Goran Vojnović Tschefuren raus!
Tschefuren raus!
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Goran Vojnović Tschefuren raus!

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7. Warum keiner mehr Basket spielt

In der letzten Zeit sind die Basketplätze in Fužine leer. Das ist so, wenn die Schulen ihre Spielplätze nicht renovieren und wenn die Gemeinde, zu der Fužine gehört, nichts auf die Reihe kriegt. Dann gibt es keine Bretter, keine Netze, nichts. Für mich ist das ein echt trauriger Anblick. Du kommst auf den Platz, und kein Mensch weit und breit. Die Kleinen fixen oder ziehen sich Videospiele rein. In Fužine gibt es sechs Basketplätze plus einen Korb bei den Tennisplätzen und ein Spielfeld vor der Verrücktenanstalt, wo sie auch eine Leitung haben und du Wasser trinken kannst. Von allen diesen Spielplätzen wird nur auf dem Krajevec gespielt, und das ist dazu noch der abgefuckteste Platz der Welt, wo die Mittellinie kein Aus bedeutet. Die Regel hat sich irgend so ein Kretin vor hundert Jahren ausgedacht und die gilt jetzt noch immer. Auf allen Spielfeldern ist beim Basket die Mittellinie das Ende des Spielfelds, wenn du nur auf einen Korb spielst, nur auf dem Krajevec nicht. Und außerdem gibt es heute keinen richtigen Basketball mehr. Früher gab’s an jedem Korb ein paar Dreier, da spielten Rašo Nesterović und voll ein paar super Typen, und da spielten ein paar Greise, bei denen du keinen dunken konntest, egal was du versucht hast. Vor der Gastgewerblichen waren immer ein paar gefährliche Typen aus dem Fünfzehner-Block, die, den Kassettenspieler voll aufgedreht, Public Enemy laufen ließen und einen verdammt unangenehmen Basketball spielten. Auch wenn der Typ nicht dribbeln konnte, war er stark und hat mit dir den Boden gewischt. Wer weiß, wo diese Legenden jetzt sind, all diese verschiedenen Jordans. Nur, vor der Kochakademie hängt schon mindestens zehn Jahre kein Brett mehr. Bei uns, am Rusjan, wurde nur so easy Basket gespielt, aber das war trotzdem immer eine coole Angelegenheit, da haben sich voll die Leute versammelt, und jetzt kommen wir hin, und da ist ein Zwerg ein bisschen am Schießen, der Ball größer als er. Hast keinen, mit dem du zu dritt spielen könntest. Ein wahres Trauerspiel. Und dann hörst du in der Glotze, wie irgendwelche bemühten Warmduscher klugscheißen, dass es immer mehr Junkies gibt und so. Sollen sie doch mal von Platz zu Platz spazieren und sehen, wo die Kids sind. Klaro wird da gefixt, wenn du zum Basket kommst oder zum Fußball, aber da siehst du keinen von denen. Meiner Schätzung nach gibt es mehr Fixer als Basketballer auf diesen Spielplätzen.

„Gibst du mir mal den Ball, dass ich einen Dreier werfe?“

Aco muss die Kleinen immer erst mal anblaffen. Angeblich weil sie uns auch angeblafft und vom Platz geworfen haben, als wir die Kleinen waren, und jetzt bringt er quasi den Kleinen Ordnung bei. Damit klar ist, wer hier das Sagen hat. Aber die Kleinen von heute scheißen dir was. Wir haben uns damals angeschissen und uns nicht getraut zurückzublaffen und sind schön runtergegangen vom Spielfeld, aber heute blasen sich die Kleinen auf und blaffen zurück.

„Gib schon her, ich fress ihn dir schon nicht auf. Ich werf nur mal einen Dreier.“

Da hast du diese Pimpfe. Die reißen das Maul auf, und die Alten nehmen nie den Gürtel, wie es sich gehört. Von wegen moderne Erziehung. Und dann muss ihm Aco den Ball mit Gewalt wegnehmen, um seinen fucking Dreier zu werfen, und der Kleine ist beleidigt und will zu seiner Mami laufen und ihr was vorplärren und Aco kriegt die Wut und haut ihm den Ball irgendwohin Richtung Ljubljanica.

„Da hast du deinen Ball, du Nervensäge!“

Und der Kleine läuft weinend nach Hause. Und wir sitzen schön auf der Tribüne vorm leeren Platz und sind gut drauf.

„Willst du ’n bisschen Gras? Von Hasch-Jovo?“

Gras will ich keines. Ich meine, wo ich doch Sportler bin. Ein Tschick geht manchmal bei mir. Nur so zum Angeben, denn wenn Radovan wüsste, dass ich qualme, würde er mich in meine Einzelteile zerlegen. Die Eier würde er mir um den Hals binden. Da versteht er keinen Spaß. Drogen oder Basket. Zigaretten, eine, zwei, das ist es nicht, Radovan hat ja auch geraucht, als er jung war, aber wenn ich einen Joint rauchen würde, würde ich kopfüber aus dem dreizehnten Stock fliegen. Nicht, dass unser Block dreizehn Stock hätte, aber für die Gelegenheit würde Radovan den dreizehnten dazuerfinden. Dann wär der Kopf ab. Deshalb sehe ich Dejan und Adi zu, wie sie rauchen, und ich stecke mir eine auf easy an und inhaliere nicht. Mehr zum Angeben.

„Keiner spielt mehr Basket?“

„Kein Geld.“

„Was brauchst du Geld. Nimmst dem Kleinen den Ball ab und machst ein Dunking und so.“

„Ach nee, das hat keine Perspektive.“

Manchmal schiebt Dejan was raus, dass es dir den Magen umdreht. Was weiß der, was Perspektive ist. Der Mensch hat keine blasse Ahnung von gar nichts. Die ganze Grundschule durch hatte er alles Fünfen. Für ’ne Vier in Geografie brauchte er nur alle Kontinente auswendig zu lernen, ging nicht. Am Schluss hat er sich mit der Geografietussi geeinigt, dass er ihr für ’ne Vier alle sieben Londoner Klubs aufzählt, die in der Premier League spielen.

„Ach so, keine Perspektive? Du könntest gern mal Tagebuch schreiben.“

„Das hast du gut gesagt! Weißt du überhaupt, was das ist, Perspektive?“

„Werd ich wohl wissen!“

„Was? Dann sag’s doch, wenn du’s weißt.“

„Warum? Sag du.“

„Du bist doch der Schlaue.“

„Und du der Oberschlaue, wenn sie dir nicht beigebracht hat, was das ist, Perspektive.“

„Hör auf, du hast keine Ahnung, was das ist, Perspektive!“

„Das ist das, was später kommt, in der Zukunft. Wenn es cool ist und so.“

„Ach, in der Zukunft? Mein Gott, was du heute alles rauslässt, Alter! Machst wohl grad deinen Doktor, oder was? Es gibt keine Perspektive!“

„Basket spielt keiner, weil keiner mehr Lust dazu hat. Die Kids sind zu faul, Alter. Keiner hat Lust, sich zu bewegen! Nimm bloß mal den Nušić. Wo hat der Lust, auf dem Spielfeld rumzulaufen! Die Leute sind total phlegmatisch. Kein Interesse, Alter.“

„Die Leute sind behämmert.“

Und so weiter. Gibt nichts Schöneres. Du sitzt da und genießt. Scheißt dich nix.

8. Warum der Kommunismus noch nicht ausgestorben ist

Wenn ich abends nach Hause komm, bete ich zu Gott, dass Radovan schon pennt. Ich hab wirklich keine Lust auf Fragen, wo ich war, mit wem und warum ich nicht zum Essen gekommen bin. Nur, heute hat Radovan direkt auf mich gewartet. Er saß da in Unterhemd und Unterhose, was bei ihm der Pyjama ist, und zappte durch die Kanäle. Und dann fing er an, um mich herumzuschleichen. Und ich wusste, dass ich nicht so leicht davonkommen würde. Irgendwas ging ihm im Kopf herum, und das musste er mir jetzt mitteilen. Scheiße auch.

„Ich habe mit diesem … Krković gesprochen. Er kennt da wen … bei Olimpija! Er steht sich gut mit dem, wie heißt er noch … Ćućić. Er hat gesagt, er wird sehen, was er für dich tun kann.“

„Was?“

„Na, für Olimpija. Er steht sich wirklich gut mit diesem … Ćućić.“

„Was für Olimpija.“

„Na, Olimpija.“

„Ich will nicht zu Olimpija.“

Soll er sich Olimpija und diesen Ćućić sonst wo hinstecken. Was kommt er mir damit um ein Uhr morgens. Und wieder ist er nervös zum Abwinken. Scheiß auf seine Nervosität.

„Bist du wahnsinnig, du Ochse? Was willst du nicht! Und was willst du? Willst du vielleicht zu den Ingenieuren mit deinen Noten? Wenn du nicht bei Olimpija spielst, bist du nirgends! Glaubst du, da kommt einer nach Fužine, um dich zu sehen! Du Depp du! Dann geh doch … geh doch nach Ježica, zu den Frauen, wenn du so einer bist!“

„Und was macht dieser Ćućić! Er ist da Physiotherapeut!“

„Kennt er Sagadin? Kennt er ihn? Ja, er kennt ihn! Und wer ist der Oberste? Sagadin!“

Nur Ranka hat uns noch gefehlt.

„Was habt ihr um diese Zeit hier zu diskutieren. Ihr weckt die ganze Siedlung auf.“

„Und wenn schon! Wann hast du das nächste Training?“

„Morgen.“

Radovan schnappt wieder nach Luft, Ranka leidet, und ich habe von all dem die Schnauze voll. Und überhaupt von seinen Krkovićs und Ćućićs. Das ganze Leben habe ich nur Troubles von diesen Krkovićs und Ćućićs und sonstigen Stümpern. Ständig kennt Radovan wen, der irgendwas richten wird, weil der wieder jemanden kennt, und das sind lauter Tschefuren, die sich kennen, und alle richten irgendwas, und am Schluss setzen sie sowieso alles in den Sand. Wenn jemand glaubt, der Kommunismus ist ausgestorben, hat er sich schwer getäuscht. Radovan ist noch immer auf diesem Trip mit seinen Krkovićs und Ćućićs. Bei ihnen ist alles hilfst du mir, helf ich dir. Du kannst nicht mal in den Laden gehn Brot kaufen, ohne dass Radovan zu dir sagt: „Warte, ich rufe Ćućić an, dass er nachsieht, ob in der Bäckerei bei Krković noch ein Laib über ist!“ Für jeden Scheiß wird nach einer Verbindung gesucht, man fragt nur, wo jemand auf -ić ist und wer ihn kennt, denn wenn er auf -ić ist, dann ist er ein Tschefur, und ein Tschefur kennt doch einen anderen Tschefur. Und dasselbe, wenn eine Waschmaschine kaputtgeht, dann kaufst du keine neue oder bringst sie zum Service, sondern rufst Krković an, der kennt einen Ćućić, der das umsonst repariert. Und so. Alles umsonst. Ein Tschefur ist für den anderen da. Und dann ist die Waschmaschine nach zwei Tagen wieder im Arsch. Der Kommunismus ist im Arsch, weil die Leute für wenig Geld gearbeitet haben. Nur Radovan und seine Krkovićs und Ćućićs haben das noch nicht geschnallt. Die werden immer mehr und sind überall. Alle kennen sich und alle tun sich einen Gefallen, in Wirklichkeit machen sich die einen auf Kosten der anderen einen Lenz. Als ich anfing, Basket zu trainieren, ging das nicht ohne Krković. Nein, er musste bei Slovan einen gewissen Ćućić kontaktieren und irgendwas fix machen. Alle anderen kamen schön zum Training und fingen an zu trainieren. Was weiß ich, das ist wahrscheinlich deshalb, weil damals in Jugoland alle in eine fremde Republik gekommen sind und keinen blassen Schimmer hatten und sich alle angeschissen und nach ihren Leuten gesucht haben, die ihnen helfen würden, sich leichter zurechtzufinden, weil sie weder die Sprache konnten noch sonst was. Aber nach dreißig Jahren könnte man auf dieser Welt doch mal was ohne Krković und Ćućić machen, verdammter Tito, verdammter.

9. Warum die Tschefuren nicht über Sex reden

Heute Morgen bin ich im Aufzug mit der Moderatorin aus dem achten Stock gefahren. O Mann, was würde ich mit ihr machen. Die ist echt steil. Real ist sie noch besser als im Fernsehen. Und immer maximal aufgebrezelt. Hochhackige plus enge Hose, dass der Arsch nur so wackelt und es dir den Atem verschlägt, wenn du hinter ihr gehst. Mir war es immer zu dumm, ihr was nachzurufen und so. Das ist mir immer auf den Sack gegangen. „Hallo Kleine, lass mi mol eine!“, „Mädchen, hast du stramme Bäckchen!“ und ähnliche Meldungen mehr. Ich würde zu ihr sonst was sagen, ich bin aber ein zu großer Loser. Ich bin wirklich zu doof für solche Sachen. Sie kommt in den Aufzug und alles duftet nach ihrem Parfüm, und ich starre auf den Boden und dann, wenn sie aussteigt, geh ich ihr langsam nach und sehe auf ihren Arsch, wie er in den engen Hosen hin und her hüpft. Das ist mein Liebesleben. Eine ausgemachte Kacke. Dass ich etwas zu ihr sage oder so, keine Chance. Ich erinnere mich überhaupt nicht, wann ich ihr zum letzten Mal ins Gesicht gesehen habe. Ich weiß ja, sie hätte mich abblitzen lassen, aber es geht mir doch gegen den Strich, dass ich nicht die Eier habe, um was zu probieren. Ich habe richtig Angst vor ihr. Ich scheiß mich voll an, wenn ich sie sehe.

Auch Adi und Dejan sind solche Loser, obendrein sehen die beiden auch noch so aus, dass sowieso nicht daran zu rütteln ist, weil Adi erst noch wachsen muss und Dejan seine Pickel in Ordnung bringen muss und so. Aco ist der Einzige, der Tussen anbaggert, aber nur solche kleinen Tschefurken aus der Grundschule, die ihn sowieso nicht lassen, und dann kriegt er die Wut und lässt sie stehen und sie rufen ihn dann noch ein halbes Jahr lang an. Wir drei sind einfach eine Katastrophe. Adi zieht sich nur Pornos rein, und meiner Schätzung nach wird es ihn davon noch zerlegen, weil er komplett durchdreht. Sowieso kennt er alle Schauspieler aus den Pornos, was an sich schon krank ist, und dann redet er noch dauernd von denen, von wegen wie und was, eine Nervensäge, nur manchmal kannst du ihn nicht stoppen. Am schlimmsten ist es, wenn er anfängt zu erzählen, wie Mirsad Samira fickt. Für mich ist das wirklich krank, aber Adi erzählt und erzählt. Sowieso kommt er immer mit denselben Behauptungen, nur dass mir schlecht wird, wenn ich an Mirsad und Samira denke. Wenn ich die beiden hören würde, wie sie es treiben, würde ich im Leben keinen mehr hochkriegen. Und dann erzählt er noch, wie Mirsad irgendwelche Kellnerinnen nagelt, und ich weiß nicht, was noch alles. Schmerz lass nach. Weiß der Teufel, warum er das erzählen muss, aber seine Familie ist sowieso am Sand.

Dejan ruft ihnen ständig was hinterher, die allervulgärsten Meldungen, dass dann alle Tussen, wenn sie uns nur von Weitem sehen, machen, dass sie wegkommen. Einmal, als er der Moderatorin was nachgerufen hat, hätte ich ihm fast eine gescheuert, weil er wirklich grauenhaft war. Und dann das Hinterherpfeifen. Ständig. Bei jeder, die vorbeigeht. Das ist das Tschefurischste auf der Welt. Keine Ahnung, wo sie sich das ausgedacht haben.

Je mehr ich darüber nachdenke, scheint mir, dass ich mit dem, mit Sex und so, meine Schwierigkeiten habe. Denn wenn ich normal wäre, hätte ich schon mal eine gepoppt. Aber dann denke ich, das ist deshalb, weil bei uns zu Hause Sex ein Tabu ist. Über Sex wird bei den Tschefuren nicht gesprochen. Der existiert nicht. Meiner Schätzung nach haben Radovan und Ranka sowieso schon hundert Jahre nicht mehr. Wo sollen sie auch, wenn ich im Nebenzimmer bin und die Wände in Fužine so dünn sind, dass ich Radovan höre, wenn er schnarcht. Und wenn ein Film im Fernsehen läuft und da zwei anfangen, miteinander rumzumachen und so, wechselt Radovan sofort das Programm. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich Radovan frage, wann er zum ersten Mal hat, oder Ranka. Das Einzige, wo mal ein Fick erwähnt wird, ist, wenn irgendwelche schweinischen Witze erzählt werden, wenn Mujo Fata pempert und so. Sonst keine Chance.

Mit Adi, Dejan und Aco rede ich auch nicht darüber. Ich meine, ernsthaft. Klar sind wir ständig am Flachsen, Adi erklärt, dass er Tanja Ribič und Rebeka Dremelj nageln würde, Dejan Jelena Karleuša, und Aco Nataša Bekvalac. Ich sage dann meistens Severina, und dann heißen sie mich einen Ustascha, diese Wichser. Gute Möpse sind aber eine supranationale Kategorie. Aber ernsthaft reden wir nie darüber. Weil jeder Angst hat, dass ihm die anderen auf den Kopf scheißen, wenn er sagte, was ihn anmacht. Und wie sie das täten. Wenn ich sagen würde, dass ich auf die Moderatorin stehe, würde ihr Dejan jedes Mal, wenn sie vorbeigeht, nachrufen: „He, Moderatorin! Moderatorin! Marko würde dich gern in deinen Arsch pempern!“

Deshalb starre ich wieder auf den Boden. Wieder trägt sie Heels, und wieder riecht der Aufzug nach ihrem Parfüm. Und wieder geht die Tür vom Aufzug auf und wieder warte ich, dass sie sich etwas entfernt, und gehe hinter ihr her. Wieder hat sie die eng anliegenden Hosen an, und wieder schaukeln die Bäckchen links, rechts, rauf, runter. Was für ein Arsch! Und wieder gehe ich hinter ihr her bis zur Haltestelle, und sie steigt in den Bus, und ich tue, als würde ich auf den nächsten warten, und gehe, wenn der Bus weg ist, zurück vor den Block.

Aber auf sie kann ich nicht wichsen. Geht nicht. Komisch ist das, aber es geht nicht. Auf andere Nachbarinnen geht es, und auch auf Mitschülerinnen und so, aber auf sie kann ich einfach nicht. Ob das Verliebtheit ist oder sonst ein Fotzenrauch, weiß ich nicht, ich weiß nur, dass mein sogenanntes Liebesleben total im Arsch ist und dass ich total im Arsch bin und dass ich auch das nächste Mal, wenn wir allein im Aufzug fahren, keinen Ton rausbringen, sondern wieder nur auf den Boden starren werde. Vielleicht war Radovan derselbe Loser, oder ein noch größerer, und deshalb will er jetzt nicht darüber reden, weil es für ihn noch immer peinlich ist. Scheiße, Blut ist kein Wasser.

10. Warum ich das Training geschmissen habe

Zur Belohnung, weil ich einem Vollpfosten von Olimpija die Fresse rechts links poliert habe, war ich für eine Woche suspendiert. Das hat sich unser idiotischer Trainer ausgedacht, der sich aufbläst und ständig was von Fair Play faselt, der Sprücheklopfer. Ein debiler Oberstreber, der Basketball aus Büchern gelernt hat, scheiß auf die. Sein Fair Play kann er sich in den Arsch schieben, weil er von Basket keinen Schimmer hat. Da hat er sich irgendwelche amerikanischen Stehsätze angedudelt und war zweimal in Amerika auf so Lehrgängen, aber das hilft bei ihm überhaupt nicht, wenn der Typ nicht dribbeln kann und sich sogar an der Linie verhakt. Scheiß auf Fair Play und Suspendierung und all den anderen Scheiß. Er hat sich auch dieses Klemmbrett ausgedacht und malt jetzt auf dem herum und denkt, dass das full eine Taktik ist. Diese dämlichen Wichtigtuer machen den slowenischen Basketball kaputt. Das ist diese Mentalität. Wenn du ihn fragst, wer der beste Basketballer ist, wird er sagen, der, der gute Blocks aufstellt und hoch springt, und in der Abwehr zustellt und alle Aktionen im Angriff kennt, nicht aber einer, der über drei Riesen unterm Korb hinweg zehn Dreier einlocht. Wichtig ist, dass du fleißig bist und dass du die taktischen Ideen des Trainers befolgst. Wenn Jordan immer nur auf die Trainer gehört hätte, wäre er noch heute eine gewöhnliche Pfeife und keine Legende. Denn diese Suspendierungen sind nicht deshalb, weil wir die grünen Luschen ein bisschen vermöbelt haben, sondern weil wir in der letzten Sekunde seinen taktischen Schwachsinn nicht befolgt haben und einen Korb gemacht haben. Das ist das Trauerspiel beim slowenischen Basket. All die dicken Tränensäcke, die uns ihre Weisheiten verkaufen wollen.

Und deshalb bin ich absichtlich fünfzehn Minuten später zum Training gekommen, und das noch mit einem Tschick im Mund. Der fette Sack kann mir mal einen blasen. Eine Schande ist das, dass solche Tanzbären bei Slovan überhaupt Trainer sind. Das will ja doch so etwas wie ein ernsthafter Klub sein. Gleich wie ich ihn sehe, wie er da vor der Halle steht, voll wütend, zu jedem Scheiß bereit, und wie er mich mit dem Tschick sieht, fängt er an zu fauchen und seine roten Bauernbäckchen werden dabei noch röter. Und dann will ich in die Halle, und der Typ lässt mich nicht und fängt an, mich wegzuziehen. Der Sack zieht mich zu meinem Tschick, den ich ins Gras gefuckt habe.

„Heb das auf!“

„Weshalb?“

„Heb das auf!“

Und dann hebe ich das auf und drehe mich um, ob es wo einen Mülleimer gibt, wenn er schon ein solcher Kretin ist, dass er mir mit ökologischem Quatsch kommt.

„Ciao. Wenn du Basket spielen willst, kannst du wiederkommen.“

Und geht in die Halle und schließt hinter sich ab. Ich fass es nicht. Was für ein Idiot. Der ist doch nicht normal. Diese Streberfotze. Was für ein Schwachkopf! Ich fass es nicht. Aber so ist es. Das ist der Dank, wenn du in der letzten Sekunde einen Korb machst und Staatsmeister wirst. Das gibt’s sonst nirgends auf der Welt. Diese Kretins. Deshalb wird Slowenien nie was reißen im Basket. Deshalb wird alles schön den Bach runtergehen. Ihr Arschlöcher, ihr verwichsten. Näht dir die Mami deine Trainerweste, oder macht das dein Stecher? Wirst du deinen Stecher heiraten, Arschlecker, debiler? Blas ihm einen, du abgewichster Affe. Das gibt es nur in diesem abgefuckten Slowenien. Du machst einen Korb in der letzten Sekunde, und am nächsten Tag stellen sie dich vor die Tür. Wenn Jordan in Slowenien geboren wäre, könnte er denen die Handtücher hinterhertragen, die gute Blocks aufstellen. Verpiss dich, du Wichser! Čipša none! Schieß in den Wind, du Schwuchtel! Soll dir der Arsch bluten!

Ich habe keine Lust mehr. Mir reicht’s. Ich werde nicht mehr trainieren. Sie werden schon noch anrufen und mich betteln, dass ich komme. Es wird ihnen noch leidtun. Fotzen, slowenische. Was für Arschlöcher. Sollen doch die Nejcis und Rančićis für euch spielen, da werdet ihr einen Dreck Staatsmeister, armselige Loser. Wen interessiert das. Spiel ich eben drei gegen drei in Fužine. Das ist sowieso der bessere Basketball als eure Kritzeleien auf dem Klemmbrett.

Wie ich so gehe und so tue, als wär ich der Stärkste und würde einen Dreck auf alles geben und die ganze Welt könnte mich am Arsch lecken, macht mich das Tap-tap aus der Halle ganz fertig. Man hört das Training, zwanzig Bälle, das Quietschen der Treter und alles. Das macht mich so fertig, dass ich plötzlich ganz feuchte Augen habe. Ich schwöre, dass ich im Leben noch nie geweint habe, aber dieses Scheißgeräusch macht mich fertig. Das bringt mich um. Ich bleibe stehen und horche auf das Training. Wie hypnotisiert. Und dann fällt mir Radovan ein und ich muss daran denken, was es aus ihm macht, wenn er erfährt, dass ich nicht mehr trainiere, und ich bin fertig. Ich fühle mich saumäßig, ich bin so im Arsch, dass die Tränen nur so laufen. Zuerst will ich zurück in die Halle und es diesem Kretin so richtig zeigen. Aber dann stehe ich nur da und plärre und horche auf das Tap-tap der Bälle. Ich bin total fertig. Und dann drehe ich mich um, dass mich ja keiner sieht, und wische die Tränen weg, ich drehe mich zur Wand der Halle und gehe ganz schnell von dort weg, damit ich niemanden treffe. Und dann gehe ich zu Fuß an der Ljubljanica Richtung Fužine und überlege, dass ich das keinem erzählen kann, dass mich das so fertiggemacht hat. Radovan kann ich das überhaupt nicht sagen, dass ich nicht mehr trainiere, Adi, Dejan und Aco muss ich sowieso vorspielen, dass ich cool bin und so. Scheiße. Ich hab’s verschissen, ich hab es echt verschissen. Soll ihm King Kong den Arsch aufreißen.

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