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William Shakespeare Perikles
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Des Herrn und Frau'n im bunten Schmuck sich spreizten,
Als spiegle sich zum Putz der ein' im andern;
Ihr Tisch so reich, zur Freude allen Blicken,
Mehr Augenlust, als nährend zu erquicken,
Armut verlacht, so hoch die Hoffart stieg,
Daß man den Namen Hülfe selbst verschwieg.
DIONYSA.
O nur zu wahr!
CLEON.
Doch sieh' des Himmels Macht in unserm Wechsel!
Die Münde, denen Erde, See und Luft
Zu wenig zur Ergetzung bieten konnten,
Wie sie vollauf die Kreaturen gaben,
(Wie Häuser wohl verfallen, nicht gebraucht,)
Verzehren sich, aus Mangel aller Nahrung;
Die Gaumen, die vor zweien Sommern noch
Erfindung brauchten, Leckerheit zu reizen,
Sie würden jetzt am Brot sich freu'n, drum betteln;
Die Mütter, die zur Pflege ihrer Kleinen
Nichts allzu köstlich hielten, machen sich
Bereit, die zarten Liebling' aufzuzehren;
So quält der Zahn des Hungers! Weib und Mann
Zieh'n Lose, wer den andern fristen kann.
Hier weint ein Edler, dort die Frau, hin stürzen andre;
Doch jene, die den Fall gesehen haben,
Sind kaum noch stark genug, sie zu begraben.
Ist dies nicht Wahrheit?
DIONYSA.
Zeugnis ist unsre Wang' und hohles Auge.
CLEON.
Die Städte, die vom Kelch des Überflusses
Und allem Wohlsein nach Gelüsten kosten,
Möcht' ihre Üppigkeit die Tränen seh'n!
Dies Elend kann auch über sie ergeh'n.
Ein Lord kommt.
LORD.
Wo ist der Herr Statthalter?
CLEON.
Hier.
Sprich eilig aus den Kummer, den du bringst,
Denn allzufern ist Trost für uns und Hoffnung.
LORD.
Wir sahen, nahe schon an unsrer Küste,
Ein stattliches Geschwader hieher segeln.
CLEON.
Das war es, was ich glaubte!
Allein kommt nie ein Kummer, er bringt mit
Den Erben, der in seine Rechte tritt:
Und so geschieht es uns; ein Nachbarvolk
Wird unser schweres Elend nun benutzen,
Und bringt in hohlen Schiffen Kriegesvolk,
Uns zu vernichten, die vernichtet sind;
Mich Unglückseligen zu unterwerfen,
Den zu besiegen großen Ruhm nicht schafft.
LORD.
Das ist die kleinste Furcht, denn nach dem Schein
Der weißen Flaggen bringen sie uns Frieden,
Und kommen wohl als Helfer, nicht als Feinde.
CLEON.
Du sprichst wie der, der nicht belehrt genug;
Der schönste Schein birgt meist den schlimmsten Trug,
Doch bringen sie auch, was sie immer mögen,
Was soll uns neue Not?
Wir sind gestorben halb, das ärgst' ist Tod.
Sag' ihrem General, wir warten seiner,
Weshalb, woher er kommt, hier zu vernehmen,
Und was er will.
LORD.
Ich gehe schon.
Geht ab.
CLEON.
Willkommen, bringt er Frieden unserm Land,
Wenn Krieg, sind wir zu schwach zum Widerstand.
Perikles kommt mit Gefolge.
PERIKLES.
Herr Statthalter, (der seid Ihr, wie ich höre)
Nicht sollen unsre Schiff' und ihre Mannschaft
Ein Feuerturm Euch sein, um Euch zu schrecken;
Wir hörten fern bis Tyrus Euer Elend,
Und seh'n den Jammer hier in Euern Straßen:
Nicht sollen reichlicher die Tränen fließen,
Nein, Euern Kummer wollen wir erleichtern:
Und diese unsre Schiffe, die Ihr wohl
Wie der Trojaner Pferd gefüllet meint
Mit blut'ger Feindschaft, drohendem Verderben,
Sie bringen Korn, und, was Euch höchlich not,
Den Halberstorb'nen Leben mit und Brot.
ALLE.
Die Götter Griechenlands beschützen Euch!
Wir wollen für Euch beten.
PERIKLES.
Stehet auf!
Wir suchen nicht Verehrung, sondern Liebe,
Herberg den Schiffen, uns und unsern Leuten.
CLEON.
Wenn einer Euch nicht alle Lieb' erzeigt,
Wenn einer in Gedanken undankbar,
Sein's unsre Weiber, Kinder oder wir,
Den treffe Fluch des Himmels und der Menschen!
Bis dahin, (wie ich hoffe, immerdar)
Seid Ihr mein Fürst, der Stadt und uns willkommen.
PERIKLES.
Wir danken Euch, und bleiben hier als Freund,
Bis unser zorn'ger Stern uns freundlich scheint.
Sie gehn ab.
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