Wilfried Kürschner Grammatisches Kompendium
Grammatisches Kompendium
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Wilfried Kürschner Grammatisches Kompendium

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3.2/1 GraphGraph

BuchstabenvorkommenVorkommenBuchstaben-Buchstabenvorkommen; einzelner konkret realisierter BuchstabeBuchstabe.

das Graph, des Graphs, die Graphe

3.2/2 GraphemGraphem

BuchstabentypTypBuchstaben-Buchstabentyp; Klasse/Menge von BuchstabenvorkommenBuchstabenvorkommen = GraphGraphen, die denselben WertWert haben.

das Graphem, des Graphems, die Grapheme (Betonung auf -phe(m)-)

Der Vorgang der Zusammenfassung von GraphGraphen zu GraphemGraphemen wird KlassifizierungKlassifizierung genannt:

3.2/3 KlassifizierungKlassifizierung

Zusammenfassung von Elementen, die materiell verschieden sein können, aber denselben WertWert haben, zu einer Klasse.

GraphGraphe werden zu einem GraphemGraphem klassifiziert; Graphe werden einem Graphem zugeordnet.

Voraussetzung für die Operation der KlassifizierungKlassifizierung von Elementen ist, dass die Elemente als voneinander unterschiedene, gegeneinander abgegrenzte Einheiten vorliegen. Diese Abgrenzung ergibt sich durch die Operation der Segmentierung:

3.2/4 SegmentierungSegmentierung

Zerlegung einer Äußerungskette in kleinste, gegeneinander abgegrenzte Elemente.

In Texten, die mit DruckbuchstabeBuchstabeDruck-Druckbuchstaben geschrieben sind, treten (in der gebräuchlichen LateinschriftLateinschriftSchriftLatein-) normalerweise klar segmentierte, das heißt: voneinander unterschiedene, durch Lücken gegeneinander abgegrenzte Einheiten auf. In handschriftSchriftHand-Handschriftlichen Texten bereitet die SegmentierungSegmentierung häufiger Schwierigkeiten, da die Einheiten in den Wörtern meist miteinander verbunden und Anfang und Ende der jeweiligen Einheiten nicht klar zu bestimmen sind.

Kriterium für die Zulässigkeit der KlassifizierungKlassifizierung von Elementen zu einer Einheit ist, dass sie denselben WertWert haben. Ob dies der Fall ist, lässt sich dadurch feststellen, dass man prüft, ob bei der Ersetzung eines Elementes durch ein anderes Element das ursprüngliche ZeichenZeichen mit derselben BedeutungBedeutung erhalten bleibt oder ob sich dabei ein ZeichenZeichen mit einer anderen BedeutungBedeutung bzw. ein Nicht-ZeichenZeichenNicht--Nicht-Zeichen ergibt (verkürzt wird gesagt: »…, ob die BedeutungBedeutung gleich bleibt oder ob sie sich ändert«). Im ersten Fall liegt Substitution vor, im zweiten Fall Opposition:

3.2/5 SubstitutionSubstitution

Verhältnis zwischen zwei (oder mehr) Elementen, bei dem der AustauschAustausch des einen Elements durch das andere innerhalb derselben UmgebungUmgebung möglich ist, ohne dass sich dabei ein ZeichenZeichen mit anderer BedeutungBedeutung oder ein Nicht-ZeichenZeichenNicht--Nicht-Zeichen ergibt.

3.2/6 OppositionOpposition

Verhältnis zwischen zwei (oder mehr) Elementen, bei dem der AustauschAustausch des einen Elements durch das andere innerhalb derselben UmgebungUmgebung zu einem ZeichenZeichen mit anderer BedeutungBedeutung oder einem Nicht-ZeichenNicht-Zeichen führt.

Erläuterungen und Beispiele zu Nr. 3.2/1 bis Nr. 3.2/6: Wir gehen aus von der AusdrucksseiteAusdrucksseite des ZeichenZeichens ab, mit der FormForm (Kombination der GraphGraphe und ; zu den spitzen Klammern ▶ Nr. 3.2/7), und betrachten die Austauschbarkeit des ersten Elements = des ersten GraphGraphs, ; die gleichbleibende UmgebungUmgebung bildet das zweite GraphGraph, . Wenn ersetzt wird durch oder <a> oder oder , ergeben sich , <ab>, , , also jeweils Ausdrücke mit derselben Bedeutung, d. h. Bedeutunges ergeben sich keine anderen ZeichenZeichen. Dies zeigt, dass , , <a>, , denselben WertWert haben = dass sie einander substituieren = dass sie zueinander nicht in OppositionOpposition stehen = dass sie zu einer Klasse, d. h. zu einem Graphem,Graphem klassifiziert werden können = dass sie AllographAllographe (▶ Nr. 3.2/7) dieses GraphemGraphems (des Graphems «a», vereinfacht notiert: ) sind. Wird dagegen eines dieser GraphGraphe beispielsweise durch das GraphGraph ersetzt, ergibt sich der Ausdruck mit einer anderen Bedeutung als , , <ab>, , . Dies zeigt, dass einerseits und a, a, a> andererseits nicht denselben WertWert haben = dass sie einander nicht Substitutionsubstituieren = dass sie zueinander in OppositionOpposition stehen = dass sie nicht zusammen zu einer Klasse, d. h. zu einem Graphem,Graphem klassifiziert werden können, dass (zusammen mit , <o>, usw.) vielmehr einem anderen GraphemGraphem, nämlich dem Graphem «o»Graphem, vereinfacht notiert: , angehört. Entsprechendes gilt für (und , <e>, usw.), nur dass sich beim AustauschAustausch ein Nicht-ZeichenZeichenNicht--Nicht-Zeichen, eb, ergibt (eb ist ein Nicht-ZeichenNicht-Zeichen, weil mit dem AusdruckAusdruck (Zeichen) im Deutschen keine BedeutungBedeutung verbunden ist).

3.2/7 AllographeAllograph

GraphGraphe, die demselben GraphemGraphem angehören; Graphe, die untereinander im Verhältnis der SubstitutionSubstitution stehen.

das Allograph, des Allographs, die Allographe (Betonung auf -gra(ph)-)

(Die Graphe) , , usw. sind Allographe des GraphemGraphems .

GraphGraphe und AllographAllographe werden in spitzen KlammernKlammerspitzespitze Klammer notiert, GraphemGrapheme in spitzen DoppelklammernDoppelklammerspitzespitze DoppelklammerKlammereinfache spitzeKlammerspitze Doppel-. Zur Vereinfachung werden Grapheme ebenfalls in einfachen spitzen Klammern notiert. Zur Bezeichnung eines GraphemGraphems wird eines der AllographAllographe verwendet, normalerweise das am bequemsten zu schreibende.

Zum Terminus: Der Bestandteil »Allo-« in AllographAllograph (und weiter unten in AllophonAllophon) geht zurück auf griech. állos mit der Bedeutung ‘anders’. Er lässt sich gut verstehen, wenn man sich klarmacht, dass die Realisierung eines GraphemGraphems (besonders, wenn man an HandgeschriebenesSchriftHand-Handschrift denkt) jedes Mal etwas a n d e r s ausfällt – Größe, Form, Linienstärke usw. variieren von Fall zu Fall, dennoch handelt es sich jedes Mal um denselben BuchstabeBuchstaben (»BuchstabeBuchstabe« im Sinn von GraphemGraphem).

Die Unterscheidung GraphGraphAllographAllograph bezieht sich nicht auf materiell voneinander unterschiedene Gegenstände, sondern ist eine theoretische Unterscheidung hinsichtlich des Aspekts, unter dem ein BuchstabeBuchstabe (im Sinn von BuchstabenvorkommenBuchstabenvorkommen) gesehen wird: als BuchstabeBuchstabe vor der Zuordnung zu einem TypTyp: GraphGraph – als BuchstabeBuchstabe, dessen Zuordnung zu einem TypTyp bekannt ist: AllographAllograph. Unter einem GraphemGraphem wird dagegen nicht ein konkret realisierter BuchstabeBuchstabe verstanden; GraphemGraphem steht vielmehr für eine abstrakte Zusammenfassung von vorhandenen und möglichen Realisierungen von BuchstabeBuchstaben, die denselben WertWert haben.

Zum besseren Verständnis der Unterscheidung zwischen GraphGraph, GraphemGraphem und AllographAllograph sind vielleicht die folgenden Überlegungen hilfreich: Wenn ein Kind, das noch nicht lesen und schreiben gelernt hat, BuchstabeBuchstaben aus ihm vorliegenden Texten abmalt/kopiert, produziert es GraphGraphe; ihm ist die Zuordnung der einzelnen BuchstabenvorkommenBuchstabenvorkommen zu den unterschiedlichen BuchstabentypBuchstabentypen ja noch nicht bekannt. Es kann also durchaus der Fall eintreten, dass <g> und <g> wegen ihres Formunterschiedes nicht als »gleich« erkannt werden,

und aber wegen ihrer Formverwandtschaft für »dasselbe« erklärt werden. Nachdem es einen Schreib-Lese-Lehrgang erfolgreich hinter sich gebracht hat und BuchstabeBuchstaben kopiert oder frei produziert, erzeugt das Kind AllographAllographe – ihm ist ja nun die Zugehörigkeit der einzelnen BuchstabenvorkommenBuchstabenvorkommen zu BuchstabentypBuchstabentypen klargemacht worden, es hat gelernt, von den Formunterschieden zwischen einem handschriftSchriftHand-Handschriftlichen und einem <d> in DruckschriftSchriftDruck-Druckschrift abzusehen usw.

GraphemGrapheme (und PhonemPhoneme als die entsprechenden Einheiten auf der Ebene der PhoniePhonie; ▶ Nr. 4.1/2) sind die kleinsten bedeutungsunterscheidende Einheitbedeutungs- bzw. zeichenunterscheidenden Einheitenzeichenunterscheidende Einheit einer Sprache. Dies lässt sich am besten anhand von MinimalpaarMinimalpaaren demonstrieren:

3.2/8 MinimalpaarMinimalpaar

Zwei ZeichenZeichen (mit unterschiedlichen BedeutungBedeutungen = InhaltInhalten), deren AusdrucksseiteAusdrucksseiten sich nur in e i n e r Einheit unterscheiden.

Beispiel:

Die AusdrucksseiteAusdrucksseiten der bedeutungsverschiedenen ZeichenZeichen ab und ob unterscheiden sich darin, dass vor dem Ausdruckselement im einen Fall , im anderen steht. Der Inhaltsunterschied wird also allein von der OppositionOpposition zwischen den GraphemGraphemen und getragen.

MinimalpaarMinimalpaare und Reihen von ihnen (z. B. ab – an – in – im – um) erlauben es, die InventarInventare kleinster zeichenunterscheidender Einheitzeichenunterscheidende Einheiten (= die Gesamtheit der GraphemGrapheme bzw. der PhonemPhoneme) zu ermitteln, und bieten die Möglichkeit, im Zweifelsfall rasch zu prüfen, ob zwei Elemente zu ein und derselben Einheit oder aber zu zwei verschiedenen Einheiten gehören.

3.2/9 AlphabetAlphabet

Das GrapheminventarInventarInventarGraphem-Inventar der in einer Sprache gebräuchlichen GraphemGrapheme.

Das deutsche AlphabetAlphabet umfasst, je nach Betrachtungsweise, 30 oder 59 GraphemGrapheme. 30 Grapheme sind es, wenn die Unterscheidung GroßbuchstabeBuchstabeGroß-Großbuchstabe (= MajuskelMajuskel) – KleinbuchstabeBuchstabeKlein-Kleinbuchstabe (= MinuskelMinuskel) außer Acht gelassen wird ( bis plus <ä>, <ö>, <ü>, <ß>); auf 59 kommt man, wenn man die aufgeführten GraphemGrapheme (außer <ß>, das nur als MinuskelMinuskel vorliegt1) jeweils als Paare von MinuskelMinuskel und MajuskelMajuskel betrachtet (, ; , usw.), zusammengehörige Minuskeln und Majuskeln also nicht als AllographAllographe ein und desselben GraphemGraphems ansieht. Ein Argument für die zweite Betrachtungs- und Zählweise ist, dass es MinimalpaarMinimalpaare mit MajuskelMajuskel und entsprechender MinuskelMinuskel gibt (; ). Dem Gegenargument, die Zahl solcher MinimalpaarMinimalpaare sei äußerst beschränkt, kann das methodische Postulat, das in der Phonemtheorie (s. u.) entwickelt wurde, entgegengehalten werden: »Once a phoneme, always a phoneme« (auf die Graphemtheorie übertragen: »Was aufgrund des Vorliegens auch nur e i n e s MinimalpaarMinimalpaars als (AllographAllograph eines) GraphemGraphem(s) bestimmt worden ist, hat fortan als (AllographAllograph eines) GraphemGraphem(s) zu gelten«). Andererseits ist zu bedenken, dass jedes ansonsten mit Anfangsminuskel geschriebene Wort am Satz- bzw. Textanfang mit MajuskelMajuskel geschrieben werden muss und dieser Wechsel keinen Bedeutungsunterschied beinhaltet, sodass es unter diesem Aspekt angebracht erscheint, MinuskelMinuskeln und entsprechende MajuskelMajuskeln jeweils als stellungsbedingte VarianteVariantestellungsbedingteVarianten, d. h. als AllographAllographe, zu betrachten.

die MajuskelMajuskel/MinuskelMinuskel, der MajuskelMajuskel/MinuskelMinuskel, die Majuskeln/Minuskeln (Betonung auf -jus- bzw. -nus-)graphisch distinktives Merkmal

3.2/10 Graphisch distinktivdistinktive Merkmaldistinktives MerkmalgraphischMerkmalgraphisch distinktivesMerkmale

Graphische Komponenten, in die sich die AllographeAllograph von GraphemenGraphem zerlegen lassen.

Aus den konkreten Realisierungen der GraphemGrapheme, ihren AllographAllographen, lässt sich eine kleine Zahl (nach Althaus 1980, S. 140: zwölf) von graphischen Elementen ermitteln (senkrechter, waagerechter Strich, Bogen, Kreis usw.) (▶ Tabelle 3):


Tabelle 3: graphisch distinktives MerkmalGraphisch distinktive Merkmale (GDM) aus Althaus (1980, S. 140)

Allographe der Grapheme lassen sich verstehen als jeweils spezifische Kombinationen dieser graphischen Elemente in bestimmten Schreibräumen (▶ Tabelle 4):


Tabelle 4: SchreibräumSchreibraum e (SR) aus Althaus (1980, S. 140)

Beispiel:

Das AllographAllograph <F> lässt sich wie folgt beschreiben: GDM 1 in SR 6 steht vor GDM 4 in SR 1; Letzteres steht über GDM 4 in SR 2 (in Anlehnung an Althaus 1980, S. 140).

»Distinktivdistinktiv« heißen die in ▶ Tabelle 3 aufgeführten MerkmalMerkmale deshalb, weil auf ihnen die zeichenunterscheidendezeichenunterscheidend (= zeichen-distinktivzeichendistinktive) Funktion (▶ vor Nr. 3.2/8) von GraphemGraphemen/AllographAllographen beruht. Zum Beispiel stehen und nicht als Ganzgestalten in OppositionOpposition zueinander, sondern lediglich aufgrund der MerkmalMerkmale 6 versus 7 aus ▶ Tabelle 3. Das MerkmalMerkmal 1 (»senkrechter Strich«) ist ihnen gemeinsam.

Man beachte, dass die bisherigen Ausführungen dieses Abschnitts sich allein auf die Schriftseite beziehen, ohne dass die Beziehung zum Lautlichen, das mit der SchriftSchrift/SchreibungSchreibung verbunden ist, hergestellt wurde. Um diese von der LautungLautung zunächst absehende Betrachtungsweise auch terminologisch zu betonen, spricht man statt vom GraphemGraphem (▶ Nr. 3.2/2) verdeutlichend vom Graphographem:

3.2/11 GraphographemGraphographem

GraphemGraphem ohne Berücksichtigung seines LautwertWertLaut-Lautwertes.

Dagegen:

3.2/12 PhonographemGraphemPhono-Phonographem = PhonogrammPhonogramm

GraphemGraphem oder GraphemkombinationGraphemkombinationKombinationGraphem- als Repräsentant eines PhonemPhonems oder einer PhonemkombinationKombinationPhonem-Phonemkombination.

Der Begriff des PhonographemPhonographems = des Phonogramms (▶ Nr. 9.3/1) trägt der Tatsache Rechnung, dass GraphemGrapheme oder Kombinationen von ihnen LautwertWertLaut-Lautwerte haben (wobei es gleichgültig ist, mithilfe welcher AllographAllographe die GraphemGrapheme im konkreten Fall realisiert werden – wir können daher im Folgenden von der Ebene der GraphGraphe/AllographAllographe absehen). Das GraphographemGraphographemGraphemGrapho- z. B. hat den LautwertWertLaut-Lautwert /a/ in Wörtern wie ab, an, als, bald; dies wird in phonographemischer Schreibweise so festgehalten: (zwischen den SchrägstrichenSchrägstrich werden PhonemPhoneme notiert; ▶ Nr. 4.1/2). kann aber auch den langen VokalVokal /aaber, baden, Grab, Tal, Wal; die Notation für dieses PhonographemGraphemPhono-Phonographem ist: (»das GraphemGraphem als Repräsentant des LautLautes = des PhonemPhonems /a (z. B. Maar, Aal, Saal) und (z. B. nah, ahnen, Wahl); Notation: bzw. . Grapheme, die für PhonemkombinationenKombinationPhonem-Phonemkombination stehen, sind etwa und z. B. in : /akst/ bzw. : /artíst/>, GraphemkombinationenKombinationGraphem-Graphemkombination, die für jeweils ein Phonem stehen, sind etwa und z. B. in : /dIx/ ([dIC]), : /dax/ ([dax]) bzw. : /Svax/.

Näheres über die Zuordnung von Graphemen zu Phonemen in der deutschen OrthographieOrthographie in ▶ Abschnitt 9.3.1.

4 PhonologiePhonologie: Lehre von der LautungLautung

4.1 EinzellauteLautEinzel-Einzellaut

Die Beschreibung der LautungLautung = der PhoniePhonie erfolgt analog zu der der SchreibungSchreibung = der GraphieGraphie im vorangegangenen Kapitel. War dort BuchstabeBuchstabe der Ausgangsbegriff, so ist es hier der Begriff LautLaut. Und so wie mit BuchstabeBuchstabe in der Alltagssprache unterschiedliche Aspekte der SchreibungSchreibung gemeint sein können und es deshalb günstig ist, diese unterschiedlichen Aspekte auch in der Terminologie auseinanderzuhalten, so gilt dies auch für den alltagssprachlichen Terminus LautLaut.

Es wird daher (parallel zu GraphGraph, GraphemGraphem, AllographAllograph) unterschieden zwischen PhonPhon, PhonemPhonem, AllophonAllophon:

4.1/1 PhonPhone

LautLaute als kleinste Einheiten, in die sich gesprochene Äußerungen zerlegen = Segmentierungsegmentieren lassen; LautvorkommenLautvorkommen, noch ohne Berücksichtigung der Zugehörigkeit des konkreten LautLautes zu einer Klasse gleichwertiger Laute = zu einem PhonemPhonem.

4.1/2 PhonemPhonem

Klasse/Menge von LautLauten = PhonPhonen, die denselben WertWert haben; LauttypTypLaut-Lauttyp.

4.1/3 AllophonAllophone

PhonPhone, die demselben PhonemPhonem angehören; Phone, die untereinander im Verhältnis der SubstitutionSubstitution (▶ Nr. 3.2/5) stehen.

das Phon, des Phons, die Phone

das Phonem, des Phonems, die Phoneme (Betonung auf -ne(m)-)

das AllophonAllophon, des Allophons, die AllophonAllophone (Betonung auf -pho(n)-)

PhonPhone und AllophonAllophone werden in eckigen KlammernKlammereckigeeckige Klammer notiert, PhonemPhoneme zwischen SchrägstrichenSchrägstrich. Zu den dafür verwendeten Symbolen ▶ Tabellen 5 und 6.

Ein PhonemPhonem besteht aus einer Klasse von PhonPhonen, die zueinander nicht in OppositionOpposition stehen (▶ Nr. 3.2/6). Das heißt: Sie können untereinander ausgetauscht werden, ohne dass sich dabei die BedeutungBedeutung des ZeichenZeichens, in dessen AusdrucksseiteAusdrucksseite sie vorkommen, verändert, ohne dass sich also ein anderes Zeichen bzw. ein Nicht-ZeichenZeichenNicht--Nicht-Zeichen ergibt: Die PhonPhone eines PhonemPhonems stehen untereinander im Verhältnis der SubstitutionSubstitution (▶ Nr. 3.2/5). Wenn der AustauschAustausch von PhonPhonen dagegen zu Bedeutungsveränderungen = zu anderen Zeichen oder Nicht-Zeichen führt, gehören diese Phone unterschiedlichen PhonemPhonemen an. Zum Beispiel: Ersetzung/AustauschAustausch eines Zäpfchen-[ü] durch ein Hintergaumen-[Ò] oder ein Zungenspitzen-[r] in einem Wort wie rot, also die Ersetzung von [üoTabellen 5 und 6). Ersetzt man dagegen das [ü], das [Ò] oder das [r] von [üo(Lot, Not) bzw. bei der Ersetzung durch ein [m] oder ein [f] Nicht-ZeichenZeichenNicht--Nicht-Zeichen: [mo

Zum Verhältnis PhonPhonAllophonAllophon ▶ Nr. 3.2/7.freies Allophon

4.1/4 Freie AllophoneAllophonfreies

AllophonAllophone eines PhonemPhonems, die in denselben LautumgebungenUmgebungLaut-Lautumgebung vorkommen.kombinatorisches Allophon

4.1/5 Kombinatorische AllophoneAllophonkombinatorisches = komplementär distribuierte AllophonAllophonkomplementär distribuierte -ekomplementär distribuierte Allophonee

AllophonAllophone eines PhonemPhonems, die nicht in denselben LautumgebungenUmgebungLaut-Lautumgebung vorkommen.

Beispiele:

Freie Allophonfreies Allophone sind das Zungenspitzen-Zungenspitze[r], das Hintergaumen-[ÒHintergaumen-r] und das Zäpfchen-[ü], die sich in allen Lautumgebungen untereinander austauschen lassen (wenngleich die Sprecher je nach ihrem Sprachgebrauch meist eine dieser Varianten bevorzugen). Dagegen sind [C] (der ich-LautLautich--ich-Laut) und [x] (der ach-LautLautach--ach-Laut) kombinatorische Allophonkombinatorisches Allophone = komplementär distribuierte Allophonekomplementär distribuierte Allophone. Ihr VorkommenVorkommen = ihre VerteilungVerteilung = ihre DistributionDistribution richtet sich nach der Lautumgebung: [C] kommt nach Vokalhellhellen VokalVokalen (ich, echt, spräche usw.) und nach KonsonantKonsonanten (Milch, Kirche usw.) vor, [x] steht dagegen nach dunkel (Vokal)dunklen VokalenVokaldunkel (ach, doch, Tuch usw.). Die AllophonAllophone [C] und [x] sind also komplementär distribuiertDistributionkomplementäre (= sich gegenseitig ergänzend verteilt): In der UmgebungUmgebung, in der [C] erscheint, steht [x] nicht, und umgekehrt steht [C] nicht in der UmgebungUmgebung, in der [x] erscheint.phonologisch distinktives Merkmal

4.1/6 Phonologisch distinktive MerkmaleMerkmalphonologisch distinktives

Phonetische Komponenten, in die sich die AllophonAllophone von PhonemPhonemen zerlegen lassen.

So wie oben (▶ Nr. 3.2/10) AllographAllographe als Bündel von isolierbaren graphischen Komponenten betrachtet wurden, lassen sich AllophonAllophone als Bündel oder Zusammensetzungen von phonetischen Komponenten verstehen. Diese Komponenten lassen sich isolieren, wenn man die Hervorbringung = die Produktion = die ArtikulationArtikulation von LautLauten als Prozess betrachtet, an dem unterschiedliche Faktoren beteiligt sind. Diese Faktoren sind in den beschreibenden Termini und zum Teil in der Symbolik des TranskriptionTranskriptionssystems unten in den ▶ Tabellen 5 und 6 enthalten und werden dort näher erläutert.

Beispiel:

Das AllophonAllophon [b] lässt sich als Bündel der MerkmalMerkmale [explosivexplosiv/Explosiv, bilabialbilabial/Bilabial, stimmhaftstimmhaft] beschreiben. Das MerkmalMerkmal [konsonantischKonsonant] braucht nicht notiert zu werden, da das MerkmalMerkmal [explosivexplosiv/Explosiv] das MerkmalMerkmal [konsonantisch] impliziert (Explosivexplosiv/Explosive = VerschlusslautVerschlusslaute gibt es nur im Bereich der KonsonantKonsonanten, nicht im Bereich der VokalVokale). Merkmale, die durch das Vorhandensein anderer Merkmale impliziert werden, heißen redundantes Merkmalredundante MerkmaleMerkmalredundantes. Merkmale, die zur Beschreibung eines AllophonAllophons notwendig sind, da sie sich nicht aus dem Vorhandensein anderer ergeben, sind relevantes Merkmalrelevante MerkmaleMerkmalrelevantes. So kommt zum Beispiel allen VokalVokalen das MerkmalMerkmal [stimmhaftstimmhaft] zu, doch ist es redundant, da es sich aus dem MerkmalMerkmal [vokalischVokal] ergibt.

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