Gary J. Jucha Der ultimative Jimi Hendrix Guide
Der ultimative Jimi Hendrix Guide
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Gary J. Jucha Der ultimative Jimi Hendrix Guide

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Hendrix kannte zu diesem Zeitpunkt die Dylan-Alben. (Man weiß, dass er The Freewheelin’ Bob Dylan besaß, und seine Freundin Fayne Pridgeon aus Harlem erzählte oft die Geschichte, wie er seine letzten fünf Dollar für Highway 61 Revisited ausgegeben habe.) Jedoch ist nicht bekannt, ob Jimi Hendrix wusste, dass Dylan im Café Wha? auftrat, als er sich 1962 erstmalig nach Manhattan aufmachte.

Möglicherweise hätte er es als ein schicksalhaftes Zeichen gedeutet, dass man ihm exakt denselben Club empfahl, in dem sein musikalischer Held sein New Yorker Debüt gegeben hatte. An einem Abend im Juni erschien Jimi im Club, die weiße Fender Stratocaster in der Hand, und stellte sich Roth vor, der ihm anbot, während einer Pause der Hausband sein Glück zu versuchen.

Jimi spielte ein langsames Blues-Solo, wobei ihn schon nach kurzer Zeit der Hausbassist Tommy „Regi“ Butler begleitete. Die beiden harmonierten – Jimi zeigte Butler ein Riff zum Jammen –, und schon nach wenigen Minuten bildeten sie mit Chas Matthews an den Drums ein Trio: Jimi Hendrix’ erstes Trio, die Blaupause für die Jimi Hendrix Experience. Hendrix nannte die Formation die Blue Flames. (Entgegen anderslautenden Aussagen existieren keine Angaben, dass man die Formation jemals als Jimmy James and the Blue Flames ankündigte, obwohl „Jimmy James“ Hendrix’ damaliger Künstlername war. Der Name „James“ stellte eine Referenz an den Blues-Musiker Elmore James dar, der Jimis Affinität zu laut ausgesteuerten Verstärkern teilte. Hendrix nahm James’ „Bleeding Heart“ oft auf – manchmal auch „Blues In C#“ oder „People, People, Peoples“ genannt – und spielte den Song bei Konzerten. Der Name „Blue Flames“ ehrte einen weiteren Blueser: den Sänger Junior Parker aus Memphis.) Wenn die Formation nicht im Café Wha? spielte, benutzte sie neben anderen Bandnamen auch den der Rainflowers.

Ungefähr zu diesem Zeitpunkt begegnete Hendrix dem Musiker Randy Wolfe bei Manny’s Music in der 48. Straße in Manhattan. (Das bekannte und angesagte Geschäft wurde im Juni 2009 geschlossen und als Filiale der Kette Sam Ash Gitarren-Shops wiedereröffnet.) Gerade mal 15 Jahre alt, war Wolfe mit seiner Mutter und seinem Stiefvater von Kalifornien in die Stadt gezogen und befand sich auf der Suche nach einer Gitarre. Er sah Hendrix beim Gitarrespielen – „Ich glaube, es war eine Telecaster“, erklärte er der Guitar World 1985 – und fragte, ob er sie ausprobieren dürfe.

Wolfe beschäftigte sich intensiv mit dem Delta Blues – so wie auch Hendrix, den das Spiel des jungen Musikers beeindruckt haben musste, da „er sich mir mit dem Namen Jimmy James vorstellte und mich für den Abend in einen Club einlud, das Café Wha?, um mit ihm aufzutreten“. Schon nach kurzer Zeit spielte Wolfe die Rhythmus-Gitarre und Hendrix Lead-Gitarre. (Allerdings taufte ihn Hendrix in Randy California um und gab ihm jenen Bühnennamen, den er auch als Gründungsmitglied der einflussreichen kalifornischen Band Spirit tragen sollte und sogar noch bis zu seinem tragischen Tod am 2. Januar 1997.)

Aus Randy Wolfe wurde Randy California, da ein Bassist der Blue Flames ebenfalls Randy hieß und durch den Zusatz „California“ klar wurde, wer gemeint war. Trotz seiner anfänglichen Begeisterung wurde „Regi“ Butler gelegentlich durch Jeff „Skunk“ Baxter ersetzt, einen Angestellten bei Manny’s, und noch häufiger durch eben jenen Randy Palmer, einen Texaner, dem Hendrix schon bald zur Unterscheidung den Namen Randy Texas aufdrückte. (Jeff „Skunk“ Baxter ist auch bekannt für seine Arbeiten mit Steely Dan und den Doobie Brothers.) Was man über Hendrix als Bandleader wissen sollte: Er hatte ein untrügliches Talent für die Auswahl geeigneter Instrumentalisten, denn zwei seiner Kollegen von den Blue Flames entwickelten sich zu respektierten und anerkannten Musikern. Danny Casey ersetzte später noch Matthews an den Drums.

Das Repertoire der Blue Flames bestand zum Großteil aus Coverversionen. Bedenkt man den Bandnamen, überrascht es nicht, dass sie einige Junior-Walker-Nummern spielten, darunter „Driving Wheel“, „In The Dark“, „Annie Get Your Yo-Yo“ und den Hit „Shotgun“ aus dem Jahr 1965 (den Walker aber nicht mit den Blue Flames aufnahm, sondern mit den All Stars). Darüber hinaus führten sie noch weitere Hits aus den Mittsechzigern auf: Don Covays „Mercy, Mercy“ (er stammte aus einer Session mit Hendrix), „House Of The Rising Sun“ von den Animals und das populäre „Hang On Sloopy“ von den McCoys.

Gerüchten nach führten sie auch „Rain“ von den Beatles auf, das als B-Seite von „Paperback Writer“ im Gründungsmonat der Blue ­Flames auf den Markt kam. Angeblich soll Hendrix dabei versucht haben, die Rückwärtsspuren von John Lennons Gesang nachzuahmen, was durchaus möglich erscheint, bedenkt man seine Faszination vom Einsatz rückwärts aufgenommener Instrumente, den er in den kommenden Jahren selbst meisterte.

Die Blue Flames coverten zudem drei Songs, die Hendrix mit der Experience bis zum Abwinken aufführen sollte: Bob Dylans „Like A Rolling Stone“, „Wild Thing“ von den Troggs und ein „unbedeutendes, kleines“ Stück, das von Eifersucht und Mord handelte – „Hey Joe“, eine Hymne der Sixties. Aussagen von Randy California nach erarbeiteten sie sich vier Eigenkompositionen, zu denen „Mr. Bad Luck“ zählte, später von der Experience unter dem Titel „Look Over Yonder“ aufgenommen. Abhängig davon, wessen Aussage man Glauben schenkt, mögen die anderen „Foxy Lady“, „Remember“ und „3rd Stone From The Sun“ gewesen sein. Obwohl „Red House“ schon in einer Arbeitsversion existierte, wurde es von den Blue Flames nicht umgesetzt.

(Bitte beachten Sie, dass ich mich bei der Aufzählung der Stücke an die Originalschreibweise halte. „Foxey Lady“ und „Third Stone From The Sun“ tauchten in dieser Schreibweise auf der US-Version des Albums Are You Experienced auf, das erwähnenswerterweise wie auch in Großbritannien ohne Fragezeichen auf dem Cover erschien, obwohl der Songtitel in den USA mit einem Fragezeichen versehen wurde.)

Ein weiteres signifikantes Ereignis kennzeichnete die viermonatige Zeit, die mit dem Vertragsabschluss mit Chas Chandler endete: Jimmy James änderte seinen Namen in Jimi James. Carol Shiroky erinnert sich an eine Werbung für den Gitarristen im Café Wha?, bei der man ihn als Jimi James anpries. Das geschah, kurz nachdem sich die beiden aufgrund von Jimis Interesse an Linda Keith getrennt hatten. Linda war Keith Richards’ Freundin, die sich wie magisch von dem linkshändigen Gitarristen angezogen fühlte, den sie als einen authentischen Blues-Musiker verehrte, der schon zu dieser Zeit mehr als seinen Tribut für die Karriere gezollt hatte.

Im August überredete Linda den Animals-Bassisten Chas Chandler, sich Jimi Hendrix anzusehen. Beeindruckt von dessen Fassungen von „Hey Joe“ und „Like A Rolling Stone“, bekundete Chandler sein Interesse, Hendrix mit nach England zu nehmen und ihn dort zu produzieren. Doch das musste bis zum Ende der US-Tour der Animals im September warten. Zu dem Zeitpunkt war Hendrix aber schon längst aus seinem Hotel am Broadway ausgezogen und konnte nirgendwo gefunden werden. Plattenproduzenten hatten ihm schon zuvor leere Versprechungen gemacht, was das Verhalten erklärt. Mit Linda Keith zurück in England, verbrachte Chandler vier aufregende und chaotische Tage damit, den Musiker aufzuspüren, aus dem er einen Star machen wollte.

Allerdings reagierte Hendrix zwischenzeitlich skeptisch auf die Perspektive, nach England zu reisen. Dem Meinungsumschwung ging ein siebentägiges Engagement als Begleitmusiker von John Hammond Jr. voraus. Die Band nannte sich „Screaming Nighthawks“ und trat im Café Au Go Go auf, einem eher noblen Club in Greenwich Village. Hammond war ein angesehener Blues-Musiker, der 1965 das Album So Many Roads mit Musikern aufgenommen hatte, die später Bob Dylan begleiteten und dann als The Band auftreten sollten. Sein Vater John Hammond zeichnete für die Laufbahnen von Musikern verantwortlich, die den Kurs der amerikanischen Popmusik während des 20. Jahrhunderts bestimmten. Er half dabei, die Karriere von Benny Goodman vorwärtszubringen, die des Gitarristen Charlie Christian und von Billie Holiday, Bob Dylan, Aretha Franklin sowie Bruce Springsteen. John Hammond Jr. hatte seinen Vater davon überzeugt, sich Hendrix anzuhören. Bedenkt man die Auftritte und John Hammonds Interesse, mag Hendrix das Gefühl gehabt haben, kurz vor dem Durchbruch in seinem Heimatland zu stehen, was ihn letztendlich dann aber nicht davon abhielt, nach England zu reisen.

Allerdings beschlich ihn das Gefühl, in der Schuld der anderen Musiker von den Blue Flames zu stehen, woraufhin er versuchte, die Kollegen zum Mitkommen zu überreden. Wie Randy California erklärte, „war Chas [aber] überhaupt nicht an mir interessiert“, ein Gefühl, das durch Chandlers Kommentar in der Dokumentation Ultimate Hendrix bestätigt wird: „… (California) wollte ausschließlich Blues spielen, und ich glaubte nicht daran, dass der Blues ein Weg war, um einen Hit mit Jimi zu produzieren.“

Wie sich California erinnert, geschah Folgendes: „Eines Tages stieß ich [zur Band] und fand heraus, dass Jimmy sich nach England aufgemacht hatte. Das war das Ende (der Blue Flames).“

Linda Keith

Während ihr Liebhaber in der Manning Bowl in Lynn, Massachusetts, spielte, entschied sich das englische Model Linda Keith gemeinsam mit zwei Freunden in New York auszugehen: Roberta Goldstein und Mark Kaufman. Es war der 24. Juni 1966. Das gähnend leere Cheetah mit seinen zwei Bühnen zählte zu den von ihnen besuchten Clubs. Trotz seiner Rolle als Bandleader der Blue Flames spielte Hendrix mal wieder „diesen Mist“ mit Curtis Knight and the Squires. Die Flames verdienten im Café Wha? sieben Dollar am Abend (als Band!), und so nahm Jimi aus finanziellen Gründen gelegentlich Jobs als Begleitmusiker an.

Zuerst hegte Keith kein Interesse für die Gruppe, aber dann entdeckte sie Hendrix, „der versteckt in der hinteren Reihe spielte“, wie sie gegenüber Tony Brown erklärte, dem ersten Biografen des Musikers, der sie in Jimi Hendrix – A Visual Documentary zitiert. (Möglicherweise war es ihm unangenehm, wieder einer der Squires zu sein.) Keith fiel auf, dass sie Jimis Hände beobachtete. Zutiefst fasziniert, bat sie Kaufman mit einschmeichelnder Stimme, den Gitarristen zu einem Drink an ihren Tisch einzuladen, wonach die Gruppe zum Apartment der Freunde zog, aufgrund der mit rotem Samt ausgekleideten Wände aus als Red House bekannt. In dieser Nacht nahm Hendrix zum ersten Mal LSD und hörte – in Richards’ Hotelsuite im Hilton – erstmalig Dylans neustes Album Blonde On Blonde, zu dem er Gitarre spielte.

Ob Keith und Hendrix nun eine Liebesaffäre hatten oder nicht, hängt von der jeweiligen Perspektive ab. Carol Shiroky glaubte es zumindest. Paul Caruso, Jimis Freund aus dem Village, teilte diese Auffassung. Auch die beiden ersten Protagonisten aus dem Musikbusiness, denen Keith Hendrix empfahl, stuften die beiden als Paar ein. Dazu gleich mehr.

Einen so außergewöhnlichen und extravaganten Blues-Musiker gesehen zu haben, entflammte bei Keith einen geradezu missionarischen Eifer. Sie wollte Hendrix noch vor ihrer Rückkehr nach London bekannt machen, geplant nach Ende der 30-tägigen Rolling-Stones-US-Tour. Sie überzeugte den Stones-Manager Andrew Loog Oldham, ins Café Au Go Go zu kommen, wo die Blue Flames auftraten (möglicherweise unter dem Namen Rainflowers), um den Gitarristen zu erleben. Linda ging sogar so weit, sich Keith Richards’ weiße Fender Stratocaster „auszuleihen“, damit Hendrix das Instrument anstelle der ramponierten Klampfe aus dem Leih- und Pfandhaus nutzen konnte, die ihm Shiroky gekauft hatte.

Oldham ließ die Chance verstreichen, Jimi als Manager zu betreuen, was zum Teil daran lag, dass ihm der Musikstil nicht zusagte. Zudem plagten ihn Sorgen hinsichtlich Keith Richards’ Reaktion, wenn dieser herausfände, dass seine Freundin mit einem schwarzen US-Musiker durch die Gegend zog, der sie direkt von der Bühne des Café Au Go Go angesprochen hatte.

Auch Seymour Stein bemerkte die enge Beziehung zwischen Hendrix und Keith, als er die beiden zwei Mal gemeinsam traf. Deshalb schreckte er davor zurück, den „sensationellen Gitarristen“ zu managen. Während Steins erstem Besuch stritt sich das Paar über Keith Richards’ weiße Stratocaster, die Hendrix unvorsichtig behandelt und ramponiert hatte. Stein gründete später Sire Records, das Label der Ramones, Talking Heads und der Undertones, aber eben nicht von Jimi Hendrix.

Linda Keith selbst betont hinsichtlich der vermeintlichen Affäre: „Ich war nicht seine Freundin, denn ich datete immer noch Keith Richards.“ Die Tatsache, dass sie alle Rolling Stones überredete, den Hendrix-Gig am 2. Juli im Ondine zu besuchen (nach einem Konzert der Band im Forest Hills Tennis Stadium in Queens, New York) führt in der Tat zu der Annahme, es handle sich um eine platonische Beziehung … zumindest zu dem Zeitpunkt. An dem Abend zeigte sich nur Bill Wyman von Hendrix beeindruckt, doch der Bassist konnte keine Hilfestellung leisten, da sich der Rolling-Stones-Tross schon bald zu einem Konzert in der Asbury Park Convention Hall in Asbury, New Jersey, aufmachte, das am folgenden Abend stattfand.

Linda Keith hatte ihre Trümpfe ausgespielt, jedoch nichts erreicht. Am 2. August traf sie zufälligerweise Chas Chandler im Ondine. Die Animals tourten seit dem 1. Juli mit den Herman’s Hermits, doch waren nicht für drei Gigs im August in Atlantic City gebucht. Die Band flog aus diesem Grund direkt nach einer Show in West Hyannis, Massachusetts, nach New York. Als Chandler erklärte, dass er die Animals nach Tour-Ende verlassen wolle und nach einem zu produzierenden Künstler Ausschau halte, erzählte Keith (wie John McDermott in Setting The Record Straight berichtet), dass „da dieser Typ im Village spielt, den du dir unbedingt ansehen musst“. Zwar war für den folgenden Abend ein Animals-Konzert am Wollman Skating Rink im Central Park als Teil des im Sommer stattfindenden Rheingold-Festivals geplant, doch Chandler plante, Keith vor der Show im Café Wha? zu treffen.

In einem Interview mit der Guitar World erinnerte sich Chandler: „‚Hey Joe‘ war der erste Song, den Jimi an dem Nachmittag spielte. Er hatte einfach alles. Man saß dort und dachte: Das ist doch unglaublich – warum hat noch niemand diesen Typen unter Vertrag genommen?“ (Einige wenige hatten sich schon für den Gitarristen engagiert. S. Kapitel 12.)

Keith hielt sich an ihr Versprechen, Hendrix einen Manager zu vermitteln, doch sie war mittlerweile nicht mehr mit Keith Richards zusammen. Demzufolge besuchte sie einige von Jimi James’ August-Konzerten. Als der Ausnahme-Gitarrist Ende September dann in London ankam, tauchte sie ebenfalls auf. Obwohl sie die Hauptrolle in einigen wilden Geschichten spielt – darunter eine Kneipenprügelei und der „Diebstahl“ von Keith Richards’ weißer Stratocaster durch Hendrix –, verschwand sie nach 1966 allerdings weitestgehend aus Jimi Hendrix’ Leben.

Kurz vor seinem frühzeitigen Tod erinnerte sich der Musiker oft an Linda Keith. Er nahm den neuen Song „Send My Love To Linda“ auf, nach eigenen Aussagen eine Ode, an die Frau gerichtet, die ihm einen Manager beschafft hatte. Während der Aufführung von „Red House“ beim Isle Of Wight Festival am 30. August 1970, änderte er den Text und sang, dass Linda nicht mehr in besagtem Haus lebe – und nicht sein „Baby“. Während der Woche vor seinem Tod traf er sie in Londons Speakeasy. Es war keine zufällige Begegnung. Hendrix übereichte ihr einen Gitarrenkoffer mit einer neuen Stratocaster, wobei er erklärte, dass er ihr das Instrument schuldig sei, da sie ihm beim Treffen 1966 in New York auch eine Strat beschafft habe. Erst als sie nach Hause kam, entdeckte Keith im Koffer die von ihr an Hendrix adressierten Briefe aus dem ersten Sommer.

Die Animals

Chandler und Hendrix flogen nicht schon am 4. August 1966 nach London, weil der Bassist in Fort Wayne, Indiana, erscheinen musste, da die Animals noch mitten in ihrer USA-Tour als Vorband von Herman’s Hermits steckten. Die Konzertreise endete erst am 5. September mit einem siebentägigen Engagement im Steel Pier Resort in Atlantic City, New Jersey. Trotz Chandlers bevorstehendem Ausstieg und dem Plan, die New Animals mit Eric Burdon als dominierendem Charakter zu gründen, konnte die Sommer-Konzertreise 1966 nicht als klassische Abschiedstournee bezeichnet werden, da Alan Price die Gruppe schon verlassen hatte. Somit stand nicht die ursprüngliche Besetzung auf der Bühne, die zahlreiche Hits wie zum Beispiel „We Gotta Get Out Of This Place“, „Don’t Let Me Be Misunderstood“ und natürlich „House Of The Rising Sun“ produziert hatte.

Jede ernstzunehmende Darstellung von Hendrix’ Aufstieg und Niedergang muss einige Sätze zu den Animals enthalten. Nicht, weil die Band 1994 in die Rock’n’Roll Hall of Fame aufgenommen wurde, sondern weil der Organisationsapparat, also das Management-Team und die Roadies, Hendrix’ Erfolg in den frühen Londoner Tagen wirkungsvoll unterstützten. Die Animals stellten de facto eine Art Startrampe für die Jimi Hendrix Experience dar.

Zum Beispiel: Als Hendrix versuchte, seine Geburtsurkunde zu beschaffen, die entgegen seinem Wissen nicht auf den Namen James Marshall, sondern Johnny Allen ausgestellt worden war, kümmerte sich der Animals-Rechtsanwalt und US-Repräsentant Leon Dicker um den Papierkram. Somit wurde für Hendrix der Pass Nummer G1044108 ausgestellt. Als der Musiker am 24. September 1966 am Londoner Flughafen Heathrow ankam, trug der Animals-Roadie Terry McVay die von Keith Richards „ausgeliehene“ Gitarre durch den Zoll, da Jimi über keine Arbeitserlaubnis verfügte. Als dann der Animals-Manager auch als Co-Manager für Hendrix fungierte, wurde die Steueroase der Band, die Bermudas, auch für Hendrix genutzt. Somit rechtfertigt sich eine kurze Darstellung des Karriereverlaufs der Animals.

Die Geschichte begann mit Alan Price, der die Alan Price Rhythm and Blues Combo in die Welt rief, ein vom Jazz beeinflusstes Trio mit einem ständig wechselnden Line-up, bei dem sich schließlich Hilton Valentine (Gitarre), Chandler am Bass, John Steel am Schlagzeug und der Rhythm’n’Blues-Fanatiker Eric Burdon (Gesang) zusammenfanden. Die Combo spielte in Clubs in Newcastle-upon-Tyne, darunter der Downbeat Club und der Club-A-Go-Go, die beide Michael Jeffery gehörten. Er nahm die Band mit dem ausbezahlten Geld aus einem Versicherungsfall unter Vertrag, das fällig wurde, als einer seiner Nachtclubs mysteriöserweise niederbrannte, was einer Szene aus Drei Jahrzehnte in der Mafia glich. Die Animals waren die erste Gruppe, die Jeffery managte.

Ein ungewöhnlicher Plan wurde ausgeheckt, bei dem die Animals Yardbirds-Konzerte spielten und die Yardbirds Animals-Konzerte. Jeffery dachte sich viele windige Strategien aus, doch diese lässt sich auf Giorgio Gomelsky zurückführen, den Yardbirds-Manager. In London, bei einem Gig für die Kollegen, durften sich die Musiker über den schnellen Erfolg freuen.

Schon bald änderten sie dann ihren alten Bandnamen (Alan Price Rhythm and Blues Combo), da Price angeblich einen Club-Besitzer hatte sagen hören: „Heute Abend spielen hier diese Tiere.“ Falls Price das tatsächlich den Bandkollegen so erzählt hätte, sollte er es bereuen, da ihm eine Änderung – wodurch sich sein Name erübrigte – natürlich widerstrebte.

Micky Most war ein Musiker, der ähnlich wie später Chandler, eine Veränderung in der Karriere anstrebte. Nach dem Besuch eines Animals-Konzerts im Club-A-Go-Go bekundete er der Formation sein Interesse daran, sie zu produzieren, womit er dem Musikgeschäft erhalten blieb. (In Laufe der Jahre saß er unter anderem auch für Herman’s Hermits auf dem Produzentensessel, für Donovan und die Jeff Beck Group. Most spezialisierte sich auf die Produktion von Hit-Singles. Sein kommerzieller Niedergang in den späten Sechzigern wurde dadurch beschleunigt, dass er weiterhin auf dreiminütige Songs setzte und die Veränderungen nicht verstand, die die Langspielplatte und die demzufolge längeren Stücke in der Musikindustrie verursachten.) The Animals sollten zehn Studioalben veröffentlichen, fünf EPs und 22 Singles, Compilations und Reissues nicht mitgezählt.

Price und Burdon gerieten oft aneinander – nicht zu vergessen Price’ Flugangst –, weshalb der Erstgenannte durch Mick Gallagher ersetzt wurde, dem Dave Rowberry folgte. (Gallagher gehörte später zu den Blockheads von Ian Dury und arbeitete als Tour- und Session-Musiker für die Clash.) Auch der Drummer John Steel verließ die Animals bald.

Nach der US-Tour 1966 entstand aus den New Animals die Gruppe Eric Burdon and the Animals mit einer neuen Besetzung, abgesehen von Burdon und Barry Jenkins, dem Drummer, der Steel ersetzt hatte. Dieses Line-up fokussierte Psychedelia, spiegelte musikalisch den „Summer of Love“ wider und zog nach Kalifornien. Die Alben waren fortan experimenteller ausgerichtet, reflektierten die Ära, doch sie stellten keine Verbindung zu der Generation her, die sie angeblich repräsentierten. Es gab noch weitere Besetzungswechsel, darunter ein Zwischenspiel mit Andy Summers, der später mit The Police Weltruhm erlangte, doch Eric Burdon and the New Animals erreichten nie wieder den Charts-Erfolg der ursprünglichen Animals. Sie lösten sich im Februar 1969 auf.

Es folgten Wiedervereinigungen und juristische Streitigkeiten um die Rechte am Bandnamen. In England wurde er dem ursprünglichen Drummer John Steel zugesprochen.

Chas Chandler

Als Jimi Hendrix Chas Chandler im August 1966 traf, kreuzten sich ihre Wege zum dritten Mal. Erstmalig begegneten sie sich während eines Konzerts verschiedener Künstler in New York Citys Paramount Theatre im September 1964, darunter die Isley Brothers und die Animals. Das zweite Mal sah er Hendrix im April 1965 am selben Veranstaltungsort als Begleitmusiker von Little Richard. Da Hendrix als Mietmusiker in der Gruppe eines anderen Künstlers spielte, machte er auf Chandler keinen großen Eindruck. Das verwundert nicht, denn die Animals befanden sich als Teil der sogenannten „British Invasion“ auf dem Höhepunkt ihrer Popularität und ritten auf der Erfolgswelle einer Serie von Hit-Singles, produziert von Mickey Most.

Bryan James „Chas“ Chandler wurde am 18. Dezember im englischen Newcastle-upon-Tyne geboren. Allgemein als Newcastle bekannt, war es eine klassische Arbeiterstadt, ein Schicksal, dem Chandler entkam, indem er die Karriere eines Musikers anstrebte. Mit einer Körpergröße von über 1,90 Meter wirkte er mit seinem Gibson EB-2 wie der optimale Bassist der Animals. Am bekanntesten für seinen absteigenden Basslauf beim Animals-Hit „Don’t Let Me Be Misunderstood“, enthüllte John McDermott in Ultimate Hendrix (2009), dass Chandler und nicht Noel Redding die prägnante Basslinie bei „Hey Joe“ spielte. Redding, von Haus aus Gitarrist, musste sich während der „Hey Joe“-Sessions immer noch an sein Instrument gewöhnen, woraufhin Chandler die Spur ohne Reddings Wissen neu aufnahm. Es war dies aber der einzige Jimi-Hendrix-Song, bei dem er als Musiker eingriff.

In den späten Fünfzigern/frühen Sechzigern gab es nur wenige Musiker, die eine lebenslange Karriere in einer Rockband in Erwägung zogen. Ringo Starr erzählt sogar, dass er an seine Tante regelmäßig Geld transferiert habe, um nach Abklingen der Beatlemania einen Friseursalon eröffnen zu können. Den Berichten nach ging es den Animals finanziell gesehen noch schlechter als den meisten Musikern, und als Chandler Ende des Sommers 1966 ausstieg, soll er trotz fünfjähriger Bandzugehörigkeit gerade mal 1.000 Pfund und fünf Bässe besessen haben. Zweifellos fiel Chandler auf, dass Jeffery der Einzige der Animals-Entourage gewesen war, der über Geld verfügte.

Der zukünftige Manager befand sich nicht nur auf der Suche nach einem Künstler, sondern wollte mit Vehemenz, dass dieser „Hey Joe“ als Debüt-Single veröffentlicht. Die Leaves hatten schon einen kleinen Hit mit dem Billy-Roberts-Song in den USA gehabt, woraufhin Chandler an einen Hit auch in Großbritannien glaubte, vorausgesetzt, man produzierte ordentlich. In seiner Autobiografie Life berichtet Keith Richards davon, dass Linda Keith Hendrix das Tim-Rose-Demo vorgespielt habe, woraufhin dieser das langsamere Arrangement vorzog. Möglicherweise erzählte Chandler im Ondine Keith von seiner Suche nach einem Künstler, der den Song aufnehmen solle, denn als er die Treppe zum Café Wha? hinunterging, „spielte Hendrix an dem Nachmittag ‚Hey Joe‘“, wie Chas gegenüber Bill Smeaton im Dokumentarteil von Jimi Hendrix: Live At Monterey erklärt.

Ohne einen Chas Chandler hätte es die Jimi Hendrix Experience nie gegeben, und das ist durchaus keine Übertreibung. In den frühen Tagen im Swinging London, das Hendrix schon bald repräsentierte, hielten er und Chandler wie Pech und Schwefel zusammen. Die beiden – und ihre jeweiligen Geliebten – lebten in beengten Verhältnissen und spielten mit einem hohen Risiko, was buchstäblich, aber auch im übertragenen Sinne zu verstehen ist. Risiko, das amerikanische Brettspiel, gehörte zu den Lieblingsbeschäftigungen des Musikers und seines Managers, während sie an Hendrix’ Aufstieg tüftelten. Chandler versicherte Hendrix regelmäßig, dass seine Gesangsstimme mehr als adäquat sei, bestärkte Jimi im Songwriting und wies auf vielversprechende Riffs hin wie die Tonfolge, die die Welt schon bald als „Purple Haze“ erkennen sollte.

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