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Beverley Nichols Der Garten ist geöffnet
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Übrigens verhielten sich sämtliche Koniferen irgendwie unerwartet. Einige der Lawsons Scheinzypressen, auch Oregonzeder genannt, von denen ich gedacht hatte, sie seien so abgehärtet wie königliche Leibgardisten, sahen bis weit in den Sommer hinein frostverbrannt und jämmerlich aus, während die aristokratischeren Goldzypressen, Chamaecyparis Lawsoniana lutea, alles relativ unbeschadet überstanden.
Escallonia. Allmählich glaube ich, dass nur die Iren perfekte Escallonias hinbekommen. Ob sie das verdienen, ist eine andere Frage. Wenn man sich mit Geschichte beschäftigt, kann man nie entscheiden, was dieses irritierende, paradoxe, unberechenbare und bewundernswerte Völkchen verdient, und kann nur bestätigen, dass sie nie bekommen, was sie verdienen und umgekehrt. Irgendwann habe ich mal geschrieben: »Frauen, Elefanten und Iren vergessen niemals eine Kränkung.« Diese tiefgründige Bemerkung möchte ich hier ergänzen durch – »Escallonias auch nicht«.
Meine jedenfalls haben die Kränkung des harten Winters, um den es in diesem Kapitel geht, nicht vergessen. Hätte ich mehr Platz, würde ich mich jetzt vielleicht zu fantasievollen Analogien zwischen Gartenbau und Geschichte hinreißen lassen … Die erwähnten Escallonias stammten jedenfalls aus irischen Gärtnereien, und ihr Verhalten war fast exzessiv irisch. Wenn man dachte, sie seien tot, brachten sie urplötzlich ein kleegrünes Blatt und eine Blüte hervor, die so stolz daherkam wie eine Flagge. Ging man dann in allerfreundlichster Absicht hin, um ein bisschen Hilfestellung zu leisten, welkten die Blüten und die Blätter vergilbten. Auch wenn ich es selbst sage – die lang andauernde Liebe-Hass-Beziehung zwischen Briten und Iren ließe sich kaum treffender auf den Punkt bringen.
Die einzige Escallonia, die britische Gärtner bedenkenlos anpflanzen können, ist die Hybride Escallonia x langleyensis. Mag sein, dass sie weder die Anmut noch den rosigen Schimmer noch die Finesse meiner irischen Sorten besitzt, die tot und dahin sind. Aber sie trotzt Wind und Wetter und ist einigermaßen berechenbar.
Pieris formosa Forrestii. Sie ist, zu unserem großen Bedauern, von uns gegangen.
Ehe ich fortfahre, möchte ich die Pieris beschreiben, damit Sie verstehen, wieso ich von »Bedauern« spreche. Nichts ist ärgerlicher, als über Dinge zu lesen, die man sich nicht bildlich vorstellen kann.
Die Pieris, die zu den Lavendelheiden oder Schattenglöckchen gehört, ist eins der spektakulärsten in der Natur vorkommenden Beispiele für den Triumph von Blatt über Blüte. Wenn ich es recht bedenke, kann ich mich nicht einmal richtig erinnern, was für Blüten sie überhaupt hervorbringt. Aber die Blätter schillern und schimmern und gehören zu den magischsten der vielen Laternen, die im April in den Wäldern entzündet werden. Wenn Sie in der Nähe Londons leben und sich zur Isabella Plantation im Richmond Park begeben, können Sie das Leuchten dieser kleinen Laternen sehen, das selbst den trübsten Nachmittag erhellt. Die oberen Blätter sind von einem leuchtenden, ganz leise von Zimt überhauchten Kirschrot, und sie behalten diese Farbe wochenlang bei und sehen dabei so festlich aus, dass manche Leute sie für Blüten halten. Aber offensichtlich waren sie zu zart für die Attacken, denen sie ausgesetzt waren. Trotzdem bestelle ich noch eine und werde ihr eine Polyethylendecke zur Verfügung stellen, oder besser noch ein kleines Zelt.
Rosmarin. Der praktisch totale Kollaps aller Rosmarine auf den ganzen britischen Inseln gehört zu den schmerzlichsten und verwunderlichsten Phänomenen dieses Winters. Irgendwie hatte ich immer angenommen, Rosmarin sei so zäh wie Lavendel, vielleicht weil es so viele Erinnerungen an Cottage-Gärten gibt, in denen der Rosmarin Hecken von bis zu anderthalb Metern Höhe bildet. In Garden Open Today sang ich ausführliche Loblieder auf die Rosmarine und erwähnte mehrere vergleichsweise ungewöhnliche Sorten, die mir besondere Freude bereitet hatten, insbesondere Rosmarinus officinalis albus, Rosmarinus officinalis rosea und Rosmarinus officinalis ›Tuscan Blue‹. Zu meiner Ehrenrettung kann ich sagen, dass ich über die letztgenannte Sorte schrieb: »Für meinen Geschmack zu empfindlich.« Aber ich dachte, die beiden anderen würden den Stürmen eines strengen Winters standhalten. Offensichtlich nicht. Wenn Sie also eine Vorliebe für Rosmarin haben, sollten Sie sich an den Liebling früherer Zeiten halten, Rosmarinus officinalis angustifolius. In meinem Garten starben selbst bei dieser Sorte alle oberirdischen Teile ab, aber die Wurzeln überlebten.
Ehe wir die Rosmarine verlassen, möchte ich Sie noch auf die charmante Herkunft des Namens aufmerksam machen. Wie üblich war mein Informant mein alter Freund Marius mit seiner enzyklopädischen Gelehrsamkeit. Ich hatte immer gedacht, der Name gehe auf irgendeine Dame aus dem sechzehnten Jahrhundert zurück, eventuell bei Shakespeare, die, immerzu mit einer weißen Schürze angetan, durch Cottage-Gärten wandelt und Rosmarinzweige in ihren altmodischen Flechtkorb legt. Weit gefehlt. Der Name leitet sich vom Lateinischen ros ab, »Tau«, weil sich in der Nähe des Meeres, wo der Rosmarin gern wächst, der Tau über Nacht auf den Blüten sammelt, und von marinus, was natürlich »Meer« bedeutet. Diese Art von Information, beiläufig während eines Spaziergangs durch den Garten fallen gelassen, ist dazu angetan, selbst liebste Freunde zu irritieren.
Damit wären wir am Ende unserer Liste der Todesopfer angelangt, ausgenommen ein paar wenige Unglücksraben im Gewächshaus, auf die wir in einer Minute eingehen werden. Der Leser stimmt uns vielleicht zu, dass wir uns alles in allem ganz gut geschlagen haben, und ich könnte mir vorstellen, dass das auf die meisten britischen Gärten zutrifft.
Das Gewächshaus war zweifellos kalt, aber nicht so kalt, wie wir befürchtet hatten. Eingangs erwähnte ich bereits, dass Mr Gaskin Schwierigkeiten hatte, sich durch den Schnee bis dorthin vor zu graben, und die einzige künstliche Wärme, die es abbekam, stammte von einem kleinen, billigen Ölofen, der weniger als sechs Liter Paraffin die Woche verbrauchte. Trotzdem lag die tiefste Temperatur, die im ganzen Winter gemessen wurde, nur knapp unter dem Gefrierpunkt. Wenn wir bedenken, dass in der ganzen Umgebung fast minus 18 Grad herrschten und die dünnen Glasscheiben ständig von einer Serie heftigster Schneestürme attackiert wurden, können wir uns zu diesem erstaunlichen Ergebnis nur gratulieren, auch wenn der ein oder andere Leser vielleicht meint, dass es fast zu erstaunlich ist, um wahr zu sein.
Aber es stimmt. Unser Erfolgsgeheimnis, das unsere Verluste auf ein Minimum beschränkte – ein paar Duftpelargonien, eine Schmucklilie und eine Schönmalve –, liegt in dem Wort »Polyethylen«. Damit nämlich hatte Mr Page in seiner Weisheit das Innere des Treibhauses schon Anfang des Winters ausgekleidet. Ich habe viel Abfälliges über Polyethylen gesagt, wenn es dazu benutzt wird, Teiche auszukleiden, weil es mich in diesem Zusammenhang stark an feuchte Unterwäsche erinnert – in den triefendnassen Schubladen sehr alter Gentlemen. Daher möchte ich nun seine Tugenden im Gewächshaus preisen. Als Isolation sowohl gegen Hitze als auch gegen Kälte ist es von unschätzbarem Wert; ohne es wäre die Temperatur um weitere zehn Grad abgesackt. (Genau das geschah unter den exakt gleichen Bedingungen in einem nicht mit Polyethylen ausgekleideten Gewächshaus eines Nachbarn.) Polyethylen ist nicht direkt schön, aber es ist auch nicht hässlich, und die Vitalität meiner Pflanzen beweist, dass es keine lebenswichtigen Lichtstrahlen abhält. Das Einzige, was eventuell gegen seine Verwendung spricht, ist die Tatsache, dass sich gelegentlich eine Biene darunter verirrt und sich in Panikzustände hineinsteigert. In diesem Fall muss man nur eine der Reißzwecken entfernen und die Biene wegscheuchen, was nun wirklich keine besonders herkulische Leistung ist.
Ein letztes Wort zum Seerosenteich. Wie Sie vielleicht bereits gemerkt haben, ist Wasser die Grundlage meiner Gartenphilosophie.
Keine der Wasserpflanzen im Seerosenteich wurde von der außergewöhnlichen Härte des Winters auch nur im Geringsten in Mitleidenschaft gezogen.
(Das gehört wirklich zu den Anlässen, da man es einem Autor verzeihen kann, dass er zu Kursivschrift greift, um die Bedeutung des Gesagten hervorzuheben.)
Die Wurzeln dieser wundervollen Pflanzen steckten monatelang in einer soliden Eisschicht fest. Störten sie sich daran? Überhaupt nicht. Im April leuchteten die goldenen Rosetten der Calthas, der gefüllten Sumpfdotterblume, intensiver denn je; es wurde Mai, und die schlanken Speere der Iris laevigata, der japanischen Sumpf-Schwertlilie, reckten sich himmelwärts, und ihre Blüten, die an Meißner Porzellanmalerei erinnern, entfalteten sich bereits. Im Frühsommer bildeten die Seerosen – die Sorten Laydekeri und Albatros – Blütenteppiche in Rosa und Weiß; und im August boten die Hechtkräuter mit ihren zeigefingerartigen Blättern ein leuchtendes Schauspiel in Hyazinthenblau. Von allen Schlachten im Garten, die die Blumen siegreich ausfochten, war die Schlacht um den Seerosenteich die wackerste und beeindruckendste.
PRAKTISCHER HINWEIS
Dies ist vielleicht ein guter Augenblick für ein paar Worte über Kleingewächshäuser. Anders als Mr Page bin ich nicht direkt »gegen« sie, aber sie haben ihre Nachteile und Grenzen. Diejenigen aus Glas gehen früher oder später unweigerlich kaputt, und dann steht man vor einem Wust aus gesplitterten Scheiben und verbogenem Draht, der dienstagnachmittags, wenn die Müllabfuhr kommt, unweigerlich zu gerunzelten Stirnen und Gebrummel führt. Die aus Plastik haben die Angewohnheit, bei jedem stärkerem Wind davonzufliegen. Das vielleicht Langweiligste an ihnen ist jedoch, dass sie nicht für Ecken und Winkel geeignet sind. Falls Sie immerzu endlose Reihen Frühsalat in langen, geraden Rillen anpflanzen, sind die Kleingewächshäuser wie für Sie gemacht. Aber wenn Sie es, wie die meisten Amateurgärtner, auch mit kleinen, unebenmäßigen Stellen zu tun haben, beispielsweise einem schiefen Dreieck mit empfindlichem, eben erst nach draußen gepflanztem Rosmarin, werden Sie sich fragen, ob die Dinger wirklich die Mühe wert sind.
Hier kommen wir nun zu Mr Pages Polyethylen-Erfindung, die nicht simpler, billiger oder effektiver sein könnte. Alles, was wir tun müssen, ist Folgendes: Wir suchen uns ein paar Farnwedel, breiten sie dick über die Pflanze oder das Fleckchen Erde, das wir schützen wollen, schneiden ein passendes Stück Polyethylen zurecht, legen es über die Farnwedel und befestigen es mit ein oder zwei Backsteinen. Falls kein Farn zur Hand ist, tut es auch ein Eimer Herbstlaub. Natürlich können wir diese Technik nicht bei hohen Pflanzen anwenden, aber für niedrige, oder für empfindliche Zwiebeln wie die von Hakenlilien, Amaryllis oder allen Schmucklilien, ist sie von unschätzbarem Wert. Das Polyethylen bildet eine Art Minizelt, das fast so effektiv ist wie ein Gewächshaus und weit weniger unansehnlich als ein Kleingewächshaus. Bei ungewöhnlicher Trockenheit oder an besonders sonnigen Tagen, wenn der Winter sich seinem Ende nähert, können wir das Polyethylen ein Stückchen anheben und den Pflanzen ein bisschen Wasser geben.
Für diese und, wie wir noch sehen werden, zahlreiche weitere Erfindungen von ähnlicher Genialität, verdient Mr Page, wie alle mir beipflichten werden, den Dank der ganzen Menschheit.
1 Lesern, die einen Blick auf die Widmung geworfen haben, wird aufgegangen sein, dass Four und Five nicht mehr unter uns weilen. Sie hatten ein hohes Alter erreicht, als sie sich von dieser Welt verabschiedeten. Four wurde neunzehn Jahre alt, Five seufzte sich an seinem einundzwanzigsten Geburtstag in den Schlaf. Aber beide sind mir so lebhaft in Erinnerung, dass ich nicht in der Vergangenheitsform über sie schreiben will.
II Wie man es auch betrachtet
Szene
Das Musikzimmer. Vor dem Fenster ein mondbeschienener, noch leicht mit Schnee bestäubter Rasen.
Zeitpunkt
Die frühen Morgenstunden einer bitterkalten Märznacht.
Dramatis personae
Gaskin in seiner üblichen Rolle als Faktotum.
Four und Five in ihrer üblichen Rolle als beleidigte Leberwürste, einer Mischung aus hauteur und Verachtung, die sie immer und unweigerlich an den Tag legen, wenn ich nach längerer Abwesenheit nach Hause zurückkomme. Beide sitzen mit dem Rücken zu mir sehr dicht vor dem Kamin. Gelegentlich werfen sie sich bedeutungsvolle Blicke zu. »Dieses Gebaren«, sagen sie, »nimmt allmählich überhand. Anscheinend bildet er sich ein, dass er monatelang fortbleiben kann, und wir sollen anschließend so tun, als wäre nichts gewesen. Das dürfen wir ihm auf keinen Fall durchgehen lassen. Wir müssen es ihm zeigen.« Und das tun sie, sie zeigen es mir, auf unmissverständliche Art und Weise. Es wird fast eine ganze Woche dauern, bis sie sich wieder normal verhalten.
Und schließlich ich selbst, ein wenig mitgenommen vom Flug über den Atlantik. Trotzdem kann ich es kaum erwarten, in den Garten zu gehen, obwohl es wirklich vernünftiger wäre, bis zum Morgen zu warten.
Also sage ich Gute Nacht. Gaskin greift sich Four und Five mit einer einzigen formvollendeten Bewegung. Als überaus entzückende Bündel aus angesengtem, leicht mit Asche überpudertem Fell baumeln sie vor ihm. In der Hoffnung, ihnen vielleicht wenigstens ein winziges Zeichen des Erkennens zu entlocken, mache ich einen Schritt auf sie zu. Zwei eisig-grüne Augenpaare starren mich an. Ich hätte es wissen müssen.
Und jetzt können wir die Tür des Vorraums öffnen und nach draußen gehen.
Im hellen Mondlicht wirkte der Garten wie die Szenerie für ein Winterballett, wenn die Bühne leer daliegt, die Tänzer nach Hause gegangen sind, die Musik verklungen ist und Stille herrscht. Trotzdem war eine leise Melodie zu vernehmen, denn es hatte angefangen zu tauen, und unter den Ästen der Blutbuche erahnte man ein geisterhaftes Geläut in verschiedenen Höhen und Tiefen – Tropfen, die sanft auf vereistes Laub fielen. Bis morgen Mittag würde der größte Teil des Schnees verschwunden sein.
Aber ganz hinten war noch eine dicke Schneewehe zu sehen, blendendweiß im Mondlicht. Wieso hatte sie sich so lange gehalten? Wegen des Anstiegs des Geländes? Weil Page irgendetwas mit Flechtwerk geschützt hatte? Ich ging hin, um mir die Sache genauer anzusehen, und als ich näher kam erkannte ich, dass dieses Weiß nicht das Weiß von Schnee war, sondern das von Blüten. Die ganze Böschung war ein einziges Meer aus Schneeheide, die so üppig blühte wie nie zuvor.
Es war ein großer Moment in meinem gärtnerischen Leben, denn es hätte keine schönere Rechtfertigung der ständigen Loblieder geben können, die ich auf diese wunderbare kleine Pflanze, Erica carnea ›Springwood White‹, gesungen hatte. Jahre zuvor hatte ich im ersten Begeisterungstaumel in einem anderen Buch geschrieben, sie würde sogar auf einem Eisberg wachsen. Nun, genau das hatte sie getan. Als ich mich bückte und die Taschenlampe anknipste, um mir ein genaueres Bild zu machen, sah ich, dass die Blüten absolut makellos waren, ohne auch nur den winzigsten braunen Fleck. Man hätte meinen können, sie hätten den Winter gemütlich eingekuschelt unter einer Glasglocke verbracht.
Gleich daneben zeigten sich erst jetzt, im Licht der Taschenlampe, die rosafarbenen Erica carnea ›King George‹, frisch und rosig und gleichermaßen unbeeinträchtigt vom Wüten des Winters. Hätte es im ganzen Garten nichts anderes gegeben, wäre er dennoch ein Ort der Fröhlichkeit und der Festlichkeit gewesen.
Das hier ist übrigens das letzte Mal, dass ich über die Winterheide schreiben werde, denn wer sie nach diesem dramatischen und strikt wahrheitsgemäßen Beweis ihrer Tugenden immer noch nicht anpflanzt, sollte gescheiter im Haus bleiben und den Rest seines Lebens damit verbringen, seine Wachsbegonien abzustauben. Aber da wir auf diese aufregende Art und Weise über sie gestolpert sind, will ich mir die Zeit für einen praktischen Hinweis in Bezug auf die Heide im Allgemeinen nehmen, weil es vielleicht doch noch etwas über sie zu sagen gibt, was nicht bereits gesagt wurde.
PRAKTISCHER HINWEIS
Heide. Psychologischer Ansatz. Wahrscheinlich wollen Sie jetzt wissen, was mit »psychologischer Ansatz« gemeint ist. Am besten kann ich es Ihnen am Beispiel des Gartens einer Nachbarin von mir erklären, der verstorbenen Herzoginwitwe Lady Linlithgow, die auf der anderen Seite des Common lebte. In ihrem Garten gab es nicht das winzigste Fitzelchen Heide. Wieso nicht? Nicht etwa, weil sie Heide hasste, sondern weil sie sie zu sehr liebte. Für sie war Heide gleichbedeutend mit Schottland; sie war gleichbedeutend mit den Hügeln und Tälern, die sie von ihrem Zuhause kannte, Hopetoun House, dem vielleicht lyrischsten und schönsten Gebäude der britischen Inseln. Auf gar keinen Fall bedeutete Heide ein Fleckchen Farbe in einem kleinen, na gut, verhältnismäßig kleinen, Provinzgarten. Sie wäre ihr dort so fehl am Platz vorgekommen wie das riesige Porträt eines hochvornehmen Vorfahren im Gästezimmer einer Mansardenwohnung.
Und was hat das alles mit dem normalen Durchschnittsgärtner zu tun, der wohl eher kein Herrenhaus im Hintergrund seines Lebens aufweisen kann und daher auch keinen Grund für derartige Vorbehalte hat? Meiner Meinung nach sehr viel. Ich glaube nämlich, dass viele Menschen psychologisch gegen gewisse Pflanzen »konditioniert« sind und jemand, der über die praktischen Seiten des Gärtnerns schreibt, auch diesen Faktor berücksichtigen sollte.
Denken Sie an den Seltsamen Fall von – nein, nicht Dr. Jekyll und Mr Hyde, sondern von John Betjeman und den Rhododendren. Einer der wenigen Gründe für die Hoffnung, dass nicht die gesamte britische Bevölkerung völlig verrückt geworden ist, ist die Beliebtheit von John Betjemans Gedichten. A Few Late Chrysanthemums verkaufte sich über hunderttausend Mal, und es ist tröstlich, dass seine klaren, melodischen Verse trotz aller nationalen Zwistigkeiten Gehör finden. Jedenfalls sollte man meinen, dass John jenen unschuldigen Blick besitzt, der Schönheit frei von allen irrelevanten Assoziationen wiederspiegelt, doch wenn er vor einem Rhododendron steht, sieht er keinen Rhododendron, sondern einen Börsenmakler. Er ist blind für die bunten Karnevalsfarben, blind für die vielen Schattierungen von Karmesin und Kirschrot, von Lila und Violett und Zitronengelb, weil er dahinter immer ein Herrenhaus im nachgemachten Tudorstil sieht und beißenden Zigarrenrauch riecht. Und er ist nicht der Einzige. Es gibt Hunderte von Menschen, die die seltsame Obsession teilen, dass Rhododendren »Börsenmaklerblumen« sind, so wie es Hunderte von Leuten gibt, die Orchideen für »böse« halten. Falls Sie das nicht glauben, sollten sie dem Orchideenhaus in Kew einen Besuch abstatten und sich die idiotischen Kommentare der Besucher anhören, die größtenteils so ähnlich lauten wie: »Oh … iiih … irgendwie sind sie gruselig!«
Zurück zu den Heiden. Ich glaube, der Grund dafür, dass so wenige Leute die grenzenlosen Möglichkeiten der großen Familie der Heidekrautgewächse erkennen, ist der Tatsache geschuldet, dass sie sie zu oft in Anpflanzungen gesehen haben, die ihrem Naturell widersprechen – in formale Beete eingepfercht, in mickrigen kleinen Polstern aus vielleicht einem halben Dutzend Pflänzchen, wie Soldaten in Reih und Glied vor einer Backsteinmauer aufgestellt. Keine andere Pflanze hasst formale Behandlung so sehr wie die Heide; und keine reagiert dankbarer auf Verständnis.
Hier meine persönlichen Regeln für den Umgang mit Heide. Sollten sie willkürlich klingen, kann ich es nicht ändern. Sie haben sich jedoch als sehr erfolgreich erwiesen.
1. Gehorchen Sie dem Diktat des Bodens. Wenn Ihr Boden sehr kalkhaltig ist, ist die Zahl der Sorten, die Ihnen zur Verfügung stehen, leider begrenzt, aber Sie können alle winterblühenden Sorten nehmen, und davon gibt es nicht weniger als fünfundzwanzig. Dazu kommt, dass »winterblühend« in diesem Fall sehr weit gefasst ist und den Zeitraum von Mitte November bis Anfang April meint. Zudem wird die Schönheit der Blüten in manchen Fällen auch vom Laub erreicht, wenn nicht gar übertroffen. Das Laub einer Erica carnea aurea ist von einem so leuchtenden Gold, dass man sich kurz nach Weihnachten der Illusion von Sonne überm Rasen hingeben kann.
Auf mittelmäßig kalkhaltigen Böden können Sie durchaus Erfolge mit den meisten mediterranen Heiden erzielen, die Ihnen im Frühjahr Farbe und das ganze Jahr hindurch Höhe schenken. Die vergleichsweise gewöhnliche Erica mediterranea zum Beispiel erreicht eine Höhe von anderthalb Metern, und ihre rosa Blüten heben sich leuchtend von dem dunkelgrünen Laub ab. Es gibt mindestens ein Dutzend mediterrane Heiden, unter denen Sie wählen können, in Weiß und Rosa, zwischen einem halben und anderthalb Metern hoch, die bis in den Juni hinein blühen.
Die einzige andere Heide, die Sie auf kalkigem Boden gefahrlos anpflanzen können, ist die korsische Heide, Erica terminalis, die im Juli blüht. Obwohl mein bevorzugter Heide-Versandgärtner schreibt, dass sie »schön geformte Büsche« bildet, kann ich das aus meiner eigenen Erfahrung nicht bestätigen. Meine korsischen Heiden sehen immer eher draufgängerisch und verwegen aus.
Besitzer von Gärten mit relativ geringem Kalkanteil im Boden können mit der wunderschönen mitsommerlichen Cornwall-Heide, Erica vagans, experimentieren, vor allem, wenn sie sich die Mühe machen, ihr gelegentlich eine Dosis Sequestrene zukommen zu lassen, jenem bewundernswerten Produkt, das ich in einem früheren Buch als »Gottes Geschenk an jene, die mit kalkhaltigen Böden geschlagen sind« beschrieben habe. Es bewirkt keine Wunder, senkt den Alkaliwert aber um, sagen wir, zwanzig Prozent.
Auf sauren Böden ist die Liste der Heiden unvergleichlich länger.
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