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Gary J. Jucha Der ultimative Jimi Hendrix Guide
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Woodstock
„Lincoln in Gettysburg. Hendrix in Woodstock. Pujols in Arlington. Ereignisse eines Lebens.“ So beschrieb der Sportkolumnist Tom Verducci Albert Pujols’ drei Home-Runs im dritten Spiel der 2011 World Series zwischen den St. Louis Cardinals und den Texas Rangers. Hendrix’ Woodstock-Auftritt war so legendär, dass Reporter wissen, dass sogar Sportfans davon Kenntnis genommen haben.
Allerdings kann man das Konzert nicht als legendär bezeichnen. Es wurde in Michael Wadleighs Film aus dem Jahr 1970 nur in Auszügen gezeigt, darunter Hendrix’ historische Interpretation der amerikanischen Nationalhymne, dem „Star Spangled Banner“. Und allein darum sollte man den Film sehen, aber das ist sicherlich nicht der einzige Grund.
Brillant geschnitten von Martin Scorsese, Thelma Schoonmaker (sie hat jeden Scorsese-Streifen seit Wie ein wilder Stier bearbeitet) und anderen, fängt der Film „eine halbe Million Kids ein, die drei Tage lang ihren Spaß und ihre Musik genießen“ (wie der Farmer Max Yasgur das – zu dem Zeitpunkt – kostenlose Festival auf seinem Land beschreibt). Crosby, Stills and Nashs „Long Time Gone“ und „Wooden Ships“ sind zwischen Canned Heats „Going Up The Country“ zu hören, während das Video-Material die Errichtung der Bühne und die Ankunft des Publikums zeigt. Und dann beginnt der ganze Spaß.
Es findet sich weder eine schlechte oder langweilige Performance, aber die Highlights sind Santanas „Soul Sacrifice“, Ten Years Afters „I’m Going Home“ und Sly and the Family Stones Medley aus „Dance To The Music“, „Music Lover“ und „I Want To Take You Higher“. Und dann ist Hendrix beim Spiel von „Star Spangled Banner“ und „Purple Haze“ zu sehen. Während die Menge ihre Habseligkeiten zusammenpackt, liefert Hendrix’ Instrumental „Villanova Junction“ einen bewegenden Hintergrund. Obwohl dasselbe Grundmaterial auch bei Jimi Hendrix: Live At Woodstock genutzt wird, muss man Wadleighs sorgsam ausgearbeiteten Schnitt sehen, bei dem das Bild von perfekt eingefangenen Einzelaufnahmen von Hendrix’ Kopf hin zu den dramatisch wirkenden Bildern seiner spielenden Hände changiert. Allerdings sollte der aufgeblähte Director’s Cut vermieden werden, der den Originalfilm ruiniert und keinen Millimeter sehenswerten Materials berücksichtigt.
Jimi Hendrix: Live At Woodstock
Die Veröffentlichung des Hendrix-Estate ist nicht so schlecht wie man eigentlich befürchtet hätte, und sogar sehenswert, falls man nicht zu viel erwartet. Es ist das komplette Set, das die Formation Gypsy Sun and Rainbows an dem Montag im August spielte, abgesehen vom Impressions-Medley, dem Song „Mastermind“, gesungen vom Rhythmus-Gitarristen Larry Lee, und Hendrix’ „Hear My Train A Comin’“. (Die letztgenannte Blues-Nummer wird im Rahmen von „A Second Look“ gezeigt, einer zweiten Disc des (beinahe) kompletten Gigs, bestehend aus Schwarz-Weiß-Videos und alternativen Kamerapositionen in Farbe.)
Zudem beschreiben die Rainbows und andere Beteiligte die Proben, das Konzert und die Nachwirkungen. Das unbestrittene Highlight bleibt jedoch der Auftritt. Obwohl sich einige weniger bekannte Titel im Set finden, wurden 9 der 14 Songs schon zuvor bei Experience-Konzerten gespielt. Gegen Ende der Aufführung intensiviert sich der Energiepegel mit „Voodoo Child (Slight Return)“, „The Star Spangled Banner“ (nicht auf Hendrix’ ursprünglicher Programmliste zu finden) und „Purple Haze“, doch schon davor gab es einige musikalische Höhepunkte. Ja, „Red House“ musste verkürzt werden, weil Hendrix eine Gitarrensaite riss, doch gemessen am erhalten gebliebenen Material stand das Publikum speziell auf „Jam Back At The House“ (aka „Beginnings“) und „Fire“.
Das unschätzbare Booklet präsentiert John McDermotts Informationen bezüglich Michael Wadleighs Aufnahme des Festivals wie auch Hintergründe zum Schwarz-Weiß-Mitschnitt von Albert Goldman, einem Studenten des renommierten Bard College, der als Hauptfach Theaterwissenschaften belegt hatte. Darüber hinaus findet sich weiteres Bonus-Material: Eine zwei Wochen nach dem Festival aufgenommene Jimi-Hendrix-Pressekonferenz, Eddie Kramers Erinnerungen an den Mitschnitt des Festivals (er nahm nicht nur Hendrix auf, sondern alle Interpreten) und Berichte von Billy Cox und Larry Lee, die von ihrer Begegnung mit dem Gitarren-Genie erzählen und von den Ochsentouren.
Jimi Hendrix: The Dick Cavett Show
Jimi Hendrix trat nur drei Mal im amerikanischen Fernsehen auf. Der Besuch in Johnny Carsons The Tonight Show am 10. Juli 1969 scheint der Nachwelt nicht erhalten geblieben zu sein, obwohl noch eine Audio-Aufnahme existiert. Der schwarze Comedian Flip Wilson sprang damals als Gastgeber ein, da Carson entweder krank war oder nicht als Moderator einer Show mit einem kontroversen schwarzen Rockmusiker fungieren wollte. Der Auftritt scheint Berichten zufolge ein Desaster gewesen zu sein, da Hendrix nervös Kaugummi kaute und Wilson Stereotype über schwarze Mitbürger für Carsons weißes Publikum vom Stapel ließ. Während einer Performance des Brian Jones – dem kurz zuvor ertrunkenen Gitarristen der Stones – gewidmeten „Lover Man“ gibt Hendrix’ Verstärker zu allem Überfluss auch noch den Geist auf. Der Auftritt ist von besonderer Bedeutung, da es sich hier um Billy Cox’ erste Performance als Bassist von Hendrix handelt.
Wenige Tage zuvor, am 7. Juli 1969, absolvierte Hendrix den ersten von zwei Auftritten in The Dick Cavett Show. (Der ehemalige Comedian war zu dem Zeitpunkt noch kein Rivale Carsons im Kampf um den Thron der Late-Night-Shows, und so wurde Hendrix’ Auftritt trotz Sommerzeit während der Hauptsendezeit gezeigt.) Er trat zudem am 9. September 1969 auf. Beide Aufführungen sind auf der DVD Jimi Hendrix: The Dick Cavett Show zu sehen.
Die DVD ist kein unbedingtes Muss, doch wenn man sie im gebrauchten Zustand findet, sollte der Fan auf jeden Fall zugreifen. Die Doku und Hendrix’ handgeschriebene Anweisungen für einen Cavett-Assistenten sind sicherlich nicht essenziell, doch es macht Spaß, den Musiker in einer Runde mit anderen Gästen zu beobachten wie den Broadway-Stars Gwen Verdon und Robert Downey. Für einen Zuschauer, der sich noch an Dr. med. Marcus Welby erinnern kann, ist es zum Brüllen, wenn man dem breit und wohlwollend lächelnden jungen Schauspieler Robert Young zusieht, während Hendrix’ seine wenige Tage zuvor gespielte und kontrovers aufgenommene Woodstock-Fassung von „The Star Spangled Banner“ verteidigt. Hendrix zeigt bei der Show auch seine Art des selbstironischen Humors. (Als Cavett ihn als den besten Gitarristen der Welt bezeichnet, erwidert Hendrix, er sei „der beste Gitarrist auf diesem Stuhl“.)
Der eigentliche Grund, sich die DVD anzusehen, liegt allerdings bei den drei von Hendrix performten Stücken.
1. „Hear My Train A Comin’“ – Begleitet von der Dick Cavett Show Band wirkt Hendrix’ zweitbeste Blues-Nummer durch die eher positiv anmutende Grundstimmung und endet schon bei einer Spielzeit von 2:24 Minuten. Zwar ist die Gitarre eher im Hintergrund zu hören, doch es lohnt sich, da man den Musiker hier vor einem amerikanischen Fernsehpublikum erleben kann. Außerdem – und das ist für Hendrix-Historiker noch wichtiger –kam er einem Bigband-Kontext nie wieder näher.
2. „Izabella“ – Beim September-Auftritt geben sich Mitch Mitchell an den Drums, Billy Cox am Bass und der Perkussionist Juma Sultan die Ehre, weshalb also nicht „die unnachahmliche Jimi Hendrix Experience“ auftrat, wie Cavett die Gruppe fälschlicherweise ankündigte. „Izabella“ war das Liebeslied eines Soldaten, gerichtet an seine in der Heimat gebliebene Freundin, und reflektiert die Wendung von Hendrix’ Texten hin zum Realismus während des vom Krieg zerrissenen Sommers 1969.
3. „Machine Gun“ – Allein wegen dieser Nummer lohnt es sich schon, die DVD anzusehen, denn es ist das Bühnen-Debüt eines immer mit Hendrix assoziierten Songs. Ähnlich wie bei „Hear My Train A Comin’“ im Juli wird „Machine Gun“ auf eine Spielzeit von 2:32 Minuten gekürzt, doch da es sich um eine Prä-„Band of Gypsys“-Fassung handelt, lohnt es sich dennoch. Zwar fehlen die auf dem Schlagzeug angedeuteten Maschinengewehrsalven eines Buddy Miles, doch Mitchell spielt hier einen hörenswerten Tribal-Groove, nicht zu vergessen Billy Cox’ beklemmende schleppende Bass-Linie.
Band of Gypsys
Dies ist eine der besten Rock-DVDs und eine Blaupause für das Arrangement und die Präsentation aller Rock-Dokus. Zukünftige Produzenten sollten sich hieran ein Beispiel nehmen und inspirieren lassen. Im Gegensatz zu Kommentatoren, die geschnittene Auftritte auf frustrierende Weise mit Wortbeiträgen durchsetzen, stellte Regisseur Bill Smeaton die analysierenden Teile vor einen Song und „erlaubt“ dann eine komplette Aufführung der Band of Gypsys, wonach die Kritiker wieder zu Wort kommen. Das wirkt ausgereift und befriedigend: Möglicherweise interessieren uns ja die Stellungnahmen, aber wir wollen auf jeden Fall den musikalischen Teil genießen!
Die DVD dokumentiert die vier Auftritte der Band of Gypsys in Bill Grahams Fillmore East am 31. Dezember 1969 und am 1. Januar 1970. Erstmalig 1999 veröffentlicht, begann hier, beinahe 30 Jahre nach den Gigs, der Prozess einer Neubewertung, wobei die Fans erleben durften, dass das Repertoire der Band of Gypsys deutlich mehr enthielt als „Machine Gun“.
Hendrix enthüllte gegenüber Alan Arkonwitz von der New York Post in einem am 2. Januar 1970 publizierten Artikel, Vorkehrungen getroffen zu haben, einige der Konzerte mithilfe eines Videobands mitzuschneiden, einem damals noch unbekannten Medium. Wahrscheinlich verschwanden die Filmaufnahmen wegen des Niedergangs der Band of Gypsys und Hendrix’ plötzlichem Tod dann von der sprichwörtlichen Bildfläche.
Die illustre Reihe der verschiedenen Kommentatoren beeindruckt. Neben Insidern aus der Musikindustrie (Don Cornelius, Frankie Crocker) finden sich Geschäftspartner von Jeffery (Trixie Sullivan, Gerry Stickells), Musiker der folgenden Generation (Slash, Vernon Reid), Musiker der Experience (Mitch Mitchell, Noel Redding) und sogar die beiden überlebenden Gypsys (Buddy Miles, Billy Cox). Zwar gibt es sich widersprechende Erinnerungen, doch jeder bekommt eine faire Chance, gehört zu werden. Buddy und Billy sind sogar dabei zu sehen, wie sie mit ihren jüngeren „Ichs“ spielen.
Wiederum stellen die acht aufgezeichneten Performances die Highlights dar – die auch separat gesehen werden können –, selbst wenn sie nur in Schwarz-Weiß sind. Einzig und allein der „Earth Blues“ ist nicht vollständig.
Jimi Plays Berkeley
Jimi Plays Berkeley war der erste veröffentlichte Film über Jimi Hendrix mit ausgiebigem Konzert-Anteil. Es ist ein Zusammenschnitt von zwei Aufführungen im Berkeley Community Theatre am 30. Mai 1970, die während der „The Cry of Love“-Tour stattfanden, falls man sie überhaupt so bezeichnen kann, da sich die Konzerte auf Wochenenden beschränkten, damit Hendrix genügend Zeit hatte, während der Woche im Studio aufzunehmen. Der Film präsentiert exquisite Highlights und beweist, dass die Formation, Hendrix, Mitchell und Cox, sich zu kaum vorstellbaren musikalischen Höhen aufschwingen konnte.
Allein schon die erste Nummer ist dafür ein Beleg: Chuck Berrys „Johnny B. Goode“. Der zu einem bestimmten Zeitpunkt von jeder Rockband in jeder amerikanischen Garage gecoverte Song wird von Jimi gehörig entstaubt. Er wird mit brachialem Druck gespielt und in einem halsbrecherischen Tempo, mit einer Geschwindigkeit, in der ihn Berry selbst nie brachte. Der cineastische Höhepunkt wird beim Gitarrensolo erreicht, das ähnlich wie bei Hendrix’ Fassung von „All Along The Watchtower“ in verschiedene Teile gegliedert ist, die sich dramatisch steigern und ergänzen. Und während des Outros spielt er erneut ein heißblütiges Solo, bevor er in einen Orkan von Rückkopplungen eintaucht.
Zu den empfehlenswerten Darbietungen zählt auch die beste von Hendrix aufgenommene Version von „Hear My Train A Comin’“ (hier leider geschnitten, aber glücklicherweise in der Komplettfassung auf Jimi Hendrix: Blues erhältlich). Nicht zu vergessen das selten gefilmte „I Don’t Live Tody“ und „Voodoo Child (Slight Return)“ (ein Song, den man immer wieder genießen kann). Bei dem letztgenannten Stück spielt Hendrix die Gitarre zwischen den Beinen, flirtet mit zwei vor ihm stehenden Mädchen und verlängert die letzte Strophe.
Aufgenommen von Peter Pilafian im Auftrag von Michael Jeffery, ist es ein etwas aufgeblähter Film mit unnötigen Bildern über den Generationenkonflikt (auch der Woodstock-Film fällt hier ein), und Einschüben von Kriegsszenen und Bildern der Studentenunruhen, der sich aber trotz der geringen Spielzeit von 49 Minuten aufgrund der Musik lohnt. Die 2003 veröffentlichte DVD-Version beinhaltet eine Audio-Fassung des kompletten zweiten Sets mit einer Spielzeit von 67 Minuten und kompensiert den insgesamt schwächeren Gesamteindruck des Films.
Die Ausgabe aus dem Jahr 2012 kann mit über 15 Minuten zusätzlichem Video-Material aufwarten, darunter mehr Zeit für die beiden Tracks „Hear My Train A Comin’“ und „Machine Gun“ sowie Interviews mit dem Publikum und zusätzlichen Szenen der Krawalle, die damals stattfanden. Auch wurde die Audio-Version verbessert.
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