Taja Jetsch Sonnentanz
Sonnentanz
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Taja Jetsch Sonnentanz

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„Nein, das glaube ich nicht. Tut mir leid. Ich bin übrigens Sam. Wenn Du mich brauchst, ich bin hier.“ Dann drehte Sam sich um und stapfte in die Bar.

„Wie? War das alles?“, rief Emily hinter ihm her. „Kein ‚Es tut ihm leid‘ heute?“

„Nein.“, sagte Sam, setzte sich an die Theke und bestellte bei Jens ein Bier.

„Es tut ihm also nicht mehr leid?!“

Sam

„Doch Emily. Es tut ihm leid. Aber das weißt Du doch mittlerweile und willst es nicht hören.“ Sam klang ärgerlich. „Also, was hast Du für ein Problem? Er möchte sich entschuldigen. Er möchte mir Dir reden. Er möchte erklären, was gewesen ist. Ich find das zwar keine gute Idee, aber was soll’s. Du gehörst zu ihm, nicht zu mir. Aber Du gibst ihm keine Chance. Also, was soll ich sagen, was Du wahrscheinlich noch nicht weißt?“ Sam drehte sich zur Bar und schnappte sich sein Bier. Er ließ Emily einfach stehen und nahm einen großen Schluck.

„Arschloch!“, murmelte Emily, als sie an ihm vorbei zur Bühne ging.

Sam lachte und schüttelte den Kopf. Da soll mir doch einer die Frauen verstehen. Erst wollte sie wochenlang nichts hören, mit keinem von ihnen reden. Und jetzt war sie beleidigt, weil er ihr nichts sagen wollte? Frauen!

*****

Emily

Ihr Problem war, dass sie – nach 4 Wochen Nachdenken und ausführlichen Gesprächen mit ihren Freunden, in denen sie immer wieder wiederholen musste, wer was wann gesagt hatte und was er gemacht hatte – nicht mehr zu 100% davon überzeugt war, dass er ein Stalker war. Vielleicht gab es doch eine andere Erklärung. Sicher half ihr dabei nicht, dass auch alle ihre Freunde nicht mehr davon überzeugt waren. Doch jetzt war sie bereit, mit ihm zu reden, ihm zuzuhören.

An diesem Wochenende sang sie zuerst Lieder wie „Rolling in the deep“ von „Adele“ oder „So what“ von „Pink“. Doch je weiter das Wochenende fortschritt, desto weicher wurden auch die Lieder. Bis sie zum Schluss „One and Only“ von „Adele“, „Who knew“ von „Pink“ oder Titel von „Roxette“ spielten.

Als am Sonntag “Just give me a reason” von “Pink und Nate Ruess“ erklang, waren viele erstaunt. Das war neu. Sie hatten noch nie Duetts vorgetragen, aber Chris übernahm den männlichen Teil und das war super. Als Chris Zeilen begannen, ging Emily mit ihrem Mikro zum Schlagzeug. An diesem Abend sangen sie viele Duette und den Gästen der Bar schien es zu gefallen.

Zum Schluss sang Emily noch ein Lied von „Adele“. „Hello“ klang durch den Raum und sie sah dabei Sam an. Nach den ersten Tönen stand auf einmal Drake neben Sam. Wo – um alles in der Welt – kam der jetzt her? Wie immer hatte sie das Gefühl, in seinen Augen zu versinken und sie sang jede Strophe nur für ihn. Doch als die letzten Töne verklangen, drehte Drake sich um und ging hinaus.

„Eins noch!“, rief Emily. „Das letzte Lied des Abends.“ Drake blieb in der Türe stehen. „Set fire to the rain“. Dann war er weg.

Montag

Pünktlich wie immer stand der Bote vor der Türe. Er hatte noch nicht wirklich geklingelt, da hatte Niki schon die Tür aufgerissen.

„Was gibt es heute?“, fragte Niki aufgeregt.

„20 rote Rosen. Aber nicht für Sie!“

„Oh, rote Rosen. Emily, komm her, rote Rosen für Dich.” rief Niki.

Emily nahm die Rosen entgegen. „Sind das etwa . . . ?“, fragend sah sie den Boten an.

„Ja.“ Vorsichtig legte er ihr 20 langstielige dunkelrote Baccara Rosen in den Arm.

„Die müssen ja ein halbes Vermögen gekostet haben.“ Emily schüttelte den Kopf.

„Oh ja!“, bestätigte der Bote. „Das haben sie!“.

Niki las die Karte vor: „Du hast mein Herz gewonnen. Ich bin verrückt nach Dir. Drake“ Niki lachte „Oh wie romantisch! Wo ist Dein Handy? Es muss gleich klingeln! Ich bin gespannt, was er diesmal schickt!“

*****

Donnerstag

Es war ihr freies Wochenende und Emily saß mit ihren Freunden auf der Terrasse. Die Sonne ging langsam unter und sie diskutierten darüber, wie es mit Emily und Drake weitergehen sollte.

„Ich finde, du solltest ihn anrufen. Seine Handynummer hast Du ja.“, meinte Rafe.

„Nein, auf keinen Fall!“, warf Sue ein.

„Der Meinung bin ich auch.“ Niki nickte. „Er muss sich melden.“

„Aber dann, Emily, musst Du ihm auch 'ne Chance geben!“, warf Chris ein. „Kein Rückzieher!“

„Ich weiß gar nicht, was ich ihm sagen soll.“ Emily holte tief Luft. „Ich will mich nicht bei ihm entschuldigen. Er hat sich doch wohl falsch verhalten!“

„Ja. Ja, das hat er.“ Alle stimmten ihr zu.

„Außerdem gehe ich nirgends mit ihm allein hin. Ihr müsst mich alle begleiten.“ Alle lachten.

„Also, wenn er jetzt anrufen würde, dann spreche ich mit ihm!“ Niki war sehr bestimmt.

Prompt klingelte Emilys Handy. Alle schauten sich an. Niki sprang auf und rannte ins Wohnzimmer, wo das Handy auf dem Tisch lag.

„Er ist es!“, rief sie.

„Ey, wie kann das sein? Hat der hier Wanzen versteckt?“ Bastian lachte.

Sue boxte ihn auf die Schulter. „Sag das nicht, sonst ist er doch ein Stalker!“

Emily hörte kaum zu, sie stand schon in der Türe und beobachtete Niki.

„Privatsekretärin von Emily und außerdem die Wand, an der DU erst mal vorbei musst! Was gibt’s?“ Niki hörte zu. „Nein, kannst Du nicht, Du musst schon mit mir sprechen.“ Pause. „Ok, warte.“ Sie hielt das Handy an ihren Bauch. „Emily, morgen Abend schon was vor?“ Emily schüttelte den Kopf. „Ja!“ Niki sprach wieder ins Handy. „Das geht. Wo?“ Pause. „Nein, auf keinen Fall! Wir kommen.“ Pause. „Ok, sieben Uhr?“ Pause. „Und Drake? Keine Fehltritte! Und – wir kommen ALLE mit, nur dass Du es weißt. Also reserviere einen großen Tisch. Wir sind . . .“ Niki zählte durch: „Eins, zwei, drei . . . sechs.“ Damit legte sie auf.

9.

Drake

Drake hatte bei dem kleinen Italiener den ganzen Wintergarten angemietet. Geld spielte keine Rolle, er musste sie zurückgewinnen. Irgendwie. Was er ihr sagen wollte, wusste er immer noch nicht genau.

„Sie kommt.“ Er hob die Nase in die Luft. Er roch . . . Lilien, Wald, Sie. Aufregung, Schweiß. Aber auch Angst. Wenn sie ihn doch nur so wahrnehmen könnte wie er sie, dann wüsste sie, dass auch er Angst hatte.

Emily

„Emily.“ Jared empfing sie und bot ihr seinen Arm an. „Schön, dass Du da bist.“

„Jared.“ An der Tür standen die anderen. Klar, als würde er alleine kommen. „Seid ihr eigentlich siamesische Fünflinge?“, wunderte sich Emily.

„Nein. Hallo Emily.“, sagte Maddox und hielt ihr die Hand hin. „Du zitterst. Emily, er hat auch Angst, genau wie Du. Du bist ihm sehr wichtig.“ Jared brachte sie zu Drake.

Der Wintergarten, in den Jared sie brachte, war mit hunderten von Kerzen geschmückt. Hinten links stand ein kleiner runder Tisch, an dem Drake stand. In der Hand hatte er eine einzelne rote Rose. Jared ließ Emily los und schubste sie regelrecht in den Raum.

Drake kam mit ausgestrecktem Arm auf sie zu. „Emily.“ Sie legte ihre Hand in seine. Ihr Herz klopfte allein bei seinem Anblick einen Takt zu schnell und sie musste schlucken. Es war total bescheuert, aber wenn sie in seine Augen sah, vergaß sie alles um sich herum. Sie sah nur noch ihn. Sie versank in seinen Augen, als würde sie in einem warmen Meer baden. Emily wusste es nicht, aber für Drake war es ähnlich. Nur dass er ‚nach Hause kam‘, wenn er sie ansah.

Nun saßen sie an dem kleinen Tisch, tranken Rotwein und ihre Vorspeise hatten sie aufgegessen. Am anderen Ende des Wintergartens saßen ihre Freunde zusammen an einem großen Tisch und dort wurde schon gelacht. Sie verstanden sich gut.

*****

Drake

„Puh.“ Drake rieb seine Handflächen über seine Beine. „Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Ich . . .“ er holte tief Luft. „Ich fang einfach an, wahrscheinlich wird’s durcheinander.“

„Du bist nervös?“, bemerkte Emily erstaunt.

„Ähm, ehrlich gesagt, ja. Total.“

„Ok, pass auf. Du kannst mir alles sagen. Ich will hören, was Du mir zu sagen hast. Also, alles was Du bereit bist, mir zu erzählen. Ich hoffe sehr, dass Du mich nicht anlügst. Aber ich bin hier, um Dir zuzuhören. Du musst mir nur eines versprechen, Du musst mir die Wahrheit sagen.“ Emilys Stimme zitterte leicht.

„Mmh, gut. Ich verspreche es. Wobei, ich hab Dir schon immer die Wahrheit gesagt. Aber egal. Also, als Erstes: Ich bin kein Stalker! Obwohl ich gestehen muss, dass es sich wahrscheinlich für Dich so anfühlt. Ich kann Dir einiges noch nicht erklären – noch nicht! – aber das liegt daran, dass ich mir über einiges selbst erst mal sicher sein muss. Es liegt also nicht an Dir! Ich habe mich lange mit den Jungs unterhalten und mit meinem Vater fast zerstritten, bis meine Mutter eingriff. Als ich Dich im letzten Jahr gero . . .“ Er unterbrach sich selber. „. . . gesehen habe, als ich Dich gesehen habe – ich kann es nicht erklären, aber ich fühlte mich sofort zu Dir hingezogen. Und dann habe ich Dich gesucht und nicht gefunden. Fast drei Monate lang. Mein Vater hat Ärger gemacht und die Jungs wollten weiter. Aber ich konnte nicht. Ich wollte nicht. Ich wollte erst Dich finden. Und dann hab ich Dich gefunden, in der Bar. Schon letztes Jahr. Aber ich konnte mich Dir einfach noch nicht vorstellen. Und ja, seitdem versuche ich, Dir nahe zu sein. Und wenn ich nicht konnte, hab ich einen von ihnen . . .“, Drakes Kopf ging nach links, „. . . geschickt. Damit sie auf Dich aufpassen.“

„Also doch.“, flüsterte Emily atemlos.

„Warte! Verurteile mich nicht. Bitte. Es ist so, ich komm aus Montana, Amerika. Das hört man wohl.“ Emily lächelte und nickte mit dem Kopf. „Ich musste dann also erst einmal einigermaßen Deutsch lernen. Ich habe mir eine Wohnung gesucht am Bodensee. Wir haben in Reichenau ein Haus gefunden. Die Insel liegt im westlichen Teil des Bodensees, dem Untersee, zwischen Konstanz und Radolfzell und ist die größte Insel im Bodensee. Wusstest Du, dass sie seit 2000 mit dem Kloster Reichenau sogar auf der UNESCO-Liste des Welterbes verzeichnet ist? Na ja, jedenfalls musste ich auch zurück. Mit meinem Vater reden, er hatte schon Ärger gemacht. Es ist so, Emily, ich bin zwar kein richtiger Indianer, aber wir stammen irgendwie von den Blackfeet ab. Und wir leben in so was Ähnlichem wie in einem . . . Stamm oder Clan. Mein Vater ist sozusagen der Häuptling, also der Clanführer und ich sein ältester Sohn. Ich hab nur eine jüngere Schwester, Migina Rozene Mirani, was so viel heißt wie ‚Rückkehrender Mond ist schön wie eine Rose und Dein Schicksal‘. Wir sagen aber alle Mira zu ihr. Ich werde also irgendwann die Rolle meines Vaters übernehmen müssen. Wir sind ein alter Stamm und haben eher selten Kontakt zu der Außenwelt. Nicht, dass wir hinter dem Mond leben. Viele von uns haben Häuser und Autos, Strom und fließend Wasser, Internet und Handys. Und wir haben auch Freunde außerhalb. Trotzdem versuchen wir unter uns zu bleiben. Unser . . . Stamm ist sehr groß und auch sehr alt. Wir haben viele Traditionen und Rieten.“ Er nahm einen Schluck aus seinem Glas. Sein Essen war fast kalt geworden.

Erzählte er zu Anfang noch sehr langsam, strömten nun die Worte aus ihm raus.

„Mein indianischer Name ist Mingan Chowilawu Drakawe, was so viel wie ‚Wolf, vom Wasser zusammengefügter Drache‘ heißt.“ Er lachte. „Ja, frag mich nicht. Eltern. Aber wir jungen Leute tragen unsere Indianernamen nicht mehr wirklich, nur zu offiziellen Anlässen, wie z.B. zum Sonnentanz. Das ist ein großes Fest bei uns, bei dem ich dieses Jahr das erste Mal nicht dabei war. Das ist für meine Familie hart. Ich hab nämlich auch schon das Fest der heiligen Pfeife verpasst. Es hat also zu Hause mächtigen Ärger gegeben. Es ist nämlich sehr wichtig, dass ich immer dabei bin, um den mir zustehenden Platz zu verteidigen. Also wir kämpfen. Normalerweise ist das nur sowas wie ein Schaukampf, aber manchmal auch wirklich ernst. Und dieses Jahr hätten das entweder mein Vater oder meine Schwester für mich übernehmen müssen. Ich hatte Jared als meinen Vertreter ausgesucht. Aber auch das musste ich klären.

Die Jungs da hinten, die kenne ich schon mein Leben lang. Wir sind zusammen groß geworden und haben schon als Kinder miteinander gespielt. Und ja, Du hast Recht. Sie sind nicht nur meine Freunde, sondern tatsächlich sowas wie meine Leibwache. Sie dürfen mich gar nicht allein lassen.

Ok, also da haben wir Jared. Er heißt Wambli-Waste Jaredow, guter herabsteigender Adler. Maddox wird Ohanko Mahddolx – rücksichtsloser Königssohn genannt. Tristan ist blond, sehr ungewöhnlich bei uns, aber es kommt vor. Deshalb heißt er Muraco Triwatan – weißer stiller trauriger Mond und als letzter Sam. Er heißt Mojak Samuwok. Das bedeutet so viel wie Nie stiller Geist wurde erhört. Und das passt auch zu ihm.“

„Emily.“, seine Stimme wurde ganz sanft. „Manche von uns suchen ihr ganzes Leben danach, aber manche von uns finden einen . . . finden die eine Person, mit der sie ihr Leben lang verbunden bleiben. Und dann kann die beiden nichts auf der Welt mehr trennen. Und Frauen bei uns werden einfach immer noch gut beschützt, denn sie sind unser Leben.“ Drake sah ihr lange in die Augen. „Emily, verstehst Du, was ich Dir sagen will?“

Emily wandte den Blick ab. Mittlerweile stand Dessert vor ihnen und Emily stocherte in ihrer weißen Mouse. Sie sah ihn nicht einmal mehr an. Draußen war es nun fast ganz dunkel, es war spät geworden.

Drake holte tief Luft. „Also ja, ich habe Dich beobachtet. Wenn Du es so ausdrücken willst, Dich verfolgt. Aber in guter Absicht, nicht in böser. Du bist so klein und zart und weich. Ich wollte Dich nur beschützt wissen.“ Er griff über den Tisch und nahm ihre Hand. „Ich hätte Dir sicher einiges davon früher sagen müssen. Aber wann? Es ging alles so schnell! Wenn Du in meiner Nähe bist, vergesse ich alles. Ich vergesse, dass ich ein großer starker und böser . . . Krieger bin.“

„Böse?“, fragte Emily.

„Nicht bei Dir!“ antwortete Drake schnell „Nur bei unseren Feinden.“

„Ihr habt immer noch Feinde?“ Emily klang erstaunt.

„Ja, leider. Aber das ist eine andere Geschichte, Emily, die ich Dir später mal erzählen werde. Hast Du Fragen?“

„Eigentlich nicht. Aber, wenn ich ehrlich bin, verstehe ich immer noch nicht, wieso Du mich seit – seit wann? Einem Jahr? – mehr oder weniger beschatten lässt. Nein, entschuldige, Du ‚beschützt‘ mich ja. Was, glaubst Du, ist das Problem? Das Du halber Indianer bist? Ich versteh’s einfach nicht.“

Hilfesuchend drehte Drake den Kopf und sah Jared an. Wieso war es nur so schwer, es zu sagen? Weil er es sich dann selber eingestehen musste? Er war sich doch schon so gut wie zu 100% sicher.

„Emily, Du machst es mir wirklich nicht leicht. Muss ich es wirklich aussprechen? Ich . . .“, fahrig fuhr er sich mit der freien Hand über das Gesicht und durch die Haare.

„Wenn Du noch was zu sagen hast, dann sag es. Erkläre es mir, dass ich es verstehe, Dein Verhalten, sonst will ich jetzt gehen.“ Emily legte den Löffel hin. Es sah aus, als würden sich Tränen in ihren Augen bilden. Sie blinzelte sie weg. Sie würde nicht weinen. Nicht vor ihm.

Drake schüttelte den Kopf. „Also gut. Damit offenbare ich Dir mein Herz. Ich lege es in Deine Hände, Emily, und Du kannst mich töten. Sieh mich an.“ Drake ahnte nicht, dass es für Emily schwer war, in seine Augen zu sehen und sich dann auf etwas anderes zu konzentrieren, wie z.B. zuhören. Aber sie hob den Blick und sah ihn an. Drake schluckte „Emily, ich würde Dir nie weh tun. Ich würde Dich niemals absichtlich verletzten. Emily, ich glaube, dass Du ‚DIE EINE‘ für mich bist. Die Eine, nach der ich mein Leben lang gesucht habe. Die eine, mit der ich für den Rest meines Lebens zusammen sein werde. Das heißt auch, wenn ich Dich verliere, dann sterbe ich und das mein ich Ernst. Das ist keine Floskel. Wieso ich das weiß? Ich kann es Dir nicht sagen. Das ist der Grund, warum ich Dich beschützen will und muss. Dir darf nichts passieren. Du bist mein Leben.“

„Lass ihr Zeit.“, sagte Bastian zu ihm, als sie das Lokal verließen. Was sollte er auch sonst tun? Nun hatte sie den Spielball und war am Zug.

*****

Emily

Nachdem Emily versuchte hatte, sich an alles zu erinnern, was Drake ihr erzählt hatte und ihren Freunden ausführlich berichten musste, lag sie nun in ihrem Bett. Allein. Wach. Sie hatte immer noch seine Stimme im Ohr. „Verstehst Du, was ich Dir damit sagen will? Du bist mein Leben. Du bist die Eine für mich. ‚Die Eine.‘ DIE Eine. ‚Zusammen sein werde‘ hatte er gesagt, nicht ‚Zusammen sein möchte“. Sie schlief ein.

Und träumte. Von ihm. Wie er sie ansah, seine Augen verwandelten sich in ein Meer, in das sie hinein lief und dann fast ertrank. Jemand rettete sie. Ein Indianer mit langen schwarzen Haaren und Federkopfschmuck, bunt bemalt. Aber er hatte seine Augen. Er hielt sie im Wasser fest, dann standen sie am Strand. Er küsste sie. Er ließ sie los und sie wurde von ihm weggezogen. Nun stand sie in einem Tipi. Riesengroß und brechendvoll. Sie sah nur halbnackte Indianer. Ihre Blicke suchten ihn, doch sie fand ihn nicht. Als sie sich umdrehte, stand sie vor einer Art Arena. In der Mitte waren zwei Männer. Drake. Sie hatten beide Speere in der Hand. Der andere Indianer lag auf dem Boden und Drake beugte sich über ihn. Da stieß der, der am Boden lag, Drake den Speer in die Brust und Drake brach zusammen. Sie schrie auf, schrie seinen Namen, wollte zu ihm. Doch sie war umringt von Indianern. „Du bist keine von uns!“, sagten sie. „Du bist keine von uns!“ Es klang wie eine Formel. Sie rief nach ihm, rief seinen Namen. Dann stand sie vor dem Zelt, es gab keinen Weg zurück.

Zitternd und weinend erwachte sie. Sie erkannte, sie war auf dem besten Wege sich in ihn zu verlieben.

10.

Emily

Emily hatte die Terrassentüre weit geöffnet, um die Wärme in die Wohnung zu lassen. Die Musik war laut und sie stand singend und tanzend auf der Terrasse, wo sie den Tisch deckte oder kochend in der Küche. Am Vormittag hatte sie ihn per WhatsApp gefragt, ob er am Abend zum Essen kommen wollte. Und er hatte ja gesagt. Nein, sie hatte nicht alles verstanden, was er gesagt hatte. Also eigentlich schon, aber den ‚wahren‘ Hintergrund, davon war sie fest überzeugt, kannte sie immer noch nicht. Aber wenn sie ihn auf Abstand hielt, sich nicht auf ihn einließ, würde sie es nie erfahren. Wenn er ihr das Herz brechen wollte, würde er es tun. Ihr war klar, dass es für sie sicherlich mit jedem Tag, den sie mit ihm verbrachte, mehr schmerzen würde. Aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Wenn er ihr Herz brechen würde, würde sie . . . ja, sie würde wieder aufstehen. Sie würde nicht untergehen. Monrose sangen grad ‚This is me‘ und sie sang lauthals mit. Genau. Das bin ich! Und ich lasse mich nicht unterkriegen.

Nun saßen sie auf ihrer Terrasse, aßen, lachten, redeten. Es war, als hätte es die letzten Wochen nicht gegeben. Er erzählte ihr von seiner Heimat, von Montana, dort wo sein Clan lebte.

Das 1.6 Millionen Acres große Blackfeet Reservat befand sich im äußersten Norden von Montana. Das Gebiet grenzte an die Rocky Mountains und den Glacier National Park und dehnte sich nach Osten auf die Plains aus. Überall in dieser Gegend, erzählte er, sah man die farbenprächtigen Tipi's der Blackfeet in saftig grünen Wiesen oder an Flussufern stehen. Bedingt durch den angrenzenden Park, der Grenze zu Canada und einigen geschützten Wildnis-Gebieten lebten die Blackfeet in einem landschaftlich reizvollen Gebiet. Es gab Seen und Flüsse, die so idyllisch lagen, dass man sich fast in die guten alten Tage des Stammes zurückversetzt fühlen konnte.

Browning war die Hauptstadt der ca. 8000 Blackfeet im Reservat und etwa der gleichen Anzahl von Indianern, die außerhalb des Reservats lebten. Der Ort bot eines der besten Stammesmuseen, das Museum der Plains Indianer, und war jährlich am 2. Wochenende im Juli Veranstaltungsort der North American Indian Days, eines der größten indianischen Treffen in den USA.

Der Stamm der Blackfeet bestand aus vier verwandten Stämmen zu denen die Piegan oder Pigunni in den USA und die Northern Piegan, Bloods und Blackfeet von Canada gehörten. Die Gruppe seines Stammes hatte sich irgendwann 1866/67 von den anderen gelöst, nachdem Red Cloud, ein anderer einflussreicher Oberhäuptling, in einem Guerillakrieg zwischen 1865 und 1868 die US-Truppen gezwungen hatte, ihre Forts am Powder River zu räumen. Seitdem war ihre Gruppe eigenständig.

Emily hörte zwar zu, aber sie konnte gar nicht alles, was er erzählte, behalten. Aber er hatte eine schöne Stimme. Tief und warm. Sie sah ihn nur an, versuchte, sich jedes Detail zu merken. Seine tiefschwarzen, zotteligen Haare. Seine blauen Augen, die von langen Wimpern umrahmt wurden. Wieso hatten immer die Männer solche Wimpern? Dass seine Lippen weich waren, wusste sie. Er war Indianer, wahrscheinlich hatte er deswegen so wenig Körperbehaarung. Er trug heute ein weißes Hemd, das er locker über einer dunklen Jeans trug. Die Ärmel waren hochgekrempelt und die ersten beiden Knöpfe standen offen. Es war Mitte Juli und es war wirklich heiß die letzten Wochen gewesen. Sie hatten einen schönen Sommer, hoffentlich blieb das noch ein paar Wochen so. Heute trug er Turnschuhe. Einen Arm hatte er locker über die Lehne gelehnt, während er mit dem anderen immer wieder gestikulierte. Sie schaute auf seine Hände, die groß waren und stark aussahen und doch so zärtlich sein konnten. Ihr Blick ging zurück zu seinem Gesicht und blieb an seinen Lippen hängen.

Seine Lippen, wie sie sich auf ihrem Körper angefühlt hatten. Ihre Gedanken schweiften ab. Wann sie sie wohl das nächste Mal auf ihrem Körper spüren würde? Sie konnte nichts dafür. Es war einfach eine Reaktion, aber sie spürte, wie es zwischen ihren Beinen zu kribbeln begann, ihre Perle zu pochen anfing und sie feucht wurde. Irgendwann bemerkte sie, dass sich seine Lippen nicht mehr bewegten.

Drake

Drake hatte sich fast wie ein junger Welpe gefreut, der etwas Neues zum Spielen bekam, als sie ihn angeschrieben hatte. Nun saß er bei ihr und erzählte von seiner Heimat. Er war ein guter Beobachter und bemerkte sofort, als ihre Aufmerksamkeit nachließ. Während ihr Blick über seinen Körper ging, stand er schon in Flammen. Aber er hatte sich für heute vorgenommen, sie nicht anzufassen, ihr nicht zu nahe zu kommen. Er wollte wirklich, dass das mit ihnen funktionierte und deshalb wollte und musste er es langsam angehen. Wobei er sich nicht wirklich sicher war, wie lange er sich zurückhalten konnte, bis er – endlich – mit ihr schlafen würde. Ihre Reaktion blieb von ihm nicht unbemerkt. Sofort hatte er einen trockenen Mund und eine Erektion. Er brach mitten im Satz ab und sah sie nur an.

Drake glaubte, dass sich Emily heute bemüht hatte, nicht aufreizend zu sein, sondern ganz normal. Ihre Haare hatte sie einfach locker zusammengefasst. Sie trug eine Jeans, die Drake schon fast als zu eng bezeichnet hätte und ein weißes Achselshirt. Er hätte schwören können, dass sie sowas wie einen Oma-BH trug und sicherlich auch eine entsprechende Hose. Vorbereitung war schließlich alles. Als Mann ging man nicht heiß zu einem Date, sondern verschaffte sich vorher Erleichterung. Ob man das als Frau auch tat, wusste er nicht. Aber: Als Frau zog man sich, wenn man sicher gehen wollte, dass nichts passieren würde, einfach Oma-Unterwäsche an. So einfach war das. Emily war nicht geschminkt und hatte kein Parfüm benutzt. Er war sich nicht sicher, ob er eine Creme an ihr roch, aber mehr auch nicht. Nur ihr unverfälschter Duft. Und genau das war es, was sie für ihn unwiderstehlich wirken ließ.

Emily

Als Emily bemerkte, dass Drake nicht mehr sprach, sah sie wieder in seine Augen. Drake sagte leise ihren Namen.

„Oh, entschuldige, ich . . . nicht das Du glaubst, das wäre langweilig, was Du mir erzählst, aber ich . . .“, sie redete viel zu schnell und verhaspelte sich. Dann griff sie nach ihrem Wasser und nahm einen großen Schluck. „Ich hab noch selbstgemachtes Eis da. Magst Du?“

Zusammen gingen sie in die Küche und Emily sagte Drake, wo er Eisschalen finden konnte, während sie das Eis aus dem Gefrierschrank holte. Gemeinsam verteilten sie das Eis in die Schalen. Dabei konnten sie nicht verhindern, dass sich ihre Finger berührten, auch wenn sie es versuchten. Jedes Mal hielten sie kurz inne, sahen sich an. Dann berührten sich ihr Hände ein paar Mal absichtlich und sie begannen, in der Küche rum zu blödeln. Emily hatte das Gefühl, dass die Schwere der letzten Wochen abfiel. Sie schmierte ihm mit dem großen Löffel Eis auf die Nase und lachte. Das ließ Drake sich nicht gefallen und schnippte Eis in ihre Richtung. Patsch, mitten auf die Stirn. Sie lachten. Dann tauchte Emily zwei Finger in das Eis. Drake hob abwehrend die Arme. „Oh nein, oh nein“, rief er lachend. Doch als sie mit dem Eis an den Fingern auf ihn losging, tauchte auch er seine Finger ins Eis.

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