bezahlen musste. Als sie zum Auto zurückkamen, wartete Leonie bereits mit brennender Zigarette auf die drei. Emilia saß auf dem Rücksitz und hielt eine täuschend echte Spielzeugwaffe in der Hand.
Natürlich war die Waffe ungeladen und Leonie hatte Emilia verboten zu zielen und abzudrücken. Das interessierte die Kleine allerdings herzlich wenig, denn sie ließ ihre Waffe nicht aus den Händen und drehte sie in der Sonne hin und her. Sie konnte es kaum erwarten im heimischen Garten damit zu schießen. Michael trat an den Kofferraum des Fahrzeugs und wollte die Besorgungen aus dem Sportgeschäft dort verstauen. Sein Blick fiel auf die Verpackung der Handfeuerwaffe die Emilia stolz ihrer Schwester präsentierte und auf einen noch verschlossenen großen Lederkoffer. Irritiert fragte er Leonie was sie denn alles gekauft hatte.
»Die kleine Waffe die unsere Tochter gerade in der Hand hält und noch eine Kleinigkeit für zu Hause. Damit kann sie auf meinem Schießstand ein bisschen zielen üben. In dem Koffer liegt ein kleines Luftgewehr aus der sie zumindest kleine Kugeln verschießen kann. Alles zusammen gab es für gerade mal 300 Dollar.«
Michael stöhnte als er das Zubehör was er für Valeria noch gekauft hatte, in den Kofferraum legte. Ohne weitere Verzögerung dirigierte ihn Dolores zu dem Reiterhof den die beiden Frauen für ihre Tochter gefunden hatten. Valeria konnte es kaum erwarten endlich auf einem ihrer geliebten Tiere Platz zu nehmen und einige Runden auf der Koppel zu drehen. Emilia hingegen war am Maulen. Sie wollte auch endlich ein bisschen mit ihrer glänzend neuen Pistole im Garten liegen und ein paar Zündhütchen platzen lassen. Dolores blieb mit ihrer Tochter auf dem Reiterhof während Michael mit Leonie und Emilia nach Hause fuhr, um die beiden abzusetzen. Dann kehrte er wieder auf den Reiterhof zurück und beobachtete wie seine Tochter in voller Montur auf einem Pony ein paar Runden drehte. Sie konnte gar nicht mehr aufhören zu lächeln. Dolores scherzte man müsste ihr nach einigen Stunden das Lachen operativ entfernen müssen.
Als die drei nach drei Stunden mit einer total überglücklichen Valeria zurückkamen, lag die kleine Emilia neben ihrer Mutter auf der Terrasse und schoss mit dem Luftgewehr auf eine wenige Meter entfernte Zielscheiben. Auch sie war überglücklich einige Metallkugeln auf die große Papierscheibe abgeben zu dürfen. Leonie half ihr mit ein paar Hinweisen. Valeria stellte sich noch immer in ihrer gesamten Reiterkluft hinter die beiden und schaute ihrer Schwester zu. Michael kümmerte sich inzwischen um das Abendessen und presste einige Orangen für frischen Saft aus. Dolores hatte eine riesige Idee und nahm sich eine von den Früchten. Damit ging sie zu der zielenden Emilia und sprach Leonie an, »Schatz, was meinst du, wenn Emilia zum Abschluss auf die leuchtende Frucht anlegt?«
»Großartige Idee Liebling. Emilia wird sie mit einem hübschen Loch veredeln.«
Leonie stoppte die Bemühungen ihrer Tochter und ließ sie das Luftgewehr ablegen. Erst dann stellte Dolores die reife Frucht ein bisschen versetzt zur dort stehenden Zielscheibe auf den Boden und ging wieder hinter die kleine Schützin. Erst als ihre zweite Mutter wieder hinter ihr stand durfte sie das Chili Camo wieder in die Hand nehmen, um auf die Frucht zu zielen. Emilia legte sich das Luftgewehr gekonnt an ihre Schulter und blickte durch das aufgeschraubte Zielfernrohr. Leonie legte ihr vorsichtig die Hand auf das Gewehr und bat sie sich zu konzentrieren und alles was sie in den vergangenen Stunden gelernt hatte noch einmal durchzugehen. Erst dann sollte sie sich nur noch auf die Orange fokussieren und abdrücken. Die Kleine konzentrierte sich nur noch auf ihren Atem, brachte das Fadenkreuz ihrer Zieloptik in die Mitte der runden Frucht. Dann atmete sie hörbar aus und drückte den Auslöser. Die runde Stahlkugel verließ den Lauf ihres Gewehrs und traf die Orange am linken oberen Rand. Sie legte das Gewehr lächelnd ab und stand auf. Freudestrahlend lief sie zu der angeschossenen Frucht und hielt sie voller Stolz in die Luft.
Die beiden Mütter und ihre gleichaltrige Schwester klatschten ihr Beifall. Sie hatte die Orange sauber getroffen. Michael hatte den Schuss durch das große Terrassenfenster beobachtet und kam nun strahlend auf seine Tochter zu. Er hob sie stolz in die Luft und gab ihr einen dicken Kuss. Die kleine Emilia stand ihrer Mutter in nichts nach und schien ihr großes Talent geerbt zu haben. Mit Emilia auf dem Arm ging er zu Valeria und hob sie auf den anderen Arm. Auch sie bekam einen dicken Kuss und ein Lob für die Reitstunde die sie absolviert hatte. Beide Kinder trug er fest an sich gedrückt zum großen Tisch der bereits für das Abendessen eingedeckt war.
Das Abendessen hatte sich Dolores gewünscht. Michael hatte für die gesamte Großfamilie Hackbällchen in Tomaten-Paprikasauce mit Reis und Salat zubereitet. Hätte er die beiden Kinder gefragt gab es keine große Auswahl. Jede Frage nach einem Essen beantworteten sie mit ihren Lieblingsgerichten. Entweder alles mit Pommes, Pizza, Spaghetti Bolognese mit extra Parmesan oder Schnitzel in sämtlichen Variationen. Hackbällchen standen nicht sehr hoch in der Gunst der Kinder, aber sie hatten bereits zum Mittag eine Pizza bekommen.
Emilia und Valeria erlebten eine wundervolle Kindheit. Die beiden waren unter den anderen Kindern in Nassau etwas Besonderes. Beide wuchsen dreisprachig auf und waren die einzigen Kinder die nicht nur eine Mutter, sondern gleich zwei ihr eigenen nennen konnten. Die Amtssprache in Nassau war natürlich Englisch was die beiden als Muttersprache lernten, daneben lernten sie aber auch noch Spanisch von Dolores und eben Deutsch von Michael. Auch die Erwachsenen konnten mittlerweile die drei Sprachen fast tadellos. Auch Liz hatte sich neben Englisch noch an weiteren Sprachen versucht. Die Chefin des Teams konnte neben ihrer Muttersprache nun auch gut genug Spanisch.
2. Kapitel
Vereinigte Staaten, Washington D.C. (WA)
Im 9. Stockwerk des J. Edgar Hoover Building an der Pennsylvania Avenue stand der Special Agent James Lawrence an seinem Bürofenster und blickte hinaus auf die belebte Straße. Hinter ihm lagen mehrere Akten auf seinem Schreibtisch. Bereits seit einigen Wochen landeten fast täglich neue Hinweise dort. Auf jedem der braunen Umschläge stand neben seinem Namen das Kürzel SNB. Irgendeine Gruppierung in den Vereinigten Staaten gab sich als Bundesbehörde aus und schickte einfache Normalbürger wie Zugvögel durch die einzelnen Bundesländer. Sie transportierten Drogen, Waffen und sogar Sprengstoff von einem Ort zum Nächsten. Die Betroffenen hatten davon keine Ahnung.
Lawrence war der Agentenführer der vom Justizministerium der Vereinigten Staaten bestellt worden war, diesen Fall mit allen verfügbaren Mitteln aufzuklären. In seiner langen Karriere konnte er schon einige schwere Verbrechen aufklären, was ihm einen sehr guten Ruf einbrachte. Nun hatte man ihn mit dem Fall der SNB betraut. Die polizeilichen Ermittlungsakten lauteten fast immer genau gleich. Einfache Bundesbürger aus den einzelnen Staaten wurden angeworben, um dem ganzen Land zu helfen. Sie erhielten dafür Bezahlungen von einigen tausend Dollar. Alles was sie dafür tun sollten waren Pakete zu transportieren, Autos zu überführen oder minderwertige Botengänge. Falls man sie anhielt, wurden sie für Verbrechen angeklagt die sie nur im Auftrag durch eine angebliche Behörde begangen hatten. Wer hinter dieser angeblichen Behörde steckte, war nicht festzustellen.
Man musste die einzelnen Bürger über längere Zeit beobachtet haben bevor man sie anwarb. Ausnahmslos alle von ihnen gehörten einer Gruppe von Menschen an die jung waren, gerade ihre Ausbildung abgeschlossen hatten und in finanziellen Problemen steckten. Diese Menschen waren leichte Beute gewesen. Man konnte sie relativ günstig bekommen und die Ausgaben die man ihnen als Vergütung bot, waren nur ein winziger Teil der Beute. Eine scharfe Waffe auf dem Schwarzmarkt kostete gut und gerne hunderttausende Dollar. Die transportierten Drogen brachten auch ein Vielfaches der bezahlten Vergütungen ein. Es wurde Zeit dem ganzen auf die Spur zu kommen.
James Lawrence ließ zwei seiner Agenten rufen die den Fall untersuchen und aufklären sollten. Sie waren zwei seiner besten. Echte Spürhunde und sehr gut ausgebildet. Lawrence brauchte nicht lange zu warten bis die beiden an seine Bürotür klopften. Nacheinander kamen die Special Agents Cooper Knight und Ashleigh Spears in sein Büro. James Lawrence forderte die beiden auf vor seinem Schreibtisch Platz zu nehmen. Seine Agenten folgten mit einem kurzen freundlichen Nicken und setzten sich auf die Besucherstühle vor seinem Schreibtisch. Ashleigh warf einen kurzen Blick auf die Akten die vor ihr auf dem Schreibtisch ihres Vorgesetzten lagen. Die junge Agentin erkannte sofort das Kürzel SNB darauf.
Neugierig fragte sie, »Geht es um die angebliche Bundesbehörde?«
James Lawrence nickte nur kurz, »Was wissen sie darüber Spears?«
»Nur das was in unserem System steht. Eine angebliche Bundesbehörde die es gar nicht gibt benutzt Bürger in finanziellen Schwierigkeiten als Kuriere für Waffen und Drogen in den ganzen USA. Wer dahintersteckt ist für die Ermittlungsbehörden ein Rätsel. Man hat sie bisher nicht gefunden und es gibt auch keinen Hinweis auf die Täter.«
»Exakt Spears«, stimmte James Lawrence zu, »Unsere Aufgabe ist es die Täter aufzuspüren und sie vor Gericht zu stellen. Das Justizministerium hat mich mit dieser Aufgabe betraut. Sie sind zwei der besten Agents unter meiner Zuständigkeit, deshalb werden sie diese Aufgabe übernehmen. Der letzte Bürger wurde in Portland mit 18 kg Crystal Meth erwischt. Bei seiner Festnahme durch die örtlichen Polizeikräfte wurde er schwer verletzt. Sie fliegen bereits heute Nachmittag und kümmern sich um den Fall. Die Polizeiführung in Portland habe ich bereits informiert. Man erwartet sie bereits.«
Cooper Knight machte ein mürrisches Gesicht. Ihm war nicht wohl bei dem Gedanken einfach der örtlichen Polizei vor die Nase gesetzt zu werden. Die meisten Strafverfolgungsbehörden in den Vereinigten Staaten hatte keine besonders gute Erfahrungen mit Agenten des FBI gemacht. Wann immer aus Washington einige Agenten auf einen Fall angesetzt wurden hatten sie die dumme Angewohnheit gleich komplett alles zu übernehmen. Andere Meinungen als die der Agents zählten dann nicht mehr und wurden systematisch ignoriert. Das einzige was ihm an der Aufgabe gefiel war die Tatsache, dass er mit Ashleigh Spears zusammen an dem Fall arbeiten durfte. Insgeheim hatte er eine Schwäche für die Agentin an seiner Seite, was aber aufgrund der Strukturen der Ermittlungsbehörde außen vor bleiben musste. Beziehungen unter Kollegen duldete man nicht.
»Gibt es noch Fragen?«, wollte James Lawrence von seinen Agenten wissen.
»Nur eine«, meldete sich Knight zu Wort, »da es sich dabei scheinbar um eine größere Gruppe handelt, ansonsten wäre es kaum im ganzen Land möglich Bürger anzuwerben, gewährt man uns welche Hilfe?«
»Das Justizministerium gewährt uns alle verfügbaren Mittel die wir benötigen.«
»Ich meinte eigentlich mehr Leute die an dem Fall mit uns arbeiten und nicht Ressourcen«, präzisierte Knight seine Frage.
Lawrence wollte dieser Frage eigentlich ausweichen. Das Justizministerium stellte ihm zwar alles Mögliche zur Verfügung, aber mehr Leute konnte er leider nicht auftreiben. Trotzdem konnte er seine Agents nicht im Stich lassen, weil er wusste, dass die zwei eigentlich viel zu wenig waren. »Ich hatte gehofft, dass dieses Thema nicht zur Sprache kommt«, gab er zu. »Mehr Mitarbeiter stellt man uns leider nicht zur Verfügung. Man verwies mich dann auf Interpol in Lyon, die ich aber bisher nicht angefragt habe. Wir werden diesen Fall alleine aufklären, ohne uns irgendwelche Schreibtischtäter ans Bein zu binden. Nur, wenn es wirklich gar nicht mehr anders geht, werde ich dort nachfragen uns wenigstens ein oder zwei Leute zu schicken die dann unter ihrer Führung arbeiten werden.«
»Bleistiftjongleure sollen uns helfen?«, fragte Spears etwas enttäuscht.
»Leider ja«, bestätigte Lawrence und schlug die Augen nieder. »Ich hätte mir auch mehr Hilfe gewünscht, aber vorerst geht es erst einmal darum die ganzen Ausmaße des Sumpfs festzustellen, bevor wir ihn trocken legen können. Im Justizministerium nimmt man den Fall nicht ganz so wichtig, dass man mehrere Leute dafür abstellt.«
Ashleigh Spears schüttelte sauer den Kopf, »Man fordert eine Aufklärung mit allen verfügbaren Mitteln und schickt dann zwei Agenten, weil man sich bei einem Jahresetat von fast zehn Milliarden Dollar im Jahr nicht mehr leisten kann. Stattdessen verweist man uns an Interpol die mit ihren paar Millionen im Jahr das alles machen können. Wir sparen am falschen Ende!«
James Lawrence konnte ihr nur zustimmen aber ihm waren leider die Hände gebunden. Seine anderen Agenten waren im ganzen Land verstreut und hatten zu viele Baustellen die sie beackern mussten. Knight störte das wie seine Kollegin auch nur sah er darin eine Chance länger mit Spears zusammenarbeiten zu können. In seinen Augen war sie etwas ganz Besonderes. Mit ihren 28 Jahren, den schulterlangen kastanienbraunen Haaren und den blauen Augen war sie genau seine Kragenweite. Die angenehm dunkle Stimme besorgte das Übrige. Zudem vereinigte sie auch noch eine gute Auffassungsgabe und eine sehr hohe Intelligenz auf sich.
Auch Ashleigh fand gefallen an ihrem Kollegen der eine gewisse Ähnlichkeit mit dem jungen Burt Reynolds hatte. Nur der Bart fehlte Cooper Knight dafür aber den konnte man ja wachsen lassen. Trotzdem kamen sich die beiden nicht näher. Die Vorschriften beim FBI waren in der Beziehung ziemlich deutlich formuliert und erlaubten keine romantische Beziehung unter Kollegen. Aufgeben wollte sie ihren Job aber bei der Bundesbehörde auf keinen Fall. Seit sie noch ein kleines Mädchen war träumte sie davon zur Polizei zu gehen und gefährliche Verbrecher zu verhaften. Das hatte sie jetzt endlich erreicht, auch wenn für das Privatleben kaum noch Zeit blieb. Ashleigh war mit ihrem Job verheiratet. Das hatte den unglaublich großen Vorteil, dass der nicht fremdgehen konnte wie ihre damalige Highschool Liebe.
Cooper Knight bekam von seinem Agentenführer noch eine Akte überreicht in der die Hinweise zu der Gruppierung SNB aufgeführt waren und verließ mit seiner Kollegin das Büro ihres Chefs. Draußen auf dem Gang führten die beiden eine ungezwungene Unterhaltung während sie zum Ausgang schlenderten. In wenigen Stunden würde schon ihr Flug nach Portland abheben. Formal war Cooper Knight aufgrund der längeren Dienstzeit ihr Vorgesetzter aber das spielte zwischen ihnen keine Rolle. Spears hatte sich schon auf der Akademie einen Namen gemacht. Ihr Gedächtnis war phänomenal. Die hübsche Special Agentin vergaß kein Gesicht und konnte sich auch noch Jahre später an die Ereignisse mit der Person erinnern. Cooper hatte seine Vorteile eher im schriftlichen Bereich. Die Fakten die er in den Akten las, konnte er fast originalgetreu wiedergeben. Das hatte ihm in der Schule, wenn es um das Gedichte auswendig lernen ging schon oft genug geholfen. Ein oder zweimal kurz vor Unterrichtsbeginn zu lesen hatte ausgereicht um es frei aufsagen zu können. Nur mit den Zahlen funktionierte das nicht. Jahreszahlen vergaß er bereits wieder, nachdem er sie gelesen hatte.