Nami Korevko Lumine
Lumine
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Nami Korevko Lumine

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Ein Räuspern. „Auch ich teile selbstverständlich Eure Meinung, jedoch dürft Ihr meine Tochter Luna da nicht außer Acht lassen. Sie ist nämlich eine sehr talentierte Geigenspielerin!“, mischte Earl De Mencium mit und setzte ein gespielt fröhliches Lächeln auf, um seinen Ärger zu überspielen. Dieser unauffällige verbale Wettkampf, welches der Kinder doch die Perfekteren waren, war zum Erbrechen. Alle Köpfe drehten sich in die Richtung der Weißhaarigen. Verdammt! Gerade eben noch konnte sie sich dem Starren von Lawrence entziehen. Es war zu schön, um wahr zu sein. Ihr war sichtlich unwohl. Allerdings versuchte sie, ihre Unsicherheit mit aufgerichteten Mundwinkeln zu verstecken. Sie mochte keine Aufmerksamkeit. Bedauerlicherweise aber würde ihr der schützende Schatten des Lichtes wahrscheinlich immer verwehrt bleiben. Alleine schon aufgrund ihres Aussehens.

„Oh, wie toll. Dürften wir uns später vielleicht an einer kleinen Kostprobe Ihrer Gabe erfreuen?“, stellte Earl Stanvish die Frage, die sich alle gestellt haben. Edwin nickte einverstanden. „Gewiss!“, grinste der Earl und hoffte insgeheim, dass er heute einer Blamage entgehen konnte. Ewig konnte er solch ein Verhalten nicht dulden.

Somit müsste er eines Tages gewisse Konsequenzen ziehen. Welch einer Art eben diese entsprechen würden, darüber musste er sich noch Gedanken machen. Aber man sollte doch nicht gleich übertreiben und voreilig den Teufel an die Wand malen, selbst wenn der undurchschaubare Mann bereits den Pinsel in seiner Rechten fest im Griff hielt.

Der plötzliche Groll des Donners ließ Luna zusammenfahren. Der peitschende Regen folgte nach nur wenigen Sekunden, gepaart mit dem heulenden Wind, der die Servietten wild vom Tisch und durch die Luft wirbelte. Eilend flüchtete die Gruppe ins Trockene und machte es sich im Wohnzimmersaal gemütlich, während die Butler den Tisch abräumten. Zumindest das, was davon übrig geblieben war.

Angespannt hielt die Kleine ihr geliebtes Instrument in den Händen. Alle Augenpaare waren erwartungsvoll auf sie gerichtet. Noch immer von der Nervosität beherrscht, setzte Luna an zu beginnen. Konzentriert schloss sie langsam die Augen und begann, mit dem Bogen sanft über die Seiten der Geige zu streichen. Die Abfolge der Noten brauchte sie seit langer Zeit nicht mehr sich vor Augen zu halten. Dieses wundervolle Lied würde ihr ein Leben lang im Gedächtnis bleiben und sie somit bis am Ende ihres Daseins begleiten. Die Melodien flossen graziös ineinander, verschmolzen und hinterließen ein wohliges Kribbeln in ihrem Bauch. Unbewusst schlich sich ein entspanntes und seliges Lächeln auf ihr blasses Gesicht.

Erstaunt und wie hypnotisiert weiteten sich Lawrence’ Augen. Luna befand sich in ihrem Element, ihrer Welt. Auf einmal strahlte ihre Person solch eine Ruhe und Gelassenheit aus. Sie wirkte in diesem Moment glücklich und befreit von all ihren Belastungen. Belastungen? Was konnte denn ein kleines Mädchen belasten? Zwar konnte er eine Antwort nur erahnen, aber eigentlich war ihm durchaus bewusst, was es sein konnte. Nicht zuletzt, weil auch seine Wenigkeit davon betroffen war, wenn nicht die Zwillingstöchter auch, die leicht abwesend wirkten. Irgendwann. Eines Tages würde er eine Möglichkeit finden, um wirklich glücklich zu werden.

Die Musik verstummte, und zunächst herrschte Ruhe. Eine Qual für das einzige Kind der De Menciums. Ihr Blick war auf das Wandgemälde hinter dem Publikum gerichtet. Ihr Herz schlug schneller. Jedoch jegliche Anspannungen waren für die Katz und nicht nachvollziehbar. Applaus und begeistertes Lob wurde der Weißhaarigen entgegengebracht. Was für eine Erleichterung.

„Ich muss gestehen, ich bin wahrlich beeindruckt, welch eine musikalische Leistung Eure Tochter vollbracht hat, werter Earl!“, gab das Oberhaupt der Snootfields zu.

„Ich danke Euch!“, entgegnete Lunas Vater selbstbewusst mit einem Hauch von gespielter Bescheidenheit. „Nun, zugegeben, solch eine Fähigkeit will geschenkt sein. Jedoch ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!“, warf Lady Stanvish ein. Daraufhin wurden Blicke ausgetauscht, die jeden noch so unverwundbaren Krieger zum Erliegen gebracht hätten.

Es folgten noch für weitere zwei Stunden inhaltslose Gespräche, die mehr Energie erforderten als jeder Wettlauf. Kurz vor allzu später Zeit beschlossen die verehrten Gäste heimzukehren.

„Earl De Mencium, es war mir und meiner Familie ein wahres Vergnügen, Euch nach langer Zeit mal wieder zu besuchen. Wir würden uns freuen, wenn auch Eure Familie uns mal wieder mit ihrer Anwesenheit beehren würde!“ Lächelnd ergriff Earl Snootfield die Hand seines Gastgebers.

Der Angesprochene erhellte ebenfalls seine Miene. „Selbstverständlich. Sobald sich die nächste Gelegenheit in Zukunft bietet!“

„Seit Kurzem haben wir unseren Pferdehof erneuern und unser Land erweitern lassen. Es wäre zu schade, wenn Euch dies entgehen würde!“, fügte die Gattin Snootfield kichernd hinzu.

„Wir melden uns, sobald sich ein Besuch arrangieren lässt!“, antwortete Valanice und hielt sich am Arm ihres Mannes fest.

Im Hintergrund der Gespräche stand Luna dem Sohn der Snootfields gegenüber. Beide lächelten verlegen. Plötzlich kam der Braunhaarige näher und flüsterte in ihr Ohr: „Du kannst echt wunderschön Geige spielen. Und außerdem fände ich es toll, wenn du mich auch mal besuchen würdest!“ So schnell der Junge sich auch genähert hatte, entfernte er sich wieder und kam neben seinem Vater mit einem noch breiteren Grinsen zum Stehen. Die Kleine war viel zu perplex und es fiel ihr schwer, einen anständigen Satz zu formulieren. Ihre einzige mögliche Reaktion bestand aus einem zustimmenden Nicken.

„Wir wünschen Euch eine angenehme Heimreise. Bis bald!“, lauteten die letzten gewechselten Worte.

Und die schweren Holztüren wurden wieder verriegelt.

Der Regen schien kein Ende nehmen zu wollen. Die Blitze und den Donner durfte man natürlich auch nicht vergessen. In den folgenden zwei Tagen bildeten die Wassermassen dauerhaft kleine, strömende Flüsse aus den Waldgräben. Jeder noch so leichtfüßige Schritt hinterließ einen matschigen Fußabdruck.

Es herrschte tiefschwarze Nacht. Bemüht, endlich einzuschlafen, wälzte Luna sich abwechselnd hin und her. Jedoch die Wetterunruhen hielten sie wach – und noch ein winzigen Aspekt, der ihr seit dem Sturm aufgefallen war. Ergeben seufzte sie und starrte an die Decke. Wenn sie präziser darüber nachdachte, dann fiel ihr auf, dass ihr Vater momentan ziemlich angespannt zu sein schien. Er entfremdete sich noch mehr als zuvor, stürzte sich nahezu in seine Arbeit und verließ kaum noch sein Büro. Irgendwas lag in der Luft. Oder war dies bloß nur Einbildung? Denn um ehrlich zu sein, kannte die Kleine ihn überhaupt nicht. Seine Launen wechselten so schnell, wie der Blitz einschlagen mochte. Außerdem gab es noch eine Person, die sie bereits seit einer Weile nicht mehr zu Gesicht bekommen hatte.

Es erschien ihr als äußerst eigenartig. Seltsam. Ungewöhnlich. Zumal sie sonst nahezu täglich ihr Zimmer betreten hatte, um sie zu beschimpfen.

Ob Genevieve ihres Amtes enthoben wurde?

Lautes Gepolter veranlasste Luna, sich hastig aufzusetzen und aufzuhorchen. Was war das? Wurde jemand verletzt? Mit einem mulmigen Gefühl erhob das Mädchen sich aus ihrem Bett und schritt zur Tür. Zum Glück war diese nicht verschlossen.

Darauf bedacht, keinen auffälligen Krach zu veranstalten, folgte sie den beunruhigenden Geräuschen, die immer lauter wurden. Die Stimme Earl Edwins und ein leises Wimmern waren zu vernehmen. Durch einen kleinen Spalt fiel Licht aus dem Büro und erhellte teilweise den finsteren Flur. Neugierig beobachtete Luna die folgenden Szenarien.

Erschrocken zuckte sie kurz zusammen aufgrund des Bildes, das sich ihr bot.

Earl Edwin De Mencium stand inmitten des Raumes, dabei auf das Zimmermädchen Genevieve kalt und gefühllos herabblickend, als wäre die Frau bloß ein widerliches Insekt. Ein Parasit, den man so schnell wie möglich loswerden musste. Seine Augen durchbohrten ihren vor Furcht zitternden Körper. Hilflos und ergeben kniete sie wimmernd vor ihm und murmelte immer wieder eine Entschuldigung.

„Du unfähiges Stück, aus welchem Loch du auch immer gekrochen bist, du hast nichts in meinem Hause herumzuschnüffeln!“ Er hob seine Faust. Luna schloss die Augen und hielt sich vor Schreck ihren Mund zu. Bitte nicht. Nein. Nein. Ihr Vater würde niemals …

„Bitte verzeiht mir. Ich verspreche Euch, mir wird nie wieder solch ein fataler Fehler widerfahren, und ich werde still schweigen bis zuletzt. Aber bitte verschont mich. Ich flehe Euch an!“

Ihr Gesicht spiegelte blanke Angst und pure Verzweiflung wider. Sie verhielt sich dem Mann gegenüber, als wäre er eine Bestie, die dazu bereit gewesen wäre, sie jeden Moment zu zerfleischen. So hatte die Adelstochter Genevieve noch nie erlebt.

Was für einen Fehler hatte sie denn begangen? Lag es wohl an ihr, weil sie nicht gehorsam war? Luna wurde übel. War sie der Grund, weshalb Genevieve so bestraft wurde?

Am liebsten hätte sie sich auf der Stelle entschuldigt. Aber sie hatte nicht den Mut, ihrem Vater unter diesen Umständen gegenüberzutreten.

Ein verachtendes Zischen seitens des Earls. Kurze schneidende Stille herrschte. Er fletschte seine Zähne und äußerte sich beherrscht: „Wo denkst du hin. Natürlich verzeihe ich dir, und ich weiß auch, wie du deinen Fehler entschädigen kannst!“, kicherte er und strich ihr ein paar Strähnen aus dem Gesicht.

Welch eine Erleichterung. Alles ist wieder gut, dachte Luna glücklich. Natürlich. Wie konnte sie auch nur einen einzigen Gedanken daran verschwenden, ihr Vater würde Genevieve mit Gewalt zurechtweisen. Nicht doch. Earl Edwin mochte vielleicht nicht viel Emotionen zeigen, jedoch besaß er trotzdem ein Herz.

Oder?

Lumine – Kapitel 3

Die Sonne schenkte Lumine Wärme und ließ die Federn der Taube neben ihr leuchten. Sie war nicht mehr allein, und noch dazu kam sie sich nicht mehr so anders vor, da sie beide Weiß trugen. Sie lächelte zufrieden. An einem Fluss entlang entdeckten sie eine Feuerstelle, die kurz zuvor noch gebrannt haben musste. Neugierig näherte das Mädchen sich dem verbrannten Haufen. Ihr Gleichgewicht verlor sie, doch kurz bevor sie in die Glut fallen konnte, zog Kuro sie an den Haaren rückwärts in Sicherheit. „Danke, Kuro!“, bedankte die Kleine sich mit großen Augen. Fußspuren führten in den Wald vor ihnen. Der einzige Weg, dem sie folgen konnten. Einen anderen gab es nicht. Wie tief der Wald war, wusste sie nicht. Doch einen Grund, Angst zu haben, hatte sie nicht. Solange sie die Taube bei sich hatte, der sie vertraute, so konnte ihr nichts passieren. Ihr bester und einziger Freund auf ewig.

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