Katy Butler Die Kunst gut zu sterben
Die Kunst gut zu sterben
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Katy Butler Die Kunst gut zu sterben

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Sie gestalten ihr Leben weiterhin voll Behaglichkeit, Freude und Sinnhaftigkeit, selbst wenn ihr Körper nachlässt. Sie haben einen klaren Blick auf den Verlauf ihrer Krankheit, sodass sie planen können.

Sie betrachten ihre Ärzte als Berater, nicht als ihre Chefs. Sie suchen sich medizinische Verbündete, die ihnen auch angesichts von Enttäuschungen und Widrigkeiten helfen, gut zu leben, und die sie auf einen guten Tod vorbereiten. Sie melden sich früher im Hospiz an, fühlen und funktionieren oft besser – und leben manchmal sogar länger als diejenigen, die eine Maximalbehandlung erhalten. Sie schließen Frieden mit dem Nahen des Todes und nutzen die Zeit, um zu vergeben, sich zu entschuldigen und denen zu danken, die sie lieben. Sie denken erneut darüber nach, was »Hoffnung« bedeutet. Und sie sterben oft mit weniger körperlichen Leiden und mit genauso viel Aufmerksamkeit für das Heilige, wie unsere Vorfahren es taten.

Aber diejenigen, die ihre Selbstbestimmung aufgeben, indem sie nur hoffen, den Tod zu verschieben, und sich nicht damit auseinandersetzen, wohin die Dinge führen, befinden sich oft auf dem Fließband zu ihrem letzten Ziel: einem Hightech-Krankenhauszimmer. Und das ist der Ort, wo sie sterben.

Das ist nicht das, was die meisten von uns wollen. Eine Umfrage von 2017, bei der die Befragten gebeten wurden, über das Ende ihres Lebens nachzudenken, ergab, dass nur ein Viertel von uns so lange wie möglich leben will, egal was passiert. Der Rest macht sich viel mehr Gedanken über die Qualität unseres Lebens und Sterbens: Sie wollen ihre Familien nicht belasten, seelisch mit sich in Frieden sein, zu Hause und entspannt sterben. Wenn Sie zu diesen drei Vierteln gehören, dann ist dies Ihr Buch. Es soll Ihnen helfen, die Kontrolle über Ihr Leben zu behalten, von den ersten Anzeichen von Schwäche, den ganzen Weg bis zum Lebensende. Dies ist machbar.

Nachdem ich in meinem Buch Knocking on Heavens Door über die persönlichen Erfahrungen unserer Familie geschrieben hatte, kam ich in Kontakt mit über tausend Menschen, die ihre Lieben durch einen oft abgemilderten Prozess des modernen Sterbens begleitet hatten. Von ihnen lernte ich, dass es mit einer gewissen Vorbereitung, Unterstützung und Anleitung möglich ist, einen Weg zu einem besseren Lebensende zu finden. In den vergangenen drei Jahren habe ich Hunderte von Menschen zu guten und schwierigen Todesfällen interviewt, die sie miterlebt haben, sowie führende Experten der Geriatrie, Onkologie, Palliativmedizin, Hospizmedizin und verwandter Bereiche befragt.

Ich habe das, was ich erfahren habe, zusammengefasst, um Ihnen und Ihren Lieben zu helfen, sich erfolgreich durch die komplexe Landschaft von Alterung, schweren Krankheiten und Tod in einem Zeitalter modernster Medizin zu navigieren.

Ich hoffe, dieses Buch wird Sie dabei unterstützen, das Beste von dem zu bekommen, was Ihr Gesundheitssystem zu bieten hat. Es soll Ihnen helfen, die Gelegenheiten für Sinngebung, Liebe und Erlösung zu ergreifen, die viele von uns bereits gefunden haben. Ich habe dieses Buch zum Teil auch geschrieben, um mich selbst zu leiten. In diesem Jahr wurde ich siebzig und es lässt sich nicht leugnen, dass irgendwo hinter dem Horizont der Tod sein Pferd gesattelt hat und auf mich zukommt.

Ich kenne nicht alle Antworten. Aber ich habe viel gelernt.

Es ist eine Bewegung im Gange, die sich dafür einsetzt, die Sinnhaftigkeit und Würde unseres Lebensendes wiederherzustellen. Sie zeigt sich bei ruhigen Familiengesprächen am Küchentisch, bei Treffen in Sterbecafés und organisierten Events zum Thema Sterben sowie in Bestsellern wie Atul Gawandes Sterblich sein. Jedes Gespräch am Küchentisch, jedes neue Buch und jedes Treffen mit eigentlich Fremden mildert die Scham, die Verleugnung und die Geheimhaltung, die uns im letzten Jahrhundert mehr Angst vor dem Tod gemacht und uns weniger auf den Tod vorbereitet haben, als es notwendig wäre. Innerhalb des Gesundheitswesens entstehen Reformen dank emotional kompetenter Onkologen, Notfall- und Intensivmediziner, Intensiv- und Hospiz-Schwestern und anderer in der Primärversorgung, Geriatrie, Ergo- und Physiotherapie, Palliativmedizin und im Hospiz. Alle können Ihnen helfen, lange gut zu leben, bevor Sie gut sterben. Dieses Buch wird Ihnen, so hoffe ich, helfen, den Weg zu ihnen zu finden.

WIE DIESES BUCH AUFGEBAUT IST

Dies ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, um so funktionstüchtig und glücklich wie möglich zu bleiben. Es soll Ihnen ermöglichen, informiert und furchtlos durch Ihre Gesundheitsphasen (manchmal schnell, manchmal langsam) zu gehen, wenn die Zeit sich dem Ende neigt.

Jedes Kapitel befasst sich mit hilfreichen Maßnahmen, um die jeweilige Gesundheitsstufe zu erkennen, anzunehmen und effektiv darauf zu reagieren: Vorbereitung auf ein gutes Lebensende, während Sie noch vital sind; Vereinfachung des späteren Lebens, wenn die Energie nachlässt; Anpassung an die Veränderungen und die körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen; Der Sterblichkeit ins Auge sehen, auch was unheilbare Krankheiten angeht; Zurechtkommen im Kartenhaus, wenn Gebrechlichkeit herrscht; Vorbereitung für einen guten Tod im letzten Lebensjahr sowie Unterstützung beim aktiven Sterbeprozess in den letzten Tagen. Die ersten drei Kapitel konzentrieren sich auf ein gutes Leben im letzten Lebensdrittel und die letzten vier auf den Übergang zum Tod. Es ist nicht notwendig, sie der Reihe nach zu lesen, und ich ermutige Sie, zu dem zu springen, was Ihnen am hilfreichsten ist.

Meine Untersuchungen haben mich gelehrt, dass ein guter Tod mit einem guten Leben beginnt. Das übergreifende Prinzip dieses Buches ist es, sich darauf zu konzentrieren, das Leben so funktional, sinnvoll und freudvoll wie möglich zu gestalten und die Langlebigkeit sich selbst zu überlassen. (Merkwürdigerweise wird Ihnen das manchmal auch mehr Zeit verschaffen!) Ich hoffe, Ihnen dabei zu helfen, von der Medizin das zu bekommen, was Sie wollen, und das zu vermeiden, was Sie nicht wollen, sowie ein Gefühl für ein Ende zu erlangen, bei dem Sie Ihre Geschichte erzählt und Ihre Abschiede genommen haben.

Jedes Kapitel wird Ihnen Wege aufzeigen, wie Sie das Schlimmste der schnellen Medizin vermeiden können, wenn sie Ihnen nicht mehr helfen kann. Außerdem geht es darum, medizinische Verbündete zu finden, die sich auf das konzentrieren, was Ihnen wichtig ist, insbesondere dass Sie funktionstüchtig bleiben, Ihre körperlichen Schmerzen kontrolliert und Sie und Ihre Lieben emotional unterstützt werden. Ich hoffe, dass die wahren Geschichten Ihnen helfen zu verstehen, wohin die Wege an jeder Kreuzung wahrscheinlich führen werden. Schritt für Schritt, Jahr für Jahr und Jahrzehnt für Jahrzehnt werden Sie wahrscheinlich zu sanften Ansätzen übergehen, die eine gute Lebensqualität unterstützen, auch wenn diese weniger wird.

Dieses Buch wird Ihnen, so hoffe ich, ein grobes Gefühl für die verbleibende Zeit geben und Sie befähigen, die Verantwortung für eine sich verändernde Beziehung zum Leben, zur Gesundheit und zur Medizin zu behalten. Dies ist der beste Weg, den ich kenne, um Ihnen Raum für die Übergangsrituale zu schaffen, die unsere Vorfahren so sehr geschätzt haben. Der Tempel des Heiligen wird auf einem Fundament des Alltäglichen errichtet.

Es ist meine tiefe Hoffnung, dass Sie sich im Moment Ihres Todes friedlich und entspannt fühlen. Dass Sie sich lange, bevor dieser Tag kommt, sicher fühlen, gut unterstützt sind und frei von Angst.

Dass Sie das haben, was Sie brauchen – emotional, medizinisch, seelisch und praktisch – um ganzheitlich bis zu Ihrem letzten Atemzug zu leben. Dass Sie und Ihre Lieben geborgen sind in den Armen einer liebenden Gemeinschaft und eines kompetenten medizinischen Teams.

Dies ist meine Hoffnung. Ich wünschte, dieses Buch könnte Ihnen ein kraftvolles Alter, eine kurze Zeit des Verfalls sowie einen schnellen, schmerzfreien Tod zu Hause, umgeben von Ihren Lieben, garantieren. Wenn Sie den Vorschlägen folgen, werden sich Ihre Chancen dazu erhöhen. Aber mehr denn je kann die Art und Weise, wie wir sterben, unsicher, zweideutig, abgeschwächt und langwierig sein. Egal, wie mutig wir uns auf den Verlust einstellen und wie geschickt wir durch unser fragmentiertes Gesundheitssystem navigieren, werden die Dinge nicht immer so verlaufen, wie wir uns das vorstellen. Und dennoch, wenn wir unser Leben bis zum Ende gestalten wollen, hilft es, sich eine Vorstellung davon zu machen, eine Wahl zu treffen und zu planen.

Ich schlage nicht vor, dass wir eine neue Kunst zu sterben schaffen, um den Verfall und Tod irgendwie perfekt zu machen. Perfektion ist kein Ziel der Kunst, es ist eine Ambition der Technik und Wissenschaft. Kunst entsteht aus der Improvisation heraus mit den begrenzten, unvollkommenen Materialien, die zur Verfügung stehen. Eine moderne Kunst zu sterben wird nicht jedes Lebensende schmerzfrei machen, aber es kann es erträglich machen, gemeinschaftlich und sogar auf seine eigene Weise schön. Hier finden Sie einen Kompass und den Anfang eines Plans.


KAPITEL 1

Vorbereitung auf ein gutes Lebensende

Eine Vision für das spätere Leben

Reserven bilden
Verbündete in der Präventivmedizin finden
Sein Urteilsvermögen bilden
Die Nachbarn kennenlernen
Verteidigung seiner Patientenrechte
Fürsorge für die Seele

DER FLUSS WIRD BREITER.

Einige alte Menschen werden von der Angst vor dem Tod erdrückt … Der beste Weg, dies zu überwinden, ist es, wenn wir nach und nach unseren Interessenhorizont erweitern und allgemeiner fassen, bis allmählich die Wände unseres Egos zurückweichen und unser Leben immer mehr im universellen Leben aufgeht. Die individuelle menschliche Existenz sollte wie ein Fluss sein: zunächst klein, eingeengt innerhalb der Böschungen und dann leidenschaftlich an Felsen vorbei und über Wasserfälle hinweg drängend. Allmählich wird der Fluss breiter, die Ufer ziehen sich zurück, das Wasser fließt ruhiger und am Ende, ohne erkennbaren Bruch, ergießt er sich ins Meer und verliert ohne Schmerzen sein individuelles Wesen. [Diejenigen,] die das Leben auf diese Weise betrachten können, werden nicht unter der Angst vor dem Tod leiden, da die Dinge [die ihnen wichtig sind] weiter bestehen werden.

– Bertrand Russell

Sie werden dieses Kapitel nützlich finden, wenn Sie sich in einigen der folgenden Aussagen wiederfinden:

• Sie haben an Ihrem fünfzigsten oder sechzigsten Geburtstag alle Kerzen auf dem Geburtstagskuchen mit Leichtigkeit ausgeblasen.

• Gesundheitsprobleme sind ärgerlich, aber nicht einschränkend. Sie bezahlen Ihre Rechnungen selbst, fällen eigene Entscheidungen, fahren noch selbst Auto und genießen allgemein das Leben.

• Sie fragen sich, warum die Zahlen auf Kreditkarten so klein und unleserlich sind.

• Ihr Haar wird an vertrauten Stellen dünner und sprießt an seltsamen Stellen.

• Sie verlegen Schlüssel – und vergessen Namen.

• Sie sind nicht verrückt nach technischen Updates.

• Sie haben Nickerchen für sich entdeckt.

• Sie verletzen sich leichter und erholen sich langsamer.

• Sie finden Nachrufe interessant.

• Manchmal spüren Sie, dass Ihre Zeit auf Erden begrenzt und kostbar ist.

Eine Vision für das spätere Leben

Doug von Koss wurde zur Zeit der Depression geboren und wuchs an den Ufern des Mississippi in einem Hausboot auf, das sein Vater aus Holzabfällen gebaut hatte.

In den 1960er-Jahren ließ er sich in San Francisco nieder, wo er mit seiner Frau Clydene ihren Sohn und ihre Tochter aufzog. Er arbeitete als Bühnenarbeiter, Theaterschreiner, Lichttechniker und Set-Dekorateur für Filme wie Die Rückkehr der Jedi-Ritter von George Lucas. Er ist jetzt fünfundachtzig, groß, elegant und gebieterisch. Seit 10 Jahren ist er Witwer und lebte bis vor Kurzem in einem gepflegten, gemieteten Bungalow in einer der hügeligen Straßen San Franciscos.

Seitdem er nach seinem letzten bezahlten Job als Requisiteur an der San Francisco Opera in Rente gegangen war, leitete Doug Gesangsgruppen für Männer, gab im Selbstverlag ein Buch mit eigenen Gedichten heraus und lernte Hunderte von Gedichten von Mary Oliver, Rumi und anderen bedeutenden Dichtern auswendig. Außerdem fliegt er mehrmals im Jahr quer durchs Land, um Gruppen bei Konferenzen zu helfen, ein Gemeinschaftsgefühl aufzubauen, indem er ihre Teilnehmer an traditionelle Lieder und Gesänge heranführt, die er bei verschiedenen Kulturen überall auf der Welt gesammelt hat. Er lebt ein Leben, das zu ihm passt, reich an Freundschaften und kreativem und leidenschaftlichem Engagement.

Nicht lange nach seinem neunundsiebzigsten Geburtstag hatte Doug das Gefühl, dass die Stufen zu seiner Haustür von Tag zu Tag steiler wurden. Zuerst tat er seine Müdigkeit und Atemnot als normales Altersphänomen ab. An einem Nachmittag im Hochsommer dann, als er seinen Einkaufswagen durch den Supermarkt schob, fühlte er sich benommen, schwindelig und kurzatmig. Er zockelte zu der einzigen Stelle, an der er sich hinsetzen konnte: in der Nähe der Apotheke, wo man selbst seinen Blutdruck messen konnte. Er erinnert sich nicht mehr daran, ob die Messwerte zu hoch oder zu niedrig waren, nur daran, dass sie nicht gut waren.

Als er am nächsten Morgen beim Arzt war, unterbrach dieser mittendrin die Durchführung des EKGs und rief einen Krankenwagen. Die Rettungssanitäter legten ihn auf eine Trage und fuhren mit ihm im Aufzug hinunter. 24 Stunden später setzten Ärzte in einem nahegelegenen Krankenhaus ihm ein kleines metallenes Röhrchen, einen sogenannten Stent, in eine Arterie ein, die zum größten Blutgefäß des Herzens führt. »Sie war verstopft«, sagte Doug. »Ich hätte draufgehen können.« Er war Millimeter von einem Herzinfarkt entfernt.

Der Stent drückte verklumpte Fettablagerungen beiseite, weitete die Arterienwände und erhöhte den Zufluss von sauerstoffreichem Blut zu Dougs Herz, Körper und Gehirn. Es fiel ihm sofort leichter, die Treppe vor seinem Haus hinaufzusteigen. »Das Leben wurde unglaublich schön«, erinnerte er sich.

»Ich hielt inne, schaute einen Baum an, eine Blume und konnte sie wirklich sehen. Ich fühlte mich wirklich lebendig und gleichzeitig sehr zerbrechlich.«

Der Stent, so spürte er, war eine vorübergehende Atempause. Er fragte sich, warum Fett, Cholesterin und Kalzium sich in seinen Arterien verklumpt hatten?

Er rauchte und trank nicht, aß nie Speck und fuhr dreimal in der Woche mit seinem Fahrrad im Golden Gate Park. »Aber ich habe die Warnung verstanden«, sagte er. »Gib mehr acht, Doug. Es gibt eine Grenze zwischen Krankheit und optimalem Wohlbefinden und du bewegst dich in Richtung Krankheit.«

Sein Krankenhaus bot ihm ein intensives viermonatiges kardiologisches Reha-Programm an, das von der US-Krankenversicherung Medicare bezahlt wurde. Dreimal pro Woche schnallte er sich einen Herzmonitor um und trat in die Pedale eines Hometrainers, wobei ein Physiotherapeut ihm half, seine Herzfrequenz nach und nach zu erhöhen. Ein Diätassistent brachte ihn zur mediterranen Ernährung – weniger Fleisch, Milchprodukte, Zucker und verarbeitete Lebensmittel; mehr Gemüse, Vollkornprodukte, Olivenöl, Fisch und Obst. Er halbierte sein Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden oder innerhalb der nächsten fünf Jahre zu sterben – und was ebenso wichtig ist, sein Risiko, an Demenz zu erkranken. Er verlängerte die Zeit, in der es ihm wahrscheinlich gut gehen wird.

Nach Ende des Programms meldete er sich in einem Fitnesscenter an und begann, dreimal in der Woche auf dem Laufband zu laufen. Mit 82 begann er Gewichte zu heben. »Ich schaute mich im Fitnesscenter um und sah Männer und Frauen meines Alters, die sich sehr kraftvoll bewegten«, sagte er, »das wollte ich auch.« Er baute Muskeln auf und verbesserte sein Gleichgewicht – entscheidende Fähigkeiten, da es ganz natürlich ist, dass die Muskelkraft und Gelenkigkeit im Alter nachlassen. Die Knochen werden brüchig und die Unabhängigkeit kann leicht durch einen Sturz zerstört werden.

»Ich begann mit einer wunderbaren Wellness-Routine«, sagte Doug. »Mehr Bewegung, gesündere Ernährung, besserer Schlaf und ein besseres Wohlbefinden.« Bei der letzten Untersuchung sagte sein Arzt: »Ändern Sie nichts!«


Doug folgt dem, was viele von uns für einen idealen Lebensweg halten: ein hoch funktionelles Alter, dem hoffentlich ein kurzer Verfall und ein friedlicher Tod zur richtigen Zeit folgen.

Aber nur 7 Prozent von uns werden einen plötzlichen Tod haben. Und nur ein Viertel wird in den letzten Lebensmonaten wenig Kontakt zu Ärzten haben. Glücklicherweise zeigen viele Untersuchungen, dass man selbst viel dazu beitragen kann, um hoch funktionell zu bleiben. Mit Ihren eigenen Anstrengungen und der Unterstützung einer liebevollen Gemeinschaft können Sie Ihre Chancen mehr als verdoppeln, sich den glücklichen 25 Prozent anzuschließen, die bis kurz vor ihrem Lebensende nicht viel Hilfe benötigen. Dieses Kapitel, das sich mit den Vorbereitungen beschäftigt, ist ein erster Schritt dorthin. Es wird Sie mit einigen Leitprinzipien bekannt machen, die sich durch jedes Kapitel dieses Buches ziehen:

• Entwickeln Sie eine Vision und arbeiten Sie von dort aus rückwärts. Was bedeutet eine »hohe Lebensqualität« für Sie zum jetzigen Zeitpunkt? Welche Schritte müssen Sie unternehmen, um sie heute zu erleben?

• Fangen Sie mit dem an, was am meisten von Ihnen und am wenigsten von der Medizin verlangt.

• Eine Palette kleinerer Lösungen wird in der Regel mehr für Ihr Wohlbefinden tun als eine einzige »Wunderwaffe«, wie z. B. ein bahnbrechendes Medikament oder eine innovative Operation. Die Wundermittel des späteren Lebens sind Wasser, Bewegung und Gemeinschaft.

• Vorsicht ist die Mutter der Weisheit.

• Konzentrieren Sie sich darauf, so funktionstüchtig wie möglich zu bleiben, und überlassen Sie die Langlebigkeit sich selbst.

Jetzt ist es an der Zeit, eine Bestandsaufnahme zu machen, Reserven zu bilden und festzustellen, was gestärkt werden muss. Die größten Bedrohungen für Ihre anhaltende Unabhängigkeit werden sein: kognitive Beeinträchtigungen, ein einfacher Sturz oder ein degenerativer, aber vermeidbarer Gesundheitszustand. Dieses Kapitel zeigt Ihnen bewährte Wege, um stark und stabil auf den Beinen zu bleiben und den Verstand scharf zu halten. So können sie Krankheiten, die in den Industriegesellschaften Menschen mittleren und hohen Alters plagen, verzögern oder sogar verhindern.

Lebensgewohnheiten – insbesondere Rauchen, Bewegungsarmut, Einsamkeit, schlechte Ernährung und zu viel Alkohol – sind für etwa 70 Prozent dieser lebensbedrohlichen Zustände verantwortlich. Dazu gehören Diabetes, Herzkrankheiten, Schlaganfall und sogar einige Krebsarten und Demenzerkrankungen. Wenn Sie Ihre Lebensweise ändern, selbst nach dem fünfundfünfzigsten Lebensjahr noch, können Sie Ihr Risiko bis um das Siebenfache reduzieren – eine bessere Rendite als bei fast allen Medikamenten.

Ich will damit nicht sagen, dass Lebensmittelverzicht und schweißtreibende Übungen den Tod oder Verfall für immer verhindern. Es wird Sie auch nicht wirklich jünger machen, aber vielleicht glücklicher, stärker und funktionstüchtiger. Wenn wir davon ausgehen, dass unsere Körper auf mehr als fünftausend zelluläre Arten altern, macht es wenig Sinn, den Körper zu trainieren, ohne die spirituelle und soziale Seite zu stärken, um mit dem unvermeidlichen Verlust der Kraft und dem Tod selbst fertigzuwerden. Doch bevor Sie die Dinge annehmen müssen, die nicht zu ändern sind, nutzen Sie die Zeit, um sich auf das vorzubereiten, was vor Ihnen liegt, und das zu ändern, was möglich ist.


Aufbau von Reserven

Ich schlage Ihnen vor, mit dem zu beginnen, was am meisten von Ihnen verlangt und am wenigsten Medizin erfordert. Der effektivste erste Schritt (mit Ausnahme davon, mit dem Rauchen aufzuhören) ist es, jeden Tag einen halbstündigen Spaziergang zu machen. Sie erhöhen Ihre Lungenkapazität, erhalten mehr Sauerstoff fürs Gehirn und erweitern die Größe des Hippocampus, des Teils des Gehirns, das für das Gedächtnis entscheidend ist. Als Nebeneffekt kann man durch das Laufen durch Einkaufszentren, über Wochenmärkte und zu Cafés in der Innenstadt Leute kennenlernen – eine weitere wunderbare Möglichkeit, Ihre Gesundheit, Hirnleistung und Ihr Wohlbefinden zu erhöhen. Das meiste davon ist nichts Neues. Aber wenn Sie vergessen haben, welch tiefe Freude und großes Selbstvertrauen man nach einer halben Stunde oder mehr regelmäßigem körperlichem Training empfindet, insbesondere in der Natur oder mit einem Freund, überlegen Sie, sich wieder damit vertraut zu machen. Auch wenn Sie spät damit anfangen, hat aktive Bewegung enorme gesundheitliche Vorteile – und verbessert sofort die Qualität Ihres täglichen Lebens.

Machen Sie es so, dass es Ihnen Spaß macht. Ich möchte Sie animieren, jegliche Art von Bewegung in Erwägung zu ziehen, die Sie ins Schwitzen bringt und Ihnen Freude bereitet. Viele Menschen finden Freude am Gesellschaftstanz, am Radfahren oder am Schwimmen. Anderen fällt der Einstieg – und das Dranbleiben – leichter, wenn sie sich regelmäßig mit einem Freund verabreden und gemeinsam trainieren. Wenn Ihre Füße oder Knie wehtun, überlegen Sie sich, bessere Schuhe zu kaufen, Wanderstöcke zu benutzen oder einen Podologen, Physiotherapeuten oder einen Therapeuten, der die Feldenkrais-Methode oder Alexander-Technik praktiziert, aufzusuchen. Machen Sie es nach dem Tauschprinzip: Wenn Sie nicht mehr joggen können, machen Sie Aquajogging. Wenn Sie keinen Tanzpartner haben, probieren Sie griechische oder andere Formen des Gruppentanzes. Wenn Sie nicht in Form sind, beginnen Sie langsam mit einem Spaziergang um den Block und steigern Sie sich nach und nach. Egal was passiert, suchen Sie immer wieder nach Alternativen und machen Sie weiter.

Sobald Sie mehr trainieren, könnten Sie einen Blick auf Ihre Ernährung werfen. Manche Menschen ändern ihre Essgewohnheiten, nachdem sie ein gescheites Buch wie The Blue Zones Solution oder Food Rules gelesen haben. Alle werden Ihnen empfehlen, Salatportionen zu essen, die groß genug sind, um einen Essteller zu füllen und einige der roten Fleischsorten, Zucker und verarbeitete Lebensmittel durch Gemüse und Bohnen zu ersetzen. Aber viele Menschen brauchen Unterstützung von außen, um ihre ein Leben lang eingefahrenen Gewohnheiten zu ändern. Freunde von mir, die sich dem Zwölf-Schritte-Programm »Food Addicts in Recovery Anonymous« angeschlossen haben, konnten mithilfe ihrer Gruppe Typ-2-Diabetes zurückdrängen, indem sie Mehl und Zucker vollständig aus ihrer Ernährung gestrichen haben. Andere machen von sich aus weniger radikale Veränderungen.

Die Heilkraft des Körpers ist selbst zu diesem relativ späten Zeitpunkt im Leben erstaunlich. Tom Murphy, ein ehemaliger Journalist von Associated Press und Ex-Marathonläufer, war 62, als bei ihm Diabetes diagnostiziert wurde. Er hatte einen stressigen und unbefriedigenden Job und, wie er erzählte, »hatte die Gewohnheit (seiner) Mutter angenommen, hauptsächlich Kekse und Eiscreme, Pizzen, Gebäck und viel Brot zu essen.«

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