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Heinz Gebhardt König Ludwig II. hatte einen Vogel ...
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Skizzenblatt des 16-Jährigen Ludwigs: Neben Phantasiefiguren übte er seine Signatur, die schon seine typisch schwunghafte Betonung des letzten Buchstabens zeigt.

Bereits in seinen Kinderzeichnungen taucht der Schwan als eine Symbolfigur auf, die Ludwig II. ein Leben lang faszinierte.
»Liebe« war aus dem Wortschatz gestrichen
Vater Max prügelte und Mutter Marie mied ihren Sohn: Sie besuchte ihn zwar in seinem Zimmer, »wusste aber nicht sich mit ihm abzugeben, wie Kinder es eben verlangen«, schrieb eine Freundin der Königin. Das Wort »Liebe« scheint aus dem Wortschatz der Eltern Ludwigs II. vollkommen gestrichen worden zu sein: Der Schriftsteller Paul Heyse durfte in der königlichen Familie nur Texte vorlesen in denen »Liebe« durch das Wort »Freundschaft« ersetzt worden war. Als der Dichter Hermann Lingg einmal zum Vorlesen eingeladen war, versicherte sich vorher Vater Max »ob auch Liebesgedichte dabei seien«, die natürlich sofort gestrichen worden wären. So kann sich jeder ausmalen, wie einsam und verlassen Ludwig seine Pubertät erlebt haben muss.

Schriftsteller Paul Heyse (1830–1914) durfte das Wort »Liebe« nicht erwähnen.

Königin Marie zeigte wenig Zuneigung zu ihren Kindern Otto und Ludwig.
Als 18-Jähriger erstmals Geld in Händen
Vor einem Rätsel stehen auch viele angesichts der Unbekümmertheit, mit der Ludwig für seine Schlösser Millionenbeträge einforderte und ausgab, als ob er für Geldsummen überhaupt keine Vorstellung hätte. Aber auch hier macht ein Blick in seine Kindheit vieles verständlich: Bis zu seinem 18. Lebensjahr wusste Ludwig überhaupt nicht was »Geld« ist: Bei seiner Volljährigkeitserklärung mit 18 Jahren schenkte ihm der Vater die erste Geldbörse. Und damit sein Sohn wusste, wie Geld aussieht, war darin von jeder im Königreich Bayern im Umlauf befindlichen Münze ein Exemplar. Damit ging der Kronprinz zum Hofjuwelier und wollte den halben Laden für seine Mutter leerkaufen! Wenige Wochen später war sein Vater gestorben und Ludwig mit 18 Jahren König von Bayern, ausgestattet mit Vollmachten über Millionenbeträge und er hatte nicht die leiseste Ahnung vom Wert dieser Summen.

Schloss Berchtesgaden 1855, von Ludwig II. lebenslang gemieden.
Bestrafungen bis zum letzten Tag
Ludwigs Vater König Max lag schon auf dem Sterbebett, da erfuhr Ludwig einen Tag vor dessen Tod noch einmal die volle Härte seiner Erziehung: »Am Morgen des Neunten musste der junge Prinz zur Strafe für ein nachlässig gearbeitetes Pensum den Kaffee ohne Zucker trinken, am andern Tag ging er weinend vom Totenbett des Vaters, und die Regierung und Großwürdenträger nannten ihn zum ersten Mal »Majestät«, wie Karl von Heigel über seinen Wandel vom Kronprinzen zum König von Bayern schrieb.

Ludwig II. mit 17 Jahren in der Uniform des bayerischen Infanterie-Leibregiments.
»Ein Goldfasan unter Haushühnern!«
Von Geld keine Ahnung, von der Welt nichts gesehen,
aber mit 18 Jahren König von Bayern
Als Ludwig II. am 10. März 1864 das Sterbezimmer seines Vaters Max verließ, verneigten sich die Hofbeamten und einer sprach ihn erstmals mit »Majestät« an. Er soll von dieser Anrede so erschrocken sein, dass er kreidebleich einige Sekunden stehenblieb. Hochaufgeschossen, schlank, bleich und mit dunkelsamtenen Augen schritt er hinter dem Sarg, und im Staatsrat leistete er »schön und herrlich in seiner Jugend Glanz« den traditionellen Königseid. Alle waren sich einig, mit Ludwig den liebenswürdigsten aller Monarchen bekommen zu haben, dessen »Herz rein und unverdorben sei«. Umgeben von den mausgrauen VIP’s der Residenzstadt München, den aufgepuderten Hofdamen und dauergrinsenden Promis seiner Zeit schritt der 18-Jährige Ludwig II. einher »wie ein Goldfasan unter Haushühnern!« Schöner konnte Graf Eulenburg die Präsenz des jungen Königs in München nicht beschreiben. Ludwig stürzte sich in den ersten Monaten nach der Thronbesteigung mit großem Eifer in seine neue Aufgabe, wälzte Berge von Akten, konsultierte seine Minister, gab Audienzen und ließ sich von erfahrenen Beamten beraten. Zwar hatte er eine Gymnasialausbildung hinter sich, einige Universitätskenntnisse in Staatsrecht, aber in Wirtschafts- und Finanzfragen war er überhaupt nicht bewandert. Ebenso hatte er keine Ahnung im Umgang mit dem Militär. Andere Länder hatte er nie bereist, seine Menschenkenntnis war gleich Null und wirkliche Personen seines Vertrauens waren weit und breit nicht zu sehen.
Meuternde Minister wurden sofort entlassen
Dem Ministerium seines Vaters, das ja noch in Amt und Würden war, kam der scheinbar schüchterne und unerfahrene Jüngling gerade recht: Man verständigte sich schnell untereinander, wie man den Willen des jungen Königs brechen und sich in nichts von ihm dreinreden lassen könnte. Doch sie hatten sich verrechnet: Ludwig sprach von »bürokratischer Meuterei« und warf sofort zwei Minister aus dem Amt. Freiherr von Schrenk wurde zur Demission gezwungen. Sie hatten sich im jungen Hupfer mit der Krone erst mal alle getäuscht: König Ludwig II. zeigte, wer Herr im Hause Wittelsbach ist.
Ludwig begegnet seinem »Gott und Erlöser«
War der Rausschmiss der Minister sein erster Streich, so folgte gleich der zweite, die Erfüllung seines sehnlichsten Kinderwunsches, Richard Wagner, dem Schöpfer des Lohengrins, dem Komponisten dieser überirdisch berauschenden Klänge persönlich zu begegnen. »Thränen des Entzückens« hatte er als 15-Jähriger beim ersten Besuch des Lohengrins vergossen, im Jahr darauf berauschte er sich im Tannhäuser und angeblich hatte sein »Gott und Erlöser«, wie er später Wagner bezeichnete, noch gewaltigere Werke in Arbeit: Tristan und Isolde, Götterdämmerung, Walküre. Ludwig ließ sich von Sekretär Pfistermeister sämtliche Münchner Fremdenlisten vorlegen, ohne aber zu sagen, wen er denn suche. Dann bekam Pfistermeister den königlichen Befehl, Richard Wagner aufzustöbern. Als Zeichen seiner Liebe sollte er einen goldenen Ring mit einem Rubin überreichen und den genialen Lohengrin-Schöpfer auf der Stelle zum König bringen. Das war aber gar nicht so einfach: Wagner war im März 1864 total überschuldet aus Wien geflohen, wo gerade sein Hausrat bis auf mehrere Kisten Champagner gepfändet wurde, weil man sich nicht vorstellen konnte, dass dem armen Schlucker so viel Schampus gehört. Erst tauchte er in Zürich unter, dann versteckte er sich in Stuttgart. Bei seinem ehemaligen Kapellmeister Karl Eckert bekam er was zu Essen, denn selbst dafür fehlte das Geld. »Ich bin am Ende«, schrieb er auf einen Zettel und spielte mit Selbstmordgedanken.

Ludwigs Kabinettssekretär Staatsrat Franz von Pfistermeister (1820–1912) stöberte Richard Wagner in Stuttgart auf und brachte ihn zum König.
Tränen himmlischster Rührung
Am Abend des 2. Mai meldete sich bei ihm Franz von Pfistermeister, der Sekretär des Königs. Wagner ließ sich verleugnen, weil er an einen Trick seiner Gläubiger dachte, um ihn zu pfänden. Dann folgte ein Gespräch unter vier Augen, bei dem ihm Pfistermeister einen goldenen Ring mit einem großen roten Rubin als Zeichen der Liebe des Königs überreichte und tief ergriffen schrieb Wagner an Ludwig II.: »Theurer huldvoller König! Diese Thränen himmlischster Rührung sende ich Ihnen, um Ihnen zu sagen, dass nun die Wunder der Poesie wie eine göttliche Wirklichkeit in mein armes, liebebedürftiges Leben getreten sind! Und dieses Leben, sein letztes Dichten und Tönen gehört nun Ihnen, mein gnadenreicher junger König: verfügen Sie darüber als über Ihr Eigenthum! In höchstem Entzücken, treu und wahr Ihr Unterthan Richard Wagner«.
Am Vormittag des 4. Mai 1864 standen sich dann in der Münchner Residenz der 18-Jährige König und der 51-Jährge Richard Wagner erstmals Aug in Auge gegenüber. Sein »Ein und All«, »Wonne des Lebens«, »erhabener, göttlicher Freund«, »höchstes Gut! Alles!« wie er ihn danach bezeichnete, war leibhaftig in sein Leben getreten. Nach der Audienz schrieb Wagner an die Schriftstellerin Eliza Wille: »Er ist leider so schön und geistvoll, seelenvoll und herrlich, dass ich fürchte, sein Leben müsse wie ein flüchtiger Göttertraum in dieser gemeinen Welt zerrinnen.« In über 600 Briefen tauschten sich der König und sein Komponist im Laufe ihres Lebens in den unterschiedlichsten Stimmungen und Lebenssituationen aus. Der Ton, mit dem sich beide von nun an begegneten, ist ungewöhnlich, einmalig, enthusiastisch, überschwenglich und nur durch die Einzigartigkeit des Zusammentreffens zweier so außergewöhnlicher Persönlichkeiten erklärbar.


Erster Brief Richard Wagners an Ludwig II. aus Stuttgart, wo ihn Pfistermeister gefunden hatte.
So begannen Ludwigs Briefe in der Regel mit:
»Mein theurer Freund!«
»Mein geliebter Freund!«
»Geliebter, einziger Freund!«
»Geliebter, Heiliger!«
»Innig geliebter, über Alles theurer Freund!«
»Heiß Geliebter! Mein Einziger!«
»Ein und All! Inbegriff meiner Seligkeit!«
»Mein Einziger! Wonne meines Lebens!«
»Mein Feund! Mein Geliebter!«
»Urquell des Lebenslichtes!«
»Einziger! Herr meines Lebens!«
»Großer, unvergleichlicher, über Alles, Alles theurer Freund!«

Richard Wagner, 1864 von Franz Hanfstaengl fotografiert.

»O mein herrlicher, himmlischer Freund!« Wagner und Ludwig als Kitschpostkarte um 1900.
Als wäre er das Echo seines königlichen Bewunderers, begannen Wagners Briefe an Ludwig II. meist so:
»Theurer huldvoller König-!«
»Mein geliebter, theurer König!«
»Mein erhabener, innig geliebter König!«
»Mein stets huldvoller König!«
»Mein inniggeliebter, wundervoller Freund!«
»Mein holder, wunderbarster Freund!«
»Mein wunderbar gütiger Freund!«
»Geliebtester Mensch! Edler holder Freund!«
»Mein Theurer, unermesslich Gütiger, Schöner!«
»O mein herrlicher, himmlischer Freund!«
»Mein lieber, theurer Wunderfreund!«
»Mein hochgeliebter, angebeteter König und Freund!«
Vor der Unterschrift folgten glühende Schwüre bis in den Tod:
»Ihr Freund Ludwig König v. Bayern«
»In ewiger Liebe«
»Ihr bis in den Tod getreuer, glückseliger Ludwig«
»Bis in den Tod!«
»Heiland, der mich beseligt!«
»Heil Dir Du mein Ein und All!«
»Ewig Sein treuer Ludwig«
»Heiliger Freund, beselige mich!«
»Ihr für Sie glühender Ludwig«
»Ihr Eigen Ludwig«
Und als »Knecht und Erlöster« grüßte Richard Wagner seinen König:
»Ihr Unterthan Richard Wagner«
»Eurer Majestät getreuester Unterthan«
»Sein treueigener Unterthan und tiefbeglückter Freund«
»Treu und ewig sein Eigen«
»Bis in den Tod getreu«
»Ihr Eigen, Ihr Erlöster!«
»In ewiger Liebe und Treue«
»In ewiger Liebe und Treue bis in den Tod!«
»Treu und liebend!«
»Ihr treuer Knecht«
»Ihr treues Eigen!«
»Ihr Doppel-Eigen!«
Richard Wagner und die Münchner Schweinehunde
Chaotische Uraufführung von »Tristan und Isolde«
»Ein und All, Inbegriff meiner Seligkeit!«, »Wonne des Lebens!«, »Heißgeliebter, Angebeteter, Herr meines Lebens!«, »Heiland, der mich beseligt!« So begannen von jetzt an die Briefe König Ludwigs II. an Richard Wagner. Und dem von Gläubigern gejagten Komponisten erteilte sein »Ein und All« den königlichen Befehl, den Ring des Nibelungen zu vollenden, Kosten spielen keine Rolle! Stararchitekt Gottfried Semper bekam den Auftrag, auf dem Isarhochufer neben dem Maximilianeum ein kolossales Wagner-Festspielhaus zu bauen. Die Münchner schüttelten den Kopf: Für diesen arroganten Sachsen mit seinen unverständlichen Opern mit unseren Steuergeldern ein eigenes Theater bauen?
Frau des Tristan-Dirigenten bekam Tochter »Isolde« von Richard Wagner!
Aber es kam noch schlimmer: Die Uraufführung von »Tristan und Isolde« stand bevor. Am gleichen Tag, an dem der Dirigent Hans von Bülow die erste Probe leitete, gebar dessen Frau Cosima ein Mädchen, das auf den Namen »Isolde« getauft wurde: Der Vater war aber nicht ihr Ehemann von Bülow sondern Richard Wagner!

Wagner als Schlittschuhläufer auf dünnem Münchner Eis: 1865 brach er ein und fiel in Ungnade.

Während ihr Mann die Tristan Uraufführung dirigierte, bekam Cosima von Bülow eine Tochter von Richard Wagner, die natürlich »Isolde« getauft wurde.

Ludwig und Malvina Schnorr von Carolsfeld als »Tristan« und »Isolde« in der Uraufführung.

Plakat der Uraufführung von »Tristan und Isolde« 1865 im Münchner Nationaltheater
Der Dirigent warf daraufhin die vordersten Stuhlreihen aus dem Zuschauerraum, weil angeblich die Bühne mehr Platz brauchte: »Was macht’s, ob ein paar Schweinhunde mehr oder weniger im Parkett sitzen!«, zitierte ihn eine Münchner Zeitung und die Premieren-Promis waren entsetzt. Nach der Generalprobe war die »Isolde« Malvina Schnorr-Carolsfeld so heiser, dass die Uraufführung abgesagt werden musste. München brodelte: »Tristan und Isolde unaufführbar?«, oder: »Wagner in Ungnade beim König?« Doch am 10. Juni 1865 ging die »unaufführbare Oper« mit Riesenerfolg zum ersten Mal über die Bühne. Das Publikum war ergriffen, Wagner trat Hand in Hand mit den Sängern beim Schlussapplaus auf die Bühne und Ludwig verneigte sich in der Königsloge huldvoll vor den Künstlern. »Dies war der Höhepunkt, von nun an nur noch Leiden«, notierte Wagner danach in sein Tagebuch.
Wagners gescheiterter Sturz der Minister »Pfi und Pfo«
Dem künstlerischen folgte ein menschlicher Höhepunkt: Im November 1865 wohnten beide eine Woche in Hohenschwangau, fuhren vierspännig durchs Herbstlaub und Wagner weckte den König mit Lohengrin-Posaunen vom Schlossturm. Aber die Idylle trügt: Wagner hatte in München inzwischen mehr Feinde und Neider als Bewunderer. Das viel zu teure Festspielhaus, der aufwendige Lebensstil, die kostenlose Villa, das g’schlamperte Verhältnis mit Cosima und seine hochnäsige Art – die Münchner konnten mit ihm einfach nix anfangen!



Ludwig II. und Richard Wagner waren ein gefundenes Fressen für die Karikaturisten: Die jaulenden »Münchner Schweinehunde«, denen man die Promi-Stuhlreihen genommen hatte, Wagners unglaubliche Honorarforderungen und ein wütender König vor leerem Geldschrank.
Doch Richard Wagner begann nun den Bogen zu überspannen. Die Schwierigkeiten, die sich bezüglich seiner Festspielhauspläne, seines aufwendigen Lebensstils und seiner Bezahlung durch den König ergeben hatten, glaubte er jetzt politisch mit einem Sturz seiner Hauptgegner, der Minister »Pfi und Pfo« überwinden zu können, gemeint waren dabei Franz von Pfistermeister und Ludwig von der Pfordten. Die Umsturzgerüchte waren ein gefundenes Fressen für die Münchner Presse: »Eure Majestät stehen auf einem verhängnisvollen Scheideweg« – was nichts anderes hieß als: Richard Wagner oder der König. Eine Art Bürgerinitiative forderte mit 4000 Unterschriften die Entfernung des arroganten und unverschämt teuren Komponisten aus der Stadt. Wie aufgewühlt der König war, sieht man schon daran, dass er erstmals seine Mutter um Rat fragte, dann seinen Vetter Carl, den Erzbischof, die Professoren der Universität und auch sein gesamtes Kabinett. Alle waren gegen Wagner, und Ludwig hatte keine andere Wahl: Wagner wurde der königliche Befehl überbracht, München zu verlassen: Am 10. Dezember 1865 um 5 Uhr früh stieg Richard Wagner mit seinem Hund »Peps« in den Zug in Richtung Schweiz.
Eklat bei Meistersinger-Premiere
»Ich juble vor himmlischem Entzücken, ich rase vor Wonne«, ließ der König zwei Jahre später Richard Wagner wissen, als im März 1867 die Luft in München wieder rein war für ein Wiedersehen anlässlich der Meistersinger-Uraufführung. »O bleiben Sie nun da, Angebeteter, für den einzig ich lebe, mit dem ich sterbe. O Tag des Heiles! Wonnezeit!« Doch die »Wonnezeit« trat nicht ein, beide stritten sich um Sängerbesetzungen und Aufführungsdetails und die Festspielhauspläne waren am Widerstand der Münchner endgültig gescheitert. Bei der Uraufführung der »Meistersinger« am 21. Juni 1868 kam es dann zum Eklat, aber nicht zwischen dem König und Wagner, sondern zwischen dem Publikum und dem König: Ludwig ging schon länger allen Promis und Blaublütigen aus dem Weg, so auch bei der Uraufführung der Meistersinger im Nationaltheater: In der Königsloge saß er alleine an der Seite von Richard Wagner und verschwand nach jedem Akt hinter einem Vorhang. Dafür schickte er Wagner vor an die Brüstung der Loge und befahl ihm, sich an seiner Stelle dem Publikum zu zeigen.

Wie in dieser Karikatur versteckte sich Ludwig II. bei der Meistersinger-Premiere hinter Richard Wagner.
Die Premieren-Promis waren wie gelähmt, dieser unverschämte Richard Wagner nimmt jetzt auch schon die Stelle des Königs ein! Obwohl Ludwigs überschäumende Verherrlichung Richard Wagners im Laufe der Jahre abgeklungen war, ließ der König sein »Ein und All« in dessen Finanzproblemen nicht im Stich. Auch in das Festspielhaus, das jetzt in Bayreuth gebaut wurde, steckte er gewaltige Geldsummen und war auch bei der Eröffnung dabei. Das Verhältnis Ludwig II. und Richard Wagner war eine einzigartige Beziehung zwischen Macht und Geld, von Musik-Genie und menschlicher Größe, und beide lebten ihrer Zeit weit voraus: Wäre das Festspielhaus wie geplant in München gebaut worden: Millionengewinne hätte die Stadt mit ihrer Gastronomie alljährlich eingefahren. Und Gerd Käfer wäre nicht der einzige geblieben, der in den 70er Jahren jedes Jahr an Richard Wagners Geburtstag an seinem Denkmal neben dem Prinzregentheater einen Kranz niederlegte, weil in Wagners Opern in den Pausen am meisten gegessen und getrunken wurde!

Gerd Käfer 1972 am Richard-Wagner-Denkmal.

Gottfried von Semper zeigt Ludwig II. und Richard Wagner das Modell des Münchner Festspielhauses.
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