Almazagnes
Natali Patra


Das Leben sollte nat?rlich geordnet verlaufen, doch manchmal f?hren harmlose Begegnungen zu falschen und unvorhersehbaren Folgen. Die Protagonisten des Romans erleben mitunter surreale Abenteuer und magische M?rchen, doch manchmal wird alles allt?glich und banal.





Natali Patra

Almazagnes





2 Teil




Teil 1. Der Diamantenschirm

Kapitel 1. Unschuldige Begegnungen



Drau?en herrschte Winter. Gro?e Schneeflocken wirbelten ?ber den Boden. Im Zeitalter von H?chstgeschwindigkeit und Informationstechnologie war die beste Art, Geschwindigkeit zu sp?ren, eine rasante Schlittenfahrt. Und Handys f?r schnelle Kommunikation passten problemlos in die Taschen von Jogginghosen, an denen der Schnee nicht kleben blieb. Agnessa hatte sich schon immer f?r das Filmemachen begeistert. Eines Tages sah sie eine Stellenanzeige am Institut f?r Fernsehen und Rundfunk. Sie hatte gute Schulnoten, und niemand st?rte ihre Vorbereitung auf die Zulassung. Sie schrieb sich f?r das Abendstudium am Institut ein, um neben ihrer Arbeit tags?ber einen zweiten Abschluss zu erwerben. Ihr Mann Apollon war zu dieser Zeit l?ngere Zeit abwesend.

Denis Turin arbeitete seit Kurzem als Fernsehmoderator. Nach seiner bescheidenen Hochzeit mit Tatjana, zu der die Arkins nicht eingeladen waren, war er ein leidenschaftlicher und liebevoller Mann geworden, der von Frauen im ganzen Land und manchmal sogar pers?nlich verehrt wurde. Agnessa wurde die neueste Schw?rmerei eines ber?hmten Mannes. Eines Tages erblickte er ihre wundersch?nen Beine unter einem kurzen Rock, die ihm in den G?ngen des Fernsehstudios immer ?fter begegneten. Er konnte der weiblichen Anziehungskraft nicht widerstehen und bot der Besitzerin dieser Beine eine Mitfahrgelegenheit an. Sie nahm an. So verzaubert war er, dass er mit der sch?nen Frau zu einem verlassenen Stadion fuhr. Wei?er, matter Schnee umgab das Auto von allen Seiten. Es war warm im Inneren. Man h?tte fast meinen k?nnen, sie w?ren im Weltraum: Kein Licht war zu sehen. Denis fuhr. Agnessa sa? neben ihm. Sie fuhren durch die Stadt und hielten an einem verlassenen Waldstadion. Sie umrundeten die Stra?e und hielten gegen?ber dem Eingang. Das Paar wollte ?ber seine Probleme sprechen. Unaufdringlich begannen sich H?nde in das Gespr?ch einzumischen. H?nde ber?hrten Arme, H?lse und glitten unter Pullover, dorthin, wo es w?rmer und gem?tlicher war. Beine folgten Schritt f?r Schritt, ein Bein fand das andere. Lippen trafen sich. Eine Zunge drang in den benachbarten Mund ein, die zweite in den ersten, und sie tauschten eine z?rtliche Ber?hrung aus. Die beiden M?nder, die die Freude der Kommunikation erlebt hatten, schlossen sich. Die Lippen wirkten wie ein Energiespeicher. Doch die H?nde intensivierten ihre Aktivit?t und begannen, in die Tiefen der menschlichen Kleidung einzudringen.

Die H?nde sp?rten, dass sie auf zu viel Kleidung stie?en, und begannen, das ?berfl?ssige zu entfernen. Die intimsten Stellen des K?rpers sind an einem Wintertag gut von Kleidung bedeckt, doch die H?nde sind allgegenw?rtig. Und die Bollwerke der Kleidung brechen unter den H?nden zweier Liebender. Denis erreichte die intimen Stellen als Erster. Agnessa folgte ihm dicht auf den Fersen und pr?fte die Festigkeit seines G?rtels. Die Gef?hle im Auto vor dem verlassenen Stadion waren so offenherzig, dass sie an Wahnsinn grenzten. Sie waren uners?ttlich. Doch alles hat ein Ende, besonders die k?rperliche Liebe. Die umgeklappten R?cksitzlehnen dienten als Bett. Ein Kuss nach der Liebe ist kurz, wie ein Ausdruck der Dankbarkeit. Die H?nde haben das Interesse an ihrem Partner verloren und sind mit der eigenen Kleidung besch?ftigt. Die Beine entfernen sich voneinander. Die R?cksitzlehnen waren wieder aufrecht.



Die beiden wirkten unschuldig im Auto. Er fuhr los, und sie folgte ihm gehorsam vom verlassenen Stadion. In der Ferne funkelten die Lichter der Stadt. Doch das romantische Treffen im Stadion lie? auf sich warten; es gab ein Vorspiel. Agnessa erkannte das Waldstadion durch die Autofenster; hier hatte sie schon Stuntmen auftreten sehen. Sie stellte sich vor, wie das Stadion fr?her geflutet wurde und der Bev?lkerung kostenlose Unterhaltung bot. Erwachsene und Jugendliche zogen ihre eigenen oder geliehenen Schlittschuhe und Kleidung an und gingen auf die Eisbahn. Die Menschen drehten ihre Runden im Stadion und freuten sich, wenn Lichter in den Ecken aufleuchteten und Musik erklang. Auch Fu?ball wurde im Stadion oft gespielt. Ein solches Stadion eignete sich auch zum Fallschirmspringen. Im Sommer sa?en M?tter mit Kinderwagen auf den B?nken und sonnten sich. Das Waldstadion war einst erbaut worden und ideal f?r Stuntmen, die dort ihre F?higkeiten unter Beweis stellten, indem sie mehrere Autos aufreihten und mit Motorr?dern ?ber deren D?cher rasten. Dieses Stadion wurde nur selten genutzt. Es gab eine sch?ne Zeit, da verkauften Stadien Kleidung und Schuhe; die einst so beliebten Stadien verdienten Geld mit der Vermietung von Marktst?nden. Nicht alle Stadien waren leer, und Agnessa liebte diese stadion?hnlichen M?rkte; manchmal hatte sie Gl?ck beim Einkaufen. Die Stadien waren besonders hilfreich, wenn das Geld in der Familie knapp war. Je mehr Geld die Familie hatte, desto besser waren die L?den, die sie besuchte.



Zwei Wochen vergingen.



Agnessa, fahren wir?, fragte Denis kurz am Telefon.



Ja, stimmte Agnessa aufgeregt zu.



Ich warte im Auto auf dich.



Agnessa zog sich schnell an und verlie? das Haus. Denis, gutaussehend, sa? am Steuer. Die wei?e Mohairweste unter ihrem pr?chtigen schwarzen Haar, das von einem renommierten Friseur gestylt worden war, lockte mit ihrer Gem?tlichkeit. Es war Winter. Das Auto fuhr hinaus in die Dunkelheit des Unbekannten. Agnessas Mohairpullover aus Melange-Garn gl?nzte. Mohair und Mohair harmonierten perfekt. Die Liebeszeremonie im Dunkeln des Autos auf einer Landstra?e versprach leidenschaftlich zu werden. Doch ein entgegenkommendes Auto blendete mit den Scheinwerfern und zerst?rte die ganze Zeremonie.

Sie warfen sich hastig die Kleider ?ber und taten so, als wollten sie gehen. Denis hatte f?r ihr n?chstes Treffen eine verlassene Wohnung ausgesucht. Ein heller, neuer Pelzmantel fiel auf einen Stuhl.



Ein neuer Mantel?, fragte Denis grinsend.



Den habe ich heute gekauft, erwiderte Agnessa fr?hlich.



Warte auf mich, ich bin gleich wieder da, sagte der Mann und verschwand durch die T?r. Agnessa schritt in der Wohnung auf und ab, die, wenn ?berhaupt, nur selten bewohnt war. Alte Autoreifen lagen in der K?che. Ein sch?biger, alter Kessel stand auf dem Gasherd. Wahrscheinlich hatte hier noch nie jemand gegessen oder gekocht, und wenn doch, dann war es schon sehr lange her. Ein heller Sperrholzschrank stand im einzigen Zimmer. In der Ecke stand ein Metallbett mit kugelf?rmigen Kopfteilen. Ein runder Holztisch st?rte die museumsartige Tristesse nicht. Sie blickte aus dem Fenster auf den schneebedeckten Park. Die T?r ?ffnete sich langsam. Denis erschien, duftete nach Schnee und frischer Luft. Er hielt ein feines Service in den H?nden: Champagner, Pralinen, Bananen. Und das zu Recht, denn in dieser fremden Wohnung gab es nichts zu essen. Agnes fand Tassen und gekochten Tee. Das Bett schien angemessen, knarrte aber unertr?glich. Die Liebenden mussten auf einen harten Untergrund ausweichen  den Boden. Ohne Champagner w?ren ihre amour?sen Abenteuer in der vergessenen Wohnung tats?chlich unm?glich gewesen. Das Telefon klingelte.



Apollos zitternde Stimme fragte:



Agnes, wann kommst du nach Hause?



Bald. Sehr bald.



Der Anruf auf dem Festnetz war der jungen Frau ein R?tsel. Woher wusste ihr Mann, der zwei Jahre lang fort gewesen war, wo sie war? Agnes Stimmung sank etwas. Sie sah Denis an. Die Freude ?ber ein gelungenes sexuelles Abenteuer spiegelte sich in seinem Gesicht wider. Ihm standen die Haare zu Berge. Sorgf?ltig strich er sich die Haare glatt und sah noch attraktiver aus. Wow, hatte er vielleicht vor dem Champagner etwas getrunken? Vielleicht einen M?nnertrank? Das Gesicht des jungen Mannes strahlte vor Freude. Denis hatte Agnes seit ihrem letzten Treffen nicht mehr bemerkt. Agnes' Privatleben nahm Fahrt auf.



Zwei Wochen vergingen



Sollen wir los?, fragte Denis am Telefon.



Agnes willigte ein. Denis fuhr etwa hundert Meter und hielt an.



Zieh dich aus!, befahl er grinsend. Dann f?gte er w?tend hinzu: Wir kriegen beide ein blaues Auge.



Wieso?, fragte Agnes ?berrascht und zog sich aus.



Wir sind hier unter den Fenstern eines Geb?udes. Hier laufen Leute herum, und du tr?gst nichts au?er Stiefeln und Haaren, erkl?rte Denis.



Ja, aber was f?r ein K?rper! Du solltest ihn wenigstens loben. Lass uns weg von den Lichtern fahren.



Ha, meine Schuhe sind also getrennt von mir, also muss ich aufs Gaspedal treten! Du wei?t, was ich meine: Hosen sind kein Rock; man kann sie nicht ?ber den Kopf ziehen.



Die Silhouette eines kleinen Mannes huschte am Autofenster vorbei. Er sp?hte hinein und beugte sich kaum vor. ?ber der T?r brannte ein kleines Licht. Er erkannte die Leute im Wagen. Tisha kicherte zufrieden und bog um die Ecke des dunklen Geb?udes. Das verliebte Paar war in einem Auto mit get?nten Scheiben mit etwas Wichtigem besch?ftigt. Zwanzig Minuten sp?ter fuhr der Wagen langsam von der Stra?e und dem beleuchteten Geb?ude weg und hielt an einer dunklen Stelle. F?nf Minuten sp?ter flatterte ein M?dchen, das mit seiner schmalen Taille einer Libelle ?hnelte, aus dem Auto.



Agnessa winkte Denis zu und eilte zum Auto:



Denis, wo ist mein Handschuh?



Was ist los, Agnessa? Ich habe deine Handschuhe nicht genommen.



Such weiter, meine Liebe! Der Handschuh ist neu, aus Ziegenleder. Soll ich mir etwa neue kaufen? Wei?t du, ich habe mein Taschentuch aus dem Fenster geworfen, und dein Handschuh ist mitgeflogen.



Agnessa warf ihr kastanienbraunes Haar zur?ck, winkte zum Abschied und ging schnell vom Auto weg.

W?hrend sie ging, dachte sie: Warum habe ich nur so ein Pech? Oder hat sie Gl?ck? Hauptsache, niemand bemerkt mich neben Denis, vor allem nicht Apollon; der wird bestimmt etwas anstellen.

Agnessa kam nach Hause und rief ihre Freundin Tatjana an:



Tatjana, ich habe einen neuen Schwarm. Du kennst ihn doch! Er ist im Fernsehen. Gib mir blo? keine Ratschl?ge; ich wei?, dass ich etwas Falsches tue.



Agnessa, ich rede doch gar nicht mit dir. Er ist ber?hmt! Wozu brauchst du so einen Schwarm?



Er ist so toll. Wir haben so viel Leidenschaft!



Ich mache mir Sorgen um deine Schw?rmerei, sagte Tatjana, h?rte aber in diesem Moment das Telefon klingeln. Das Wichtigste, was Tatjana Agnessa nicht mehr sagen konnte, war, dass Denis Turin ihr Ehemann war. Sie hatte es ihrer Freundin noch nicht einmal erz?hlt und sie nie zu sich eingeladen. Georges war wieder aufgetaucht und wurde von da an Agnes' lebenslanger Freund. Solange sie sich erinnern konnte, hatte sie immer Probleme mit ihm gehabt: Er schien bei ihr zu sein, aber irgendwie auch nicht; er war entweder ein Freund oder nicht; aber weder ein Liebhaber noch ein Ehemann. Sie konnte es nicht l?nger als eine Stunde mit ihm in derselben Wohnung aushalten, manchmal reichten schon zehn Minuten. Georges irritierte Agnes zwar manchmal, aber sie wurde ihn nicht los.

Am n?chsten Tag tauchte Georges mit einem Handschuh auf:

Agnes, ich ging die Lindenallee entlang. Da sah ich Denis Auto vorbeifahren, und Handschuhe flogen heraus. Ich blieb stehen. Der Handschuh glitzerte silbern auf der Stra?e. Ich hob ihn auf und brachte ihn dir. Ich erinnere mich, dass du so einen sch?nen Handschuh getragen hast. Warst du mit Denis unterwegs?



Gl?ck oder Pech, dachte Agnes und sagte:



Georges, Denis hat mich einfach nach Hause gefahren. Das passiert jedem mal! Danke f?r den Handschuh.



Nein, das glaube ich dir nicht! Wo warst du gestern? Aber wenn du nicht reden willst, antworte nicht. Agnes erinnerte sich, dass sie im Sommer mit Georges an einen klaren See gefahren war, um Krebse zu fangen. Er a? die Krebse mit Genuss und sp?lte sie mit Flaschenbier hinunter. Sie beschloss, ihn zu bes?nftigen:



Georges, h?ttest du gern ein Bier? Ich wei?, wo man Krebse kaufen kann. Komm, wir gehen zu dir. Georges l?chelte:



Wir gehen Flusskrebse essen und trinken Bier; mein Auto steht gleich daneben.

Die Flusskrebse f?rbten sich rot. Das Bier wurde kalt. Georges wurde milder. Doch Agnes' ?rger brodelte weiter: Sie mochte kein Bier. Sie erinnerte sich an Denis; mit ihm war es einfach gewesen, ohne Essen und Trinken auszukommen, und alles war sehr sinnlich, w?hrend es hier nur um die Verdauung ging.



Georges, ich gehe jetzt, danke f?r den Handschuh, sagte Agnes und ging zur T?r.



He, wag es ja nicht, die T?r zu ?ffnen! Du machst das Schloss kaputt!, rief Georges und ?ffnete die T?r selbst.

Kurz darauf ging Agnes ihren Gesch?ften nach, doch unterwegs nahm sie eine Mitfahrgelegenheit in Georges' Auto. Pl?tzlich sackte der gro?e Mann ?ber dem Lenkrad zusammen. Der Wagen geriet au?er Kontrolle. Agnes blickte verzweifelt auf die Stra?e, auf das Lenkrad unter dem reglosen Fahrer. Sie f?hlte Angst, Todesangst, sie wollte schreien und leben! Aber wie sollte sie ?berleben? Wie nur?! Sie war eine kleine, zierliche Frau, die nicht Auto fahren konnte! Sein Fu? dr?ckte aufs Pedal, aber seine H?nde r?hrten sich nicht! Agnes sah, wie der Wagen, versteckt zwischen dem gr?nen Laubwerk, immer schiefer und schwammiger die Stra?e entlangraste. Verzweifelt riss sie den Mann aus dem Lenkrad und versuchte, die Richtung zu ?ndern. Sie war darin schlecht, aber es gelang ihr! Die Stra?e war leer, niemand konnte ihr helfen, aber auch niemand griff ein. Wie lange sie schon gefahren war, wusste sie nicht, doch pl?tzlich tauchte ein rotes Kreuz vor ihr auf. Medizinische Hilfe war in der N?he! Sie trat voll auf die Bremse. Der Wagen kam neben einer Silberpappel zum Stehen, die den Eingang zum Krankenhauskomplex bewachte. Die Sanit?ter trugen den Mann aufgrund seiner betr?chtlichen Gr??e und des vielen Fetts nur mit M?he auf die Intensivstation. Er erlangte das Bewusstsein nicht wieder. Sie stieg in das Auto einer Freundin und fand sich in dieser Situation wieder. Was Agnes geritten hatte, wusste sie selbst nicht. Pl?tzlich st?rmte sie auf die Intensivstation. Sie st?rzte sich auf einen Mann, der an einem Herzinfarkt starb, wie ihr eine Krankenschwester mitgeteilt hatte. Sie r?ttelte an dem leblosen K?rper, der keine Lebenszeichen zeigte, und schrie mit markersch?tternder Stimme:



Georges, lebe! Lebe, Georges! Ich will, dass du lebst! Lebe! H?r zu, lebe!



Agnes ignorierte die Sanit?ter, die glaubten, es sei zu sp?t, den Toten wiederzubeleben. Sie begann, ihn k?nstlich zu beatmen. Sie beatmete ihn Mund zu Mund. Sie schrie ihn an. Sie begann, ihm ins Gesicht zu schlagen; niemand hielt sie auf, da ihre Bem?hungen als sinnlos galten. Doch sie schlug weiter auf ihn ein. Sie schrie ihn wie einen Fluch an:



Georges, lebe! H?r zu, Mann, atme!



Sie atmete f?r ihn.



Und er seufzte, als h?tte sie ihm einen Klo? im Hals zertr?mmert.



Die Sanit?ter kamen zur Besinnung und kehrten zu ihren Aufgaben zur?ck. Agnes wurde aus dem Zimmer gef?hrt. Und sie beschloss, unbedingt Autofahren zu lernen. Georges war fr?her Wachmann und hatte davor in einem M?belhaus gearbeitet. Offenbar war der Milit?rdienst schon immer die Hauptbesch?ftigung der M?nner. Jeder wei?, dass Frauen von M?nnern abstammen, also muss Agnes entwickelter sein als Georges, der Mann. Wenn Georges also ein Mann ist und nicht von Menschen abstammt, dann ist er unsterblich! Und ?rzte waren Menschen und wussten nicht, dass wahre M?nner nicht sterben! Man k?nnte argumentieren, dass M?nner l?ngst ausgestorben sind! Entschuldigung, aber wenn sie jemals existiert haben, dann m?ssen einige ihrer Nachkommen sicherlich noch in der Menschenwelt leben. Nach dem Vorfall mit dem Mann, der offensichtlich ?ber tausend Jahre Erfahrung hatte, musste Agnes die Feinheiten des Autofahrens meistern, was sich in ihrem seltsamen Leben als sehr n?tzlich erwies.

Agnes war hin- und hergerissen zwischen drei Leidenschaften: ihrem Ehemann Apollon, ihrem Freund Georges und ihrem Geliebten Denis. Au?erdem hatte sie einen unbekannten Verehrer, mit dem sie nicht schlief. Er war ein kleiner, unscheinbarer Mann mit einem pockennarbigen Gesicht. Tisha, ein kleiner Mann, hatte Agnessas wohlgeformte Gestalt schon seit Jahren beobachtet. Er kannte ihre Leidenschaften und Hobbys. Er wohnte im Nachbarhaus und arbeitete im selben Geb?ude. Tisha versuchte, mit ihren Abfahrts- und Ankunftszeiten Schritt zu halten  eine Kunst f?r einen kleinen Mann. Er kleidete sich anst?ndig, besa? aber nie ein Auto. Dieser kleine Mann wusste ?ber ihre gro?en M?nner Bescheid. Er hatte keine Familie, trank nicht und vergn?gte sich mit Agnessas Hobbys.



Die Nachbarn nannten ihn Tisha. Eines Tages hatte seine Nachbarin, Oma, ihre Katze Tisha verloren. Als Tisha vom Verschwinden der Katze erfuhr, ?berlegte er kurz und fand sie im Nachbarhaus, das ihrer sehr ?hnlich sah, auf derselben Etage. Und so wurde er f?r Oma zu Tisha. Von Oma erfuhr Tisha von Agnessa. Er respektierte die alte Frau, die ihn mit Informationen belohnte. Sie wusste von seiner unerwiderten Liebe zu seiner jungen Nachbarin.

Oma schenkte seiner Zuneigung zu der Frau keine Beachtung, aber Tisha spielte mit. Ein Wagen mit get?nten Scheiben parkte vor der Haust?r. Denis vereinbarte telefonisch Agnes' Abfahrtszeit. Sie trat aus der T?r und befand sich im offenen Wagen. Zeit war verst?ndlicherweise kostbar. Das Leben ist hart f?r sch?ne Frauen; man muss st?ndig alles im Griff haben. Gut, dass sie sie nicht bei einer Firma wie Dosuga eingestellt hatten. Offenbar hielt dieser Service drei M?nner f?r genug f?r eine junge Frau. Denis Turin fuhr schnell vom Geb?ude weg und raste die Autobahn entlang in Richtung Stadtzentrum. Gef?hle von Neid und Hass auf Denis stiegen in Georges auf, also musste er eine Flasche Wodka holen, sich beruhigen und einen Racheplan schmieden. Kurz darauf ereignete sich ein Verkehrsunfall; er wurde im Fernsehen gezeigt. Die Unfallursache wurde untersucht. Der ber?hmte Mann, der die dunkle Limousine mit den get?nten Scheiben fuhr, ?berlebte; ein Airbag rettete ihm das Leben. Agnessa hatte den Unfall an jenem Morgen im Fernsehen gesehen. Unter Tr?nen verlie? sie das Haus. Ihre Nachbarin, eine ?ltere Dame, brachte gerade den M?ll raus und zeigte Mitgef?hl. Agnessa erz?hlte der ersten Person, die die traurige Nachricht h?rte, und verschwieg dabei nat?rlich einige Details.

Die ?ltere Dame rief sofort Tisha an, die gerade aus dem Haus rennen wollte, um Agnessa hinterherzulaufen. Tisha dankte der ?lteren Dame f?r die hilfreichen Informationen und versprach, ihr frisches Brot mitzubringen. Nach dem Unfall fuhren Denis' Freunde seine Limousine zu seinem Haus. Nein, er wohnte nicht in dem Luxusgeb?ude, in das er Agnessa mitgenommen hatte. Er hatte Agnessa erz?hlt, es geh?re Freunden, die ihm vor?bergehend einen Schl?ssel gegeben h?tten. Er wohnte in einem einfachen Viertel, in einem alten, hohen Geb?ude neben einem Kino. Das Geb?ude hatte kein warmes Wasser, sondern nur Warmwasserbereiter.

Denis' kleine Wohnung sah noch schlimmer aus als seine Limousine. Das Wrack stand in der N?he seines Hauses, und er wurde mit Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert. Agnessa oder Tatjana hatten ihn besucht, aber sie hatten sich nicht gesehen. Tisha traf Agnessa und fragte scherzhaft: Wie gehts, Agnessa?

Er hatte Gl?ck. Sie begr??te ihn und erz?hlte, dass sie heute Morgen im Fernsehen einen Bericht ?ber einen Bekannten gesehen hatten, der beinahe einen Autounfall verursacht hatte. Sie kannte ihn; er wohnte in einem Geb?ude neben dem Kino. Tisha freute sich ?ber diese Worte. Er war auf einer Gesch?ftsreise und fuhr zum Kino. Er kannte die Gegend gut, fand das Kino schnell und ging um die H?user herum. Anhand des bekannten Wracks vermutete er, wo Agnessas Mann wohnte.

Tisha ging um die ?berreste des Wagens herum, dessen Fahrert?r besch?digt war. Die Scheibe war zerbrochen, aber auf seltsame Weise. Die T?r war eingedr?ckt, aber die scharfen Kanten hatten das Herz des Fahrers nicht erreicht. Der Wagen war noch zu retten, also brachten sie ihn zum Haus. Tisha hatte den Verdacht, dass Denis etwas angeh?ngt worden war, aber von wem? Sein Blick fiel auf die get?nten Scheiben. Sie waren seltsam. Tisha ging zum Auto und begann, die Scherben aufzusammeln. Interessanterweise war das Glas zwar zerbrochen, aber nicht in tausend St?cke zersplittert.



Die Folie, dachte Tisha, vielleicht ist das das Geheimnis? Der Arbeiter h?tte die Folie auf die Scheiben kleben k?nnen, aber die Autowerkstatt hatte sie nach dem Anbringen auf Transparenz gepr?ft. Sie waren f?r ihre Arbeit verantwortlich. Die Folie war von innen angebracht worden, und hier gab es zwei Schichten.



Wer sonst k?nnte in den Unfall verwickelt gewesen sein? Bald sah Tisha Georges in der N?he des Kontrollpunkts stehen. Sein gro?er Wagen mit den neuen get?nten Scheiben parkte neben ihm. Der Mann wischte die Scheiben von au?en mit einem trockenen Tuch ab und tat so, als sei er extrem besch?ftigt. Agnessa, die sehr traurig aussah, verlie? das Geb?ude und ging zur Bushaltestelle. Georges lief ihr nicht nach; er dachte, sie w?rde schon kommen, wenn es sein musste, und er w?rde bis morgen oder ?bermorgen warten.



Zuhause erz?hlte Apollo Agnes, dass seine Nachbarin Tisha vorbeigekommen war. Er suchte denjenigen, der die Scheiben von Denis' Auto get?nt hatte. Er machte dem Arbeiter keine Vorw?rfe; alles war in der Autowerkstatt ?berpr?ft und dokumentiert worden. Scheiben werden nicht zweimal get?nt. Tisha suchte denjenigen, der die Au?enscheiben get?nt hatte, und aus irgendeinem Grund suchte er auch Agnes, erz?hlte aber ihrem Mann alles.



Apollo sagte zu Agnes: Denis ist fr?h aus dem Haus gefahren, als es noch dunkel war. Wegen der Dunkelheit hat er nicht auf die Scheiben im Auto geachtet. Er fuhr auf der Autobahn und konnte durch die Scheiben nichts sehen.



Apollo hatte seiner Nachbarin, der alten Frau, das alles schon auf dem Heimweg erz?hlt, und sie erz?hlte Tisha f?r ein St?ck Butter alles noch einmal. Tisha, wie eine Detektivin, hatte fast alles verstanden, aber irgendetwas an der Geschichte blieb fragw?rdig. Wenn der Arbeiter den ersten Film angebracht hatte, wer hatte dann den zweiten Film angebracht, und das mitten in der Nacht auf der Stra?e? Er wusste, dass Agnes noch einen Freund hatte, Georges. Er hatte ihn am Tor gesehen, wie er dort stand wie ein Leuchtfeuer ohne Sirene. Tisha wusste nicht, wo Georges wohnte, also beschloss er, ihn nach der Arbeit aufzusp?ren, w?hrend er nach Agnes suchte.

Am n?chsten Tag tauchte Georges an seinem Treffpunkt auf: W?rde er kommen oder nicht? Er hatte sich an Denis f?r den Film auf der Kassette ger?cht, der die Liebesaff?re zwischen Denis und Agnes dokumentierte, indem er einen zweiten Film an die Scheiben eines dunklen Autos klebte, aber er sagte ihr nichts. Seine M?nner hatten ihn dort platziert. Agnes ging auf Georges zu, aber anstatt mit ihm ins Auto zu steigen, trat sie beiseite, um mit ihm zu reden.

Mit ausdruckslosem Gesicht n?herte sich Tisha beil?ufig dem Auto von Georges und bemerkte sofort, dass die Folie auf dem Auto neu war, genau wie auf den Scheiben von Denis Auto. Wie hat er es verursacht? Und wie clever hast du dir das alles ausgedacht? Tisha seufzte und ging, um Oma etwas Butter zu kaufen.

Das Leben ist so interessant, aber Agnes lachte nicht. Sie wurde von einem schrecklichen Schuldgef?hl befallen; es kam ihr so vor, als h?tte Denis ihretwegen einen Unfall gehabt. Sie wusste noch nichts von dem Band auf der Kassette, auf dem sie nackt war, also hatte sie keinen Grund, w?tend auf ihn zu sein. Denis brachte nat?rliche Liebe in Agnes' Leben, die niemand sonst geben konnte. Er hatte etwas Au?ergew?hnliches an sich.

Agnes war von Tr?nen ?berw?ltigt. Sie konnte ihre Tr?nen nicht zur?ckhalten, weil sie die Ursache des Unfalls auf der Stra?e nicht untersucht hatte. Sie wusste nicht einmal von der Doppelfolie an den Fenstern, aber sie hatte das Gef?hl, dass dieser Unfall ohne Georges nicht h?tte passieren k?nnen. Georges h?rte am Ausgang des Geb?udes auf, auf Agnes zu warten. Sie ignorierte ihn v?llig. Er traf sie dennoch und erz?hlte ihr von dem Band, er wollte Agnessa wieder zum Leben erwecken und sie gegen Denis aufbringen. Es ist ihm gelungen! Agnes sch?mte sich f?r den Film mit ?bungen auf wei?em Fell. Ein brennender Hass auf Denis wurde in ihrer Seele geboren. Danach schien sie sich von ihm zu verabschieden und kehrte ins Leben, zur Arbeit zur?ck. Als Zeichen der Dankbarkeit gegen?ber Georges kam sie mit seinem Lieblingswein und Snacks zu ihm. Der Wein hat seinen Zweck erf?llt.

Agnes lag da und erinnerte sich. Sie erinnerte sich nicht schlecht an Georges  sie erinnerte sich, wie er Kilogramm Tr?ffel mitbringen konnte, dann brachte er statt S??igkeiten eine ganze Reihe Flaschen mit Lack in allen Farben und Schattierungen mit, oder er brachte einfach Wimperntusche in unvorstellbaren Farben mit.

Nein, sie f?hlte sich von ihm nicht beleidigt und glaubte nicht einmal an seine indirekte Schuld am Unfall. Er war einer dieser M?nner, die eine Frau lieben, solange es einen Rivalen gibt, das erfreute seinen Stolz. Die k?rperliche Liebe mit ihm funktionierte nicht. Sie erkannte, dass Georges Leute die Bremsen von Denis Auto kaputt gemacht hatten, das mit hoher Geschwindigkeit auf der ersten rutschigen Stra?e des Morgens fuhr. Das Auto drehte sich um und geriet auf die Gegenfahrbahn, doch er hatte erneut gro?es Gl?ck: Es befanden sich keine Autos auf der Gegenfahrbahn, sie standen an einer Ampel und nahmen gerade Fahrt auf, als eines von ihnen Denis Auto ber?hrte.

Ihm wurde die Schuld an dem Unfall zugeschrieben, da er zwei durchgezogene Linien ?berquerte, er selbst wurde leicht verletzt und das Auto wurde verbeult.

In dem Moment, in dem Agnes nachdachte, rief Denis an und sagte:

- Komm schnell raus, ich habe dich wirklich vermisst, als ich im Krankenhaus war.

Agnes rannte zu ihrem geliebten Mann und stieg in sein repariertes Auto. Sie fuhren schnell, kamen aber nicht an. Ein Regenguss, ein Dauerregen, stoppte das Auto. Denis fuhr von der Autobahn ab in Richtung der Anlegestellen. Wundervolle und st?rmische Wasserstr?me flossen durch die Fenster. Was k?nnten zwei ungeduldige Menschen tun? Sich lieben, ohne den Regen zu verlassen.

Denis hatte in der Bl?tezeit seiner T?tigkeit im Fernsehen ziemlich viel Geld, und er wollte noch mehr Geld, aber niemand h?tte davon erfahren d?rfen. Alle Fernsehzuschauer eines riesigen Landes gerieten in seine Gewalt. Die Leitung des Fernsehsenders hat ihn sehr gut behandelt, alle haben mit ihm Geld verdient. Popularit?t generierte Einnahmen durch die Verlagerung der Berichterstattung ?ber riesige Werbeinvestitionen.

Und diese Einlagen landeten in seiner Sporttasche. Aus der Tasche ragten Tennisschl?ger heraus, darunter befanden sich zwei Kisten mit Geld, allerdings ohne Kisten. Kriminelle nehmen im Allgemeinen gerne Koffer mit, auch wenn sie leer sind oder nur ein Buch enthalten. Denis ist schlau, aber neben einem gro?artigen Verstand gibt es immer auch eine Ged?chtnisl?cke bei grundlegenden Dingen. Die Sporttasche erregte die Aufmerksamkeit des Detektivs und seiner Assistentin Zoe. Denis stand unter ihrer geheimen ?berwachung. Schon aus der Ferne war zu erkennen, dass sich in der Tasche keine Turnschuhe befanden, sondern etwas Schweres und Glattes, wie stehende Ziegelsteine.

Zu einer Zeit, als kleine Unternehmen gegr?ndet wurden, war es einfach, ein weiteres Unternehmen zu gr?nden, das Gelder f?r Werbung im Fernsehen erhielt. Und eines Tages erhielt Denis das ganze Geld in bar. Kluges M?dchen. Wo wollte er sich mit dem Geld verstecken? Denis beschloss, zu Agnes Haus zu gehen. Er wusste, dass Apollo nicht zu Hause war. Ein Treffen im Stadion k?nnte Ihnen einmal Freude bereiten, aber dann wollten Sie Heimkomfort und Liebe im Bett. Agnes wusste, worauf sie sich einlie?, und wusste um die Popularit?t von Denis, aber sie wollte Geld oder Popularit?t, mit der sie Geld verdienen konnte.



Kapitel 2. Der doppelte Preis des Lebens



Ein Damenpullover mit der Aufschrift Nicht anfassen, ich bin mit Diamanten besetzt hing schlicht an einem Holzgestell. Tatjana bat darum, das funkelnde Prachtst?ck sehen zu d?rfen. Der Pullover lag verstreut auf der Theke. Aus der N?he betrachtet, entpuppten sich die Diamanten als hochwertiges Glas  und wie sie im Neonlicht funkelten!



Und Neujahr war so nah! Als sie das funkelnde rote Prachtst?ck in den H?nden hielt, bemerkte sie ein schwarzes Wunder. Der schwarze Strickpullover war mit gl?sernen Diamanten von der Gr??e von Kirschkernen besetzt. Er schimmerte so verf?hrerisch! Aber Tatjana dachte, Denis sei wieder einmal knapp bei Kasse, und sie hatte auch nicht genug Geld f?r diese Glasperlen. Der kleine Vlad wirbelte am Saum des Mantels seiner Mutter herum und griff nach den Plastikautos. Er interessierte sich nur f?r Autos oder Pistolen aller Kaliber. Die Frau konnte nicht widerstehen, ihrem Sohn Spielzeug zu kaufen. Sie warf einen Blick auf die funkelnden Pullover und seufzte tief.



Bevor seine Frau und sein Sohn ankamen, kramte Denis in dicken Geldb?ndeln. Beim ersten Ger?usch des Schl?ssels im Schloss warf er das Geld in seine Sporttasche, legte ein Sportshirt und Tennisschl?ger darauf und schloss den Rei?verschluss.



Sein Sohn st?rmte freudig ins Zimmer und wirbelte mit seinen Spielsachen vor seinem Vater herum. Dieser nickte zustimmend. Er gab seiner Frau einen Kuss auf die Wange, erw?hnte beil?ufig, dass er zum Training gehen w?rde, und verschwand durch die T?r. Tatjana, deren langes Haar zu einem Dutt hochgesteckt war, ging in die K?che, um ein einfaches Abendessen zuzubereiten.



Ihr Mann hatte ihr wieder einmal nicht genug Geld f?r die Familienausgaben gegeben. Der sp?rliche Lebensmittelvorrat animierte sie nicht zum Kochen. Sie stellte einen Topf Wasser auf den Herd und holte Nudeln und zwei W?rstchen f?r ihren Sohn heraus. Die Mayonnaise war nicht mehr ganz frisch; ihre Reste lagen wei? am Boden des Glases. Tee, Brezeln und zwei Bonbons vervollst?ndigten die Mahlzeit. Tatjana hatte keine Klagen ?ber ihr Leben. Sie hatte in letzter Zeit nicht gearbeitet und war mit ihrem Sohn zu Hause geblieben. Ihr Mann war der Alleinverdiener der Familie. Er verw?hnte sie nicht mit Aufmerksamkeit. Sie sp?rte mit jeder Faser ihres K?rpers, dass er eine neue Frau hatte, und sie konnte sich schon denken, wer es war! Mehr noch, Tatjana wusste es, sie war sich fast sicher, dass es Agnessa war! Verst?ndlich, Denis war ein ber?hmter Mann!

Tatjana mied Fernsehsendungen sorgf?ltig; ihr Nervensystem konnte das nicht ertragen. Sie sah nur wenig fern. Als Denis' Talent f?r das Fernsehen zum Vorschein kam, war sein Aufstieg erstaunlich! Ein paar Jahre sp?ter wurde er Moderator der Fernsehsendungen des Senders. Sein gro?er Kopf fl??te den Leuten Respekt ein. Er war immer an der Seite seiner Frau. Ihr Kopf war mit einem langen Zopf geschm?ckt. Sie waren ein gutes Paar und hatten einen klugen Sohn. Es gab Liebe, aber das Leben war voller Probleme.

Agnessa wollte Denis' Sporttasche wegr?umen. Auf den ersten Blick h?tte man meinen k?nnen, er h?tte seine Sachen von zu Hause mitgenommen und w?re bei ihr eingezogen, doch das Gewicht der Tasche schockierte sie. Der Anblick des riesigen Geldbetrags ?berraschte sie, dann erfreute er sie, und schlie?lich fragte sie sich, wie sie ihn nur an sich nehmen sollte. Denis, ein Mann mit wundersch?nen Augen, aber sie liebte Apollon.

Zugegeben, der Unterschied zwischen ihnen war kaum wahrnehmbar. Doch aufgrund der Verliebtheit hegte sie einen tiefen Groll gegen Denis. Agnessa wollte die Tasche nicht aus dem Haus bringen, aus Angst, Denis k?nnte sie des Diebstahls verd?chtigen. Sie beschloss, das Geld durch eine dritte Person und an einem anderen Ort als ihrem eigenen von Denis anzunehmen. Denis verlor seine Vorsicht. Die Liebe blendete ihn. Agnessa bereitete ihm eine wilde Nacht: Sie versuchte es, sie liebte, aber immer mit dem gro?en Geld im Sinn. Er beschloss, die Tasche bis zum Abend bei Agnessa zu lassen und das Geld dann zu seiner Frau Tatjana zu bringen.

Denis hatte mehrere Verstecke zu Hause vorbereitet. Er konnte das Geld nicht sofort dort lassen; Er hatte das Gef?hl, beobachtet zu werden. Er beschloss, lieber als gew?hnlicher Frauenheld denn als Schwerverbrecher zu gelten. Denis ging zur Arbeit ins Fernsehstudio, und die Tasche blieb in Agnessas Schrank. Er war ja nicht dumm; er hatte nicht das gesamte Werbegeld genommen, sondern einen Teil f?r die Arbeit behalten. Die Werbung musste ja laufen, und nicht jedes fehlende Geld w?rde sofort auffallen, und nicht jeder kontrolliert st?ndig die Finanzen der anderen. Er hatte Zeit, sich zu ?berlegen, was mit dem Geld geschehen sollte. In der Zeit vor den Computern hatte Denis eine neue Fernsehsendung entwickelt. Die Leute mochten die Unterhaltungssendung. Die Popularit?t des Fernsehmoderators erreichte unglaubliche H?hen und begann ihm im Weg zu stehen. Also gab er die Sendung einem Bekannten und beschloss, den gesamten Sender zu ?bernehmen. Denis wollte die absolute Macht ?ber die ganze Nation ?ber den Fernsehbildschirm. So war er eben. Und das Geld in seiner Sporttasche schien ihm v?llig unbedeutend.

Agnes erschien das Geld in Denis' Sporttasche bei ihr zu Hause enorm, und der Wunsch, es in die H?nde zu bekommen, beherrschte ihre Gedanken. Sie rief ihren Freund Georges an. Ihr wurde sofort klar, dass es in dieser Angelegenheit am besten war, unauff?llig zu bleiben. Sie musste Denis gegen?ber loyal bleiben, und das Geld von zu Hause zu nehmen, w?re t?richt: Er w?rde merken, wer es genommen hatte.



Georges, ein professioneller Wachmann, erkl?rte sich bereit, Denis niederzuschlagen, die Tasche zu nehmen und Agnes das Geld im Auto zu ?bergeben. Au?erdem war Apollon, Agnes' Ehemann, an diesem Tag aus Cold City zur?ckgekehrt. Denis nahm die Geldtasche aus Agnes' Haus und fuhr, wie ein guter Ehemann, zu seinem eigenen Haus, wo er ein Versteck f?r das Geld vorbereitete.



Im Eingangsbereich seines Hauses riss ein kr?ftiger Mann Denis die Tasche mit den Schl?gern aus der Hand. Denis wehrte sich. Da schlug ihm der Mann gegen den Kopf. Denis fiel zu Boden. Denis zu t?ten, war nicht Teil von Georges' Plan gewesen. Der Wachmann trug eine Maske, die sich leicht in einen gew?hnlichen Herrenhut verwandeln lie?.



Georges nahm die Schl?ger aus seiner Tasche und legte sie neben Denis. Dann verlie? er gem?chlich das Geb?ude und trug seine Tasche. Georges' Schlag war ohrenbet?ubend. Denis sackte, noch atmend, gegen die Wand. Mit relativ reinem Gewissen lie? Georges den verlassenen Denis zur?ck und hinterlie? keine Spuren des Verbrechens. Apollo wartete bereits im Auto auf ihn. Agnessa war nicht da. Sie hielt Wache und beobachtete den Eingang des Geb?udes. Agnessa sah zwei weitere M?nner das Geb?ude betreten, kurz verweilen und dann wieder hinausgehen.



Als Tatjana sich ihrem Haus n?herte, sah sie einen gro?en Mann mit einer Tasche, die der von Denis ?hnelte, schenkte ihm aber keine Beachtung. Im Geb?ude sah sie ihren Mann regungslos auf den Stufen liegen und vergab ihm alle S?nden, von denen sie wusste oder die sie vermutete. Tatjana erkannte sofort, dass ihr Mann tot war. Sie weinte nicht, sie begann nicht zu klagen, sondern hielt einen Moment inne und f?hlte dann Denis' Puls. Er war nicht mehr da. Ihre Kr?fte verlie?en sie. Sie verlor das Bewusstsein. Ermittler Verevkin traf mit seinem Team ein. Ilya Lvovich kam mit Zoya und fotografierte die Leiche.



Georges teilte das Geld in drei gleiche Teile: f?r sich, Agnes und Apollon. Erstaunlicherweise gab es keinen Streit. Nachdem Apollon, Georges und Agnes das Geld aufgeteilt hatten, gingen sie getrennte Wege. Apollons Nervosit?t steigerte seinen Appetit. Er versteckte das Geld im Haus seiner Mutter. Dann bestellte er Essen. Innerhalb einer Stunde wurden zwei Pizzen in gro?en Kartons geliefert, jede mit etwas Zerbr?seltem und mit geschmolzenem K?se ?berbacken.



Nachdem er drei riesige St?cke gegessen hatte, merkte er, dass er mehr bestellt hatte, als er essen konnte. Er schlief ein. Agnessa versteckte das Geld an verschiedenen Orten in der Wohnung. Sie war traurig, dass ihre Aff?re mit Denis zu Ende gegangen war. Sie hatte sich an ihn gew?hnt. Sie erfuhr vom Tod ihres Geliebten aus den Fernsehnachrichten. Sie beschloss, ?ber das Geld zu schweigen, aber ihre Aff?re nicht zu leugnen. Und wenn das Geld schmutzig war, w?rde niemand danach suchen.



Georges lebte ohne Gewissen; das war sein Job, und K?mpfen geh?rte f?r ihn zum Alltag. Er kam nach Hause, a?, trank, verbrachte seine Zeit mit Freunden und fuhr dann zu seiner Datscha, wo er wusste, wo er das Geld verstecken konnte. ?u?erlich wurde alles geheim gehalten. Der Wachmann wurde in Dollar bezahlt, und der Umtausch in Rubel war f?r ihn Routine.



Die gesamte Cranberry-Region verfolgte die folgenden Ereignisse. Denis wurde wie ein Held beerdigt. Riesige Menschenmengen folgten dem Sarg durch die Pf?tzen schmelzenden Schnees. Und das Geld? Man spricht nicht schlecht ?ber Tote. Mark Verevkin hat B?nde ?ber diesen Fall geschrieben, doch alles vergebens. Man kann nicht schlecht ?ber einen beliebten Fernsehmoderator reden. F?r die Menschen bleibt Denis eine leuchtende Figur der Landesgeschichte. Im Fernsehzentrum war Denis Turins Tod ein gro?es Ereignis. Journalisten aus aller Welt bekamen ?berstunden und berichteten ?ber sein Leben. Agnessa verfolgte die Nachrichtensendung entsetzt im Fernsehen. H?tte sie die Todesursache des Gastgebers nicht gekannt, h?tte sie geglaubt, die Journalisten h?tten ihn umgebracht. Es war, als h?tten die Journalisten ihre Gedanken gelesen und Agnessa erreicht. Jemand hatte die Liebe zwischen Denis und Agnessa im Stadion bemerkt, oder man hatte sie gemeinsam in die Stadt einreisen sehen. Ein Journalist kam mit einem Filmteam zu ihr. Agnessa wurde f?r das ganze Land und die ganze Welt gefilmt. Sie wurde zu einer Ikone in Denis Leben. Denis Turins letzte Liebe  das klingt beeindruckend!



Agnessas Popularit?t schoss ?ber Nacht in die H?he, und sie war in aller Munde. Sie hatte keine Zeit, ?ber das versteckte Geld nachzudenken; sie genoss ihre Rolle als historische Figur und lie? sich bereitwillig fotografieren. Tatjana hielt sich im Hintergrund; sie liebte ihren verstorbenen Mann Denis aufrichtig und sprach nur schwer ?ber ihn. Sie war wie in Trance; sie brauchte einen Psychiater, keine Journalisten. Sie war ersch?pft.

Ilja Lwowitsch wusste, dass der erste Schlag mit ungeheurer Wucht auf seinen Kopf gewirkt hatte, aber er war mit einem weichen Gegenstand ausgef?hrt worden, ganz sicher nicht mit einem Schl?ger. Es konnte nicht seine Frau gewesen sein, die sich als Erste ihrem toten Mann gen?hert hatte. Er war ein starker Mann, ein sehr starker Mann.



Die Ermittlungen liefen, doch alle waren sich sicher, dass der Mord unaufkl?rbar sein w?rde, auch wenn es niemand aussprach. Eine Faust als Mordwaffe ist schwer zu finden: Sie wird nicht weggeworfen; man muss nach ihr und ihrem Besitzer suchen. Man kann den Besitzer einer Faust nicht f?r dumm halten; er wird dem Ermittler nicht weinend begegnen; so stark ist der Besitzer einer Faust.



Ein einfaches Mordmotiv war n?tig. Doch alle hielten Denis f?r einen Heiligen; er war in keine Finanzbetr?gereien verwickelt gewesen, und bei seinen beiden Frauen wurde kein Schmuck gefunden. Was konnten sie von einem einfachen Fernsehmoderator lernen? Auf den ersten Blick nichts. Bei genauerem Hinsehen k?nnte man meinen, der Mord sei ein Auftragsmord gewesen und mit seinem neuen Job, oder besser gesagt, seiner neuen Position, die er kaum angetreten hatte, in Verbindung gestanden.



So gut war Denis! Sie f?rderten seine sportliche Karriere, sein Universit?tsstudium, seine Liebe zu seiner Familie. Denis war ein guter Mann. Die Ermittlungen wurden so gef?hrt, dass nichts Unn?tiges ans Licht kam. Die Leute begannen langsam, Denis Turin zu vergessen. Das Fernsehen forderte nach und nach das Geld zur?ck, das Agnessa zweimal f?r Werbespots gestohlen hatte, und sofort legte sich ein anhaltendes Schweigen um sie. Sie erinnerte sich wieder an Georges  diesen Feigling, der nie Geld ausgab! Sie suchte ihn unangek?ndigt auf, ?bersch?ttete ihn mit Liebe und versprach ihm eine Rolle in einem Musikvideo, wenn er ihr finanziell unter die Arme griff. Sie sagte, mit ihrem Anteil sei sie als Drehbuchautorin und Regisseurin cooler Musikvideos ber?hmt geworden, und nun w?rde sie ihn mit seinem Geld zu einem nationalen und internationalen Star machen.



Und Georges konnte nicht widerstehen. Die Werbespots umgaben sie wieder. Er hatte so lange vor allem Angst gehabt, dass er wie eine Rose aufbl?hte. Agnes nutzte all seine positiven Eigenschaften, um f?r seine Produkte zu werben, und verga? dabei nicht, das Werbegeld einzutreiben, das Denis beim ersten Mal gestohlen hatte. Ha! Das Geld war weg. Georges wurde nicht mehr gebraucht. Die Werbeeinnahmen flossen Agnes zu, und die versteckten Schulden bei den Kunden waren getilgt. Sie hatte ihren Platz in der Werbekette eingenommen und war genau am richtigen Platz.

Apollon wurde ihre rechte Hand. Das passte Georges bestens. Als Geld aus einer dritten Quelle ins Spiel kam, entschied Ilja Lwowitsch, der Denis' Fall bearbeitete, dass sich die zweite Runde der Werbegelddiebe bezahlt gemacht hatte. Er hatte den Auftrag, die Kriminellen zu finden, und das tat er auch, aber er konnte den glanzvollen Namen des Landes  Denis Turin  nicht beschmutzen, also wurde alles diskret abgewickelt.

Ein Detektiv beobachtete Agnes zuerst beim Kauf eines teuren Autos und begann, den Fall mit Ach und Krach aufzukl?ren. Er gab Agnes die Gelegenheit, Werbespots zu drehen, und dann erpresste sie das Geld selbst von ihren Partnern. Sie wurden beobachtet, aber in Ruhe gelassen. Es ist klar, dass Denis von dem Schlag benommen war, aber er h?tte ?berlebt. Er starb an den Folgen eines zweiten Schlags gegen eine Eisenstange, die aus dem Treppengel?nder ragte. Die Stange durchbohrte seine Schl?fe, als er st?rzte. Georges war zwar nicht v?llig unschuldig, aber die Ereigniskette um Denis' Sturz l?sst sich nicht leugnen.

Ilja Lwowitsch ging in diesem weltber?hmten Fall doppelt klug vor. Man lie? Georges' Leibw?chter in Ruhe, da er zu der Zeit sehr wichtige Personen besch?tzte und es keine direkten oder indirekten Beweise gegen ihn gab.

Es war schwierig, einen Ersatz f?r diesen Grobian zu finden. Leute wie Georges dienten nach dem Angriff auf Denis ihren Vorgesetzten mit neuem Eifer und stillten ihren Rachedurst nicht an einer wichtigen, sondern an einer bekannten Pers?nlichkeit. Er wurde ?berwacht, aber nicht verhaftet. Ilja Lwowitsch erstattete Anzeige gegen die mutma?lichen Diebe von Werbegeldern des Fernsehsenders, und anschlie?end wurde alles ?ber den Dienstweg geregelt. Die Vorgesetzten waren froh, dass alles gut ausgegangen war. Denis h?tte f?r den Diebstahl der gro?en Summe Geldes die Todesstrafe erhalten sollen, doch stattdessen wurde er selbst hingerichtet. Das Geld wurde zur?ckgegeben, und das Volk blieb als Held zur?ck.



Apollon kehrte nach Hause zur?ck und seufzte laut, w?hrend er sich w?nschte, Agnessa w?rde ihn h?ren:



Woher soll ich nur Geld nehmen? Wie sch?n war es doch, Geld zu haben!



Apollo, aber wir haben doch Geld, entgegnete Agnessa.



Agnessa, welches Geld? Das ist mein Gehalt, nicht der Schatz eines anderen!



Ach, wie sch?n, wenn alles gut l?uft!



Und wir werden zusammen in dieser kleinen Wohnung leben, so ehrliche Kerle!



Du bist so gutaussehend! Woran denkst du nur? Wozu brauchst du Geld?



Du hast wundersch?ne Beine, ich liebe deine Beine 

Apollos H?nde erkundeten Agnes' Beine, wanderten immer h?her und h?her und umspielten sie z?rtlich. Sie schmiegte sich ganz an ihn, ihre Ber?hrungen verst?rkten sich, w?hrend sie sich mit der Welle der Liebe im riesigen Bett vereinten. Die sinnlichen Gef?hle verblassten.



Es folgte eine Pause bis zum n?chsten Liebesakt.



Agnes betrachtete gedankenverloren die kirschrote Kosmetikbox. Sie stand tr?ge neben dem Computer und enthielt alles, was zwar nicht auf einem Schreibtisch, aber auf dem Gesicht einer Frau Platz findet.

Die Box  ein durchaus praktischer Gegenstand auf einem Frauenschreibtisch  war ein sch?ner Anblick, besonders da sie ein Geschenk von Apollo war. Er hatte sich f?r ein ruhiges Leben entschieden und bereicherte Agnes' Leben so gut er konnte. Au?erdem wollte er sie nicht mit Kochen belasten und bestellte regelm??ig Essen. Das Leben sucht immer nach einem ruhigen Mittelweg zwischen zwei Menschen. Apollo spielte lieber mit Menschen am Computer; schlie?lich musste er jemanden befehligen, denn im wirklichen Leben war Agnes seine Befehlshaberin. Nachbarn platzten mit einer Bitte in das friedliche Leben des Paares:



Gebt mir etwas Geld, was ihr entbehren k?nnt. Eine einsame alte Frau ist gestorben.



Sie nahmen aber nicht viel und gaben mir sogar das Wechselgeld. Kurz nach den Nachbarn kam ein Paket mit Essen. Nach der Pizza kam eine Nachbarin unter Tr?nen und erz?hlte, dass ihr Mann auf dem Weg zu seinen Kunden am Moskauer Bahnhof von Taxifahrern angegriffen und ?berfallen worden war. Die Nachbarin a? ein gro?es St?ck der leckeren Pizza und ging.

Stille trat ein, dann die Frage:



Apollo, sollen wir das Baby behalten?



Agnes, wir sind doch schon alt!



Zweite Lebensphase mit Elternschaft 



Wie sollen wir leben? Du verdienst das Geld, und ich helfe nur mit 



Wir kennen uns schon lange. Unser Leben ist leer. Lass uns ein Baby bekommen, ich habe das Geld.



Welches Geld?



Wird dir das nicht langweilig, wenn ich antworte? Geld langweilt dich nie.



Doch. Ich habe gespart, nichts ausgegeben und es dann wieder aufgebaut. Ich habe jede Menge Geld. Ist dir aufgefallen, dass ich keine H?user oder Wohnungen gekauft habe? Bekommen wir ein Baby? Wir sind schon im dritten Monat.



Na los! Warum hast du so lange geschwiegen?



Ich hatte Angst, er w?rde sich nicht zur?ckhalten.

Sechs Monate sp?ter stand eine Packung Feuchtt?cher neben dem Kosmetikkoffer. Sechs Monate sp?ter zog ein Kinderm?dchen ein. Agnessa ging arbeiten und drehte Werbespots. Eine moderne Frau. Und Apollo? Er war immer da, wenn nicht zu Hause, dann doch immer ?fter. Eines Tages bemerkte das Kinderm?dchen, wo der Tresor stand und wo sie ihren Lohn abholte. Mit etwas M?he knackte sie die Kombination. Zwei Tage sp?ter leerte sie den Tresor, wartete auf den Hausherrn, sagte ihm, sie m?sse noch schnell einkaufen, w?hrend das Baby schlief, und verschwand f?r immer. Apollon sa? gl?cklich mit seiner kleinen Tochter Angelina zusammen, bis Agnessa kam. Agnessa begriff sofort, warum das Kinderm?dchen fehlte, und blickte in den leeren Safe. Das Leben war ?ber Nacht kompliziert geworden. Es war kein Geld mehr f?r Kinderm?dchen da. Zum ersten Mal ?berkam Agnessa ein Gef?hl der Hoffnungslosigkeit. Ihre Figur hatte sich nach der Geburt etwas verschlechtert, und die Arbeit fiel ihr schwer: Die Milch sickerte durch ihre Kleidung. Letzteres war besonders ungl?cklich.



Es war, als ob das Geld f?r Werbung geschrumpft und an andere gegangen w?re. Alles im Leben schien gegen sie zu sein. Apollon war noch nicht w?tend, aber seine Stirn legte sich immer tiefer in Falten. Es gab viele Probleme mit seiner Tochter Angelina. Agnessa machte sich Vorw?rfe, ein Kinderm?dchen eingestellt zu haben, wusste aber gleichzeitig, dass sie nicht anders h?tte handeln k?nnen.



Apollo, sollen wir das Auto verkaufen?



Agnessa, wir verkaufen dein Auto. Sie verstummte, als ihr klar wurde, dass die goldene ?ra des Gl?cks vorbei war. Sie war nicht w?tend, aber ihr Herz war leer. Agnessa Iwanowna stand mit ihrer kleinen Tochter Angelina mittellos da. Sie verkaufte ihr Auto und lebte ?u?erst sparsam. Apollon tauchte nie auf; er lebte bei seiner Mutter. Die Babymilchk?che war ein Lebensretter: Wenn das Kind nicht alle Milchprodukte a?, backte sie daraus Fladenbrot. Sie ging nur selten einkaufen und kaufte nur das N?tigste.

Angelina entwickelte sich zu einem ruhigen M?dchen; sie krabbelte bereits auf dem Boden, dann begann sie aufzustehen und zu laufen, wobei sie sich an Gegenst?nden festhielt. Agnessa hing sehr an ihrem Kind. Bald setzte sie ihre Tochter auf die Warteliste einer Kinderkrippe. Die Leiterin bot an, das Kind fr?her aufzunehmen, wenn Agnessa als Kinderm?dchen in der Krippe arbeiten w?rde.

Agnessa arbeitete in der Krippe, und ihre Tochter war in der N?he. Ihre Figur verbesserte sich; sie musste sich so oft mit den Kindern b?cken, und ohne Fitnessstudio war sie schlank geworden. Ihre Tochter benahm sich in der Kita gut, weil ihre Mutter in der N?he war. In der N?he des Kindergartens bemerkte Agnessa Apollons Auto. Er wartete dort. Agnessa ging auf den Vater ihrer Tochter zu. Er hatte sich kaum ver?ndert.

Agnes, es tut mir so leid! Nimm mich mit. Ich f?hle mich so schlecht ohne dich.



Nimm mich mit, sagte sie und stieg mit ihrer Tochter in sein Auto. Apollon hatte drei Einkaufst?ten mitgebracht, die sie einfach vergessen hatte. Ihre Tochter h?pfte auf seinem Scho? herum, klammerte sich an seinen Hals, und beide waren gl?cklich. Agnes bereitete das Abendessen mit frischem Gem?se zu, nicht mit den Essensresten des Babys, und seufzte gelassen: Ihr kam eine Idee f?r ein neues Szenario. Alles ist so einfach, wenn es nach schweren Zeiten wieder gut l?uft, und umso mehr, weil die Familie zusammen ist. Agnes atmete erleichtert auf: Apollon war zu Hause, Angelina war gro? geworden, jemand von der Arbeit hatte angerufen, ihr gratuliert und angedeutet, dass man auf sie wartete. Sie hatte die schwierigste Zeit ?berstanden, die die Belastbarkeit einer Frau auf die Probe gestellt hatte! Am 8. M?rz herrscht reger Andrang: Bekannte kommen, Verwandte erinnern sich an sie, schauen kurz vorbei, gratulieren ihr, trinken eine Tasse Tee und gehen wieder. Doch die Besuche wirken beruhigend auf ihre Seele. Agnes, ich habe Neuigkeiten f?r dich, sagte Apollon. Siehst du, ich bin gar nicht so faul, und die Arbeit mit dir hat mir etwas beigebracht. Ich habe genug verdient, damit du dir ein Auto kaufen kannst 

Apollo, vielleicht reicht uns das Auto erst mal? Ich habe Angst zu fahren. Ich habe Angst um mich und meine Tochter. Wir renovieren die Wohnung und meine Kleidung, und alles andere sp?ter. F?nf Jahre waren seit Denis Turins Tod vergangen. Man drehte eine neue Fernsehsendung ?ber ihn und trug unbekannte Fakten aus seiner Biografie zusammen. Ilja Lwowitsch wusste viel, aber es war ihm verboten, seine Informationen an die ?ffentlichkeit weiterzugeben.



Die Fernsehkamera spielte Aktenmaterial ?ber den Mord an dem Fernsehhelden ab. Immer wieder wurden Aufnahmen aus Denis Leben gezeigt. Agnes starrte gebannt auf den Fernseher. Pl?tzlich kam ihr der Gedanke, dass sie gar nicht wusste, wie viel Denis alles besa?. Er muss entweder Geld oder Schmuck gehabt haben, dachte sie. Sie sp?rte, dass es Zeit war, zum geliebten Stadion zu fahren, denn dort konnte sie neue Inspiration finden.



Apollo, gib mir das Auto! Ich fahre mal allein durch die Stadt.



Okay, aber fahr nicht zu schnell! Vorsichtig und nicht auf den Hauptstra?en. Hinter dem Steuer f?hlte sich Agnessa wieder wie ein Mensch. Sie hatte nicht die Wahrheit gesagt, als sie behauptete, kein Auto zu wollen. Sie wollte es wirklich. Aber nicht jetzt. Am Stadion hielt sie dort an, wo Denis Auto w?hrend ihrer ersten Liebe geparkt gewesen war. Vom Fahrersitz aus betrachtete sie die Umgebung. Die Eiche, die au?erhalb des Spielfelds wuchs, wirkte interessant. Die Eiche mit dem H?hlungsort entpuppte sich als wahre Sch?nheit.



Agnessa ging um sie herum. An einer Stelle war Agnessa mit einem Messer in den Baumstamm geritzt, an einer anderen Denis. Die Inschriften waren kaum lesbar, aber immerhin noch erkennbar. Agnessa wurde ungemein neugierig. Sie wollte ihrem Mann nachgehen und ihn in die Suche einbeziehen. Gesagt, getan: Sie rannte f?rmlich zum Auto, setzte sich ans Steuer und fuhr nach Hause.



Zuhause erz?hlte Agnessa Apollon alles. Ihr Mann verstand seine Frau sofort. Sie nahmen ihre Tochter Angelina mit. Gemeinsam gingen sie zum Stadion, um sich die Eiche anzusehen. Die Tochter ber?hrte die Oberfl?che des Baumes mit dem Finger. Die Eltern untersuchten dieses Naturwunder, das sonst oft ?bersehen wird, von allen Seiten. Und sie fanden es. Zwischen den W?rtern Agnesa und Denis befand sich eine kleine Vertiefung. Die gr??ere Vertiefung lag etwas abseits und tiefer, wo Katzen herumkrochen. In die kleine Vertiefung waren N?gel eingeschlagen, als ob jemand scherzen oder sie ablenken wollte. An einer Stelle schien ein St?ck Holz festgenagelt zu sein. Agnessa zeigte Apollon die seltsame Stelle, nahm ihre Tochter auf den Arm und ging mit ihr ins Stadion. Agnessa und ihre Tochter sprangen auf den R?cksitz. Apollon griff nach einer Zange im Auto und entfernte ein St?ck Holz von einem Nagel. Darunter entdeckte er eine Nische mit einem h?lzernen Federm?ppchen in Form eines Knotens. Er steckte es in die Tasche, brach einen Splitter ab, streute etwas Holzsp?ne in die kleine Vertiefung und ging schnell zum Auto.



Kaum hatten sie das Stadion verlassen, tauchte ein ?lterer Mann mit einem Hund auf. Zuhause ?ffnete Apollon das Federm?ppchen. Darin befanden sich f?nf reine Diamanten.



Agnes, sieh mal!



Was sollen wir tun?, fragte sie.



Sei erstmal still. Gleich kommt eine neue L?rmwelle, dann zeigen sie dich wieder auf dem Bildschirm.



Und was f?r eine Freude bringen Diamanten?



Um menschlich zu bleiben. Wir k?nnen Diamanten nicht in einen Tresor legen; der hat uns schon im Stich gelassen. Wir verstecken die Diamanten in einem Glas mit Salz. Wir stellen keine Kinderm?dchen ein.

Der flauschige, feuchte Schnee sog friedlich den Duft des nahenden Fr?hlings ein. Agnes warf einen Blick auf den Fernseher. Ihr fiel auf, dass der Aufzug heute nicht funktionierte. Und tats?chlich, er funktionierte nicht. W?hrend sie langsam die Treppe hinaufstieg, dachte sie, sie w?rde gebeten werden, ein Drehbuch f?r eine Produktplatzierung von Diamanten zu schreiben, die in Werbespots immer im Hintergrund oder an dritter Stelle zu sehen sind.

Die Werbung sagt das eine, aber man sollte auf etwas anderes achten. Und tats?chlich, sie baten sie, einen Werbespot mit Diamanten zu drehen. Agnes schauderte bei dieser neuen Erkenntnis: Was w?re, wenn sie f?r den Werbespot Diamanten in die Eiche gepflanzt h?tten? Kein Wunder, dass der Mann mit dem Hund im Stadion aufgetaucht war. Nein, das war ein be?ngstigender Gedanke.

Agn?s kannte das Funkeln von Diamanten mittlerweile bestens; Diamanten ben?tigen geschickte Beleuchtung, um ihren besonderen Glanz zu entfalten. Der Auftrag begeisterte und ?ngstigte sie zugleich. Sie f?rchtete, in Panik zu geraten und ihre selbstgemachten Diamanten zum Shooting mitzubringen, so wie sie es zuvor mit ihrem geheimen Geld getan hatte  und zwar nicht nur mit ihrem eigenen, sondern auch mit dem von Apollo und Georges. Vor ihrem inneren Auge drehte sich das Bild einer Eiche. Wie wundersch?n w?rden die Diamanten im hohlen Baumstamm hinterleuchtet aussehen! So schadete sie sich selbst und tat sich gleichzeitig etwas Gutes. Werbung ist fl?chtig, hinterl?sst aber durch h?ufige Wiederholung einen tiefen Eindruck im Ged?chtnis der Zuschauer. Die Preise beworbener Waren sind im Fernsehen stets h?her als die unbeworbener. Nat?rlich wurde Agn?s vorgegeben, welche Diamanten beworben werden sollten, doch sie war ?berzeugt, dass die Wirkung deutlich st?rker w?re, wenn sie ihre eigenen Diamanten neben die angebotenen fotografierte. Die Diamanten im Salzstreuer waren gr??er und von exquisiter Qualit?t geschliffen. Die Hand des Mannes ist entscheidend. Sie filmten Eichendiamanten.



Das Video war grandios, und bei der Vorf?hrung fragten sie:



Woher hast du denn dieses Wunder?



Aus einem Salzstreuer. Alle dachten, Agnes scherzte und h?tte die Diamanten f?r den Dreh vom Juwelier genommen. Also beschloss sie, die f?nf Eichendiamanten zum Schutz ihrer Familie loszuwerden. Apollo stimmte nat?rlich zu. Das Video ?ber die Diamanten wurde im Fernsehen gezeigt. Agnes brachte ihren Schatz zum Juwelier. Sie spielte die Sache ernst.



Der Juwelier erkannte sofort, dass diese g?ttliche Sch?nheit diejenige war, die st?ndig im Fernsehen zu sehen war. Er bot einen sehr hohen Preis f?r die Eichendiamanten, da er selbst beschlossen hatte, daraus ein Schmuckst?ck, genauer gesagt ein goldenes Kreuz, anfertigen zu lassen und es teurer zu verkaufen. Das Kreuz mit den f?nf gro?en Diamanten war so atemberaubend sch?n, dass der Juwelier es einem hochrangigen Kirchenvertreter anbot, der es kaufte. Agnes beruhigte sich und f?hlte sich befreit. Das Paar kaufte eine wundersch?ne Wohnung im ersten Stock. Sie zogen bald in eine neue Wohnung. Ihr Geld bewahrten sie nun nicht mehr im Safe zu Hause auf, sondern gaben es sofort aus. Agnes konnte nicht allein leben; sie war noch zu jung. Doch nachdem sie mehrmals im Fernsehen aufgetreten war, bekam sie Probleme mit M?nnern. Sie bekamen Angst vor ihr. Sie ver?nderte ihr Aussehen und beschloss, ihren ehemaligen Freund anzurufen. Georges freute sich riesig ?ber den Anruf, doch nach dem Diebstahl des Geldes war eine innere Feigheit in ihm erwacht. Er hatte vor allem Angst und weigerte sich, Agnes zu treffen. Er gab sein Geld sparsam aus und achtete darauf, niemanden zu verd?chtigen. Agnes verstand Georges' Angst und nahm es ihm nicht ?bel. Ihr wurde langweilig. Sie kaufte sich eine schlichte, dunkle Importlimousine und begann, die Stra?en der Stadt zu erobern. Eines Tages hielt Agnes in einem verlassenen Stadion an, fuhr leise weiter, warf den gekauften Blumenstrau? aus dem Fenster und entfloh ihrer Vergangenheit. Eine Last fiel von ihrem Herzen. Agnessa h?tte Denis nicht angegriffen, wenn sie nicht w?tend auf ihn gewesen w?re wegen des Pornofilms, in dem sie mitgespielt hatte! Sie bl?hte wieder auf. Sie und Denis hatten sich einst am Set eines Werbespots n?her kennengelernt, und sie hatte das erfolgreiche Drehbuch daf?r geschrieben. Der Spot war ein Riesenerfolg und wurde rauf und runter gespielt. Die Senderleitung bat Agnessa, ein paar Drehb?cher f?r Werbespots zu schreiben. Sie zeigten ihr, was beworben werden sollte, aber sie musste selbst herausfinden, wie. Agnessa ging die Aufgabe mit Begeisterung an. Sie sa? an ihrem Schreibtisch und schrieb Drehb?cher, w?hrend sie ab und zu einen Blick auf eine bl?hende Teerose in einer wei?en Kanne warf. Sie schrieb hervorragende Drehb?cher. Da sie sich oft in der Produktionsfirma dieser Werbespots aufhielt, h?rte sie immer wieder, wie das Geld f?r Fernsehwerbung verschwunden war. Agnessa begann, einen Teil des Geldes in die Produktion von Werbespots nach ihren eigenen Drehb?chern zu investieren. Die Werbespots waren hervorragend. Agnessa wurde bekannt. Die Produktionsleitung wandte sich erneut an sie wegen neuer Drehb?cher, deren Dreharbeiten sie finanziell ruinierten.

Geld f?hrte zu Geld. Tatjana begann, ihre Wohnung zu renovieren. Mit der Hilfe ihres Sohnes r?umte sie den Ger?mpel weg und schuf Platz auf dem Balkon. Nachdem sie die M?bel verr?ckt hatte, untersuchte sie die Flecken an den W?nden des Zimmers. Ein Fleck zwischen Balkon und Zimmer war durchsichtig. Die Tapete in dem Zimmer, in dem sich der Fleck befand, schien nach den anderen geklebt worden zu sein. Sie rief ihren Sohn zu sich. Gemeinsam untersuchten sie die seltsamen Flecken. Unter der Tapete befand sich wei?e Kittmasse. Sie lie? sich leicht entfernen. Darunter lag ein flaches St?ck Pappe. Unter der Pappe war eine Nische. In der Nische lag eine Eisenkiste in einer Plastikt?te. Die rechteckige Kiste war dicht mit Geldscheinen gef?llt. Tatjana Petrowna und Wlad betrachteten den Schatz gemeinsam.



Ein Geschenk von deinem Vater, sagte Tatjana nur. Dann verstummte sie. Dann fragte sie: Was sollen wir tun?



Wir m?ssen dar?ber nachdenken, antwortete Wlad.



Das Haus brauchte dringend Geld; alles musste erneuert werden, sogar die Kleidung.



Vlad, schreib auf, was du brauchst, und sag niemandem, dass wir das Geld gefunden haben, sagte Tatjana leise.



Verstehe ich das nicht?, erwiderte ihr Sohn ernst.

Sie kauften alles N?tige. Tatjana achtete auf ihr ?u?eres. Sie war immer das Gegenteil von Agnessa gewesen, und wieder durchfuhr sie ein Gedanke oder eine Erinnerung. Tatjana erkannte pl?tzlich, dass Agnessa f?r den Tod ihres geliebten Denis verantwortlich war. Direkt oder indirekt.



Sie beschloss, sie zu t?ten.



Kapitel 3. Ein Erinnerungsblitz



Tatjana erinnerte sich genau, dass am Tag von Denis Tod nur M?nner das Geb?ude betreten hatten, aber es waren alles M?nner gewesen, die sich stets von Agnessa herumkommandieren lie?en! Dieser einfache Gedanke war ihr durch den Kopf gegangen. Sie hatte Agnessas Filme nie absichtlich angesehen. Eines Tages konnte sie nicht widerstehen und sah sich einen ihrer Filme an. Sie erkannte vage einen der Hauptdarsteller als den Mann, der am Tag von Denis Tod ihr Geb?ude verlassen hatte. Sie erinnerte sich an ihn als einen riesigen Mann von stattlicher Statur. Doch er war so ruhig vom Eingang gekommen, dass ihr der Gedanke an seine Beteiligung an Denis Mord nicht in den Sinn gekommen war.



Denis war auf dem Treppenabsatz vor ihrem Stockwerk get?tet worden, und sie wohnten weit ?ber dem Erdgeschoss. Der Mann konnte also von jedem Stockwerk darunter gekommen sein, nicht unbedingt von ihrem oder gar von ihrem Eingang. Sie hatte zuvor keinerlei Erinnerung an diesen Mann gehabt. Er trug eine Tasche. Jetzt schalt sie sich innerlich! Er trug eine Reisetasche, genau wie Denis!

So viele Jahre waren vergangen, und pl?tzlich kam alles wieder hoch! Damals war sie wie in Trance gewesen und hatte sich an nichts erinnern k?nnen! Doch der Anblick des riesigen Mannes auf dem Bildschirm riss sie aus ihren Erinnerungen! Sie erinnerte sich aus dem Film, dass sein Name Georges war. Tatjana wollte sofort losrennen und den Detektiv rufen, aber sie wusste nicht, wo sie anfangen sollte. Sie hatte dem Detektiv nichts zu sagen au?er dem, woran sie sich erinnerte. Sie stand unter Druck wegen des Geldes, das sie und ihr Sohn zu Hause gefunden hatten. Was, wenn das Geld bei den Ermittlungen zu Georges' Verhalten in ihrem Haus an jenem schrecklichen Tag auftauchte?!



Die Ermittlungen waren jahrelang im Sande verlaufen. Die Beh?rden hatten Tatjana praktisch nichts gesagt. Sie w?hlte den einfachsten Weg und beschloss, sich mit Wladimir zu beraten. Ihr Sohn versprach, ?ber das im Haus gefundene Geld Stillschweigen zu bewahren. Auch er erinnerte sich an den Schauspieler  einen sehr harten Kerl , wusste aber nicht, wie er mit seinem Verdacht umgehen sollte. Er schlug seiner Mutter vor, den Regisseur zu kontaktieren, der den Mordfall seines Vaters, Denis Turin, bearbeitet hatte.



Tatjana ging zu Ilja Lwowitsch. Er war ?u?erst ?berrascht von ihrer pl?tzlichen Erinnerung. Er erinnerte sich an die Filme mit Georges, da die Drehb?cher von Agnes geschrieben worden waren und er sie immer heimlich beobachtet hatte. Doch in ihren Filmen gab es keinerlei Hinweise auf Denis. Tatjana vermied das Thema Denis sorgf?ltig. Ilja Lwowitsch bemerkte dies und dankte ihm.



Er hatte viele Fragen. Wie sollte er Georges erreichen? Wie konnte er ihn kontaktieren? Wo sollte er mit den Ermittlungen beginnen? Er beschloss, alles, was er ?ber Georges wusste, zusammenzutragen, falls ihm eine Idee kommen sollte. Schnell erfuhr er, dass er lange Zeit als Leibw?chter f?r eine wichtige Pers?nlichkeit gearbeitet hatte und im Faustkampf un?bertroffen war.



Ein Boxer aus l?ngst vergangenen Zeiten  Ein kraftvoller Schlag mit einem weichen Gegenstand  einer Faust!!! Ilja Lwowitsch war erstaunt, wie einfach sich alles zusammenf?gte, nachdem so lange nichts geklappt hatte! Aber was hatte Georges Denis abgenommen? Was war in der Tasche? Warum lagen Tennisschl?ger auf dem Treppenabsatz? Oder hatte Georges sie aus der Tasche geworfen? Was war noch in der Tasche? Wenn es eine Sportuniform war, warum sollte ein so gro?er Mann Kleidung in der falschen Gr??e brauchen?



Ilja Lwowitsch wusste, wie viel Geld Agnessa f?r die Dreharbeiten ausgab. Woher das Geld stammte, verteilt auf drei verschiedene Quellen, verstand er nicht genau. Er h?tte vermuten k?nnen, dass Denis ihr eine betr?chtliche Summe hinterlassen hatte, die aus Werbeeinnahmen stammte. Seine Frau Tatjana war nicht mit Geld gesehen worden. Also musste er herausfinden, ob Georges Geld besa?. Und welche Verbindung bestand zwischen Agnes und Georges?

Agnes, die nichts von Tatjanas Erinnerungsblitz ahnte, beschloss, eine Auszeit von Drehb?chern und ihrer Mitwirkung an Theaterproduktionen zu nehmen. Sie recherchierte Urlaubsreisen und deren Kosten. Sie kam zu dem Schluss, dass die K?ste kleiner L?nder g?nstiger war als die ihrer Heimat. Das Land der Teerosen versprach einen ruhigen Urlaub, das Meer nur 400 Meter vom Resort entfernt. Agnes nahm ihre Tochter Angelina mit und fuhr in den Urlaub. Das Versprechen vom Meer war allerdings an eine Bedingung gekn?pft.



Ja, tats?chlich lag das Resort nicht weit vom Meer entfernt. Es befand sich auf einem Berg, aber ohne die Gondeln, die an einem Seil hinunterfuhren, schienen 500 Meter nicht so nah. Vor allem mit einem Kind, das wie ein Esel nicht dorthin ging, wohin man es f?hrte. Das Meer und die Sonne entsch?digten f?r alles, aber das Essen, mit seinen vielen einfachen lokalen K?sesorten, war nicht immer ein Genuss, obwohl f?r zwei Frauen das Essen kein Grund zur Sorge war. Agnes war begeistert von dem Parf?m mit Teerosenbl?ten. Sie hatte den Duft von Rosen schon immer geliebt und kaufte deshalb viele kleine Proben. Ein sch?nes Geschenk f?r jede Frau an einem frostigen Wintertag.

Das Wetter war relativ gut: Eine Woche regnerisch, die n?chste strahlend sonnig, doch Agnessa und die kleine Angelina schafften es, sich zu br?unen. Attraktive junge M?nner flanierten am Strand, darunter auch einige, die man f?r bestimmte Dienstleistungen engagieren konnte. Beim Anblick einer Frau mit einer kleinen Tochter verflog ihre anf?ngliche Gleichg?ltigkeit; sie f?hlten sich einfach hingezogen, mit der Mutter des M?dchens ins Gespr?ch zu kommen, obwohl sie das Gespr?ch meist mit der Tochter begannen. Und solche Unterhaltung bereicherte das Leben. Das Reiseb?ro hatte einen Hin- und R?ckflug garantiert, und der Flug verlief reibungslos. Agnessa und Angelina kehrten aus dem Land der Teerosen zu ihrem geliebten Ehemann und Vater zur?ck.



Ilya Lvovich, ein erfahrener Mann, betrachtete Agnessa nach ihrem Urlaub und erkannte einmal mehr, dass Denis guten Geschmack und den n?tigen Geldbeutel f?r eine so pr?chtige Frau hatte. Er wollte Agnessa nicht ausfragen: Sie war so bezaubernd, dass er sich lieber mit ihr ?ber Liebe und Nachtigallen unterhalten wollte, nicht ?ber Georges, an den er sich wegen der Diamanten im Stroh erinnerte.



Ilja Lwowitsch sprach Agnes f?rmlich an:



Agnes Iwanowna, kennen Sie einen Mann namens Georges gut? Sie kannten ihn schon vor den Dreharbeiten. Er ist kein Schauspieler. Warum haben Sie ihn ausgew?hlt? Wie haben Sie ihn gefunden? Wer kannte ihn, bevor er in Ihren Filmen mitwirkte?



Georges ist ein sehr interessanter und eher seltener Mann. Das Publikum mag ihn. Ja, er hat in einigen meiner Filme mitgespielt. Apollo  Da merkte Agnes, dass sie zu viel gesagt hatte.



Apollo? Was verbindet die beiden?



Apollo trainierte eine Zeit lang mit den Sicherheitsleuten im selben Raum, und dort lernte er Georges kennen, der lange Zeit als Leibw?chter f?r eine wichtige Person arbeitete. Tatjana Petrowna Turina kam nach dem Ansehen Ihres Films zu dem Schluss, dass sie Georges am Tag von Denis Ermordung ihr Haus verlassen sah. Sie erinnerte sich auch an den gro?en Mann, weil er eine Tasche trug, genau wie Denis  So viele Jahre sind vergangen  Drei?ig Jahre sind keine lange Zeit. Und jetzt sind erst sieben Jahre vergangen.



Sieben Jahre z?hlen nicht, wie der Titel des Buches des gro?en Schriftstellers sagt  Sie weichen der Frage aus.



Ich denke nach und wei? nicht, was ich Ihnen sagen soll.



K?nnte Georges Denis mit der Faust auf den Kopf geschlagen und ihm die Tasche abgenommen haben? War er dazu f?hig? Was war in der Tasche?



Geld, sagte Agnes wie aus der Pistole geschossen, wie hypnotisiert.



Haben Sie Georges auf Denis gezeigt?



Ja, das habe ich. Ich bin es leid, st?ndig dar?ber nachzudenken. Denis hatte eine Reisetasche, mit der er an Gedenktagen immer gezeigt wurde. Die Reisetasche war voller Geld. Er hat die weltber?hmte Tasche bei mir zu Hause gelassen.



H?ttest du ihn nicht einfach nach dem ben?tigten Geldbetrag fragen k?nnen?



Ich habe ihm nicht gesagt, dass ich in seine Tasche geschaut habe. Ich habe versucht, sie zu bewegen, aber es ging nicht. Dann habe ich hineingeschaut und Geldscheine gesehen.



Alle sind schuldig, schloss Ilja Lwowitsch. Was sollen wir nur tun?



K?nnen wir nicht alles vergessen? Apollon fuhr den Wagen und brachte Georges vom Tatort weg.



Ich wei?, dass du dein Geld in die Verfilmung deiner ersten Drehb?cher investiert hast. Hast du Geld aus dieser Tasche genommen? Ihr wart zu dritt: Apollon, Georges und du?, fragte Ilja Lwowitsch.



Apollo war der Dritte, der das Geld aufgeteilt hat. Aber ich habe Georges Geld f?r Werbespots genommen, das hei?t, ich habe es dorthin zur?ckgebracht, wo Denis es hingebracht hatte.



Das war edel von dir, wenn Denis nicht gestorben w?re, bemerkte Ilja Lwowitsch.



Georges hat Denis nicht get?tet, entgegnete Agnes.



Wollte Georges Denis t?ten? War das Teil deines Plans?



Nein, Georges sollte Denis bewusstlos schlagen und die Tasche nehmen; er h?tte sie nicht freiwillig hergegeben.



Warum ist Denis gestorben? Ich verstehe es nicht!



Georges hat den Schlag falsch eingesch?tzt, oder Denis ist an der falschen Stelle gelandet 



Agnes, aber am Tatort wurden Fingerabdr?cke gefunden, die kleiner sind als die von Georges. War Apollon vielleicht dort?

Apollon betrat das Geb?ude nicht; er sa? im Auto und wartete auf Georges.



Wo waren Sie, als Denis angegriffen wurde?



Im Eingangsbereich des Geb?udes.



Sie haben doch deutlich gesehen, wie alle das Geb?ude betraten und verlie?en. Wenn Georges sein Opfer nur bewusstlos schlug, um es auszurauben, wer k?nnte dann Denis get?tet haben?



Ich wiederhole: Georges trug eine Maske. Denis zu t?ten war nicht Teil seines Plans. Er hat ihn nur erschreckt und bewusstlos geschlagen. Georges hatte den Angriff ge?bt.



Er war ein Komplize beim Raub des Geldes, das Denis gestohlen hat. Erinnern Sie sich, wen Sie von Ihrem Beobachtungsposten aus noch gesehen haben? Was war das f?r ein Geruch?



Teerose, antwortete Agnes wie aus der Pistole geschossen und versuchte sich an den Mann zu erinnern, der nach Georges das Geb?ude betreten hatte. Sie kannte ihn, deshalb schenkte sie seinem Erscheinen keine weitere Beachtung. Ilja Lwowitsch rief Agnessa erneut zu sich; er mochte sie offenbar sehr. Sie sa?en sich an einem Tisch gegen?ber. Drau?en schien die Sonne.



Agnessa, ich bin mir in Denis Fall nicht ganz sicher. Ich bin fest davon ?berzeugt, dass ihn jemand umgebracht hat! Was sagst du dazu? Ich glaube, du kennst die Antwort.



Er k?nnte sich beim Sturz verletzt haben und gestorben sein, sagte Agnessa emotionslos.



Das denken alle. Erinnerst du dich, wer das Geb?ude betrat und verlie?? Vielleicht hast du jemanden gesehen, den du kanntest? Es wird vermutet, dass es ein Doppelangriff war. Anscheinend wurde Denis erneut angegriffen, aber er hatte kein Geld bei sich. Man vermutet, dass sie nach Diamanten suchten. Seine Taschen waren leer. Sie suchten nach etwas Wertvollem, aber nichts Sperrigem.



Soll ich dir die Wahrheit sagen?



Versuch, mir die Wahrheit zu sagen, Agnessa. Denis hatte Diamanten, aber das habe ich erst vor Kurzem erfahren. Ein paar Minuten nachdem Georges gegangen war, betraten zwei schlanke M?nner das Geb?ude. Ich verlie? meinen Beobachtungsposten nicht sofort und sah, wie sie kurz darauf hinausst?rmten. Die M?nner waren unzufrieden miteinander und verschwanden schnell um die Ecke.



Kannst du dich an die M?nner erinnern, damit ich ihre Profile erstellen kann?



Ich fange mit den fr?heren Ereignissen an. Denis und ich hatten Sex im Waldstadion in seinem Auto. F?nf Jahre nach Denis Tod kam ich zum Stadion und parkte an der Stelle, wo das Auto an dem Tag unserer Liebe gestanden hatte. Vom Fahrersitz aus sah ich eine Eiche. Ich ging auf die Eiche zu und sah zwei eingravierte Namen: Denis und Agnessa. Zwischen den Namen, in einer kleinen Mulde, fand ich die Diamanten. Wahrscheinlich suchten sie in Denis Geb?ude danach. Jemand wusste schon f?nf Jahre vor mir davon.



Wie einfach! Agnes, wo sind die Diamanten? Wirst du sie dem Staat zur?ckgeben?



Ja, sagte Agnes und ?berlegte, ob sie ein paar St?cke aus ihrer Sammlung spenden sollte.



Warum hast du mir das nicht fr?her gesagt?, fragte Ilja Lwowitsch weiter.



Die Antwort lag in deinen Fragen. Nachdem die beiden M?nner gegangen waren, betrat Tatjana das Geb?ude, und in diesem Moment verlie? ich den Beobachtungsposten.



Agnes, du schuldest mir f?nf Diamanten f?r die Staatskasse. Unterschreib den Bericht, sagte Lis und schob Agnes den Bericht zu.



Warum f?nf Diamanten? L?sst du mich wegen f?nf Diamanten gehen?!, fragte Agnes emp?rt.



Er kann nicht weniger als f?nf Diamanten gehabt haben. Ja, aber woher sollen wir wissen, wer die beiden M?nner waren, die Denis umgebracht haben? Du weichst dieser Antwort immer wieder aus.



Ich denke, es waren seine Kollegen oder Bekannte von der Arbeit. Ich habe sie schon mal mit ihm in einem Caf getroffen.



K?nntest du sie wiedererkennen? Agnessa, das waren wahrscheinlich nur Fremde. Wenn sie f?r dich gearbeitet h?tten, h?ttest du sie nie vergessen.



Ich wei? nicht, aber ich versuche es. Es ist so lange her. Dann dachte sie, einer von ihnen s?he Boris ein bisschen ?hnlich. Ich glaube, ich kenne einen von ihnen. Das ist Boris; er hat in meinem letzten Film mitgespielt.



Alles an dir ist seltsam. Hattest du etwas mit ihm?



Nein. Er wohnt im Norden. Er war w?hrend der Dreharbeiten hier.



Ich muss mit Boris sprechen. Gib mir seine Kontaktdaten. Ich fahre in den Norden. Agnessa, wir unterhalten uns weiter, wenn ich da bin. Verlass die Stadt nicht.



Okay. Kann ich gehen?



Ja, ich unterschreibe dein Papier. Und sie trennten sich f?r eine Weile.

Die verschneite Stadt umschw?rmte Ilja Lwowitsch wie Sommerfliegen. Schw?rme von Fliegen umschwirrten die niedrigen B?ume. Boris stand in der T?rschwelle seiner Wohnung in einem zweist?ckigen Geb?ude. Ilja Lwowitsch bemerkte sofort Boris' maskuline Ausstrahlung.



Boris Borisowitsch, waren Sie vor sieben Jahren an dem Angriff auf Denis beteiligt? Man vermutet, dass Sie und Ihr Partner den benommenen Denis Turin im Eingangsbereich get?tet haben.



Ja, aber ich habe ihn nicht get?tet. Mein Wachmann war bei mir, antwortete Boris schnell, benommen von dem unerwarteten Besuch. Er sch?ttelte den Kopf, sein Verstand versuchte, sich in dieser Situation wieder zu fassen.



Boris, hat Ihr Wachmann Denis Turin get?tet?, fragte Ilja Lwowitsch.



Denis kaufte mehrere gro?e Diamanten von mir, bezahlte aber mit einem Strohmann. Mein Wachmann half mir, das Geld zur?ckzubekommen. Denis entschuldigte sich und sagte, er h?tte das Geld am 1. April, er h?tte uns schon l?nger beobachtet und sei bereit, eine gro?e Diamantenlieferung zu kaufen. Also gingen wir am 1. April zu ihm. Denis hatte den Termin selbst festgelegt. Es sollte ein sehr lukratives Gesch?ft werden.



Warum steckt dann so viel Kriminelles in euren Handlungen?



Wer h?tte gedacht, dass sich ein so bekannter Mann im Land so verhalten w?rde? Wir haben unsere eigenen Methoden. Wir fuhren mit dem Aufzug nach oben, stiegen in seinem Stockwerk aus, h?rten ein ged?mpftes St?hnen und blickten hinunter. Denis sa? unten an der Wand der Treppe. Er hatte die Hand auf dem Kopf und sah uns an. Wir gingen hinunter zu ihm.



Wo ist das Geld?, fragte ich Denis.



Sie haben das Geld gestohlen und mich bewusstlos geschlagen, fl?sterte Denis heiser.



Du bist ein gieriger Mann, Denis! Wenn du so viel Geld h?ttest, h?ttest du dir Bodyguards zulegen sollen, kommentierte ich Denis Worte. Die Diamanten geh?ren uns nicht, und die Firma wird uns nicht f?r den Fehlbetrag verantwortlich machen. Denis, was sollen wir mit dir machen?



Ich sage die Wahrheit, das Geld wurde zusammen mit der Tasche gestohlen. Ein gro?er Kerl mit Maske hat mir auf den Kopf geschlagen, und ich bin ohnm?chtig geworden, sagte Denis leise.



Der Wachmann war w?tend, dass das Geld schon wieder weg war, fuhr Boris fort. Er packte Denis wutentbrannt am Revers und schlug so heftig auf ihn ein, dass er versehentlich mit der Schl?fe gegen die Metallstangen des Treppenhauses knallte. Eine der Stangen stand hervor und bohrte sich in Denis Schl?fe. Denis verlor das Bewusstsein. Der Wachmann stie? Denis weg. Denis st?rzte kopf?ber die Treppe hinunter und blieb leblos liegen. Wir erkannten, dass es vorbei war, und verlie?en schnell das Geb?ude.



Was sollen wir mit dir machen?, fragte Ilja Lwowitsch. Ein R?uber ?ber einem R?uber. Um das fehlende Geld wieder gutzumachen, habe ich in der Werbung gearbeitet und mit Agnessa Arkina in einem Film mitgespielt  dank Denis Marionette. Ich habe das Geld an die Firma zur?ckgegeben und bin jetzt wieder Gesch?ftsf?hrer einer Diamantenfirma.



Wo ist der Wachmann? Wie hei?t er? War er im Gef?ngnis?



Nein. Ein einfacher Wachmann der Diamantenfirma.



Diamanten ?ber Diamanten, dachte Boris, der Gesch?ftsf?hrer der Diamantenfirma. Ilja Lwowitsch nahm die Diamanten als Beweismittel von Boris entgegen und lie? den Wachmann in Ruhe. Er verlie? Schneestadt friedlich. ?bergl?cklich, dass der Fall abgeschlossen war, beauftragte Boris einen Juwelier, einen Diamantanh?nger an einer Goldkette f?r Tatjana anzufertigen. Mit diesem Geschenk erschien Boris vor Tatjana und h?ngte es ihr um den Hals. Sie, die am wenigsten von Boris Beteiligung an Denis Mord ahnte, stie? einen ?berraschten Schrei aus. Sie warf einen Blick auf das, was an seiner Brust hing, l?chelte und k?sste Boris auf seine weiche, rasierte Wange. Was folgte, war das Bild einer gl?cklichen Liebesbeziehung zweier zufriedener Menschen. Auf einer flauschigen Bettdecke. Zuhause bemerkte der Sohn ein funkelndes Diamanten an dem Hals seiner Mutter.



Mama, toll! Kaufst du schon wieder Diamanten?



Boris hat ihn mir geschenkt.



Das ist doch klar von ihm.



Vielleicht sollten wir heiraten?



Mama, machst du Witze? Nein, das will ich nicht.



Vielleicht mache ich Witze, vielleicht auch nicht.

Die Situation war zugleich einfach und komplex. Alles, was mit dem Mord an dem ber?hmten Denis Turin zusammenhing, war bekannt. Jahre sp?ter begannen die Menschen unwillk?rlich Dinge auszusprechen, ?ber die sie sieben Jahre lang geschwiegen hatten. Sie wollten sich ?u?ern, ihre Vergangenheit ungeschehen machen oder sich freikaufen. Ilja Lwowitsch lud Tatjana zu einem Gespr?ch ein. Er sagte ihr, dass ihr Verdacht, Georges sei an dem Mord beteiligt gewesen, v?llig berechtigt gewesen sei. Georges hatte Denis zwar als Erster einen heftigen Schlag gegen den Kopf versetzt, dieser war aber nicht t?dlich gewesen. Es hatte zwei Auseinandersetzungen im Treppenhaus gegeben, und nach der zweiten Auseinandersetzung mit zwei anderen Personen hatte Denis sich beim Aufprall auf ein Metallgel?nder die Schl?fe verletzt.

Die Ereignisse haben sich so zugetragen, dass Denis selbst gegen das Gesetz versto?en hat. Denis war vor der zweiten Gruppe schuldig, daher ist es besser, die Sache nicht weiter zu thematisieren, sagte Ilja Lwowitsch. Eine Bestrafung w?rde Denis weniger r?hmliche Taten ans Licht bringen, und sein strahlendes Image w?rde verblassen. Tatjana selbst hatte l?ngst erkannt, dass Denis kein unbescholtener Mann war, und sie wollte keinen weiteren Aufruhr um seinen Namen verursachen. Sie und der Kommissar hatten vereinbart, zu schweigen. Das Leben ist so sch?n, dass Schl?ge auf den Kopf, ob direkt oder indirekt, zum Alltag geh?ren. Der Kommissar hatte Tatjana aus Agnes Filmen sehr gemocht. Wie w?re es, wenn ich Tatjana Petrowna selbst einen Heiratsantrag mache?, dachte Ilja Lwowitsch, um seine Macht ?ber die Menschen vollends zu begreifen. Ich muss ihre Verbindungen in diesem Fall untersuchen. Er dachte dar?ber nach und tat es. Die ?berwachung von Tatjana f?hrte zu Boris. Diese Diamantenfirma ist nur noch von Insidern besetzt, und es gibt keine freien Frauen mehr, dachte Ilja Lwowitsch ein letztes Mal und beschloss, nicht einmal seiner treuen Assistentin Soja ein G?nsebl?mchen zu schenken. Er zog Bilanz und kam zu folgendem Schluss: Die Diamantenh?ndlerin Agnessa Iwanowna Arkina hatte sieben Freunde, doch einer von ihnen, der, den sie innig liebte, starb. Er liebte das gro?e Geld und besa? so viel davon, dass er es in einer gro?en Sporttasche mit sich herumtrug. Nat?rlich wurde ihm dieses Geld beschlagnahmt: zuerst von Apollon und Georges, dann von Boris, dem er Geld f?r Diamanten schuldete und mit einem Dollar bezahlte. Denis kam beinahe durch einen Unfall ums Leben. Einer stie? gegen den anderen, und die Treppe erwies sich als defekt. Die Firma Blesk stellte Diamantschmuck her und experimentierte mit Diamantkugeln. Was noch? Agnessa und Tatjana sind st?ndige Rivalinnen. Eine Diamanteneiche oder ein mit Diamanten gef?llter Salzstreuer tauchen in dieser Geschichte immer wieder auf. Das Leben beginnt mit dem Allt?glichen und endet im M?rchen. Manche Menschen sind monogam. Es gibt Pr?de. Und dann gibt es diese seltsamen Frauen wie die Diamantenlady Agnessa Arkina. Sie tut nichts Falsches, aber man kann sie nicht als monogam bezeichnen. Sie st?rt nicht den Frieden der Gesellschaft, aber sie ist st?ndig von einem Detektiv umgeben. Sie wechselt M?nner nicht f?r Geld, aber ihre M?nner wechseln mit Hilfe anderer M?nner. Ist die Diamantenlady eine Abenteurerin? Nein, sie ist eine gute Mutter und Ehefrau. Wie kann so etwas in einer Frau vereinbar sein? Sie ist eben nur eine Diamantenlady...

Ilya Lvovich mischte sich nicht in Agnessas Privatleben ein; die Verbrecher wurden gefasst, aber sie hatte andere Fragen. Und Tatyana? Sie lie?en sie in Ruhe, lie?en sie unter ihrer Eifersucht leiden, die nicht mit dem Fall in Verbindung gebracht werden konnte. Und auf wen sollte sie eifers?chtig sein? Agnessa hatte f?nf diamantgeschliffene Hirsebrote mitgebracht.



Ilja Lwowitsch betrachtete die Diamanten mit seinem ge?bten Blick und erkannte sofort, dass die Diamanten nicht aus Boris' Serie stammten. Seine Diamanten waren v?llig anders, mit anderem Glanz und anderer Qualit?t. Doch man schaut einem geschenkten Gaul nicht ins Maul, und so lie? er Agnes und ihre Komplizen in Ruhe, ohne sie auch nur zu rufen. Es war eine M?glichkeit, sich etwas dazuzuverdienen. Zuhause arrangierte Ilja Lwowitsch die Diamanten zu einer G?nsebl?mchenbl?te: einen gro?en Diamanten von Boris in der Mitte und f?nf Bl?tenbl?tter von Agnes. Klug wie er war, ging er zu einem befreundeten Juwelier, um eine Brosche namens Diamantg?nsebl?mchen in Auftrag zu geben.



Der Juwelier warf einen Blick auf die Diamanten und erkannte sofort die Herkunft dieses Luxusguts. Er erkannte die f?nf Diamanten von Agnes und den gro?en Diamanten von Boris, schwieg aber taktvoll und legte seinen eigenen Preis f?r die Arbeit und das Gold fest. Ilja Lwowitsch dachte dar?ber nach. Von wem k?nnte er sonst noch materielle Beweise erhalten, um die Kosten f?r die Arbeit und das Gold wieder hereinzuholen? Er bot dem Juwelier an, ihn zu bezahlen, sobald er die G?nsebl?mchen fertiggestellt hatte. Der Juwelier widersprach nicht und willigte ein zu warten. Ilja Lwowitsch ging die Leute aus Agnes' Team im Kopf durch und wollte unbedingt Georges anrufen. Er kam. Ilja Lwowitsch erz?hlte ihm alles, was er ?ber ihn wusste.



Georges fragte leise:



Wo sind die Beweise?



Zwei Personen haben Sie am Tatort gesehen; sie werden alles vor Gericht best?tigen, falls n?tig.



Gibt es eine M?glichkeit, sich unauff?llig zu verabschieden?



Ganz einfach, Mr. Georges! Sie m?ssen die Geldscheine, die Sie aus Denis' Tasche genommen haben, als Beweismittel vorlegen.



Ich habe nicht das ganze Geld. Wie viel h?tten Sie gern?

Ilja Lwowitsch nannte den Betrag, den ihm der Juwelier genannt hatte, zuz?glich der Transportkosten f?r die Reise in den Norden, die jemand bar bezahlen musste.



Kein Problem, Sir, sagte Georges und zog einen Stapel Geldscheine aus seinem Bauchbeutel. Sein Bauch f?hlte sich immer noch genauso an wie vorher.

Ilja Lwowitsch lie? Georges friedlich gehen. Nun musste er nur noch entscheiden, wem er die Diamantenblume mit ihren goldenen Bl?tenbl?ttern schenken sollte. Er sehnte sich nach Liebe und h?uslichem Gl?ck und wollte ihr einen Heiratsantrag machen. Am liebsten h?tte er Agnes die Blume geschenkt, aber sie war besch?ftigt.



Wir m?ssen nur noch herausfinden, ob Wladimir Turin mit unseren Ermittlungen zufrieden ist.



Ilja Lwowitsch, die Klienten selbst sind fast die Hauptfiguren in all dem. Und das Merkw?rdige ist, dass es praktisch unm?glich ist, die Verantwortlichen f?r den Tod ihrer V?ter zu finden. Man kann ja keinen Weihnachtsbaum ins Gef?ngnis stecken, oder, wie im Fall von Denis, ein Treppengel?nder. Ich stimme zu, Denis war nicht der unbestrittene Held der Geschichte. Aber er war es  er lebte, auch wenn man sich nicht an ihn erinnert. Und ihre Kinder lernten schlie?lich, dass es sich nicht lohnte, die Vergangenheit aufzuw?hlen.

Agnes gr?belte immer ?fter ?ber die Frage: Woher sollte man einen Geldsegen bekommen? Sie las immer wieder Krimis, in der Hoffnung, eine clevere Idee zu finden, wie man schnell an Geld kommen k?nnte. Bei ihrer Arbeit an Werbespots hatte sie das Gef?hl, dass das Geld, das sie verdiente, in fremde Taschen wanderte. Eine tiefe Melancholie legte sich ?ber ihren sonst so erfinderischen Geist. Selbst der J?ger rennt dem Biest hinterher.



In einem Moment der Verzweiflung erreichte sie die Nachricht vom Tod ihrer Tante, deren Ebenbild Agnes war. Sie ?hnelte weder ihrer Mutter noch besonders ihrem Vater. Aber Tante Martha war anders. Sie war ihr Ebenbild, ihr Wesen, ihr Aussehen. Oder genauer gesagt: Agnes war ihr Ebenbild, das Ebenbild ihrer Tante v?terlicherseits. ?u?erlich war Agnes nicht gerade reich. Sie hatte fast ihr ganzes Leben allein gelebt. Sie gab nicht viel Geld aus. Sie lie? nur selten jemanden in ihr Haus.

Agnessa war seit drei?ig Jahren als Erbin im Testament eingetragen. Meine Tante arbeitete in Parteiorganisationen. Sie war als Parteifunktion?rin sehr erfolgreich. Sie war die Stellvertreterin der Parteif?hrung in der Stadt. Sie war keine Sekret?rin, hatte aber auch keine. Sie hatte ein B?ro. Immobilien wurden ?ber sie gekauft und verkauft.



Sie war eine ernsthafte Frau. Die Menschen f?rchteten und respektierten sie. Sie hielt Au?enstehende von ihren Angelegenheiten fern, und so vertrauten ihr die heimlich Reichen. Sie verriet sie nicht. Sie hielten sie nicht f?r eine Strohfrau. Tante Marta lebte bescheiden. Sie erinnerte sich noch gut an die Durchsuchungen ihrer Wohnung. Auf den ersten Blick wirkte ihre Wohnung f?r die Inspektoren v?llig unscheinbar. Sie besa? lediglich einen Firmenwagen mit einem wortlosen Chauffeur. Das Datscha-Grundst?ck meiner Tante war klein: bescheidene sechshundert Quadratmeter in einem Gemeinschaftsgarten.



Das Haus war aus Ziegeln. Sie ?bernachtete dort nie. Sie ging nach Hause, um zu schlafen. Sie hatte Diabetes. Jeden Morgen nahm sie einen L?ffel Sonnenblumen?l zu sich. Sie a? nur selten S??igkeiten. In ihrem Haus reichte eine Flasche Wodka oder Wein zwanzig, ja sogar drei?ig Jahre. Die Kleidung meiner Tante war so gut erhalten, dass, wie sie sagte, niemand sie ausziehen oder anders anziehen w?rde. Sie war von guter Qualit?t, aber schmucklos. Woher hatte meine Tante nur das Geld? Sie musste doch Geld gehabt haben! Aber woher?



Welches Erbe erwartete Agnes? Agnes wusste genau, dass meine Tante die Schmuckschatulle besonders sch?tzte, obwohl sie schlicht aussah. Die Schatulle enthielt Modeschmuck. Sie hatte keinen doppelten Boden, aber F??e von sechs mal sechs Zentimetern und drei Zentimetern H?he. Irgendwelche Abs?tze.



In diesen Abs?tzen lag das, was meine Tante f?r ihren Lebensunterhalt gespart hatte. Kleine L?cher, mit winzigen Korken verschlossen, f?hrten von der Schatulle in die Abs?tze. Vier Sparschweine. Zu F??en der Schachtel lagen  genau, kleine Diamanten, so gro? wie ein Hirsekorn. W?hrend des Krieges rettete Hirse meine Tante vor dem Verhungern. Nach dem Krieg sammelte sie ihre eigene Hirse  in Diamantengr??e.



Solche K?rner wurden verkauft; sie waren nicht besonders begehrt; solche Diamanten gab es in L?den; diese diamantgro?en Hirsek?rner hatten eine fast ehrliche Geschichte. Meine Tante nahm Bestechungsgelder mit genau diesen gl?nzenden K?rnern an. Sie hatte eine Vertiefung auf ihrem Schreibtisch; sie lie? ein Diamantkorn hineinfallen, und ein wohlhabender Gesch?ftsmann erhielt von den st?dtischen Beh?rden die Erlaubnis, zu kaufen, was immer er wollte.



Gesch?ftsleute kauften ein Diamantkorn, das in einem Geheimfach auf dem Tisch und dann in den F??en der Schachtel verschwand. Mehr als einmal st?rmten Leute in Tantes B?ro, um nach Bestechungsgeldern zu suchen, aber nie fanden sie auch nur einen Rubel in ihrem B?ro. Tante Marta war in den Parteistrukturen der Stadt als absolut integer bekannt. Agnessa beerdigte sie mit allen Ehren. Die Stadtbeh?rden verweigerten ihre Hilfe nicht. Ein positiver Artikel ?ber sie erschien in der Zeitung.



Kapitel 4. Kristallklare Angelegenheiten



Agnes gelang es, die Schachtel aus Tantes Wohnung zu holen, doch alles andere war versiegelt, und sechs Monate sp?ter ging alles in Agnes' Besitz ?ber. Zuhause musste Agnes die Schachtel nicht lange untersuchen. Schnell fand sie die Fu?stopper. In ihren H?nden hielt sie vier Handvoll diamantgeschliffenen Hirse. Ihre Seele fand Frieden. Agnes w?nschte Tante Martha den Himmel.



Die Menschen lieben ihre Gesundheit, deshalb tragen viele Amulette aller Art. Das wichtigste Amulett gegen Krankheit ist ein Kreuz, dachte Agnes, w?hrend sie die verstreuten kleinen Diamanten betrachtete. Sie nahm sich die Zeit, die L?den zu besuchen, die Ikonen, Kreuze und B?cher mit Kreuzen auf dem Einband verkauften. Sie fand heraus, welche Kreuzform gefragt war und wer der Hauptverk?ufer war. Agnes zeichnete ein Kreuz mit allen Ma?en, arrangierte die Diamanten darauf und ging zu einem Juwelier, den sie kannte.

Der Juwelier war von der Idee angetan; Er wusste, dass von allen Schmuckst?cken ein Kreuz an einer Kette am h?ufigsten getragen wurde. In der ersten Serie wurden f?nf St?ck gefertigt. Die Kreuze wurden an einflussreiche Gesch?ftsleute verkauft: Sie hatten sowohl S?nden als auch Geld. Sie fertigten weiterhin Kreuze in F?nfer-Serien an, da Agnes sich nicht von allen Diamanten auf einmal trennen wollte. Sie bl?hte auf. Sie war gl?cklich, weil der Verdienst den Aufwand, ihn zu erzielen, mehr als wettmachte. Das Geld floss, und sie zog in eine Stadt mit viel Sonne und Strand. Das ist lange her, und der Juwelier war nicht mehr da, aber sie besa? ein Diamantenunternehmen und war in der gehobenen Gesellschaft einflussreich.



Ein Juwelier, der f?r die Firma Blesk von Agnes Iwanowna Arkina mit Diamanten arbeitete, wurde in seiner Wohnung ermordet und ausgeraubt. Seine vierfach verschlossenen T?ren und die dreifach verglasten Kunststofffenster zogen die Aufmerksamkeit von Einbrechern auf sich, die durch die Stadt streiften und die Fenster und die Anzahl der Schl?sser an den T?ren ?berpr?ften. Wenn es mehr als drei Schl?sser gab, w?rden die Diebe den Wohnungsbesitzer observieren.

Durch Rentner, die in der N?he ihrer alten Wohnh?user spazieren gingen, und durch eine vermeintlich ?ltere Dame erfuhren sie, dass in der gepanzerten Wohnung ein bescheidener Juwelier lebte, der nicht einmal ein Auto besa?. Das Wort Juwelier hatte eine unwiderstehliche Wirkung auf die Diebe, und sie beschlossen, ihrem Ziel zu folgen. Ein st?mmiger Mann mit durchdringenden Augen, der auf Frauen sehr attraktiv wirkte  er war Juwelier.

Zuvor hatte er in einer Metallfabrik gearbeitet, sich aber nach und nach selbstst?ndig gemacht. Er besch?ftigte einen Buchhalter, der sich um seine Steuer- und sonstigen Finanzangelegenheiten k?mmerte. Der Juwelier besa? f?nf funktionierende Tresore, die jeweils Schmuck oder Bargeld enthielten. Die Tresore befanden sich in einem Wandschrank. Der Schreibtisch des Juweliers, der einem Sekret?r nachempfunden war, konnte im Notfall mit einer Handbewegung geschlossen werden. Der Rest der Wohnung war mehr als bescheiden. Das G?stezimmer wirkte anst?ndig: Spiegel, Ledersofas, ein Schmucktisch, ein Fernseher und k?nstliche Bl?tenbl?tter.



Die Einbrecher hatten ein System: Eine ?ltere Dame sollte die Rentner ausfindig machen, und eine sch?ne Frau, die ?ber viel Geld verf?gte, diente dem Juwelier als Lockvogel. Und sie selbst war s?ndhaft teuer! Die Diebstahlmethode war verbl?ffend einfach: Eine elegante Frau kam, um ein Schmuckst?ck zu bestellen oder ein fertiges zu kaufen. Nerv?s umklammerte sie einen Geldb?ndel und bat darum, die bereits gefertigten St?cke des Juweliers zu sehen. Sie behauptete, seine St?cke seien ihr von einer Freundin aus dem Fernsehgesch?ft empfohlen worden.

Der Juwelier verlor unter dem Blick der Frau die Fassung, hypnotisiert von ihren W?nschen und Blicken. Stets zur?ckhaltend, ?ffnete er vor der sch?nen Fremden die Schrankt?ren, leerte die Tresore und pr?sentierte seine wertvollsten Besitzt?mer. Sobald die Frau gen?gend Tresore ge?ffnet hatte, sagte sie, sie nehme drei St?cke mit: ein Diamantkreuz, eine Diamantbrosche und Manschettenkn?pfe f?r ihren Mann. Dann f?gte sie hinzu, sie m?sse ihren Mann, der im Auto wartete, anrufen, um die kostspieligen K?ufe abzusprechen. Der Juwelier verlor jegliches Lebensgef?hl, als er h?rte, dass ihm jemand so viel auf einmal nahm, und ?ffnete die T?r f?r den Ehemann der Frau. So geschah es auch diesmal. Zwei M?nner st?rmten die Wohnung, einer fesselte den Juwelier, der andere klebte ihm den Mund zu. Die M?nner trugen Masken. Und alle drei, zusammen mit der Frau, begannen, die Tresore auszur?umen. W?re der gefesselte Juwelier still geblieben, h?tte er ?berlebt; schlie?lich sind Einbrecher keine M?rder. Der Juwelier schl?ngelte sich wie eine Schlange zu einem der Kn?pfe, die die Wohnung mit der Alarmanlage verbanden.

Die Notrufkn?pfe befanden sich an verschiedenen Stellen in der Wohnung und in unterschiedlichen H?hen. Der Juwelier wollte den n?chstgelegenen Knopf mit der Nase dr?cken. Er kroch dorthin und begann, ihn mit der Nase zu bet?tigen. Eine Frau, die den Tresor schneller als die M?nner geleert hatte, bemerkte die Bewegung des Juweliers. Sie rief den M?nnern zu, den Juwelier im Auge zu behalten. Einer der Einbrecher geriet beim Anblick des Knopfes in der N?he der Nase des Juweliers in Wut und schoss mit einer Pistole mit Schalld?mpfer auf ihn.



Alle drei schnappten sich die Beute und st?rmten aus der T?r. Die Alarmglocke ert?nte, und der Beobachter rief ein Team, das in ein Auto stieg und zum Juweliers Apartment fuhr. Die Wohnungst?r stand angelehnt, die Schr?nke und Tresore waren offen. Der Juwelier atmete noch; er war mehrfach geschlagen worden, aber er war ein z?her Mann. Ein Krankenwagen wurde gerufen, und der Juwelier wurde abtransportiert.



Ein ganzes Team von Kriminalbeamten traf in der Wohnung ein, fand aber au?er den Fingerabdr?cken des Juweliers keine weiteren. Die Nachbarn waren abends nach 18 Uhr noch unterwegs und sahen sich eine neue Serie an; zum Zeitpunkt des ?berfalls war es noch kurz vor 19 Uhr. Der Juwelier starb an einem Schuss in die lebenswichtigen Organe; seine auf dem R?cken gefesselten H?nde hatten ihn nicht vor dem Schuss gesch?tzt. Ein Tresor war nicht ge?ffnet, wurde aber von den Kriminalbeamten aufgebrochen. Die Diebe stahlen die Diamanten f?r ihre Arbeit, die fertigen Schmuckst?cke und das Geld. Agnessa erfuhr vom Tod des Juweliers von seinem Nachbarn, den sie gelegentlich traf.

Agnessa besuchte dieses Haus oft und wusste, dass alles gegen sie sprach. Sie konnte nicht glauben, dass jemand versehentlich einen Juwelier get?tet und ausgeraubt hatte; schlie?lich w?re das ein schwerer Schlag f?r ihre Finanzen! Sie sp?rte, dass Ereignisse eingetreten waren, die ihrer Karriere als Juwelierin schaden k?nnten. Und sie fasste einen Entschluss: Bevor sie durch einen Tipp eines Nachbarn entdeckt wurde, musste sie das Land verlassen, und zwar sofort! Sie wusste nicht, was das zur Folge haben w?rde, aber sie wollte unbedingt verschwinden. Was, wenn die, die den Juwelier bestohlen hatten, auch sie suchten? Ilja Lwowitsch fand Agnessas Plan, zu fliehen, gut. Wohin nur?, dachte sie und beschloss, nach Sandy City zu gehen. Es war weit weg, und was blieb ihr anderes ?brig? Sie hatte ja noch Geld vom letzten Film.



Ilja Lwowitsch nahm den Fall des Juweliers sehr ernst. Eine gro?e Menge Diamanten war gestohlen worden, und so war den Mitgliedern des Sicherheitsteams eine stattliche Pr?mie versprochen worden  allerdings nur, wenn der Detektiv den Raub?berfall, der auch Mord beinhaltete, aufkl?rte. Und die M?nner arbeiteten. Ilja Lwowitsch wusste, dass Agnessas Mann  Boris  der Hauptlieferant der Diamanten war. Oder besser gesagt: Es w?re nicht in ihrem Interesse, den Juwelier zu t?ten. Und wem w?rde es n?tzen? Wer hasste den Juwelier oder Agnessa? Wer h?tte Einbrecher auf einen Juwelier, einen bescheidenen Mann, hetzen k?nnen, der so unerreichbar schien?



Die Diamantenlady war eine bekannte Pers?nlichkeit in der Diamantenwelt. Wen bel?stigte sie? Konkurrenten? Wer wollte ihr die Filmfinanzierung entziehen? Die Spuren f?hrten in die Welt des Films und der Werbung. Eine schillernde Welt voller Schattenseiten. Der Detektiv untersuchte alle F?lle, doch der Juwelier erwies sich als so unschuldig wie ein feiner Diamant.



Was dachte Tatjana wohl ?ber Agnes?, fragte sich Ilja Lwowitsch. Er fand diesen Moment faszinierend. Die Situation begann sich aufzul?sen. Er fand heraus, dass Tatjana die Einbrecher auf den Juwelier gehetzt hatte, und diese hatten es nicht einmal bemerkt.

Tatjana hatte Agnes aus dem Weg r?umen und den Juwelier beseitigen oder ihn zumindest einsch?chtern wollen, doch es kam noch schlimmer. Sie hatte einen Tipp ?ber Einbrecher erhalten, die in der Gegend des Juweliers ihr Unwesen trieben.

Es gelang ihr, die Einbrecher zum Haus des Juweliers zu lotsen. Beim Anblick der festungsartigen Wohnung zeigten sie ihren Jagdeifer und ?bertrieben es dabei, indem sie den Wohnungsbesitzer t?teten.

Tatjana schien ?ber jeden Verdacht erhaben. Ilja Lwowitsch informierte sie, dass Agnessa aus der Stadt verschwunden war.

Tatjanas Freude verdoppelte sich. Also, die Rache einer Frau! Hatte sich Agnessa etwa vor Tatjanas Rache versteckt? Sehr wahrscheinlich. Diese Frauen! Und wer ist schuld? Der Einbrecher. Die Einbrecherbande wurde mithilfe von Ilja Lwowitsch identifiziert. Sie wurden unauff?llig festgenommen, zusammen mit einer sch?nen Frau und einer alten Frau, die die Informantin gewesen war. Sie alle wohnten in derselben Wohnung, einer Mietwohnung, wohlgemerkt.

Diamantschmuck l?sst sich nicht schnell verkaufen. Die Ware war teuer, daher gab es nur wenige K?ufer. Sie machten einen hohen Gewinn, konnten die Ware aber nicht loswerden. Die Einbrecher waren w?tend auf sich selbst, weil sie den Juwelier get?tet hatten, und qu?lte die Frage, wie er seine Waren verkauft hatte. Mit dieser Frage konfrontierte sie die Sicherheitsfirma und verdiente sich ihren Bonus. Das Leben deutete deutlich an: Agnes, sei vorsichtig. Alle ihre Freunde waren traurig ?ber die Erinnerung an den Juwelier; mit ihm war alles so einfach gewesen, was den Verkauf und die Herstellung von Diamantschmuck betraf. Er war wie das achte Weltwunder f?r die gesamte Diamantenbranche.

V?llig unerwartet begann Agnes' Vater, kleine Schl?sser aus kleinen Steinen zusammenzusetzen. Ermutigt schlug er Agnes vor, ein Diamantschloss aus kleinen Diamanten anzufertigen. Agnes betrachtete die Arbeit ihres Vaters aufmerksam und erinnerte sich, dass ihre Tante, seine Schwester, einige kleine Diamanten hinterlassen hatte. Sie schlug ihrem Vater vor, ein kleines Schloss aus rohen Diamanten von der Gr??e von Hirsek?rnern zu bauen.



Ihr Vater nahm die Aufgabe ernst und starrte lange durch eine Brille auf die Steine  keine gew?hnliche, sondern eine maskenartige, die beide Augen bedeckte. Erstaunlicherweise wuchs das Schloss Tag f?r Tag und erhob sich mit seinen Miniaturt?rmen immer h?her. Eines Tages kam sogar Apollo, um das Werk des alten Mannes zu bestaunen. Unverfroren hob er die kleinsten Diamanten auf, untersuchte die von der Natur und durch den zuf?lligen Schliff entstandenen Facetten und klebte das imagin?re Schloss zusammen. Apollo war begeistert von dem Diamantschloss, und sein eigener Sch?pferdrang wurde geweckt.



Boris kam mit einer neuen Lieferung Diamanten und gab Agnes' Vater das ganze Kleingeld. Pl?tzlich stand ihr Vater im Mittelpunkt des Interesses. Das Schloss wurde zum Stadtgespr?ch, und die Nachricht davon verbreitete sich bis in andere L?nder. Potenzielle K?ufer baten um Fotos des neuesten Weltschatzes. Das Schloss wurde von allen Seiten fotografiert, und es wurde vorgeschlagen, es weltweit zu versteigern. Ein Fundament f?r das Schloss wurde errichtet und mit hellen LEDs beleuchtet. Die LEDs leuchteten nach einem bestimmten Programm auf; Im Fundament befand sich eine kleine Platine mit einem Mikrochip.



Das Licht wurde ausgeschaltet und die Hintergrundbeleuchtung eingeschaltet. Das von den Facetten des Schlosses gebrochene Licht blendete mit seiner unerwarteten Sch?nheit. Alle, die dort arbeiteten, waren anwesend, als die Hintergrundbeleuchtung unter dem pr?chtigen Schloss eingeschaltet wurde. Freudenschreie vermischten sich zu einem Jubelschrei. Apollon schloss daraus, dass dies ein Nachtlicht f?r einen sehr ausgew?hlten Kreis war, schwieg aber. Das Schloss wurde versteigert. Das Licht im Saal wurde ausgeschaltet und die Hintergrundbeleuchtung eingeschaltet. Das Publikum erstarrte, dann brach ohrenbet?ubender Applaus aus. Das Diamantschloss wurde zu einem sehr beeindruckenden Preis verkauft, nahe dem Preis ganzer Diamanten. Mein Vater erhielt daf?r einen neuen Satz kleiner Diamanten und hat nun beschlossen, ein Modell der Sonnenkorona zu bauen. Agnes erfand eine R?ntgen-Taschenlampe, die einen Diamanten zwischen ?berall herumliegenden Kieselsteinen aufsp?ren konnte. Wenn der Diamant von einem R?ntgenstrahl getroffen wurde, leuchtete er auf. Genau das hatte ihr gefehlt. Nachdem sie eine Enzyklop?die der gr??ten Diamanten der Welt erneut gelesen hatte, kam sie zu dem einfachen Schluss, dass Diamanten nur halb so schwer sind wie Eisen und sowohl in Zentimetern als auch in Gramm gemessen werden k?nnen. Wenn der gr??te Diamant mit 3.300 Karat 600 Gramm wiegt, sind alle anderen kleiner. Benannte Diamanten beginnen bei 55 Karat und werden regelm??ig umgeschliffen, wodurch ihre Gr??e abnimmt.

Es ist verst?ndlich, warum die Schmuckindustrie im 16. bis 18. Jahrhundert florierte: Die technologischen Innovationen jener Zeit hinkten der Produktion von Luxusg?tern f?r die Elite hinterher. Pal?ste wurden wie Sargk?sten dekoriert. Die Wissenschaft trat in den Hintergrund, und so r?ckten Luxusg?ter f?r die Elite in den Mittelpunkt. Sie fragte sich auch: Warum wurde der neue wissenschaftliche Komplex in Form eines Schmetterlings errichtet? Und die Antwort lag auf der Hand: der Schmetterling als Symbol einer neuen Wissenschaft, die den Luxus f?r wenige in Luxus f?r alle verwandeln w?rde.



Hauptsache, ich bin nicht nachtragend und erf?lle meine Pflichten, dachte Tatjana, nachdem Boris angerufen und ihr mitgeteilt hatte, dass er nicht f?r Agnessas Film engagiert, sondern f?r eine Teilzeitstelle in ihrer Firma Glanz eingeladen worden sei. Und warum trat Agnessa immer mit ihren M?nnern auf? Ich fragte mich, ob sie Boris von sich wegnehmen oder sich mit ihren eigenen M?nnern begn?gen w?rde.



Der Gesch?ftsf?hrer der Diamantenfirma wohnte in zwei H?usern: eines direkt n?rdlich, wo die Diamanten abgebaut wurden, und das andere geh?rte Tatjana. Ihr Sohn Wlad verhinderte die Heirat. Wlad konnte Boris Auftritt nicht absagen, da er ihm Taschengeld gab, als w?re er mit ihr verwandt.



 Ich stimme fast zu. Aber ich habe es geschafft, diese Geschichte ?ber den Ofen vor diesem Vorfall mit dem Blumenkranz zu schreiben.



 Die Geschichte mit dem Ofen ist gut! Da stimme ich zu. Aber man kann doch nicht einen Ofen an den Blumenkranz anbringen!



 Doch, ich habe ihn hinzugef?gt. Sie sind durch ihre Entstehungszeit miteinander verbunden.



Drau?en schneite es wieder. Die Stra?en waren von dichten Schneeverwehungen bedeckt.

Agnes hatte keine Lust, Drehb?cher zu schreiben. Ihr K?rper brauchte eine Pause von den Interaktionen mit Menschen, den Dreharbeiten und all den damit verbundenen Problemen. Zeichnen wurde vor?bergehend zu ihrer Lebensaufgabe. Wie ein Strau? vergrub sie ihren Kopf in ihren Zeichnungen und erfreute sich an ihren eigenen Werken. Anschlie?end kn?pfte sie Kontakte zur Buchhalterin des Juweliers.

Die obdachlose Frau war mittellos und begr??te Agnes wie eine alte Freundin. Agnes bot der Buchhalterin eine Stelle in ihrer Firma an, wo sie die Formalit?ten f?r die Firmengr?ndung und die Wiederherstellung der Gesch?ftsbeziehungen zum Juwelier ?bernehmen sollte. Sie nahm an. Die Buchhalterin empfahl jemanden, der die Goldfassung f?r die Diamanten anfertigen sollte. Wei?-, Gelb- und Rotgold kamen in Mode. Agnes freute sich ?ber das Fachwissen der Buchhalterin.

Ausgerechnet an Ostern, als Osterkuchen auf dem Tisch stand und bunte Eier auf einem Teller lagen, geriet Agnes in eine unangenehme Lage, ausgel?st durch die tiefe Eifersucht ihres Apollo. Er hatte sie in eine Falle gelockt. Sie h?tte den Sponsoren ihres n?chsten Films die Wahrheit sagen k?nnen: Apollon hatte ihr Geld genommen und sich statt eines Autos eine eigene Wohnung gekauft. Wer h?tte gedacht, dass er nichts von ihren Liebhabern wusste?!



Das Drehbuch zu Liebe im Stadion war fertig, aber es fehlte das Geld. Das Gef?hl, seiner Pflicht nicht nachgekommen zu sein, zerfra? sie. Was konnte schlimmer sein als die Pein ihres eigenen Gewissens?



Sie glaubte nicht mehr an Diamanten  wo war also diese funkelnde Handvoll, die sie so verzweifelt vermisste? Es gab bereits genug davon in ihrem Leben, ob zuf?llig oder geplant, aber Diamanten wirbelten st?ndig in ihrem Leben herum. Agnes wollte das Drehbuch Liebe und Diamanten nennen, aber das Wort funkelte so sehr, dass sie den Glitzer im Titel nicht ertragen konnte. Wie viele Diamanten gab es in ihrem Leben? Hatte Apollon seine eigenen Diamanten, oder waren sie verschwunden? Und wo war sein Diamanten-Nachtlicht? Ach, Apollon ist also immer noch reich. Ich sollte ihn enteignen, dachte Agnes und begann sich anzuziehen, um ihn zu besuchen.



Apollon begr??te Agnes herzlich.



Apollo, sei doch ein Mann! Es ist peinlich, dass du das Geld ausgegeben hast. Es ist Zeit f?r die Filmwerbung, und ich bin pleite.



Agnes, ich habe auf dich gewartet!



Apollo, bist du wahnsinnig geworden?!



Agnes, du bekommst nichts von mir, kein Geld! Ich bin dein Ehemann und dein Geliebter! Du bist jetzt auf mich angewiesen! Niemand au?er mir kann dir helfen! Lass uns heiraten, sofort!, und er zog sie ins Bett.

Agnes war ?berrascht von der Kraft des verlassenen Mannes. Kraft und St?rke, St?rke und St?rke, der sofortige Angriff eines Mannes, den sie gut kannte! Er war unbeschreiblich, drehte sie herum, wie es ihm gefiel. Sie f?hlte sich wie eine Feder in seinen starken H?nden. Die Liebe entwickelte sich schnell, s?? und makellos, in rasantem Tempo.



 Apollo, wo ist dein Diamant-Nachtlicht?



 Ich verrate es dir nicht, frag nicht.



 Haben wir nicht gerade erst geheiratet?



 Du bist nicht zu mir gekommen.



 Du hattest jemand anderen!!!



 Agnes, ich bin klug! Ich verzeihe dir und deinen Liebhabern  es geht schlie?lich ums Gesch?ft! Mir geht es gut, aber ich dulde deine Untreue nicht l?nger, und dieser Film wird dir noch lange Freude bereiten!



 Wo werden wir wohnen?



 In unserer Wohnung, und diese hier vermieten wir und geben sie dann unserer Tochter.



Wie dem auch sei, das Leben ging seinen gewohnten Gang und hielt immer wieder neue ?berraschungen bereit. Agnes wollte Bilanz ziehen, um einen Plan f?r ihre berufliche Zukunft zu entwickeln. Sie wusste mit Sicherheit, dass sie hatte:

 Einen Ehemann und eine Tochter.

Apollo lebte schon eine Weile allein. Er hatte sich eine Einzimmerwohnung gekauft, f?hrte ein eher zur?ckgezogenes Leben und mischte sich nicht in das seiner Frau ein. Kurz darauf kam er an. Sie sah ihren Mann an und blieb nach ihrer Massage regungslos unter der Decke liegen.



Agnes, alles in Ordnung? Mir ist so langweilig ohne dich!!!



Und uns macht es auch keinen Spa? ohne dich.



Kann ich wieder zu dir kommen?



Papa, komm zur?ck, Mama vermisst dich, sagte ihre Tochter.



Ich bin schon da, deine Sachen sind im Auto.



Oh, Apollo! Alles gut, und du bist wieder da.



Danke. Wei?t du, ich dachte, die irdische Energie von Diamanten 



Was redest du da! Ich habe dich vermisst.

Er ging zu ihr hin?ber, setzte sich auf die alte, geliebte Decke, k?sste ihr Haar und sog den schmerzlich vertrauten Duft ein.



Und du bist immer noch dieselbe, vertraut bis ins kleinste Detail. Ich brauche eine Auszeit 

Tatjana geh?rte zu den seltenen Frauen, die ihre Partner nicht oft wechselten. Sie hatte nun nur noch einen Mann und verd?chtigte ihn der Untreue. Ohne das Fernsehen h?tte sie es nie herausgefunden. Sie war nicht gerade f?r ihre Neugier bekannt, aber sie war durchaus attraktiv. Und was sah Denis an? Offenbar war er von der leidenschaftlichen Agnessa angetan, dem genauen Gegenteil der eher k?hlen Tatjana.



Die finanzielle Unterst?tzung war weggefallen. Tatjana musste sich Gedanken um Arbeit machen. In den letzten Jahren von Denis' Leben hatte sie nicht gearbeitet und ihren Sohn gro?gezogen. Es gibt nichts Schlimmeres f?r eine Frau, als v?llig von einem Mann abh?ngig zu sein; er hatte sie selbst im Stich gelassen. Er starb, und sie stand vor dem Nichts. Sie hatte ihr Studium abgeschlossen. Nach der Geburt ihres Sohnes arbeitete sie weiter, verlor sich aber bald im Haushalt und verga? die Zeit. Da lernte Denis die unabh?ngige Agnessa kennen.



Tatjana ging zum Fernsehstudio, um sich eine Stelle zu suchen. Sie wohnte relativ nah am Studio. Sie wurde als Beleuchterin eingestellt. Am Set wird st?ndig Licht ben?tigt. Die Scheinwerfer ?berhitzten st?ndig, und es war warm daneben. Auch die Gl?hbirnen in den Scheinwerfern ?berhitzten unaufh?rlich. Tatjana brauchte eine Weile, um zu lernen, wie sie sich beim Umgang mit der Beleuchtungstechnik nicht die H?nde verbrannte. Sie lernte, die Beleuchtung und die Stimmung auf der B?hne zu steuern und kn?pfte Kontakte zu den Herstellern der Beleuchtungstechnik.



Neben Tatjana, zu ihrer Linken, sa? Toma, eine Frau Ende f?nfzig. Sie unterschied sich in jeder Hinsicht von Tatjana. Sie hatte ein verspieltes Wesen und eine rundliche, aber nicht ?berm??ig f?llige Figur. Dunkles, gewelltes, schulterlanges Haar umrahmte ein leicht fleischiges, aber durchaus attraktives Gesicht. Ihre braunen Augen schienen das Leben zu verspotten. Sie hatte einen erwachsenen, selbstst?ndigen Sohn und eine Tochter im Teenageralter. Sie hatte einen Ehemann gehabt, der lebte und dann starb, aber das ?nderte nichts an ihrem Lebensstil.



Toma hatte einen Liebhaber; er lebte in der Hauptstadt, in einer Allee in der N?he des Arc de Triomphe. Er war etwa siebzig Jahre alt. Ein ehemaliger hochrangiger Beamter der Staatsmacht fand sich im Alter allein wieder, und irgendwann f?hrte ihn das Schicksal mit der kichernden Toma zusammen. Tatjana beobachtete Toma bei ihren Verabredungen. Toma sa? auf einem Rollstuhl, und ein zweiter Stuhl brach unter ihrem rundlichen K?rper zusammen. Der Stuhl brach, und sie fiel lachend hin.



Bei ihren Verabredungen erz?hlte Toma ihm, sie habe sich neue Unterw?sche gekauft. Sie trug immer R?cke und Unterr?cke unter ihren Blusen und wechselte diese daher vor ihren Treffen mit ihrem ?lteren Liebhaber, der nur Unterr?cke als Dessous akzeptierte.



Toma machte sich ?ber den Namen ihres Liebhabers lustig und reiste allein zu ihm  eine lange Reise: mit dem S-Bahnhof und der U-Bahn.



Toma liebte den ?lteren Mann aufrichtig, sie liebte ihn mit Lachen und von ganzem Herzen. Er freute sich ?ber ihre seltenen Besuche, und sie beide hatten Spa? und a?en  Fisch. Er mochte nur Fisch und leichten Wein. Er hatte einst einen Liebhaber gehabt, und eines Tages verschwand dieser aus Tomas Leben.



Links von Toma sa? ein Mann bei der Arbeit. Er hatte von all ihren Streichen geh?rt und liebte sie insgeheim. Alles war gut, doch seine Frau war still und leise verstorben. Er war allein, seine Kinder waren bereits erwachsen. Der Nachbar links machte Toma einen Heiratsantrag, und sie zog bei ihm ein. Von da an lebten sie von ihrer Rente.



Im Laufe der Jahre wurden Flutlichtstrahler aller Art immer ausgefeilter und liefen k?hler, was jedoch stetig die Kosten in die H?he trieb. Tatjana verliebte sich in ihre warme, helle Werkstatt, und die Leute nannten sie nicht mehr Denis' Frau, sondern bewunderten einfach die flei?ige Arbeiterin, die so geschickt mit Flutlichtstrahlern aller Art umging. Der Junge wurde erwachsen und erinnerte sich immer weniger an seinen Vater. Tatjana blieb unverheiratet und brachte nie M?nner mit nach Hause.



Ein gutaussehender Mann namens Boris aus Schneestadt, der zu Besuch war, wirkte bei den Dreharbeiten zur neuen Sendung mit. Er verliebte sich in Tatjana, und wenn er nicht drehte, sa? er an der Lichtanlage. Er gab ihr Ratschl?ge zur Beleuchtung und stellte ihr Fragen zu ihrem Privatleben. Als er zuf?llig erfuhr, dass Tatjana die Witwe von Denis Turin war, wuchs sein Interesse an ihr noch mehr.

Tatjana kam zur Arbeit. Ihr Bedienfeld f?r Licht und Farbe befand sich unter dem L?ftungsgitter ?ber ihr, durch das ein gnadenlos kalter M?rzwind pfiff. Auf ihren Wunsch hin wurde das Gitter geschlossen, doch ihre Augen begannen zu brennen. Die Schauspielerin, die an diesem Tag gefilmt wurde, war ber?hmt und nerv?s; es war unglaublich schwierig, sie zufriedenzustellen; sie um drei?ig oder vierzig Jahre j?nger zu machen, ohne einen Skandal auszul?sen, war unm?glich. Die Beleuchtung war st?ndig verstellt. Tatjana litt so sehr, dass sie heftige Kopfschmerzen bekam.



Die Schauspielerin wurde auf der B?hne in ihrer vierten Jugend gefilmt.



Zuhause fing ihr Sohn einen Streit ?ber Geld an. Als er seine Mutter sah, st?rzte er auf sie zu und sagte:



Mama, du hast ihr nichts von deinem Gespr?ch mit dem Detektiv erz?hlt!



Vlad, Georges war wirklich bei deinem Vater, aber er hat ihn nicht umgebracht, es war eine Verkettung ungl?cklicher Umst?nde. Sie werden den Fall nicht wieder aufnehmen.



Mama, was ist mit unserem Geld? Hast du uns nichts davon erz?hlt? Nein, habe ich nicht. Und das Geld geh?rt uns. Sag mir, was du brauchst, und wir kaufen es. Jetzt gehe ich schlafen. Ich habe furchtbare Kopfschmerzen.



Sie gingen in ihre Zimmer. Und es wurde still. Tatjana nahm ihre Tabletten, a? etwas und legte sich hin, die Augen geschlossen.



Ein ohrenbet?ubender Anruf drang durch ihre Schl?frigkeit. Mechanisch nahm sie ab.



Tatjana, ich liebe dich! Ich vermisse dich! Ich bin da, sagte Boris fr?hlich ins Telefon.



Ilja Lwowitsch hatte ihn allein gelassen, und das machte ihn einfach gl?cklich. Und um vollkommen gl?cklich zu sein, brauchte er nur noch die Frau seines ehemaligen Gesch?ftspartners.



Boris, k?nnen wir uns nicht heute treffen?



Ja, Tatjana! Wir sehen uns morgen! Ich werde dich finden.



Sie legte auf. Ihr Schlaf war unterbrochen. Tatjana ging in die K?che. Der Duft von Essen lockte ihren Sohn heraus, und sie setzten sich an den Tisch. Mama, wer hat angerufen? Boris? Was will er von dir?



Er will mich sehen.



Das wird schon gut gehen. Mama, ich habe heute bei einem Tanzwettbewerb getanzt! Schade, dass du mich nicht gesehen hast. Ich bin eine tolle T?nzerin, aber ich brauche neue Kost?me.



Du bekommst neue Kost?me, lass uns zum Schneider gehen und sie bestellen.



Bestellen ist nicht n?tig, es gibt ein Gesch?ft, und die haben ausgezeichnete Kleidung.



Okay, wir kaufen ein Kost?m im Gesch?ft, aber erst morgen.



Aha! Mama, triffst du Boris schon wieder?!



Du hast es erraten.

Die Fr?hlingsschneewehen schrumpften allm?hlich in der schwindenden Feuchtigkeit, so wie das Leben schwindet, wenn seine Kraft allm?hlich nachl?sst. Die Schneewehen gl?nzten m?de in der Sonne, und M?digkeit kroch in den menschlichen K?rper. Fr?hling. Die Kraft der Menschen kehrt sp?ter zur?ck: mit dem ersten Gras, mit den ersten Bl?ttern. Zu dieser Zeit wurden Popstars massenhaft aus den F?ngen des Fernsehens auf die Kinoleinwand und direkt ins Publikum entlassen. Talentierte junge S?ngerinnen und S?nger wurden zu Popstars und verdr?ngten etablierte B?hnenikonen. Es ist schwer, die Aufmerksamkeit des Publikums ?ber Jahre hinweg zu fesseln, und nur wenigen gelingt es.



Das Leben ist nicht ohne Liebe. Agnessa Ivanovna verliebte sich in einen gutaussehenden Schauspieler, der h?ufig in Musikvideos auftrat. Bekannt wurde er durch ein Video, in dem die anmutige S?ngerin sang, w?hrend er ihr durch eine Zeichentrickstadt folgte.



Der Schauspieler machte Agnessa verr?ckt; sie schrieb eigens f?r ihn Drehb?cher, in denen er neben einer bl?henden Teerose sa?. Sein schwarzes Haar und seine strahlend blauen Augen verzauberten Millionen von Frauen im ganzen Land, und Agnessa stand ihm zur Seite, verschaffte ihm Arbeit in Werbespots und sorgte auch finanziell f?r ihn. Der gutaussehende Mann erwiderte Agnessas Liebe, solange sie Geld hatte. Doch dann ging das Geld aus.



Agnessa verliebte sich beinahe. In wen? In den Mann aus Snow Town. Er drehte gerade in einem benachbarten Studio und weigerte sich, im Video mitzuspielen! Wie sehr sie seine Absage verletzte! Agnessa bemerkte seinen Blick auf Tatjana, die am Scheinwerferschalter sa?. Ihre Blicke trafen sich. Agnessa dachte pl?tzlich, da sei etwas zwischen ihnen. In letzter Zeit war ihr aufgefallen, dass Tatjana immer besser aussah und sich auch besser kleidete. Warum? Nun, hier ist die Antwort! Agnessa hatte Tatjanas neuen Freund wirklich ins Herz geschlossen 

Sie beschloss, sich mit einem Manager der nordenglischen Firma Vityaz zu treffen. Agnessa bot Boris einen Monat Urlaub an, um einen Werbespot zu drehen. Sie versprach ihm eine ansehnliche Gage.

Der Mann ?berlegte. Sie beschlossen, die Auszeit vom Job und den Beginn des neuen Drehs mit einem Besuch der Eiskunstlauf-Weltmeisterschaften im Hauptstadion des Landes zu feiern. Am Tag der Show war das Stadion bis auf den letzten Platz gef?llt. Die Zuschauer liebten die Shows und kamen nur selten in die Schule.

Nach der Show bot Agnessa Boris an, ihn zu seiner Mietwohnung neben dem Schulstadion zu fahren. Boris hatte bereits erw?hnt, dass die Wohnung in der N?he der Schule lag. Agnessa sah darin ein Zeichen zum Handeln. Was man auch sagen mochte, sie kannte sich in Liebesdingen aus. Boris sp?rte sofort den Unterschied zwischen der zur?ckhaltenden und sch?chternen Tatjana und Agnessa, die in Liebesdingen unglaublich ungest?m war. Sie lie? sich gehen und tat alles, was m?glich und unm?glich schien. Schlank und gebr?unt (von den Sonnenstrahlen des Solariums) lag sie wie eine Zauberin auf der flauschigen Bettdecke neben Boris. Er war wie bet?ubt von ihrer Liebe! Tatjana war wie weggeblasen.



Agnessa, seine neue Geliebte, schenkte Boris ein Diamantkreuz als Bezahlung f?r die ?berstunden am Set, die morgen beginnen sollten. Sie witterte ihren Erfolg. Der Mann war in jeder Hinsicht ein Gl?cksgriff. Agnessa sprang aus dem Bett und sagte, sie m?sse dringend nach Hause



Kapitel 5. Die unschuldige Klette



Agnessa Iwanowna f?hlte sich frei. Die Frau dachte an Diamanten. Sie w?nschte sich sehnlichst kostenlose Diamanten. So bescheiden war der Wunsch einer Diamantenliebhaberin: hundert Karat aus dem Weltraum zu gewinnen. Geologin werden? Aber sie mochte es nicht, durch das raue Gel?nde des Fernen Ostens zu wandern. Nach Afrika gehen? Dort ist es hei?. Was, wenn er sich verliebt und nicht die Kraft zur Liebe hat? Sie musste in der N?he suchen, am besten ganz entspannt. Sie musste einfach in einen astralen Zustand verfallen, um herauszufinden, wer den Diamantenschatz versteckt hatte und wo, ohne ihn vorher zu warnen  Von all ihren Titeln gefiel Agnes der der Diamantenlady am besten.



Agnes war nicht zum L?cheln aufgelegt. Apollo hatte sie im Diamantenabbau mit einer seltsamen Methode ?bertroffen, und sie wollte ihn unbedingt besiegen! Da ist er ja! Da ist er ja! Apollo lag nur herum und wurde immer dicker. Sie selbst war noch mehr mit ihren eigenen Angelegenheiten besch?ftigt. Ein Drehbuch schreiben? Nicht mehr interessant. Sie blickte aus dem Fenster: Der erste Schnee fiel, sah in den Spiegel und wandte sich ab. Agnes nahm ihre Pistole und schoss auf den Spiegel, auf ihr Spiegelbild. Der Spiegel zersprang.



Apollo steckte den Kopf ins Zimmer:



Agnes, warum schie?t du?



Mir ist furchtbar langweilig.



Verstehe! Aber es gibt nichts, was dich am?sieren k?nnte! Mama, bin ich von deinem Vater?, fragte die Tochter.



Ja, antwortete die Mutter und trommelte mit den Fingern auf der Tastatur ihrer langen, mit Acryl oder Gel lackierten N?gel. Strasssteine und Glitzer funkelten auf ihren N?geln.



Fr?her dachte ich, man m?sse mit achtzehn ein Kind bekommen, aber jetzt denke ich, man sollte sich erst einmal niederlassen und mit f?nfundzwanzig ein Kind bekommen.

Agnes Iwanowna war zufrieden mit der Antwort ihrer Tochter.



Das habe ich auch gesagt, und ich habe dich mit f?nfundzwanzig bekommen. Tochter, denk daran: Sch?n zu sein ist sehr schwer, aber h?sslich zu sein ist noch viel schwerer. Und ich habe Angst, wenn du so freiz?gig gekleidet heruml?ufst: Du kannst die M?nner nicht provozieren.



Womit kannst du sie denn provozieren? Agnes schrieb gerade, und zu ihrem Entsetzen konnte sie sich nicht mehr an ihre Antwort erinnern. Apollo erinnerte sich Jahre sp?ter an einige davon. Agnes, ich hab eine Idee! Wei?t du noch, als ich in der Diamantenverarbeitungsanlage gearbeitet habe? Ich wei?, wo ein Diamantschleifer seine Diamanten aufbewahrt hat. Er ist vor Kurzem gestorben. Seine Frau hat mich angerufen. Und ich habe mich an seine Diamanten erinnert, aber ich habe es ihr nicht gesagt. Sie wei? nichts davon. Agnes, ich kann allein gehen, aber es ist besser, wenn wir zusammen gehen.



Wir gehen zusammen, erwiderte Agnes, stand vom Sofa auf und rollte eine alte Decke zusammen. Dann stopfte sie sie in eine Tasche und verstaute sie.



Agnes, wir m?ssen heute noch los, wir m?ssen uns beeilen! Bist du bereit zu fahren?



Wir fahren mit dem Auto?



Ja, das ist sicherer: keine Strafzettel, keine Hotels.



Es scheint ernst zu sein. Schade, dass die neue Decke noch nicht trocken ist; wir h?tten sie mitnehmen sollen.



Agnes, pack deine Sachen, wir fahren jetzt. Boris sa? zu Hause und lauschte dem Gespr?ch aus Agnes Wohnung. Er liebte sie und ihr Diamantenunternehmen, und dann diese Nachricht! Nicht umsonst hatte er eine Wanze in ihrem Haus platziert. Sofort begann er, die Reise vorzubereiten. Er rief bei seiner Firma an, nahm ein Auto, eine Pistole und die n?tigen Papiere. Im Gegenzug sollte er Diamanten oder Banknoten mitbringen. Boris beschloss, dem Diamantenpaar zu folgen  nat?rlich mit dem Auto. Der Wagen verlie? die Stadt auf der Suche nach dem Schatz des unbekannten Diamantschleifers.

Apollon sagte zu seiner Frau:



Er war ein feiger Dieb: Er stahl Diamanten aus der Fabrik, verkaufte sie aber nicht, aus Angst, erwischt zu werden. So lebte er in Angst und Armut. Wenn ihn diese alles verzehrende Angst ?berkam, erz?hlte er mir, einem Freund von der nahegelegenen Arbeitsstelle, von seinem Schatz. Ich schwor, die Diamanten nicht anzur?hren, solange er lebte. Er hielt mich ?ber seine Bewegungen auf dem Laufenden.

Apollon Petrowitsch sp?rte sofort, dass er beobachtet wurde, und erz?hlte Agnessa Iwanowna davon.



Das war zu erwarten, erwiderte sie. Ich m?chte wissen, wer f?hrt, denn ich erkenne die Autos nicht.



Agnesa, halte abrupt an und lass sie vorbei.

Das erste Auto raste tats?chlich vorbei. Das zweite verlangsamte. Agnessa Iwanowna erkannte Boris, den Manager, in seinem Profil.



Apollon, Boris Borisowitsch verfolgt uns. Deine Verehrer lassen mir keine Ruhe! Wie hast du Boris verzaubert?



Wei?t du, ich gehe nie auf jemanden zu.



Nat?rlich, das liegt wohl in deinen Genen. Sieh mal, Boris ist stehen geblieben, er hat dich aus den Augen verloren.



Tats?chlich, der Wagen ist am Stra?enrand angehalten.



Agnessa, ich h?tte dich nicht mitnehmen sollen. Sieh mal: Ilja Lwowitsch steht hinter uns! Ich wei? nicht, was ich tun soll! Der Schatz wartet nicht lange.



Es ist nicht meine Schuld! Ich habe ihnen nichts gesagt.



Sie verfolgen dich, darum geht es doch! Wegen ihnen bin ich in eine eigene Wohnung gezogen, da ist es sicherer, aber mit dir ist alles nur Verfolgungsjagd.



Pl?tzlich raste ein dritter Wagen an Apollon und Agnessas Wagen vorbei und hielt an. Der Detektiv stieg aus.



Agnessa Iwanowna, was f?hrt dich hierher? Wohin gehst du?, fragte er. Ilja Lwowitsch, ich fahre in ein Sanatorium, um mich zu erholen, und sie umzingeln mich, als ob ich Diamanten bei mir h?tte.



Agnes, dein Sanatorium ist eine Decke, und jetzt bist du so umzingelt, hast du dir wohl eine diamantenbezogene Unterhaltung gesucht!, rief Ilja Lwowitsch.



Apollo, sie lassen mich nicht in Ruhe, sagte sie m?de zu ihrem Mann.



Agnes, sieh mal, du hast drei Eskortwagen! Wo willst du uns denn entkommen? Gib es zu, sag ihnen, wo du hingehst, fragte Boris und kam n?her.



Apollo, verzeih mir, aber es ist besser, wenn wir ihnen sagen, wohin wir gehen. Das Schlimme ist, Boris wird schnell von der Polizei verfolgt, sagte Agnes.



Ja, besonders Ilja Lwowitsch, er h?lt immer zu uns, erwiderte Boris. Sein Urgro?vater war Polizist. Agnes, was f?r N?gel du hast! Wozu brauchst du Diamanten? Du tr?gst doch selbst Diamantn?gel; du w?rdest Geld daf?r verlangen, sie zu sehen.



Wenn wir keinen Mann kriegen, kriegen wir ihn eben mit Strassn?geln!, erwiderte Agnessa fr?hlich und f?gte hinzu: Wir gehen auf Schatzsuche! Kommt mit! Apollon Petrowitsch zuckte zusammen, schwieg aber. Ilja Lwowitsch meldete sich zu Wort:



Hallo zusammen! Agnessa Iwanowna, du hast au?ergew?hnliche, einfach g?ttliche N?gel! Ich w?nschte, ich h?tte solche Krallen!



Ilja, wie hast du uns durchschaut?



Agnes, ich werde dir mein kleines Geheimnis nicht verraten.



Das ist deine Sache, sagte sie und wedelte gebieterisch mit ihren sch?nen Fingern. Die M?nner gingen zu ihren Autos.



Agnesa fuhr voran. Alle anderen Wagen folgten. Der Fr?hlingshimmel h?llte den Horizont ein. Sie blickte in die Ferne, hielt an, ?ffnete die T?r und trat in die Sonne. Die Sonnenstrahlen streiften ihre langen Stiefel und die kurze Hose. Sie l?chelte der Sonne zu. Stirnrunzelnd wandte sie sich scharf Apollon zu, der im Auto sa?:



Apollo, bitte komm her.



Apollo, denkst du etwa daran zu fliehen?



Raus hier!



Ich komme, sagte Apollon Petrowitsch tr?ge und ging auf Agnessa Iwanowna zu.



Wo sind die Diamanten? Du hast es mir immer noch nicht gesagt! Was, wenn wir umsonst einen ganzen Konvoi von Eskortwagen mitbringen? Sagen Sie mir Bescheid, bevor alle da sind! Ich muss diese Information verarbeiten und mich auf die Suche vorbereiten, sagte Agnessa Iwanowna scharf.



Die Diamanten sind in der Wohnung eines Diamantschleifers, den Sie nicht kennen, aber ich wei? nicht genau wo. Er sagte mir, die Diamanten seien in seiner Wohnung, deshalb musste ich es Ihnen sagen, sonst h?tte ich sie allein gefunden.

Etwas. Wurde in der Wohnung renoviert?



Die Witwe sagte, sie w?rde die Renovierung nach meinem Besuch durchf?hren. Die Frau muss f?r ein paar Stunden aus der Wohnung gebracht werden. Ihre Aura muss sich legen, damit sie mich nicht st?rt.



Ich werde die Witwe zum Friedhof bringen und selbst am Grab ihres Mannes Wache halten.



Noch etwas. Alle, die uns begleiten, sollten drau?en bleiben. Ich nehme einen Detektiv mit.



Einverstanden. Ich f?hle mich wohler, wenn Sie einen vertrauensw?rdigen Mann an Ihrer Seite haben. Boris und Ilja Lwowitsch traten n?her.



Agnes, suchen Sie nach einem Fluchtweg?, fragte Boris.



Nein, ich entwickle eine Suchstrategie. Sie bewachen den Eingang. Apollo wird die Frau zum Grab ihres Mannes bringen. Ilja Lwowitsch begleitet mich.



Kein Problem, erwiderte Boris und bedeutete seinen M?nnern, die K?pfe einzuziehen.



Alle kehrten an ihre Pl?tze zur?ck. Der Anblick der mit Diamanten ?bers?ten Wohnung war deprimierend: altes, rissiges Linoleum, mit Klebeband notd?rftig zusammengehaltene Kronleuchterschirme und Ziegelsteine unter dem Sofa anstelle zerbrochener Beine. B?cherstapel t?rmten sich unter dem Schreibtisch, daneben lagen zerbrochene Beine. Berge von altem Schaumgummi hatten sich von den St?hlen auf den Boden ergossen. Es sah aus, als w?re jemand auf Tischen und Sofas herumgeklettert. Agnessa betrachtete den Kronleuchter genauer; seine Fassungen waren verdreht.



Ilya, du bist doch derjenige, der hier in der Wohnung herumkriecht. Nimm einen Hocker, richte die Beine. Sieh nach. Sie hielt inne und f?gte dann hinzu: Nein, warte. Agnessa trat vom Kronleuchter zur?ck und betrachtete ihn aufmerksam.



Wir sollten nicht in den Schirmen suchen; hier hat schon jemand nachgesehen. Der Besitzer hat fr?her in der Diamantenfabrik gearbeitet. Hier wurde schon oft nach Diamanten gesucht, aber sie liegen immer noch da. Ich habe das Gef?hl, die Diamanten sind in diesem Schrottm?bel versteckt.



Ilja Lwowitsch sah Agnessa Iwanowna an und schwieg.



Ilja, bring den Tisch, auch wenn er kaputt ist. Kurz gesagt, nimm den Kronleuchter von der Decke.



Mach ich, sagte Ilja Lwowitsch und begann, aus den Scherben einen Sockel zu bauen, wobei er die hohen Decken des alten Hauses ber?cksichtigte. Agnessa Iwanowna ging durch die Wohnung und kehrte dann in den Raum zur?ck, in dem Ilja Lwowitsch gerade den Kronleuchter von der Decke nahm. Der Kronleuchter fiel auf ein Sofa, das an vielen Stellen geflickt war.



Agnes, da ist ein St?ck Knete im Kronleuchter. Nicht im Lampenschirm, sondern da, wo er an der Decke befestigt ist.



Vorsicht, da sind Diamanten drin. Ich sehe selbst nach. Agnes blickte in die Schale, durch die die Kabel und die Deckenleuchte verliefen. Der Kronleuchter hatte eine gro?e, umgedrehte Schale, die vollst?ndig mit Knete bedeckt war.



Ilja, nimm die ganze Knete, aber fass sie nicht mit den H?nden an! Nimm einen L?ffel, ein Messer, sei vorsichtig! Agnes Iwanowna nahm ein St?ck Knete, reinigte den ersten Diamanten, und er funkelte freudig in den Strahlen der untergehenden Sonne. Wundersch?n, seufzte Ilja Lwowitsch. Boris und Feofan st?rmten ins Zimmer. Zwei Pistolen waren auf Ilja gerichtet.

Boris, vermassel nicht die Operation! Du h?ttest im Auto bleiben sollen, sagte Agnes Iwanowna.



Ich will alles mitnehmen, aber es reicht nicht f?r alle, und Boris bedrohte sie mit einer Pistole.



Ilja Lwowitsch, lass die Diamanten in Ruhe, lass sie die Leute nehmen!, schrie Agnes. Auf Boris Befehl hin betraten M?nner in Tarnkleidung den Raum.



Boris, gib die Diamanten den Leuten!, sagte Ilja Lwowitsch, w?hrend seine M?nner ihm schon die Arme verdrehten.



Ilja, du wirst unversch?mt! Warum l?sst du mich nicht leben?!, schrie Boris verzweifelt.



Boris, du solltest zu Hause bleiben, warf Agnessa Iwanowna ein.



Verdammte Frau, hast du sie mitgebracht?



Sie waren dir auf den Fersen, und du hast es nicht gemerkt. Du bist mir die ganze Zeit gefolgt. Ich habe sie gesehen, als ich nach Luft schnappte.



Ach, seufzte Boris Borisowitsch. Na gut, sie werden uns gehen lassen. Ich habe einen guten Anwalt. Wir hatten nichts au?er Pistolen bei uns. Wir haben Waffenscheine; wir sind ein Sicherheitsunternehmen.



Agnessa Iwanowna, wenn Sie alles gesehen und gewusst haben, warum sind Sie dann gekommen?, fragte Ilja Lwowitsch. Ilja Lwowitsch, ich habe ein H?ndchen f?r Diamanten! Ich liebe es, nach ihnen zu suchen, und so eine Chance konnte ich mir nicht entgehen lassen.



Stimmt. Ihre 25 Prozent des Schatzes.



Das reicht mir, erwiderte Agnessa Iwanowna. Agnessa Iwanowna ging hinaus. Genau in diesem Moment hielt Apollon Petrowitschs Wagen. Die Wohnungsbesitzerin stieg aus. Sie sah Agnessa an und fragte besorgt:



Haben Sie die Diamanten gefunden? Wo sind sie?



In Ihrer Wohnung.



Sind viele Leute da? Das ist ja toll, dann k?nnen wir endlich renovieren!

Agnessa Iwanowna warf einen Blick auf die Frau mit dem schwarzen Kopftuch, das sich das Taschentuch ?ber die Augen gelegt hatte, und stieg in Apollons Wagen. Der Wagen fuhr sofort los.



Agnes, das sind nicht alle Diamanten, sagte Apollon Petrowitsch leise. Ich wusste, dass ?berwachung m?glich ist, und jetzt bringe ich dich zu einem anderen Versteck.



Pech gehabt! Wie weit m?ssen wir fahren? Wir fahren hinter dem Hotel her!



Nein, wir fahren jetzt! Du findest die Diamanten, und wir fahren sofort nach Hause.



Bring uns, sagte Agnessa m?de und lehnte ihren Kopf an die Schulter ihres Mannes. Apollon fuhr bis zum Stadtstadion und hielt an. Agnessa schlief. Die Stadiontore waren geschlossen.



Agnes, wach auf, sieh dich um, hier muss es irgendwo ein Versteck geben.

Sie blickte auf die Metallst?be des Stadionzauns:



Oh, das Stadion! M?ssen wir rennen? Nein, ich betr?ge meinen Liebhaber mit meinem Mann.



Besorg dir besser die Koordinaten f?r die Knete-Suche. Habe ich dich richtig verstanden?



Ja, sagte Apollon Petrowitsch und seufzte tief.



Aha, jemand hat die Diamanten gestohlen, die Stadiontore wurden geschlossen, und die Verfolgung zwang uns, die glitzernden Knete-Sch?tze eilig an einem sicheren Ort zu verstecken. Und ich wei?, wo!!!



So schnell? Ich habe so oft versucht, das Versteck einer bestimmten Wurzel zu finden, die weit weg von hier gepflanzt ist.



Ich verstehe einfach nicht, was die M?nner auf der Fahndungsliste machen, wenn sie nichts finden?! W?rdest du es selbst mitnehmen, wenn ich nicht gehe?



Zeig es mir mit deiner Hand, falls sie zuh?ren. Die Diamantenlady hob ihren Zeigefinger mit dem ungew?hnlich sch?nen Nagel und deutete auf die T?r im Pfeiler.



Dort ist Strom, konterte Apollon Petrowitsch mit seinem Finger. Nimm die Gummimatte aus dem Auto, die Gummihandschuhe, eine Zange mit isolierten Griffen und hol die Knete mit einem Holzspatel raus, sagte Agnessa und reichte ihrem Mann die Sachen.



Hast du das schon vorbereitet?



Es war im Handschuhfach.

Es wurde dunkel. Weit und breit war niemand zu sehen. Apollon Petrowitsch ging zu dem Pfosten, ?ffnete die Klappe, steckte seine behandschuhte Hand in die Nische und wich zur?ck. Eine zerzauste Katze flitzte heraus. Agnessa Iwanowna lachte. Er steckte seine Hand wieder hinein, tastete den Knetehaufen in der Dunkelheit, zog ihn heraus und rief:



Agnessa, jemand hat die Katze im Pfosten eingesperrt!

Apollon suchte oben und fand ein St?ck Knete. Schnell sprang er ins Auto und fuhr los. Im Auto gab er Agnessa die Knete. Sie grub sie aus und fand einen einzelnen, recht gro?en Diamanten, wenn auch kleiner als eine Walnuss.



Was f?r ein sch?ner Diamant! Wie haben die den blo? rausbekommen?



Sie haben ihn nicht mal reingebracht, sie haben ihn in die Fabrik gestohlen.



Was f?r ein Fang!, rief Agnessa aus und duckte sich zu dem Diamanten, wodurch sie sich das Leben rettete. Eine Kugel pfiff an ihrem Ohr vorbei. Agnessa Iwanowna drehte den Kopf: Der Wagen des Detektivs fuhr neben ihr.



Apollo, dein Freund schie?t auf mich!



Er ist nicht mein Freund!



Halt!, rief Ilja Lwowitsch.



Warum schie?t du auf mich?, rief Apollon.



Dein Freund ist gefunden! Ich habe nur versucht, dich aufzuhalten. Wir haben den Diamanten gefunden, gib ihn deinem Freund. Ich habe dich am Pfosten gesehen.



Agness, gib ihm den Diamanten; der Lauf ragt noch daneben. Das war nicht der Lauf, ich habe ihn abgeschossen, sagte Soja, die am Fenster erschien.



Du h?ttest einfach mit deinem Gewehrlauf da sitzen sollen, du dumme Kuh, grummelte Geheimagentin Fox.

Apollo reichte ihnen den in Knete eingeschlossenen Diamanten und beschleunigte pl?tzlich.



Apollo, warum die Eile?, fragte Agnes lachend. Gehen wir etwa mit leeren H?nden nach Hause?



Warum mit leeren H?nden? Gibt es in dieser Diamantenstadt nichts anderes zu holen? Wir k?nnen die Diamantenverarbeitungsanlage selbst mitnehmen.



Ausgezeichnet! Auf zur Anlage! Zeig mir dieses Diamantmonster! Beeindruckende Mauern umgaben die Anlage, bedeckt mit einem Gewirr aus Stacheldraht.



Es wurde dunkel. Die Anlage schlief. Die Wachen d?sten.



Agnes, hast du dir die Anlage angesehen? Jetzt lass uns nach Hause gehen.



Nein, wir brauchen noch ein paar Diamanten in schwarzer Knete!



Wo? Apollo fragte traurig.



Kletten, sagte Agnes, hielt den Wagen an und zerrte an der Hand ihres Mannes am Lenkrad. Neben dem Auto wuchsen Kletten. Agnes pfl?ckte durchs Fenster mehrere schwarze Kugeln aus den Kletten.



Fahr nach Hause, mein Schatz! So!, rief sie und befreite die Diamanten aus der Knete.

Einmal fragte jemand in einem Interview:



Agnes, wie sind Sie Drehbuchautorin geworden, wenn man h?rt, dass Sie f?r die Firma Blesk arbeiten? Warum wird Ihr Name mit Diamanten in Verbindung gebracht?



Liebe Journalisten, mein Leben war sehr abwechslungsreich. Vom Drehbuchschreiben ging es ?ber die Arbeit an Werbespots zu Filmen.



Und Ihre Ausbildung?



Zwei Hochschulen.



Entschuldigung, das wussten wir nicht.

Journalisten wussten genau, dass im Laufe der Zeit Frauen aufkamen, deren Aufgabe es war, Diamanten von ?ber f?nf Karat und handgefertigte Kleidung zu tragen. Das ist doch absurd! Handgefertigte Kleidung muss schlie?lich auch von Hand gewaschen werden. Das bedeutet, dass Hausangestellte ben?tigt werden, w?hrend eine normale Frau mit einem Gehalt von 15.000 bis 30.000 Euro alles selbst erledigt. Jedem das Seine. Normale, berufst?tige Frauen sollten den Luxus der Reichen sehen k?nnen, selbst wenn es nur im Fernsehen ist, in einer Sendung, in der Streitigkeiten mit einem L?gendetektor aufgedeckt werden. Ist das wirklich n?tig? Diese Neuerung hat jedoch Einschaltquotenrekorde gebrochen. Die Menschen brauchen die Wahrheit  selbst wenn sie so aussieht. Eine Herrin und ihr Dienstm?dchen stritten sich. Die Herrin beschuldigte das Dienstm?dchen, einen Hund vergiftet, einen Pelzmantel und einen F?nf-Karat-Diamantring gestohlen zu haben. Der L?gendetektor stellte fest, dass das Dienstm?dchen weder den Hund vergiftet noch den Pelzmantel gestohlen hatte.

Einen Diamantring. Die Herrin hatte diesen Ring in einer Sendung beworben. Erinnern Sie sich an diesen gro?artigen Film? Die Figuren sind charmante, unversch?mte M?nner, die sogar einen noch teureren Ring stehlen.

Das Dienstm?dchen, eine einfache Frau, besitzt ein Smartphone, das die Fl?che und Fehler der Herrin aufzeichnet  nicht auf einem L?schblatt, sondern direkt. Doch wohin verschwinden die Aufnahmen? Die Herrin hat einen Ehemann, der sie nach Strich und Faden verw?hnt und wie eine Porzellanfigur behandelt. Ein wahrer Feinschmecker. Doch dann entdeckte er das Dienstm?dchen mit einer Nase, die seiner charmanten Frau ?hnelte. Er nahm ihr den Pass ab. Offenbar gefiel ihm das Dienstm?dchen. Er dr?ngte sie aufs Bett.



Die Frage des L?gendetektors lautete: Hat sie sich auf das Bett der Herrin gelegt? Die Antwort: Nein. Es war keine L?ge. Sie legte sich nicht freiwillig hin, sie wurde dazu gezwungen. Und der Ring? Das Dienstm?dchen hatte ihn nicht aus dem Haus der Herrin mitgenommen. Sie gab ihn ihr im Tausch gegen den Pass. Nun sollte die Frau den verlorenen Ring im Haus ihres Mannes suchen. Es gab einen Film ?ber einen Diamantring, in dem der Ehemann, der ihn seiner Frau gestohlen hatte, am Ende selbst schuld war. Es ist nicht leicht, eine Frau aus der Oberschicht zu sein.



Wie man eine ewige Rivalin ohne Kugeln vernichtet  dar?ber dachte Tatjana nach. Agnessa und Tatjana waren schon l?nger nicht mehr befreundet. Boris kam und ging, doch Tatjanas Seele erinnerte sich an ihren Mann Denis, obwohl die Zeit immer weiter von ihm entfernt war. Rachegedanken nagten an ihr. Tatjana vertraute schon lange niemandem mehr, nur sich selbst. Sie beobachtete Agnessa heimlich vom Eingang eines Nachbarhauses aus und bemerkte, dass diese ?ber die Jahre etwas zugenommen hatte. Das beschloss sie auszunutzen.



Es gibt viele Di?tpillen, von denen einige in hohen Dosen Krankheiten verursachen. Tatjana wusste das alles aus eigener Erfahrung mit Gewichtsabnahme; sie kannte Leute, die Pillen verkauften, auf deren Packungen stand, dass es sich nicht um Medikamente handelte. Nun galt es nur noch, den richtigen H?ndler mit Agnessa in Kontakt zu bringen und ihm gef?hrliche Dosierungen vorzuschlagen. Tatjana selbst hatte die Abnehmpillen nur zusammen mit ihren Schlaganfallmedikamenten eingenommen, so wie sie in ihrer Jugend Eiscreme gegessen hatte  Eiscreme plus ein Antibiotikum gegen Halsschmerzen.

Als Agnessa in dem B?ro ankam, wo alle Spuren des Raub?berfalls beseitigt worden waren, traf sie auf den Mann, der mit den Abnehmpillen gekommen war. Er behandelte Georges, der extrem ?bergewichtig war. Agnessa mischte sich in ihr Gespr?ch ein. Zwischen Scherzen und Neckereien kauften sie Packungen der Pillen und versprachen ihm eine Traumfigur.

Georges nahm sofort die dreifache Dosis, da sein Gewicht mehr erfordere. Drei Stunden sp?ter nahm er erneut die dreifache Dosis. Eine Stunde sp?ter bekam er furchtbare Kopfschmerzen und verlor die Beweglichkeit einer K?rperh?lfte. Er beschloss jedoch, dass er einfach nur von dem Raub?berfall ?berdreht gewesen war. Agnessa hatte nur eine Packung f?r sich selbst genommen, und diese war zu diesem Zeitpunkt bereits aus dem B?ro verschwunden.



Apollo wollte gerade nach Hause gehen, als er die Werkstatt verlie? und Georges in einer seltsamen Position vorfand, der st?hnte. Apollo rief einen Krankenwagen, und Georges wurde mit Anzeichen eines Schlaganfalls ins Krankenhaus gebracht. Apollo berichtete Agnes telefonisch von dem Vorfall. Agnes fuhr ins Krankenhaus und ?berredete den Arzt, sie zu Georges zu lassen. Sie hatte die vage Bef?rchtung, dass seine Tabletten sie vergiftet hatten. Agnes nahm eine Packung des Abnehmpr?parats und zeigte sie dem Arzt.



Der Arzt nahm ihre Bedenken ernst, und die Tabletten wurden zur Analyse eingeschickt. Es stellte sich heraus, dass sie eine Substanz enthielten, die die Blutgerinnung f?rdert. Agnes dachte schon, bevor sie die Packung ?berhaupt ge?ffnet hatte, dass alles zusammenhing: der B?roraub und die Abnehmpillen. Georges wurde rechtzeitig ins Krankenhaus gebracht. Agnes versprach, die zus?tzlichen Behandlungskosten zu ?bernehmen, und ging ohne weiteres nach Hause.



Vlad erz?hlte seiner Mutter von dem Raub?berfall im B?ro und dass der Wachmann schwer verletzt im Krankenhaus lag. Tatjana Petrowna seufzte und beschloss, dass diese Racheaktion f?r den Moment v?llig zufriedenstellend war. Sie beruhigte sich, ohne ein Wort mit ihrem Sohn zu wechseln. Agnessa Iwanowna hingegen war aufgebracht und fragte sich, wer ihr das nachtrug. Der Gedanke an Tatjana schoss ihr durch den Kopf  und verschwand dann wieder. Nein, sie konnte unm?glich einen solchen Raub?berfall organisiert haben. Georgs wurde bald aus dem Krankenhaus entlassen und kehrte an seinen Arbeitsplatz zur?ck.

Und so beschloss er, den Diamantenfluss von Boris zu Vlad zu verfolgen. Er wollte eine gro?e Diamantenlieferung abfangen. Georges fand heraus, an wen Vlad die Diamanten verkaufte, gewann dessen Vertrauen und rettete ihm sogar das Leben vor einem Verehrer, der ihm den Diamanten vom Hals rei?en wollte. Vlad entfernte den Diamanten zu seinem eigenen Schutz.

Das Leben wurde f?r Georges wieder interessant; er hatte wirklich Lust zu rauben. Das lag in seiner Natur. Also ?berfiel er einen Zwischenh?ndler, der eine weitere Diamantenlieferung aus dem Norden zum Verkauf auf dem Schwarzmarkt gebracht hatte.

Sie besa?en Pal?ste, Datschen und Swimmingpools. Georges schlug, in seiner typisch verbl?fften Art, den Diamantenlieferanten nieder, trug dabei eine Maske und passende Kleidung und nahm ihm das Diamantenpaket aus den geschw?chten H?nden. War er nicht ein Schauspieler mit Maske? Dann zog er sich um, wechselte die Schuhe und setzte sich mit dem Gesicht eines unschuldigen Wachmanns in sein B?ro.

Wer w?rde sich offiziell um den Verlust k?mmern? Niemand! Die Ware war gef?lscht. Die Putzfrau kam angerannt und rief Georges an. Sie sagte ihm, dass ein Mann am Eingang des B?ros liege und hochgehoben werden m?sse, sie es aber nicht ohne Hilfe schaffe. Georges ?berlegte, ob er es tun sollte, falls das Opfer es herausfinden w?rde. Es w?re besser, jemanden anzurufen, als selbst hinzugehen. Und Georges hatte Gl?ck.



Vlad rief an. Er bat Georges dringend zu ihm zu kommen; er steckte in der N?he des B?ros im Stau. Vlad bot Georges sein Auto an, w?hrend er zum B?ro lief. Georges stieg ?ber den am Boden liegenden Mann und rannte zur Stra?e, wo er unter den anderen Autos Vlads Wagen erkannte, den er ersetzt hatte.



Vlad ging zum B?ro und sah den Lieferanten in der T?r stehen. Er durchsuchte seine Taschen, fand aber nichts. Ein Gedanke an Georges blitzte ihm durch den Kopf, verschwand aber schnell wieder. Sein Gesichtsausdruck war unschuldig. Vlad rief Boris an und sagte, er habe im Stau gestanden, und in der Zwischenzeit sei der Lieferant ausgeraubt worden und liege nun benommen im B?ro. Boris presste die Lippen zusammen, wohl wissend, dass einige Diamanten zwangsl?ufig verschwunden waren, und versicherte Vlad, nicht den Mut zu verlieren und weiterhin mit ihm zusammenzuarbeiten.



Georges fuhr den Wagen seines Chefs aus dem Stau. Er musste Boris' Fragen beantworten. Er sagte, er habe den Mann auf der Veranda liegen sehen, als die Putzfrau ihn rief, aber er habe ihn vorher nicht gesehen und sei keine Minute ohne sie in seiner N?he gewesen. Alles sei sehr schnell gegangen. Georges sagte, er m?sse sofort weg, und das tat er auch. Boris war klug; er hatte vermutet, dass Georges die letzte Ladung Diamanten genommen hatte, aber er w?rde es niemals zugeben.



Was also tun mit ihm? Wenn er sie genommen hatte und sich so unauff?llig verhielt, bedeutete das, dass er wusste, was er damit anfangen sollte, oder es gab Vertriebswege, in welchem Fall er eingesetzt werden sollte. Vlad besprach die Angelegenheit mit Boris und erhielt dessen Zustimmung. Boris wusste, wem Georges die gestohlenen Diamanten gegeben haben k?nnte; H?chstwahrscheinlich wurden sie f?r den Film verwendet, in dem sie beide die Hauptrollen spielten.



Eines Tages wurde Agnes gebeten, ein Musikvideo mit sich selbst, Georges und einer S?ngerin zu drehen, m?glichst mit exotischem Schmuck. Agnes schlug vor, eine schwarze Perle zu finden und die Geschichte ihrer Entdeckung auf der Unber?hrten Insel anhand des R?ckens des Navigators nachzuspielen. Das Video ?bertraf alle Erwartungen. Die Leute begannen, den von Georges dargestellten Navigator anzurufen. Seine Popularit?t wuchs. Seine drei?ig Einkerbungen auf dem R?cken wurden ber?hmt, und mit ihnen erkannte jeder Agnes wieder  mit funkelnden Diamanten oder schwarzen Perlen, die ihre Augen tr?bten.



Kapitel 6. Halskette im Fass



Die tr?gerischen Strahlen des M?rz lie?en die Schneewehen schmelzen und schufen ein zartes Muster am Stra?enrand w?hrend des ?bergangs vom Winter zum Fr?hling  das auff?lligste Fr?hlingszeichen der Stadt. Junge M?dchen gl?nzten mit goldenem und rotem Haar. Blond war etwas aus der Mode gekommen, und leuchtende Farben waren im Kommen.

Die Autos erhielten neue Farbt?ne, die sich vom schlichten Dunkel unterschieden; alle ?hnelten sich in ihrer Form oder strebten danach, die besten Modelle der Welt nachzuahmen. In einem Land mit einer stiefelartigen Au?engrenze verschwand allm?hlich das Oberhaupt der Kirche, und neue Kandidaten f?r dieses einzigartige Amt eroberten die Fernsehbildschirme.

Angelina, die Tochter von Agnessa Iwanowna, und Vlad, der Sohn von Tatjana Petrowna, heirateten, als sie alt genug waren, diesen gl?cklichen Moment zu erleben. Angelina erwies sich als au?ergew?hnlich flei?ige Frau, auch in Agnessa Iwanownas Abwesenheit.

Vlad verbrachte seine gesamte Freizeit mit Pferden. Seine Leidenschaft hielt f?nf Jahre an. Er fuhr mit dem Pendlerzug zu seinen geliebten Pferden und zeichnete ihre K?pfe. Doch eines Tages wurde seine Leidenschaft f?r Pferde f?r immer unterbrochen. Nach den Pferden interessierte sich Vlad f?r das Gitarrespielen und besuchte zweimal w?chentlich Unterricht in einem Kinderkunstzentrum. Seit der ersten Klasse besuchte er die Musikschule und spielte Knopfakkordeon.



Ab der f?nften Klasse fuhr er allein mit dem Bus zu einer Schule mit Schwerpunkt Mathematik. Er hatte kaum Zeit, sich in der N?he seines Zuhauses aufzuhalten. Einen Sohn gro?zuziehen ist f?r eine Frau in jeder Hinsicht schwierig; er braucht ein m?nnliches Vorbild zu Hause.

Vlads Gro?vater diente ihm als Vorbild. In der Datscha seines Gro?vaters lernte Vlad die Grundlagen des G?rtnerns. Dies ist eine sehr n?tzliche F?higkeit f?r ein eher sesshaftes Leben in seiner Klimazone. Menschen ohne Datscha suchen st?ndig nach Unterhaltung in anderen L?ndern oder anderen Teilen des Landes. Menschen mit Datscha, eigenem Garten und Gem?sebeet f?hren hingegen einen ruhigeren Lebensstil. Eine verlassene Datscha, deren kleines Haus abgebrannt war, wurde in ein kleines Stadion umgewandelt. Alle Datscha-Kinder trafen sich dort zum Fu?ballspielen und parkten ihre Fahrr?der am Rand. Fahrr?der sind in Datschas ein beliebtes Fortbewegungsmittel. Das Gel?nde wurde nach und nach zertreten und abends als Tanzfl?che genutzt.

Vlad brachte sein Akkordeon mit und musizierte darauf. Die Bewohner der Datscha erfreuten sich an den Live-Kl?ngen. Nach dem Sommertanz hatte Vlad das Gesellschaftstanzen f?r sich entdeckt. Er wuchs zu einem schlanken Jungen heran. Alle nahmen ihn freudig in die Tanzschule auf. Tatjana musste ihm extra Kleidung bestellen, wof?r sie Geld oder ihre Hilfe ben?tigte. Eines Tages brachte ihr Sohn ihr Geld. Er war vor einem Film im Kino aufgetreten und hatte daf?r Geld bekommen. Tatjana Petrowna war den Tr?nen nahe; es war so lange her, dass ihr jemand genug Geld zum Leben gegeben hatte, ohne arbeiten zu m?ssen.



Agnes fand ihre Liebe zu ihrem Mann Apollon etwas langweilig. So wie er Geldb?ndel vermisste, vermisste sie die Leidenschaft. Ihre Ehe war eher locker. Er w?nschte sich Kuchen im Bett. Sie brachte ihm sein Lieblingsessen, um ihn zu tr?sten, und kaute Kaugummi im Takt mit ihm. Irgendetwas in ihrer Beziehung verlangte nach etwas Neuem.



Und es kam, etwas Neues. Tatjana Petrownas Sohn Vlad plante, sich am Filminstitut einzuschreiben. Zu dieser Zeit war er ein sicherer Reiter, ein passabler Gesellschaftst?nzer, spielte Gitarre und sang mit einer sehr angenehmen Stimme. Tatjana Petrowna erfuhr als eine der Ersten von dem Wettbewerb f?r junge Talente. Im ganzen Land wurden die besten Stimmen gesucht, doch die Besten war ein recht vager Begriff. Sie bat Boris um finanzielle Unterst?tzung f?r einen Gesangslehrer; der Meister seines Fachs verlangte ein betr?chtliches Honorar f?r seine Gesangsstunden. Zehn Tage Vorbereitung machten Vlad laut seinen Verwandten zu einem hervorragenden S?nger. Seinen Charme hatte er von seinem Vater Denis, seine Stimme von seiner Mutter. Tatjana Petrowna war immer sch?chtern gewesen, was das Singen anging; manche Menschen sind einfach so unerfahren im Umgang mit der B?hne. Vlad betrat die B?hne und verzauberte das Publikum mit den ersten T?nen seiner Stimme. Der Wettbewerb wurde landesweit ?bertragen. Unz?hlige SMS mit Unterst?tzung f?r Vlad trafen ein. Er gewann den Wettbewerb m?helos. Schon bald sangen M?dchen sein einfaches Lied. Dichter und Komponisten str?mten zu ihm, er erhielt Angebote f?r neue Lieder, wurde zu Konzerten und Auftritten in verschiedenen St?dten eingeladen. Tatjana Petrowna griff sich an den Kopf: Was hatte sie nur getan?! Doch es war zu sp?t.

Wlad hatte den Pop-Erfolg auf seiner Welle miterlebt; sein Lied lief im Radio und Fernsehen. Man bot ihm ein Musikvideo an, doch die Produktion sollte eine betr?chtliche Summe kosten.

Aber woher sollte er das Geld nehmen? Boris wollte ihm das Geld nicht einfach so geben; er bot Wlad an, ihm beim Verkauf von Diamanten an Popstars zu helfen und so seine Studiengeb?hren zu decken. Wlad war sogar bereit, seine Mutter f?r das Geld an Boris zu verheiraten, nur um das Video finanzieren zu k?nnen.

Aber Boris gab nicht nach; er brauchte eine Diamantenspur unter den Popstars.

Boris Borisowitsch schenkte Wlad seinen ersten Diamanten und sagte ihm, er solle allen erz?hlen, er habe den Wettbewerb wegen des Diamanten gewonnen  er sei sein Talisman. Und siehe da: Junge Teilnehmer, die noch nach Ruhm k?mpften, begannen, ihre Eltern zu bel?stigen und sie um Geld f?r Diamanten zu bitten. Vlad begann, die aktuellen Konzerte der Hauptstadt zu besuchen; er trug den Diamanten an einer schwarzen Kordel, und sein Hemd war immer aufgekn?pft; das wurde zu seinem Markenzeichen.

Seine stark zerrissenen und mit unz?hligen diamant?hnlichen Strasssteinen besetzten Jeans betonten den echten Diamanten. Die Leute kauften ihm nach und nach seine Diamanten ab, manchmal auch gleich zwei auf einmal. Boris rieb sich vergn?gt die H?nde. Vlad hatte die n?tige Summe f?r sein erstes Musikvideo zusammen. Nach dem Video stieg seine Popularit?t so rasant, dass er ein anst?ndiges Einkommen erzielte.



Seine Mutter sagte ihrem Sohn immer wieder nur eines:



Vlad, geh zur Filmhochschule.



Vlads Ohren waren verstopft; er h?rte nichts mehr; er war v?llig von Konzerten eingenommen. Ein Sponsor wurde gefunden. Vlad gr?ndete seine eigene GmbH, deren wichtigstes Kapital er selbst und seine Stimme waren. Sie organisierten Konzerte f?r ihn und vermittelten ihm Arbeit an neuen Liedern in den f?r seine Proben angemieteten Musikstudios. Diamanten waren sein Nebenverdienst.



Vlad lud Angelina ein, in seine Firma einzusteigen. Sie traten gemeinsam auf. Vlad sang. Angelina tanzte. Tatjana Petrowna wusste nicht, ob sie sich dar?ber freuen oder traurig sein sollte. Ihr Sohn verdiente nun mehr als sie, und sie verlor seine Autorit?tsposition.

Agnessa Iwanowna besuchte das Konzert ihrer Tochter. Angelina war noch ein Teenager, brachte aber bereits Geld nach Hause. Ihre Mutter wollte daher herausfinden, wie ihre Tochter ihren Lebensunterhalt verdiente. Mit dem Segen ihrer Gro?mutter, bei der sie ihre Kindheit verbracht hatte, da ihre Eltern oft abwesend waren, ging Angelina zum Gesellschaftstanz. Die Mutter genoss das Konzert, riet ihrer Tochter aber, die Schule fortzusetzen und ?ber ein Studium nachzudenken. Das Konzert wurde im Fernsehen ?bertragen. Agnessa sa? in der N?he der Kamera und war immer wieder im Publikum zu sehen.

Georges, ein Freund von Agnessa Iwanowna, sah sich das Konzert im Fernsehen an. Er entdeckte Agnessa im Publikum. Etwas beschlich ihn, etwas l?ngst Vergessenes. Er arbeitete noch als Wachmann, einen Tag am St?ck, drei Tage frei. Er hatte Zeit, aber kein Geld, und es gab keine Dreharbeiten. So vertrieb er sich die Zeit mit einsamen Abenden. Dabei fiel ihm auch ein pr?chtiger Diamant an der jungen S?ngerin auf, genau der, den Agnessa liebte.



Georges beschloss herauszufinden, woher der junge S?nger diesen riesigen Diamanten hatte. Stellt euch seine ?berraschung vor, als er erfuhr, dass der S?nger Vlad war, der leibliche Sohn von Denis Turin, einem einst ber?hmten Fernsehmoderator!



Oh je, jetzt hatte Georges den Wunsch, seinen Sohn zu bestehlen. Keine leichte Aufgabe. Georges spionierte in Vlads Firma nach und erfuhr von den Diamanten des Managers Boris, was ihn erneut sehr ?berraschte. Alle seine Leute, alle anderen hatten Diamanten, nur er nicht  ungerecht! Doch vorerst gab er seinen Traum auf.



Agnes entwarf f?r Tatjana eine personalisierte Diamantkette, ein atemberaubend sch?nes Schmuckst?ck, verziert mit smaragdgr?nen Bl?ttern. Wozu brauchte sie die? Wohin ging sie denn? Genau, sie ging ja schlie?lich. Man flocht Tatjana viele kleine Z?pfe ins Haar und sagte ihr, sie k?nne sie zwei Wochen lang tragen, ohne sich Sorgen machen zu m?ssen. Auf ihrem Kopf trug sie ein Gewirr aus Z?pfen, eine Diamantkette fiel ihr bis zum Kinn, und als Kleid dienten ihr unz?hlige Stoffb?nder, die seltsam ?ber ihren K?rper drapiert waren. An den F??en trug sie Lederriemen mit d?nnen goldenen Abs?tzen.



Tatjana stieg in die Limousine, gab Gas und fuhr los. Sie hielt vor dem Modepalast. Fast augenblicklich sp?rte sie, wie ihre mit der Diamantkette geschm?ckte Brust Blicke auf sich zog, so intensiv, dass die Kette ihre Tr?gerin fast erdr?ckte! Sie war entsetzt! Sie war allein angekommen, hatte aber vorsichtshalber eine Pistole in den Falten ihres Kleides versteckt. Drei junge M?nner begannen, sie mit ihrer Aufmerksamkeit zu bedr?ngen, umringten sie und dr?ngten sie zu dem Ficus. Die Frau hatte das Gef?hl, sie d?rften keinen Laut von sich geben, und sie hatte drei Diamantkugeln in ihrer Pistole. Es w?re eine Schande, mit Diamantkugeln auf drei M?nner zu schie?en. Und dann ?berkam sie eine Besessenheit  wer h?tte das gedacht! Sie hob ihr anmutiges Bein, drehte es beim Gehen und rammte einem Mann ihren goldenen Absatz gegen das Kinn!



Zwei andere M?nner st?rzten sich auf sie. Einer griff nach der Kette, als wolle er sie umarmen. Sie verpasste ihm einen Kniesto?! Und feuerte eine Diamantkugel auf den dritten ab. Dann packte sie die Kette, dr?ckte den Verschluss und steckte sie in die Erde des Topf-Ficus. Sie blickte auf: Die Menge hatte einen Halbkreis gebildet und klatschte! Und eine Kamera filmte alles von oben.



Der Spott der reichen Leute hier. Und sie hatte ihre M?nzen vergraben. Mit ihren juwelenbesetzten Fingern suchte sie nach der Kette, aber es war, als w?re sie nie da gewesen!



Die Menge wandte sich von ihr ab und beobachtete die Schl?gerei an anderer Stelle in der riesigen Halle. Sie suchte mit ihrer Pistole nach der Kette und konnte sie nicht finden. Tr?nen traten ihr in die Augen und erstarrten in den Augenwinkeln, funkelnd wie verblasste Diamanten. Tatjana zog ein mit Diamanten besetztes Handy aus den Falten ihres Kleides und w?hlte Agnessa:



Agnessa, ich habe meine Halskette verloren.



Okay, wo hast du sie denn verloren?, fragte Agnessa Iwanowna verwirrt.



In einer Wanne mit Erde.



Toll. Ist das Kleid noch da?



Mir geht es gut, und alle haben mich in Ruhe gelassen.



Warte, ich bin in einer halben Stunde da.

Agnes stieg in den Jeep und fuhr ?ber kurvenreiche Stra?en, wobei sie alle Staus umfuhr, die sie schon von Weitem sp?rte. Tatjana sa? auf einem riesigen Ficusbaum und blickte sehns?chtig in die Menge. Nach dem Gemetzel war niemand mehr in ihrer N?he! Tatjana lie? sie aufstehen und die Menge betrachten, ging dann zu einem wundersch?nen Keramiktopf, sah sich die aufgeworfene Erde an und erkannte sofort, dass die Diamantkette nicht im Topf war  sondern in der Erde!



Tatjana, die Kette ist nicht in diesem Topf!



Agnes, was redest du da? Ich habe sie selbst in die Erde gelegt!



So einfach ist das nicht. Die Leute, die dich zu diesem Topf gedr?ngt haben, waren nicht die Hellsten, aber derjenige, der sich diese Falle ausgedacht hat, war sehr schlau! Sieh dir all den Glitzer an! Und wie viele T?pfe gibt es davon? Sieh, hier sind ungef?hr zehn, alle an verschiedenen Stellen! Wei?t du, wir m?ssen in den Untergrund, und das ist nicht einfach. Hast du deine Waffe dabei? Ich habe meine. Ich glaube, in diesen Wannen befinden sich irgendwelche Strukturen; es ist kaum Erde darin, und die vergrabenen Diamanten fallen durch die gro?en L?cher in den Keller.



Das ist kein lebender Ficus, sondern eine Attrappe, vermutete Tatjana. Die beiden Frauen schlenderten mit wiegenden H?ften zum Ausgang. Die Mutter drehte sich abrupt um und stieg die Wendeltreppe hinunter. Ein Wachmann eilte ihr nach. Agnes bedrohte ihn mit ihrer Pistole und trieb ihn zur?ck auf seinen Posten. Sie betrat einen Raum mit L?chern in der Decke unter den Wannen und gro?en Plastikbecken f?r versteckte Juwelen darunter. Ein Wachmann sa? in der Ecke des Raumes. Als Tatjanas Mutter erschien, rief er, dass sie hier nicht hineind?rfen; es sei zu gef?hrlich. Die Frauen richteten zwei Pistolen auf den Wachmann. Der Wachmann verstummte. Liebling, gib mir die Diamantkette und lebe gl?cklich bis ans Ende deiner Tage!, sagte die Mutter.



Auf keinen Fall! Das ist der beste Fang des Tages; sie ist im Becken.



Tatjana entdeckte in einem der Becken einen Erdklumpen, in dem hier und da Diamanten glitzerten. Sie ging auf ihre Halskette zu. Der W?chter richtete sein Maschinengewehr auf sie:



Frau! Fassen Sie nicht die  Er stockte. Die Diamanten!



Tatjana schoss ihm auf die Hand; die Diamantkugel durchbohrte sie.

Tatjana dachte an die Vergangenheit.

Es stellte sich heraus, dass Denis in der Stadt ein luxuri?ses Backstein-Apartmentgeb?ude errichten lie?. Er sollte dort eine Wohnung haben, die er jedoch verkaufte und sich stattdessen ein Grundst?ck mit einem See mitten auf einer Halbinsel im Nachbarland kaufte. Er behauptete, es sei das Erbe des kleinen Vlad. So begann der gro?e Denis allm?hlich, auf die Halbinsel zu ziehen und dort einen Sport- und Freizeitkomplex zu errichten. In der Hauptstadt der Halbinsel baute er ein dreist?ckiges Haus, in dem er fortan mit seiner offiziellen Ehefrau und seinem ?ltesten Sohn lebte.



Er besuchte Tatjana immer seltener und zog schlie?lich ganz auf die Halbinsel. Dann starb Denis  oder wurde get?tet. Sein Erbe wurde ein Jahr lang geteilt, dann ein zweites, dann ein drittes, dann ein viertes. Seine Frau wollte es mit niemandem teilen, nicht einmal mit ihrem Sohn. Er ?berlebte seinen Vater um ein paar Jahre und verzichtete vor seinem Tod zugunsten seiner Mutter auf das Erbe. Und dann stellte sich heraus, dass Vlad, sein Sohn, nicht von Denis, sondern von Apollon war.



Und Denis Geliebte brachte kurz nach seinem Umzug auf die Halbinsel eine Tochter von Apollon zur Welt. Nun hatte sie eine Tochter, und Tatjana hatte einen Sohn von Denis. Ein Rechtsstreit nach dem anderen. Wer wird gewinnen? Mal gewinnt der eine, mal der andere, aber ein Ende ist nicht in Sicht. Auch Denis Mutter starb. Niemand ging als Sieger aus dem Streit hervor. Tatjana ahnte damals nichts anderes: Denis brauchte sie, weil sie an einer technischen Universit?t studierte, und technische Fachkr?fte waren zu dieser Zeit sehr gefragt. Ihr Mann wusste das; er wusste, wen er geheiratet hatte. Er brauchte sie, um in der Hauptstadt seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Er brauchte Familien, Paare, und er hatte sich diese Lebensader in der Hauptstadt geschaffen. Das war die andere Seite der Liebe. Er schrieb ihr Briefe, pries die Hauptstadt und gew?hnte sie an den Gedanken, umziehen zu m?ssen. Er beschrieb die Sch?nheit des Cranberry-Landes und die goldenen Bl?tter.



Der Mann keuchte auf und zog den Diamanten wie einen gew?hnlichen Splitter aus seiner Hand. Tatjana griff nach einem St?ckchen Diamantstaub, wischte es an ihrem Kleid ab und steckte es in eine versteckte Tasche. Die Damen verlie?en gem?chlich den Keller, stiegen in ihre Autos, und niemand eilte ihnen entgegen; aus irgendeinem Grund schienen die Wachen Angst zu haben. Die Pferde und Reiter am Palasteingang r?hrten sich nicht.



Agnes sa? am Steuer ihres sch?nsten Wagens und blickte einem neuen Tag entgegen. Der graue Himmel und die gelben Bl?tter an den noch gr?nen B?umen zogen vorbei. Eine Halskette aus reinem, gr?nem Malachit funkelte an dem d?nnen, dunkelgr?nen Pullover, der sie umh?llte. Ihr langes, kastanienbraunes Haar fiel ?ber ihre schmalen Schultern. Sie hatte ein seltsames Problem: Alle um sie herum verlangten von ihr, dass sie heiratet.

Tatjana f?hrte eine ungl?ckliche Ehe mit K?nig Albert. Hier ist die Sache komplizierter. Der Prinz blieb beim K?nig; er sah seinen Gro?vater nie. Doch der Herr der Berge sah ihn im Fernsehen, erkannte freudig seine eigenen Z?ge in ihm und freute sich dar?ber. Tatjana wiederum lebte nach dem Meeresland im Sandland und reiste dann ins ?berseeland, wobei sie ihren Vater nur gelegentlich an ihre Existenz erinnerte.

Man kann Helden nicht in einem naiven Traumzustand zur?cklassen. Diese Geschichte wurde in der Zeit der ersten Handys erfunden. Und was geschah mit Denis? Ihm geht es gut. Aber er konnte nicht weit von Agnes entfernt leben. Er lernte eine Frau von sehr kultivierter Figur kennen, die im selben Stockwerk wie Agnes und Apollo wohnte. Er wurde fromm und lernte alle Patronatsfeste auswendig. Er hing buchst?blich an der Frau, die in einem kleinen Zimmer in einer gro?en Wohnung lebte. Es war eine Wohngemeinschaft, aber Denis kaufte zwei weitere Zimmer. Nun hatte er eine Dreizimmerwohnung. Gelegentlich traf er Agnessa im Aufzug oder auf dem Treppenabsatz. Das gen?gte ihm f?r seinen inneren Frieden, und zu Hause hatte er seine Frau, eine Frau mit markanter Gestalt und einer wundersch?nen roten M?hne.



Es war einmal, ohne es selbst zu ahnen, beschlossen Agnessas Eltern nach einer Diskussion ?ber einen schwarzen Diamanten, Apollon, einen Studenten eines technischen Instituts, einzustellen. Der junge Mann beeindruckte sie mit seiner au?ergew?hnlichen Pers?nlichkeit, und Agnessas Vater brauchte einen Assistenten. Durch Apollon, der alles ?ber jeden wusste, nahmen sie Kontakt zu Feofan auf und boten ihm eine Stelle als Diamantschleifer an. Der junge Mann z?gerte nicht; er wusste, dass solche Angebote nicht alle Tage kommen. Agnessa freute sich, dass ihr Vater einen guten Assistenten bekommen w?rde, den sie bis dahin noch nie getroffen hatte. Tats?chlich hatten Agnessas Eltern die Diamantschleiferei Blesk gegr?ndet. Daher war auch sie dem Funkeln von Diamanten verfallen. Feofan kam im B?ro an und f?hlte sich sofort wohl. Er verstand schnell die Anforderungen seiner Arbeit. Niemand zweifelte an seiner Integrit?t, und er hatte die Gabe, Menschen f?r sich zu gewinnen, wenn es n?tig war. Der Student wollte unbedingt mit Diamanten arbeiten. Apollon und sein Chef sa?en an nebeneinanderliegenden Werkb?nken und arbeiteten, wobei sie sich gelegentlich ?ber ihr Leben unterhielten.



Feofan prahlte mit seinem antiken Malachitschmuck. Apollon hingegen respektierte nur Diamanten.



Manager Boris brachte eine neue Lieferung Diamanten und wartete darauf, dass die Sache mit den schwarzen Diamanten endlich ein Ende nahm. Er mochte sie nicht, weil sie seinen Chef von seinen Diamanten ablenkte. Die Handys mit Diamant-Hintergrundbeleuchtung sahen pr?chtig aus, und die Kunden bestellten einen nach dem anderen Diamanten f?r die Hintergrundbeleuchtung. Die neue Unterhaltungsm?glichkeit brachte betr?chtliche Gewinne ein.



Die Werbung f?r Handys mit Diamant-Hintergrundbeleuchtung verbreitete sich rasend schnell um die Welt. Apollon war zufrieden; er und sein Harem von Angestellten genossen ihr Einkommen, und Agnessa war wieder einmal von ihm abh?ngig. Sie wurde der glitzernden Steine und der st?ndigen Angst vor allem immer ?berdr?ssiger. Als das B?rotelefon klingelte, nahm Agnessa selbst den Anruf entgegen. Es war eine S?ngerin eines bekannten Pop-Duos; sie brauchte zwei Diamantanh?nger f?r ein Musikvideo.



Die beiden hinrei?enden Blondinen verdienten gut, doch das Video war wie eine riesige Werbung f?r sie, und ohne Glanz und Glamour kann man niemanden ?berstrahlen. Agnessa freute sich doppelt ?ber den Auftrag: sowohl ?ber den Auftrag selbst als auch ?ber das Video  sie bot der S?ngerin ihre Hilfe beim Drehbuch an. Genau darauf hatte die S?ngerin gehofft. Schon bald erschien sie mit ihrer B?hnenpartnerin im B?ro. Agnessa teilte den beiden Damen mit, was die Bestellung f?r die beiden Anh?nger und das Drehbuch kosten w?rde. Sie hatten mit noch h?heren Summen gerechnet und stimmten zu  sie wussten, dass Agnessa eine erfahrene Werbefilmerin war. F?r Agnessa er?ffnete dieser Auftrag neue berufliche Perspektiven. Sie tat alles, um sicherzustellen, dass die beiden Frauen im Video, die Diamantanh?nger trugen, sowohl sch?n aussahen als auch ihr Gesangstalent unter Beweis stellten. Nach der Ver?ffentlichung des Videos wurde das Duett in St?dten im ganzen Land mit tosendem Applaus gefeiert. S?ngerinnen rissen sich um Agnessas Wunsch nach gemeinsamen Auftritten.



Ein Video zu drehen war das eine, es zur richtigen Zeit im Fernsehen zu platzieren etwas ganz anderes. Apollon hatte sein Talent und seine Kontakte, unterst?tzt durch die richtigen Geldgeber. Der Regisseur arbeitete gut, und Georges begann, seine fr?here Fernsehkarriere wieder aufzunehmen. Das Leben nahm mit neuem Elan Fahrt auf. Agnes setzte sich hin, um ein Drehbuch zu schreiben, doch was dabei herauskam, war eher eine Novelle, die sie zu einem Drehbuch ?berarbeitete. Sie ordnete die Handlung an zwei Schaupl?tzen an und reduzierte die Anzahl der Hauptfiguren. Ein Sponsor oder Auftraggeber war n?tig; sie konnte die volle Verantwortung f?r den Film nicht ?bernehmen! Sie wandte sich an ein befreundetes Diamantenunternehmen und erz?hlte ihnen von ihrem Filmprojekt  eine ideale Werbung f?r ihr Joint Venture. Sie dachten dar?ber nach und sagten zu, ihr Projekt zu unterst?tzen. Sie hatte bereits einige Prominente f?r die Besetzung im Auge. Niemand hatte Einw?nde.

Neben einem zugefrorenen Brunnen stand eine gro?e k?nstliche Tanne mit parallel angeordneten ?sten im Kreis. Ein Schwarm Stadtkr?hen hatte es sich in der Mitte des Baumes gem?tlich gemacht. Ohne diesen Neujahrsbaum h?tten die V?gel nirgendwo Schutz gefunden. Und der Baum bot so viele Sitzstangen  er war praktisch unzerst?rbar. Ein Mann blieb unter dem Baum stehen und zog einen Klapptisch aus seiner riesigen karierten Plastikt?te.



Er stellte ein vorbereitetes Vogelfutterhaus auf den Tisch: So sah es f?r die V?gel auf den ?sten aus.



Wenn Leute zu dem Mann kamen und ihm Geld gaben, ?ffnete er den durchsichtigen Deckel. Die Leute betrachteten das gl?nzende Futter und gingen weiter. Die V?gel waren sich in ihrer Vogelsprache einig: Wenn der Mann das Futterhaus ?ffnete, w?rde der ganze Schwarm herbeifliegen und ihm das gl?nzende Futter wegnehmen.



Der Mann ?ffnete den durchsichtigen Deckel f?r den n?chsten Kunden. Der ganze Kr?henschwarm flog auf ihn zu. Schnell schnappten sie sich die gl?nzenden Dinger und brachten sie zum Baum. Der H?ndler blickte auf seinen Stand  er war v?llig leer. Der letzte Kunde war so erschrocken von dem Kr?henschwarm, dass er lange verstummte und dann die Nummer des Fernsehteams w?hlte.



Das Fernsehteam traf schnell ein und filmte den H?ndler. Es stellte sich heraus, dass er Gold an einem nicht genehmigten Ort verkaufte. Die Nachrichten wurden sofort ausgestrahlt. Alle Zuschauer str?mten zum Marktplatz. Dort hatte sich eine riesige Menschenmenge versammelt. Der einzige Polizist im Dienst rief Verst?rkung, da sich so viele Leute um den k?nstlichen Weihnachtsbaum dr?ngten. Die Aufgabe der Polizei war simpel: zu verhindern, dass die Leute den Baum f?r die Goldandenken abbauten.



Die Kr?hen verloren das Interesse an den Goldgegenst?nden und lie?en sie auf die Zweige fallen. Ein goldener Schauer importierten Goldes ergoss sich vom Baum. Die Leute versuchten, Goldringe, Ketten und Armb?nder aufzuheben. Die Polizei versuchte, die Menge vom goldenen Baum wegzudr?ngen. Der H?ndler erstarrte und zog innerlich einen Schlussstrich unter sein Leben. Das Gold geh?rte ihm nicht; er hatte die Goldgegenst?nde nur schnell an einem belebten Ort verkaufen wollen. Der letzte Kunde sprang auf den Klapptisch, rief laut und fuchtelte mit den Armen, um die Leute aufzufordern, dem Stra?enh?ndler Gold zu geben. Die Menge war sehr besch?ftigt; viele krochen auf Knien unter dem Weihnachtsbaum und suchten nach Gold. Das goldene Festmahl der Kr?hen wurde live in den Nachrichten ?bertragen. Die Zuschauer zu Hause lachten herzlich vor dem Fernseher. Auch Agnes lachte, bis sie Apollon in dem H?ndler erkannte. Sie sah den Mann auf dem Klapptisch an. Was macht Apollo denn da?, dachte sie sofort. Wozu braucht er Gold? Ein erwachsener Mann kniet auf einem kleinen Tisch inmitten einer Menschenmenge! Da steckt etwas dahinter! Das ist Goldwerbung! Die Leute werden genug sehen und dann Gold kaufen. Wir sollten mit Diamanten anr?cken!



Kurz darauf stand Apollon mit einer durchsichtigen Schachtel neben dem Klapptisch. Er zeigte dem Kameramann die Diamanten in der Schachtel. Die Diamanten wurden live ?bertragen. Stolz ?ffnete Apollo die Schachtel. Zwei flinke Kr?hen schnappten sich je einen Diamanten und lie?en sich auf dem Tannenbaum nieder. Agnes beobachtete auf dem Fernsehbildschirm, wie die Diamanten aus der gepanzerten Kiste getragen wurden. Die Kamera zeigte das wachsende Get?mmel unter der Tanne. Die Leute erwarteten einen Diamantenregen. Das Gedr?nge war unglaublich. Jetzt dachte sie nur noch daran, wie Apollo in dieser Menge ?berleben sollte. F?nf Minuten sp?ter rief Apollo an; sie hatte seine Stimme schon wieder vergessen.



Agnes, was f?r eine tolle Werbung f?r Diamanten!, und das Telefon klingelte. Bestellungen trafen aus allen Richtungen ein. Tatjana rief ihren Sohn Wlad an. Er nahm die Bestellungen entgegen und gab sie Boris zur Pr?fung. Eine Gro?bestellung war aus dem Land der Teerose eingetroffen.

Wlad setzte sich auf Agnes Stuhl:



Ja, wie viel Gold muss wohl verstreut worden sein, um in diesen Stuhl zu passen! In diesem Moment platzte Agnessa Iwanownas Tochter Angelina ins B?ro:



Wlad, hast du hier das Sagen?



Heute bin ich f?r die Diamanten zust?ndig!



Dann mag ich dich!



Was, wenn es gesch?ftlich ist?



Darum geht es doch gar nicht!



Sprich schnell! Ich bin neugierig. Angelina, die Vlad ihre Neujahrsn?gel vor der Nase hielt, setzte sich auf den Besucherstuhl, schlug die Beine ?bereinander, wirbelte ihren Stiefel ?ber den Tisch und wurde dann pl?tzlich unertr?glich ernst:



Vlad, alle sind weg! Mutter und Vater. Sie sind weg, aber wir haben nichts von ihnen geh?rt. Keiner von ihnen hat die Grenze ?berquert. Wirklich! Sie sind weg! Wei?t du, wohin sie verschwunden sind? Boris betrat den Raum:



Wovon redet ihr, meine Herren?



Die Eltern sind weg!, wiederholte Angelina.



Was sollen wir tun?, fragte Vlad. ?berpr?fen wir die Telefonverbindung, schlug Boris vor. Vlad, ruf mich von deinem Handy aus an.

Vlad rief an, seine Stimme ver?nderte sich, und Boris h?rte eine ihm unbekannte Stimme.



Angelina nahm den H?rer ab, h?rte Vlad zu und sagte dann:



Da hat jemand Schlaueres alle reingelegt. Warst du es nicht?



Wir nicht!, antworteten die M?nner wie aus einem Mund.



Weitere Kunden kamen in den Raum. Sie verlangten die Diamanten in jeder Form zur?ck. Vlad ging zum versteckten Safe; er kannte die Kombination. Der Safe war leer. Die Kunden schrien aus vollem Hals.



Ruhe!, knurrte Boris.



Es wurde still.



Verschwindet! Wir wissen alle von euren Diamanten. Leute sind verschwunden! Wenn wir die Leute finden, finden wir auch die Diamanten. Es waren keine Kr?hen, die sie weggebracht haben!



Das Gesch?ft lief noch schlechter als Boris. Es gab keine Diamanten mehr im B?ro.



Das ist ja was!, rief Angelina. Fassen wir zusammen: Feofan hat die Diamanten. Agnessa Iwanowna und Apollon Petrowitsch betraten das B?ro.



Jungs, Feofan hat die Diamanten; er hat die Tresore geleert, sagte Agnessa. Nicht so laut, wir m?ssen ihn finden. Die Firma ist leer.



Apollon rannte aus dem B?ro, stieg ins Auto und machte sich auf die Suche nach Feofan. Der ber?chtigte Feofan war in der Datscha. Er sa? auf einem Stuhl neben dem Tisch, auf dem die Diamanten lagen. Er sortierte die Steine wie Pilze.



Feofan sah Apollon betrunken an:



Apollon, du bist gekommen?! Ich gebe dir die Diamanten nicht. Oder ich zahle dir L?segeld! Wegen dir habe ich kein Auto mehr. Ich habe es verkauft, als ich dich wegen meiner Entlassung verklagt habe.



Apollon betrachtete das Elend um Feofan herum und bot an:



Ich tausche die Diamanten gegen ein Auto. Reicht meins? Es steht im Hof.

Feofan rannte zum Fenster. Ihm gefiel das Auto. Sie tauschten.



Feofan, du verstehst, ich muss mit den Diamanten ins B?ro gebracht werden.



Nach einer Weile erschienen Apollon und Feofan vor der B?rot?r. Sie brachten die Diamanten. Apollons Auto wurde Feofan durch einen Stellvertreter ?bergeben. Die Menge lachte. Ein erleichtertes Aufatmen ging durch das B?ro.



Agnes k?sste Apollon und sagte:



Ich lasse dich nirgendwo hingehen!



Ich lasse dich nicht gehen.



In diesem Moment kam Ilja Lwowitsch ins B?ro.



Oh, alle sind da! Meine Leute. Wer muss hier bestraft werden? Eine Diamantenfirma  und das ohne Werbung! Also, wisst ihr, wer Denis Turin umgebracht hat?



Ich frage mich, sagte Agnes.



Ihr habt alle Denis umgebracht! Euer B?ro k?nnte man glatt vergittern.



W?rdest du es wagen, einen Diamanten f?r die Freiheit zu nehmen?, fragte Apollon.



Das reicht nicht, ich bin noch jung. Wir geben dir die Auszeichnung Bester Detektiv des Landes; wir haben sie gerade erst entworfen, sagte Vlad.



Jetzt reichts. Gebt mir den Diamanten, die Auszeichnung kann warten. Ehrlich, ich lasse das nicht auf sich beruhen!, bewies Ilja Lwowitsch seine Integrit?t.



Tatjana war von den Schlussfolgerungen gekr?nkt. Sie wusste etwas, was sonst niemand wusste. Sie wollte Boris unbedingt besch?tzen, aber daf?r musste sie sich selbst preisgeben. Was sollte sie nur tun? Es war alles vor langer Zeit geschehen, als sie noch jung waren. Die Folgen von Agnessas weiblicher Prahlerei.



Am n?chsten Tag tauchten Angelina und Vlad, ob zuf?llig oder geplant, im B?ro ihrer Eltern auf.



Mama, dein B?ro ist so langweilig! Mama, was machst du denn hier?, fragte Angelina Agnessa Iwanowna. Agnessa und Tatjana wechselten Blicke und schwiegen, in Erwartung weiterer Fragen.

Also gut, meine Herren!, fuhr Wlad fort. Es gibt da einen fantastischen Auftrag f?r eine so verschlafene Truppe. Alle sahen Wlad interessiert an.




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