Gary J. Jucha Der ultimative Jimi Hendrix Guide
Der ultimative Jimi Hendrix Guide
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Gary J. Jucha Der ultimative Jimi Hendrix Guide

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Al Aronwitz von der New York Post sagte: „Wann immer ein Rockstar nach New York kam, war die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, Devon in seinem Hotelzimmer vorzufinden.“ Zu den Rockstars, die mit Wilson geschlafen haben, zählen Arthur Lee, Eric Clapton und Brian Jones. Als sich Mick Jagger Wilson näherte, war das eine Art Rache, weil sich Hendrix an Marianne rangemacht hatte. Allerdings war Jagger erfolgreicher. Aufgrund des Techtelmechtels zwischen Jagger und Wilson sah sich Hendrix gezwungen, seinen 27. (und letzten) Geburtstag bei einem Rolling-Stones-Konzert im Madison Square Garden zu verbringen.

Noch existierendes Filmmaterial zeigt einen in Schwarz gekleideten Hendrix, der unauffällig in einer Ecke der Stones-Garderobe sitzt, womit er an das Verhalten in den ersten Wochen bei den Londoner Partys erinnert. Keith Richards redet ihm ein wenig zu, Jagger nähert sich zurückhaltend, wohingegen Mick Taylor, der neue Lead-Gitarrist, sich am freundlichsten gibt, auch wenn er von der Präsenz des Gitarren-Genies eventuell überwältigt ist. Die beiden unterhalten sich über ihre Kunst, und man sieht sogar Hendrix, der Taylors Slide-Gitarre verkehrt herum spielt (Taylor ist Rechtshänder). Während des Konzertes kann man Hendrix auf der Bühne hinter Keith Richards’ Verstärkern entdecken.

Nach der Show besuchte Jagger die von Wilson für Hendrix in Monte Kays Apartment organisierte Überraschungsparty zum 27. Geburtstag. (Monte Kay gehörte zu den Persönlichkeiten der New Yorker Jazz-Szene in den Vierzigern und Fünfzigern, doch zum Zeitpunkt der Feier kannte man ihn als Produzenten von Flip Wilsons TV-Show auf NBC.) Laut einem Interview im Rags-Magazin erzählte Wilson: „Mick tauchte in einem schwarz-weiß karierten ‚Zoot Suite‘ auf und trug einen Rubinring in ‚Mafia-Größe‘ am kleinen Finger.“ Auch andere Musiker der Stones ließen sich blicken. Bei dieser Party leckte Wilson angeblich Blut von Jaggers verletztem Finger. (Das ist der Ausgangspunkt der Zeile „she drinks her blood from a jagged edge“ des Songs „Dolly Dagger“.) Trotz der Gerüchte, dass Hendrix und Jagger kurzfristig verschwanden, um einen Kampf um Wilson auszutragen, scheint das nicht der Wahrheit zu entsprechen. Sharon Lawrence berichtet in ihrem Buch davon, dass Jagger dem befreundeten Rockmusiker Mut zusprach, da Hendrix sich mit einer möglichen Haftstrafe wegen des Besitzes von Heroin in Kanada konfrontiert sah. Allerdings hielt das Jagger nicht davon ab, die Party mit Wilson im Schlepptau zu verlassen. In dem Rags-Interview wird Wilson beschrieben, die in Hendrix’ Apartment in der Twelfth Street auf „Harem-Kissen posiert“ und dabei ein „geschmackvolles Ossie-Clark-Abendkleid trägt“. Das Interview drehte sich hauptsächlich um Mick Jagger. (Es ist durchaus kein Zufall, dass Hendrix den von Wilson handelnden Song „Dolly Dagger“ nannte, da der Titel sich auf Jagger reimt.) Kein Wunder also, dass der Musiker die Zeit während des Interviews in seinem Zimmer verbachte! Das Gespräch endete mit der Aussage Wilsons: „Und was kann ich sonst noch anstellen? Ich weiß es nicht, vielleicht Jimi heiraten … Möchten Sie meine Hochzeitsfotos veröffentlichen?“

Innerhalb von neun Monaten nach Publikation des Interviews waren sowohl Hendrix als auch Wilson tot. Ich frage mich, ob Rags Fotos von Hendrix’ Beerdigung veröffentlichte, zu der unter anderem Stella und Alan Douglas kamen, nicht zu vergessen Devon Wilson, die versuchte – ähnlich der Mutter in der Szene von Laura Palmers Begräbnis in Twin Peaks –, sich in das offene Grab zu werfen.

Am 2. Februar 1971 hatte Devon mehr Erfolg, denn sie stürzte aus dem Zimmerfenster des Chelsea Hotels. (Das Chelsea, an Manhattans 23th Street gelegen, ist bekannt für die ein- und ausgehenden Künstler und berüchtigten Todesfälle. Sid Vicious erstach dort am 12. Oktober 1978 Nancy Spungen, ein weiteres Rock-Groupie. Mal ganz nebenbei erwähnt: Sid verstarb am 2. Februar 1979, exakt acht Jahre nach Wilsons Ableben.) Stopp! Ich drücke mich zu flapsig aus! Es gibt hinsichtlich Wilsons Tod wenige belastbare Fakten. Ihr schon 1970 rapide steigender Drogenkonsum (der sich auch in Hendrix’ Texten widerspiegelt), geriet nach seinem Tod völlig außer Kontrolle. Niemand weiß genau, ob sie aus einer der oberen Etagen des Chelsea sprang, versehentlich fiel oder gestoßen wurde. Anhänger von Verschwörungstheorien glauben, dass sie umgebracht wurde, um nichts über Hendrix’ angebliche Ermordung durch Michael Jeffery zu verraten.

Electric Ladies

1968 stellten Groupies einen wesentlichen Teil von Hendrix’ Erfahrungsspielraum dar, doch wenn er über die Frauen sprach, meinte er: „Ich bevorzuge den Begriff ‚Electric Ladies‘.“ Als es darum ging, einen Titel für sein drittes Album zu finden, machte er den Ladies der endlos langen Highways ein Kompliment, indem er seinen Kosenamen für Groupies dafür nutzte. Im Verständnis unserer überwiegend konservativen Gesellschaft beinhaltet die Definition eines „Groupie“ durch die Überbetonung der sexuellen Befriedigung unangemessene Konnotationen. Bei den nur Celebrities zugänglichen Beziehungen werden allgemein die emotional positiven Aspekte verkannt. Songs über Groupies deuten positive Beziehungen an (zum Beispiel Steppenwolfs „Hey, Lawdy Mana“) und negative (zum Beispiel Michael Jacksons „Dirty Diana“). Groupies als Thema wurden von Frank Zappa im Verlauf von zwei Alben der zweiten Inkarnation der Mothers of Invention ausgiebig behandelt: Fillmore East – June 1971 und 200 Motels, letztgenanntes Album ist zugleich der Soundtrack des gleichnamigen Films. Die erstgenannte Platte ist möglicherweise sein bestes Live-Album.

Heutzutage stellen Groupies ein eher amerikanisches Phänomen dar, glaubt man Kid Rock, der angeblich sagte: „Europäer scheinen die Groupie-Mentalität nicht zu kennen.“ Der Hendrix-Biograf Harry Shapiro schrieb, dass sich die Londoner „Groupie-Szene auf einen harten Kern von vielleicht einem Dutzend beschränkte“. In den USA fanden sich bei jedem Konzert in jeder Stadt ein Dutzend Mädchen – und häufig fand man dieses Dutzend in Hendrix’ Bett. Tournee-Berichte der Experience erinnern an John Lennons Vergleich der Beatles-Touren mit Fellinis Satyricon. Laut Noel Redding (der es wissen muss) war die Experience Ende Sommer 1968 „nicht mehr im Waldorf Astoria willkommen, denn in einer Nacht musste man sich schon im betriebsamen Flur ausziehen, um zur Orgie in Jimis Zimmer eingelassen zu werden“.

Auch Mitch Mitchell und Noel Redding zogen ihren angemessenen Anteil der verdorbenen Luder an, denn sie sahen durch und durch wie dünne, langhaarige britische Rockmusiker aus und hatten einen exotisch anmutenden Akzent. Besonders Redding scheint ein Lieblings-Objekt der Groupies gewesen zu sein. Super-Groupie Pamela Des Barres zeigte sich von Hendrix’ Sexualität eingeschüchtert, doch sie verfolgte Redding ohne jegliches Bedauern. Sie schrieb in ihrem Buch Light My Fire: Bekenntnisse eines Groupies: „Ich befand mich total unter seiner Kontrolle. Er nahm mich in Hunderten von Stellungen und stellte unglaubliche Dinge mit mir an. Ich zweifle, dass irgendein anderer so eine ‚Standfestigkeit‘ und Ausdauer hatte. Ich fühlte mich wie in einem Netz gefangen, unfähig, mich zu befreien – darauf wartend, noch weiter gefesselt zu werden … Noel sagte: ‚Das, meine Liebe, nennt man einen Fick.‘“

Redding zeigte sich am 25. Februar 1968 jedoch nicht von seiner besten Seite. Die Experience war für zwei Auftritte im Chicago Opera House gebucht worden, davon einer als „15 Uhr-Matinee“ geplant. Zwischen den Shows ins Conrad Hilton zurückkehrend, wurden die drei Musiker von ebenso vielen Groupies angesprochen. Man kannte die Damen als die Plaster Casters. Sie gingen weiter als andere, die mit Rockstars schliefen und danach einen Eintrag für das Tagebuch verfassten, denn sie wollten das Ereignis für die Nachwelt verewigen, indem sie einen Abguss vom erigierten Geschlechtsteil des Musikers machten. Hendrix und Redding waren mit von der Partie, wohingegen sich Mitchell schüchtern zurückhielt.

Die Plaster Casters bestanden aus Cynthia (ihrer Anführerin), Dianne und Marilyn, Letztere beteiligte sich nicht an den sexuellen Aktivitäten, machte aber jedes Mal Notizen, wenn ein Rockstar auf den ungewöhnlichen Vorschlag des Damen-Trios einging. Diannes Rolle bestand laut Cynthia darin, die Erektion des Musiker zu gewährleisten: „Ich habe niemals Nervosität in ihrem Gesicht entdeckt. Ich glaube, sie konzentrierte sich einfach darauf, das ganze Ding in ihren Mund zu bekommen. Über Hendrix schrieb sie in ihrem Tagebuch: „Er hatte den größten Pfahl, den ich jemals gesehen habe!“ Hinsichtlich des Abdrucks bemerkte sie: „Ich war ganz begierig darauf, das fertige Produkt zu sehen. Versehentlich öffnete ich die Form, die dann in Stücke zerfiel. Sorgfältig klebte ich sie wieder zusammen, und das Endresultat war fast intakt. Es ist recht groß, sehr dick und ziemlich lang!“

Reddings Performance verlief nicht so unproblematisch. Er beschrieb das in seiner Autobiografie: „Mein Beitrag fiel eher ungewöhnlich aus – eine Art verkorkste Vorstellung, das Resultat einer Kombination schlechten Timings hinsichtlich der Aushärtung des Gipses und des überraschenden Hereinplatzens von Stickells (dem Road Manager) genau in dem bedeutsamen Moment.“

Die Geschichte des verschollenen Sex-Tapes

Man könnte meine, dass es sich bei dem Band um eine Racheaktion wegen der Abschiedsfilme von Hendrix, betitelt „The Goodbye Girls“, handelt. Es ist ein 8mm-Schmuddelstreifen – um den Jargon der Ära zu benutzen –, 2006 in einem Schrankkoffer gefunden und versteigert bei einer Auktion. Die Filmdose war mit „Black Man“ beschriftet. Als sich der Höchstbietende den Film anschaute, vermutete er sofort, dass es sich bei dem schwarzen Mann, der von zwei weißen Mädchen mit Sixties-Frisuren bedient wird, um Jimi Hendrix handelt. Um den Verdacht zu bestätigen, wurden die im vorhergehenden Kapitel angesprochenen Groupies ausfindig gemacht und gebeten, einer Aufführung des Films beizuwohnen. Dann stellte man den beiden Frauen mittleren Alters die Frage nach der Authentizität.

Zur Erinnerung: Des Barres schlief niemals mit Hendrix – sie enthüllt in ihrem Buch, dass sie zum Zeitpunkt des Lust versprechenden Angebots noch minderjährig gewesen sei – und wurde stattdessen Reddings „Freundin“, als die Experience in ihrer kalifornischen Heimatstadt ein oder zwei Tourneen später auftrat. Nun lag es an Cynthia Plaster Caster, die Hendrix’ „Hampton Wick“ [sgl.: Schwanz; Anm.], wie sie seinen Penis bezeichnete, tatsächlich sah, die Theorie auf Basis ihrer Erinnerung und dem von ihr in Chicago angefertigten Gipsabdruck zu verifizieren. Mit der „Seriennummer“ #00004 0“ beschriftet (und laut Plaster Caster an George Harrisons Geburtstag gegossen), kennt man ihn auch als „Penis de Milo“.

Im Grunde genommen beschränkt sich der Inhalt der Porno-DVD auf Des Barres und Plaster Caster, die sich den 8mm-Film anschauen und kommentieren. Keine hegt Zweifel daran, dass der dünne, nur mit einem „Stirnband bekleidete“ und Ringe tragende Mann Hendrix ist. Die wenigen körnigen Aufnehmen des Gesichts – zuerst, als er sich zurücklehnt, ein weiteres Mal bei der Fellatio – scheinen das zu bestätigen. Plaster Caster erinnert sich an die Farbe von Hendrix’ Oberschenkel, die dem Teint des Mannes gleicht, wie auch an den „Penis de Milo“.

Des Barres erzählt dann, Kathy Etchingham habe ihr verraten, dass Hendrix es mochte, beim Sex mit unterschiedlichen Mädchen gefilmt zu werden. Angeblich produzierte er eine Reihe von Filmen, in denen Frauen ihm nach einer gemeinsam verbrachten Nacht zum Abschied winken. Vom Hotelzimmer aus mitgeschnitten, nannte er die Streifen „The Goodbye Girls“. Dann führte er unbestätigten Berichten nach Freunden die Filme vor, äffte die Frauen nach und ließ obszöne Kommentare vom Stapel.

Ich möchte die DVD niemanden empfehlen. Sie wird von Aufnahmen von Haight-Ashbury 1967 und Hippie-Konzerten dominiert und hat einen fürchterlichen Soundtrack, bei dem jemand versucht, Hendrix mit der Gitarre zu imitieren. Wenn dann endlich der 8mm-Film beginnt, ist er zensiert wie ein japanischer S&M-Streifen. Es ist eine Schande, denn „Black Man“ ist – mit Blick auf das, was man von ihm sehen kann – tatsächlich erotisch, insbesondere, wenn sich die beiden Frauen küssen. Er wirkt erotisch, weil es sich sicherlich nicht um inszenierte Szenen handelt.

Unsere beiden Groupies glauben, dass die beiden Frauen aus Skandinavien stammen. Das scheint belegbar zu sein, denn Hendrix tourte oft in Skandinavien, einer damals sexuell freizügigen Region. Jeder, der sich an die schwedischen Magazine erinnert, von denen Iggy Pop in „Five Foot One“ singt, weiß, was ich damit meine. Des Barres sagt auf der DVD: „Das sieht nicht wie ein Hotelzimmer aus. Es scheint, als habe er die beiden Mädchen in einem Club aufgerissen, woraufhin sie ihn wie zwei kluge Mädels mit nach Hause genommen haben.“

6

Can You See Me?

Hendrix im Film

In Universal City sind Straßen nicht nur nach Filmstars benannt (Jimmy Stewart) und Regisseuren (Alfred Hitchcock), sondern auch nach Musikern: Muddy Waters, Buddy Holly und Jimi Hendrix. Obwohl Hendrix niemals einen Film für Universal drehte, ist das völlig angemessen, bedenkt man seine Rolle in einigen bedeutenden Streifen.

Zum Beispiel enthält der Soundtrack von Easy Rider das Anti-Establishment-Credo der Experience „If 6 Was 9“. Der kommerzielle Erfolg des Albums führte zu der heute gängigen Praxis, den Soundtrack neuer Produktionen komplett mit zeitgenössischer Musik zu untermalen. Zwei der besten Rockkonzert-Filme – Monterey Pop und Woodstock – lassen sich nur schwerlich ohne einen Jimi Hendrix vorstellen. Es ist sicherlich kein Zufall, dass die beiden Auftritte seitdem von der Firma Experience Hendrix auf DVD veröffentlicht wurden, da sie dabei halfen, die Hendrix-Legende nachfolgenden Generationen zu vermitteln. Nicht vergessen sollte man auch, dass Hendrix selbst die Magie des Films evozierte.

Folgend liste ich in chronologischer Reihenfolge die empfehlenswerten DVDs auf. Es ist klug, den Film Rainbow Bridge und die DVD Blue Wild Angel dabei nur kurz zu erwähnen.

Auftritte bei der BBC und TV-Auftritte

Der erste Auftritt der Jimi Hendrix Experience in der BBC-Sendung Top of the Pops beinhaltete eine Live-Darbietung der ersten Single „Hey Joe“, 13 Tage zuvor veröffentlicht. Dieser Mitschnitt ist verschwunden, aber glücklicherweise haben zahlreiche Fernsehaufzeichnungen der Experience in Großbritannien, Frankreich und Schweden „überlebt“ und sind auf Bootleg-DVDs erhältlich. Die Qualität variiert; die Auftritte sind ein Mix aus Live- und Playback-Takes (Hendrix hasste Playback), aber dennoch lohnenswert, speziell Live-Fassungen von „Purple Haze“, die man später aus Zeitgründen gekürzt ausstrahlte. Bei den frühen Aufnahmen erlebt der Zuschauer eine Band, die sich noch bemühen muss, die musikalische Energie im Zaum zu halten, die sie später meisterhaft bändigt. Das ähnelt einem Clark Kent mit seinen Superkräften, als er noch Superboy war, oder Harry Potter und seinen magischen Fähigkeiten im Verlauf der Romane von J. K. Rowling.

Die Songs sind wie zu erwarten meist A- und B-Seiten der ersten vier Singles der Experience, weshalb man verschiedenste Fassungen von „Hey Joe“ sieht, von „Stone Free“, „Purple Haze“, „The Wind Cries Mary“ und „Burning Of The Midnight Lamp“. Früheste Aufnahmen zeigen Mitch Mitchell noch ohne Dauerwelle (was sich schnell änderte), und man erlebt, wie die Garderobe der Experience im Laufe des Jahres immer psychedelischer wird. Hervorzuheben sind Hendrix’ Auftritte in der Jacke des Royal Veterinary Corps und Szenen, in denen die Band durch die Stadt schlendert und ähnlich den Monkees herumalbert, womit sich die anfängliche Kameradschaft der drei belegen lässt.

Monterey Pop

Jimi Hendrix schrieb den Text zu „Little Wing“ während des Monterey International Pop Festival. Der von D. A. Pennebaker in Szene gesetzte Film Monterey Pop spiegelt die Emotionen, die Hendrix bei dem Festival empfand, perfekt wider. Zusammen mit Woodstock muss Monterey wohl das glücklichste Festival gewesen sein, dass man je dokumentierte, wobei seine Bedeutung nicht genug betont werden kann. Es fängt die Hippie-Ära in ihrer Blütezeit ein, nicht zu vergessen einige Karrieren definierende Performances, etwa von Janis Joplin oder Otis Redding – und natürlich die der Experience. Der vollkommen verblüffte Ausdruck auf den Gesichtern – nachdem Hendrix seine Gitarre verbrannt hat und die Bühne verlässt – darf man sich einfach nicht entgehen lassen. (Auch Mama Cass Elliot scheint bei Joplins Interpretation von Big Mama Thorntons „Ball And Chain“ zu verstummen, einem Song, den man ähnlich wie „Wild Thing“ von den Troggs, nicht mehr mit den ursprünglichen Interpreten assoziierte, sondern mit der neuen Generation.)

Der Film lässt sich als variationsreiche Reflexion der Musik der Zeit beschreiben. Im Gegensatz zu Woodstock, das insgesamt die Rebellion der sogenannten „elektrischen“ Künstler widerspiegelt, wird bei Monterey Pop ein größeres Netz ausgeworfen, worin sich auch Acts der Top 40 wiederfinden (die Mamas and the Papas, Scott McKenzie), Soul-Künstler (Lou Rawls, Otis Redding), Folk-Musiker (Simon & Garfunkel) sowie internationale Interpreten (Hugh Masekela, Ravi Shankar). Noch mehr Facetten lassen sich dank Complete Monterey Pop Festival erkennen, einer 2002 von Criterion auf den Markt gebrachten Box, die Kurzfilme von Otis Redding bereithält (der innerhalb der nächsten sechs Monate nach dem Festival verstarb) und der Experience.

Jimi Plays Monterey

Als Hendrix-Fan darf man Jimi Plays Monterey von Pennebaker und Chris Hegedus nicht verpassen. Unter der Maxime „Wie es John Phillips erlebte“ zeigt die kurze Dokumentation einen Großteil des Experience-Konzerts. Der ehemalige Sänger der Mamas and the Papas und zugleich Festival-Organisator bereitet den Zuschauer auf das große Ereignis vor, und zwar mit Film-Clips der Experience vor dem Festival und Aufnahmen aus London (darunter Auszüge aus dem Beatles-Video „A Day In The Life“).

Noch wichtiger sind jedoch Aufnahmen der Experience und von Hendrix (der einen breitkrempigen Hut trägt), die „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“ spielen und ein gekürztes „Wild Thing“ (mit einem weihnachtlich anmutenden Feedback-Intro). Sie stammen von dem Konzertfilm Christmas On Earth, Continued, mitgeschnitten am 22. Dezember 1967 im Pariser L’Olympia. (Dort traten auch Pink Floyd und die Who auf – ja, so war das damals!)

Eric Burdons Stück „Monterey“ wird als Soundtrack für Clips genutzt, bei denen das Publikum und einige Künstler gezeigt werden, darunter die Who, Jefferson Airplane und Grateful Dead.

Höchst interessant wirken Brian Jones’ Ankündigung der Experience und der Audio-Kommentar des Kritikers Charles Shaar Murray sowie ein Ausschnitt aus einem Pete-Townshend-Interview (1987), bei dem er sich an Monterey erinnert und die klassische Who-Experience-Rivalität, wer denn nun nach wem die Bühne betreten solle. Ein Lob gilt hier den Booklet-Liner-Notes von David Fricke, der sowohl Otis Redding als auch Hendrix als „R&B-Klassizisten“ identifiziert.

Die Soundtrack-CD unterscheidet sich von der vom Hendrix-Estate 2007 veröffentlichen Version, da die Vorstellung länger ausfällt und zudem Joe Gastwirt für die Abmischung verantwortlich zeichnete. Damit will ich nicht behaupten, dass es besser als der Kramer-Mix von 2007 ist – ist es nämlich nicht –, sondern nur anders.

The Jimi Hendrix Experience: Live At Monterey

Die Firma Experience Hendrix LLC veröffentlichte im Oktober 2007 The Jimi Hendrix Experience: Live At Monterey. Obwohl die DVD das originale Konzert-Material des Regisseurs D. A. Pennebaker enthält, führte hier Bob Smeaton Regie, der einen neuen Schnitt anfertigte.

Die DVD präsentiert einen guten Überblick zum Thema der Entdeckung von Jimi Hendrix, wobei man rares Material und Interviews mit Chas Chandler nutzt, dem Animals-Tourmanager Tappy Wright, Mitchell und Redding von der Experience, Chris Stamp, Andrew Loog Oldham und Dave Mason von Traffic.

Zur Einstimmung des Zuschauers gibt es eine lange Einleitung, bei der Schlüsselfiguren wie John Phillips, Michelle Phillips, Derek Taylor und weitere beschreiben, wie das Festival zustande kam und wie die Veranstalter nach der Verpflichtung der Headliner (die Mamas and the Papas, Simon & Garfunkel sowie Otis Redding) ihr Konzept ausweiteten und exotische und/oder unbekannte Acts buchten, darunter die Jimi Hendrix Experience.

Das komplette Konzert der Experience vom 18. Juni 1967 wird in korrekter Reihenfolge gezeigt, abgesehen von „Can You See Me“, das bedauernswerterweise nicht aufgezeichnet werden konnte, da die Kamera-Crew in dem Moment die Filmrollen auswechselte. (Es ist schade, da vermutlich überhaupt keine Live-Aufnahmen des Songs, einer der frühesten Experience-Nummern, existieren.) Nach Jahrzehnten, in denen man nur das Audio-Material hören konnte, ist es eine wahre Freude, endlich Bob Dylans „Like A Rolling Stone“ und B. B. Kings „Rock Me Baby“ zu sehen. Man erlebt einen Jimi Hendrix, der während des ersten Stücks sein „Gypsy Eyes“-Jackett trägt und gegen Ende des Auftritts auf seinem Gitarren-Plektrum kaut, während er zum Intro von „Wild Thing“ einen wilden Mix der amerikanischen und der britischen Nationalhymne vorträgt. Der Hendrix-Estate produzierte in diesem Fall eine ausgezeichnete DVD, die vor dem Hintergrund aller exklusiven Hendrix-Filmaufnahmen zu den ein oder zwei DVDs zählt, die man besitzen muss. Das Bild wirkt kraftvoll und strahlend – im Grunde genommen schon psychedelisch –, und die Audio-Mixe (5.1 und 2.0 Stereo) wurden von Eddie Kramer neu angefertigt. In dem beiliegenden Booklet finden sich Liner Notes von Mitch Mitchell und John McDermott sowie von Jimi vor dem Konzert (beim Einkaufen, beim Electric-Flag-Gig, bei der Probe) und während des bedeutsamen Auftritts.

Zusätzlich zu Smeatons Film kann die DVD mit folgendem Bonus-Material aufwarten:

• „American Landing“ – Eine Dokumentation über Hendrix’ Aufstieg quasi „über Nacht“ vom unbekannten Musiker aus Greenwich Village zum Star. Hier finden sich Interviews mit Chandler, Mitchell und Redding.

• „A Second Look“ – Der Monterey-Pop-Auftritt der Experience, den man sich aus ungewöhnlichen Kameraeinstellungen anschauen kann.

• „Never Before Released Live Performances“ – Schwarz-Weiß-Material des ersten bekannten Auftritts, der gefilmt wurde. Am 25. Februar 1967 in Chelmsford, England, aufgezeichnet, sind hier die selten mitgeschnittenen „Like A Rolling Stone“ und „Stone Free“ zu sehen.

• „Music, Love & Flowers“ – Mitbegründer Lou Adler erinnert sich an das legendäre Festival.

The Lulu Show

Als Elvis Costello and the Attractions am 17. Dezember 1977 die Aufführung von „Less Than Zero“ abrupt beendeten und einen anderen Gang einlegten (oder die Uhr verstellten), um den gegen die Medien gerichteten Song „Radio, Radio“ zu spielen, glich das einem Gastspiel der Jimi Hendrix Experience bei The Lulu Show im BBC-TV (4. Januar 1969). Costello trat übrigens bei Saturday Night Live auf und handelte sich aufgrund seiner provokanten Aktion ein zwölfjähriges Auftrittsverbot ein.

Die Hendrix-Performance war sowohl kulturell als auch musikalisch signifikant. Die Band führte „Voodoo Child (Slight Return)“ auf, einen ihrer härtesten und lautesten Rocksongs, der sogar einem Ignoranten, der den Musiker eigentlich nicht mag, gefallen wird. Obwohl Hendrix den abschließenden Track von Electric Ladyland spielen durfte, der noch nicht einmal als Single veröffentlicht worden war, änderte das nichts an seiner Ablehnung gegenüber der Idee, den von Lulu als „Song, der sie groß rausgebracht hat“ angesagten Titel „Hey Joe“ zuerst spielen zu müssen. 1969 hatte sich bei der Experience hinsichtlich des zuvor mit Tim Rose assoziierten Stücks eine gewisse Müdigkeit eingestellt, und sie wollten ihn nicht mehr darbieten.

Hendrix beginnt mit einem extremen Einsatz des Vibrato-Hebels, wodurch sich seine Strat verstimmt. Nach dem Neustimmen des Instruments grinst er seine Bandkollegen an, beginnt mutig mit dem Song, singt ein oder zwei Strophen (dabei zitiert er mit der Gitarre „I Feel Fine“ der Beatles), spielt ein geschmackvolles Solo und signalisiert dann Mitchell und Redding, aufzuhören. Dem Studiopublikum sagt er dann, „dass wir jetzt mit diesem Mist aufhören und den Cream einen Song widmen, egal in welcher Gruppe sie nun spielen“. (Cream hatten sich kurz zuvor aufgelöst.) Als Nächstes spielt die Experience eine beseelte, wenn auch gekürzte Instrumental-Version von „Sunshine Of Your Love“. Das Stück wurde gekürzt, da die Experience mit einem dritten Song den ihnen zugestandenen Zeitrahmen gesprengt hatten. Deshalb musste Lulu, eine Sängerin, die man in den USA wegen des Single-Hits „To Sir With Love“ kennt, auf ihren die Sendung beschließenden Gesangsbeitrag verzichten.

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