Geschichten aus dem Neuen Testament - Lyrisch interpretiert
Arno Hildebrandt


Nach dem ersten Lyrikband »Geschichten aus dem Alten Testament« ist dies die logische Fortsetzung der biblischen Geschichten in erzählender Gedichtform. Der Autor interpretiert hier das Neue Testament über das Leben, Wirken, Leiden, Sterben und Auferstehen des Menschensohnes Jesus. Beginnend mit der Ankündigung der Geburt des Johannes, beschreibt er zudem die Personen, die mit Jesus verbunden waren. Er vergleicht auch die teilweise unterschiedlichen Aussagen der Evangelien, um sie letztendlich doch als eine Einheit verständlich zu machen. Zudem macht er die später hinzuerdachten Legendenbildungen deutlich. Da die Bibeltexte nicht alles, was man gerne wissen möchte, beinhalten, entnahm der Autor zusätzlich Informationen aus dem Protevangelium des Jakobus sowie aus anderen Quellen. Diese wenig bekannten Legenden-Überlieferungen machen das Lesen des Buches zusätzlich interessant, auch wenn sie theologisch und wissenschaftlich nicht anerkannt worden sind. Teilweise kommentiert der Autor die Geschichten in abgesetzten Versen und stellt Fragen dazu, wobei schlüssige Antworten offen bleiben und dadurch zum Nachdenken anregen. Zusammengefasst interpretiert der Autor abschließend einige der aufschlussreichen Gleichnisse Jesu. Quellenhinweise am Rand erleichtern dem Leser ein unmittelbares Nachschlagen in den Originaltexten. Mit seiner sorgfältigen Recherche und Vorlagentreue sowie mit seiner individuellen Ausdrucksweise legt der Autor hiermit ein inspirierendes Buch vor.











ARNO HILDEBRANDT

GESCHICHTEN

AUS DEM

NEUEN TESTAMENT

LYRISCH INTERPRETIERT

Engelsdorfer Verlag

Leipzig

2015




Bibliografische Information durch die Deutsche Nationalbibliothek:

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen Nationalbibliografie;

detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über http://dnb.dnb.de (http://dnb.dnb.de) abrufbar.

ISBN 978-3-96008-167-8

Copyright (2015) Engelsdorfer Verlag Leipzig

Alle Rechte beim Autor

Hergestellt in Leipzig, Germany (EU)

www.engelsdorfer-verlag.de (http://www.engelsdorfer-verlag.de)

Grafik, Satz, Typografie und Cover-Entwurf:

Arno Hildebrandt

Lektorat:

Markus Hildebrandt Rambe

1. digitale Auflage:

Zeilenwert GmbH 2015




Inhalt


Cover (#u0a9344ea-bd98-5e45-b0a2-dfb9a30e2e81)

Titel (#u65324179-6f47-54d0-8429-a5f0b7040c94)

Impressum (#u1a8dc2cd-9424-5ecb-97ab-0696f6cf2c1b)

Vorwort (#ulink_01e6a99c-0718-5ebb-afca-f7b728cfb2e2)

Prolog (#ulink_25495358-222b-5f99-9445-0ae7bd649af3)

Kapitel 1: Johannes (#ulink_55b4fbc6-e010-564d-94a6-7142cea1e35c)

Kapitel 2: Josef (#ulink_931f6766-8428-5639-93d3-b79e898de571)

Kapitel 3: Maria (#ulink_2cc94b8d-d237-5d8c-8e84-2c8bbf0f7add)

Kapitel 4: Weihnachten (#ulink_bb7a73ee-9550-51c6-aa3e-41ed9fc694c5)

Kapitel 5: Die Kindheit Jesu (#ulink_1412ceef-3558-5c54-b0c8-17221aab4b0f)

Kapitel 6: Jesu Erscheinen in der Öffentlichkeit (#ulink_4c6c5b89-22e6-56e3-801e-d4443d961e45)

Kapitel 7: Jesu Wirken in den Städten Galiläas (#ulink_95c833f7-30fa-5b9f-8f1d-be4070ecbd80)

Kapitel 8: Jesu Überzeugungskraft  und sein ungewöhnliches Handeln (#ulink_68ed4ce4-cdf9-5417-a268-f3443390b20d)

Kapitel 9: Jesu Haltung,  Taten und Aussagen zum Sabbat (#ulink_2e120941-d551-5c63-9739-56d72798aab7)

Kapitel 10: Jesu weitere Wundertaten und Heilungen (#ulink_dcb3635f-355b-5a9e-82fe-f44c4a9fa0d3)

Kapitel 11: Die wirkungsreichsten Jahre Jesu (#ulink_1cd91ffd-721c-57f7-bc3f-8030de62afd3)

Kapitel 12: Jesu letztes Jahr (#ulink_c64198ac-f81e-5b27-bbc3-4c8cf716a599)

Kapitel 13: Der Leidensweg Jesu und sein Tod (#ulink_98b64070-ecb8-5af7-9cac-5f9bd8bd23be)

Kapitel 14: Danach … (#ulink_0ffca968-ca1d-5188-b4a5-eae328beb39e)

Kapitel 15: Die Gleichnisse Jesu (#ulink_f7661544-e3fc-5f85-b6cd-b7b1230f0d5f)

Epilog (#ulink_6b908b57-cd5d-51a8-81cd-99fff68f0407)

Autoren-Info (#ulink_096194ae-1914-586e-858c-6769fb888183)

Bereits erschienen (#ulink_6f879323-52b3-5aa7-b512-ae7f078de33b)




Vorwort


Das Alte Testament, das ich

bereits zuvor lyrisch beschrieben,

war wirklich aufschlussreich für mich.

Das Neue ist da noch geblieben.

So konnte ich’s einfach nicht lassen,

auch diese neueren Geschichten

lyrisch gestaltend zu erfassen

und unterhaltend zu berichten!

Es ist – so sei hier festgestellt –

die Fortsetzung der alten Zeilen,

bestimmt dazu, der ganzen Welt

die frohe Botschaft mitzuteilen.

Drum hatte Luther – denk ich jetzt –

zuerst das Neue Testament

und dann das Alte übersetzt,

damit man Gottes Plan erkennt.

Die Testamente im Vergleich

sind zeitraummäßig sehr verschieden.

Beide handeln von Gottes Reich

und seiner Wirkungskraft hienieden.

Das Alte Testament umfasst

Jahrtausende und mehr sogar!

Das Neue schildert ohne Hast

wie Jesu Lebensweg einst war.

In diesem Zeitraum allerdings

entstand das ganze Christentum!

Den Anhängern von Jesus ging’s

um dessen Wort und Gottes Ruhm.

Aus diesem Grund – in diesem Sinn,

bekommt man auch die Einheit hin

der alten und der neuen Schrift,

was den Zusammenhalt betrifft.

Doch kann man inhaltlich die beiden

Bücher recht deutlich unterscheiden.

Im Alten Testament, da geht’s

um Machtkämpfe und Siege stets.

Bei Kämpfen zwischen ›Bös‹ und ›Gut‹

liest man von viel vergossnem Blut.

Man liest von mancher Grausamkeit

und von der Gottes Gegner Leid.

Das Neue Testament hingegen

führt hin zu friedlicheren Wegen –

fordert die Liebe auf der Welt,

was wohl den Menschen mehr gefällt.

Jesus zeigte Bescheidenheit

barfüßig und in schlichtem Kleid.

Heilung – Vergebung war sein Streben.

Für dieses Ziel gab er sein Leben.

Die Texte schildern schlicht und klar,

was Jesus wirklich wichtig war.

Friedfertigkeit, Bescheidenheit

sowie der Menschen Einigkeit.

Ich änderte nicht nach Belieben,

was in der Bibel aufgeschrieben.

Was meine Einstellung betrifft,

halt’ ich mich an die Heil’ge Schrift.

In Versform hört sich das sodann

fürwahr ein wenig anders an.

Doch sinngemäß ist nichts verkehrt;

darauf legte ich größten Wert.

Die Umsetzung im Bibel-Sinn

kriegten die Kirchen doch nicht hin.

Nutzbringend ward hinzu gebracht,

was man sich später ausgedacht.

Vieles, was heute gilt als Norm,

geht mit der Bibel nicht konform.

Vergleiche ich mal Jesu Leben

mit heut’gem Pracht- und Machtbestreben,

dann grummelt es bei mir im Bauch –

und das vermerke ich hier auch.

Das ist zwar unbequem – durchaus –

doch drücke ich’s hier trotzdem aus.

Ich hab’ das Neue Testament,

wie es von Luther überbracht,

anders erzählt als man es kennt

– in Versform – aber mit Bedacht.

Hierbei war ich zudem bestrebt,

die Menschen näher zu betrachten

mit denen Jesus einst gelebt –

deren Ergehen zu beachten.

Aus dieser Art hier zu berichten,

ergibt sich, dass es mal passiert,

dass Abschnitte aus den Geschichten

noch einmal sind interpretiert.

Denn Teile aus Marias Leben,

stehen zum Beispiel im Bericht,

die es bei Jesus auch gegeben.

Die fehlen auch bei diesem nicht.

Da über einige Geschichten,

die in der Zeit damals geschahen,

auch vier Apostel ja berichten,

– so wie sie es persönlich sahen –

hab’ ich in manch einem Bericht

von jedem etwas übernommen

und dies entsprechend dann vermischt,

um eine Einheit zu bekommen.

In Fällen doch, die sehr verschieden,

hab ich das Mischprinzip gemieden.

Da sah ich es als wichtig schon,

jedes Apostels Version

eines Geschehens darzulegen;

allein auch der Korrektheit wegen.

Doch lassen wir uns nicht verwirren –

jeder Mensch kann sich schließlich irren!

Wichtig sind Jesu Wundertaten! –

Was er den Menschen angeraten,

ist zudem wirklich lesenswert,

da er Bedeutendes gelehrt.

Die Gleichnisse, die er erfand,

die leicht verständlich er gemacht,

damit ein Jeder sie verstand

werden am Schuss noch dargebracht.

Um mich nicht einseitig zu binden,

war ich sehr wissensdurstig! – Drum

nutzte ich, um noch mehr zu finden,

auch das Protevangelium,

welches Jakobus damals schrieb

und was durchaus sehr interessant,

doch außerhalb der Bibel blieb.

Es wird auch selten nur genannt.

Zudem bemerkte ich betroffen,

wenn ich nur in die Bibel schau,

bleiben doch manche Fragen offen,

drum macht’ ich mich noch anders schlau.

Nicht ausschließlich durchs Bücherlesen

erhielt ich viel Information.

Auch online bin ich oft gewesen;

das lohnte sich mitunter schon!

Die Bibel richtig auszulegen,

schafft man ganz eindeutig wohl nie!

Denn nicht umsonst gibt es deswegen

das Studium Theologie.

Bei meinem Sohn – der sie studiert –

hab’ ich deshalb bei manchen Fragen

mich auch recht häufig informiert;

der konnte mir auch manches sagen.

Ich habe nicht daran gedacht,

alles historisch zu erfassen!

Hab’s wie ein Philosoph gemacht

und meine Sinne gleiten lassen.

Betrachtungen, die ich hier mache,

sind denkenswert – so oder so.

Glaube ist jedes eigne Sache!

Ich hoff’, sie sehn das ebenso!

* * *




Prolog


Zunächst: Das Neue Testament

und die enthaltenen Geschichten,

die man zum großen Teile kennt,

bestehen alle aus Berichten,

die einst von Mund zu Mund gegangen.

Später erst wurde aufgeschrieben,

wie’s seinerzeit dort zugegangen.

Sie sind erhalten uns geblieben.

Jesus hatte mit eigner Hand

kein Wort zu Pergament gebracht.

Das haben später mit Verstand

Evangelisten dann gemacht.

Das waren seine Publizisten,

und sie erstatteten Bericht.

Ohne deren Ereignis-Listen

wüssten wir manche Dinge nicht!

Da sie die Jünger Jesu waren,

die er sich selber auserwählt,

haben sie, was sie da erfahren,

inhaltlich ähnlich auch erzählt.

Doch sie war’n nicht dabei gewesen,

als Jesus auf die Welt gekommen.

Was wir darüber heute lesen,

haben auch sie erzählt bekommen.

Darüber schrieb Lukas ausführlich –

von Josef auch und seiner Frau.

Matthäus schrieb dies auch natürlich,

doch nicht so ausführlich genau.

Von Jesu Lebensweg und Leiden,

von seinem Tod – was da geschehen –

erfahren wir dann von den beiden;

so auch von Jesu Auferstehen.

Markus erzählt von Wunderdingen

die Jesus seinerzeit vollbracht.

Lukas schreibt auch von dem Gelingen

der Wunder, die sein Herr gemacht.

Auch Jesu Gleichnisse fürs Leben

haben die zwei noch publiziert.

Markus hat Deutungen gegeben,

damit kein Fehlschluss da passiert.

Johannes, Jesu Wegbereiter,

der Älteste der Jüngerschar,

– auch wenn er nicht stets sein Begleiter –

bot Gleichnisse und Wunder dar.

So ist wohl klar – muss man doch meinen –

dass das, wovon die Bibel spricht,

auch uns als Wahrheit muss erscheinen!

Doch viele glauben’s trotzdem nicht.

So forscht man immer noch – bis heute –

ob das Geschrieb'ne wahr denn sei;

lauter fürwahr gelehrte Leute!

Jedoch, was kam heraus dabei?

Einer schreibt, Wahrheit zu beweisen

sei forschungsmäßig wahrlich schlecht.

Ein anderer von diesen Weisen

meint: „Und die Bibel hat doch recht“!

Wie ist’s denn in der Gegenwart?

Die Kirchen sind oft ziemlich leer!

Nur Weihnachten wird es dort hart,

da findet man kaum Plätze mehr.

Der Mensch in Not betet jedoch

zu Gott, wenn es ihm schlecht ergeht.

Wenige beten aber noch,

wenn alles wieder blendend steht.

Glauben – so sagt man – heißt nicht Wissen

und damit hält man sich da raus.

Die einen wollen ihn nicht missen,

die andren kommen ohne aus.

Der Glaube kann so vieles geben,

wenn man Gott und die Menschen liebt.

Vielen schenkt er die Kraft zum Leben,

drum ist es gut, dass es ihn gibt!

* * *




Kapitel 1


Johannes



Die Ankündigung und die Geburt des Johannes

Johannes asketisches Leben und die Taufe Jesu

Die Unzucht am Hofe des Herodes und Johannes Einkerkerung

Die Frage des Täufers an Jesus und dessen Antwort

Salomes Tanz und des Johannes Tod




Die Ankündigung und

die Geburt des Johannes

Im Lukasevangelium

wird von Johannes erst erzählt,

von der Geburtsankündigung

und dass von Gott er auserwählt.

So will auch ich damit anfangen

und schildern, was gewesen war,

und wie es anfangs ist ergangen

dem auserkor’nen Ehepaar.

Nun – Zacharias war bekannt,

denn er führte stets gottergeben

getreulich aus sein Priesteramt,

Moses Gesetze vorzuleben.

Elisabeth, sein Eheweib,

war kinderlos, deshalb verzagt.

Unfruchtbar war bisher ihr Leib.

Beide waren schon hoch betagt!

Doch eines Tages am Altar 




sprach ihn plötzlich ein Engel an.

Voll Angst nun Zacharias war,

jedoch der Engel sagte dann:

»Fürchte dich nicht! Ich soll dir sagen,

der Herr erhörte euer Flehen.

Dein Weib bekommt bald einen Knaben!

Sei frohgemut, bald wird’s geschehen!

Johannes sollst du ihn dann nennen,

er kommt zur Welt, um Gott zu ehren.

Ganz Israel wird ihn dann kennen.

Er wird das Volk zum Herrn bekehren!«

Doch Zacharias sprach betroffen:

»Alt bin ich zwar, jedoch kein Tor,

der noch auf einen Sohn wird hoffen.

Das kommt mir nicht sehr glaubhaft vor!«

Der Engel sprach: »Ich bin von oben

gesandt, um dir dies kundzutun.

Du solltest glauben und Gott loben,

da nicht, vernimm die Strafe nun.«

Weiterhin sprach er: »Und darum

bleibst du, bis die Geburt geschehen,

die ganze Zeit sprachlos und stumm!

Dann wirst du Gottes Macht verstehen.«

Die Strafe traf ihn wahrlich schwer! –

Als Zacharias kam nach Haus,

wunderte seine Frau sich sehr,

denn er brachte kein Wort heraus!

Bald hat sie rundum zugenommen 




und fand das wirklich wunderbar.

Als dann die rechte Zeit gekommen,

Elisabeth den Sohn gebar.

Die Kunde sprach sich rum sodann, 




so freuten sich nicht nur die beiden!

Am achten Tage kam man dann,

um deren Knaben zu beschneiden.

Sie wollten alter Sitten nach

dem Kind des Vaters Namen geben.

Jedoch des Knaben Mutter sprach:

»Nein – als Johannes soll er leben!«

Verwundert fragte man den Vater

und der schrieb auf ein Täfelein

– denn Gott war schließlich sein Berater –

»Johannes soll sein Name sein.«

Danach löste Gott seine Zunge

und Zacharias pries den Herrn.

Johannes hieß ab nun der Junge,

der bald bekannt ward nah und fern.

Der Vater sprach, von Gott beseelt: 




»Du, Kindlein, wirst den Weg bereiten,

dem Herrn, der uns schenkt, was uns fehlt!

Du wirst für ihn auch notfalls streiten.«

»Du wirst des Höchsten Wort verkünden:

Dass man nicht hasst – stattdessen liebt,

dass er befreit uns von den Sünden

und unsrem Volk den Frieden gibt!«

Johannes war ein halbes Jahr

vor Jesus ungefähr geboren.

Doch in der Bibel wird fürwahr

kein Wort über das Kind verloren.

Und nach einer sehr kurzen Zeit 




wurde in einer stillen Nacht

in Armut und Bescheidenheit

Jesus auf diese Welt gebracht.

Trotz, dass die beiden ja verwandt,

kann man gar nichts darüber lesen,

ob sie einst spielten mal im Sand,

ob sie einst Freunde sind gewesen.




 Lukas 1, 5 – 23 / 


 Lukas1, 57 / 


 Lukas 1, 59 – 66




 Lukas 1, 76 – 79 / 


 Lukas 2, 1 – 7

* * *

Johannes asketisches Leben

und die Taufe Jesu

Als er herangewachsen dann,

verließ der Eltern einz’ger Sohn

sie als ein selbständiger Mann,

denn er war stark im Geiste schon.

Ich denke, dass Johannes dort

sehr fromm erzogen wurde eben.

Er war erfüllt von Gottes Wort,

wollt' ärmlich in der Wüste leben.

Mit wildem Honig und Heuschrecken 




ernährte er sich all' die Zeit,

Fell diente, seinen Leib zu decken.

Er war zu Gottes Dienst bereit.

Aus seinem Wüstenaufenthalt

trat er vors Volk von Israel.

Viele kamen zusammen bald,

denn es sprach sich herum sehr schnell.

Johannes predigte im Land 




und hielt sich nah beim Jordan auf.

Als Täufer wurde er bekannt –

rief dort das Volk zur Buße auf.

Die Menschen stellten ihm nun Fragen;

sie sprachen: »Was sollen wir tun?

Kannst du uns einen Rat hier sagen?«

Johannes antwortete nun:

»Wer Kleidung und wer Speisen hat,

gebe den Armen auch davon,

so werden alle Mensche satt!

Das wär' ein erster Schritt dann schon.«

Und zu den Zöllnern sagte er:

»Nehmet nur den Zoll von den Leuten

der vorgeschrieben ist – nicht mehr.

Hört auf, die Menschen auszubeuten!«

Den Kriegern konnte er nur raten:

»Tut niemandem Gewalt mehr an;

lasst ab von ungerechten Taten.

Ihr werdet Gott gefallen dann!«

Die Pharisäer sandten zu 




ihm ihre Priester, auch Leviten,

dass sie ihn fragten: »Wer bis du,

dass du ausübst der Taufe Riten?

Bist du vielleicht Gottes Prophet

oder bereits der Heiland schon?

Gib uns hier Zeugnis, wie es steht

mit deiner Legimitation!«

Johannes sprach: »Der bin ich nicht –

dies zu behaupten, liegt mir fern!

Prediger bin ich nur, der spricht:

›Bereitet jetzt den Weg des Herrn!‹«

Des Weiteren sprach er zu ihnen:

»Es kommt ein Stärkerer nach mir,

dem ich kaum Wert bin, ihm zu dienen.

Wartet nur, bald schon ist er hier!

Ich taufte euch mit Wasser eben,

doch er tauft mit dem Heil’gen Geist!

Er wird verändern euer Leben,

worauf die Schrift uns schon verweist.«

Des Täufers Worte waren klar

und wurden gläubig aufgenommen.

So taufte er die Menschenschar,

die Heil suchend zu ihm gekommen.

Auch Jesus kam zu jener Zeit 




zum Jordan – sprach Johannes an –

sagte: »Ich mache mich bereit

zur Taufe, so wie jedermann.«

Johannes wehrte ab und sprach:

»Richtiger wär’s, du tauftest mich!

Doch du fragst deshalb bei mir nach?

Du stehst viel höher doch als ich!«

Jesus sprach: »Heute sollst du’s tun«

und stieg gleich in den Fluss hinunter.

Johannes taufte Jesus nun –

tauchte ihn kurz im Jordan unter.

Jesus stieg aus dem Wasser wieder.

Da tat sich auf das Himmelreich

und der Geist Gottes kam hernieder

über ihn, einer Taube gleich.

Und eine Stimme sprach zu allen:

»Seht her, dies ist mein lieber Sohn,

an ihm habe ich Wohlgefallen!«

Sehr einprägsam klang dieser Ton.

Es bleibt jedoch verborgen mir,

ob nun Johannes in der Tat

Jesus erstmals begegnet hier,

des Kommen er verkündet hat.

Beisammen sie auch jetzt nicht blieben.

Sie hatten gleiche Ziele zwar –

sprachen von Umkehr und vom Lieben

zur jeweils eig’nen Jüngerschar.

Nach dieser Taufe hatte man

JeZum Fasten spürte er den Drang,

drum wollt' er in die Wüste gehen.

Johannes predigte nun weiter

zu allen, die zu ihm gekommen.

Es hatte die Zahl der Begleiter

und neuer Hörer zugenommen.

Er sprach: »Ihr müsst stets züchtig leben,

und euer böses Tun bereuen!

Gott wird die Sünden dann vergeben

und euch mit seiner Huld erfreuen!«




 Matthäus 3, 4 / 


 Lukas 3, 10 – 18 / 


 Johannes 1, 19 – 33 / 


 Matthäus 3, 13 – 17

* * *

Die Unzucht am Hofe des Herodes

und Johannes Einkerkerung

Am Hofe des Herodes aber 




hat man Moral nicht ernst genommen.

Dies ist nun durch des Volks Palaver

Johannes zu Gehör gekommen.

Herodes hatte zu der Zeit

Herodias – des Bruders Weib –

verführt und kurz danach gefreit,

weil er begehrte deren Leib.

Wegen dieser Unsittlichkeiten

wetterte dann Johannes laut.

Das hätte sich zu diesen Zeiten

kein Mensch sonst – außer ihm – getraut.

Davon hörte Herodes gleich

und es konnte ihm nicht gefallen,

dass dieser Mann in seinem Reich

so sprach vor diesen Menschen allen!

Er hatte Ängste auch verspürt

vor diesem frommen, ernsten Mann,

dass dieser ihm sein Volk verführt –

dass der gefährlich werden kann!

Herodias hätt’ gern gesehen,

dass ihn ihr Mann gleich töten ließ.

Herodes ließ das nicht geschehen;

er sperrte ihn in ein Verließ.

Hier war Johannes gut geschützt

vor seines Weibes Rachetat.

Herodes hat das ausgenützt,

er holte sich gar bei ihm Rat.




 Markus 6, 17 – 20

* * *

Die Frage des Täufers an Jesus

und dessen Antwort

Johannes hörte im Gefängnis, 




dass Jesus wieder sei im Land.

Drum hatte er aus der Bedrängnis

zwei seiner Jünger ihm gesandt.

Sie sollten ihm die Frage stellen:

»Bist du’s, der uns verheißen ward,

um unsre Welt hier zu erhellen,

oder doch nicht? – Das wäre hart!«

Er fühlte sich allein gelassen

von Jesus, der doch Wunder tat.

Für ihn war es schier nicht zu fassen,

dass er ihm nicht geholfen hat.

Man kann Johannes ja verstehen,

der darbte dort bei kargem Licht,

während Jesus dort frei konnt' gehen.

Warum nur half er ihm denn nicht?

Jesus antwortete: »Kehrt um

und sagt ihm, was ihr hört und seht.

Ich lehr' das Evangelium

den Armen, so wie ein Prophet.

Dass Taube hören, Blinde sehen,

dass Tote wieder stehen auf,

Aussätz’ge rein sind, Lahme gehen,

und Kranke fühlen sich wohlauf!

Sagt ihm, dass jeder selig ist,

der sich nicht ärgert über mich.

Wer an mich glaubt, der ist ein Christ!

Die Worte soll er merken sich.«

Ob dies Johannes Trost gespendet,

von Jesus, der doch Wunder tat.

Sein Schicksal hat sich nicht gewendet.

Nun schau’n wir, was getan sich hat.




 Matthäus 11, 2 – 5

* * *

Salomes Tanz und des Johannes Tod

Geburtstag hatte zu der Zeit 




Herodes; diesen zu begehen,

war bei der großen Festlichkeit

die ganze Hautevolee zu sehen.

Als alle dort bei Tische saßen,

gab’s viele Vorführungen auch,

während die Gäste Gutes aßen.

Das war bei Festen damals Brauch.

Die Tochter der Herodias

wollte sich tanzend produzieren

und es machte ihr sichtlich Spaß,

den Sex-Appeal auszuprobieren.

Mit Schleiern tanzte sie verspielt;

das wirkte anmutig und leicht.

Und damit hatte sie gezielt

große Bestätigung erreicht.

Die Gäste waren angetan

und fühlten sich sehr angeregt.

Herodes sah man’s richtig an,

denn er war innerlich bewegt.

Er sprach dann zu dem Mägdelein:

»Wünsche dir, was du willst von mir;

ich schwör, es soll gewährt dir sein!

Was du verlangst, gebe ich dir.«

Mit ihrem Wunsch ließ sie sich Zeit –

wollte erst mit der Mutter sprechen;

und die sah die Gelegenheit

sich an Johannes jetzt zu rächen!

Sie sprach zu ihr: »Wünsche dir doch

den Kopf dieses Johannes gleich!

Du hast so viel und erbst ja noch

später das halbe Königreich.«

Sogleich ging sie zurück zum König

und sagte: »Nur das Haupt gib mir

dieses Johannes – nur so wenig; –

in einer Schüssel schenk es mir.«

Erschrocken und zugleich verzagt

konnte er – schon des Eides wegen –

nicht ändern, was er zugesagt.

Da gab’s nichts mehr zu überlegen.

So schickte er den Henker los

um diesen Wunsch ihr zu erfüllen,

wissend, er würde damit bloß

den Blutdurst seines Weibes stillen.

Und so geschah’s; an diesem Tag

war Prediger Johannes tot.

Sein Haupt in einer Schüssel lag

in einer Lache, blutig rot.

Der Henker trat nun damit ein

und übergab die Schale gleich

dem hübschen, jungen Mägdelein.

Es nahm sie an, zittrig und bleich.

Die Tochter brachte die Trophäe

zu ihrer Mutter nun geschwind,

welche schon stand in ihrer Nähe.

Sie dankte freudig ihrem Kind.

Die Tochter wird in den Berichten

der Bibel „Tochter“ nur genannt.

Erst später wird sie in Geschichten

als „Salome“ richtig bekannt.

Ein Flavius Josephus war

Historiker, der forschte eben

– erst nach der Schrift Entstehung zwar –

und hat den Namen ihr gegeben.

Als seine Jünger dann gehört,

was mit Johannes dort geschehen,

mussten sie traurig und verstört

schnell seinen Leichnam retten gehen.

Sie holten ihn im Kerker ab

und trugen ihn quer übers Land

und legten ihn so in ein Grab.

Niemand bisher die Stelle fand.

Manche gingen zu Jesus über

und gaben ihm darob Bericht.

Ich denk, er wusst' schon was darüber!

Allein – man weiß es eben nicht.




 Markus 6,21 – 29 / ​Matthäus 14, 6 – 12

* * *




Kapitel 2


Josef



Josefs Herkunft und Beruf

Wie Josef zu Maria kam

Josefs Heimkehr und sein Erschrecken über Marias Schwangerschaft

Verhör und Prüfung durch die Priesterschaft

Der Gang nach Bethlehem, die Geburt Jesu und die Flucht vor König Herodes

Die Pilgerreise nach Jerusalem und die Suche nach Jesus




Josefs Herkunft und Beruf

Josef hieß er, den man kennt

aus dem Neuen Testament.

Man kennt ihn nur, das ist wohl klar,

weil er der Mann Marias war.

Nur dadurch wurde er bekannt,

sonst wird er selten nur genannt.

Wo stammte dieser Josef her?

Dies zu erkunden war nicht schwer.

Matthäus schrieb der Zeiten Lauf

und somit Josefs Ahnen auf.

Abraham steht am Anfang dort,

mit David setzte es sich fort,

Salomo, Jakob obendrein,

der sollt' dann Josefs Vater sein.

So war Josef der Stammeshalter

nach zweiundvierzig Menschenalter.

Die Ahnenreihe – nun bekannt –

ist vielleicht gar nicht relevant.

Denn Jesus – das weiß man ja schon –

war nicht Josefs leiblicher Sohn.

Er war Marias Mann und – richtig –

als Ziehvater war er doch wichtig!

Er war ein braver Mann gewesen.

Viel kann man nicht über ihn lesen.

Er ist jedoch, wie man hier sieht,

unmittelbares Bindeglied

zwischen dem Neuen Testament,

welches vom Alten ward getrennt.

Auch deshalb war es mein Bestreben,

zu schreiben über Josefs Leben.

Nun – Josef war ein Zimmermann

der gut mit Holz umgehen kann.

Er war beruflich sehr erfahren;

und bereits älter schon an Jahren.

Durch seines Weibes Tod gebeugt,

mit der er Söhne schon gezeugt,

lebte mit diesen er allein.

Damit wollt' er zufrieden sein.

Er führte – das war sein Bestreben –

ein wahrhaft gottergeb’nes Leben;

hat seine Arbeit gut verrichtet

und auf ein zweites Weib verzichtet.

So schrieben’s Jesu Jünger auf.

Doch keiner klärt darüber auf,

wie Josef zu Maria kam

und weshalb er sie zu sich nahm.

Das fehlt bei ihnen, und darum

schaute ich mich noch weiter um.

Schließlich habe ich auch nach Stunden

Jakobus Schriftstück noch gefunden:

Es heißt Protevangelium

und steht nicht in der Bibel. – Drum

wird es sehr selten nur genannt

und ist deshalb nicht so bekannt.

Ich bin recht neugierig gewesen

und hab es aufmerksam gelesen.

Da es vielleicht doch interessiert,

hab' ich es auch interpretiert.

* * *

Wie Josef zu Maria kam

Maria, die grad zwölf geworden, 




lebte bis jetzt im Priesterorden.

Der Umstand war nun bei den Alten

moralisch so nicht mehr zu halten!

Jedoch bevor sie deshalb stritten,

wollten sie ihren Herrgott bitten,

ihnen zu sagen, was sie nun

denn mit Maria könnten tun.

Hier wundere ich mich schon sehr!

War eine Lösung denn so schwer?

Wäre es denn nicht gut gewesen,

dieses so unschuldige Wesen

ins Elternhaus zurück zu geben,

wo sie behütet könnte leben?

Das wäre für das Kind fürwahr

das Naheliegenste sogar!

Der Hohepriester im Ornat

bat Gott im Tempel nun um Rat.

Als er dort kniete am Altar,

ein Engel ihm erschienen war.

Der sprach zu Zacharias dann:

»Für einen künft’gen Ehemann,

rufe die Witwer hier zusammen,

welche vom Blute Davids stammen.«

»Ein jeder soll vor allen Dingen

seinen eigenen Stab mitbringen!

Wo Gott ein Zeichen gibt darein,

des' Weib soll dann Maria sein!«

Da man durch Gott die Lösung fand,

ging gleich der Ruf hinaus ins Land:

Die Witwer all', unausgenommen

sollten nun hin zum Tempel kommen.

Ist der Gedanke nun so dumm,

wenn ich die Frage stell', warum

musste die Auswahl hier allein

auf Witwer nur beschränkt denn sein?

Nun – man erlebt es ständig, stündlich –

Gottes Wege sind unergründlich.

So machten sich schon kurz darauf

ringsum im Land die Witwer auf.

Als alle nun beisammen waren,

um Näheres hier zu erfahren,

mussten sie eines Ritus wegen

die Stäbe Zacharias geben.

Der nahm sie an und trat allein

mit diesen in den Tempel ein.

Bald trat er dort wieder heraus

und teilte alle Stäbe aus.

Und jeder konnte deutlich sehen,

dass nichts an ihnen war geschehen.

Als Josef seinen Stab annahm,

aus diesem eine Taube kam,

welche sich unverzüglich jetzt

auf Josefs Haupt hatte gesetzt.

Der Priester schritt zu Josef hin,

erklärte dieses Zeichens Sinn:

»Der Herrgott wählte dich hier aus,

zu führ’n die Jungfrau hier nach Haus!

Maria, unschuldig und rein,

kann länger nicht im Tempel sein.

Hüte sie für ein Jahr genau,

dann mache sie zu deiner Frau!«

Doch Josef wehrte ab und sprach:

»Das brächte mir nur Spott und Schmach,

denn Söhne hab ich schon bereits;

auch bin zu alt ich andrerseits,

um dieses Mädchens Mann zu werden!

So würd' ich zum Gespött auf Erden.

Ich wär’ ein Ziel für Lästereien,

würde ich dieses Mädchen freien!«

Doch Priester Zacharias sprach

zu ihm: »Nein, es ist keine Schmach,

wenn dich der Herr bestimmt dafür!

Denke daran und glaube mir,

Gott duldet keine Widerreden,

er strafte dafür bisher jeden!«

Josef zog den Beschluss daraus

und nahm Maria mit nach Haus.

Als schließlich beide waren dort,

sprach er zu ihr: »Ich muss jetzt fort,

um meine Bauten zu vollenden

und sie vertragsgemäß beenden.

Gott wird dich schützen, drum sei fromm,

bis ich zu dir dann wiederkomm'.«

Und sie gehorchte ihm aufs Wort

und wartete auf Josef dort.




 Protevangelium 8 + 9

* * *

Josefs Heimkehr und sein Erschrecken

über Marias Schwangerschaft

Als Josef dann nach einem Jahr 




endlich wieder zu Hause war,

da konnte er sehr deutlich sehen,

dass mit Maria was geschehen.

Da sie im sechsten Monat war,

sah man den Zustand ziemlich klar!

Dass sie ein Kind im Leibe trug

empfand Josef nun als Betrug!

Er fühlte Schuld auch überdies,

weil er sie lang alleine ließ.

Es hatte mächtig ihn erschreckt.

Wer hat die Jungfrau wohl befleckt?

Enttäuscht sprach er Maria an:

»Sprich, warum hast du das getan?

Wurdest im Tempel doch erzogen.

Was hat dich dazu nur bewogen?«

Maria machte Josef klar, 




was zu der Zeit geschehen war:

»Ich weiß nicht, wie’s genau geschah!

Ein Engel stand ganz plötzlich da

und sagte, ich sei auserkoren,

von mir würde ein Sohn geboren!

Ich sagte ihm, das könnt' nicht sein,

ich ließ mit keinem Mann mich ein!

Doch der beruhigte mich gleich

und sprach, dass Gott vom Himmelreich

den heil’gen Geist herab wird senden,

der soll die Frucht im Leib mir spenden.

Mein Kind würde in jedem Land

später als Gottes Sohn bekannt.

Ich staunte über das Geschehen

und ließ es über mich ergehen.«

Doch was Maria ihm erzählte, 




ihn innerlich gar heftig quälte.

Er überlegte hin und her,

denn dies zu glauben fiel ihm schwer.

Ihm war bisher im ganzen Land

ein solcher Fall noch nicht bekannt.

Er fragte sich zudem verzagt:

„warum hat Gott mir nichts gesagt?“

Zudem dachte er an die Schande

und das Gerede hierzulande.

Josef ängstigte sich doch sehr!

Wer sollte das schon glauben – wer?!

Aber im Traume, in der Nacht,

hat ihm ein Engel klar gemacht,

dass das Gesagte Wahrheit sei.

Jetzt war Josef von Ängsten frei!




 Protevangelium 13, 1 + 2 / 


 Lukas 1, 23 – 38 / 


 Protevangelium 14, 1 + 2

* * *

Verhör und Prüfung durch die Priesterschaft

Bald wurde auch den Priestern klar, 




dass nun Maria schwanger war.

Sie forderten nun Rechenschaft

über des Mädchens Schwangerschaft

von Josef, und sie schimpften laut:

»Du hast geschändet deine Braut,

hast vor der Hochzeit sie genommen,

drum muss sie wieder zu uns kommen!«

Doch Josef weinte bitterlich

und sprach: »Der Vater bin nicht ich!«

Danach hat er sie informiert

über das Wunder, das passiert.

Jedoch die Priester glaubten nicht

an diesen seltsamen Bericht.

Des Trugs wollt' man ihn überführen

und ein Exempel statuieren.

Sie sprachen: »Einer Klärung wegen

soll eine Prüfung dies belegen.

Der Herrgott wird uns offenbaren,

ob deine Worte Wahrheit waren!«

Ein Prüfungswasser reichte man

dem Josef, und der trank es dann.

Danach ging er für eine Zeit

ins Berggelände – nicht sehr weit.

Denn bald kam er zurück schon und

war noch recht rüstig und gesund.

Die Priester wollten’s nicht verstehen,

drum musste auch Maria gehen.

Auch sie musste den Becher leeren,

und wollte es auch nicht verwehren.

Doch sie kam ebenfalls – zum Glück –

ganz unversehrt wieder zurück!

Die Priester und des Volkes Schar

erkannten jetzt, was Wahrheit war!

Weil Gott der Herr sie nicht gerichtet,

haben auch sie darauf verzichtet.

Da man Maria schuldfrei fand,

nahm Josef sie nun an die Hand

und ging mit ihr nach Hause gern

und pries voll Freude Gott den Herrn!

Als ich die Stelle hab gelesen,

dacht' ich, es war wohl Gift gewesen,

das man den beiden da gereicht.

So wär' das Urteilfällen leicht.

Von diesen Priestern, die sehr mächtig,

war die Methode niederträchtig!

Jetzt sahen sie – wie jedermann –

die Sache als ein Wunder an!




 Protevangelium 15 + 16

* * *

Der Gang nach Bethlehem, die Geburt Jesu und die Flucht vor König Herodes

Für Josef kam in dieser Zeit 




aber die nächste Schwierigkeit:

Augustus, der regierte dort,

befahl, dass man von jedem Ort

in den Geburtsort gehen sollte,

weil er die Menschen zählen wollte.

Sie hatten sich dort sozusagen

steuererheblich einzutragen!

Dies war nämlich der Zählung Sinn.

Nach Bethlehem musst' Josef hin

mit seinen Söhnen, die schon groß –

ein Problem war Maria bloß!

Er fragte sich: Was soll ich sagen –

als was wird sie dort eingetragen?

Als Ehefrau? – das wär' nicht recht,

als Tochter? – auch das wäre schlecht!

Wie Josef löste das Problem,

ist aus der Schrift nicht zu erseh’n.

Ob er sie einst zum Weib genommen,

das hab' ich nicht herausbekommen.

Geschrieben wird darüber nicht –

in keinem einzigen Bericht!

Wenn auch die Sorgen ziemlich groß,

zog er mit seinen Söhnen los;

natürlich kam Maria mit,

welche auf einem Esel ritt.

Nach Tagen kamen sie sodann

in Bethlehem ermüdet an.

Nachdem man angekommen war,

Maria Gottes Sohn gebar!

Das Thema will ich kurz nur streifen,

um nicht bereits schon vorzugreifen

auf das, was später ich berichte

eigens in der Weihnachtsgeschichte.

Will mich auf Josef konzentrieren,

Sonst würde das zu weit hier führen.

Hier stelle ich nur zur Debatte,

welche Bedeutung Josef hatte

für Jesus und Marias Leben.

Hier ist nur dieses mein Bestreben.

Jesu Geburt in einem Stall

sprach sich herum fast überall.

Sterndeuter haben das Geschehen

zuvor sogar vorausgesehen.

Die Aufmerksamkeit war sehr groß –

am Stall war wirklich jetzt was los!

König Herodes fand das schlecht,

ihm war die Sache gar nicht recht.

Er fürchtete, dass dieser Sohn 




später gefährde seinen Thron.

Und er begann, das Kind zu hassen,

und wollte es gleich töten lassen.

Doch er erreichte nicht sein Ziel,

denn Josef kam jetzt mit ins Spiel,

denn Gott warnte im Traume ihn;

er solle nach Ägypten flieh’n.

Und Josefs Reaktion darauf:

Er stand sofort gehorsam auf

und hat gleich alle wach gemacht.

Er nahm das Jesuskindlein sacht,

scharte alle besorgt um sich,

so dass er schon bei Nacht entwich.

Sie litten in Ägypten Not

bis nach König Herodes Tod.

Ein Engel kam im Traum hernieder 




und sprach zu Josef: »Ziehe wieder

nach Israel, wo für das Kind

und euch keine Gefahren sind.

Herodes, der euch bracht' in Not

sucht euch nicht mehr, denn er ist tot.«

Und Josef, dieser brave Mann,

befolgte diesen Auftrag dann.

Der Traum in Freude ihn versetzte!

Doch diese Botschaft war die letzte

die er vom Himmel noch vernommen.

Kein Traum ist mehr zu ihm gekommen.

Kein Engel ist mehr aufgetaucht.

Doch wurde er noch sehr gebraucht;

denn als Ernährer seiner Lieben

ist er stets fürsorglich geblieben!




 Lukas 2, 1 – 7 / 


 Matthäus 2, 13 + 14 / 


 Matthäus 2, 19 – 23

* * *

Die Pilgerreise nach Jerusalem

und die Suche nach Jesus

Josef ließ sich erleichtert wieder

in Nazareth – der Heimat – nieder.

Hier wuchs sein Ziehsohn nun heran,

bis er gereift zum jungen Mann.

Josef – bemüht an Vaters statt –

umsorgte ihn, machte ihn satt.

Er war zur Hilfe stets bereit

in der gewiss nicht leichten Zeit!

Darum ist es schwer zu verstehen

dass in der Bibel leider eben

so wenig wird von ihm berichtet;

ich hab' da weiter nichts gesichtet.

Nur einmal ist im Text zu lesen,

wo Joseph noch dabei gewesen.

Keiner schrieb Josefs Lebenslauf

nach dem Ereignis weiter auf.

Maria, Joseph, Jesus auch, 




die pilgerten nach altem Brauch

gemeinsam nach Jerusalem

das Passahfest dort zu begeh’n.

Sie brachten Opfergaben dar,

wie das zum Feste üblich war.

Zwölf Jahre alt war Jesus schon,

welcher hier galt als Josefs Sohn.

Als diese Festlichkeit dann aus,

kehrten sie um – wieder nach Haus.

Nach einer kurzen Strecke schon

vermissten sie dann ihren Sohn.

Nun mussten sie – so war es eben –

sich noch einmal zurück begeben.

Er saß im Tempel und er hatte

mit den Gelehrten 'ne Debatte.

Erleichtert war’n die Eltern jetzt

und andrerseits etwas verletzt.

Doch war’n sie froh, dass sie den Knaben

– der ja erst zwölf – gefunden haben.

Sie sprachen zu ihm ärgerlich:

wir waren sehr besorgt um dich!

Du weist doch wohl, dass wir dich lieben.

Warum bist du zurückgeblieben?

Doch Jesus redete sich raus:

»Dies ist doch meines Vaters Haus!

Nur hierhin brauchtet ihr zu gehen

um mich gesund wieder zu sehen.«

Dachte da Josef recht beklommen:

»Konnte ich da nicht selbst drauf kommen?«

Denn er war ja sein Vater nicht,

er hatte nur die Sorgepflicht!

Jesus gab also – wie wir sehen –

allen, die dort war’n, zu verstehen,

dass Josef nicht sein Vater sei!

Wie fühlte Josef sich dabei?

Das war’s mit Josef dann gewesen!

Mehr kann man über ihn nicht lesen.

Wie war und endete sein Leben?

Hat’s Trauer dann um ihn gegeben?

Trotz dass er alles gut gemacht

hat man nicht mehr an ihn gedacht.

Die Jünger haben von dem Lieben

nun wirklich nichts mehr aufgeschrieben.

Drum endet hiermit die Geschicht’.

doch meine Achtung endet nicht

vor diesem wackren, guten Mann,

welchen man nur bewundern kann.

Drum lasse ich mir’s nicht verwehren

Josef posthum hiermit zu ehren!




 Lukas 2, 41 – 52

* * *




Kapitel 3


Maria



Marias Herkunft und Kindheit

Marias Geburt und ihre Zeit als Kleinkind

Die Überantwortung Marias an Josef

Die Verheißung der Geburt Jesu

Marias Schwangerschaft und ihr Besuch bei Elisabeth

Josefs Heimkehr

Jesu Geburt und Marias Leben danach




Marias Herkunft und Kindheit

Nun möchte ich von den Geschichten

über Maria hier berichten.

Dass sie die Mutter Jesu war,

wissen wir durch die Schriften zwar,

doch es ist schwerlich zu erfahren,

wer Ihre Vorfahren einst waren.

Viele von hoch gelehrten Leuten

wollten die Schriften schlüssig deuten,

welche erhalten uns geblieben,

weil es einige niederschrieben.

Jedoch die ganze Wissenschaft

hat dies nicht eindeutig geschafft.

Auch mir wird es wohl kaum gelingen,

die Fakten klar herauszubringen.

Ich konnte mich – beim Versgestalten –

nur am bereits Geschriebnen halten.

Manches ist da nicht gleich verständlich

da stellenweise nicht identisch.

Jedenfalls war es mein Bestreben,

alles über Marias Leben

in den Berichten aufzuspüren

und es zusammen hier zu führen.

Ich meine, das ist nicht verkehrt

und aller Nachforschungen wert.

Wo stammte dieses Mädchen her? 




Dies zu ermitteln fällt recht schwer.

Ist sie es – wie teils angenommen –

die vom Stamm Davids hergekommen?

Denn Jesus sollte ja allein

ein Nachkomme von David sein!

Da Josef aber, das ist klar,

nur Jesu Pflegevater war,

musste Maria obendrein

selbst auch vom Stamme Davids sein!

So wird das Nachfolgegeschlecht

den Prophezeiungen gerecht!

Es wurden damals – wie bekannt –

jedoch die Väter nur genannt.

Darum schrieb man im Stamm-Verlauf

damals nur Männernamen auf.

Denn Lukas hat auch festgehalten:

Er ward für Josefs Sohn gehalten. 




Ich fand zwar in der Bibel was,

doch wenig nur, drum nahm ich das

Protevangelium zur Hand

wo ich Informationen fand

über das einstige Geschehen,

die in der Bibel so nicht stehen.

Am Anfang schrieb Jakobus klar 




über Marias Elternpaar

Joachim und Anna – die beiden –

waren eigentlich zu beneiden,

denn sie waren an Gütern reich.

Dieses erwähnt Jakobus gleich.

Über Joachims Elternhaus

fand man letztendlich dann heraus

und nahm' s auch als erwiesen an:

Joachim kam aus Davids Stamm.

Auch Anna – hat man angenommen –

könnte von Davids Stamme kommen.

Joachim, der großzügig war,

brachte auch gerne Gaben dar.

Zum Tempel hin trug er sie gern,

um Dank zu sagen Gott dem Herrn.

Was mehr als üblich allgemein,

das sollte für die Armen sein!

An einem großen Tempelfeste

hielt Joachim es für das Beste,

schon in der Frühe aufzustehen,

um gleich zum Tempel hin zu gehen.

Daher kam dieser fromme Mann

mit Gaben dort als Erster an.

Jedoch Rubim, der Priester war,

machte unmissverständlich klar,

dass er als Erster seine Gabe

zu bringen er das Recht nicht habe,

weil er keine Nachkommenschaft

bisher in Israel geschafft.

Joachim – traurig ob der Schmach –

sah in den Stammesbüchern nach,

ob er denn wirklich ganz allein

hier würde ohne Nachwuchs sein.

Dort musste er enttäuscht dann lesen,

dass er der Einzige gewesen.

Das schlug ihm heftig auf den Magen!

Ohne daheim etwas zu sagen

ging er von seinem Heimatort

zum Fasten in die Wüste fort.

Nur das Gebet sollte allein

für ihn Speise und Trank dort sein.

Anna, sein Weib – so kann man sagen – 




hatte nun doppelt Grund zum Klagen:

Nicht, weil sie ohne Kinder bloß,

jetzt war sie auch den Mann noch los!

Zum Himmel schaute sie hinauf

und hörte nicht zu jammern auf.

Als Gott vernahm all diese Klagen

ließ er ihr durch 'nen Engel sagen:

»Gott wird den Wunsch dir nun gewähren,

du wirst empfangen und gebären!

Die Leibesfrucht – noch unbekannt –

wird bald in aller Welt genannt.«

Anna sprach: »Wenn ein Kind ich habe, 




sei es nun Mädchen oder Knabe,

will ich’s dem Herrgott wiedergeben!

Nach Priesterart soll es dann leben.

Es soll sein Leben lang allein

nur Gott dem Herrn zu Diensten sein.«

Nach vierzig Tagen Fastenzeit

machte Joachim sich bereit,

wieder zu seinem Weib zu gehen,

um sie endlich wieder zu sehen.

Ein Engel hatte ihm bei Nacht

auch diese Botschaft überbracht.

Er sprach zu ihm: »Geh wieder Heim,

bald wird dein Weib dann schwanger sein!«

Voll Freude ging er auch sofort

zurück an seinen Heimatort.

Sein Weib hatte ihn froh empfangen

und gleich an seinem Hals gehangen.

Er legte sich nun erst mal hin,

und seine Frau umhegte ihn.

Da beide ja schon alt an Jahren

und in der Liebe recht erfahren,

sorgte Joachims Samen eben

jetzt endlich für ein neues Leben.




 Lukas 3, 23 – 38 / 


 Lukas 3, 23 / 


 Protevangelium 1 /




 Protevangelium 2 – 4 / 


 Protevangelium 4, 2 – 5, 1

* * *

Marias Geburt und ihre Zeit als Kleinkind

Wie es vom Engel prophezeit, 




war es auch ziemlich schnell soweit,

dass Anna war in Schwangerschaft.

Als dann neun Monate geschafft,

kam ihr ersehntes Kind zur Welt;

ein Mädchen – wurde festgestellt.

Die Mutter hatte es bewegt

zum Nähren an die Brust gelegt.

Und sie entschied nun ganz allein:

»Maria soll ihr Name sein!«

Mit Annas Fürsorge wuchs dann

ihr Töchterlein gesund heran.

Damit Maria bleibe rein,

richtete sie ein Zimmer ein,

das einem Heiligtume glich.

Gleichzeitig kümmerte sie sich

darum, dass sie nichts schlechtes aß;

sorgte für Abwechslung und Spaß.

Als dann das erste Lebensjahr 




des Mägdeleins vollendet war,

sollte dies groß gefeiert sein,

drum lud Joachim Gäste ein;

auch Priester und die Schriftgelehrten,

die einst das Spenden ihm verwehrten.

Zudem lud er in großer Zahl

das Volk rundum zu diesem Mahl.

Und alle sind zu ihm gekommen.

Nun hatte er das Kind genommen

um hier sogleich um Gottes Segen

die Hohenpriester zu bewegen.

Und diese segneten nun auch

das Kind nach hergebrachtem Brauch.

Und einer sprach: »Herr, sieh herab

aufs Kind, dem ich den Segen gab;

gib du ihm den vollkomm’nen Segen

den sonst kein anderer kann geben!«

Marias Mutter war nun froh

und dankbar, darum sprach sie so:

»Gott schenkte mir in dieser Zeit

die Frucht seiner Gerechtigkeit!

Drum stimm' ich an den Lobgesang

und preise Gott mein Leben lang!«

Maria – Annas Kind – gedieh; 




bereits zwei Jahr' alt wurde sie.

Joachim sprach: »Nun ist’s so weit,

ich denke, es ist an der Zeit,

dass wir unseres Kindes Leben

jetzt in der Priester Obhut geben.

Wir woll’n das Kind zum Tempel bringen!

Der Grund ist hier vor allen Dingen,

unser Versprechen zu begleichen

bevor der Herr uns gibt das Zeichen!«

Doch Anna sprach: »Lass' uns die Frist,

bis unser Kind drei Jahr' alt ist!«

Sie brachte auch das Argument:

»Wird es erst dann von uns getrennt,

fällt ihm die Trennung nicht so schwer

und es vermisst uns nicht so sehr.«

Joachim hat das eingesehen

und ließ ein weitres Jahr vergehen.

Doch allzu schnell die Zeit verrinnt. 




Schon war drei Jahre alt das Kind.

Die Eltern aber bangten schon

um Ihres Kindes Reaktion.

Wie wird Maria sich verhalten –

wie wird ihr Dasein sich gestalten?

Doch es war nicht mehr zu umgehen –

sie mussten jetzt zum Tempel gehen.

So haben sie noch vor der Nacht

Maria auch dort hin gebracht.

Ein Priester nahm das Mädchen dann

zwecks deren Obhut freundlich an.

Er segnete es und sprach leise

in einer feierlichen Weise:

»Der Herr wird in einigen Jahren

durch dich sich selber offenbaren!«

Dann setzte er Maria wieder

auf des Altares Stufen nieder.

Maria aber stand darauf

mit ihren kleinen Füßchen auf,

begann, sich tanzend zu bewegen.

Gott hat die Anmut ihr gegeben.

Und – wie Jakobus niederschrieb –

gewann ganz Israel sie lieb.

Nachdem die Eltern dies gesehen,

konnte sie nun nach Hause gehen.

Ihr Kind jedoch ließen sie hier

und dankten sogar Gott dafür,

dass es erstaunlich leicht doch ging

und ihr Kind nicht an ihnen hing.

Maria lebte nun hinfort

im Tempel – diesem heil’gen Ort.

Neun Jahre ward sie mit Bedacht

sehr fromm erzogen und bewacht.

Und Nahrung für ihr zartes Leben

hat stets ein Engel ihr gegeben.




 Protevangelium 5, 2 – 7 / 


 Protevangelium 6, 1 – 3 /




 Protevangelium 7 + 8 / 


 Protevangelium 7, 2 + 3

* * *

Die Überantwortung Marias an Josef

Als das Kind zwölf geworden war, 




wurde der Priesterschaft nun klar,

dass dessen Kindheit bald vorbei

und es dann nicht mehr möglich sei,

dass es im Tempel dann noch bliebe;

das ginge nicht – bei aller Liebe!

Ein Priester aus dem Gotteshaus

sprach das Problem auch deutlich aus:

»Wenn sie der Regel Blut entdeckt,

würde das Heiligtum befleckt,

drum muss sie aus dem Tempel nun.

Brüder – was können wir nur tun?«

Der Hohepriester ging allein

ins Allerheiligste hinein.

Ganz ehrfurchtsvoll und im Ornat

bat er dort Gott den Herrn um Rat.

Er rief: »Herr, sag’ mir deine Meinung!«

Es trat ein Engel in Erscheinung.

Der sprach zu Zacharias nun:

»Du solltest folgendes gleich tun:

Ruf alle Witwer hier zusammen,

welche vom Hause Davids stammen!

Und jeder soll vor allen Dingen

seinen eigenen Stab mitbringen.

Gott wird euch einen Hinweis geben,

mit wem Maria dann soll leben.«

Herolde zogen nun durchs Land

und machten das Gebot bekannt.

Die Witwer zogen brav dort hin

und rätselten über den Sinn.

Man hat – als sie dort angekommen –

ihnen die Stäbe abgenommen;

und Zacharias trat allein

damit gleich in den Tempel ein.

Er bat Gott um ein klares Zeichen,

die rechte Auswahl zu erreichen.

Als er dann wieder kam hinaus,

teilte er alle Stäbe aus.

Dabei verwechselte er keinen;

als Letzter bekam Josef seinen.

Trotz Überprüfung fand kein Mann

eine Veränderung daran.

Doch plötzlich es ein Wunder gab,

denn einzig aus des Josef Stab

flatterte eine Taube jetzt,

die sich auf Josefs Haupt gesetzt.

Und alle, die dort hin gekommen,

haben dies staunend wahrgenommen.

Doch Zacharias sprach zu allen:

»Seht, hier ist Gottes Los gefallen!«

Zu Josef sprach er dann allein:

»Du sollst Marias Hüter sein;

sollst sie vor weltlichen Gefahren

bei dir zu Hause treu bewahren!

Schütze dies jungfräuliche Lamm

als ehrenvoller Bräutigam!«

Halte die Brautzeit treulich ein,

dann soll dein Eheweib sie sein.«

Doch Josef war zunächst entsetzt

und sprach zu Zacharias jetzt:

»Hör zu, ich bin ein alter Mann,

der das nicht auf sich nehmen kann.

Was soll ich mit dem Mädchen bloß?

Ich habe Söhne, die schon groß!

Wenn ich die Jungfrau freien würde,

wäre das für mich eine Bürde!

Zudem würde ich so auch schnell

Opfer des Spotts in Israel!«

Der Priester aber sprach bestimmt:

»Es ist wohl besser, dass man nimmt

was Gott für uns hat vorgesehen.

Es könnte Schlimmes sonst geschehen.

Denke mal an die Schriften bloß.

Drum fürchte Gott, denn er ist groß!«

Josef hatte jetzt Angst bekommen

und dieses Mädchen mitgenommen.

Maria ward wohl kaum gefragt.

Sie hat sich wohl auch nicht beklagt.

Als er daheim dann mit ihr war,

machte er gleich Maria klar,

dass er zur Zeit mit vielerlei

Arbeiten noch beschäftigt sei.

Er müsse unverzüglich fort

an einen weit entfernten Ort.

Ich bin zu Arbeiten verpflichtet.

Habe ich diese dann verrichtet,

komme ich auch zurück zu dir

und sorge für dich, glaube mir!

Der Herr wird dich hier vor Gefahren

gewiss während der Zeit bewahren.

Josef ging von Maria fort

zwecks Arbeiten an manchem Ort.

Maria – ich kann es kaum fassen –

wurde von ihm allein gelassen!

Niemand ist sich hier wohl im Klaren,

ob Josefs Söhne bei ihr waren.

Die hatte er – mal angenommen –

als Hilfskräfte wohl mitgenommen.

Haben sie Engel dort ernährt?

Im Bibeltext man nichts erfährt

über Ihr Leben in dem Haus.

Darüber schweigt die Schrift sich aus.

Hier kann ich es nicht unterlassen,

dies inhaltlich mal zu erfassen,

und zwar auch aus Marias Sicht;

ein andrer tat’s bisher wohl nicht:

Wie bitte – ja, so frage ich –

fühlte das Kind Maria sich?

Von ihren Eltern abgegeben

um bei der Priesterschaft zu leben.

Fühlte sie sich nicht einsam dort

an diesem kinderlosen Ort?

Es fällt mir schwer, an solchen Stellen,

mir das Beschrieb'ne vorzustellen!

Neun Jahre bei der Priesterschaft!

Wie hat das Kind das nur geschafft?

Ist es ganz ohne Spiel und Faxen

und ohne Freundin aufgewachsen?

Unklar ist auch, ob in den Jahren

die Eltern manchmal bei ihm waren.

Ob es Maria gar nicht quälte,

weil doch die Elternliebe fehlte?

Ich frag’ mich, was kann das bedeuten,

dass sich die Eltern auch noch freuten,

dass ihre Tochter guter Ding

dort blieb, und nicht an ihnen hing.

Sie wuchs heran – zwar fromm und rein –

doch, durfte sie auch kindlich sein?

Hat man – frage ich unverhohlen –

Marias Kindheit so gestohlen?

Wer weiß, wie ihr zumute war,

als sie grad zwölf geworden war,

und man ihr unschuldiges Leben

jetzt wieder weiter hat gegeben.

Was hat Maria wohl gesagt,

als man sie einfach ungefragt

einem wildfremden Mann gegeben,

mit welchem sie dann sollte leben?

Wer glaubt denn, dass die Weltentrückte

diese Situation beglückte?

Aber bezüglich solcher Fragen

will kein Evangelist was sagen.




 Protevangelium 8 + 9

* * *

Die Verheißung der Geburt Jesu

Maria lebte lange Zeit 




in Josefs Haus in Einsamkeit.

Die Braut Josefs – noch ach so jung –

vermisste auch Beschäftigung.

Im Haus tat sie zwar dies und das,

doch das machte nicht wirklich Spaß.

Die Priesterschaft wollte nun gern

'nen Vorhang für das Haus des Herrn.

Der sollte aber ganz allein

von Jungfrauen geschaffen sein,

die aus dem Stamme Davids stammen.

Es fanden sieben sich zusammen.

Maria war dabei. – Deswegen

kam ihr der Auftrag sehr gelegen!

Die Arbeit wurde aufgeteilt

und durch Verlosung zugeteilt.

Jede nahm ihren Teil daraus

zwecks der Verrichtung mit nach Haus.

Im Protevangelium Zehn

können wir durch Jakobus sehn

– da er als Einziger notierte

was viele Christen interessierte –

dass dieses Kind Maria klar

Nachkomme vom Stamm Davids war.

Somit ist für die Christenwelt

meines Erachtens festgestellt,

dass durch Maria ganz allein

Jesus konnt’ vom Stamm Davids sein.

Die wichtige Information

fehlte mir in der Bibel schon.

Nach sechs Monaten so allein, 




kehrte bei ihr ein Engel ein.

Als den Maria dort entdeckt,

hatte sie sich schon sehr erschreckt.

Es war der Engel Gabriel,

der zu ihr sprach an dieser Stell':

»Gegrüßet seist du, holde Maid,

vor allen Frau’n gebenedeit!

Kein Grund ist, dass ein Schreck dich quält,

denn du bist von Gott auserwählt

aus all den Frauen hier auf Erden,

denn du wirst bald schon schwanger werden!

Gott will die Gnade dir gewähren,

denn du wirst einen Sohn gebären,

welcher die Welt erretten kann!

Gib ihm den Namen Jesus dann.

Man wird ihn Sohn des Höchsten nennen

und alle Welt wird ihn bald kennen.«

Maria konnt' das nicht verstehen

und fragte: »Sprich, wie soll das gehen,

denn nie hat mich ein Mann genommen!

Woher soll denn das Kindlein kommen?

Kein Mann hatte mich je verführt;

ich selbst hab nie den Drang verspürt!«

Der Engel antwortete ihr:

»Genau das ist es – glaube mir –

was Gott dem Herrn an dir gefällt;

darum hat er dich auserwählt!

Weil du nichts von Empfängnis weißt,

schickt Gott zu dir den Heil’gen Geist.

Durch ihn empfängst du völlig rein

und wirst auch dann noch Jungfrau sein!

Das bei Gott alles möglich ist,

spürst du, wenn du bald schwanger bist.

Das Kind, das du gebierst auf Erden,

wird Gottes Sohn genannt dann werden!

Was Gott beschließt, das wird auch wahr!

Elisabeth wird ja sogar

– trotz dass sie jetzt schon ziemlich alt –

den ersten Sohn gebären bald.

Deiner Verwandten Austragfrist

jetzt nur sechs Monate noch ist.«

Maria ward es völlig klar,

da sie folgsam erzogen war,

dass sie – wer weiß schon, was sie fühlte –

die Weisung Gottes auch erfüllte.

Sie sprach: »Ich bin nur Gottes Magd,

so werde wahr, was du gesagt.«




 Protevangelium 10 / 


 Lukas 1, 26 – 38

* * *

Marias Schwangerschaft

und ihr Besuch bei Elisabeth

Maria wurde in der Tat 




– wie Gabriel verkündet hat –

in kurzer Zeit auch schwanger schon.

In ihrem Leib wuchs Gottes Sohn!

Sie hatte Gott dafür gedankt –

doch, ihr Gefühl hat auch geschwankt.

Sie fragte sich: »Wird’s mir gelingen,

dies alles Josef beizubringen?«

Maria aber brauchte dann

jemand, mit dem man reden kann

über das Schwangerschaftsgeschehen

und wie es weiter würde gehen.

Nachdenkend, mit wem so was geht,

dachte sie an Elisabeth,

mit einem Sohn in ihrem Bauch.

Mit ihr wollte sie reden auch.

Maria ging mit frohem Sinn

eilend zu deren Wohnort hin.

Dort grüßte sie Elisabeth

und fragte höflich, wie’s ihr geht.

Als diese ihren Gruß vernahm,

es unvermittelt dazu kam,

dass dieses Kindlein in ihr drinnen

vor Freude hüpfte wie von Sinnen.

Elisabeth selbst fand das toll;

sie ward des heil’gen Geistes voll

und rief: »Du bist gebenedeit

unter den Frauen aller Zeit,

ebenso deines Leibes Frucht!

Wie schön ist’s, dass ihr uns besucht.

Du bist die Mutter unsres Herrn,

darum empfangen wir dich gern!«

Maria hat darauf gesagt:

»Ich selbst bin ja nur Gottes Magd.

Doch wird man preisen mich und loben,

weil Gott mich gnädig hat erhoben.«

Laut dem, was Lukas niederschrieb,

Maria dort noch länger blieb;

drei Monate hielt sie’s dort aus,

danach ging sie wieder nach Haus.

Maria hatte so für Wochen

mal ihr Alleinsein unterbrochen.

Diese Gespräche taten gut

und gaben ihr auch frischen Mut.

Doch sicher ist – so meine ich –

die zwei Frauen verstanden sich;

und die zwei Söhne scheinbar auch,

welche noch in der Mütter Bauch.




 Lukas 1, 39 – 45

* * *

Josefs Heimkehr

Als sie im sechsten Monat dann, 




kam auch zurück ihr Bräutigam.

Dass mit Maria was geschehen,

war selbstverständlich schon zu sehen.

Josef hatte es gleich entdeckt

und hat sich fürchterlich erschreckt.

Voll Kummer schlug er selber sich

und weinte danach bitterlich.

Enttäuscht sprach er Maria an:

»Sag', warum hast du das getan?

Du wurdest doch als meine Braut

jungfräulich rein mir anvertraut.

Du wardst im Tempel doch erzogen!

Damit hast du auch Gott betrogen!

Du warst doch unbefleckt und rein.

Warum gingst du auf so was ein?«

Maria indes weinte sehr

und die Erklärung fiel ihr schwer.

Sie sprach: »Ich bin auch jetzt noch rein;

ich ließ mit keinem Mann mich ein!«

Josef darauf: »Dann sag mir, Weib,

wie kam das Kind in deinen Leib?«

Maria sagte: »Auf die Fragen

kann ich dir nichts Genaues sagen.«

Josef, der ein sehr frommer Mann, 




bedachte, was man machen kann,

was diesen Umständen entspricht.

Glücklich darüber war er nicht.

Doch wollte er vor allen Dingen

Maria nicht in Schande bringen!

Andererseits wär’s auch bequem,

ganz heimlich von ihr fortzugeh’n.

Weil er darüber nachgedacht,

ist ihm ein Engel in der Nacht

im Traum erschienen; und der sprach:

»Denk da nicht weiter drüber nach!

Du musst ihr deinen Schutz gewähren.

Bald wird sie einen Sohn gebären,

der ihr von Gottes Geist gegeben!

Du darfst getrost dann mit ihr leben!«

Als Josef nach dem Traum erwachte,

war klar, dass er das auch so machte,

wie es der Engel ihm empfahl.

Doch nahm er sie kein einz’ges Mal

als Weib; da übte er Verzicht.

Denn es steht deutlich im Bericht,

dass er sein Recht erst dann nahm wahr,

nachdem sie ihren Sohn gebar.

Doch für Maria – denk’ ich mal –

war dies zunächst mal ideal,

denn alles war für sie ja neu.

Vielleicht verspürte sie auch Scheu

und war entsprechend auch gehemmt,

denn Josef war ihr ja noch fremd.

Dem Alter nach könnt' er allein

ihr Vater – Großvater gar sein!

Allerdings war ihr junges Leben

von alten Priestern nur umgeben.

Junge Burschen aus ihrem Land

hat sie bisher wohl kaum gekannt.

Sie wurde fromm erzogen – bloß

recht weltfremd. – Sie war ahnungslos,

was außerhalb der Tempelmauern

für weltliche Gefahren lauern.

Genug jetzt von meinen Gedanken,

die sich um solche Dinge ranken.

Ich stelle besser weiter dar,

was nun danach geschehen war.




 Matthäus 1, 18 – 25 / ​Protevangelium 13, 1 – 3




 Protevangelium 14

* * *

Jesu Geburt und Marias Leben danach

Nach ihrer langen Schwangerzeit 




war’s bei Maria bald soweit.

Hochschwanger musste sie jedoch

nach Bethlehem erst ziehen noch,

wo sie – da sonst kein Raum frei war –

Jesus in einem Stall gebar.

Von da an zählte man die Zeit

als Anfang unsrer Christenheit!

Weil dies veränderte die Welt,

hab ich gesondert dargestellt,

was damals um das erste Jahr

von Jesus dort geschehen war.

Hier will ich erst mal mit dem Schreiben

beim Schicksal von Maria bleiben.

Darüber doch – stellte ich fest –

sich nicht mehr viel erfahren lässt!

Über den weit’ren Lebenslauf

Marias schrieb man wenig auf.

Von den Chronisten – allen vieren –

gibt’s wenig zu interpretieren.

War sie denn – denke ich hier richtig –

für sie und Jesus nicht mehr wichtig?

Das, was man schrieb über sie doch,

fasse ich hier zusammen noch:

Man liest ganz nebenbei nur so, 




dass sie mit nach Ägypten floh

mit Josef und mit ihrem Kinde,

wobei ich eigenartig finde,

dass ab jetzt Josef offenbar

für Gott der Ansprechpartner war.

Der Engel warnte nämlich ihn,

sie sollen nach Ägypten zieh’n.

Der sprach zu ihm: »Bleibe nicht hier,

nimm Kind nebst Mutter schnell zu dir;

Herodes Häscher zieh’n herum,

und bringen alle Knäblein um.

Dort, in Ägypten sollt ihr leben.

Ich werde dir Bescheid dann geben,

wenn die Bedrohung ist vorbei –

dann geht nach Hause alle drei.«

Jeder achtet wohl nicht darauf,

mir jedoch fiel es hierbei auf,

als Josef die Nachricht erfuhr,

dass dieser Engel einfach nur

von der Mutter des Kindleins spricht,

denn ihren Namen nennt er nicht.

Genau so drückte er sich aus

bei dem Gebot: »Nun geht nach Haus.«

Dann hatte Lukas noch beschrieben, 




dass Jesus mal zurückgeblieben

nach einem Feste ehedem

im Tempel zu Jerusalem.

Denn als das Passahfest war aus,

zog alles Volk wieder nach Haus.

Wie es beim Volksgetümmel ist,

ward Jesus erst recht spät vermisst.

Die Eltern dachten wohl dabei,

dass er bei den Gefährten sei.

Doch bangten sie nach einer Zeit

um ihres Sohnes Sicherheit.

Unruhig wurden sie, darum

hörten sie sich bei Freunden um.

Unter der großen Menschenschar

er aber nicht zu finden war.

So sind die Eltern unter Bangen

den ganzen Weg zurückgegangen.

Drei Tage suchten sie jetzt schon;

dann endlich fanden sie den Sohn!

Sie war’n erstaunt darüber, dass

ihr Kind bei den Gelehrten saß.

Er stellte ihnen kluge Fragen

und wusste selbst auch viel zu sagen.

Und alle Lehrer, die zugegen

staunten, seines Verstandes wegen.

Doch als die Eltern ihn entdeckt,

war’n sie verärgert und erschreckt.

Drum sprach Maria ganz spontan:

»Sag, warum hast du das getan?

Warum bliebst du alleine hier?

Drei Tage suchten wir nach dir!«

Doch Jesus rechtfertigte sich –

fragte: »Warum suchtet ihr mich?

Ich konnte – logisch – doch allein

nur im Haus meines Vaters sein!«

Die Eltern dies nicht so empfanden,

weil sie zunächst es nicht verstanden.

Doch seine Mutter behielt schon

im Herzen, was gesagt ihr Sohn.

Und Jesus sah danach doch ein,

er könne froh und dankbar sein

für seine Eltern – die geduldig.

Er war ihnen Gehorsam schuldig.

Also ging er mit ihnen dann

nach Haus – ward ihnen untertan.

Dort hat Beachtung er bekommen,

da er an Weisheit zugenommen.

Darüber, was er tat zu Haus,

schweigt sich die Bibel leider aus.

Da man darob nichts lesen kann,

nehme ich folgendes mal an:

Er lernte – denke ich – recht fleißig

und blieb dort wohl bis er fast dreißig.

Er hat die Schriften wohl studiert

und in der Werkstatt assistiert.

Über Maria liest man dort

in diesem Zeitraum nicht ein Wort.

Jesus hatte sein Heim verlassen

und sich im Jordan taufen lassen.

Nachdem er dann im Wüstensand

etliche Prüfungen bestand

und dann nach Galiläa kam,

man von Maria was vernahm.

In Galiläa – ist zu lesen –

in der Stadt Kana sei’s gewesen, 




regte sie bei 'ner Hochzeit dann

Jesus zum ersten Wunder an.

Dieses beschrieb Johannes nur;

bei andren davon keine Spur.

Was sich dort zugetragen hat,

berichte ich noch separat.

In Kapernaum – viel später dann –

hat Jesus Wunder auch getan.

Er heilte und trieb Teufel aus

und predigte in manchem Haus.

Als er in einem großen Saal 




zu seinem Volke sprach einmal,

stand seine Mutter dort am Tor,

auch seine Brüder war’n davor.

Maria schickte einen Mann

in diesen Raum zu Jesus dann,

um ihm zu sagen, dass sie hier

ihn sprechen wollten vor der Tür.

Der ging zu ihm – und nicht alleine –

und sprach zu ihm: »Es stehen deine

Mutter und Brüder vor der Tür

dort draußen und fragen nach dir!«

Im Raum war es ganz still danach,

doch Jesus sah umher und sprach:

»Wer ist denn meine Mutter hier –

wer meine Brüder, sagt es mir!«

Er sah auf seine Jüngerschar,

welche sehr nahe bei ihm war

und sprach: »Hier sind sie allesamt –

Mutter und Brüder insgesamt!

Jeder, der Gottes Willen tut,

der ist für mich genauso gut

Bruder, Schwester und Mutter mein;

dies kann für mich hier jeder sein!«

Doch kein Evangelist notierte,

was nach der Szenerie passierte.

Ich fand – was dies Gescheh’n betrifft –

nirgendwo eine Niederschrift.

Mir drängten sich hier Fragen auf,

doch Antworten gibt’s nicht darauf.

Ich hab darüber nachgedacht,

was Jesus wohl danach gemacht.

Ist er zu ihr herausgekommen

und hat sie in den Arm genommen?

Fragte er seine Mutter nun:

»Sag mir, was kann ich für dich tun?«

Oder beachtete er nicht

die gottgewollte Sohnespflicht?

Hat er die Bitte ignoriert?

Da bin ich etwas irritiert!

Hiermit stelle ich fest – betroffen –

die Fragen bleiben leider offen.

Ab jetzt – und das vermiss ich sehr –

schrieb keiner von Maria mehr!

Erst als sie unterm Kreuze stand,

ich sie schriftlich erwähnt noch fand.

Was in der Zwischenzeit gewesen,

kann man im Bibeltext nicht lesen.

Johannes schrieb die Szenerie –

und ich interpretiere sie:

Als Jesus schon am Kreuze hing 




und mancher dort zum Schauen ging,

stand an dem grauenvollen Ort

Maria – Jesu Mutter – dort.

Auch seine Tante stand daneben,

um Jesu Mutter Halt zu geben.

Maria – die aus Magdala –

stand ebenfalls verzweifelt da.

Was auffällt ist, dass offenbar

kein Jünger sonst zugegen war.

Wollten aus purer Angst die feigen

Jünger sich lieber dort nicht zeigen?

Nur einer bei Maria blieb.

Es heißt: Jesus hatte ihn lieb!

Als Jesus diesen dort gesehen

ganz nahe bei Maria stehen,

gab er von seinem Kreuz herab

die irdisch letzte Weisung ab.

Er sprach in fürsorglichem Ton:

»Weib, siehe, dieser ist dein Sohn!«

Und seinem Jünger zugewandt

er ebensolche Worte fand.

Er sprach: »Pass auf die Frau gut auf –

nimm sie als deine Mutter auf!«

Nach diesen Worten seines Herrn

tat der dies selbstverständlich gern.

So, wie’s Johannes niederschrieb,

hatte er diesen Jünger lieb;

den Namen gibt er nicht bekannt.

Doch für Maria –›Weib‹ genannt –

gab er ihm die Fürsorgepflicht,

dass Jesus sie lieb hatte, nicht.

Es sieht hier zwar schon danach aus,

doch sprach es Jesus jemals aus?

Jedenfalls schrieb’s kein Jünger nieder

und das verwundert mich nun wieder.

Nach dieser Episode kann

man kaum noch etwas lesen dann

über Maria in der Schrift –

nichts, was ihr Dasein noch betrifft.

Weder, als man sich sorgend regte

und ihren Sohn ins Grab dann legte,

noch, als man ihn später nicht fand,

wird Jesu Mutter noch genannt.

Wer hat Maria Trost gespendet,

nachdem ihr Sohn am Kreuz verendet

nach seinem allerletzten Schrei?

War sie denn nirgend mehr dabei?

Man kann an keiner Stelle lesen,

was sie für ihren Sohn gewesen.

Es fiel mir auf auch irgendwann:

Er sprach sie nie mit ›Mutter‹ an;

stets nur mit ›Weib‹ oder mit ›Frau‹.

Ich registrierte das genau.

An vielen Stellen steht zwar schon,

Maria liebte ihren Sohn

und litt gewisslich zu der Zeit

oft unter Sorgen und auch Leid.

Die vier Evangelisten schrieben

jedoch rein nichts mehr von der lieben

Mutter von Jesus! – Ist das fair? –

Sie fand keine Beachtung mehr!

Sie hat als Mutter Gott gedient

und mehr Erwähnung hier verdient!

Maria fand ich einmal doch




erwähnt kurz in der Bibel noch:

Nachdem Jesus gen Himmel fuhr,

fand ich Marias letzte Spur.

So kann man in der Bibel lesen,

bei einem Treffen sei’s gewesen

am Ölberg war man, zum Gebet.

Bei denen – die genannt dort – steht

am Schluss auch Jesu Mutter noch.

Dies ist der letzte Eintrag doch!

Heute doch wird sie mehr verehrt!

Was in der Bibel ihr verwehrt,

wird mittlerweile übertrieben.

Man hat ihr Einfluss zugeschrieben

bei Jesus als Fürsprecherin.

Ich frage: »Hat das einen Sinn,

da Jesus laut Johannes spricht:

›Ihr kommt zu meinem Vater nicht,

es sei denn nur durch mich allein!‹

Dies sollt'der einz’ge Weg nur sein!«

Damit man mich nicht missversteht,

schreibe ich hier, worum’s mir geht:

Maria war – wie ich’s beschau –

eine sehr vorbildliche Frau!

Sie war vom Herrgott auserkoren

und hatte Gottes Sohn geboren.

Sie tat getreulich ihre Pflicht!

Doch Mutter Gottes war sie nicht.

Ich möchte mich hier an den alten

Schriften der Bibel lieber halten!

Mutter war sie von Gottes Sohn,

Gott Vater gab es immer schon!

Trotz dieses Faktes betet man

sie doch als Mutter Gottes an.

Dass man sie heut' verehrt so sehr,

kommt aber nicht von Ungefähr:

Päpste trugen wohl dazu bei;

durch diese dann die Malerei.

Die Bildhauer nahmen sodann

sich ebenfalls des Themas an.

Die Kirche hat sie angestellt;

durch sie verdienten sie ihr Geld.

Nun kann man vor Maria treten,

um sie im Bildnis anzubeten.

So ist durch Kunst in vielen Landen

auch eine Darstellung entstanden,

die mittlerweile jeder kennt

und welche man Pietà nennt.

Maria stellt man dar dort groß

mit Jesu Leichnam auf dem Schoß.

Sie soll ihr Leid symbolisieren,

doch kann sie auch zum Fehlschluss führen.

In einem biblischen Bericht

gibt’s eine solche Szene nicht!

Maria wird verehrt sogar,

weil sie mit Zwölf noch Jungfrau war.

Die meisten Mädchen haben doch

selbst heut’ mit zwölf die Unschuld noch!

Zudem hatte sie in der Zeit

wohl kaum eine Gelegenheit

dort in Versuchung mal zu kommen;

die Möglichkeit ward ihr genommen.

Sie wusste kaum, wie’s ihr ergangen,

als sie in Unschuld einst empfangen.

Den Vorgang textlich zu erfassen,

hatte man leider unterlassen.

Erführe man darüber mehr,

fiele das Glauben nicht so schwer.

Wer glaubt schon Dinge einfach blind,

die logisch nicht begreifbar sind.

Nach der Geburt von Jesus dann




lebte sie ja mit ihrem Mann.

War sie mit ihm denn nie intim?

Ich denk, sie schlief dann schon mit ihm,

zumal das für ein Ehepaar

vor Gott ja keine Sünde war.

Wie aus der Bibel ich entnommen,

hat sie auch Kinder noch bekommen.

Päpste war’n es, die für die Welt

die neuen Lehren aufgestellt.

Dogmen – Enzykliken genannt –

wurden ans Christenvolk versandt.

Glaubten die Päpste zu der Zeit

selbst an ihre Unfehlbarkeit?

Doch so entstand – wie man’s heut kennt –

neu das Maria-Management.

Dadurch – so hör ich irritiert –

wird sie noch Jungfrau tituliert.

Jungfrau Maria nennt man sie

und fällt anbetend auf die Knie.

Vor Bildnissen – kunstvoll gestaltet –

so mancher seine Hände faltet

und fleht sie um Vermittlung an

und glaubt an deren Hilfe dann,

wobei es sinnvoller doch ist,

man betet gleich zu Jesus Christ!

Ich frag': Ist am Marienkult

allein jetzt nur der Klerus schuld?

Durch unsre Bibel ist da eben

nicht eine Grundlage gegeben!

Nun meine ich, dass ich zum Schluss

folgendes noch erwähnen muss –

und zwar: Maria Himmelfahrt.

Vielleicht scheint die Erkenntnis hart.

Von dem, was diesen Part betrifft,

steht gar nichts in der Heil’gen Schrift!

Den Glauben gibt’s – was kaum verwundert

bereits seit dem sechsten Jahrhundert.

Gefestigt ward er mit der Zeit

durch manch’ gehob’ne Geistlichkeit.

Darüber hab’ ich dann gelesen,

Pius, der zwölfte wär’s gewesen,

der die Legende mit Bedacht

zum wahren Dogma hat gemacht

für alle Katholiken künftig –

und das erst Neunzehnhundertfünfzig!

Damit der Glaube überdauert,

hat dieser Papst ihn fest ummauert.

Evangelisten schrieben’s nicht;

in keinem einzigen Bericht!

In Ihrer Zeit doch wär’ das schon

eine sehr große Sensation.

Sie hätten das, was schwer zu fassen,

wohl sicherlich nicht ausgelassen.

Wäre dies tatsächlich passiert,

hätten sie’s sicherlich notiert!

Wann – wo Maria einst verschied,

man auch nicht aufgezeichnet sieht.

Wann – wo Maria ward begraben,

auch nirgendwo vermerkt sie haben.

Nun – wie ich schon beschrieb vorher –

erwähnt Maria keiner mehr.

Nach dem, was Forschungen ergeben,

führte sie wohl ein frommes Leben.

Dieses doch war vom Kleinkind gleich

bescheiden und entbehrungsreich.

Ein Mensch war sie. – Von Gott erkoren

hat sie einst Gottes Sohn geboren.

Sie nutzte diesen Vorzug nicht

und stellte sich nicht selbst ins Licht!

Sie sorgte treu – so nimmt man an –

für ihren Sohn und ihren Mann,

für Jesu Schwestern auch und Brüder.

Doch darüber schrieb man nichts nieder.

Wie sie Ihr Schicksal trug – beschwert,

ist überaus bewundernswert!

Fazit: Maria zu verehren,

sollte man niemandem verwehren!

Dies sollte man jedoch ganz klar

für das, was sie laut Bibel war!

Für alles, was die Frau erduldet,

sei ihr viel Hochachtung geschuldet!




 Lukas 2, 1 – 7 / 


 Matthäus 2, 13 – 23 / 


 Lukas 2, 41 – 50 /




 Johannes 2, 1 – 12 / 


 Markus 3, 31 – 35 /




 Johannes 19, 25 – 27 / 


 Apostelgeschichte 1, 14

* * *




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