Traumdealer am Abstellgleis
Selina Haritz


Was tut man, als Regenbogen-Teddybär, wenn man aufgrund seiner eigenen Feigheit die Liebe seines Lebens verloren hat? Wenn sich die Plüschgesellschaft ungeachtet des eigenen Elends im Scheinwerferlicht von Varietés und Brausebonbonparties vergnügt? Richtig: Sich abwenden und ein Leben am Abstellgleis wählen! Statt den profanen Freuden des Alltags zu folgen, gilt es mit seinen zwei Freunden zu philosophieren und sich auch schon mal dem Drogenrausch hinzugeben. Wäre da nicht diese unglaublich süße Hasendame … Regen ist wieder verliebt, mit Fell und Watte.

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Aber kaum hatte sie sein Leben betreten, wurde sie auch schon von Ratten entführt und alles, was die drei Freunde beitrugen, war feige zuzusehen.

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Nach langem Zögern und einem ordentlichen Schubs ihrer Dealerin Candy machen sich die drei Eremiten auf den Weg, sie zu retten. Immerhin lockt als Belohnung, neben der Herzensdame, auch eine ganze Stange Schokoladenzigaretten, mit dem Regen im Traumland das Abo seines eigenen Wunschtraums unbegrenzt verlängern könnte. Ein mehr als nur willkommenes Angebot, denn Regens Traum mit dem Haus am Honigsee fängt bereits an, zu bröckeln. Wird es Regen und seinen Freunden gelingen, Hase aus den Fängen der Ratten zu befreien, ehe sie als Nistmaterial endet?

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Tauchen Sie mit Selina Haritz ein in die Welt der Drogen, Plüschtiere und unerfüllten Träume. Genießen Sie ein Abenteuer mit Zuckerwattestand und Schokoladenzigaretten.

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Mit einem Vorwort von Christian von Aster!







Für alle verlorenen Träume: Es besteht Hoffnung!

Für meine geflohene Stofftierrobbe:

Du warst niemals nur Zeug’ für mich.

Für Hendrik


Selina Haritz

Traumdealer

am Abstellgleis






Edition Roter Drache


1. Auflage Oktober 2016

Copyright © 2016 by Edition Roter Drache

Edition Roter Drache, Holger Kliemannel, Haufeld 1, 07407

Remda-Teichel

edition@roterdrache.org (mailto:edition@roterdrache.org); www.roterdrache.org (http://www.roterdrache.org)

Buch- und Umschlaggestaltung: Edition Roter Drache

Titelbild: Erneste Spoerr

Alle Bilder stammen von Johanna Tsukalidis-Naujoks

Lektorart: Anne-Cathrin Rost

E-Book-Herstellung: Zeilenwert GmbH 2018

Alle Rechte vorbehalten.

Kein Teil dieses Buches darf in irgendeiner Form (auch auszugsweise) ohne die schriftliche Genehmigung des Verlags reproduziert, vervielfältigt oder verbreitet werden.

ISBN 978-3-944180-90-8




Inhaltsverzeichnis


Cover (#ua5694042-4bf9-53dc-b44c-6b3f20999019)

Titel (#u64d70779-2983-5902-94e4-c78d8eeb2db9)

Impressum (#ubab4f59f-5f11-5c15-9058-05c6df6b06c2)

Vorwort (#u8cfcc1a1-6c12-57f4-8dc2-f2ff7fa6a87f)

Kapitel Eins (#u5c5a8f94-fd10-50c8-be00-c06f0aa0dd79)

Kapitel Zwei (#u5acbc4d9-0e08-5b5e-bb50-68b7b012180d)

Kapitel Drei (#u77263b98-5851-5fe2-be8f-82b77192c694)

Kapitel Vier (#u74e140db-b383-51bb-8b53-483b375ee075)

Kapitel Fünf (#u5a7314c7-47f0-5b26-be85-969a64c2f62e)

Kapitel Sechs (#uee1c43b7-9162-5a7f-a3b7-adfe45377ad4)

Kapitel Sieben (#u7f73c43d-6ef3-5bfc-b8e3-5bedc48e6058)

Kapitel Acht (#u803bd98c-19f0-5aa6-8c46-b30d054ea248)

Kapitel Neun (#u97557187-2cae-5d32-a1bf-3663925d54fe)

Kapitel Zehn (#ue75c3cd1-5eb0-5ec9-9fc4-b50c333aa9d4)

Kapitel Elf (#ucda705ec-733f-5cc0-97a5-f16ab5f63154)

Kapitel Zwölf (#ud53be568-2cef-5806-a0d0-6b77e4fcfd83)

Kapitel Dreizehn (#u964104ee-3a28-58b5-8c13-34eac06b1332)

Kapitel Vierzehn (#u68fa5c3c-e304-5b20-a3d7-20cf1b657cfe)

Kapitel Fünfzehn (#u8e8dc08d-ce9e-5564-99c2-484192719d22)

Kapitel Sechzehn (#uaf0c9bfe-a2f7-5e66-b5c2-8aa7ce0d3933)

Kapitel Siebzehn (#u69162a15-f3f5-51f9-8068-2b039622a8e9)

Kapitel Achtzehn (#u507f3ba0-c7fe-538a-bfd5-34cbd77d64ab)

Kapitel Neunzehn (#uc2e836e4-d98f-5c24-bfdd-6d353788738e)

Kapitel Zwanzig (#ud0e651bc-2d6f-55e1-b082-e41ed8d24eb1)

Kapitel Einundzwanzig (#uc86754df-caa3-5b45-9d2e-6147599e5606)

Kapitel Zweiundzwanzig (#u476f6e04-96ac-520f-8dfd-fc6cc46728c5)

Kapitel Dreiundzwanzig (#u46d430f3-97a7-57ec-9b61-af0aa69cf38d)

Kapitel Vierundzwanzig (#u15f9e431-a346-5804-8478-452bb6a9d538)

Kapitel Fünfundzwanzig (#ua59d6132-486a-530d-832f-0f690faec97c)

Kapitel Sechsundzwanzig (#u194d195a-2475-509b-8261-f4bf256b61e9)

Kapitel Siebenundzwanzig (#u90407501-103f-5284-a6d5-7ba62c5eebd8)

Kapitel Achtundzwanzig (#u467de589-3b1c-5307-8b1b-e02e088c46e9)

Kapitel Neunundzwanzig (#ub1e605ee-7c23-51d1-b252-b32ba84986c5)

Kapitel Dreissig (#u68983bff-774e-5463-8163-e781f7a44948)

Kapitel Einunddreissig (#u3a06f431-135c-58f4-9a59-2148f9d18d99)

Danksagung (#u26355d26-9256-5e9c-ba98-70c16d57b720)

Die Autorin (#u866dd7dc-e551-5af9-869a-7ae5b7509a22)




VORWORT


Ich habe dem Plüsch ins Auge geblickt.

Bin mehr knietief zwischen Polyester und Holzwolle durch die Hölle des Füllmaterials gewatet, um zu verstehen, was die unverstandenen Plüschtiere dieser Welt bewegt. Jene tragischen, quengelnden Kindern gekauften, auf dem Rummel gewonnenen und ihr Dasein zwischen Regal und Vergessen fristenden Kreaturen, denen unsereins anmaßenderweise nur selten ein eigenes Leben, geschweige denn Denken, zubilligt.

Wobei es durchaus Versuche gab, den Menschen die Wahrheit zu bringen. Propheten des Plüschs, deren Worte ungehört verklangen. Ich erinnere mich an Clifford Chases Winkie, einen Teddybär, vom FBI angeschossen und von der Öffentlichkeit als Terrorist verurteilt, der sein Leben in die eigene Hand nehmen wollte. An Ted, jenen renitent vulgären Bär, der sich mit Hilfe von Mark Wahlberg und zweierlei Filmen in die Herzen der Menschen grantelte. Und natürlich an Plüsch, Power und Plunder, ein bizarres Rollenspiel, in dessen Rahmen der Spieler die Rolle belebter Kuscheltiere übernehmen und die Wirren des Spielzeuglebens am eigenen Leib erfahren konnte. Ganz zu schweigen von Die dunkle Seite des Plüsch, einer Kurzgeschichte, mit der ich selbst mich bemühte die Untiefen der Kuscheltieristik auszuloten. Im Lauf der Zeit hat es also einige Versuche gegeben, den Menschen die Augen zu öffnen. Wann immer mir aber danach zumute war, von den Weisheiten Nietzsches und Schopenhauers begleitet und um der Liebe Willen mit ein paar drogenabhängigen Plüschtieren in ein Abenteuer zu ziehen, gab es nichts. Rein gar nichts. Ich bin Selina Haritz dankbar. Dafür, dass ich all das nun mit Regen, Panther und dem Braunen endlich nachholen darf. Dafür, dass ich es in einer Welt tun darf, die neben der obskuren Poesie des Plüsch ein paar Wahrheiten und Sichtweisen über unsere eigene Welt bereit hält. Dankbar für ebenso skurrile wie glaubhafte Charaktere, die Erinnerung daran, dass man für seine Träume manchmal etwas tun muss und natürlich für den ersten drogendealenden Dalmatiner meines Lebens. Oh ja, ich bin dankbar.

Und ihr solltet es auch sein.

Christian von Aster, 18.09.2016




KAPITEL EINS


»Die Hoffnung ist der Regenbogen über den herabstürzenden  jähen Bach des Lebens.« (Nietzsche)

Ich war auf meinen Fellzustand nicht stolz. Alleine der Anblick deprimierte mich. Mein innerer Regenbogen bestand neben deprimierendem und tristem Grau, dem Grau toter Tauben, auch aus dem Schwarz verlorener Stunden und zerplatzter Träume. Mein äußeres Regenbogenfell bestand aus matschigem Rot, verrußtem Gelb, wurmstichigem Grün, teerverklebtem Blau und seltsam psychedelischem Violett.

Und zu allem Überfluss klebte es jetzt. Halbgeschmolzene Schokolade, die ich, bei jedem Versuch sie wegzubekommen, noch tiefer in mein Fell rieb. Schokolade gehörte in den Magen und nirgendwo sonst hin. Sie sorgte dafür, dass aus nichtssagenden nebligen Träumen Träume erster Güte wurden. Solche, zu denen sich eine Realitätsflucht noch lohnte. Und jetzt klebte sie in meinem Fell und ließ sich nicht einmal vernünftig abschlecken. Doch was war verblasste Eitelkeit gegen den Lohn der Anerkennung? Ich würde mit reicher Beute heimkehren, wenn ich diese verdammte Tüte endlich aus ihrer misslichen Lage befreien konnte.

Also zerrte ich mit einer verklebten Pfote weiter an dem Zellophan. Der Schatz hatte sich zwischen einer angerosteten Schraube und den Schienen verklemmt. Ich nahm meine zweite Pfote zur Hilfe, stemmte die Hinterpfoten in das Gleisbett und zog. Die spitzen Steine bohrten sich schmerzhaft in meine Sohlen. Es hatte keinen Zweck. Ich ließ los, als mich der Duft von Schokolade wieder umfing. Es war so verlockend.

Ein letztes Mal versuchte ich es. Presste meine ganze verbliebene Bärenstärke gegen das unvermeidliche Schicksal. Der elende Beutel riss. Schokoladeneier flogen mir um die Ohren, glitzerndes Papier verteilte sich zwischen den Steinen. Jetzt hatte ich erst recht keine Zeit mehr, alles in Sicherheit zu bringen. Bald würde die nächste U-Bahn darüber hinweg rasen und die Tüte mitsamt Inhalt in die dunklen Tunnel schleifen. Ich griff nach ein paar größeren Stücken. Doch etwas bewegte sich plötzlich in den Resten der Tüte und ich stolperte zurück; hielt meine Arme schützend vor mich. Mein erster Gedanke war: Ratten! Wie waren sie so schnell hergekommen? Ich brauchte zwei, drei panische Atemzüge, um zu registrieren, dass es wohl doch keine Ratte war. Ich wäre sonst längst Opfer der scharfen Krallen geworden und hätte ihre Zähne in meinen Hauptfäden wiedergefunden. Sie hätten meine Füllung über die Gleise verstreut, mich mit Spott überzogen und anschließend meine traurigen Fellreste in ihr Nest gezerrt.

Ein Stück braunes Fell grub sich nun aus dem Ostergras heraus. Kleine hellbraune Pfoten, wie Cappuccinoschaum mit einem Schuss Karamell. Die Gleise vibrierten. Ehe ich mich versah, fassten meine Pfoten nach dem weichen Fell. Ich zog, während sich die U-Bahn durch lauter werdendes Surren ankündigte. Wenn ich mich jetzt beeilte, würde ich eine Wochenration Schokolade zusammenraffen können. Ich ließ nicht los, denn ich sah bereits das Licht im Tunnel. Eine ganze Wochenration! Wenn nicht sogar mehr. Der Griff um meine Pfote verfestigte sich. Samtweich. Sieben Tage ohne Sorgen. Anerkennung von meinen Kollegen.

Der Wind, als Vorbote der Ereignisse, brauste auf. Ein Knäuel aus Fell und Verpackungsgrün stolperte aus der Tüte und wir rollten den kleinen Steinhang hinab. Die U-Bahn raste vorüber. Majestätisch blau, Lichter schimmerten zu uns herunter. Ostereier flogen zur Seite, nach oben, wurden von den Waggons in alle vier Himmelsrichtungen geschleudert. Es tat mir im Herzen weh. Nun würden sie als Rattenfutter enden.

Ich drückte mich an die Wand des U-Bahnschachtes. Der durch den Zug verursachte scharfe Wind fuhr mir durch die kurzen Haare. Meine Augen tränten, als die U-Bahn endlich vorüber war. Jetzt wurde mir bewusst, dass meine Pfoten noch immer krampfhaft jemanden festhielten. Weicher Flaum. Ein wenig fürchtete ich mich davor, hinzusehen und ein Teil meines Geistes wollte einfach, dass ich losließ und ging. Doch ein anderer Teil von mir wollte wissen, wer oder was dafür verantwortlich war, dass ich mit leeren Taschen zu meinen Genossen zurückkehren musste. Im Kopf legte ich mir bereits verschiedene Erklärungen zurecht, doch verdrängte sie dann alle. Sie wussten gar nichts von dem möglichen Schatz, den ich hätte bergen können – folglich war es müßig. Als ich es endlich wagte, waren sicherlich drei Atemzüge vergangen. Eine Häsin mit nichts weiter als einer roten Schleife um den Hals, an der eine goldene Glocke hing. Ihr Atem ging so flach, dass ich erst dachte, sie sei durch den Sturz bereits die Gleise Richtung Endhaltestelle entlanggelaufen. Ihre Augen waren wie … Als küssten schneeweiße Wolken die Sonne. Die Erinnerung holte aus und schlug mir mit der Faust ins Gesicht. Ihre Augen hatten das gleiche Strahlen wie die meiner Lady! Ich ließ los, um mich an der Wand festzuhalten. Die Hasendame fiel auf den Boden und stöhnte. Leises Vibrieren kündigte bereits den nächsten Zug an. Einen, der es eilig hatte. Wir mussten hier fort. Die Ratten würden nicht mehr lange auf sich warten lassen. Ich verstand die Warnung der U-Bahn. Auch wäre ich ein Narr, sie zu ignorieren.

Ich hob sie hoch über die Schulter. Ihr Duft umschwirrte mich wie der frühe Duft der Maiglöckchen. Dieses Mal trat mir die Erinnerung in den Bauch. Meine Lady war stets von violettem Fliederduft umgeben gewesen. Ich strauchelte und spürte, wie ich immer mehr das Gleichgewicht verlor. Kurz bevor ich auf den Steinen aufschlug, gelang es mir, mich wieder an der Wand abzustützen. Ich weiß nicht, ob sie einen weiteren Sturz gut überstanden hätte. Sie atmete kaum noch. Ich riss mich zusammen und stolperte in Richtung der Abstellgleise.

Der Weg war auch ohne einen Hasen über der Schulter schon beschwerlich. Durch die Absperrung, unter den Reservegleisbänken hindurch, an der Rolle Zaun vorbei und in die Dunkelheit hinein. Normalerweise nutzte ich hier eine der kleinen, schwach leuchtenden Grubenlampen, doch weder traute ich mich anzuhalten, noch wollte ich die Häsin ablegen. Ich fürchtete, dass ich nicht noch einmal den Mut aufbringen könnte, sie hochzuheben. Zu viel Angst hatte ich, dass dann die Gedanken wiederkamen. Oh, was hätte ich in diesem Moment für eine Schokoladenzigarette oder einen kräftigen Schluck Gin gegeben? Etwas, das meinen Magen und meine Träume beruhigte.

Ich hörte das trockene Husten von Panther, noch bevor ich das kleine Feuer riechen konnte. Es glomm in einer Dose, die einst Sauerkraut beherbergt hatte. Mittlerweile besaß sie keine Aufschrift mehr. Sie hatte Löcher für den besseren Durchzug und qualmte wie ein Räuchermännchen. Sie spendete leidlich Wärme, sodass wir in kalten Nächten nicht mit abgefrorenen Ohren erwachten. Als Lampe eignete sie sich nicht.

Der alte Plüsch hustete, als wollte er aus einer Geröllwüste Wasser pressen. Im kurzen Stakkato des Hustenanfalls kam ich schließlich an. Es wirkte wie ein Applaus im Scheinwerferlicht der Bühne. Ehe die Erinnerung mich dieses Mal schlagen konnte, ging ich in Deckung, indem ich laut fluchte: »Ihr seid so unaufmerksam, dass die Ratten Euch am helllichten Tag überfallen könnten.« Ich genoss den Moment, als der Braune zusammenzuckte und Panther kurzzeitig das Husten vergaß. Langsam kniete ich mich hinab und legte den kleinen weichen Körper auf eine der Decken. Die Stofffetzen waren seit Ewigkeiten nicht gewaschen worden und die Motten hatten große Löcher hinein gefräst. Sicher stanken sie außerdem nach Rauch, wie alles hier. Ein seltenes Gefühl von Scham überkam mich.

»Wo bin ich?« ihre Stimme klang wie die eines Engels. Dieses Mal holte die Erinnerung mit einer solchen Wucht aus, dass ich rücklings zu Boden fiel.









KAPITEL ZWEI


»Im Reich der Wirklichkeit ist man nie so glücklich  wie im Reich der Gedanken.« (Schopenhauer)

Honig! Liebster Zaubertrank! Mit einer feinen Teetasse aus dünnwandigem Porzellan schöpfte ich mir eine Portion aus dem Springbrunnen heraus. Ich hielt die Tasse an mein Gesicht. Die Sonne spiegelte sich in der Oberfläche wieder und färbte alles in Bernstein. Ich setze das Porzellan an meine Lippen und trank bedächtig einen Schluck. Der Trunk umgarnte meine Zunge. Ich konnte den Geschmack der wilden Blumen schmecken, als naschte ich selbst daran. Langsam glitt mir der Honig den Gaumen hinab. Erst jetzt entfaltete er sein volles Aroma. Was für ein Abgang! Und zum krönenden Schluss breitete sich wohlige Wärme in meinen Bauch aus. Glückseligkeit.

Ich lehnte mich in den Sessel zurück, die Beine ruhten auf einem gepolsterten Hocker. Die Blumenwiese zu meiner Rechten erstreckte sich über die sanften Hügel bis zum wolkenlosen blauen Horizont. Ein kleines Wäldchen umrahmte sie im Norden, einige Rehe grasten darauf. Zu meiner Linken wuchs eine Gruppe violetter Ahornbäume und hielten Hängematten zwischen ihren Stämmen. Sie schaukelten im Wind hin und her wie Federn. Etwas weiter hinten floss der Honig träge in Richtung des Milchsees.






Ein breites Grinsen schob sich auf mein Gesicht. Die Welt war schön und jedes bittere Ende meilenweit entfernt. Ich steckte die Pfote in die Tasse, um auch die letzten Tropfen herauszubekommen. Während ich sie gedankenverloren abschleckte, beobachtete ich den Rehbock, der sich langsam seinem Rudel näherte – mit dem Stolz und der Anmut eines Königs. Die Rehe blickten zu ihm auf, trabten eines nach dem anderen zu ihm hin, um ihn zu begrüßen. Er senkte huldvoll den prächtigen Kopf. Meine Aufmerksamkeit wurde von zwei Meisen eingefordert, die sich zu mir auf den Tisch setzten und begannen ein kleines Stück von Mozart zu trällern. Ich wippte dazu im Takt mit der Pfote und brummte die Melodie mit. Es war ein wohliges Brummen, das zwar nicht immer den Ton traf, doch von Herzen kam. Die Vögel dankten es mir, indem sie einfach fortfuhren.

Unbewusst sang ich lauter mit, während ich hinab zum Flussufer ging. Das Zuckerwatteschilf leuchtete in allen Regenbogenfarben. Ich hockte mich ans Ufer, an eine von der Sonne besonders kraftvoll beschienene Stelle und wartete. Kleine Blasen deuteten an, dass hier der Honig heiß genug war. Flussaufwärts trieb gerade eine Languste direkt in die brodelnde Masse. Kurz darauf fischte ich sie mit einem Stöckchen heraus. Frittiertes Krustentier in Honig. Hmmmmm. Mit beiden Pfoten brach ich sie in der Mitte durch. Das Wasser lief mir in der Schnauze zusammen. Das Fleisch war weiß und duftete nach Meer und Abenteuer. Ich schälte sie aus der Hülle und wollte hineinbeißen, als mich eine Ladung Flüssigkeit im Gesicht traf. Ich versuchte es zu ignorieren, doch das Zeug floss bereits in Richtung meines Auges. Seufzend senkte ich die Languste wieder und griff mit der anderen Pfote hinauf.

Besser, ich hätte es gelassen. Die Sonne verdunkelte sich zum dumpfen Flackern einer Feuersauerkrautdose. Der Duft frisch gerösteter Schalentiere versank in dem verschmorten Plastiks. Panther hatte wieder vergessen, die Hülle von seiner Zigschachtel zu entfernen, ehe er sie ins Feuer geworfen hatte.




KAPITEL DREI


»Durch Frauen werden die Höhepunkte des Lebens bereichert  und die Tiefpunkte vermehrt.« (Nietzsche)

Ich hing zwischen der tristen Realität und dem langsam welkenden Grün meines wunderschönen Traums. Weder gelang es mir einen klaren Gedanken zu fassen, noch die Bilder meines kleinen Hauses am Honigsee festzuhalten. Ich hasste diesen Zwischenzustand. Ganz oder gar nicht war meine Devise. Also begann ich eine schmerzhafte Realitätsanalyse. Zunächst einmal hatte ich da diese nasse Pfote des Braunen im Gesicht. Ich drückte sie weg. Ich betrachtete den fragenden Ausdruck meines Leidensgenossen für einige rauchige Atemzüge. Wie immer war sein Bärengesicht von bitterer Ironie verzogen. Diese Mimik hatte er einfach drauf.

»Geht‘s?«, knurrte er. So viel Hilfsbereitschaft rührte mich.

»Muss.« Ich nickte und versuchte, mich weiter zu orientieren, denn ehrlich gesagt wusste ich noch immer nicht, was denn genau ‚gehen‘ sollte. Körperlich schien ich so weit vollfellig zu sein. Ich spürte meine beiden Ohren an den richtigen Stellen, konnte alle vier Pfoten bewegen und mein lachhaftes Stummelschwänzchen war auch noch da, wo es der Schöpfer vergessen hatte.

Vorsichtig wischte ich mir über die Nase; sie war nass. Als hätte jemand Wasser …

»Du … Du hast mich mit Zitronenlimonade übergossen«, schlussfolgerte ich aus Geschmack und Geruch. Ich wusste nicht, was mich mehr empörte. Die Tatsache, dass ich die Limonade jetzt nicht mehr trinken konnte, oder dass mein Fell klebte – noch mehr als vorher.

»Im Krieg gibt es Verletzte«, knurrte der Braune und wischte seine Pfote an meinem Fell trocken. Ich lachte innerlich, als ich entdeckte, dass er sich damit ebenfalls Ostereierschokolade ins Fell gerieben hatte. Gerechtigkeit war ein Fuchs.

Als er ein wenig zurücktrat, erweiterte sich mein Gesichtsfeld zusehends. Eine kleine Grubenlampe verteilte ihr schummriges Licht mit äußerster Präzision in jene Ecken, in denen sich die Konservendosen stapelten und sich der Dreck zu einem Haufen aufgetürmt hatte.

Panthers Husten ließ mich auch in seine Richtung sehen. Sein ausgemergelter Körper war mit grün-schwarzem Moos überwuchert. Wie ein Parasit hatte es sich von seinen Pfoten hinauf fast über sein ganzes Rückenfell gezogen. Es war feucht und, wie es bei Moos üblich war: modrig. Lange würde er nicht mehr an diesem tristen Fleck Welt hausen müssen. Ich war mir jeden Tag sicherer, dass er bald eine einfache, letzte Fahrkarte kaufen würde.

»Wo hast du dieses Mädchen her?«, knurrte der Braune und fuchtelte mit seinem verbliebenen Arm vor meiner Nase herum. Ich stemmte mich hoch, damit er nicht mehr so auf mich herabsehen konnte. Das ‚Mädchen‘ saß in eine Decke gehüllt bei Panther und schien auf das Ende des Hustenkrampfes zu warten. Neben ihr auf dem Boden lag die alberne Glocke, die ihr der Braune sicherlich gleich als Erstes abgenommen hatte. Wer bitte trug eine Glocke um den Hals ohne dabei aus Schokolade zu sein? Wir waren hier ja nicht beim Almabtrieb.

»Also?« der Braune boxte mich in die Seite.

»Die Frau«, betonte ich, »lag zwischen den Gleisen.«

»Eine Aussteigerin?« So nannten wir die, die es hier herunter in die Schächte verschlug. Vornehmlich Freidenker und Künstler, die hier im Schutz menschenleerer U-Bahn-Stationen ein neues, vermeintlich besseres Leben anzufangen versuchten. Der Braune, Panther und ich gehörten zu den Aussteigern. Wie waren schon in jungen Jahren aus den Zwängen der Konsumgesellschaft geflohen.

»Weiß nicht, sah eher nach einem Unfall aus.«

»Schwarzgefahren …«, brummte der Braune und schüttelte seinen Kopf. Schwarzfahrer hatten es hier unten noch schwerer. Sie sehnten sich nach der Welt dort oben, zwischen Spielzeugregal und Kinderbetten. Doch es gab kein zurück. Wer zu sehr von Heimweh zerfressen wurde, löste sich irgendwann ein einfaches Ticket.

»Also, und nur ihr drei lebt hier unten?« Ihre Frage bohrte sich unangenehm in meine Lethargie. Als rührte jemand mit einem Schneebesen durch einen Pudding, der sich gerade mit einer schönen glatten Haut zur Ruhe gesetzte hatte. Ich flüsterte dem Braunen zu: »Man hat dann bei jedem Bissen Haut auf dem Löffel, schrecklich.« Erst einen Moment später wurde mir klar, wie unsinnig sich das angehört haben musste und ich fügte schnell hinzu: »Wenn man vorher drin rumrührt, meine ich. Schrecklich« Der Braune nickte.

»Nein, …« Panther übernahm die Rolle des Erklärbären. »Es gibt noch eine kleine Stadtkolonie in einer unbenutzten Station der Felllosen, da leben auch ein paar.«

»Wie, unbenutzt?«

»Keine Ahnung, scheint nicht mehr gebraucht zu werden.«

»Was für eine Verschwendung.« Sie schüttelte ihren Kopf und ihre kleinen Ohren sausten dabei um sie wie die Rotorblätter eines Hubschraubers. »Und ihr macht hier so ‘ne Art Campingurlaub?«

Panther schaute kurz zu uns hinüber, damit wir ihm aus dieser Misere heraushelfen konnten und ich überlegte schnell, ob mir irgendetwas von den großen Alten dazu einfiel.

»Wer von seinem Tag nicht zwei Drittel für sich selbst hat, ist ein Sklave. Klammer auf Nietzsche, Klammer zu«, übernahm der Braune das dringend notwendige Zitat und ich ergänzte: »Das andere Drittel wird geschlafen.« Der große Alte, er hatte immer etwas Wertvolles in seinem Repertoire. Das müsste sie daran hindern, weitere Fragen zu stellen.

»Ach, die anderen sind Sklaven? Ihr meint ‚Kolonie‘ im Sinne von Sklavenkolonie?«

Der Braune verdrehte die Augen. Er steckte sich umständlich eine Schokoladenzigarette in den Mund – ich folgte seinem Beispiel – und mischte sich kauend in das Gespräch ein:

»Wir sind alle Sklaven unserer Begrenzungen.« Er stand auf und stellte sich in den Schein des Feuers. Seine Hand hielt er wie die Freiheitsstatue nach oben, die Zig war seine Fackel. »Indem wir uns von unseren gesellschaftlichen Fesseln lösen, indem wir uns einen Schritt rückbesinnen auf das, was vorher war …« Gleich würde er den dritten großen Alten zitieren. Ich merkte, wie meine Augen feucht wurden, und wechselte schnell meine Position, um nicht länger im Rauch zu stehen.

»Ach, ihr seid sowas wie Eremiten?«

Panther nutzte die Gelegenheit des zerstörten Moments und hustete wieder Blechdosen, die an einer Bahn entlang über die Schottersteine gezogen wurden.

»Wir sind Misanthropen«, erklärte ich und fand, dass es sich, jetzt wo ich es einem fremden Plüsch erzählte, gar nicht mehr so heroisch anhörte. Unter uns Dreien hatte es immer irgendwie cooler und verwegener geklungen.

»Ihr habt Angst vor anderen Plüschs und versteckt euch deswegen hier?«

Jetzt war es am Braunen, einen Hustenanfall zu bekommen. Ich folge Hases Blick über unsere Absteige und schämte mich dafür. Während der Braune das Wort an sich riss, begann ich, ein paar leere Süßkramtüten wegzuräumen. Ich war mir nicht sicher, ob Panther darüber grinste, oder einfach etwas zwischen den Zähnen klemmen hatte.

»Wir haben die Einsamkeit gewählt«, trug der Braune vor, »um uns unseren Studien über die Plüschheit hingeben zu können. Von hier können wir die Welt und ihre ewig dunkle Seite erforschen.«

»So ein Quatsch, meine Liebe.« Panther fiel uns und insbesondere dem Braunen ins Wort und in den Rücken, während ich versuchte, meine Sammlung schwarzer Schnürsenkel aus linken Schuhen zu sortieren. Wie immer hatten sie sich heillos verknotet.

»Ich bin hier, …« Panthers Stimme wurde leiser, und auch ich lauschte angestrengt. »… weil ich zu alt bin. Alle meine Freunde haben schon das letzte Ticket bekommen. Es war so einsam um mich herum. Da in der Stadt …« Sein anhaltender Husten unterbrach ihn erbarmungslos – so lange, dass ich währenddessen sogar noch die Decken ordentlich zusammenfalten konnte. »Da in der Stadt … weiß du, alles geht so schnell dort. Jeder schaut dich mit diesem Mitleidsblick an. Sie wollen alle verhindern, dass ich das Ticket bekomme, weil sie es nicht ertragen, dass jemand geht. Das …«

Mir wurde schwer ums Herz. Ich wollte auch nicht, dass er ging. Aber wir hatten uns in unserem WG-Manifest darauf geeinigt, dass wir der Sache nicht im Weg stehen würden. Keine Replüschimation, keine Maschinen. »Das ist so eine Sache, die niemand wahr haben will. Aber so ist der Lauf der Dinge, ich mag niemandem zur Last fallen.« Panthers Rede endete in einem Stakkato aus Husten und Keuchen. Im Augenwinkel sah ich, wie Hase eine Träne fortwischte. Der alte Haudegen, wie machte er das nur mit den Frauen?




KAPITEL VIER


Sicher, wir hätten mit Hase auch in eines der plüschigen kleinen Cafés, die lieblich nach Vanillearoma rochen, gehen können. Diese sogenannten Wohlfühloasen, neben den Zuckerstäbchenläden, die alleine vom Anblick der Ladenschrift schon das Fell verklebten und Glück in allen Farben verhießen. Aber wir waren zu abgebrannt, um dort aufzuschlagen. Panthers muffiger Geruch hätte die anderen Gäste vertrieben; das Genörgel des Braunen über die hohen Preise meine Laune. Ich wollte nicht mit anderen Plüschs auf zu weichen Sesseln sitzen, aus zu kleinen Tässchen meine heiße Schok trinken, die auch in den einfachen Humpen der Randkneipen gut genug schmeckte. Also waren wir im Benedikt abgestiegen, hinter dessen Tresen ein dicklicher Bernhardiner mit tiefhängenden Tränensäcken stand. Hier reichten unsere restlichen Kronkorken gerade aus, um unsere hungrigen Mägen mit heißer Schok und billigem Mäusespeck zu füllen. Und vor allem würden wir hier wir keine unnötigen Fragen zu Hase und dem Woher, Warum und Wieso beantworten müssen. So eine Schwarzfahrerei war ein herber Schlag. Eben noch wähnte Hase sich bald in den Händen eines glückseligen Empfängers, einem Leben zwischen Teepartys, Luxuspuppenhäusern und weichen Federbetten, nur um in nächsten Moment hart auf den Schienen der Realität aufzuschlagen. Zu viel quietschbunte Fröhlichkeit würde da sicher nicht gut tun.

All diese Erklärungen waren, genau genommen, Blödsinn. Ich war einfach feige; ich fürchtete, dass sie das schöne Leben sehen und sich von uns abwenden würde. Denn warum sollte sie bei uns bleiben, wenn wir neben den hellen Farben der Stadt im diesigen Grau der Tunnel verblassten?

Der Bernhardiner beugte sich zu mir hinüber: »Was denn, kein Gin heute?«

Er zählte die Kronkorken zweimal nach und rollte den letzten in seiner Pfote hin und her, während er uns betrachtete. Besonders Hase nahm er ins Visier.

»Ist noch was?«, fuhr ich ihn so heftig an, dass ich selbst davor erschrak.

»Nein, nein. Alles Tutti!« Der Dicke verschwand hinter seiner Zapfanlage und nahm sich ganz stereotyp ein Handtuch, um den Tresen sauber zu wischen.

Der Braune stieß mich mit seinem Arm unter dem Tisch an und rümpfte fragend die Nase. Ich zuckte nur mit den Schultern und beobachtete heimlich, wie sie den Krug mit beiden Pfoten umschloss, ihn an ihren kleinen Kopf hob und dann fast ganz dahinter verschwand. Ob sie wusste, dass ihre Ohrenspitzen leicht zuckten, während sie die Ohren abklappte? Um mich abzulenken, nahm ich auch einen großen Schluck und verbrannte mir fast die Schnauze an der heißen Plörre. Bei dem Versuch, sie nicht über den Tisch zu spucken, verschluckte ich mich heftig und hustete. Scheinbar durch mich angesteckt begann auch Panther wieder damit, sich die Watte aus der Lunge zu pressen.

»Wie funktioniert das hier« fragte Hase in einer kurzen Hustenpause, was nicht einfach abzupassen war.

»Hm?« der Braune übernahm die Konversation. Umständlich stellte er seinen Becher ab, griff nach einem Marshmallow und tunkte ihn in die Schok. Früher, vor der Sache im Irrlicht, war er ein eleganter, geschickter Bär gewesen, doch mit dem fehlenden Arm waren seine Bewegungen kantig und ungeschickt geworden. Ich wusste, wie sehr ihn das ärgerte, und konnte seine Wut förmlich spüren.

»Das mit dem Bezahlen und so. Gibt es auch Märkte, um seinen hungrigen Magen zu füllen?« Hase setzte ebenfalls den Becher ab und lauschte dem Braunen fast andächtig.

»Wir bezahlen mit Kronkorken. Entweder du musst sie draußen sammeln oder du verdienst sie dir.«

»Wo kommt denn alles her?« Den Humpen nicht loslassend, nahm sie sich ein Marshmallow aus dem Korb und biss ein winziges Stück davon ab.

»Es gibt Großhändler. Die besorgen das bei den Felllosen. Es gibt Schmuggelrouten und organisierte Gruppen. Sie bringen die Ware über die U-Bahn rein«, ergänzte Panther in einer seiner Hustenpausen.

»Und wovon leben die?«

»Sie behalten einen Teil der Beute, bekommen vieles umsonst und naja, … sind ziemlich angesehen in der Gesellschaft.« Wir hatten kurz überlegt, auch Sammler zu werden, ehe wir ins Abstellgleis zogen. Doch die Aussicht, durch dunkle Gänge zu schleichen, immer auf der Flucht vor den Ratten, erschien uns wenig glorreich.

»Vermissen die Felllosen die Sachen denn nicht? Was, wenn jemand ihnen folgt und hier auftaucht?«

»Mädchen«, jetzt war es der Braune, der seinen ‚Jetzt erzähle ich dir mal was von der Welt‘-Ton drauf hatte, »die Felllosen haben von dem Zeug so viel, dass sie nicht mal merken würden, wenn eine ganze U-Bahn damit vollgestopft würde. Die brauchen das überhaupt nicht zum Leben. Für die ist das nur Zeug.«

»Oh…« Ausnahmsweise wusste sie darauf keine Antwort. Ich stellte mich auf die nun normalerweise folgende entspannende Leere ein, wenn Plüschs einfach nebeneinandersaßen, eine heiße Schok in den Pfoten hielten und die Zeit genossen.

»Und vermissen die uns nicht?«

Wie ein kleiner Meißel bohrte sich ihre Frage in die Stille.

Panther legte ihr die moosbewachsene Pfote auf den Arm und schaute sie mitfühlend an: »Nein. Sie werfen uns weg, wenn sie ein gewisses Alter erreichen oder wir nicht mehr so flauschig sind wie früher. Wenn wir nicht mehr vollständig sind, mögen sie uns nicht mehr. Sie achten nicht auf uns, wenn wir aus Taschen rutschen, noch suchen sie nach uns. Sie vergessen uns auf Dachböden, unter Autos und in der U-Bahn. Glaub mir, sie weinen uns keine Träne nach. Wir sind einfach nur Zeug.«




KAPITEL FÜNF


Die nachfolgende Ruhe hatte wenig mit der von mir so geliebten philosophischen Stille gemein. Deprimiert schlürften wir unsere letzten Reste der Schok und wischten den Boden der Tassen mit einem Marshmallow aus.

Der Braune klopfte vernehmlich mit einer leeren Schachtel Zigs auf den Tisch. Ich verstand die Zeichen sofort. Auch ich hatte einen flauen Magen und zu viele Worte im Kopf.

»Ach, und dann gibt es so eine Art demokratische Regierung bei Euch?«, fragte Hase aller eindeutigen Zeichen zum Trotz weiter. Ich war erstaunt, dass sie ohne einleitende Worte gleich zu so einem hochbrisanten Thema schwenkte. Sehr gewagt. Panther war mit Husten beschäftigt, und so war es an mir, zu antworten:

»Wir haben einen Bürgermeister.«

»Wann gibt es Wahlen?«

»Auf dem Markt glaubt niemand an höhere Plüschs«, stellte der Braune mit einem etwas abgewandelten Nietzsche ihre Frage in Frage. Ich musste ihn davon abhalten, gleich auch noch Schopenhauer zu zitieren. Er war gerade in seiner genervt-aggressiven Laune. Er würde nicht eher aufhören, bis er auch noch den dritten großen Alten zu Wort hatte kommen lassen.

»Kommt, wir gehen zu ihr«, unterbrach ich also das Gespräch. Panther nickte knapp und ich deutete es als Dankbarkeit, dass ich rechtzeitig eingeschritten war.

»Und eine gewählte Regierung ist keine höhere Macht? So ein Unfug.« Ich fuhr innerlich zusammen. Sie hatte wirklich keine Ahnung, was sie gerade auslöste. Es war, als spielte sie mit einer offenen Tube Klebstoff! Natürlich ließ sich der Braune diese Vorlage nicht entgehen und holte, wie vorhergesehen, den zweiten großen Alten hinzu: »Zum Denken sind wenige Plüschs geneigt, obwohl alle zum Rechthaben. Klammer auf: Schopenhauer, Klammer zu.«

Hase verschränkte die Arme. »Ist das nicht etwas kurzsichtig?« Panther vergaß vor Schreck das Husten, und auch ich beeilte mich einzuschreiten, bevor der dritte große Alte ins Rennen der Argumentation; in die Arena der kämpfenden Worte gesendet wurde.

»Ja, wie auch immer. Wir brechen auf, Candy mag es nicht, wenn wir zu spät kommen,« intervenierte ich.

»Ach, ihr habt eine Verabredung, warum sagt ihr das nicht gleich?« Ich stöhnte vernehmlich. Konnte sie nicht einfach die Klappe halten? Panther und der Braune erhoben sich zügiger als sonst.

»Haben wir eine?«, fragte der Braune sichtlich gereizt darüber, dass ich seine Argumentationskette zerrissen hatte. Hase stürzte sich auf ein neues noch glänzendes Thema. Eines, das noch nicht so abgegriffen war wie die philosophische Diskussion über eine Regierungsform.

»Mit wem?«

»Candy«, knurrte der Braune und damit war alles gesagt. Candy musste man nicht beschreiben. Jeder kannte sie. Wer sie nicht kannte, lernte sie kennen und wen sie nicht mochte, der lernte ihre Babes kennen. Und niemand wollte ihre Babes treffen – wir schon gar nicht. Ich fragte mich, ob es eine gute Idee war, Hase mit zu Candy zu nehmen. Solche wie Hase verspeiste Candy zum Frühstück. Als Snack zwischen zwei Mahlzeiten, und sie würde dabei nicht einmal kauen. Aber Hase alleine in unserer Bude zu lassen, erschien mir falsch. Sie hätte dann Zeit, über ihre Lage nachzudenken, sah womöglich sogar unsere recht große Sammlung alter Zigschachteln, die wir einfach in einen Spalt im Beton gestopft hatten. Mir war das peinlich, und irgendwie wollte ich auch noch ein wenig in ihrer Nähe sein. Ihre Ohren dabei beobachten, wie sie um ihren Kopf flogen und ihr süße Stimme hören. Und ich konnte mir vorstellen, dass es, wenn sie die Grundlagen des philosophischen Diskurses gelernt hatte, sehr erfrischend sein könnte, mit ihr zu debattieren.

Hase schien tatsächlich über ein gewisses Maß an Empathie zu verfügen, denn sie fragte nicht weiter. Sie fragte zumindest nicht weiter, wer Candy sei, sondern suchte nach anderen Landminen:

»Was machen wir da?«

Der Braune warf mir einen Blick zu, der sagte: Das ist dein Fundstück, dein Problem. Dann ging er voran und sein Arm hing dabei steif herab. Er schien sich wirklich zu ärgern.

»Wir …«, stammelte ich also etwas unschlüssig.

»… kaufen ein«, ergänzte Panther und hielt ihr die Tür des Benedikts auf. Ich war dankbar, dass er eine so einfache Erklärung gefunden hatte. Ich hätte wohl noch ein wenig nach Worten gesucht.

»Was denn?«

»Zigs …« der Rest seiner Antwort ging in einem Hustenanfall unter.

»Willst Du nicht hier warten, Panther?«, fragte ich vorsichtig. Es war ja nun wenig hilfreich, wenn er auf den Gleisen zusammenbrach und wir ihn nach Hause tragen mussten. Aber natürlich hatte ich ihn da wieder an seinem wunden Punkt gepackt. Er straffte die moosbewachsenen Schultern und ging mit einem Knurren nun etwas schneller voran – was immer noch bemerkenswert langsam war und Hase somit die Möglichkeit gab, weitere unangenehme Fragen zu stellen. Ich kam mir vor wie im Jungplüschgarten.

»Was sind denn Zigs?«

»Schokoladenzigaretten«, knurrte der Braune. Seine Pfote legte sich schützend über die Tasche, wo er seine letzten Schätze aufbewahrte.

»Ach«, banalisierte Hase: »Für das wohlige Gefühl im Bauch.«

»Nein«, korrigierte ich, und ehe Hase die nächste Frage stellen konnte, fügte ich an: »Zigs haben mehr Prozente. Härteres Zeug. Kriegst Du nicht überall.«

»Und nicht für Umme«, knurrte der Braune leise.

»Und was bringt das? Bessere Laune wohl kaum.« Hase musterte uns einer nach dem anderen. Ihr Blick hatte ein wenig von einem Laserstrahl, der sengende Wunden hinterließ.

»Ist eine sichere Eintrittskarte ins Traumland«, Panther hatte aufgeholt. »Ein Abo für einen Traum deiner Wahl.«

Hases Ohrenspitzen senkten sich nach hinten. Dann hielt sie an. Ich seufzte, der Braune knurrte und Panther nutzte die Chance, um mal wieder so richtig kräftig zu husten.

»Das klingt …«, Hase schaute uns an, betrachtete den dunklen Schacht und verstummte dann.

»Ach nichts. Ich glaub für mich wär‘ das nichts. Ich mag mich von den Traumdealern überraschen lassen.«

Damit war das Thema vom Tisch. Ich war Hase dankbar, dass sie ihre Gedanken nicht weiter ausgeführt hatte. Natürlich war so ein Traumabo gefährlich. Und wir waren meilenweit davon entfernt, nicht abhängig zu sein. Aber andererseits war es schön, immer wieder in seinen Traum zurück zu können. Ich hatte mein Haus am Honigsee sehr liebgewonnen mit der Zeit.

Auch Hase war nun zumindest bis zur nächsten U-Bahn still. Stattdessen sammelte sie einen großen Holzknopf vom Boden auf und wischte ihn an ihrem Fell sauber.




KAPITEL SECHS


»Aber auch noch eure beste Liebe ist nur ein verzücktes Gleichnis  und eine schmerzhafte Glut. Eine Fackel ist sie,  die euch zu höheren Wegen leuchten soll.«

(Nietzsche)

Hase lief ein Stück voraus – anscheinend froh über etwas Bewegung – drehte dann wieder um und kam zu uns zurück. Ich staunte über so viel Elan. Der Weg war für sich genommen schon schwierig genug; wir mussten mehrmals über Gleise klettern. Direkt durch die Stadt wäre zwar einfacher und kürzer gewesen, aber dann hätten wir uns ins Rampenlicht gebracht. Unentdeckt durch die Stadt zu kommen, war nicht möglich. Der Braune und ich kannten zu viele Plüschs dort. Also mussten wir um sie herum, vorbei an den befahrenen Schächten. Dreimal hörten wir die U-Bahn an uns vorbei rauschen. Einmal befanden wir uns direkt daneben, als sie mit quietschenden Rädern und blitzenden Oberleitungen an uns vorbeiraste!

Hase hielt sich die Ohren zu, indem sie diese an den Spitzen einfach links und rechts an ihrem Kopf herunterzog. Wir drei waren wohl einfach schon zu abgestumpft, um uns noch diese Mühe zu machen.

Wie schwungvoll ihre Schritte im Vergleich zu unserem Geschlurfe waren! Wie ihre Ohren um den Kopf flogen, wie Zöpfe. Sie sprühte vor Energie, wie eine gespannte Feder in einem Bett. Ich erwachte aus meinem Tagtraum, als Panther wieder begann, wie ein Maschinengewehr seine Bazillen in die Gleise zu husten. Lange würde es nicht mehr dauern, bis er dem Zug in die Tunnel folgen würde. Ich wusste nicht, ob ich ihn dafür bedauern oder beglückwünschen sollte. Der Braune und ich warteten neben ihm, bis es aufhörte. Hase hüpfte ein wenig voraus und verschwand um eine Biegung. Ich war überrascht ihre Stimme zu hören.

»Hallo, wer ist denn da? Ist hier jemand?« Hase klang ausgesucht freundlich. Dann folgte plötzlich ein durchdringender Schrei. Der Braune warf sich instinktiv in Deckung, während Panther und ich stumpfsinnig mitten im Gang stehen blieben wie Zielscheiben. Ratten! Ratten, der Urfeind aller Plüschs. Die Nemesis, das Kryptonit, das Ende. Wir taten das einzig Sinnvolle: Wir verkrochen uns. Wir verbargen unsere kleinen ausgemergelten Körper hinter Schrott und Müll.

»Regen! Brauner! Panther!« Ihr Rufen wurde panisch.

»Hört doch!« Jedes ihrer flehenden Worte brannte in meinen Ohren. Ich hielt sie zu.

»Was geschieht hier?«

Ich blinzelte zum Braunen hinüber. Er hatte sich zu einem Fellball zusammengerollt. Sein verbliebener Arm wie ein Schatz in seiner Körpermitte. Er zitterte wie ein Gleis direkt nachdem die U-Bahn darübergefahren war. Panther hingegen starrte ohne zu blinzeln nach vorne. Seine Lippen bewegten sich unaufhörlich, ich verstand ihn nicht. Umso deutlicher verstand ich hingegen Hase:

»Wer seid ihr? Was wollt ihr von mir?«

‚Man sollte beständig die Wirkung der Zeit und die Wandelbarkeit der Dinge vor Augen haben und daher bei allem, was jetzt stattfindet, sofort das Gegenteil davon imaginieren; also im Glücke das Unglück, in der Freundschaft die Feindschaft, im schönen Wetter das schlechte, in der Liebe den Hass. Klammer auf, Schopenhauer, Aphorismen zur Lebensweisheit, Klammer zu‘ schoss es mir in meinen Kopf und ich schämte mich dafür. Ich war so tief unten angekommen, dass ich im Anbetracht der Gefahr nur noch nach der Weisheit der Alten griff, statt zu handeln.

»Hey!« Ihre Stimme erreichte schrillere Höhen als die U-Bahn während des Bremsens. »Fasst mich nicht an!« Die Ratten johlten und lachten über ihren leichten Sieg. Wir hörten das durchdringende Fiepen ihrer Freude. Schnelle Pfoten rannten über die Steine, Krallen kratzten über Metall und Holz.

Dann wurde es still.









KAPITEL SIEBEN


»Erst wenn wir sie verloren haben, wird uns ihr Wert fühlbar.«

(Schopenhauer)

Wohl eine ganze Stunde lang, vielleicht auch zwei, lagen wir zusammengerollt in unserer eigenen Schande.

Es war schließlich Panther, der sich erhob. Langsam, auf seine bedächtige Art. Ernst und mit einem so tiefen Mitgefühl in der Stimme, dass es mir die Tränen in die Augen trieb, sagte er:

»Lasst uns wenigstens ihre Überreste den ewigen Tunneln übergeben.«

Ich schüttelte den Braunen aus seiner Starre, indem ich so lange an seiner Pfote zerrte, bis er aufstand. Wir stolperten über die Gleise, mein Verstand war voller Nebel und Dunst. Ich fiel mehrmals fast nach vorne hin, doch vermochte nicht, meine Pfoten schützend vor mich zu halten. Der Braune riss mich jedes Mal gerade rechtzeitig wieder zurück, ehe meine Schnauze auf den Steinen aufschlug. Als wollte er an diesem Tag nicht noch jemanden verlieren. Vorsichtig, Schritt für Schritt, drückten wir uns an der Wand entlang. Keiner wollte vorangehen und so tanzten wir umeinander, bis ich schließlich verlor, weil ich so nah an der Ecke der Biegung angekommen war, dass kein anderer mehr dazwischen passte. Ich steckte den Kopf um den Betonpfeiler und kniff vorsichtshalber die Augen zu. Ich wollte nicht sehen, wie sich ihr Fell über die Steine verteilte, wollte nicht in weit aufgerissene Augen schauen, die mich vorwurfsvoll anblickten. Überall würde Füllwatte liegen, wie Spinnenweben weit über die Steine und Hölzer verteilt. Vielleicht hatten sie ihr sogar das Herz herausgerissen. Auch das wollte ich nicht sehen.

Brauner drückte mir die Pfote in den Rücken und schob. Ich wagte es zu blinzeln, damit er mich nicht direkt in die Falle schob, die dort sicher auf uns wartete. Ich blinzelte noch einmal. Dann öffnete ich die Augen und starrte ins Dämmerlicht. Wo ich Hases aufgerissenen Körper vermutet hatte, war nur Leere. Im wirklichen, nicht im philosophischen Sinne. Ich taumelte nach vorne. Keine Ratte stürzte sich auf mich. Ich schnupperte. Es roch nach Ratte. Aber es sah nicht nach Ratte aus. Langsam setzte ich eine Pfote vor die andere.

Ihr Duft traf mich wie ein weiterer Schlag. Überall roch es trotz des Gestanks nach Ammoniak auch nach ihrem lieblichen, blumigen Duft. Ich taumelte voran wie benommen. Wo war sie? Wie im Wahn suchte ich nach einer Zellophantüte und einem kleinen braunen Stück Fell. Dort vorne lag der Knopf, den sie sich mitgenommen hatte. Ich strich mit der Pfote darüber und versuchte, ihn zu polieren. Als könnte ich damit wettmachen, was hier gerade geschehen war. Doch nichts weiter war zu sehen. Der Braune stieß mich fort, brummelte irgendetwas von Spuren und dass ich sie mit meinen ungeschickten Pfoten nur zerstören würde. Wie gelähmt stand ich am Rand des U-Bahn-Gleises. Die Geschichte meines Lebens. Am Ende stand ich immer am Rand.

Der Braune beugte sich nach vorne, stützte sich mit seinem einen Arm schwerfällig am Boden ab und schnupperte. Dann wandte er sich scheinbar planlos an eine andere Stelle, schnupperte auch dort. Ich fragte mich, was wir gerade taten. Wir hatten hilflos mit angehört, wie sie in ihr Unglück lief und nun, da die Gefahr vorüber war, versuchten wir zu ergründen, was geschehen war. Wie Reporter, die nach einer Katastrophe mit ihren Objektiven nicht nah genug herankommen konnten und doch immer neutral blieben. Panther, vor dem blinden Aktionismus des Braunen geflohen, stand neben mir. Sein Blick war getrübt. Dieses Dämmerlicht der Tunnel machte ihm immer zu schaffen. Seine Lippen zuckten, er schluckte und dann brach ein Hustenanfall aus ihm heraus, wie schon seit Jahren nicht mehr. Es schien der Augenblick gekommen zu sein, in dem seine Lungen endgültig entschieden hatten, sich nach außen zu bewegen. Er stütze sich an die Wand, krümmte sich und hustete und hustete. Ich sah, dass er verstohlen rote Watte von der Pfote strich. Ich war mir sicher, dass dieser Anfall der Letzte war. Er stützte sich zitternd an der dreckigen Wand ab. Grauer Staub vereinte sich mit seinem graumelierten Fell. Ich wollte nicht noch jemanden verlieren. Ich legte ihm die Pfote auf den Rücken und wartete. Langsam beruhigte er sich.

Ohne auch nur ein Wort über das Geschehene zu verlieren, setzten wir uns nach einer Weile wieder in Bewegung. Ich fühlte mich, als hätten mir die Traumdealer einen besonders schlechten, ramschigen Traum angedreht. Einen, den plüsch ohne Umschweife zurückgeben würde, wie einen Brownie ohne Schokostückchen. Man würde ihn anschneiden und den Verkäufer rufen, um seiner Empörung Ausdruck zu verleihen. Doch ich konnte nichts reklamieren, nichts zurückbringen. Sonst hätte ich wohl schon damals nach der Sache im Irrlicht alles zurückgegeben und mir von dem Rückgeld einen kurzen, aber dafür sonnigen Traum gekauft. Wie in Trance schlichen wir an einem Gang vorbei, der zur Stadt führte. Ich sah aus dem Augenwinkel, dass wir alle ausnahmslos zur anderen Seite blickten. Wie Vampire, die das Licht mieden, nur dass wir weder die glitzernden Frauenschwärme waren, noch sonst irgendeine der coolen Eigenschaften hatten, die einem Blutsauger für gewöhnlich zustanden. Uns blieb nur die Rolle des tragischen, lichtscheuen Vampirs übrig, der an seiner eigenen Existenz zu Grunde ging.




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