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Henley Harrison West Ich bin der Henley
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Das Buch
Bobtail Henley wird von den Züchtern als “nicht geeignet” aussortiert und in einer Hütte sich selbst überlassen. Kurz bevor er dort qualvoll stirbt, findet ihn eine Tierschützerin. Henley wird zu einer Familie vermittelt, die nach und nach weiteren Familienzuwachs in Form von fünf (!) Katzen erhält. Das Buch wird humor- und liebevoll aus der Hundeperspektive erzählt und ist das ideale Mitbringsel für große und kleine Tierfreunde.
Die Autorin
Judith Kristen ist aktiv im Tierschutzbund tätig und Autorin mehrerer Bücher. Sie hält Vorträge in Schulen, um Jugendliche mit dem Tierschutz vertraut zu machen. Ihr erstes Henley-Buch “Ich bin der Henley” wurde 2008 in vielen amerikanischen Schulen zur Pflichtlektüre und Bestseller im deutschsprachigen Raum.
Webseite der Autorin: www.judithkristen.com
Henley Harrison West & Judith Kristen
Ich bin der Henley
Ein geretteter Hund erzählt sein Leben
Aus dem Amerikanischen von Brigitte van Hattem

Inhaltsverzeichnis
Umschlag
Das Buch / Die Autorin
Titel
Inhaltsverzeichnis
Prolog
1. Kapitel
2. Kapitel
3. Kapitel
4. Kapitel
5. Kapitel
6. Kapitel
7. Kapitel
8. Kapitel
9. Kapitel
10. Kapitel
11. Kapitel
12. Kapitel
13. Kapitel
14. Kapitel
15. Kapitel
16. Kapitel
17. Kapitel
18. Kapitel
19. Kapitel
20. Kapitel
21. Kapitel
22. Kapitel
23. Kapitel
24. Kapitel
25. Kapitel
26. Kapitel
27. Kapitel
28. Kapitel
29. Kapitel
30. Kapitel
31. Kapitel
32. Kapitel
33. Kapitel
34. Kapitel
35. Kapitel
36. Kapitel
37. Kapitel
38. Kapitel
39. Kapitel
40. Kapitel
41. Kapitel
42. Kapitel
43. Kapitel
44. Kapitel
45. Kapitel
Danksagungen
Impressum
Dieses Buch ist jedem gewidmet,
der Tiere so sehr liebt wie ich.

Henley
Prolog
Also, wie der Titel des Buches schon sagt:
Ich bin der Henley.
Und ich heiße nicht nur Henley, sondern bin auch, wie der Name vermuten lässt, ein „Old English Sheepdog“ - ein alter englischer Schäferhund also.
Ein Bobtail... Ein Disney-Hund... Es gibt viele Bezeichnungen für meine Rasse - ich habe sie alle schon gehört.
Aber was ich tatsächlich am meisten höre, ist die Frage: “Kann er sehen?”
Nur für’s Protokoll: Ich sehe ziemlich gut.
Und was das ‘alt’ anbelangt im Namen 'Alter Englischer Schäferhund'... nun, der für mich zuständige Tierarzt Dr. Vaughn meint, das werde ich gerade. Alt.
Da wurde mir klar, dass ich im März schon zehn wurde! Die meisten Bobtails segnen in diesem Alter das Zeitliche... Ich natürlich nicht.
Ich habe noch Pläne!
Weil mein Leben am Anfang ganz schön scheußlich war, habe ich, als das Schicksal es endlich wieder gut mit mir meinte, so ziemlich alles umarmt, was mir entgegen kam. Selbst Katzen.
1. Kapitel
Ich wurde am 10. März 1998 in Lancaster, Pennsylvania geboren. Und zwar in einer so genannten Zuchtstation. Die Leute, die diesen Betrieb hatten, waren nicht gerade sehr nett, aber meine Eltern waren einfach wundervoll. Mein Vater war ein stolzer Rudelführer, der gerne von den Siegern der Schönheitswettbewerbe sprach, mit denen er verwandt war. Er selbst sah einfach prächtig aus.
Meine Mutter war nicht von ganz so guter Abstammung, aber sie war ebenfalls wunderschön und, was noch besser ist, sie war sehr freundlich und liebevoll zu allen ihren Babys.
Ich wurde meinen Eltern fortgenommen, als ich gerade einmal sechs Wochen alt war. Und obwohl noch elf andere Geschwister mit mir gingen, war ich fürchterlich traurig über den Verlust meiner Eltern. Ich hatte neun sehr raue und wilde Brüder und zwei sehr aggressive Schwestern, und so hatte ich von Anfang an schlechte Karten, wenn Sie verstehen, was ich meine: ich war noch so sensibel... bedürftig... das Baby... jemand, den man in einer Zuchtstation den „Zwerg“ nennt.
Am 22. April des gleichen Jahres wurden wir alle zu einem Ort gebracht, der von vorne wie ein nettes Farmhaus aussah. Aber dort sollten wir nicht leben. Wir wurden in den Hinterhof in etwas gesteckt, das ich bestenfalls als Schuppen bezeichnen kann.
Das Wasser war dreckig, das Futter hart. Es schmeckte scheußlich und meine Welpenzähne taten weh, mein Fell wurde bald filzig und meine Haut juckte ständig.
Ich habe um Hilfe geschrien, wann immer ich Cedra gesehen habe, die Frau des Farmbesitzers, aber sie sagte immer nur: “husch, husch” zu mir und: “Sei still oder Ralph kommt und verpasst dir eine Tracht Prügel.”
Ich war mir nicht sicher, was eine Tracht Prügel war, aber etwas an ihrem Ton in der Stimme sagte mir, dass es bestimmt nichts war, was ich dringend haben wollte.
Wenn ich heute so darüber nachdenke, dann erinnere ich mich, dass auch meine Brüder und Schwerstern angefangen haben, ein wenig schmuddelig auszusehen. Aber hin und wieder kamen Cedra oder Ralph vorbei und nahmen drei oder vier meiner Geschwister mit in ihr gemütliches Haus. Wenige Stunden später, wenn sie zurück in den Schuppen gebracht wurden, war ihr Fell sauber und gebürstet. Aber jedes Mal fehlte dann eines meiner Familienmitglieder.
Meine jüngste Schwester erzählte mir “Cedra hat uns gebadet und mit richtig gutem Essen gefüttert!”
“Echt?”
“Yup. Und... und Ralph hatte ein paar Leute eingeladen... damit sie sich uns ansehen können”
“Ansehen?”
“Ja! Und das waren tolle Leute! Sie spielten Ball mit uns, streichelten uns, und...”
“Wow! Und was?”
“Nun, dann... dann sagte einer von diesen Leuten ‘Wir nehmen den!’”
“‘Nehmen den?’”
“Yup. Und dann gingen die neuen Leute und haben unseren Bruder mitgenommen, und der Rest von uns kam zurück in den Schuppen.”
“Und das war alles?”
“Yup. Das war alles.”
Genau das gleiche geschah nun Tag für Tag bis schließlich nur noch ich und zwei meiner Brüder übrig waren.
Beide waren bereits ein paar Mal im Haus gewesen und hatten Ball gespielt, die neuen Leute gesehen, sogar richtig gutes Essen und ein nettes, warmes Schaumbad bekommen.
Ich leider nie. Ich war noch immer ein einziges räudiges Gerippe und immer wenn Ralph mich ansah, sagte er: “Zu hässlich. Mit dem Zwerg lässt sich keine Kohle machen!”
An einem kühlen Frühlingsmorgen wurden meine beiden Brüder in das hübsche Haus getragen und wir sagten einander Lebewohl. Eigentlich hatte ich erwartet, dass ich wenigstens einen von ihnen, wenn nicht sogar beide noch einmal sehe. Ich dachte, sie kämen zurück in den Schuppen und wir könnten wieder miteinander spielen und so tun, als wären wir auch in Anbetracht unserer dauernd schwindenden Anzahl noch immer eine Familie... aber keiner von ihnen kam zurück.
Nicht einer.
Ich war über zwei Wochen lang vollkommen alleine in diesem dreckigen Schuppen.
Das Wasser wurde immer dreckiger.
In meinem Fressen krabbelten Käfer.
Und mein einstmals so schönes, raues Bobtailfell war vollkommen von meinem Körper gerieben. Ich war krätzig vom Kopf bis zu meinen Zehen.
Und ich war so alleine, dass ich dachte, mein Herz würde brechen.
Am sechzehnten Tag meines Exils kam ein furchtbares Gewitter auf. Ich war im dem dreckigen Schuppen, der jede Minute schlammiger und schmutziger wurde. Ich hatte Angst zu ertrinken. Ralph hatte mich mit einem verschlissenen Halsband und einer rostigen Kette an den alten Holzzaun gebunden. Das Band war so fest um meinen Hals, dass ich manchmal gar nicht richtig schlucken konnte. Ich konnte mich auch kaum ein paar Schritte wegbewegen.
Ich weinte und schrie und heulte und weinte und heulte und schrie.
Dann hörte ich, wie Cedra Ralph anschrie, er solle mich doch hineinbringen, aber er tat es nicht.
“DAS IST DOCH NUR EIN DUMMES TIER!!!!”
Ich schauderte beim Klang seiner Stimme.
Ich schrie die ganze Nacht.
Ich hatte solche Angst.
Mitten in der Nacht legte sich der Gewittersturm, aber in meiner Fantasie nahm er einfach kein Ende.
Am nächsten Tag fuhren Cedra und Ralph mit ihrem Lastwagen davon. Ich hoffte, sie kämen mit etwas gutem Essen für mich zurück, würden das Wasser in meinem Napf wechseln und würden mir eine Salbe für meine juckende Haut bringen, aber ich habe sie nie wieder gesehen.
Sie sind einfach weggefahren und überließen mich dem Tod.
Ich versuchte, in dieser Nacht nicht zu weinen, aber es fiel mir schwer. Ich trank das dreckige Wasser, schlief viel, fraß ein paar Käfer aus dem Dreck und dachte an die netten Tage, die ich einstmals mit meiner Mutter und meinem Vater hatte... jene Tage, an denen meine Familie noch zusammen war... ein glückliches, liebendes und gesundes Rudel.
Zwei Tage später erwachte ich vom Klang einer netten Stimme.
“Du armes, kleines Ding.”
Ich sah auf und sah eine Frau mit einem freundlichen Gesicht und großen, blauen Augen, die mich von oben herab musterten.
Ich setzte mich so aufrecht hin wie ich nur konnte und tat mein Bestes, um wie ein würdevoller Bobtail auszusehen, der ich ja schließlich sein sollte, aber das war ziemlich schwierig ohne Fell mit rot-pink gefleckter Haut und mit Dreck verkrusteten Pfoten.
Sie machte Anstalten, mich aufzuheben.
In meinem Kopf sagte ich zu ihr: Neiiiiiin!!!! Sie werden überall schmutzig und dann werden Sie sich über mich ärgern und dann nehmen Sie mich sicher nicht mit. Lassen Sie mich runter!!!!
Ich wand und krümmte mich aber irgendwie schien ihr der Dreck egal zu sein, mit dem sie sich ihr hübsches Kleid ruinierte.
“Gut, gut, kleiner Junge ... alles wird jetzt gut!”
Sie sah mich mit diesen sanften blauen Augen an und irgendwie tief in meiner Seele glaubte ich in diesem Moment wirklich, dass alles gut wird.
2. Kapitel
Die Frau, deren Kleid ich verdreckt hatte, hieß Myra Glick. Myra half bei einem privat geführten Tierheim im nördlichen Teil von New Jersey aus. Sie war voller Mitgefühl... süß... und freundlich. Man könnte sich keine bessere Freundin wünschen.
Myra und ich verließen die Farm von Ralph und Cedra und fuhren auf direktem Weg zur Praxis ihres Freundes. Er hieß Joel und zu meinem Glück war er Tierarzt. Dr. Joel badete mich, gab mir himmlisch schmeckendes Essen, sauberes Wasser, Spritzen, Vitamine und etwas Creme und Medizin für mein juckendes Fell. Ich fühlte mich wunderbar!
“Er wird schon wieder, Myra.”
“Glaubst du wirklich?”
“Nun, er ist ein Zwerg, erwarte also keine Wunder, aber ...”
“Ich weiß”, lächelte sie, “sobald er eine nette Familie gefunden hat, bei der er unterkommt, ist die Schlacht schon halb geschlagen.”
Er nickte und grinste sie an: “Das wäre die beste Medizin für ihn!”
Myra packte mein neues, sauberes, nicht mehr räudiges Ich auf ihre Arme und trug mich hinaus in ihr Auto. Dann setzte sie mich auf ein weiches blau-weißes Handtuch.
Ich verschlief den ganzen Weg von Lancaster nach Hoboken.
3. Kapitel
Das ist ein mächtig feiner Ort, dachte ich, als mir Myra mein neues Zuhause zeigte.
Sie hielt mich in ihren Armen während wir um die Herberge herumliefen.
Die anderen Hunde waren in Zwingern, aber die Metallstäbe waren richtig sauber und glänzten sogar. Das Wasser und das Essen sahen frisch und appetitlich aus, jeder war glücklich und alle wedelten mit ihren Schwänzen, als Myra und ich vorbeiliefen.
“Hallo, du da, junger Hüpfer!” sprach mich ein großer Bluthund an.
Dann bellte ein Hund, der aussah, als wäre er eine Mischung aus 800 verschiedenen Rassen, “Das wird dir gefallen hier. Sie behandeln dich gut und wie ich hörte, bekommen wir alle nette Familien, die gut auf uns aufpassen!”
Ich sah mit verliebten Augen zu Myra hoch und gab ihr einen dicken Kuss mitten ins Gesicht.
Sie lächelte mich an. “Stell Dir vor, Kleiner, ich glaube, ich habe genau die richtige Mami für Dich!”
Myra hielt mich den ganzen Weg in ihr Büro in ihren Armen und setzte mich dann vorsichtig auf dem Boden ab.
Dann nahm sie einen Apparat in die Hand, von dem ich heute weiß, dass es sich um ein Telefon handelte, und rief jemanden an. Ich habe zwar nur die eine Hälfte des Dialoges verstanden, aber mir gefiel, was ich da so hörte.
“Hallo, Judy! ... Es ist ein Welpe ... Ein männlicher.... Nun, ja, gesundheitlich ist er nicht ganz auf dem Posten, aber das sollte sich jetzt geben mit den Medikamenten, die er bekommen hat ... er ist allerliebst. ... ein bisschen angeschlagen, aber ... Oh, Judy, das ist ja wundervoll! ... Dienstag? Großartig! Bis dann!”
Ich weiß nicht, ob Ihr das wisst, aber: Bobtails haben keine Rute. Entweder werden wir schon ohne geboren oder sie werden vom Tierarzt kupiert, solange wir noch ganz klein sind. Ich wurde schon ohne Schwanz geboren. Die meisten Leute wissen sofort, wenn ein Hund glücklich ist, denn dann wedelt er mit dem Schwanz. Bobtails können nur mit ihren Hintern wedeln.
Nun, ich hörte also diese Unterhaltung und wedelte dabei so heftig mit einem Hintern, dass es mich umschmiss.
Myra lachte und hob mich vom Boden auf.
“Du wirst ein wundervolles Zuhause haben, Kleiner. Und Du musst nur noch bis Dienstag warten!”
Ich sah sie an und drehte meinen Kopf von rechts nach links. Dienstag? Wann ist Dienstag? WAS ist Dienstag?!
Was Instinkte betrifft, unterschätzen sich die Menschen oft. Myra hingegen verstand mich sofort und lächelte: “Das ist in drei Tagen, du kleiner Fratz, ... nur noch drei weitere Tage!”
4. Kapitel
Vermutlich war ich immer noch so ein armes kleines Hündchen, dass ich in meiner Herberge weiterhin ein wenig bevorzugt behandelt wurde. Tagsüber durfte ich in Myra’s Büro herumlaufen und nachts musste ich nicht wie die anderen Hunde in einen Zwinger. Ich durfte sogar mit Miss Myra nach Hause!
Gerade als wir abends das Tierheim verließen, wurde mein Freund, der Hund aus 800 Rassen, von Stella, einer weiteren Mitarbeiterin des Tierheims Gassi geführt.
“Ich bekomme eine Familie, Kleiner!”
“Ehrlich?!”
“Wenn ich es doch sage! Ich werde gleich dorthin gebracht. Stella fährt mich!”
“Kennst Du sie schon?”
“Ja! Und sie lieben mich! Sie kamen heute und wir spielten miteinander. Dann hatten sie sogar Geschenke für mich! Schau: Ich bekam sogar ein Halsband mit meinem Namen drauf!”
“Wow! Wie heißt Du denn?!”
“Sparky.”
Stella öffnete die Autotür. “Rein mit Dir, Süßer! Es geht nach Hause!”
Sparky wedelte seinen Schwanz für mich.
Ich wedelte meinen Hintern.
“Mach’s gut, Kleiner. Viel Glück!”
“Mach’s gut, Sparky! Auch Dir viel Glück!”
5. Kapitel
Als Myra und ich zu ihr nach Hause fuhren und ich dabei so auf meinem hübschen blau-weißen Handtuch lag, dachte ich darüber nach, was Sparky mir erzählt hatte. Ihr wisst schon, das über seine neue Familie. “Sie lieben mich!” sagte er.
Ich sah auf das glänzende Handschuhfach vor mir, in dem ich mich spiegeln konnte. Keine Haare, traurige Augen, scheckige Haut...
Ich seufzte ...Wer kann schon so was lieben?!
Und wieder verstand mich Myra wortlos, lächelte zu mir herunter und sagte: “Dein neues Frauchen wird verrückt nach dir sein! Du bist ein süßer Hund und sie braucht ein wenig Gesellschaft. Sie wird dich aufessen vor Liebe!”
Interessiert hob ich den Kopf.
“Und, Kleiner... sie weiß alles über Bobtails. Sie hatte ihr ganzes Leben lang Bobtails.”
Hatte sie?
“Der letzte starb vor acht Jahren.”
Das ist eine lange Zeit.
“Sie konnte sich keinen neuen zulegen, denn sie zog ein Enkelkind groß, das viele Allergien hatte.”
Menschen reagieren allergisch auf Hunde?!
“Das kleine Mädchen ist gerade zu ihrem Vater zurückgezogen und ...”
Können Hunde allergisch auf Menschen reagieren?!!
“Nun, ich glaube, man könnte sagen, die Zeit ist reif für euch beide!”
Wie hast du nochmal gesagt, dass sie heißt?
Und wieder! Myra drehte sich zu mir. “Du und Judy werdet die dicksten Freunde.”
... Judy.
6. Kapitel
Heute war irgendwas, das sich Montag nannte. Das bedeutete, dass es morgen nicht nur etwas mit Namen Dienstag gab, sondern dass dies der Tag sein würde, an dem Judy kommen und mich zu meinem neuen Zuhause nach Philadelphia zurückbringen würde. Ich war so aufgeregt, dass ich fast den ganzen Tag lang mit meinem Hintern wedelte.
Myra erkannte, wie glücklich ich war und lächelte mich an.
“Morgen ist dein großer Tag, Kleiner.”
Ich weiß, ich weiß, ich weiß!!!
Sie tätschelte meinen fast kahlen Kopf.
“Du weißt dass morgen Dienstag ist, oder?!”
Worauf du wetten kannst!
7. Kapitel
Am nächsten Morgen wachte ich am Fuß von Myra Glick’s Bett auf. Sie schlüpfte in ein Paar pinkfarbene Hausschuhe, wickelte einen Bademantel über ihren Pyjama und lief dann die Treppen hinunter in Richtung Küche.
“Das ist das letzte Mal, dass wir zusammen frühstücken,” seufzte sie.
Ich musste daran denken, wie nett Myra zu mir gewesen war. Wie mitfühlend sie war, als sie mich aus meiner misslichen Lage in diesem scheußlichen Schuppen befreite. Wie sie mich zu ihrem Freund Joel, dem Tierarzt, gebracht hatte und mich dann den vielen wirklich tollen Hunden im Tierheim vorgestellt hatte. Aber meistens dachte ich daran, wie sie mich mit nach Hause nahm und mich mit Freundlichkeit, Liebe und Respekt behandelt hatte.
Myra Glick ist die beste Freundin, die ein Hund je haben kann. Das könnt ihr mir glauben.
Während Miss Myra ihren Kaffee trank und ich die letzten Krümel meiner Crunchy-Munchy Kibbles verdrückte, klingelte ihr Telefon.
“Hallo, Judy! Ich hätte nicht gedacht, dass ich von dir etwas höre, bevor ich auf der Arbeit bin.”
Myra lachte und wieder einmal lauschte ich intensiv der einen Hälfte des Gesprächs.
“11:30 Uhr wäre okay. ... Wie war das? ... Oh, das ist so ein süßer Name! Ich glaube, er passt ihm wie angegossen.”
Welcher Name? Sie gab mir einen Namen?! Ich würde nicht mehr „Junge“ oder „Kleiner“ genannt werden?
Ich dachte an meinen Freund Sparky, Ihr wisst schon, den Hund aus 800 Rassen. Nicht, dass mir der Name Sparky nicht gefallen hätte; er war süß und er passte zu ihm. Aber... ich wusste nicht recht, ich mit meinen englischen Vorfahren und so, also ich hoffte ja doch auf etwas weniger Niedliches - etwas Würdevolleres vielleicht und etwas, das ein wenig Britisch klingt. Selbst wenn ich fleckige Haut, keine Haare und traurige Augen hatte, war ich doch immer noch ein echter, englischer Schäferhund, ein Bobtail. Mein Vater stammte von Champions ab und auch meine Mutter war königlich und wunderschön. Ja, ich brauchte einen richtigen Namen. Dann dachte ich bei mir, was wäre gewesen, wenn Cedra und Ralph mir einen richtigen Namen gegeben hätten, hätte es irgendetwas bedeutet?
Nein, eindeutig nicht.
Ich wäre trotzdem traurig, einsam, krank und verschüchtert gewesen. Und sie hätten mich trotzdem dort draußen sterben lassen.
Deshalb schüttelte ich alle Gedanken über ‘richtige, würdevolle, englische Namen’ aus meinem struppigen Kopf. Es war mir egal, ob Judy mich Pupsi, Schnuckiputzi oder Hinterwedler nennen wollte.
Alles, was ich wirklich wollte, war: Sie sollte mich lieben.
8. Kapitel
Ich saß in Myra’s Büro und knabberte an einem kleinen Stück Hundekuchen. Sie sah zu mir herunter, gab mir einen Klaps auf den Kopf und lächelte, “Es ist 11:25 Uhr, Kleiner! Dein Frauchen wird jeden Moment hier sein.”
Kaum hatte sie diese Worte ausgesprochen, als Stella hereinkam. “Ist dein Junge bereit, nach Hause zu gehen? Judy ist da!”
Judy ist da!! Ich meine, mein Frauchen ist hier!!
Myra stand auf und befestigte eine Lederleine an das Halsband, das Joel, der Tierarzt, mir an dem Tag umgelegt hatte, als ich meinen dreckigen Schuppen verlassen durfte.
Ich wollte nicht zu wild erscheinen, daher lief ich so ruhig wie möglich mit ihr nach draußen, wobei ich mich nervös gegen Myra’s Beine legte.
“Keine Angst, ” sagte sie zu mir. “Jetzt wird alles gut.”
Die Vordertür des Tierheims war nur noch sechs Meter entfernt. Der alte Bluthund bellte mir zu: “Viel Glück, da draußen, Kleiner!”
“Danke!” kläffte ich zurück.
Es waren elf Hunde im Zwinger und sie alle wünschten mir alles Gute, gute Gesundheit und viel Glück. Hunde sind einfach klasse, findet Ihr nicht?
Nur noch drei Meter zu gehen.
Myra hielt an und kniete sich hinunter, um mir in die Augen zu sehen. “Es tut mir Leid, dass Du gehst, Junge. Aber ich weiß, du wirst der glücklichste Bobtail in ganz Philadelphia sein.”
Ich küsste Myra ins Gesicht und wedelte mit meinem Hintern.
Nur noch fünf Schritte.
Bevor ich noch recht wusste, was passiert, schwang die Vordertür des Tierheims auf und da war sie. Sie rannte sofort zu mir herüber. “Du bist sooooooooo niedlich!!!”
Ich bin niedlich?!
Sie legte ihre Arme um mich: “Oh, Henley! Ich freue mich so darauf, dein Frauchen zu sein!!”
Henley?
“Magst du deinen neuen Namen? Myra, glaubst du, dass er seinen Namen mag?”
Ob ich ihn mag?!! Er ist perfekt! Er ist Englisch! ... Henley! Ich heiße jetzt Henley! ... Henley, Henley, Henley! Ich bin jetzt der Henley! Ich liebe diese Frau!
Judy saß auf dem Boden und ich kuschelte mich in ihren Schoß. Sie sah hinauf zu Myra. “Ist er nicht absolut anbetungswürdig?”
“Nun, Judy, ich hatte gleich das Gefühl, ihr beide würdet perfekt zueinander passen.”
Als Judy mir in die Augen sah, bemerkte ich, dass ihre genauso sanft und blau waren wie die von Myra. Ich nehme also an, dass ich für Frauen mit großen blauen Augen einfach unwiderstehlich bin.
“Muss ich irgendwelchen Papierkram unter-schreiben?” fragte sie Myra.
“Ich kann sie dir schicken. Mach dir keine Gedanken. Nimm einfach den alten Henley mit nach Hause und werdet Freunde. Ich freue mich für euch beide.”
“Wenn du mich fragst, Myra Glick, dann bist du die beste Freundin, die ein Hund haben kann!” hörte ich Judy sagen.
9. Kapitel
Die Fahrt von Hoboken zu Judy nach Philadelphia dauerte eine Stunde und 35 Minuten. Es war die schönste Fahrt meines Lebens!
Myra hatte Judy das blau-weiße Handtuch mitgegeben, das ich schon kannte und liebte. Judy zog mir ein glänzendes rotes Hundehalsband an, zu dem eine passende Leine gehörte. Es war ein kleines, wunderschönes Namensschild in Form eines Knochens daran befestigt.