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Karen Grace Holmsgaard ...und im Luftschloss wird es kühl
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Meine Hunde sind zwei Jungs, zwei Golden Retriever und sie haben hier Auslauf in Hamburg, und zwar direkt an der Elbe. Ich hoffe, in Berlin das Passende für sie zu finden. Mit Deiner Hilfe, mein Engel?
Ich weiß, Du bist nicht auf der Suche, aber Dein grandioser Körper gehört in die Arme eines Mannes, glaube mir.
David
Sabine schloss ihren Account bei Facebook, fuhr den Laptop herunter und ein hartnäckiges Grübeln setzte ein. Scammer oder nicht, das war hier die große Frage.
Für einen Scammer sprachen die vielen Komplimente und die Tochter in einem Internat. Gegen einen Scammer sprachen das ausgezeichnete Deutsch und die Mutter in Deutschland. Abgesehen davon waren Scammer meistens verwitwet, soweit ihr bekannt war. Was nun? Sabine wusste es nicht. Später ließ sie diesen Samstag in aller Ruhe ausklingen.
Tag drei
(Sonntag)
Am nächsten Tag erwachte Sabine, als es schon hell war. Sie hatte keine Lust mehr in den Federn zu liegen. Ihre Morgentoilette und das Anziehen schaffte sie allein, auch wenn es nur langsam voranging. Gerade wollte sie sich ihren morgendlichen Pott Kaffee brühen, als es klingelte. Sabine spähte durch den Türspion und öffnete, als sie ihre Nachbarin Frau Spaltholz erblickt hatte.
„Guten Morgen Frau Bethke ich habe Ihnen wieder Brötchen mitgebracht. Wenn Sie möchten, werde ich das auch weiter tun. Ich gehe ohnehin jeden Morgen zum Bäcker, ist ja nicht weit. Die Tageszeitung kann ich Ihnen, bei Bedarf, auch aus dem Briefkasten holen.“
Sabine freute sich, lächelte und erwiderte: „Das ist lieb von Ihnen, Frau Spaltholz, Ihr Angebot nehme ich sehr gern an. Und ich werde mich auch erkenntlich zeigen, ist versprochen.“
„Ja, ja, das machen wir schon, werden Sie erst mal wieder gesund und lassen Sie sich Ihr Frühstück schmecken.“
Dann verabschiedete sich die freundliche Nachbarin. So, jetzt habe ich einen Brötchenexpress, frohlockte Sabine, während sie sich ihr Frühstück machte. Morgen werde ich mit dem Pflegedienst telefonieren, dann leiere ich das mit der Haushaltshilfe an. Vorsichtig auftretend trug sie ihr Frühstück ins Wohnzimmer. Obwohl es ihr in den Fingern juckte, ließ sie ihren Laptop zunächst aus und frühstückte in Ruhe. David hatte ihr sicher nicht geschrieben, denn sie war mit einer Mail an der Reihe.
Nach dem Frühstück, trug sie das Geschirr in die Küche. Abwaschen konnte sie später. Jetzt schnell ins Wohnzimmer und ran an den Laptop! Ungeduldig fuhr Sabine ihn hoch und öffnete ihren Account bei Facebook. Wider Erwarten fand sie eine Nachricht von David.
Guten Morgen, mein Liebling!
Ich hoffe, Du hast gut geschlafen. Du fehlst mir…
David
Sabine wurde warm ums Herz und sie entschloss sich, David sofort zu antworten.
Guten Morgen und vielen Dank für Deine lieben Mails. Ich habe gut geschlafen, danke der Nachfrage.
Mit Deinen dreiundfünfzig Jahren bist Du ein Jahr älter als ich. Und ich habe gestaunt, dass Du eine Tochter hast. Aber das ist schon okay. Überraschender finde ich Deine Komplimente. David, wir kennen uns doch erst seit wenigen Tagen, warum raspelst Du so ein Süßholz?
So etwas kenne ich von Männern aus Deutschland nicht und von einem Briten hätte ich mehr höfliche Zurückhaltung erwartet. Deine Komplimente schmeicheln mir, aber ich halte sie für übertrieben. Allerdings gefällt mir, dass Du so eine gradlinige Lebensplanung hast. Mache immer alles Schritt für Schritt und plane mich bitte nicht zu fest ein. Zumal zwischen meinem Wohnort und Berlin Spandau etwa eine Stunde Fahrzeit mit dem Auto liegen. Du weißt selbst, Berlin ist groß.
Und um Wohnraum solltest Du Dich besser allein kümmern. Ich habe eine Wohnung und muss nicht versorgt werden. Diese Wohnung ist nicht für zwei große Hunde geeignet. Du weißt am besten, was Deine Tochter, zwei Hunde und Du benötigen.
Und bevor Du mit mir weitere Pläne schmiedest, solltest Du mich erst einmal persönlich kennenlernen, findest Du nicht?
Wenn Du nach Berlin gezogen bist und den gröbsten Stress hinter Dir hast, können wir uns gerne einmal treffen. Vielleicht in einem guten Café, oder auf dem Reiterhof meiner Freundin. Und dann können wir weitersehen, was aus uns beiden wird.
Vielleicht passen wir in der realen Welt gar nicht zueinander. Damit solltest Du rechnen.
Gruß Sabine
Sabine überlas die Nachricht, dann schickte sie die Mail auf die Reise.
Anschließend schloss sie ihren Account bei Facebook und sah das E-Mail-Postfach ihres Providers durch. Hatte ihr Chef, der freundliche Herr Lenz, an sie gedacht und ihr ein bisschen Arbeit geschickt? Oh ja, er vergaß seine Mitarbeiterin, die seit Jahren zuverlässig für ihn arbeitete, nicht.
Ohne zu zögern öffnete Sabine den Anhang der Mail und besah sich den Text, den ihr Chef geschickt hatte. Keine Hürde, diesen Text zu überarbeiten war keine große Sache, zumindest nicht für Sabine.
Doch dann meldete sich ihr Smartphone, genauer gesagt WhatsApp.
Monika! Ein paar Zeilen nur mit dem Versprechen, ihr heute Obst und Gemüse zu bringen. Wahrscheinlich hatte sie wieder auf ihrem Reiterhof zu tun. Monika mangelte es oft an Zeit und manchmal konnte sie ruppig werden. Aber wenn Freunde von ihr Hilfe brauchten, war sie stets zur Stelle.
Mit großem Eifer widmete sich Sabine dann der Aufgabe, die ihr Herr Lenz geschickt hatte. Sie wollte ihren guten Willen beweisen, auch wenn sie heute sicher nicht alles schaffen würde. Aber Sabine kannte ihren Chef gut, er würde gewiss Verständnis dafür haben. Das Schellen der Türglocke riss Sabine aus ihrer Arbeit. Umsichtig speicherte sie ihre Aufzeichnungen ab und begab sich zur Tür.
„Futterexpress“, brüllte Monika in die Wechselsprechanlage und Sabine öffnete die Haustür. Dann öffnete sie ihre Wohnungstür und hörte ihre Freundin die Treppe hochkommen. Im Hausflur trompetete Monika los: „Na Du krankes Suppenhuhn? Ich hoffe Du wirst bald wieder!“ Monika konnte schon manchmal etwas peinlich werden.
„Komm erst mal rein und dann erzähle ich Dir alles“, meinte Sabine. Monika stapfte in Sabines Wohnung und betrat sofort die Küche. Sabine verschloss die Wohnungstür und schaute staunend ihrer Freundin zu, die eine große Tasche auspackte. Orangen, eine kleine Honigmelone, eine Ananas, Tomaten, Gurken, Paprikaschoten und Zwiebeln kamen zum Vorschein.
„Ich dachte Obst zum Frühstück und Gemüse mittags, oder abends, wie Du magst“, erklärte Monika und fuhr fort: „Und heute zum Abendbrot hätte ich für Dich das hier.“
Monika beförderte eine große Plastikschüssel zutage. „Balsamico Linsen, hatten wir gestern zum Abendbrot und es ist so viel übriggeblieben.“
„Super“, freute sich Sabine, „möchtest Du einen Kaffee?“
Monika schüttelte den Kopf. „Leider muss ich gleich wieder los, die Pferde. Aber ich kann Dich mal auf meinen Hof holen. Wetter ist doch noch toll und Du magst doch Pferde noch immer, oder?“
„Na klar“, erwiderte Sabine freudig, „das können wir machen und mach Dir keine Sorgen wegen Deiner Hufeisenträger. Ein einziger Sturz macht noch keinen Pferdefeind.“
Monika zog ihre modische Jacke gerade. „Lass Dir die Linsen schmecken und wenn was ist, einfach eine WhatsApp.“
Monika verabschiedete sich von ihrer Freundin mit einer Umarmung und verschwand. Ein bisschen verloren blieb Sabine in der Küche zurück. Noch hatte sie keinen Appetit auf die Linsen. Stattdessen kehrte sie zu ihrem Laptop zurück und schaute bei Facebook vorbei. Keine Nachricht von David…
Ein wenig enttäuscht schloss Sabine alle Anwendungen, fuhr den Laptop herunter und klappte ihn zu. Morgen ist ein neuer Tag, dachte sie.
Tag zehn
(Sonntag)
In den vergangenen Tagen hatte sie nichts mehr von David gehört. Täglich hatte sie bei Facebook vorbeigeschaut, aber das Postfach blieb leer. In den ersten zwei Tagen war sie enttäuscht, dann zuckte sie nur gleichgültig mit den Schultern. Hatte sich diese kleine Episode erledigt? Auch ohne David Silverstone hatte Sabine zu tun. Da gab es genug Termine bei der Hausärztin und der Physiotherapie.
War Sabine zuhause, erledigte sie kleine Arbeiten für den Verlag im Homeoffice, las oder strickte. Manchmal führte sie einen Plausch mit ihrer Haushaltshilfe, auf die sie sich verlassen konnte. Langweilig wurde ihr nur selten.
Monika ließ sie nicht im Stich, fuhr mit ihr zur Sparkasse und versorgte sie mit Lebensmitteln. Sabine war froh, sich bei ihrer Freundin ehrlich machen zu können, denn sie hatte nicht gerne Schulden. Ein Besuch auf dem Reiterhof hatte sich zwar nicht ergeben, aber Sabine hatte im Laufe ihres Lebens gelernt, geduldig zu sein. Und so kam es, dass sie an diesem Sonntagnachmittag allein zuhause war. Kein Problem für die junge Frau. Sabine beschloss, sich einen Kaffee zu machen. Dann ist es doch gleich gemütlicher, dachte sie, während sie sich das Getränk aufbrühte. Vorsichtig trug sie ihren Kaffeepott ins Wohnzimmer und machte es sich wieder auf der Couch bequem.
Lustlos klappte sie ihren Laptop auf, fuhr ihn hoch und öffnete einige Anwendungen.
Zögernd loggte sie sich bei Facebook ein. Eigentlich erwartete sie nichts und so staunte sie nicht schlecht, als sie eine Nachricht von David vorfand. Und was für eine, Sabine traute ihren Augen kaum!
Liebe Sabine!
Lange habe ich überlegt, ob ich es Dir schreiben soll, aber jetzt tue ich es! Erst vor kurzem erst haben sich unsere Wege gekreuzt – mir kommt es aber so vor, als ob wir uns schon ewig kennen. Ich kann meine Gefühle zu Dir kaum in Worte fassen. Wie konnte ich so lange ohne Dich existieren?
Ich weiß es nicht…
Hier muss der liebe Gott geholfen haben, denn nur er kann vollkommene Dinge schaffen. Jede freie Sekunde denke ich an Dich – und selbst in meinen Träumen hast Du Besitz von mir ergriffen. Das habe ich in den letzten Nächten immer wieder erlebt.
Du bist wirklich das Wunder, auf das ich gewartet habe! Du bist der Engel, den Gott mir geschickt hat, ich bin mir sicher! Ich hoffe, ich habe Dir gefehlt und Du empfindest etwas für mich. Dann sind wir beide auf einem guten Weg. Einem gemeinsamen Weg, der uns durch viele kleine und große Abenteuer führen wird. Ich freue mich darauf, ihn mit Dir zu bestreiten. David
Der spinnt, überlegte Sabine und entschloss sich, David wieder nicht lange auf eine Antwort warten zu lassen. Und so flogen ihre Finger über die Tastatur.
Mein lieber David!
Sehr gefreut habe ich mich, wieder von Dir zu hören und ich muss Dir recht geben, wir kennen uns nicht lange. Und wir kennen uns lediglich von einigen wenigen Fotos und Mails.
Da schon von Liebe sprechen? Viel zu früh und schon gar nicht mit mir, denn ich suche keinen Partner, ehrlich nicht. Ich habe nicht vor, mich erneut zu binden. Vielleicht hattest Du etwas getrunken, als Du mir Deine letzten Zeilen geschrieben hast, ich weiß es nicht.
Verrenne Dich bitte nicht in eine Sache, die vielleicht nie sein wird. Seit einem Jahr bin ich geschieden und ich habe mich auf mein Leben als Single eingestellt.
Und weißt Du was? Es geht mir gut dabei! Warum sollte ich jetzt wieder alles über den Haufen werfen? Denke einfach einmal in Ruhe darüber nach. Vor allen Dingen sollten wir nichts erzwingen, lieber David. Du siehst auf Deinen Fotos gut aus. Deine Hunde gefallen mir und Dein Schreibstil. Aber zu einer dauerhaften Beziehung voller Liebe gehört doch mehr, oder?
Gruß Sabine
Hastig schickte Sabine die Mail auf die Reise, ehe sie am Text etwas ändern konnte. Ihren Account bei Facebook ließ sie geöffnet, David würde sich sicher nicht so schnell melden. Und so vertiefte sich Sabine in ihre Zeitschrift.
Doch sie hatte sich verschätzt, denn der Messenger von Facebook verkündete, dass eine Mail von David eingetroffen war.
Meine liebe Sabine!
Warum bist Du so abweisend? Ich habe Dir doch nichts getan.
Und erzähle mir nicht, dass Du keinen Partner möchtest und keinen neuen Mann an Deiner Seite brauchst. Jeder Mensch braucht jemanden, alles andere ist gelogen.
Ich selbst bin ein aktiver Mann und habe nicht so schnell vor, alt zu werden. Noch helfen mir nur meine Hunde dabei. Alicia und Du, Ihr könntet das schnell ändern. Ich bin spontan und ich liebe Überraschungen, Ausflüge und Erkundungen aller Art. Und ich bin ein Romantiker durch und durch.
Nie werde ich die Hoffnung aufgeben, Dir zu zeigen, wie viel Du mir bedeutest und ich würde das Gleiche von Dir im Gegenzug erwarten. Genau wie Du bin ich ein Familienmensch. Ich möchte lieben und stark sein.
David
Und wieder antwortete Sabine sofort, sie konnte nicht anders.
Mein Entschluss steht fest. Da meine Kinder erwachsen sind, muss ich keinen Partner mehr haben. Ich genieße meine neue Freiheit und lebe in erster Linie für meinen Job, meine Kinder und meine Hobbys.
Deine Komplimente ehren mich. Aber ich schrieb schon, ich habe nicht vor, mich erneut zu binden. Ich genieße meine neue Freiheit und brauche keinen Mann mehr in meinem Leben. Ich bin gerne frei.
Und wenn ich mal Lust auf Kino habe, dann kann ich mit meinen Kindern gehen. Oder mit meinen Freundinnen. Ich möchte Dir keinen Kummer bereiten und darum sage ich Dir nichts weiter als die Wahrheit.
Sabine schickte die Mail auf die Reise und lehnte sich zurück. Soviel Schmalz nach nicht einmal zwei Wochen. Etwa zehn Tage waren seit seiner Freundschaftsanfrage vergangen. Entweder sie hatte einen absoluten Romantiker erwischt oder die Sache hatte doch einen Haken.
Um die Mittagszeit bereitete sich Sabine eine große Schüssel Salat zu. So habe ich gleich mein Mittagessen und etwas zum Abendbrot, dachte sie zufrieden. In Ruhe ließ sie sich ihren Salat schmecken und las bis zum frühen Abend. Eigentlich hatte sie sich fest vorgenommen, Facebook an diesem Sonntag nicht mehr zu besuchen. Aber dann war sie doch neugierig und loggte sich ein.
Und was fand sie vor? Eine Nachricht von David!
Nachdem ich Deine letzte Mail erhalten habe, habe ich zu Gott gebetet, dass Du mir nicht mehr verwehrst, Dich zu lieben. Mein Gefühl für Dich ist so stark, das kann nicht einseitig sein.
Wie sehr wünschte ich mir, Du wärst jetzt in Hamburg an meiner Seite.
Seit Du in mein Leben getreten bist, habe ich das Gefühl, endlich zu wissen, was es bedeutet zu leben. Du bist so viel mehr, als meine Partnerin. Du bist meine Inspiration und mein Kompass. Irgendwann jeden Tag an deiner Seite aufzuwachen, ist mein größter Wunsch. Ich möchte jedes Abenteuer mit Dir gemeinsam bestreiten, jede Erfahrung mit Dir teilen. Denn was gibt es Schöneres, als gemeinsam mit seiner Seelenverwandten über sich hinauszuwachsen? Mein Schatz, Du machst das Leben so unglaublich lebenswert und dafür will ich Dir danken! Du sollst eines stets wissen: In Gedanken bin ich immer bei Dir! Und im Herzen sind wir uns immer nah! Egal, wo wir sind, ich liebe Dich.
Du lieber Himmel, das ist kaum auszuhalten, dachte Sabine und entschloss sich, sofort und energisch zu antworten.
Kaum vorstellbar ist für mich, dass Du Dich in mich verliebt hast. Viel gebe ich auf meinem Facebook Profil nicht preis, nicht einmal einen Familienstand. Du kennst mich knapp zwei Wochen und weißt kaum etwas von mir, da ist es nicht möglich, dass Du Dich in mich verliebst!
Und an Deinen Mails kommt mir mittlerweile einiges komisch vor, ich weiß nicht was es ist, aber irgendetwas stimmt da nicht…
Deine Worte sind zu romantisch und soweit ich mitbekommen habe, bist Du eher ein Techniker. Nicht unbedingt ein Autor oder ein Dichter.
Leider ist es mir im Moment nicht möglich, Dich in Hamburg zu besuchen, sonst würde ich es sofort tun. Schon allein um Dich von Deinen Hirngespinsten zu befreien.
Sieh Dich lieber im realen Leben nach einer passenden Partnerin um!
Zügig schickte Sabine die Mail auf die Reise, dann loggte sie sich aus sämtlichen Anwendungen aus und fuhr ihren Laptop herunter. Für diesen Sonntag hatte sie genug von undurchsichtigem Liebesgesäusel. Lieber holte sie sich eine Portion Salat aus der Küche und machte es sich zum Abendbrot gemütlich. Sie hing mal wieder ihren Gedanken nach.
So ein Singledasein hatte seine Vorteile. Sabine lächelte. Das große Doppelbett gehörte ihr schon seit länger Zeit allein und sie konnte dort liegen, wie sie wollte. Auch war sie die Herrin über die Fernbedienung für den Fernseher und das Badezimmer. Nein, nein, sie brauchte keinen David Silverstone, das würde sie ihm sicher in den nächsten Tagen begreiflich machen…
Tag elf
(Montag)
Montagmorgen. Im Bett liegend plante Sabine ihren Tag. Duschen und frühstücken war logisch. Dann hatte sie Zeit an ihren Laptop zu gehen. Nach wie vor war Sabine durch ihre Verletzung gehandicapt und musste sich im Bad Zeit lassen. Danach frühstückte sie in Ruhe. Später räumte sie das Geschirr ab und fuhr ihren Laptop hoch.
In ihrem Mail Postfach fand sie ein paar Kleinigkeiten von ihrem Chef und einige Werbemails, die sie gleich löschte. Und so konnte sie sich in aller Ruhe Facebook widmen. Sie öffnete ihren Account und fand eine kurze Nachricht von David vor.
Hast Du gut geschlafen? Wie geht es Dir? Ich hoffe, es ist alles in Ordnung. Mein Herz ist nicht leer. Es trägt die süße Last Deiner Liebe. Und ich möchte diese wundervolle Last bis zum letzten Moment meines Lebens tragen. Du bist in mein Leben getreten und hast alles zu Gold verwandelt! Dafür danke ich Dir, meine Königin. Du bist die göttliche Quelle meines Glücks.
Genervt fuhr Sabine den Laptop herunter und beschloss, David später zu antworten.
Dann machte sie sich auf den Weg zur Physiotherapie. Mittlerweile war sie schon nicht mehr auf Gehhilfen angewiesen und zum Glück hatte sie es nicht weit bis zum Gesundheitszentrum. Eine knappe Stunde später verließ sie die Praxis wieder und stellte fest, dass es schon auf die Mittagszeit zuging.
Entgegen ihren Gewohnheiten nahm sich Sabine ihr Mittagessen vom Asia Imbiss mit. Eigentlich tat sie das selten, aber heute war ihr danach.
In ihrer Wohnung angekommen, zog sie sich rasch um und trug ihr Mittagessen ins Wohnzimmer.
Donnerwetter, die Nudeln mit Gemüse waren lecker und Geld hatte sie nicht ausgegeben! Während sie sich mit Genuss ihr Essen schmecken ließ, überlegte sie schon, was sie David schreiben sollte. Schreiben wollte sie ihm auf jeden Fall.
Und so klappte sie nach dem Mittagessen ihren Laptop auf, öffnete Facebook und begann eine Mail an David.
Mein lieber David!
Vielen Dank für Deine Zeilen. Ich möchte Dir sagen, dass ich nicht auf der Suche nach einem neuen Partner bin, schlage Dir das mit der Liebe aus dem Kopf. Es müsste schon ein Wunder geschehen, wenn ich mich neu verlieben sollte!
Lieber David, wofür hältst Du mich?
Ich bin doch kein dummer Teenager, der sich in ein paar Fotos von einem unbekannten Mann verliebt. Wenn ich mich überhaupt noch einmal verliebe, dann im realen Leben und nicht anders. Ich muss einen Mann erst sehen und spüren, ehe ich von Liebe reden kann. Da nutzen auch warme Worte nichts. Gruß Sabine
Sabine schickte die Mail an David auf die Reise, ließ Facebook geöffnet und widmete sich mit großem Eifer der Aufgaben, die ihr Chef gestellt hatte. Doch ihre Gedanken liefen immer wieder zu David. Wer ist dieser Mann? Ich werde es erfahren, dachte Sabine und konzentrierte sich wieder auf die Arbeit für den Verlag. Dabei war Sabine in ihrem Element und merkte kaum, wie die Zeit verging. Erst als der Messenger von Facebook sich meldete, wurde ihr Arbeitseifer unterbrochen. Eine Nachricht von David!
Liebe Sabine!
Und die Liebe wird zu Dir kommen, das kann ich Dir hoch und heilig versprechen. Du wirst es selbst erleben. Leider bin ich im Augenblick sehr eingespannt. Selbst wenn Du nach Hamburg kommen könntest, ich hätte kaum Zeit für Dich, Du weißt ja, meine liebe Mutter. Da muss ich erst einige Dinge erledigen, bis ich mich voll und ganz Dir widmen kann. Dann werden wir in Liebe und Sex versinken und ich werde Dich unendlich glücklich machen!
Was ist Liebe? Wer es nicht mag, nennt es Verantwortung. Diejenigen, die damit spielen, nennen es ein Spiel. Diejenigen, die es nicht haben, nennen es einen Traum. Diejenigen, die es verstehen, nennen es Schicksal. Und ich, ich nenne es Sabine!
Suche nicht nach Liebe, lass Dich von der Liebe finden. Ich spreche von Dir, mein Verstand sagt mir, dass du eine gute Frau bist, ich bin der festen Überzeugung, dass es so ist. Wenn ich jemals um etwas bitten möchte, wünsche ich, dass Du zu mir gehörst. Ich möchte meinen Traum mit Dir leben. Heute habe ich an die eine besondere Person in meinem Leben gedacht. Diese Person bist einzig und allein Du.
David
Jetzt wird er philosophisch, überlegte Sabine und grinste. Wer weiß, wo er solche Sätze aufgegabelt hatte. Sabine konnte sich nicht helfen, aber diese Briefe sahen ihr mehr und mehr nach Musterbriefen aus. Sabine beendete die Arbeit für ihren Chef und schickte sie auf die Reise. Erst danach war David an der Reihe.
Mein lieber David!
Ich habe nicht behauptet, dass ich Dich niemals lieben werde. Ich habe nur gesagt, dass ich nicht in Dich verliebt bin. Ich bin keine Frau, die sich in einige wenige Fotos verliebt. Für mich ist es definitiv zu früh schon von Liebe zu sprechen. Dazu bin ich zu vernünftig.
Erst seit wenigen Monaten bin ich wieder eine freie Frau. Und ganz ehrlich? Ich genieße meine neue Freiheit in vollen Zügen! Als Single muss ich auf niemanden Rücksicht nehmen und kann tun und lassen, was ich will! Gruß Sabine
Entschlossen schickte Sabine die Mail auf die Reise und verließ Facebook. Für heute hatte sie wieder einmal genug von ihrem PC und fuhr ihn herunter. Dann meldete sich das Telefon. Das Display zeigte die Nummer von Monika an. Sabine nahm ab, meldete sich freundlich und schon legte Monika los: „Ey, du lahme Ente, soll heute noch einmal eine Futterlieferung bei Dir einfliegen? Ich hätte da Pasta mit Tomatensoße anzubieten, wobei ich betonen möchte, dass die Tomatensoße selbstgemacht ist und natürlich mit Tomaten aus dem eigenen Garten. Na, was sagst du?“
Innerlich jubelte Sabine und stimmte freudig zu: „Zwar habe ich heute erst Asia Nudeln gehabt, aber bei Pasta mit Tomatensoße bin ich immer dabei, du kennst mich ja.“
„Okay, dann bin so um etwa 18.30 Uhr bei Dir, allerdings habe ich wieder keine Zeit, das sage ich Dir gleich. Aber Obst und Gemüse kann ich Dir mitbringen.“
Kaum hatte Monika diese letzten Worte gesprochen, hatte sie aufgelegt.
Bis Monika zu ihr kam, konnte Sabine ein bisschen lesen. Doch immer wieder kam ihr David in den Sinn. Vielleicht war er kein Scammer und in der Hansestadt beschäftigt. Sabine beschloss, abzuwarten und den Kontakt zunächst einmal aufrecht zu erhalten.
Das Klingeln an der Tür riss Sabine aus ihren Gedanken. Das konnte nur Monika sein! Natürlich war es Monika, denn sie trompetete gleich eine Begrüßung in die Wechselsprechanlage, die sie offenbar für Italienisch hielt. Sabine hatte zwar kein Wort verstanden, musste aber herzlich lachen und ließ ihre Freundin ins Haus. Dann öffnete sie die Wohnungstür und ließ ihre Freundin in die Wohnung. Polternd stürmte Monika in die Wohnung und trat gleich in die Küche. Aus einem Beutel beförderte sie einen großen modernen Kochtopf.