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Matthias Boden Ein tödliches Komplott
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Der Einsatzleiter gab sich geschlagen und gab Anweisung zusammenzupacken und die Wohnung zu verlassen. Immerhin war Spears Bundesagentin des FBI und gegenüber ihm weisungsbefugt. Seine Kollegen packten ihr mitgebrachtes Equipment zusammen und schlenderten damit zum Ausgang. Der Einsatzleiter war, der letzte der ging und die beiden Agenten mit dem Sergeant alleine ließ. Spears folgte ihm in den Gang und forderte Barber auf, sich etwas anzuziehen. Dann schloss sie die Tür zum Schlafzimmer und die beiden Männer blieben alleine zurück. Wenige Minuten später öffnete Barber die Tür und kam mit ihrem Kollegen aus dem Schlafzimmer.
»Darf ich ihnen einen Kaffee anbieten?«, fragte er die Agenten.
Spears antwortete nach einem kurzen Blick zu ihrem Kollegen »Gerne. Aber bitte mit normalem Zucker, falls sie welchen haben.«
Barber lachte mit tiefer Stimme und bat die beiden in die Küche an den runden Tisch aus hellem Kiefernholz. Er begann frischen Kaffee aufzusetzen. Die Agenten setzten sich auf die Stühle. Ashleigh ergriff erneut das Wort und richtete eine erste Frage an Barber.
»Treiben ihre Kollegen öfter solche Scherze mit ihnen, Sergeant?«
»Eigentlich nicht. Ich kann mir auch nicht vorstellen, wer daran ein Interesse haben sollte. Wir verstehen uns untereinander gut auf dem Revier, aber solche Scherze erlaubt sich keiner von uns. Die Beamten haben schon mehr als genug zu tun, da muss man nicht noch eilig eine Durchsuchung beim Staatsanwalt beantragen, ein Team zusammenstellen und dann eine Wohnung auseinandernehmen. Außerdem ist es kaum möglich während ich unterwegs bin hier einzusteigen ohne, dass ich es bemerke. Nur meine Nachbarin besitzt einen Schlüssel zu meiner Wohnung. Aber die ist derzeit gar nicht in der Nähe. Sie wurde letzte Woche mit Verdacht auf eine Lungenentzündung in die Klinik gebracht«, erklärte er freundlich, als der Duft nach frischem Kaffee die helle Küche eroberte. Dann fügte er hinzu, »Mir scheint eher, dass man versucht hat mir etwas anzuhängen. Allerdings ist mir nicht klar, warum man dazu Zucker in meinem Schlafzimmer verstecken sollte.«
»Genau das ist der Punkt, der mir auch unbegreiflich ist. Ein Dealer, der etwas gegen sie hat, würde wohl kaum Zucker verstecken, sondern eine ganze Anzahl verschiedener Drogen überall deponieren und dann auf dem Revier anrufen und ein Verbrechen melden.«
Barber drehte sich zu ihr um, lehnte sich an die Anrichte und fragte, »Jemand hat die Dienststelle angerufen und ein Verbrechen gemeldet?«
Cooper Knight erwachte aus seinen Tagträumen mit seiner Kollegin in der Hauptrolle, »Es gab einen Anruf auf der Nummer des Drogendezernats. Ein Officer hat ihn entgegengenommen und die erforderlichen Schritte eingeleitet. Der Anrufer hat auch explizit auf das Schlafzimmer verwiesen, wo die Drogen angeblich liegen würden. Man hat den Anruf schon zurückverfolgt. Laut Auskunft der Technik kam der Anruf aus Fayetteville in Arkansas.«
Der Sergeant überlegte eine Sekunde, »Schon wieder ein Anruf. Lassen Sie mich raten. Der Anrufer wollte anonym bleiben und mich nur anschwärzen. Natürlich nur ganz zufällig, wenn gerade sie vom FBI bei uns auftauchen. Bei Nash war es ebenfalls so ein Anruf, der uns auf die Spur gebracht hat. Irgendjemand verfolgt wohl das Ziel mich aus dem Weg zu räumen. Aber warum mit Kandiszucker? Das ergibt doch überhaupt keinen Sinn!«
»Wer war sonst noch in der Wohnung außer ihnen? Sie hatten heute Abend definitiv Besuch. Weiblichen Besuch wie ich vermute und hatten ein bisschen Spaß in der Horizontalen, wie ich am Zustand des Betts erkennen konnte«, wollte Spears wissen.
»Gute Ermittlungsarbeit Special Agentin Spears«, lobte Barber. »Sie haben recht. Ich war nicht alleine. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mich einmal die Woche eine junge Dame besucht. Auf die näheren Details muss ich hoffentlich nicht eingehen.«
»Mal abgesehen davon, dass sie eine Prostituierte in Anspruch nehmen, was übrigens illegal ist, geht es mir darum aufzuklären, warum man zu solchen Mitteln greift. Ganz zu schweigen von der Unfähigkeit, wenn man statt einer Droge Kandiszucker versteckt. Angenommen, der Fall Edwin Nash und dieses Schauspiel hier gehören zusammen, muss die Dame, die sie regelmäßig besucht, darin verwickelt sein. Eine andere Möglichkeit würde mir auf die Schnelle jetzt nicht einfallen. Wie heißt die Dame, wo arbeitet sie und wo ist sie zu finden?«, fragte Spears ganz offen heraus.
Barber wollte das nicht einfach so beantworten. Es war ihm mehr als unangenehm von der FBI Agentin ertappt worden zu sein. Wenn sie das wüssten, könnte er auch gleich einen Aushang auf dem Revier machen. Allerdings war es offensichtlich, dass seine bevorzugte Servicemitarbeiterin etwas damit zu tun haben musste und er es nicht mehr verschweigen durfte. Deswegen erzählte er ganz offen davon, dass aufgrund seines Jobs nicht viel Zeit für eine Beziehung blieb. Seine erste Ehe war am Zeitmangel zerbrochen und durch die vielen Schichten auf dem Revier gelang es ihm nicht eine andere Dame für sich zu begeistern. Natürlich hatte er, wie jeder andere Mensch auch, das Bedürfnis nach Körperkontakt und Nähe. Sein Gehalt war zwar nicht sehr üppig, aber einmal die Woche leistete er sich eine junge Frau aus diesem Gewerbe. Sie nannte sich Madeleine und arbeitete auf freiwilliger Basis bei Emma Reed. Ihr Etablissement war nicht ortsgebunden. Sie unterhielt außerhalb Portlands mehrere kleinere wirklich heruntergekommene Läden und tarnte sie als Bar.
Sie selbst leitete ihre Geschäfte über das Internet und Telefon. Wo sie allerdings ihre Unterkunft hatte, wusste niemand. Spears wollte nicht glauben, dass man ihren Aufenthaltsort nicht ganz einfach herausfinden konnte. Eine Abfrage der Telefongesellschaft oder der IP Nummer ihres Computers waren eine Sache von wenigen Minuten. Barber fing an zu schmunzeln und erklärte, »Stellen sie sich das nicht so einfach vor. Emma Reed hat gute Verbindungen bis in die höchsten Kreise von Portland. Fragen Sie mal einen Staatsanwalt nach einem Beschluss. Das dauert keine Stunde bis sie eine Absage erhalten, weil die Beweise, die sie vorlegen, zu gering waren oder nicht ausreichen würden. Die Sitte hat schon die ganzen Ermittlungsakten der letzten Jahre vorgelegt, die alle auf Emma Reed hindeuteten, aber ein Beschluss blieb ihnen immer versagt.«
»Ich darf annehmen, dass die Staatsanwälte ebenfalls alleinstehende Männer sind?«, fragte Spears grinsend.
»Sehr gut geraten Agentin Spears. Aber leider falsch. Drei der vier Staatsanwälte sind verheiratet, inklusive des Oberstaatsanwalts.«
»Verstehe. Sie haben wohl Abends sehr lange im Büro zu tun und bearbeiten dort die Stressbälle in den Dekolletés der Damen. Falls die Ehefrauen davon erfahren, steigt die Scheidungsrate sprunghaft an. Darum will natürlich auch niemand, dass in diese Richtung ermittelt wird.«
Cooper Knight flüsterte seiner Kollegin etwas zu. Er wollte diese Aufräumarbeiten nicht auch noch erledigen. Spears dachte ein bisschen darüber nach, dann gab sie ihm einen Wink, der Zustimmung signalisierte. Cooper verließ daraufhin die Küche des Sergeants und zückte sein Telefon. Währenddessen unterhielten sich der Hausbesitzer und die Agentin weiter. Er erklärte ihr, dass auch viele hochrangige Politiker der Stadt in die Aktivitäten von Emma Reed verstrickt waren. Selbst der Bürgermeister der Stadt war bei ihren Angestellten als Kunde gelistet. Sozusagen hatte es Emma Reed im Laufe der Zeit geschafft alle wichtigen Stellen erfolgreich zu infiltrieren. Niemand traute sich in dieses Wespennest zu stechen.
Spears musste einsehen, dass in dieser Richtung einiges passieren musste. Eine Unternehmerin im Bereich der Prostitution kontrollierte die Stadt. Dieser ganze Sumpf musste trockengelegt werden. Es war nicht hinnehmbar von illegalen Aktivitäten, denen viele Entscheidungsträger verfallen waren, blockiert zu werden. Trotzdem brauchten sie die Hinweise dieser Madeleine, wer denn hinter dem Komplott gegen den Sergeant stand. Emma Reed fiel dabei aus. Sie konnte kaum ein Interesse daran haben, einen Kunden loszuwerden, der jede Woche eines ihrer Mädchen buchte. Laut Barbers Aussage hatte sie mit Drogen auch nichts Hut. Ihr Geschäft war ebenfalls illegal, aber die Strafen dafür waren weit niedriger. Barber gab aber auch zu, dass einige ihrer Mädchen, die sie kontrollierte, abhängig von diesem Zeug war. Sie verkauften ihre Körper, um an das benötigte Geld zu kommen, ihre Sucht zu finanzieren.
Kurz darauf kam Cooper Knight wieder zurück. Er hatte in Washington angerufen und mit dem Verantwortlichen ihres Einsatzes gesprochen. Er wollte sich um das weitere kümmern. Knight zeigte seiner Kollegin den Daumen nach oben. Damit wusste sie auch Bescheid, dass der Agentenführer im Hauptquartier ihrer Bitte entsprochen hatte. Während sie zu dritt die Kanne frischen Kaffees genossen, stellten sie immer neue Vermutungen auf, wer ein Interesse daran haben könnte, Sergeant Barber aus dem Weg zu räumen. Der Beamte kannte seine Kandidaten schon lange genug. Keiner der beiden Barone, die in der Stadt den Markt kontrollierten, hatten ernsthafte Versuche unternommen, ihn loszuwerden. Mehrheitlich bekam er sogar aus den beiden Lagern Hinweise zu größeren Lieferungen. Scheinbar waren Arthur Antunes und Kylie Richardson nicht bestrebt einem Neuankömmling einen Teil der Stadt zu überlassen.
11. Kapitel
Bahamas, Nassau
Das Team um Liz Croll war gerade in ihrem Büro beim Mittagessen als das Telefon klingelte. Micha, der gerade mit frischem Saft für die Kinder aus der Küche kam, stellte die Karaffe auf den Schreibtisch der Anführerin und nahm den Hörer ab.
»Wer stört?«, fragte er etwas brummelig.
Das Gespräch, was eher ein Monolog war, dauerte einige Minuten. Je länger er den Hörer in der Hand hielt, umso mehr verdunkelte sich seine Miene. Dann sagte er, »Ich gebe es weiter, Rhonda«, und legte auf. Während er die Karaffe wieder anhob und sich auf den Weg zum Tisch machte, setzte er wieder sein Pokerface auf. Zuerst schenkte er den vier Kindern den gekühlten Saft ein, bevor er sich wieder auf seinen Platz setzte und das Team unterrichtete.
»Rhonda hat angerufen. Wir sollen in Amerika dem FBI helfen eine Organisation aufzudecken. Sie nennen sich SNB und lassen Drogen, sowie Waffen durch einfache, meist junge Studenten und Berufsanfänger mit weniger Geld die Waren quer durchs Land transportieren. Das FBI hat zwei Agenten abgestellt, die das untersuchen sollen, die allerdings in Lyon angerufen haben und Unterstützung brauchen. Amy und ihr Team sind gerade in Schweden unterwegs, was bedeutet wir sollen denen helfen.«
»Da kann mal wieder sehen, was das für Blindgänger sind«, scherzte Mike. »Kaum wird es etwas schwieriger, brauchen sie Hilfe, um einen Tagedieb zu überführen.«
Damien, der Sohn von Liz, der gerade auf einem Stück Fleisch kaute, fragte in die Runde »Was ist ein Tagedieb? Klaut der anderen Tage?«
Das Team begann zu lachen. Die Kinder machten fragende Gesichter. Aus ihrer Sicht war die Frage an die Erwachsenen mehr als berechtigt. Michael kannte das schon von seinen beiden Mädchen. In dem Alter stellten sie den Tag über mehr als genug Fragen. Er stand auf und kniete sich neben die Kinder am Tisch, als er erklärte, »Der Ausdruck Tagedieb ist ein altes deutsches Sprichwort, was bereits vor 200 Jahren schon gebräuchlich war. Johann Wolfgang von Goethe, ein berühmter deutscher Dichter, verwendete den Tagedieb schon in seinen Werken. Es bezeichnet eine Person, die keiner nützlichen Beschäftigung nachgeht und den ganzen Tag nichts tut.«
Die Antwort reichte den Kindern aus und sie kümmerten sich weiter um ihr Mittagessen. Den Müttern gefiel es wie der ehemalige Bodyguard mit den Kindern umging. Leonie und Dolly erlebten das täglich zu Hause. Die beiden Mädchen waren ständig am Fragen und Micha erklärte ihnen geduldig alles, was sie wissen wollten. Liz und Karyani bewunderten diese Fähigkeit bei ihm. Sie hatten nach einigen Stunden intensiven Fragens der Kinder nicht mehr die Nerven alles zu erklären. Ihn schien das nicht zu stören, obwohl Leonie und Dolly wussten, dass er teilweise auch genug davon hatte. Allerdings war es ihm wichtig seinen beiden geliebten Kindern ihre Fragen zu beantworten so gut er das konnte.
Liz wollte das Thema jetzt nicht beim Mittagessen ansprechen und gab nonverbale Hinweise an ihre Freunde. Nach dem Essen, wenn die vier wieder zusammen spielten, blieb noch genug Zeit, das alles zu diskutieren. Natürlich gab es keine passendere Zeit, als sie genau dann wieder in der Welt herumzuschicken, als ihre Kinder gerade ihre Ferien hatten. Ihr gefiel das nicht. Wieder einmal mussten sie ihren Nachwuchs alleine zurücklassen und Verbrecher ausfindig machen. Für die Mütter war das immer wieder eine Herausforderung. Jason war nicht mehr in der Lage sich einige Wochen um alle vier zu kümmern. Solange sie noch klein waren und im Sand zusammen spielten, konnte er sie beaufsichtigen und sich um ihre Bedürfnisse kümmern. Mittlerweile waren sie aber nicht mehr zu halten und entwickelten eigene Ideen.
Im Hause Korn und Paredes gab es dieses Problem nicht mehr. Die drei hatten schon seit Monaten zwei Studentinnen engagiert, die sich um die beiden Mädchen bemühten. Sie wechselten sich bei der Kinderbetreuung ab, wenn die Eltern mal wieder unterwegs waren. Damien blieb natürlich bei seinem Vater, solange Liz auf Tour war. Nur Karyani und Mike, die ja beide zum Team gehörten, brauchten für Mika jemanden. Da sie aber bisher niemanden gefunden hatten der auf ihren dreijährigen aufpassen konnte, durfte er für die Zeit zu Valeria und Emilia. Da war er unter seinen Freunden und die Studentinnen kümmerten sich um die Anliegen des kleinsten.
Nach dem Mittagessen räumte Michael den Tisch ab und die Kinder widmeten sich wieder ihrer Tagesbeschäftigung. Danach fand er sich dann vor der Tür ein, um mit Leonie und Liz, die beiden Raucherinnen, einen Glimmstängel zu inhalieren. Leonie machte sich Sorgen dem FBI unter die Arme greifen zu müssen. Es war zwar ein paar Jahre her, seit sie in Houston von exakt dieser Organisation verhaftet worden war. So viel Gutes war ihr in der Zwischenzeit passiert, was sie unter keinen Umständen wieder verlieren wollte. Sie hatte Michael und Dolores an ihrer Seite, durfte sich über die Geburt ihrer Tochter freuen und ihre Halbschwester machte das Glück perfekt. Liz wusste das natürlich, sie war ja hautnah dabei, wie sich das alles entwickelte. Ihre Angst erkannt zu werden war regelrecht spürbar.
Michael empfand die vor ihnen liegende Aufgabe als extrem unangenehm. Er machte gegenüber der Teamchefin auch keinen Hehl daraus. Mit Ausnahme von Micha und Dolores waren sie in den USA immer gefährdet. Mike musste vier Jahre im Gefängnis brummen, seine geliebte Frau wurde wegen diverser Straftaten gesucht und Leonie als ehemalige Auftragskillerin entkam mithilfe von Liz und Mike aus den Fängen des FBI. Falls man sie erkennen würde, was leicht passieren konnte, waren sie alle gefährdet. Dem ganzen Team war nicht wohl dabei in der Höhle des Löwen arbeiten zu müssen.
Liz versprach den beiden sich schon im eigenen Interesse darum zu kümmern. Bevor sie zu einer Besprechung zusammenkamen, rief sie Rhonda Miller in Lyon an.
Die Direktorin von Interpol meldete sich schon nach dem ersten Klingelzeichen, »Hallo Liz, was brauchst du?«
»Sicherheiten Rhonda. Du weißt, dass unser gesamtes Team in den Vereinigten Staaten extrem gefährdet ist. Falls jemand von uns dort erkannt wird sind wir und unsere Familien in Gefahr. Wir möchten nicht auf dem Präsentierteller sitzen, ohne irgendwie abgesichert zu sein«, legte Liz los.
»Ich wollte eigentlich Amys Team schicken, aber die sind anderweitig gebunden und ich habe nur euch zur Verfügung. Ich weiß um die Verstrickungen Bescheid. Ihr habt von meiner Seite aus jeglichen Rückhalt den ihr braucht. Um es ganz deutlich zu formulieren, und das kannst du gerne allen ausrichten, falls euch irgendwas passiert, ihr erkannt werdet oder irgendjemand gegen euch vorgehen will, dürft ihr ungestraft jeden umlegen. Ihr habt jedes Recht, das in euren Arbeitspapieren steht und das weltweit«, erklärte Rhonda eindringlich.
»Was passiert, wenn man uns direkt vor Ort verhaftet?«, wollte Liz wissen.
»Dann, meine liebe Liz, bin ich versucht jeden einzelnen Interpolmitarbeiter in die Staaten zu entsenden und euch da rauszuholen. Falls sie es wirklich versuchen sollten, lernt dieser Staat wie es sich anfühlt Krieg zu spielen. Aber dieses Mal in der Heimat direkt vor der eigenen Haustür.«
Liz konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. »Wollen wir hoffen, dass es nicht so weit kommt!«
»Kann ich sonst noch was für euch tun?«
»Derzeit nicht Rhonda. Wir melden uns, wenn wir etwas brauchen. Danke!«, entgegnete die Anführerin und legte dann auf.
Nach einer kurzen Pause bat die Chefin ihr Team an den Tisch zur ersten Besprechung. Mike, der Hacker des Teams, hatte bereits die Unterlagen, die man ihnen zur Verfügung stellte, überflogen und konnte die Hinweise weitergeben. Die Kinder waren draußen beschäftigt und spielten fangen. Das gab ihnen genug Zeit sich das alles anzuhören. Bevor Mike seinen Bericht loswerden durfte, beruhigte Liz ihr Team und gab ihnen das Ergebnis ihres Gesprächs mit Rhonda Miller weiter.
»Wir alle sind in den Vereinigten Staaten gefährdet, das will ich auch nicht in irgendeiner Form schönreden. Ich habe mit Rhonda in Lyon telefoniert und sie um Sicherheiten gebeten. Sie steht hinter uns bei allem was passiert. Sie erlaubt uns jeden zu killen der gegen uns vorgeht, egal wer es auch sein sollte. Falls man uns verhaftet wird sie alle Hebel in Bewegung setzen uns herauszuholen. Notfalls ist sie auch dazu bereit, ganz Interpol zu bewaffnen und einen Krieg gegen die Amerikaner vom Zaun zu brechen. Sie hat mich noch einmal an unsere Arbeitspapiere erinnert, in denen uns zugesichert wird, jedes auch illegale Mittel anzuwenden, das wir für erforderlich halten. Uns kann also nichts passieren.«
Michael richtete ein Wort an Liz, »Mit deiner Erlaubnis Queen würde ich gerne anregen, dass unsere Familien, insbesondere die Kinder, während unserer Abwesenheit zumindest durch Schusswaffen gesichert sind. Dazu würde ich gerne mindestens drei alte Kollegen hierher beordern, die aufpassen, dass nichts passiert!«
»Meinst du wirklich, das wird nötig sein, Micha?«, wollte Kary wissen. »Wir haben unsere Tarnidentitäten im Ausland zwar abgelegt und operieren wieder unter unseren normalen Namen, aber ich glaube nicht, dass jemand Rückschlüsse auf den Wohnort unserer Kinder ziehen kann.«
»Nenn es meinetwegen Vorsicht oder völlig bescheuert, aber ein blöder Zufall würde ausreichen sie ausfindig zu machen und wir wollen alle nicht das ihnen auch nur das geringste passiert«, gab er zu bedenken.
Alle machten sich Gedanken um ihre Kinder. Niemand wollte, dass ihnen etwas geschieht und seine Bedenken waren nicht von der Hand zu weisen. Das Federal Bureau of Investigation hatte verschiedene Möglichkeiten den Aufenthaltsort zu ermitteln, auch außerhalb der Vereinigten Staaten. Liz erinnerte ihre Mitstreiter an den Fall ›Ikarus‹, der in England seinen Abschluss fand. Damals war es sogar notwendig, einen Killer, der auf sie angesetzt war, vor der Bar ihres Mannes auszuschalten. Dort war es einem Privatmann gelungen, die Adresse ausfindig zu machen. Leonie beugte sich zu ihrem Ehemann und flüsterte ihm etwas ins Ohr. Er nahm sich einen kurzen Moment Zeit, um über ihren Vorschlag nachzudenken. Micha nickte nur stumm. Liz, die das mitbekam, wollte wissen, was Leonies Anliegen war.
Die kleine Blondine erklärte, »Emilia trainiert an Waffen, wie ich als Kind. Sie hat von François eine tödliche Handfeuerwaffe geschenkt bekommen. Ich möchte, dass sie im Notfall sich, Valeria und Mika verteidigen kann, sozusagen als letzte Verteidigungslinie. Ganz davon abgesehen, was wir hier entscheiden.«
»Früh übt sich, wer eine Meisterin wie ihre Mutter werden will«, versuchte Mike einen kleinen Scherz.
Die Anführerin hatte genug davon und wollte zu einem Ende kommen. Deshalb ließ sie die Truppe über Michas Vorschlag abstimmen. Alle schoben ihre Bedenken im Interesse ihrer Kinder beiseite und stimmten dem Angebot zu. Micha ließ daraufhin die anderen kurz alleine und telefonierte vor der Tür mit einem alten Kollegen. Währenddessen unterhielt sich das Team über Emilias Hobby und die Fortschritte, die sie schon gemacht hat. Dolores erwähnte auch, dass sie ihr beigebracht hatten, nie auf Lebewesen anzulegen, mit der Ausnahme, wenn ihr oder ihren Freunden Gefahr drohte. Karyani begann zu lachen. Sie hatte also die gleiche Entwicklung wie Leonie vor sich, nur mit dem Unterschied nicht auf die schiefe Bahn zu geraten.
Kurz darauf kam Micha von seinem Telefonat zurück und berichtete, »Ich habe einen alten Kumpel angerufen. Er kommt mit drei weiteren Bodyguards zu uns und passt auf unsere Familien auf während wir weg sind. Die Bezahlung ist bereits geregelt.«
»Okay, danke Micha«, sagte Liz und drehte sich zu Mike um. »Mike, bring uns auf den neuesten Stand, was haben wir vor uns?«
Die vier Frauen und Michael schlossen die Augen und entspannten sich. Sie hatten die Methode von Michael übernommen, der sich so die Fakten notierte. Der Hacker räusperte sich kurz, rückte auf dem Sofa nach vorne und begann zu referieren, »Eine unbekannte Gruppe setzt in den ganzen Staaten einfache Bürger als Kuriere für Drogen und Waffen ein. Sie tarnen sich als Geheimdienstorganisation mit dem Kürzel SNB. Seit etwas mehr als fünf Monaten werden überall im Land immer wieder Privatpersonen mit Crystal Meth oder verschiedenen verbotenen Waffen erwischt und landen dafür hinter Gittern. Angeworben werden sie mit einfachen Briefen und Bargeld, das sie in ihrem Briefkasten finden, wenn sie einen Auftrag erledigt haben. Die Urheber konnten bisher nicht ermittelt werden. Das FBI hat zwei Agenten angewiesen, dem nachzugehen. Eine Special Agentin Ashleigh Spears und einen Special Agent Cooper Knight. Sie befinden sich derzeit in Portland und sind besorgt, weil sie zu wenig Personal haben. Das FBI hat bei Interpol um Unterstützung gebeten. Trotz mehrfacher Überwachung der Lieferungen konnte bisher niemand der Organisation enttarnt werden. Direkt vor den Augen der Polizei sind Beweismittel aus einer Lieferung verschwunden ohne, dass es bemerkt wurde. Unser Auftrag lautet, mit den beiden Agenten die Organisation SNB ausfindig zu machen und die Hintergründe aufzudecken.«