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Torsten W. Burisch Drachengabe - Diesig
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„Das hört sich ja fast an, als würdest du E’Cellbra kennen“, sagte Dantra erstaunt.
„Natürlich“, erwiderte sie mit einer Selbstverständlichkeit, als hätte Dantra sie gefragt, ob sie schon einmal ein Grillhähnchen gegessen hätte.
„Natürlich?“, meinte Dantra überrascht. „Woher?“
Sie sah ihn an, wie es Schwester Melk immer getan hatte, wenn sie nicht begreifen konnte, dass er sich die gestellte Frage nicht selbst beantwortete. Und genau wie sie es damals immer getan hatte, beantwortete Mortuus die Frage nun nicht selbst, sondern gab sie an einen anderen Schüler weiter. In diesem Fall war das natürlich Akinna. „Hast du bereits begriffen, was ich euch bisher erklärt habe? Und kannst du ihm somit seine Frage beantworten?“
Akinna fiel es schwer, ehrlich zu sein. Eigentlich hätte sie Nein sagen müssen, um Dantra besser dastehen zu lassen und der Magierhexe, die sie gerade noch hatte umbringen wollen, nicht recht in ihrer Annahme zu geben. Aber andererseits wollte sie die Unterrichtsprozedur so schnell wie möglich hinter sich bringen.
„E’Cellbra war in ihrem Reich“, erklärte sie Dantra. „Und wer oder was auch immer hier hereinkommt, wird entweder getötet oder nach eingehender Befragung über sein bisheriges Leben mit einer kleinen Erinnerungslücke wieder herausgelassen.“
„Sehr schön“, freute sich Mortuus anerkennend, „das hast du wunderbar erklärt.“ Ihr überschwängliches Lob nervte Dantra und er verzog das Gesicht in gleicher Weise, wie er es schon früher in solch einer Situation getan hatte. „Da ich E’Cellbra für eine außergewöhnliche Hexe halte“, ergänzte Mortuus, „und ihre gewonnenen Erkenntnisse über mein Reich als sehr unterhaltsam empfinde, habe ich mich dazu entschlossen, sie nicht zu töten. Auch“, sie hob tadelnd ihren Finger, „wenn ihre Annahme, dass diese Tinktur, die zweifelsohne penetrant nach Flieder riecht, hier drin irgendetwas bewirken könnte, natürlich völliger Blödsinn ist.“
Akinna sah Dantra vorwurfsvoll an, was dieser jedoch nur mit einem seine Unschuld beteuernden Achselzucken beantwortete. Erst der Dolch des Vertrauens, der wie aus dem Nichts erneut in den Händen Mortuus’ lag, lenkte ihre Aufmerksamkeit zurück auf das Geschehen.
„Lasst uns nun zum Tod ...“ Mortuus stockte und ihre Augen, schwarz und funkelnd wie dunkle Perlen, schweiften umher. Dann begann sie den Satz erneut. „Lasst uns nun zu eurer überaus bedeutsamen Berufung kommen. Ihr glaubt, ihr seid zwei der drei Auserwählten, die in der Wegsagung ihre Bestimmung finden.“ Akinnas verärgertes Knurren wegen ihres ungewollten Verrats aller von ihr sorgsam gehüteten Geheimnisse drang bis an Dantras Ohr. „Und für diesen Zweck wollt ihr den Dolch haben?“, fragte Mortuus, wohl wissend um die Antwort.
Akinna nickte stumm, während Dantra ein leises „Richtig“ hinzufügte.
„Nun“, Mortuus beugte sich nach vorn und hielt Akinna den Dolch wie bei einer feierlichen Übergabe auf ihren flach ausgestreckten Handflächen entgegen, „dann sollt ihr ihn haben.“
Akinna zögerte. Sie wartete auf das Aber. Doch erst in dem Moment, als sie tatsächlich zugreifen wollte, kam es.
„Aber nur“, begann Mortuus streng, „wenn ihr mir versprecht, nach der Erfüllung eurer Bestimmung hierher zurückzukommen beziehungsweise dorthin, wo dieses Waldstück dem großen Strom am nächsten ist, um mir Bericht zu erstatten. Und zwar so schnell es euch möglich ist.“
Dantra und Akinna sahen sich an. Wenn dieses Versprechen bedeutete, dass sie hier lebend rauskamen und sogar den Dolch mitnehmen konnten, stellte sich ihnen die Frage nach der Zustimmung gar nicht. Zumal die Magierhexe nach allem, was sie bisher gehört hatten, draußen in der Welt der Lebenden keine Magie anwenden konnte, die ihnen schadete, wenn sie nie wieder zu diesem finsteren Ort zurückkehren würden. Sie sahen also Mortuus an und nickten bereitwillig.
Deren Blick strahlte zwar Zufriedenheit aus, den Dolch jedoch zog sie wieder zurück. „Nehmt es mir nicht übel, aber ich würde diese Abmachung doch gerne traditionell mit einem Handschlag besiegeln.“
Dantra und Akinna sahen sich erneut an und waren schnell einer Meinung. An einem Handschlag sollte es nicht scheitern. Wieder nickten sie Mortuus zu. Diese legte den Dolch in ihren Schoß und reichte Akinna ihre linke sowie Dantra ihre rechte Hand. Als sie beide die ihnen dargebotene Hand ergriffen hatten, erklärte Mortuus: „So, nun nehmt ihr euch noch an die Hand.“
Sie taten wie ihnen aufgetragen und in dem Moment, in dem sie sich anfassten, spürten beide ein seltsames Ziehen. Es war wie ein unsichtbares Seil, das sie aneinander und an Mortuus festhielt, allerdings von innen.
„Nicht, dass ich euch nicht glauben würde“, sprach die Magierhexe, „aber eine kleine Sicherheit möchte ich mir dennoch lieber verschaffen. Nennt es einfach ein freundschaftliches Band zwischen uns.“ Ein Vertrauen schaffendes Lächeln ihrerseits blieb wirkungslos. „Wie dem auch sei. Ich werde in jedem Fall erfahren, wie eure Mission ausgegangen ist. Aber ich möchte es so schnell wie möglich erfahren und es kann mir keiner so schnell Bericht erstatten wie die, deren Sieg es zu berichten gilt. Solltet ihr also für den Fall, dass ihr erfolgreich seid, erst noch die eine oder andere Siegesfeier planen, bevor ihr mir die Nachricht überbringt, wäre das ein eindeutiger Vertrauensbruch. Und das würde ich sofort, sobald ihr mein Reich betretet, wissen.“ Sie las in ihren Augen, dass sie begriffen hatten, was sie ihnen gerade freundlich, aber bestimmt erklärt hatte. „Und nur für den unwahrscheinlichen Fall, dass ihr in eurer Siegeseuphorie glaubt, gar nicht mehr zu mir zurückkommen zu müssen“, ihre Miene, ihr Ton, ihre ganze Körperhaltung nahm erneut den bekannten bedrohlichen Ausdruck an, „werdet ihr auch außerhalb meiner Machtgrenzen meine Rache auf euch ziehen. In Form von ... Verwesung!“
Dantra wie auch Akinna stockte der Atem. Die Hände der Magierhexe wurden in kürzester Zeit alt, hager und faltig. Ohne eine Möglichkeit, Mortuus loszulassen, mussten sie mit ansehen, wie ihre Hände so schnell alterten, als würde man sie über offenes Feuer halten. Sich dessen wohl bewusst, dass dies nur ein böser Zauber war, etwas, das die Hexe jederzeit rückgängig machen konnte, überfiel die beiden Gefährten dennoch panisches Entsetzen. Wenngleich Mortuus mit ihrer Art, ihnen den Ernst der Lage begreiflich zu machen, bereits sichtlichen Erfolg hatte, ließ sie es sich nicht nehmen, dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen. Denn nun faulten die Hände der Hexe wie die eines Toten. Das Fleisch wurde suppig, weich und roch nach Kadaver. Ihre Knochen schimmerten immer deutlicher hindurch und die ersten Maden, die sich windend durch die Fäulnis schlängelten, erschienen. Der Ekel vor dem, was sie sahen, vor dem, was sie in ihren Händen hielten, wurde nur noch durch die Furcht übertroffen, genau dasselbe an ihren eigenen Gliedern beobachten zu müssen.
„Habt ihr verstanden, wie es euch ergehen wird, wenn ihr eurem Versprechen den Rücken kehrt?“, zischte Mortuus durch ihre Zähne. „Oder muss ich noch deutlicher werden?“
Dantra und Akinna schüttelten mit weit aufgerissenen Augen ihre Köpfe, wobei Dantra diese Geste noch mit einem zittrigen „Wir haben verstanden, ganz bestimmt! Wir haben es verstanden!“ verdeutlichte.
„So denn.“ Die Hexe ließ die beiden los und im selben Augenblick waren ihre Hände wieder in ihrem natürlichen Zustand.
Als wollten sie sich von deren Unversehrtheit überzeugen, ertasteten Dantra und Akinna ihre jeweils zurückgewonnene Hand mit der anderen.
Schweigend und beiläufig, als würde sie Akinna ein Taschentuch reichen, übergab die Magierhexe ihr den Dolch. „Ich habe beschlossen, euch bei der Erfüllung eures Versprechens und bei der Erfüllung eurer Bestimmung zu helfen.“ Die Art, wie Mortuus mit den beiden Gefährten redete, hätte nicht facettenreicher sein können. Nach freundschaftlich, belehrend und drohend war es jetzt jene, die fast alle, die auf einem Thron saßen, an den Tag legten: aus Hochmut Güte walten lassend. Dantra und Akinna bezogen die soeben gemachte Aussage auf das großzügige Überlassen des Dolches. Doch was Mortuus meinte, war etwas ganz anderes.
„Die Grenzen meines Reiches verlaufen nicht ganz so ...“ Ihr Blick verlor sich kurz nachdenklich irgendwo im Dunkel. „... sagen wir geradlinig, wie ihr glaubt. Während es auf eurer Karte so aussieht, als wären meine Ländereien wie dunkle Flecken über das ganze Land verteilt, handelt es sich in Wirklichkeit um ein in sich geschlossenes Prachtreich.“ Ein entzücktes Lächeln, welches so gar nicht zu diesem vom Tod regierten Land passen wollte, begleitete ihre Selbstverherrlichung.
„Dantra!“ Erschrocken zuckte er zusammen. Alles, was sie bisher gesagt, erklärt oder angemahnt hatte, in allem war eine undefinierbare Kälte gelegen. Egal, wie sehr sie sich auch darum bemüht hatte, Vertrauen zu schaffen, diese Kälte war nicht zu übertünchen. Sie hielt ihre Worte so fest umschlossen wie die Totenstarre eine Leiche. Aber jetzt, in dem Moment, als die Hexe zum ersten Mal seinen Namen aussprach, sicher in dem Bemühen, freundlich zu klingen, hatte er das Gefühl, er würde zu Eis gefrieren.
Der Schock, dass sie ihn unendlichen Qualen aussetzen konnte nur mit der Erwähnung seines Namens, zerrte an seinen Wahrnehmungen. Wie durch das prasselnde Nass eines Wasserfalls hörte er undeutliche, flüsternde Rufe, während sein Blick nach Halt suchte. Erst ein leichter Schlag auf seinen Arm holte ihn zurück aus seiner Angstdämmerung.
„Was?“ Er hatte das Gefühl, als wäre er durch einen Strudel aus dieser beängstigenden Lage herausgesogen worden, und nachdem er ihn ordentlich durchgeschüttelt hatte, war er wieder zurück in diese unbehagliche Situation gespuckt worden.
„Jetzt gib sie ihr schon“, forderte Akinna ihn auf.
„Was? Was soll ich ihr geben?“
„Deine Karte“, erklärte Mortuus wieder bemüht freundlich. „Ich fragte, ob du mir einmal deine Karte geben könntest.“
„Ach so.“ Dantra sammelte sich und kramte die Karte aus seiner Innentasche. „Hier, bitte.“
„Willst du sie mir nicht öffnen?“ Selbst ihr Lächeln schien Dantra nun wie eine Aufforderung, den Freitod zu wählen.
„Natürlich“, stammelte er und öffnete das Siegel.
Mortuus nahm sie ihm ab und faltete sie auseinander. „Seht“, sie hielt ihnen den Plan entgegen, „das ist mein Reich. Das ist Sonork.“
Wo vorher Umbrarus abgebildet gewesen war, mit all seinen Bergen, Flüssen und Wäldern, war nun nur noch ein großer schwarzer Fleck zu sehen, durchzogen von dicken und dünnen Linien. Die Legende oben rechts in der Ecke bestand nur noch aus zwei Erklärungen. Die dicken Linien bedeuteten Grenzen. Die dünnen kennzeichneten Wege. Die Rose, die sonst unten rechts im Kompass zu sehen war, war nun durch das skurrile Zeichen ersetzt, das auf der Rückenlehne des Throns schillerte. Einzig das Zaubererwappen, das sich links oben befand, war unverändert geblieben. Der Rest der Karte, wo vorher Inseln im Blau des Meeres eingezeichnet gewesen waren, schien nun durchsichtig zu sein, als könne man die Papyrusrolle zwar noch wie gewohnt halten, aber nicht mehr sehen. Die erschienenen Abbildungen sahen aus, als würden sie frei in der Luft hängen.
„Die dicken roten Linien verdeutlichen die Aufteilung Sonorks. Das bedeutet, wo in eurer Welt eine nicht einsehbare, große Entfernung zwischen zwei schwarzen Baumwäldern liegt, ist es hier nur ein Schritt über eine rote Linie.“
„Das bedeutet also“, Akinnas zweifelnder Blick war auf die Karte gerichtet, „man überwindet eine Entfernung von einem Tagesmarsch oder mehr mit nur einem Schritt?“
„Ganz genau“, lobte Mortuus sie.
„Das ist zwar sehr interessant“, sagte Dantra fasziniert, „aber wie kann uns das bei der Erfüllung unseres Versprechens helfen?“
„Nun“, Mortuus gab Dantra die Karte zurück und setzte sich vor Stolz strotzend aufrecht hin, „ihr könnt mein Reich jederzeit nutzen, um größere Entfernungen zu überwinden. Denn die roten Linien gibt es nicht nur, um die Grenzen von Umbrarus zu verdeutlichen, man kann dort auch Sonork verlassen.“
„Wie?“, fragten Dantra und Akinna wie aus einem Munde.
„Die roten Linien beschreiben eine Art im Boden eingelassene Flüssigkeit. Wenn man Sonork verlassen will, muss man etwas von dieser Flüssigkeit irgendwo auf die Haut auftragen. Da man hierfür einen Finger hineintauchen muss, bietet es sich natürlich an, diese Stelle des Körpers gleich für den Übertritt in eure Welt zu benutzen. Schon der nächster Schritt führt euch zurück.“
„Aber“, Dantra überlegte noch kurz, bevor er seine Bedenken darlegte, „als ich damals nach E’Cellbras Aufforderung in deinem Reich war, habe ich keine Linie gesehen. Ich konnte schon das Sonnenlicht erkennen, als ich auf die Grenze zuging. Und auch hier, als wir hinausgehen wollten, konnte man schon das Tageslicht erkennen. Aber müsste es nicht eigentlich dunkel bleiben, bis man den Finger in das Rot gehalten hat und danach den nächsten Schritt macht?“
„Das hast du gut beobachtet“, lobte Mortuus nun auch ihn. „Aber das liegt daran, dass es sich damals bei E’Cellbra, ebenso wie jetzt, um die endgültige Außengrenze handelte. Mein Reich ist noch nicht ...“ Sie stockte kurz und sah sie überlegend an. „Mein Reich“, fuhr sie schließlich fort, „ist nicht unendlich. Und natürlich kann man an seinen Außengrenzen das Sonnenlicht erkennen, von dem es umschlossen ist.“ Obwohl Dantra noch über ihre Erklärung nachdachte, nahm sie den Faden an der Stelle auf, an der er vom Betreten ihres Reiches auf E’Cellbras Geheiß hin gesprochen hatte. „Bist du dir sicher, dass du damals keine rote Linie gesehen hast?“
„Sonnenlicht“, antwortete Dantra selbstbewusst. „Ich habe ganz sicher das Sonnenlicht gesehen.“
„Zuerst sicherlich“, stimmte Mortuus ihm zu. „Aber als du die Flucht nach links Richtung Fons angetreten bist, war da nicht irgendwo etwas Rotes?“
Die Suche im letzten Winkel seiner Erinnerung ließ ihn schließlich zustimmend nicken. „Ja. Da war etwas.“
„Hättest du schon damals das Wissen gehabt, über das du heute verfügst, wäre dir die Flucht von alleine gelungen.“
„Aber als wir wieder aus dem Wald heraus waren, hat mir E’Cellbra nichts von einer roten Linie gesagt. Sie muss sie doch auch gesehen haben.“
„Ich denke, das hat sie. Aber nach dem, was ich in deiner Erinnerung gesehen habe, hatte sie wohl nicht mehr die Zeit, mit dir über ihre neuesten Beobachtungen zu reden. Zuerst waren ihre Gedanken von Schuld übersät, dass sie dich hier hereingeschickt hatte, und dann habt ihr euch gestritten. Na ja, und nachdem ihr auf Tami gestoßen seid, waren sowieso alle Grübeleien über den schwarzen Baumwald dahin.“ Mortuus sah Dantra schweigend an, während er in seiner Vergangenheit schwelgte, bevor sie ihre Großzügigkeit zum Abschluss brachte. „Also, wie gesagt, ihr könnt jederzeit mein Reich nutzen, um eurer Bestimmung nachzugehen. Ihr und alle, die euch dabei helfen wollen. Aber nun ist es Zeit zu gehen. Ich glaube, ihr werdet vor meinen Grenzen gebraucht.“ Sie deutete in die Richtung, aus der sie vor einer gefühlten Ewigkeit gekommen waren. Dann stand sie auf und ihr Thron löste sich in nichts auf.
Als sich Dantra und Akinna erhoben, verschwanden ihre Stühle auf dieselbe magische Weise, auf die sie erschienen waren. Das Feuer erlosch und die unbehagliche dunkle Feuchtigkeit umschloss sie erneut.
„Lass mich dir nur noch eines mit auf den Weg geben“, sagte die Hexe zu Dantra. „Vertraue mehr auf deine Fähigkeiten. Deine magische Kraft hat damals gegen die Goracks gewirkt, auch wenn sie dir zum Schluss überlegen waren. Diese Kraft hätte auch gegen meine Krieger ihre Wirkung nicht verfehlt. Ja, selbst gegen mich hättest du sie anwenden können. Natürlich wäre sie auch dieses Mal nicht die benötigte Hilfe zum Sieg gewesen. Unsere Übermacht hätte dir keine Chance gelassen. Aber es nicht einmal zu versuchen, weil du nicht an ihre Wirkung glaubst, ist in jedem Fall der falsche Weg.“ Sie sah ihn so bohrend an, dass trotz der Kälte Schweißperlen auf seine Stirn traten. „Nur wer kämpft, kann gewinnen!“ Mit diesen Worten drehte Mortuus sich schwungvoll um und zerfiel zu Staub. Aus dem kleinen, dadurch entstandenen Häuflein wühlte sich ein schwarzer Gorack. Er sah sie noch ein letztes Mal an und flog dann davon.
Dantra und Akinna schauten sich an, denselben Gedanken im Kopf herumwälzend: „Raus hier, so schnell es geht.“
Weder Goracks noch sonst irgendwelche dunklen Kreaturen stellten sich ihnen in den Weg. Und so konnten sie ihr Glück kaum fassen, als sie endlich wieder die warmen Sonnenstrahlen auf ihrer Haut spürten.
Doch zum Durchatmen fehlte ihnen die Zeit. Noch bevor Dantra erkannte, welcher Bedrohung Akinna mit einem abgeschossenen Pfeil entgegentrat, zog er kampfbereit sein Schwert. Dann blickte er in das schockblasse Gesicht von Inius, der auf den direkt neben ihm im Boden steckenden Pfeil starrte. Er hatte bereits sein Schwert im Unterholz gefunden und war gerade im Begriff, auch das von Comal aufzuheben, als er vom plötzlichen Auftauchen der beiden Gefährten überrascht wurde.
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