  .     / Lerne lachen ohne zu weinen
 


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 .     / Kurt Tucholsky. Lerne lachen ohne zu weinen





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Der ber?hmteste Mann der Welt


All der Unsinn, den Mister Chaplin macht, kommt nicht aus dem vergeblichen Versuch, klug zu sein, sondern aus den misslingenden Versuchen, so zu sein, wie andere Leute auch.

St. John Ervine

Kein Parlamentarier ist der ber?hmteste Mann der Welt und kein Politiker, weder Wilson noch Poincar  kein Erfinder ist es, kein Tenor, kein Flugzeugf?hrer. Der ber?hmteste Mensch ist zweifellos Herr Charlie Chaplin, ?ber den alle einmal gelacht haben: die Pariser und die Londoner, alle Amerikaner und die australischen Matrosen, die Besucher der chinesischen Kinos und neuerdings auch die Deutschen, der alte Kontinent und der neue  und dass der Mars noch nicht ?ber ihn gelacht hat, liegt nur an der mangelhaften Verbindung zu diesem kinolosen M?bel.








Mister Chaplin ist so:

Die Gegend betritt ein kleinerer Mann mit einem kleinen schwarzen H?tchen, einem St?ckchen, einem Schnurrb?rtchen. Er geht, wie noch nie ein Mensch auf dieser Welt gegangen ist: er watschelt rasch und eilfertig auf zwei F??en, deren Spitzen ganz nach ausw?rts gedreht sind. Er hat schwarze, fast traurige Augen, und er sieht bek?mmert in die Welt, weil es nun doch gleich einen Kummer geben wird. Richtig, da ist er.

Der Kummer ist ein dicker Mann, ein roher Bursche von ungeheurem Format, mit dem Herr Chaplin sofort aneinanderger?t. Weshalb, ist nicht ganz klar. Diese Filme sind ?berhaupt nicht ganz klar. Aber es kommt ja nicht auf[1 - Es kommt auf an  , ()  ] ihre Handlungslosigkeit an und auf das Gewirr von Pr?geln, Feuerwehrschl?uchen, jungen M?dchen, auslaufenden Milchflaschen und herunterfallenden Gipsb?sten. Es kommt auf ihn an, auf Mister Chaplin.

Aus den acht oder zehn Films, die bis jetzt nach Deutschland gekommen sind, bleibt eine F?lle von Einzelheiten haften, deren jede vollendet gespielt ist.

Mister Chaplin l?dt dreizehn St?hle auf seinen R?cken, sieht aus wie ein Morgensternsches Stuhlschwein und starrt vor lauter Stuhlbeinstacheln: Mister Chaplin ist aus dem Gef?ngnis entflohen, wo die amerikanischen Str?flinge bekanntlich gestreifte Kleidung zu tragen haben, und erwacht morgens im Bett: verwundert und deprimiert gleiten seine schwarzen, klugen Augen ?ber den gestreiften Pyjama und ?ber die Gitterst?be seines Bettes  also doch? Wieder Gef?ngnis?  Nein, der Diener bringt den Kaffee. Und wie Herr Chaplin dann sofort aus dem geduckten Fl?chtling ein feiner Herr wird, mit einer Zuckung der Schulter, einem ganz unmerklichen Zusammenrei?en in den Augen: das ist schlechthin meisterhaft. Herr Chaplin muss hungrig zusehen, wie ein dicker Mann von vierundzwanzig Tellern sein Fr?hst?ck isst; dann soll er die leeren Teller abr?umen. Ein Blick, zwei L?ffel, und Herr Chaplin beginnt mit sieghafter Geste auf den Tellern Xylophon zu spielen.

All diese Einf?lle dauern nur einen Augenblick, das geht alles ganz rasch vor?ber, wird mit den sparsamsten Mitteln exekutiert. Er hat sich hinter einem umgest?rzten K?chentisch verbarrikadiert und bewirft seine Partner mit gebratenen Kartoffelkl??en: blitzschnell taucht die Assoziation Sch?tzengraben in ihm auf: er ergreift zwei leere Weinflaschen, steckt den Kopf ?ber den Tisch und be?ugt unendlich strategisch den Feind durch dieses neue Scherenfernrohr  und blitzschnell taucht er wieder unter.

Er hat eine Komik des Nichttuns entwickelt, die ganz ungeheuerlich ist. Der Mann, der sich nicht traut, durch eine T?r zu gehen, dreimal ansetzt und viermal umkehrt, ist noch niemals so gespielt worden wie von ihm. Er sitzt in der Heilsarmee und muss ?ber irgend etwas lachen, das neben ihm vorgeht  der strafende Blick des Predigers f?llt auf ihn  Gro?aufnahme: man sieht ihn fr?hlich grinsen, und dann ist das Lachen wie mit einer Zange abgekniffen[2 - wie mit einer Zange abgekniffen   ]. Unruhig ruckelt ein ger?ffelter Schuljunge auf seinem Platz, und ganze V?lkerschaften liegen unter dem Tisch.

Womit er das alles erreicht, ist v?llig unbegreiflich. Manchmal nur mit einer kleinen Bewegung  er kann mit den Schultern weinen. Einmal wird einer massiert  Chaplin sieht den riesigen Bademeister und sein beklatschtes und maltr?tiertes Opfer. Er wird der N?chste sein Und in den unergr?ndlichen Augen liegt eine solche Angst, eine solche tiefe und fast tierische Furcht und dazu eine Gran Ironie, dass es so etwas gibt Und er bewegt sich nicht, und man h?rt ihn jeden Gedanken denken.




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   ,     (https://www.litres.ru/book/kurt-tuholskiy/nemeckiy-s-ulybkoy-uchis-smeyatsya-ne-placha-lerne-lachen-o-8933194/)  .

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notes








1


Es kommt auf an  , ()  




2


wie mit einer Zange abgekniffen   


