Barbara Naziri Aramesh
Aramesh
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Barbara Naziri Aramesh

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ihren Gesang dem Jasmin schenken.

Safran blüht auf Deinem Busen, die Nacht

hängt ihre Diamanten über schweigsame

Gemäuer, spiegelt einstige Schönheit in

stillen Teichen wider.

Deine Poesie, Jahrtausende alt, gemurmelt

auf den Lippen der Zeit, Dichter im Lehm der

Vergänglichkeit gefangen und Menschsein

in einem Ziegel verewigt.

Vorbei die Ära freier Spatzen! Die Freiheit trägt

ein Büßerkleid, Mörderhände werfen Steine

auf Dein Herz und zeichnen Gottes Namen

mit Peitschen auf nackte Haut.

In Deinen Gassen grölt Hass seine grausigen

Lieder und hängt die Gegenwart an zukunftslose

Galgen. Flüsternde Worte werden in Mauern

geritzt und in die Wunde unserer Herzen.

Bedecke Dich nicht mit dem Tschador der Trauer,

Iran, meine Schöne! Unsere Tränen verwahren

wir, bis die Sanduhren von Freiheit singen

und das Blut der Tauben trocknet.

2014

Der Spatz

Spatzen tschilpten in den Zweigen

in der uralten Platane

vor dem Fenster meines Zimmers,

das als Kind ich noch erahne.

Manchmal füllten stille Straßen

Hass- und Widerstandsgesänge,

und ich lauschte voller Ängste

auf die ungewohnten Klänge.

Da ertönt aus dichtem Laube

ein erfrischend Platzkonzert,

und die Angst weicht stiller Freude

und mein Herz wird unbeschwert.

Kleiner Spatz, ich lieb Dich sehr,

bist ein drolliger Gesell,

in der ganzen Welt zu Haus,

mit dem Schnäblein frech und schnell.

Bist mir Zeichen für den Frieden,

nicht der Taube Untertan,

ständig Deinen Spatzenfreunden

solidarisch zugetan.

Niemals werden Diktatoren

Dir Dein Schnäbelein verbinden

und Du wirst im freien Fluge

Dich den Feinden stets entwinden.

Darum bleibst Du mein Symbol

gegen Willkür und Gewalt,

auch für Freiheit und für Würde.

Ich seh Dich als Lichtgestalt.

2009, in Erinnerung des Iranischen Frühlings

Die Gärten meiner Kindheit

Die Gärten meiner Kindheit

haben ihren Zauber verloren.

Wilde Rosen wurden von Suren

gesteinigt und die Zungen der

Nachtigallen von frömmelnden

Greisen herausgerissen.

Die Gärten meiner Kindheit

welken auf Wüstensand.

Hass frisst die Wurzeln der Eisenbäume,

Granatäpfel weinen rote Tränen und

unter dem Tschador der Gewalt

verhaucht Jasmins Duft.

Die Gärten meiner Kindheit

warten Traum-verlassen,

hoffend auf den Trost der Taube,

harrend auf die Antwort des Windes.

Die Gärten meiner Kindheit leben

unvergessen in meinem Herzen.


Heimatlos

Die Stille dieses Morgens

durchtränkt leise Wehmut, deren

Antlitz sich in der Brandung verliert.

Auf dem Grund des Meeres wartet

der Himmel mit Sternen bestückt,

während sich die Trauervögel in

Wolkennestern meines Herzens

verbergen.

Manchmal ist mein Schweigen laut

und durchbricht die Stille

trüber Gedankenflüsse.

Ach, Einsamkeit! Vertraute Feindin!

Umarme mich nicht, damit ich

Asche werde in der Urne

des Vergessens –

atme meine Träume, lass mich

erwachen mit dem Wind.

Unerfüllt

Siehst Du die trunkenen

Pferde über die Steppe ziehen?

Atme den Duft wilden Thymians

und spüre die Rosen auf meiner Haut.

Ich lasse Dich gehen, dorthin

wo der Norden durch zerklüftete

Berggipfel faucht – der Rachsüchtige,

dem nur du gehörst.

Ich schreite durch das Bild der Welt,

verschweige dem Wind Deinen Namen,

in der Hoffnung, dass der Simorgh1 uns eines

Tages von unserem Leiden erlöst.

1986 Iran – während des Iran-Irak-Krieges

1 Mythischer Riesenvogel, Schutzvogel mit übernatürlichen Kräften

Kind der vier Winde

Ich bin das Kind

der rastlosen Winde,

suche nach Wurzeln,

die ich nicht finde:

Im Osten

bin ich eine Moschee

im Westen

ein stiller und tiefer See,

im Süden

ein Lied, berühre das Herz

im Norden

ein Eisblock, verberge den Schmerz.

Überall in der Welt zu Hause zu sein,

heißt selten geborgen und häufig allein.

So wurde ich zum Kind der vier Winde,

weil ich meine Heimat nirgendwo finde.

September 1992

Der Weg von Teheran

Über den Wolken von Teheran

verlieren sich meine Träume, im

Prisma verwirrender Gedanken

brechen Erinnerungen, werden

zu Mosaiken im Kaleidoskop

meines Lebens.

Keine Farbe vermag mich

zu trösten. Darum schenke ich

meine Tränen dem Namak2, der sie

mit einem Lächeln verschlingt.

Sein Salz brennt sich tief in

die Wunde meines Herzens.

Gib mir meine Süße zurück, mein

fremder Freund, meine Heiterkeit,

die nun in einer Tasse schwarzen Tees

ertrinkt in Zimt und Koriander.

2011 – nach einem letzten Besuch im Iran

2 Salzsee zwischen Teheran und Ghom

An Hafez

In Schiraz blüht ein Rosengarten,

ein Schweigen liegt auf Hafez’ Grab

und doch beredt – hier will ich warten,

auf ihn, den ich im Herzen hab.

Die Rosen duften an der Pforte,

durch die ein stiller Weg mich führt,

ihr Lächeln streift an jenem Orte

mein Sein, das tief von Dank berührt.

Ach, könnte ich lösen das Erdenrätsel,

die Weltperle drehen, sie neu gestalten

die Liebe zu leben, den Weinkelch erheben

zum Lichte, den blutroten Trank nur halten!

Ich leere den Kelch auf Hafez’ Namen,

rot perlt der Weintrank im Kristall

für alle Liebenden, die kamen.

Hafez, dein Geist ist überall.

Schiraz, 2011

Stadt der Rosen

Vor meinen Augen schwimmt das Land,

Sehnsucht zieht mich hierher,

um mich herum Salz, Stein und Sand,

ein wasserloses Meer.

Auf alten Karawanenwegen,

die kaum noch einer kennt,

bläst mir der Sandsturm ins Gesicht,

sein wilder Atem brennt.

Von ferne winkt der Zagros3 mir,

Komm, Tochter, nimm das Band,

folg ihm ins Land der Arier,

wo Deine Wiege stand.

Das Farbenspiel am Himmelszelt,

ein ahnungsvolles Zeichen?

Doch als das Trugbild jäh zerfällt,

beginnt mein Traum zu weichen.

Da lächeln mir am Horizont

die Saphirhügel grün,

tief eingebettet und umsonnt,

seh Schiraz ich erblühn.

Wie lieblich ihre Rosenwangen,

gehüllt in zarten Duft,

der Blumenblick wirkt sanft verhangen

in lauer Abendluft.

Die Palmenwedel wiegt der Wind,

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