Das skurrile Leben der Myriam Sanders
Melanie Müller

Amelie Blomberg


«Sie sieht die Nachttischlampe, eine Art Nouveau Lampe mit der Skulptur eines sitzenden nackten Mädchens, das ein Buch liest. Eine schön geformte Frauenskulptur aus Bronze, über die eine romantische Jugendstil Lampe leuchtet. Neben der Lampe liegt die Peitsche.»

Myriam Sanders ist Privatdetektivin und bekommt durch ihre Arbeit Kontakt zu einer außergewöhnlichen Buchhändlerin.

Für Myriam beginnt eine lesbisch-sexuelle Entdeckungsreise mit leichtem BDSM und Frieda entführt Myriam in einen elitären Kreis adliger Frauen, eine erotische Welt aus lustvollen Begehrlichkeiten. Zugleich wird ihr mit harter und auch sanfter Hand gezeigt, was es heißt, sich völlig dem Willen ihrer Herrin hinzugeben. Während Myrian immer wieder an ihre Grenzen geht, um Ängste zu überwinden, entwickelt sich eine tiefe Zuneigung zwischen den beiden, von der sich die eigentlich emanzipatorische Myriam nicht mehr trennen kann. Myriam entdeckt eine grenzenlose erotische Welt, die ihr verborgene Phantasien und Sehnsüchte offenbaren, eine Achterbahn der Gefühle und der Lust.












Amelie Blomberg

Melanie Müller

Das skurrile Leben

der

Myriam Sanders

BDSM Lesbian Erotic


Ein Tag, wie jeder andere?

Sie schlägt die Augen auf und schaut durch das Fenster in den blauen Himmel. Es verspricht ein wundervoller Tag zu werden. Unter ihrer warmen Bettdecke räkelt und streckt sie sich, streichelt mit ihren Händen über ihren nackten Körper, gähnt noch einmal kräftig und schwingt ihre Beine aus dem Bett. Ein lauer Wind weht durch das offene Fenster zu ihr und kündet von einem schönen Sommertag.

Myriam Sanders ist Detektivin für heikle Angelegenheiten, Lebensberatung und beste Freundin. Es sind meist Frauen, die zu ihr kommen und sie buchen. Eine Frau für alle Fälle. Was hat sie nicht schon alles erlebt. Einmal sollte sie einen untreuen Ehemann überführen, damit die Dame einen höheren Unterhalt einklagen konnte. Ein andermal hat sie eine Frau zu einer Sexparty begleitet. Interessanter Abend, aber nichts für sie. Sie steht zwar auf Frauen, aber mit Rudelbums hat sie nicht viel im Sinn.

Aber diese Art des Lifestyles scheint sie zu verfolgen und sie kommt immer wieder in Situationen, in denen es hart zur Sache geht. Langsam atmet sie die frische Luft in ihre Lungen und ihr Blick gleitet über die grüne Landschaft. Ihr verwilderter Garten wartet auf eine helfende Hand. Gartenarbeit ist nicht unbedingt ihre Passion und sie lässt die Natur einfach mal machen. Noch ein tiefer Atemzug, sie wendet sich ab, geht zu ihrem CD-Player und drückt «Start». Die harten Beats der Gruppe Roxette klingen durch das Zimmer und sie beginnt ihre Morgengymnastik. Schließlich möchte sie fit bleiben.

Myriam grinst bei dem Gedanken an Bea, mit der sie den gestrigen Abend verbracht hat. Die Frau ist echt klasse, keine versteht es so gut wie sie, zuzuschlagen. Sie reibt sich ihre Pobacken und ein wohliger Schauer überzieht ihren Rücken bis hin zu ihren Lenden.

Wenn Bea mich übers Knie legt, meinen blanken Hintern mit der Hand bearbeitet, schlägt sie niemals hart zu, lässt ihre Finger genüsslich über meinen Körper gleiten, bringt mich mit der Berührung in höchste Entzückung und mein Körper wird von einer Gänsehaut überzogen. Dann habe ich sie gepackt und auf den Bauch gedreht, ihren Rücken mit Küssen übersät und meine Hände fanden den Weg zu ihrer nassen Pussy. Ich drang mit meinem Dildo in sie ein und fickte sie königlich, sodass sie in höchste Wonnen aufstieg und ein gewaltiger Orgasmus ihren Körper schüttelte. Sie entzog sich mir, kniete sich vor mich, nahm den Dildo, schob ihn mir in meine Lustgrotte und leckte meine Muschi mit flinker Zunge. Ohhhhh, jaaaaaaa. Ich spürte einen Orgasmus in mir aufsteigen und schrie ihn laut hinaus. Noch keuchend lagen wir beieinander, streichelten und küssten uns.

«Du, ich muss los!», und löste meine Hände von ihrem schönen Körper.

«Sicher, musst du das!», und sie beobachtete, wie ich mich ankleidete. «Sehen wir uns wieder?»

Erwartete sie eine Antwort?

«Weiß ich nicht, wenn der Zufall uns zusammenführt?»

Ich kann und will mich nicht festlegen. Es war ein wunderschöner Abend und erfüllender Sex, aber meinen Hunger auf Erfüllung konnte sie nicht stillen.

Ich bin weit davon entfernt, eine Beziehung zu haben. Immer ist es der One-Night-Stand, der mich gefangen hält und mich bei keiner Partnerin bleiben lässt. Manchmal denke ich, dass ich die Liebe meines Lebens niemals finden werde. Okay, genug gegrübelt.

Eine heiße und kalte Dusche erfrischen Myriam und sie ist bereit für den Tag.

Als sie das Büro betritt, erwartet sie ein einsamer Schreibtisch und ein Stuhl, der schon bessere Tage gesehen hatte. Ihre Stimmung fällt ins Bodenlose. Heute braucht sie unbedingt einen Auftrag, sonst kann sie sich nichts mehr leisten. Die wenigen Überprüfungsfälle, die sie von der Versicherungsgesellschaft erhält, reichen knapp für die Miete des Büros. Sie starrt das Telefon an, es rührt sich nicht, kein Lebenszeichen. Totenstille! Wenn das so weitergeht, muss ich unter der Brücke schlafen.

Der Tag plätschert so dahin und nichts tut sich. Mittags sperrt sie ihr Büro ab und wandert an der Spree entlang. Kehrt dann im «petit bijou» ein und genießt eine Suppe. Vorzüglich. Gesättigt macht sie sich wieder auf den Weg in ihr Büro.


Smaragd im Lederhalsband

Das Geschäft läuft nicht gerade gut», sagt sie zu der heißen Blondine im dunkelblauen Arbeitshemd. Sie steht mit einem Ballon Wasser auf der Schulter an der Tür und schaut vorwurfsvoll auf den Wasserkühler. Der Ballon aus dem letzten Monat ist noch fast voll.

«Was, du warst nicht durstig?», fragt das Wassermädchen und grinst sie mit ihren rubinroten Lippen an. «Sie müssen mehr Wasser trinken, das ist gut für die Synapsen und Sie können dann besser denken und vielleicht haben Sie dann eine Idee, wie Sie Ihren Reichtum vermehren können!» Ihre Lippen kräuseln sich und sie sieht Myriam mit ihren blauen Augen an.

«Oh, ich bekomme schon sehr oft viel Durst, und auch Appetit, aber nicht unbedingt auf Wasser.» Die Zweideutigkeit dieses Satzes ist ihr sehr wohl bewusst.

Das Wassermädchen rollt mit den Augen, stellt den Ballon auf den Boden und macht sich daran, den alten zu ersetzen.

Als sie sich vorbeugt, kann Myriam die feste Rundheit ihres Pos bewundern, als wäre es ein Kunstwerk. Ihre schönen Formen fordern die Nähte ihrer hautengen Jeans heraus. Schade um den Ehering, den Sie an ihrem rechten Ringfinger trägt. Wirkliches Mitleid wallt in ihr auf. Ein Mann würde nicht wissen, was er mit diesem schönen Körper anfangen soll. Er würde nicht alle geheimen Orte der Sehnsucht kennen und nicht wissen, wo sie sich wünscht, berührt zu werden. Nicht die Knöpfe kennen, die man berühren muss, um sie in wahre Ekstase zu versetzen.

Ich bin nass und quetsche meine Beine zusammen. Ein inneres Schreien, wie eine Todesfee in Flammen. Ach. Sich nach heterosexuellen Frauen zu sehnen, ist der Fluch vieler Lesben. So manches Mal wird aber auch eine heterosexuelle Nixe in meinen Armen schwach.

«Kann ich noch irgendetwas für dich tun?», fragt sie.

«Wie wäre es mit einem Getränk?», frage Myriam zurück und zieht zwei Glasbecher aus ihrer Schreibtischschublade. «Ein kurzer Drink zum Aufwärmen?»

«Vielleicht ein anderes Mal, Myriam. Ich bin bei der Arbeit.»

«Okay, dann ein andermal.» Myriam gießt sich ein Glas Single Malt ein. Maya wischt sich ein langes goldenes Haar aus dem Gesicht und hebt den kaum benutzten Wasserbehälter. «Wir sehen uns.»

Einfach so ist sie aus dem Büro verschwunden und auf dem Weg nach Hause zu ihrem Ehemann in den Vororten. Der süße Duft ihres Parfüms hält für einen unglaublich kurzen Moment an, und auch das lässt nach. Myriam lehnt sich zurück und ersetzt ihren Geruch durch den Geruch der wilden Türkei. Sie schaut sich in ihrem leeren Büro um.

«Ein weiterer Tag in diesem öden Zimmer. Vielleicht muss ich mir einen ehrlichen Job suchen.»

Sie nimmt einen Schluck. Er ist bittersüß und warm, als sie ihn hinunterschluckt.

In diesem Moment sind Schritte vor der Tür zu hören.

«Was ist los, Maya? Hast du dein Trinkgeld vergessen?»

Die Tür schwingt langsam auf, und eine schöne Frau tritt ein, aber es ist nicht Maya. Diese Dame, eine umwerfende Erscheinung, hat ihr kastanienbraunes Haar in einer Vintage-Hochsteckfrisur gestylt. Ihr Outfit, ein figurbetontes, purpurrotes Kleid, das einen atemberaubenden Körper umrahmt, und ein schwarzer Spitzenschal um ihre Schultern aus Alabaster. Myriam kann nicht anders, als sich aufrecht in ihren Stuhl zu setzen. Die Frau nähert sich dem Schreibtisch und betrachtet Myriam mit smaragdgrünen Augen, die zu dem Smaragd passen, der in der Mitte des schwarzen Lederhalsbands eingebettet ist und das eng um ihren zarten Hals liegt.

«Ich suche einen Herrn Sanders!», sagt sie und es klingt wie eine Feststellung.

«Nun, Sie haben Frau Sanders gefunden», erwidert Myriam und steht auf. Sie streckt ihre Hand aus, um ihre geheimnisvolle Besucherin zu begrüßen.

«Myriam Sanders.»

«Oh», sagte sie. Sie ergreift zögerlich die ausgestreckte Hand.

Wenn sie nicht so hinreißend wäre, könnte mich ihr Zögern beleidigen, als sie hörte, dass ich eine Frau bin.

Aber sie fährt fort: «Das passt vielleicht besser zu mir. Wenn Sie nichts dagegen haben, dass ich das sage. Ich gebe es nicht gern zu, aber meine Lage ist ziemlich peinlich, verstehen Sie?»

Myriam zuckt mit den Achseln. «Es sind peinliche Zwangslagen, die die Menschen dazu bringen, zu mir zu kommen. Nehmen Sie Platz.»

Sie setzt sich vorsichtig hin und achtet auf die Falten ihrer üppigen Garderobe. Myriam ist es peinlich, dass sie ihren hochklassigen Arsch in dem schäbigen Bürostuhl parken muss.

«Einen Drink?»

«Bitte», antwortet sie. Myriam füllt ein Kristallglas mit Single Malt und schiebt es über den Schreibtisch zu ihr. Sie dankt ihr mit einem Nicken und nimmt einen kleinen Schluck.

«Nun, was kann ich für Sie tun, Frau ...?»

«Moretti. Noemi Moretti!» Sie atmet tief durch. Nimmt das Getränk mit zitternder Hand. Sie ist definitiv aufgewühlt und verunsichert. Als sie ihr Glas wieder auf den Schreibtisch stellt, greift Myriam hinüber und legt ihre Hand auf die schöne Hand von Frau Moretti. Ihre Augen, zwei große Untertassen, die in rauchige Wimperntusche gehüllt sind, treffen auf Myriams

«Sie sind hier in Sicherheit, Frau Moretti. Jetzt bitte, sagen Sie mir, was Sie zu mir führt.»

«Wo soll ich anfangen?» Sie überlegt einen Moment. «Ich bin so etwas wie eine behütete Frau. Teure Kleidung, gutes Essen. Alles, was mein Herz begehrt. Alles, außer Freiheit.» Ihr leichter italienischer Akzent hört sich echt süß an. Sie legt eine kleine Pause ein.

«Ich bin eine Trophäenfrau. Gepflegt und für alle sichtbar. Ich bin mit jemandem verheiratet, der in der Unterwelt mächtig ist. Ich glaube, das ist mein Schicksal. Ich habe einfach nicht gedacht, dass es so sein würde. Mein Vater war Nero Vespucci.»

Dieser Name erregte Myriams Aufmerksamkeit. «Nero Vespucci», murmelte sie.

«Der große Boss des größten Verbrechersyndikats aus Sizilien. Bis …», Noemi zögert kurz. «Bis er kaltblütig erschossen wurde, als er sich zwischen die vier Familien setzte. Ein Akt des Verrats, der mit Brutus konkurriert, der seinen Dolch in Caesars Rücken stieß.»

Myriam fischt eine Zigarette aus der zerknitterten Cellophanpackung auf ihrem Schreibtisch. Sie bietet ihrer Besucherin eine an, sie winkt ab. Noemi fährt fort. «Kommt Ihnen der Name Antonia Moretti bekannt vor?»

Myriam zuckt wieder die Achseln und atmet eine Rauchwolke aus.

«Ist das Ihre Schwiegermutter?»

«Nein, meine Frau, ich lebe in einer lesbischen Partnerschaft», antwortet Noemi leise. «Meine Frau ist die Matriarchin des Moretti Clans. Und seit sie den blutigen Coup arrangiert hat, der die Vespuccis von der Landkarte gestrichen und das Leben meines Vaters ausgelöscht hat, ist sie de facto die Anführerin der Vier Familien.»

Myriam kratzt sich am Kopf und fragt: «Also, diese Frau zerstört das Erbe Ihrer Familie und tötet Ihren Vater, dann wechseln Sie das Lager und heiraten sie?»

Noemi beißt sich auf die Lippe und zupft abwesend an ihrem Halsband. Als sie merkt, was sie tut, zieht sie ihre Hand weg.

«Wie ich schon sagte, bin ich eine Trophäe. Die Familie Moretti hat in Hamburg angefangen, Ware zu schmuggeln. Später haben sie sich einen Besitz in Berlin zugelegt und sie betreiben das Schmuggelgeschäft im großen Stil. Nach außen hin sind sie eine hoch angesehene Familie, mit vielen einflussreichen Freunden, sowohl in der Politik, als auch in der Industrie. Sie unterhalten auch einige Obst- und Gemüseläden, ein paar Pizzerien und einen exklusiven Nachtclub. Dort wird das Geld gewaschen. Illegale Waren wie Rauschgift, Elfenbein, Waffen und vieles mehr. Und sie üben Voodoo Zauber aus. Sie kennen sich mit richtiger Magie aus. Sie werden denken, ich bin verrückt, Frau Sanders. Aber ich schwöre: die Morettis praktizieren Voodoo. Ich weiß es.»

Myriam zieht eine Augenbraue hoch.

«Voodoo? Wie bei den Hexendoktoren? Ich habe davon gehört, es aber nie ernst genommen. Ich dachte, alles Schwindel, um andere Menschen zu dominieren.»

«Sie finden es sicher töricht», erwidert Noemi resigniert, «das würde ich auch. Aber ich habe es in Aktion gesehen. Ich bin jeden Tag ein Opfer davon.»

«Ein Opfer von Voodoo?», fragt Myriam. «Antonia Moretti hat Sie in einen Liebeszauber verwickelt?»

Noemi legt ihre Hand an ihren Nacken und strafft ihre Schultern. «Nachdem sie meinen Vater vor meinen Augen getötet hatte, verschonte Antonia mein Leben. Aber nur, weil ich zugestimmt hatte, dieses Halsband zu tragen. Wenn ich damals gewusst hätte, was ich jetzt weiß, hätte ich den Tod gewählt. Dieser Kragen kontrolliert meinen Verstand. Oder zumindest Teile davon. Meine Wünsche. Meine Liebe. Es bringt mich dazu, Antonia zu lieben, trotz allem, was sie getan hat. Es macht mir Lust auf sie. Vor allem das Verlangen, ihr zu gefallen, obwohl sie mich in der Öffentlichkeit demütigt und mich in ihrem privaten Club ausbeutet. Ich erinnere mich laufend daran, wozu sie fähig ist. Was erwartet jemanden, der es wagt, sie herauszufordern? Nur der richtige Schlüssel kann das Schloss öffnen.»

Myriam drückt ihre Zigarette aus und atmet mit einem Seufzer aus. «Vielleicht ist es besser, mit einem Priester zu sprechen.»

«Das kann ich nicht!», antwortet Noemi. «Es gibt keinen Kampf gegen diese Magie. Ich habe schon so oft versucht, dieses Band loszuwerden, aber dadurch wird es immer enger. Meine einzige Hoffnung ist, das Halsband mit dem Schlüssel zu entfernen.»

«Wenn Sie das Halsband abnehmen wollen, Süße, ich habe hier ein Taschenmesser. Ich werde es gleich durchschneiden.»

«Wie ich schon sagte, das geht nicht. Wenn Sie versuchen, es durchzuschneiden, werde ich erwürgt und wer weiß, was dann mit Ihnen passiert? Der Kragen kann nicht manipuliert werden. Ich bin ohne den Schlüssel Antonias Gnade ausgeliefert. Und diesen Schlüssel versteckt sie gut vor mir. Er hat magische Kräfte und nur mit diesem Schlüssel kann man dieses Halsband öffnen. Der Schlüsselbesitzer hat alle Macht über den Träger des Halsbandes.»

«Ich würde gerne helfen, aber ich bin mir immer noch nicht sicher, was ich hier tun soll, Frau Moretti», antwortet Myriam. Sie steht auf und umrundet ihren Schreibtisch, setzt sich auf seine Kante, nah genug an Noemi, um einen Hauch ihres Duftes zu erhaschen. Flieder.

«Wenn Sie nicht die Trophäenfrau der Königin von Berlin sein wollen, warum verlassen Sie dann nicht die Stadt?»

Noemi blickt zu Myriam auf und mustert sie mit großen Augen.

«Sie haben keine Ahnung, zu welchen Dingen diese Familie fähig ist. Und es ist die grausame Natur dieses Fluches, Frau Sanders. Mir bleibt genug von meinem früheren Ich, um die Macht zu erkennen, die sie über mich hat. Aber ich kann nichts dagegen tun. Ich darf mich in der Stadt frei bewegen, weil sie weiß, dass ich, wie ein gut ausgebildetes Haustier, zu ihr zurückkehren werde. Wissen Sie, dass ich nicht mal lesbisch bin? Ich wurde nie von anderen Frauen angezogen, bevor sie mich in diesen Kragen gesteckt hat. Jetzt ist meine Gier nach dem weiblichen Körper unersättlich. Ich kann nicht anders, als Sex mit vielen verschiedenen Frauen zu haben. Zum Vergnügen und um mich ihnen zu unterwerfen. Ich werde ehrlich zu Ihnen sein, Frau Sanders. Ich kann kaum einen klaren Gedanken fassen, wenn ich eine attraktive Frau vor mir sehe. Nur ein Gedanke beherrscht mich: Ich möchte jetzt unbedingt Ihre Muschi lecken.»

Sie legt ihre Hand auf Myriams Oberschenkel und reibt sie schmerzhaft langsam. Myriam presst die Lippen zusammen. Die Wärme ihrer Hand auf dem Oberschenkel fühlt sich gut an. Ihre Fingerspitzen bewegen sich gerade weit genug, um sie anzumachen. Ihr innerer Oberschenkel prickelt vor Vorfreude. Myriam hält ihre Hand fest, das geht zu weit! Mit flehenden Augen wird Myriam angesehen.

«Frau Moretti, Sie sind verheiratet. Außerdem habe ich das Gefühl, dass Sie gerade nicht wissen, was Sie tun.»

«Bitte, ich will es unbedingt. Ich bin verflucht, jede Frau zu befriedigen, mit der ich in Kontakt bin.» Sie tritt näher und als sie spricht, rinnt ein angenehmes Bouquet von süßem Wein aus ihrem warmen Atem.

«Antonia liebt es, mit Frauen zu schlafen. Sie wusste, dass ich heterosexuell bin und dass jede Frau, der ich mich unterwerfe, ihre eigene Dominanz behauptet. Jede Frau, die ich sehe und mir gefällt, möchte ich verwöhnen, mich ihr unterwerfen. Die Qual, mich Ihnen jetzt nicht zu geben, ist einfach zu groß, um es zu ertragen. Bitte, Frau Sanders, ich bin die Ihre ...»

«Nennen Sie mich Myriam!»

Sie küssen sich, ihre warmen Lippen vermischen sich, während ihre feuchten Zungen die warmen Höhlen des jeweils anderen Mundes erkunden.

«Was weißt du über Voodoo?», flüstert Naomi. «Voodoo ist eine Zauberreligion, die hauptsächlich in Haiti beheimatet ist. Sie hat magische Kräfte und weltweit über 60 Millionen Anhänger. Voodoo kennt nur einen Gott, dieser wird französisch Bondieu genannt. Da Bondieu allerdings so gewaltig ist, dass der Gläubige sich nicht direkt an ihn wenden kann, gibt es die ‚Loa‘ als Vermittler. Bei den Loa handelt es sich um göttliche Geistwesen, in deren Macht es steht, Dinge zu verändern mit großer Macht und beinahe uneingeschränkten Möglichkeiten. Die Loa soll in der Lage sein, denen, die sie verehren, fast jeden Wunsch zu erfüllen. Als gefährlichster Geist wird die weibliche Loa Marinette angesehen, ein zerstörerisches weibliches Geistwesen, das die schwarze Magie beherrscht. Und zu dieser Loa Marinette hat Antonia Moretti, meine Frau und Herrin eine ganz enge Verbindung und auf ein Wort von ihr, wenn ich nicht gehorsam bin, schnürt mir die Loa Marienette den Hals zu, mit fürchterlichen Schmerzen und Erstickungsempfindungen.»

Myriam streichelt Noemis Wange, ihre Haut. Ihre Hände umfassen ihre Brüste und massieren sie für einen Moment, während sie sich leidenschaftlich küssen. Hastig knöpft Noemi Myriams Hose auf und reißt das Hemd auseinander. Die Knöpfe springen ab und ihre Hände wandern Myriams Leib entlang auf der Suche nach der feuchten Wärme des Geschlechts.

Myriam ist in der Tat eine devote Geliebte. Die Hose ist ausgezogen und das Höschen baumelt um den Knöchel des linken Sneakers, bevor sie blinzeln kann. Sie schüttelt ungläubig den Kopf. Sie glaubt, sie sei in einem Paralleluniversum gelandet und traut sich nicht, sich zu wehren.

Noemi drückt Myriam auf ihren Schreibtisch und spreizt deren Knie. Sie drückt ihre weichen purpurroten Lippen gegen die Innenseiten. Jeder Kuss auf die Schenkel verstärkt das eifrige Pochen des Verlangens, das in ihr aufsteigt.

Mit ihrer nassen, rosafarbenen Zunge zieht sie eine Linie an dem Oberschenkel entlang und führt sie wie eine Wünschelrute direkt zu Myriams nasser Muschi. Sie stöhnt vor Freude über ihren ersten Geschmack. Dann leckt sie Myriam begeistert und energisch auf deren Schreibtisch. Jede aggressive und gekonnte Wendung ihrer Zunge bringt Myriam schnell dem Höhepunkt näher. Die Frau arbeitet mit übernatürlicher Geschwindigkeit, keucht und stöhnt. Als ob der Akt, einfach nur Vergnügen zu schenken, ihr selbst großes, ekstatisches Vergnügen bereitet. Die Erfüllung ihrer unterwürfigen Pflichten bereitet Myriam eine enorme Befriedigung. Sie verhält sich wie eine sexhungrige Frau. Als sie Myriam schließlich so weit hat und ihr einen schreienden, spritzenden Orgasmus gibt, leckt sie die Säfte hungrig auf, wie eine große Belohnung.

Keine Frau, egal ob schwul oder hetero, leckt eine Muschi, so wie sie, denkt Myriam. Einfach ausgedrückt, ihre Cunnilingus-Fähigkeiten sind wirklich übernatürlich.

Als sie fertig ist, steht sie auf und küsst Myriam auf die Lippen. Die Säfte, gemischt mit ihrem süßen Speichel, fließen in Myriams Mund. «Mein Gott!», haucht sie außer Atem. «Das war überwältigend. Wo hast du das gelernt? Unglaublich.»

«Nicht gelernt. Das habe ich beigebracht bekommen und wenn ich es nicht richtig zur vollen Befriedigung gemacht habe, dann zwang mich mein Halsband mich hinzuknien, meinen Po hochzurecken und ich erhielt ein paar Hiebe mit der Peitsche.»

«Wie furchtbar! Hier in Berlin?»

«Nein. Zweimal im Jahr fliegen wir nach Haiti. Der Moretti Clan besitzt dort ein Haus.»

«Aha. Daher die Verbindung zum Voodoo?»

«Ja. Die Villa Camilleri ist eine makellos gebaute und gepflegte Residenz auf knapp einem Hektar Grund am malerischen Colombier Beach, der zu den abgeschiedensten und schönsten Stränden auf Haiti gehört. Eine Traumbucht, sie befindet sich südlich Anse-Rouge, 150 km vom Flughafen Port-au-Prince, 3 Std. Fahrt, aber türkisfarbenes glasklares Wasser, viele bunte Fische, gesäumt von schneeweißen, mehlweichen Sandstrand. Das zweistöckige weiße Gebäude ist komfortabel und luxuriös gestaltet, tadellose Materialien wie Pecky Cypress, Marmor, Mahagoni und Stein sind im ganzen Haus verteilt. Dutzende raumhohe Fenster und französische Doppeltüren sorgen für ein helles und sonnendurchflutetes Interieur mit phantastischem Blick auf das Meer und die Sonnenuntergänge. Zehn Gästesuiten in Hotelqualität, formelle und ungezwungene Speisesäle, geräumige Familienzimmer und private Balkone. Traumhafter und zugleich Albtraumhafter Ort. Versorgt von bildhübschen Mädchen, nur bekleidet mit durchsichtigen bunten Seidenhüfttüchern lässt sich die Madame da bedienen. Und ist man nicht bemüht um sie, kommt man in einen speziellen Raum im Keller, mit einem massiven Strafbock mit schweren Echtlederriemen, eine kleine Gerätewand sowie ein beledertes und mit Edelstahlklampen versehenes Wandkreuz und einem prunkvoll gestalteten Thron und das große Fesselbett – und wird gepeitscht.»

«Oh, Gott. Ich glaubs nicht.»

«Doch. So ist das, wenn man im Fluch des Zaubers gefangen ist», flüsterte Naomi und Myriam wird von ihr stürmisch geküsst.

Sie schlingt die Beine um Noemi, die Seide ihres Kleides fühlt sich wunderbar an den Beinen an. Sie zieht den Schal weg, beginnt, den Träger nach unten zu schieben. Sie freut sich auf die nächsten Minuten, aber es klopft an der Tür. Shit!

Sie sehen beide aus wie ertappte Teenager. Noemis Gesicht wird rot und sie setzt sich wieder. Myriam muss ihre Hose wieder hochziehen und fühlt sich durch ihren offensichtlichen Mangel an Professionalität etwas schuldbewusst.

Bevor sie die Tür öffnet, sieht sie Noemi an, die mit einem süffisanten Lächeln strahlt und sich den Mundwinkel abwischt, wie man es tun würde, wenn man einen Gourmetkurs beendet hat.

Sie ist definitiv eine Dame, für die es sich lohnt, auf Anstand zu verzichten. Myriam streicht über die Falten ihrer Hose, knotet ihre Bluse an den Enden zusammen, Knöpfe sind keine mehr vorhanden, und repariert hastig ihre Haare, bevor sie zur Tür geht.



Annie steht im Eingang. Braunes Haar, Brille und hübsch. Sie kommt frisch von der Uni, technisch gesehen eine Praktikantin, aber meistens darf sie nur kleine Botengänge machen. Sie ist klein und liebenswert. Aber als Angestellte ist sie tabu für Myriam.

Sie sieht zuerst Myriam an und dann Noemi.

«Es tut mir leid. Ich wollte nicht unterbrechen», quietscht die Praktikantin schüchtern.

Myriam schüttelt ihren Kopf. «Nein, ähm, Frau Moretti wollte gerade ...»

«Gehen», ergänzt Noemi den Satz und tritt an Myriams Seite. «Du wolltest mich zu meinem Auto bringen.»

«Richtig, ja. Ich wollte Frau Moretti zu ihrem Auto bringen.»

Annie nickt. Dann hält sie einen Ordner hoch. «Ich habe die Fotos in der Anwaltskanzlei abgegeben, wie du es gesagt hast. Er hat mir diese Akten zur Unterschrift mitgegeben.»

«Perfekt», antwortet Myriam und hält die Tür offen, damit Noemi hindurchgehen kann. «Ich komme gleich wieder.»

Myriam und Noemi gehen schweigend durch den Flur und dann die Treppe hinunter. Draußen auf dem Bürgersteig verabschiedet sich Noemi und will sich auf den Weg zu ihrem Mercedes machen. Myriam stoppt sie mit einer Hand an ihrem Ellbogen.

«Ich übernehme den Fall!», erklärt Myriam.

Noemi sieht sie an und nickt. «Du meinst …?»

«Ich hole den Schlüssel für dich. Was und wo auch immer er ist.»

Noemi umarmt Myriam. Eine innige Geste, die Myriam, trotz der intimen Handlung, die sie Minuten zuvor durchgeführt hat, überrascht. Als sie loslässt, greift sie in eine kleine Handtasche und zieht einen schwarzen Briefumschlag hervor. Sie öffnet die Klappe, zieht ein Stück samtschwarzen und violetten Kartenkarton in Postkartengröße heraus und reicht es ihr. Myriam betrachtet das kleine Rechteck. Es ist eine elegante Einladung zu einer Party. Die Schrift darauf ist mit Blattgold geprägt. Heaven & Hell Mixer in The Pearl. Bist du ein Engel oder ein Dämon? Rausfinden. Einladung gewährt Inhaber + 1 Gasteintritt.

«Dies ist für heute Abend!», bemerkt sie und liest das Datum und die Uhrzeit, die unten abgedruckt sind. Noemi nickt. «Dies ist meine vorerst einzige Chance, damit du agieren kannst. Und ich kann lange genug von zu Hause wegbleiben, um diese Vereinbarung mit dir zu treffen. Ich werde mir noch Dessous kaufen, damit es realistisch ist, dass ich so lange weg bin, ich will keinen Zweifel an meiner Aufrichtigkeit lassen. Ich entschuldige mich, wenn das auch sehr kurzfristig ist, Myriam.»

Sie schiebt die Einladung zurück in den Umschlag und steckt sie in Myriams Jacke.

«In Anbetracht der Kürze der Zeit, verzichte ich auf eine Anzahlung. Es reicht, wenn du mir 500 Euro heute Nachmittag auf mein PayPal-Konto überträgst. Hier ist meine e-Mail-Adresse.»

«Okay, das mache ich, kannst dich drauf verlassen.»

«Und wenn ich erfolgreich meinen Job erledigt habe, bekomme ich noch einmal 500 Euro. Ist das in Ordnung für dich?»

«Ja, alles gut. Abgemacht. Die Anzahlung heute Nachmittag und den Rest nach erfolgreichem Abschluss.»

«Ich habe zwar ein Date mit Netflix und einer Flasche Scotch, aber ich nehme an, das kann warten.» Myriam öffnet die Wagentür für sie.

«Und du wirst einen Gast mitbringen? Für den Anschein. Nicht viele tauchen alleine auf.»

«Ah, verdammt. Ich dachte, du wärst mein Date.»

«Sorry! Wenn du den Schlüssel hast, Myriam, bin ich ganz bei dir, wenn es dir gefällt.»

Noemi gibt ihr einen warmen Kuss auf die Lippen, bevor sie in ihren eleganten Mercedes steigt.

«Bis heute Abend!», gurrt sie. Myriam sieht zu, wie ihre Heckleuchten um die Ecke verschwinden. Sie ist eine Frau, die das Leben bereichern und in Unordnung bringen kann.

Aber, hey, no risk, no fun? Ich bin mir nicht ganz sicher, was für einen Job ich für diese Nacht unterschrieben habe? Bin ich Verhandler? Den Schlüssel stehlen? Ich denke, ich werde einfach das tun, was ich immer tue. Spiel es nach Gespür. Vodoo, das ist doch alles Quatsch. Das Rätsel werde ich lösen. Bring einen Gast mit, hat sie gesagt. Wen könnte ich anrufen, um mich zu eskortieren? Eine hochkarätige Angelegenheit wie diese? Ich würde wie ein schmerzender Daumen herausragen, wenn es nicht die passende Begleitung wäre. Ich würde ein elegantes Mädchen an meinem Arm brauchen, um hineinzupassen. Aber wer? Und was ist das Pearl? So viel ich weiß, handelt es sich um einen angesagten Club in bester Charlottenburger Lage gegenüber dem Theater des Westens, zieht die Stars und Sternchen wie Justin Bieber, Sängerin Rita Ora, Mike Tyson, Fußballspieler und deutsche Schauspieler wie z.B. Nora Tschirner, ein Club mit edlem Ambiente an. Außerdem bucht der Club regelmäßig exklusive Live Acts wie FUTURE, Travis Scott oder Größen aus der deutschen Musikszene. Für Partyspaß sorgt dabei ein zehn Meter hoher Wasserfall im Lounge-Bereich, eine kraftvolle Soundanlage, der LED Dancefloor.

Eine regelmäßige Veranstaltung im Partykalender des Clubs ist die After-Work-Party, die hier in Kooperation mit dem Radiosender 104.6 RTL veranstaltet wird. Immer donnerstags gibt es beim Ku‘damm neben den besten Hits zum Tanzen beim After Work auch eine Kleinigkeit zu Essen wie Pizza oder Fingerfood, das im Eintritt inbegriffen ist.

Und da gehe ich heute Abend mit einer Begleitung hin. Thema: Himmel und Hölle. Ist wohl eine Sonderveranstaltung. Mal sehen, was mein Kleiderschrank dazu sagt. Das Finanzielle ist gesichert.

Myriam geht zurück in ihr Büro. Annie lehnt am Schreibtisch. Sie umarmt den Ordner, den sie aus der Kanzlei des Anwalts mitgebracht hat. Sie sieht Myriam mit ihren großen blauen Augen an. Sie schüttelt den Kopf, um eine glänzende, braune Haarsträhne aus ihrem Gesicht zu entfernen.

Myriam lächelt. «Was macht deine Beziehung?»

Annie schüttelt den Kopf und sieht zu Boden.

«Du bist nicht mehr bei dem Kerl? Wie heißt er?»

«Todd? Nein. Er hat sich als echter Idiot erwiesen», erwidert Annie. «Außerdem haben wir nie richtig zusammen gepasst, weißt du – da wo es zählt.»

«Hast du heute Abend irgendwelche Pläne?»

«Ich? Nein», antwortet sie.

«Willst du mit mir zu einer Party gehen?» Annie sieht verblüfft aus.

«Oh, danke, aber ich stehe nicht auf Mädchen.» Myriam ist nicht überrascht, denn das wusste sie.

«Nein, es ist nichts dergleichen. Arbeitssache. Ein bisschen Geselligkeit, vielleicht einige Informationen mit geringem Einfluss.»

«Klingt irgendwie lustig. Sicher!»

«Großartig. Dies ist eine schicke Angelegenheit, wenn du ein Kleid hast, das für den Rahmen angemessen ist?»

Ihr Gesicht leuchtet auf.

«Ich habe ein Kleid von meinem Abschlussball! Es ist so ein wunderschönes Teil, ich wollte es immer wieder tragen.»

Myriam lächelt. «Dann ist es ein Date. Ich hole dich um einundzwanzig Uhr ab.»

Zurück in ihrer Wohnung nimmt Myriam ein Bad mit Duftschaum und entspannt sich. Wohlig räkelt sie sich im warmen Wasser, legt noch eine Maske auf und wartet, bis sich das Gesicht zusammenzieht, als sie trocknet, um dann alles wieder abzuspülen. Dann noch Haare waschen und Maske abziehen. Beim Anziehen lässt sie sich viel Zeit. Sie wählt ein Cocktailkleid, das seit der letzten Party am anderen Ende des Schranks hängt. Ein schwarzer Hauch von Nichts. Der Saum bedeckt kaum ihren runden Po. Da der Rock die Grenze zwischen Himmel und Hölle selbst überspannt, nimmt sie an, dass er für eine Heaven & Hell-Party ausreichen würde. Aber zuerst legt sie sich eine schwarze Spitzenkorsage an und einen schwarzen Spitzentanga. Schwarze Nylons vervollständigen das Bild. Myriam betrachtet sich in einem Ganzkörperspiegel und ist mit ihrem Anblick zufrieden.

Das dunkelblonde Haar steckt sie in eine Hochsteckfrisur als Hommage an ihre Klientin, Frau Noemi Moretti, und verschönert sich mit rauchigem Lidschatten und ein bisschen Rouge, um ihre Wangen zu betonen. Ihre kürzeste schwarze Lederjacke passt perfekt zu dem Kleid, und sie trägt knallrote High Heels dazu.

So ausgestattet, gibt sie ein gutes Bild ab. Sie nimmt ihr femininstes Taschentuch, steckt es zu dem kleinen Revolver in ihre schwarze Abendtasche und tritt in die Nacht hinaus.

Myriam hält vor Annies Haus. Eine Wohnung, in der sie noch bei ihren Eltern wohnt. Ein Anruf und vier Minuten später bewegt sie sich vorsichtig mit Stöckelschuhen die Vordertreppe hinunter, die dem kleinen Mädchen eine gewisse Größe verleihen. Ihr Kleid ist überraschend elegant. Das Mädchen sieht aus wie eine Debütantin, als sie so auf Myriam zutippelt. Sie klettert auf den Vordersitz und sieht sie mit ihren großen, blauen Augen an, die mit den dunklen Akzenten ihres Make-Ups leuchten.

Zwischen den Sommersprossen auf ihren Wangen funkelt Glitzer. Sie lächelt und fragt: «Sieht das gut aus?»

«Ja, du siehst toll aus! Wir fahren zum Club The Pearl, der zurzeit äußerst angesagt ist.» Während sie fahren, flucht Myriam innerlich.

Wie sexy meine Assistentin aussieht! Der Geruch ihres Parfums und meine überaktive Libido.

Jedes Mal, wenn Myriam einen Gang wechselt, reiben sich die nackten Beine aneinander, was sie nur noch mehr erregt. Annie weiß es nicht, aber in diesem Moment ist sie wie ein T-Bone-Steak, das über einem Löwenkäfig baumelt. Zum Glück dauerte es nicht lange, bis das Fegefeuer in Sicht kommt. Ein gehobener Club gegenüber dem Theater des Westens. Zwei Scheinwerfer laufen mit ihren brennenden Strahlen über den Himmel. Einer hellrot und der andere bläulich weiß. Himmel und Hölle streiten sich um das Fegefeuer. Nette Geste. Annies Augen schauen aus dem Beifahrerseitenfenster. Ein bisschen schicker als sie es erwartet hat.

«Wow», sagt sie. «Ich weiß nicht, ob ich hier reinpasse.»

Myriam spottet. «Oh, ich denke, du wirst gut passen.»

Myriam hält am Straßenrand und eine Frau in einer roten Weste nimmt ihr den Autoschlüssel ab. Annie und Myriam schließen sich dem Besucherstrom von schönen Menschen an. Als sie sich der Haustür nähern, legt Myriam ihrem Arm um Annie. Sie spannt sich für eine Sekunde an, aber Myriam wirft ihr einen Blick zu, der sagt: Entspann dich, du bist mein Date, handle natürlich.

Myriam gibt dem großen Mann, der an der Tür steht, ihre Einladung. Er sieht aus wie ein rasierter Gorilla im Smoking. Er nimmt die Einladung entgegen und sieht sie sich an. Er streckt seine riesige Hand aus und gibt einen Daumen nach unten. Myriam zieht eine Augenbraue hoch und will ihn fragen, was zum Teufel das bedeuten soll, aber er öffnet seinen riesigen Mund. «Hölle», verkündet er.

«Hölle?», fragt Annie und packt Myriams Arm fester. Der Gorilla im Anzug streckt nur den Arm aus und hindert sie daran, die Haupttür zu betreten. Stattdessen führt er sie zu einer roten Tür gleich um die Ecke. Die Worte «ABANDON ALL HOPE» (Alle Hoffnung aufgeben) war über die Tür gesprüht. Myriam führt ihre besorgte Assistentin zur Tür und als sie ankommen, schwingt sie langsam auf. Ein weiterer Mann im schwarzen Anzug mit roter Krawatte, diesmal etwas kleiner, erwartet sie. Er träg eine Halbmaske über dem Gesicht. Ein langnasiges Dämonengesicht mit hohen Wangenknochen, schwarzen Augen und kurzen Hörnern, die aus der Stirn ragen.

«Geht runter», sagt er, als sie eintreten.

Erst dann wird ihnen klar, dass es sich um einen Aufzug handelt. Sie gleiten langsam hinab, die Wände erinnern an einen Gitterkäfig, der über den Boden des Nachtclubs schwebt. Innen, Samt-rosarot und poliertes schwarzes Leder, soweit sie sehen können. Der Raum ist dunkel, und die einzigen Lichter in der Dunkelheit leuchten rot. Es sind mindestens hundert Menschen auf dem Boden gedrängt. Die Hölle brodelt, wie es scheint. Als sie aus dem Aufzug steigen, sehen sie, dass der Boden abgestuft ist. Natürlich! Die sieben Schichten der Hölle! Aber anstatt abzusteigen, hebt sich jede Reihe in die Mitte des Raumes, bevor sie schließlich eine Bühne bildet. Im Moment tanzen zwei kurvige Frauen, die nur in Tangas gekleidet sind, verführerisch schütteln sie ihre Haare und streicheln sich gegenseitig. Sie sind allein auf der Bühne, aber es gibt auch ein paar Requisiten. Ein großer schwarzer Thron aus Stahl und Plüsch, lila Samt, steht neben einem hölzernen Pranger, einer schwarzen Lederbank mit daran befestigten Kettenfesseln und einem Andreaskreuz mit Lederfesseln. BDSM Bondage Ausrüstung! Es sieht so aus, als ob sie heute Abend eine Show zu sehen bekommen.

Myriam schlängelt sich durch die Menge und macht sich den Weg frei, um zum Barbereich zu gelangen. Annie folgt dicht hinter ihr und sie hält sie wie ein verlorenes Kind an der Hand. In gewissem Sinne ist es wohl auch.

«Tut mir leid, Annie», ruft Myriam ihr über den dröhnenden Bass der Musik hinweg zu. Sie sieht Myriam nicht an. In der Nähe steht eine mit Leder und Metall bekleidete Domina mit einem unglaublich hohen Stilettoabsatz auf dem Rücken einer anderen Frau. Annie beobachtet sie aufmerksam mit offenem Mund. Die devote Frau kniet auf allen Vieren auf dem Boden. Sie ist nackt und nur mit einer Latexmaske bekleidet. Die Kapuze ist über ihr Gesicht gezogen. Es gibt keine Augenlöcher, nur ihre purpurroten Lippen sind durch ein Mundloch mit Reißverschluss sichtbar. Die Domina schlägt mit lustvollen Abständen ihren knallroten Arsch mit einer Peitsche und die Schreie der devoten Frau sind sogar über die Musik hinweg zu hören.

Bondage-Sklaven und Sklavinnen bedienen ihre Herrin oder ihre Herren. Po und Oberschenkel werden ausgepeitscht, Phalli dringen in jede Öffnung ein. Dies ist keine Party! Das ist eine Orgie.

Bevor sie die Bar erreichen, werden sie von einem erwachsenen Mann aufgehalten, der als Baby verkleidet ist. Er weint, während er an einem Schnuller kaut.

«Hast du meine Mama gesehen?»

«Nein, such weiter!», knurrt Myriam.

Der Mann stolpert davon und zieht einen übergroßen Teddybär hinter sich her. Myriam schüttelt ihren Kopf. Sachen gibt es! Als sie sich wieder Annie zuwendet, sieht sie, dass sie ein paar Meter entfernt steht. Den Nacken nach hinten geneigt, sieht sie eine muskulöse Frau direkt an. Die Frau ist eine Domina. Stachelkragen, Armbänder und BH. Sie trägt einen schwarzen Lippenstift in ihrem weiß geschminkten Gesicht und einen schwarzen Lederhut über ihrem langen, rabenschwarzen Haar.

Sie ist groß, und überragt die kleine Annie wie eine wunderschöne Amazonas-Kriegerprinzessin in ihren Stiefeln mit hohen Absätzen. Sie sagt etwas zu Annie und reibt Annies Kinn mit Daumen und Zeigefinger. Genau als Myriam das Paar erreicht, schiebt die Domina ihren Daumen in Annies Mund. Es sieht nicht so aus, als würde sie Widerstand leisten.

«Hallo!», ruft Myriam aus. Sie sehen beide auf. «Hände weg von meiner Freundin.»

Myriam nimmt Annie am Handgelenk und will sie wegführen. «Wenn ein Engel in die Hölle fällt», erklärt die Domina. «Du wärst verrückt, sie nicht zu fangen.»

Myriam ignoriert die Frau, kann auch nicht viel mit ihrer Aussage anfangen, und sie schaffen es, unbeschadet an die Bar zu gelangen.

«Was hat sie zu dir gesagt?»

Annie lächelt, zuckt mit den Schultern und sieht in die Menge. «Sie sagte, ich sei wunderschön und sie könne in mein Herz sehen.»

«Hat sie dir verraten, was sie gesehen hat, Annie?»

Sie ignoriert die Frage. «Sie sagte, ich solle sie ‚Mistress‘ nennen.» Sie kichert albern. «Mistress.»

Myriam bereut, sie mitgebracht zu haben. Dieser Ort ist zu intensiv für sie.

«Versuch einfach deinen Kopf bei dir zu behalten und bleib in meiner Nähe!» Myriam winkt den Barkeeper herbei und bestellt einen Scotch für sich und ein Wasser für Annie.

Während sie warten, schaut sie sich um. Myriam taucht in einen Ort voller heißer Rhythmen und erotischer Stimmung ein. Der Clubbereich, eine Tanzfläche mit DJ, am Rand einzusehende Separees, offene Liegeflächen, drei Bars. Zu aller erst fallen ihr die Menschen auf, die auffällig gekleidet sind. Von Lack und Leder, bis hin zu Masken, die sie so noch nie gesehen hat, nackte Brüste und offene Hosenschlitze, zelebrierter Techno, Hedonismus und Fetisch, sehr hippe, schöne Menschen. Auffällig ist die große Anzahl junger Frauen. Selbstbewusst beanspruchen schon Anfang zwanzigjährige ihren Platz bei dieser Sex-Party. Adaptionen aus der SM-Szene sind dabei ganz offensichtlich: Hundehalsbänder und Lederharnesse sieht Myriam. Rund 20 junge Frauen folgen auf die Tanzfläche, und schon kurz nach der Ankunft wälzen sich im Wechsel immer mindestens fünf von ihnen nackt auf dem nahestehenden Bett der Gastgeberin. Einige stürzen sich förmlich aufeinander, irgendwann scheint es fast egal, wer wen küsst, leckt, fingert. Andere schauen nur etwas überrascht zu, doch alle scheinen sich wohlzufühlen. Man ist ja, irgendwie, unter sich.

In den vielen kleinen Separees am Rand wird gechillt, gefummelt, gevögelt. Tanzen, vögeln, sich frei machen.

Auf den Treppen neben der Bar sitzen zwei junge Mädels und lassen sich parallel von zwei Typen lecken. Mit all den winzigen Räumen, bestückt mit Sofas, Emporen und sogar einem Beichtstuhl, ist die Location ideal, um halb versteckt, halb öffentlich Finger zwischen Beinen und Zungen in drei verschiedenen Mündern verschwinden zu lassen. Im Beichtstuhl wird lautstark gevögelt und der Vorhang wippt im Takt. Vor Myriam hat sich ein Mädel tanzend auf ein Podest verzogen, da kommen plötzlich drei leicht bekleidete Mädels und machen einfach mit. Lautstark stimmen sie sich ab, wer als nächste mit der Tanzenden vögeln darf. Myriam hat schnell verstanden, dass man sich hier so zeigt, wie man will. Es wird, egal, was man tut, dir dabei zugesehen. Alle, die dort hinkommen, sind nur da, um zuzusehen oder zusehen zu lassen. Um Sex, den andere Menschen miteinander haben, direkt zu beobachten, oder davon angestachelt zu werden, dass andere zuschauen. Und um vielleicht auch irgendwie Teil von der Sache zu werden.

Myriam fühlt plötzlich eine Hand auf ihrer Schulter. Sie ballt die Faust, aber als sie sich umdreht, steht Noemi da. So schön wie heute Mittag, nur dass sie jetzt einen rot-schwarzen Latexanzug trägt. Ein Teufelsschwanz schwingt hinter ihr. Auf den ersten Blick könnte man es als einen Teil des Anzugs ansehen, aber beim zweiten Blick erkennt man, dass er an einem Analplug befestigt ist, der durch eine mit Reißverschluss versehene Klappe im Anzug in sie hineingeschoben wurde und einen einfachen Zugang ermöglicht.

Sie lächelt. «Du hast es geschafft», sagt sie.

«Ja, das habe ich!» Myriam verspürt einen Anflug von Wut, aber sie ist irgendwo in ihren wunderschönen grünen Augen verschwunden. «Du hättest mir sagen können, dass dies eine versaute Sexparty ist. In diesem Club ist das normalerweise nicht üblich. Ich meine, hier finden «normale» Partys statt.»

Noemi tritt dicht an sie heran und reibt sich mit ihrem in Latex gewickelten Bein an der Innenseite von Myriams Oberschenkel.

«Es tut mir so leid, Frau Sanders», sagt sie und legt ihre Hände auf die freigelegte Öffnung, die einen Blick auf ihre Muschi gewährt.

«Ich brauche dich so sehr und ich war mir nicht sicher, ob du kommen würdest, wenn du gewusst hättest, wohin ich dich einlade. Wir sind hier auch nicht im Hauptclub, sondern im Kellergewölbe, unterhalb des offiziellen Ambientes. Dies ist der innere Zirkel.»

«Ich würde immer kommen», sagt Myriam. «Und hätte das Kind einfach nicht mitgebracht.»

«Kind?», fragt sie, «Welches Kind?» Myriam dreht den Kopf und Annie ist weg.

«Verdammt! Wo ist sie geblieben, ich habe ihr doch gesagt, dass sie in meiner Nähe bleiben soll!» Myriam grummelt. Sie will ihr nachgehen, aber Noemi stoppt sie.

«Es ist keine Zeit! Die Show beginnt», sagt sie. «Schau nur!»

Als sie das sagt, werden die Lichter gedimmt. Der Lärm verstummt. Plötzlich durchfährt ein intensiver weißer Lichtstrahl die Dunkelheit. Er endet auf der Bühne und entzündet dort ein Feuer. Die letzten Tänzerinnen klettern hinunter und zerstreuen sich in der Menge, vermutlich um mit Peitschenhieben versohlt und von Verrückten gevögelt zu werden.

Eine einsame Frau tritt aus der Dunkelheit. In ein schwarzes Gewand gehüllt, verliert sich ihr Gesicht in dem Schatten unter ihrer Kapuze, trotz des intensiven Lichts, in dem die Bühne badet. Sie streckt die Arme aus und beginnt zu sprechen. Ein harter Strom von Konsonanten. Myriam ist klar, dass es ein Zauber oder eine Beschwörung sein soll. Die Frau geht plötzlich in Flammen auf! Anstatt zu schreien und zu Boden zu fallen, wie es jeder andere tun würde, steht sie mit ausgestreckten Armen auf der Bühne. Ihre Robe verbrennt und verschwindet in den Rauchwolken.

«Das ist Antonia Moretti», flüstert Naomi.

So schnell die Flammen erscheinen, lösen sie sich auch wieder auf. Schließlich steht Antonia Moretti ganz nackt mit ihren üppigen Brüsten und einer straff glänzenden bronzenen Haut stolz vor den Menschen. Das Publikum brüllt vor Begeisterung. Ordentlicher Trick.

Myriam klatscht.

«Der Schlüssel! Im VIP-Raum, oben», flüstert Noemi ihr ins Ohr. «In einer Glaspyramide.»

Dann verschwindet sie in der Menge. Myriam steht alleine an der Bar, Annie weg und unauffindbar und Noemi im Gewühl untergetaucht. Myriam umklammert ihren Drink. Myriam hat beide aus den Augen verloren.

«Meine Damen und Herren, alle jenseits und dazwischen!» Antonia Morettis Stimme verstärkt sich von irgendwoher, als sie deutlich über den Lärm hinweg zu hören ist. «Heute Abend gibt es keinen Himmel und keine Hoffnung! Heute Abend sind wir alle verdammt! Trinkt, fickt und seid fröhlich, denn alle morgigen Partys beginnen - jetzt! Bringt den ersten Tribut hervor!»

Antonia tritt einen Schritt zurück und setzt sich auf den Thron. Mit ihrem Alabasterkörper sieht sie wie die dominierende Unterweltkaiserin aus, die sie ist. Noemi sticht mit einer Krone aus goldenen Dornen aus der Menge hervor, mit einem großen Smaragd in der Mitte zwischen zwei langen dämonischen Hörnern. Sie klettert die Stufen hinauf und senkt die Krone auf Antonias Kopf, wo sie sodann auf ihrem pechschwarzen Haar ruht.

Die gekrönte Kaiserin deutet auf den Boden. Noemi sinkt auf die Knie, beugt sich dann vor, küsst und leckt die Füße ihrer Geliebten. Rechts von der Bühne erscheint die Domina, die ihren Daumen in Annies Mund geschoben hatte, und nicht weit dahinter folgt eine nackte junge Frau. Auf Händen und Knien, wie ein Haustier auf allen Vieren und mit einem eigenen Lederhalsband. Aber anstatt sich von Voodoo-Magie leiten zu lassen, wird sie von einer Kettenleine geführt, die sich um die Faust der Domina wickelt und von hinten gepeitscht. Völlig überrascht und fassungslos geht Myriam einen Schritt vor, um besser zu sehen, aber in einer Menge wie dieser, ist das schwierig. Da oben auf der Bühne, mit der Masse menschlicher Körper zwischen ihnen, hätte die junge Frau genauso gut auf dem Mond sein können.

Noemi blickt einen Moment auf, bevor sie wieder die Füße ihrer Geliebten anbetet. Die Domina hebt die Frau an den Haaren auf die Füße. Sie steht hinter dem viel kleineren Mädchen, zieht ihren Kopf zurück und beugt sich vor, um ihre Zunge über deren Gesicht zu streichen. Das Mädchen zittert, aber sie scheint nicht viel zu kämpfen. Die Domina dreht sie herum und küsst sie auf den Mund. Hart, von Angesicht zu Angesicht, die Zunge der Domina wühlt sichtbar in deren Mund. Sie zwingt sie auf die Knie und die Domina befielt ihr, ihr mit ihren kleinen Händen den Schritt zu reiben.

Myriam schaut sich um. Sie entdeckt Annie entfernt mit einem jungen Mann. Eng umschlungen, sich küssend.

Ich habe nie gemerkt, was für ein sexy kleines Luder Annie ist. Myriam schüttelt ihren Kopf. Für mich sieht das alles falsch aus. Meine kleine Annie? Hier bei dieser versauten Veranstaltung und, wie es scheint, völlig freiwillig?

Die Domina fesselt das Mädchen an das Andreaskreuz, beide Hände rechts und links an die Querbalken. Dann fesselt die Frau die Fußgelenke. Sie steht nun breitbeinig mit nackt rasierter Muschi vor der Menge und hält nun eine Flogger in der Hand. Zuerst streichelt sie damit den Körper, fast liebevoll, um in der nächsten Sekunde mit einer Flogger ihren Oberschenkel zu peitschen. Das Mädchen schreit.

Die Domina nimmt ihre Hand und schiebt sie zwischen deren Schenkel und reibt ihre Muschi. Stöhnend windet sich das Mädchen. Jetzt hat die Domina einen Dildo in der Hand und beginnt damit, für alle sichtbar die Klitoris zu stimulieren. Immer heftiger windet sich die junge Schönheit unter der Berührung.

Mit der anderen Hand schlägt die Domina mit der Flogger auf deren Oberschenkel, immer noch den Dildo in ihrer Pussy. Sie schlägt immer fester. Das Mädchen windet sich zwischen Lust und Schmerz heftig. Plötzlich dringt ein gellender Schrei aus ihrem Mund und sie bekommt einen Orgasmus. Erschöpft hängt sie an dem Kreuz.

Die Domina bindet sie los und fesselt nun ihre Hände vor ihren Bauch.

Myriam hat keine Zeit, den Rest der Szene in sich aufzunehmen.

Noch ist es Zeit, Noemi zu helfen. Nach ein paar Minuten, in denen sie sich durch die Menge duckt und schlängelt, entdeckt sie eine Treppe, die vom Hauptfußboden des Clubs in einen schwach beleuchteten Bereich oberhalb führt. Sie macht sich auf den Weg zur Treppe, die von einem Samtseil und einer Frau in einem schwarzen Hosenanzug abgesperrt wird. Sie steht mit verschränkten Armen da, die Muskeln spannen den Stoff. Ihr Blick soll sagen: «Fix mich nicht an!»

Myriam beschließt, den direkten Angriff zu versuchen. Sie legt die Einladung vor, die Noemi ihr gegeben hat, und lässig reicht sie sie der Wache. Nicht zu viel Augenkontakt, nicht zu wenig. Die Wache sieht es sich an und gibt es ihr zurück. «Nur VIPs.»

Hmm, das war schiefgegangen, also versucht sie es mit Flirten.

Myriam schmollt mit den Lippen und legt ihre Hand auf den Arm der Frau. Die Wächterin sieht sie von oben bis unten an und taxiert sie.

«Ich will nur eine bessere Sicht auf die Show, Baby. Ganz nah.»

Die Wache sagt nichts, aber ihre Augen wandern hin und her. Myriam fährt mit der Hand über ihre Krawatte und wandert mit der Hand an ihrem Körper entlang, bis sie eine Ausbuchtung in der Hose spürt. Was ist das? Der Anblick: eine Frau, aber mit Schwanz? Myriam hatte davon gehört, dass es Mädchen mit Schwanz und Eiern gibt, aber noch nie eine gesehen. Die Wächterin ist eine Futanari.

Myriam fasst sich schnell wieder. Sie hatte gelesen, dass, wenn man einmal den Samen von einem Dickgirl-Mädchen geschluckt hatte, danach süchtig ist. Guter Gedanke!

«Die Wahrheit ist, ich bin hungrig nach Geschmack», und streicht über die harten Umrisse ihres Schwanzes durch die Hose. Die Wache beißt sich auf die Lippe.

«Mach es schnell, komm schon.»

Sie führt Myriam am Handgelenk um das Samtseil und die Treppe hinauf in die VIP-Lounge. Die Lounge ist mehr eine private Zuschauerbox als alles andere. Ein paar Nachtclubsofas, ein paar niedrige Tische. Weiche Stimmungsbeleuchtung, nicht zu hell und nicht zu dunkel, Perfekt für ihr Vorhaben. Von hier aus kann sie die Bühne gut beobachten. Das Mädchen unten leckt die Muschi ihrer Domina

Myriam hätte sich schlecht gefühlt, wenn nicht der Eifer gewesen wäre, mit dem sie die Frau ableckte. Man konnte es in ihren Augen sehen, sie war verrückt nach Liebessaft.

Myriam versucht mit Noemi in Augenkontakt zu treten, um ihr zu zeigen, dass es fast Zeit für den Boogie ist.

Die VIP-Lounge ist verlassen, bis auf einen Mann und eine Frau tief im Schatten. Sie ignorieren die beiden Frauen, konzentrieren sich auf den schweißtreibenden Gangbang, der auf der Bühne passiert und die Hand der Frau reibt das steife Glied des Mannes.

Die Wache konzentriert sich jedoch intensiv auf Myriam. Sie drückt sie gegen die Wand und küsst ihren Nacken und drückt ihren pochenden Schritt gegen sie. Zu jeder anderen Zeit hätte Myriam die Erfahrung vielleicht genossen, aber die Zeit läuft ihr davon. Gleich über der Schulter der Wache sieht sie die Glaspyramide, nicht viel größer als ein Basketball. Sie steht wie ein Herzstück in einer Vitrine. Als wäre es nur ein dekoratives Teil, belanglos und irgendwie cool aussehend und nichts weiter. Nur, dass da etwas ist. Etwas darinnen, im Kristall aufgehängt. Es sieht aus wie ein ägyptischer Ankh. Jadegrün und phosphoreszierend. Das muss der Schlüssel sein!

Sie will hinüberstürmen, aber die Futa-Wächterin ergreift jetzt ihre Brust mit einer Hand und fährt mit der anderen Hand ihren Rock hinauf.

Dies ist eine heikle Situation. Ich müsste die Wache außer Gefecht setzen, die beiden Zeugen neutralisieren und jedes Rätsel lösen, das den grünen Ankh-Schlüssel umgibt. Sobald ich das hätte, konnte ich Noemi befreien und eine Pause machen.

Empfindliche Probleme erfordern eine subtile Lösung. Myriam denkt eine Sekunde darüber nach. Dann entscheidet sie: «Jetzt oder nie!» Myriam war seit langem Mitglied in einem Kampfsportverein und hatte Kurse für Keysi besucht. Kampfsport ist trainingsintensiv, aber auch sportlicher Balsam für Körper und Geist. Durch den Adrenalinkick, den sie beim Trainieren dieser Kampfkunst regelmäßig erhält, werden nicht nur Kraft, Beweglichkeit und Ausdauer gefördert, sondern auch das Reaktionsvermögen, eine effektive Selbstverteidigungsmöglichkeit, darauf ausgelegt, auch größere und schwerer Gegner schnell kampfunfähig zu machen. Keysi ist die wahrscheinlich effektivste Art und Weise, roh, aber effektiv. Es geht direkt und distanzlos zur Sache – ins Gesicht, zwischen die Beine, ganz egal – notfalls auch mit unfairen Moves.

Kurz bevor die Futagirl-Wache ihren Slip erreicht, sucht sie deren Schritt, aber nicht mit der Hand, sondern mit dem Knie. Sie rammt es mit aller Gewalt direkt in die riesigen Futabälle.

«Was zum Teufel ...!» Die Wache stöhnt, lässt sie los und packt ihre verletzten Eier. Ohne Zeit zu verlieren, schießt Myriam an ihr vorbei, öffnet die Vitrine und greift nach der Glaspyramide. Sie ist schwer, aber nicht zu schwer. Die Futa-Wächterin wirbelt ungeschickt herum, durch den Schmerz zwischen ihren Beinen gehandikapt.

Als sie einen Schritt auf Myriam zugeht, schlägt Myriam instinktiv die Pyramide auf sie. Sie zerbricht an ihrem Kopf, und fällt inmitten eines funkelnden Regens aus Glassplittern zu Boden.

Myriam hat keine Zeit, sich um die ohnmächtige Verletzte zu kümmern, steckt ihre Hand in ihre Handtasche und zieht einen Revolver heraus. Sie hält ihn hoch und richtet die Waffe auf die am Boden Liegende. Als sie sich nicht rührt, wendet sich Myriam an das Paar in der Ecke. Sie sehen sie mit großen Augen an und sind ganz still.

«Sie haben nichts gesehen!», bellt sie. «Wenn Sie sich bewegen, sind Sie tot. Genießen Sie die Show!»

Sie blinzeln, zucken die Achseln und wenden ihre Aufmerksamkeit wieder der Bühne zu.

Den Leuten, die an diesen Partys teilnehmen, muss man nicht sagen, dass sie sich nur um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern sollen. Das ist gut und erspart Myriam lästige Fragen.

Sie kniet sich neben die Wache, fühlt ihren Puls und ist beruhigt. Sie atmet noch und sie wird morgen sicherlich einen Brummschädel haben.

Myriam sucht den Schlüssel und findet ihn zwischen den Glassplittern. Das Leuchten des grünen Ankhs flackert und pulsiert. Er fühlt sich warm an. Während sie ihn in ihrer Hand hält, spürt sie Wellen von Macht. Der Schlüssel ist tatsächlich magisch.

Myriam hält ihn eine Weile fest. In ihr reift ein Plan. Wenn sie Noemi von dem Halsband befreit hat, wird sie den Schlüssel inklusive Halsband behalten. Sicher wird es ihr noch gute Dienste leisten. Bevor sie ihn in ihr Taschentuch wickelt und ihn sodann zusammen mit ihrer Waffe in ihre Handtasche schiebt, sagt sie: «Ich wäre schön blöd, es nicht zu probieren. Ich würde mich freuen, solche Macht in Händen zu halten. Damit kann ich jede Frau und jeden Mann zu Gehorsam zwingen, ohne dass sie sich wehren können.»

Schleunigst verlässt Myriam den VIP-Bereich und mischt sich in die Menge. Wenn jemand den Angriff bemerkt hätte, würden sie so tun, als hätten sie nichts gesehen.

Alle Charaktere auf der Bühne sind so damit beschäftigt, sich zu erfreuen, als dass sie sich hätten vorstellen können, was soeben passiert ist.

Ich muss jetzt nur cool bleiben und mich so langsam auf den Heimweg machen und Noemi mit mir nehmen.

Noemi blickt jetzt von der Bühne auf Myriam herab. Sie wählt sie aus einer Menge von Hunderten und hält ihren Blick fest. Etwas in ihr, tief in ihrem Verstand, sagt ihr wohl, dass sie jetzt ihr Schlüsselhalter ist. Sie nickt ihr zu, erhebt sich und bahnt sich einen Weg zu Myriam. Sie gehorcht meinen Gedanken. Phantastisch! Das ist genial!

Als Noemi bei Myriam ankommt, eilen beide zum Aufzug und fahren nach oben.

Hoffentlich bemerkt Antonia Moretti nichts, es ist riskant, wir da in dem Gitterkäfig völlig schutzlos der Menge preisgegeben, sollten wir bemerkt werden. Mein Herz klopft so laut, dass ich denke, es wird jeden Moment zerspringen.

Auf Annie hat Myriam nicht mehr gewartet. Sie würde sich sicherlich noch ein wenig austoben und dann ihren Weg nach Hause finden.

Myriam nimmt Noemi mit nach Hause.

«Heute ist unser Glückstag. Hier habe ich den Schlüssel! Nun zeig mir das Schloss, damit ich dich befreien kann.»

Noemi zieht das Halsband nach vorne und Myriam will den Schlüssel ins Schloss stecken. Sie zögert kurz. Soll ich die Situation ausnutzen und sie mir zu Nutze machen? Gegen einen kleinen Fick und einen geilen Orgasmus hätte ich jetzt nichts einzuwenden.

Myriam schüttelt den Kopf und wischt diese Gedanken beiseite. Noemi hatte ihr einen Auftrag erteilt und sie hat ihn ausgeführt.

Nun habe ich noch den Schlüssel und werde das Halsband öffnen.

Mit dem Schlüssel öffnet Myriam das Schloss und entfernt das Halsband. «Das behalte ich, wenn du erlaubst!»

Überglücklich umarmt sie Myriam. «Natürlich! Mach damit, was du willst. Ich weiß aber nicht, ob es bei dir funktioniert. Sie hatte immer noch besondere Rituale, wenn sie das Schloss benutzte. Bin ich froh, dass der Bann gebrochen ist!» Sie reibt sich den Hals und grinst Myriam an.

Frei von dem Bann, sich einer Frau hinzugeben, das ist so schön! Jetzt küsse ich sie aus freiem Willen. Sie küssen sich, aber Noemi kann spüren, dass ihr Herz nicht dabei ist und es auch gar nichts mehr bei ihr bewirkt. Sie löst sich von Myriam und schiebt sie von sich weg.

«Sorry, es geht nicht mehr. Ich habe jetzt mein altes Leben wieder. Gott sei Dank! Dank dir kann ich meinen eigenen Weg gehen und den gehe ich sicher nicht mit einer Frau. Es tut mir leid!»

«Mir auch!» Myriam grinst sie an. «Ich freue mich, einen Scheck per Post zu bekommen. Das wäre wundervoll! Ich nehme an, du hast das Geld nicht dabei?»

Noemi sieht Myriam an, schüttelt den Kopf und sagt «Danke», zwinkert ihr zu, dreht sich um und verschwindet mit den Worten: «Halte deinen Posteingang im Auge!»

Nur noch ein leichter Geruch nach Flieder liegt in der Luft und die Erinnerung an eine außergewöhnliche Frau.

Was für ein Abenteuer! Der heutige Abend geht Myriam durch den Kopf. Das, was sich abgespielt hatte, darauf war sie nicht vorbereitet. Aber anstatt angewidert zu sein, erregt sie der Gedanke an diesen Abend und an das Geschehen. Vielleicht möchte ich noch mehr sehen und erleben.

Mit diesen Gedanken schläft Myriam ein.

Ausgeruht betritt sie am nächsten Morgen ihr Büro und wartet. Worauf warte ich eigentlich? Dass Noemi noch einmal vorbeikommt? Dass der nächste Auftrag eingeflogen wird? Dass meine Assistentin Annie zur Arbeit kommt? Ja, ich will wissen, was Annie sonst noch erlebt hat. Ich bin nass, wenn ich an den gestrigen Abend denke. Kann man von dieser geilen Atmosphäre süchtig werden?

Alles Fragen, die im Moment wohl nicht beantwortet werden können. Myriam ergreift die Whiskey-Flasche und gießt sich einen großen Schluck ein. Wohlig lässt sie das scharfe Gebräu ihre Kehle hinunterlaufen. Dann öffnet sie ihren Laptop und gibt «Ankh» in die Suchmaschine ein.

Die ägyptische Hieroglyphe »Ankh” ist Teil des ältesten bekannten ägyptischen Schriftsystems und bedeutet »Leben” (im Diesseits und Jenseits) oder »Lebenskraft”, eine andere Bedeutung wäre: »Spiegel” bezüglich Spiegel der Bewusstwerdung. Hieroglyphen wurden vorwiegend an und in Tempeln oder Grabstätten von Pharaonen gefunden und sind vereinfacht ausgedrückt Sinnbilder, eine Bilderschrift, wobei der Wortstamm »Hieroglyphe” aus dem Griechischen kommt und die ungefähre Bedeutung »heiliges und magisches Zeichen” hat.

Die wenigsten Menschen im alten Ägypten konnten lesen und schreiben und so glaubten sie an die göttliche Herkunft dieser Zeichen, an ein Geschenk der Götter. Pharaonen bzw. Könige wurden zur damaligen Zeit vom Volk gleichzeitig als Vater und Mutter aller Menschen und zugleich auch noch als Zauberer und Priester gesehen.

Sie hatten von den Göttern die Macht zugewiesen bekommen, für reiche Ernte und großen Viehbestand zu sorgen. Andere Ankh-Symbol Bezeichnungen sind: Anch, Henkelkreuz, Schleifenkreuz, Lebenskreuz, Nilschlüssel, koptisches Kreuz, crux ansata, bei den Christen wurde es zum Sankt Antonius Kreuz

Myriam liest weiter:

Das Ankh fand man oft in Darstellungen, in welchen es die Pharaonen von den Göttern überreicht bekamen, (dem König wurde hier symbolisch gesehen der weibliche Teil der Schöpfung verliehen) um dann diesen Lebenshauch an das Volk weiterzugeben.

In anderen Abbildungen wird der Herrscher von den Göttern mit dem Ankh am Mund (zwischen Oberlippe und Nase) berührt und bekommt nach alter Überlieferung so Unsterblichkeit verliehen. Ein Ankh Kreuz erinnert stark an das uns bekannte Zeichen des weiblichen Geschlechts und hat Bezug zur Venus Mythologie. (Venus, der Planet des weiblichen Charakters). Die altägyptische Entsprechung des weiblichen Teils der Schöpfung ist «Isis».

Myriam sucht noch nach weiteren Erklärungen, findet aber nichts über ein magisches Ankh-Kreuz. Enttäuscht klappt sie den PC wieder zu. Wie auch immer. Der Smaragd leuchtet seltsam. Irgendetwas Magisches ist daran.


Flucht

Noemi eilt zu ihrer besten Freundin Emma, dort hat sie ihr ganzes Hab und Gut abgestellt, das sie für ein neues Leben im Ausland braucht. Reisepass auf einen neuen Namen und auch ein neuer Führerschein. Mit ihrem heimlich gesparten Geld hatte sie sich vor zwei Tagen ein Auto gekauft. Jedoch nicht angemeldet. Es lief noch auf den Vorbesitzer.

«Emma, bist du da?»

«Natürlich, Noemi, ich habe sehnsüchtig auf dich gewartet. Ich hatte solche Angst, dass du erwischt wirst!»

Die beiden Frauen fallen sich in die Arme, Noemi kann nicht anders, als zu weinen.

Endlich frei! Endlich frei! Nie mehr ein Halsband. Das weiß ich, auch wenn es nicht magisch sein sollte. Nie mehr eine Sklavin und nie mehr anderen Frauen zu Willen sein.

«Ist der Wagen vollgetankt?»

Emma nickt. «Süße, pass auf dich auf. Willst du mir nicht doch sagen, wohin du fahren willst?»

«Nein, je weniger du weißt, desto sicherer bist du. Ich möchte nicht, dass dir die Morettis das Lebenslicht ausblasen.»

«Okay, pass auf dich auf!»

«Ja, mach ich!» Noemi lächelt, umarmt Emma noch einmal, dreht sich um und steigt in den Wagen. Emma hatte ihn bereits fertig gepackt.

Noemi! Jetzt muss ich mich an einen anderen Namen gewöhnen und Noemi vergessen. Carmen Cravetta.

Sie sagte ihn leise vor sich hin: «Carmen Cravetta, Carmen Cravetta, Carmen Cravetta.» Jedesmal wird sie ein wenig lauter.

«Ja, genau! Jetzt kommt Carmen Cravetta mit ihrem neuen Leben. Jetzt erobere ich die Welt und niemand sagt mir mehr, was ich tun soll. Jetzt hören alle auf mich!»

Sie tritt das Gaspedal fest durch und fährt Richtung A2. Sie will nach Hamburg. Dort hat sie eine Passage auf einem Frachter gebucht, der heute Abend nach Ecuador ausläuft. Die Autofahrt wird ungefähr drei bis vier Stunden dauern. Wenn kein Stau dazwischen kommt, wird sie rechtzeitig am Hamburger Hafen sein und pünktlich ihr Schiff besteigen. Und dann auf Nimmer Wiedersehen, Antonia! Und du wirst mich nicht finden, denn die Papiere habe ich nicht bei deinen Handlangern anfertigen lassen. Sondern bei deinen Gegnern! Ha, du findest mich nicht, niemals im Leben wirst du mich finden. Und wenn ich genügend Beweise gegen dich gesammelt habe, werde ich dich vernichten!

Ah, das fühlt sich gut an.

Noemi Moretti alias Carmen Cravetta lacht und ist guter Dinge.

Die drei Wochen Überfahrt werde ich genießen.


Partytime

Myriam ist sehr neugierig geworden und klappt am nächsten Morgen in ihrem Büro ihren Laptop auf und gibt in die Suchmaschine Erotik Clubs in Berlin ein. Das Ergebnis hatte sie nicht erwartet.

So viele Clubs! Ich muss zugeben, bisher habe ich mich mit dem Thema nicht beschäftigt, aber nach dem Erlebnis mit und durch Noemi, bin ich neugierig geworden. Na ja, mal schauen, was ich tue.

Myriam ruft eine Freundin an: «Hallo, Nadine!»

«Hallo Myriam! Lebst du auch noch? Habe lange nichts von dir gehört!»

«Hatte viel zu tun, und musste dafür sorgen, dass ich genug Knete verdiene!»

«Und was verschafft mir die Ehre deines Anrufes?»

«Hast du Lust, mich in den KitKat-Club zu begleiten? Dort findet eine Fetischparty statt.»

«Was willst du auf einer Fetischparty? Du warst doch noch nie dort und wolltest das auch nicht kennenlernen!»

«Ich habe meine Meinung eben geändert! Also, kommst du nun mit oder muss ich mir eine andere Begleitung suchen?»

«Nein, nein, das ist super, ich begleite dich gerne!»

«Okay, ich hole dich um 21 Uhr ab. Du wohnst doch noch auf der Erich-Steinfurth-Straße?»

«Ja, Hausnummer 21! Ich freue mich!»

Nachdenklich legt Myriam ihr Telefon zur Seite. Sie beschließt, Feierabend zu machen und nach Hause zu fahren. Dort füllt sie ihren Schlafvorrat auf und schläft tief und fest bis um 18 Uhr.

Erfrischt steigt sie aus ihrem Bett und überlegt, was sie anziehen soll. Es muss auffällig sein, darf nicht bieder wirken.

Da werde ich schon fündig werden!

Myriam durchwühlt ihre Schublade mit den Dessous und findet eine schwarz-rote Corsage mit Strapsen, die ihre Brüste gut zur Geltung bringen. Passende schwarze Spitzenstrümpfe findet sie auch. Dazu die roten High-Heels, ein kurzer, schwarzer Lederrock und darüber nur ihren langen schwarzen Mantel mit Kapuze. Das ist perfekt. Nun noch das Make-Up. Sie tuscht sich die Wimpern und malt sich Smokeyeyes. Ihre Lippen zieht sie mit einem kirschrotem Lippenstift nach und verwendet einen Hauch Goldpulver auf ihren Wangen.

Fertig, Perfekt. Ein Blick in den Spiegel macht sie sehr zufrieden. Der Abend wird geil!

Ihre Absätze klappern, als sie den Flur entlang schreitet, steigt in ihr Auto und fährt zu Nadine. Sie wartet schon am Straßenrand und steigt zu Myriam ins Auto.

Am KitKat finden sie sofort einen Parkplatz und die beiden Frauen steigen aus.

Nervös gehen die beiden Frauen auf die zwei großen, roten Metalltüren zu. Drei junge Männer in Jeans und dunklen Pullovern werden gerade von der streng anmutenden Selekteurin des BDSM Clubs sorgfältig gemustert. Aufgrund ihrer zu unauffälligen Kleidung bittet sie die Männer freundlich, aber bestimmt zu gehen. Die Türpolitik des KitKat Clubs oder Kitty, wie es in der Szene genannt wird, gilt als sehr streng. Auffällige und freizügige Kleidung ist Voraussetzung. Der Dresscode ist laut Eigenaussage «geschlechtsbewusst». Auch Myriam und Nadine, in ein schwarzen Gothikkleid gehüllt, werden von Kopf bis Fuß gemustert. Aber dann bereitwillig eingelassen.

Innen angekommen, gibt es im Eingangsbereich die Möglichkeit, sich umzuziehen. Wer direkt von der Arbeit herkommt, bringt einfach seine Wechselsachen mit und zieht sich direkt vor der Kasse und Garderobe um. Der vordere Teil des BDSM-Clubs ist, im Vergleich zum Rest, sehr hell, mit alten Holzdielen, Betten und Sofas, einem beleuchteten Pool und einer kleinen Bar ausgestattet.

In der einen Ecke sitzt ein älterer Mann, so, wie Gott ihn schuf, in einem Rattan-Korbsessel und spielt fröhlich an sich herum. In der anderen Ecke unterhalten sich zwei Frauen in Netzoberteilen und Mini-Latexröcken auf einem weißen Bett und trinken Champagner. An der Bar mixen halbnackte Barkeeper Drinks, die durch gedimmte Lampen, die überall an den Wänden angebracht sind, im Dunkeln leuchten. In allen Räumen sind mit kräftigen Neonfarben kleine, anzügliche Kunstwerke an die Wände gemalt.

Myriam und Nadine setzen sich an die Bar, bestellen zwei Gläser Single Malt und schauen sich das bunte Treiben aus nächster Nähe an. Auf der Tanzfläche im Hauptbereich des BDSM-Clubs feiern die unterschiedlichsten Menschen zu Trance-, House- und Elektro-Musik zusammen. Etwa 3000 Besucher kommen durchschnittlich übers Wochenende ins Kitty – von der Krankenschwester über den Manager und Rechtsanwalt bis hin zu Schwulen, Lesben, Lackfetischisten, Pornostars und Promis ist alles dabei. Nicht, um gesehen zu werden, sondern vor allem, um Spaß zu haben.

Myriam fällt sofort ein nacktes, älteres Ehepaar auf, das in ihrem Tanzrausch die Hälfte der Tanzfläche für sich einnimmt. Dicht daneben haben mehrere Männer in Korsetts, High Heels, Latexkostümen und bunten String-Tangas einen Kreis um eine junge Frau gebildet. Sie trägt einen Lack-Leder-Bikini und tanzt hingebungsvoll an einer Strip-Stange. Zwischen den vielen freizügig gekleideten Partygästen blitzt plötzlich etwas auffallend Rotes hervor. Es ist ein junger Mann in einem Weihnachtsmannkostüm mit weißem Bart, Schlappen und einer Kaffeetasse in der Hand. Alles ist hier völlig normal, außer dem «Normalen». Was die Gesellschaft so als normal bezeichnet. Die Identität wird in BDSM Clubs an der Garderobe abgegeben.

Nachdem die Beiden hier genug gesehen haben, gehen sie in einen Nebenraum. Dort tanzen zwei Männer in Lackkleidung neben einigen nackten Frauen und in den Sitzgruppen treibt es ein Pärchen wild. An der langen Holzbar arbeiten Kellnerinnen in freizügigen Militärkostümen. Eine große Gemeinschaftsspielwiese mit französischer Wand, das ist die Bezeichnung für eine Wand mit mehreren Löchern, in die Männer ihre Penisse stecken, um dann oral oder mit der Hand auf der anderen Seite, befriedigt zu werden. Das muss ein prickelndes Gefühl sein, nicht zu wissen, wer Hand an einen legt. Myriam schmunzelt.

Und eine Sitzecke lädt zum Videos schauen und anderen Spielereien ein.

Neben zahlreichen Fetischanhängern sind auch drei junge, eher unauffällig gekleidete Frauen unter den Partygästen. Die drei lassen sich von zwei älteren Herren auf ein paar Wodka-Shots einladen, flirten ein wenig mit ihnen und fangen dann plötzlich an, sie im Getümmel der Tanzfläche oral zu verwöhnen. Myriam schaut in Nadines Richtung: «Lust da mitzumischen?»

«Mmh», brummelt sie. «Lass uns doch auch noch in den Keller gehen.»

Gesagt, getan.

Im Keller des Clubs finden sie zwei kleine SM-Spielzimmer. Hier hängt es ein großes Andreaskreuz und eine Art Liebesschaukel.

«Ich habe gehört, dass es hier weder Publikum noch künstlerische Darsteller gibt, sondern jeder ist alles. Durch seine sexuellen Aktivitäten liefert das Publikum selbst die Show, wobei jeder einzelne selbst entscheidet, ob und inwieweit er sich in das Spektakel einbinden lassen will oder kann.»

Nadine antwortet: «Wo hast du das denn gehört?»

«Ich habe im Internet recherchiert!»

Myriam grinst sie an. «Was schlägst du vor, dass wir machen?»

«Mitten ins Getümmel werfen!»

Mit diesen Worten dreht sie sich um, nimmt Myriams Hand und zieht sie auf die Tanzfläche. Es ist heiß und sie winden und drehen sich zu der Musik.

Myriam selbst ist heiß und spürt ihre Lenden pulsieren. Ihre Hand wandert über Nadines Beine hoch zu ihrer Brust. Sie knetet die Brüste abwechseln sehr fest, Myriam weiß, dass Nadine ein wenig auf Schmerz steht. Sie starrt in ihre Augen, versinkt in ihnen und gibt sich Myriam ganz und vollständig hin. Myriams Hand steckt nun in Nadines Slip und sucht die heiße Liebesgrotte. Sie stöhnt auf, als Myriam ihre empfindlichste Stelle berührt. Ihre Lippen finden zueinander und saugen sich gegenseitig an ihren Zungen. Langsam schiebt Myriam Nadine während ihres Tanzes zu einer weichen Liege, unterpolstert ihren süßen Arsch mit einem Kissen und ihr Becken ragt nun hoch über ihren Körper. Was für ein Anblick! Ich weide mich an ihrer Unterwürfigkeit.

Myriam holt ihren Dildo aus der Tasche und dringt ohne Vorankündigung in sie ein. Ein kurzer Schrei der Überraschung dringt aus Nadines Mund, dann ein Keuchen, als sich der Dildo seinen Weg in ihre Muschi bahnt. Myriam fickt sie kurz und heftig, entzieht sich ihr und bearbeitet ihre Klitoris sodann mit der Zunge. Ihr Keuchen wird immer lauter. Aber kurz vor ihrem Orgasmus beendet Myriam das Zungenspiel und dringt wieder mit ihrem Dildo in sie ein. Sie dreht fast durch vor Ekstase. Kurz bevor sie der Höhepunkt erreicht, zieht Myriam den Dildo aus Nadines Honigtöpfchen, wirft sie auf den Bauch, unterfüttert ihr Becken mit dem Kissen und dringt heftig mit dem Phallus in ihren Darm ein. Sie schreit, das stachelt Myriam noch mehr an. Heftig stößt sie in sie hinein. Bearbeitet mit der Hand ihre Klitoris und spürt, wie sich ihr Orgasmus in heißen Wellen durch ihren Körper fräst. Ihre orgastischen Schreie übertönen die laute Musik.

Erschöpft liegt sie bäuchlings auf der Liege und Myriam streichelt ihren Rücken.

«Wow, was war denn das? So hast du mich noch nie geliebt. Und die vielen Leute, die zuschauen, boah, ich glaube, ich hatte noch nie so einen geilen Orgasmus.»

Sie dreht sich auf den Rücken und zieht Myriam zu sich heran, küsst sie kurz und heftig, wirft Myriam auf die Erde und reißt ihr den Rock vom Körper. So liegt sie ohne Höschen mit ihrer blanken Muschi vor Nadine und den vielen Menschen. Nadine leckt sich die Lippen, beugt sich langsam zu Myriam herunter, hebt ihre Beine hoch und vergräbt ihr Gesicht in ihrer Liebesgrotte. Überall spürt Myriam Nadines Zunge, auf ihrer Klitoris, in ihrer Liebeshöhle und an ihrem Anus. Ihre Zunge scheint überall zu sein. Dann spürt Myriam einen Finger in ihrer Grotte, dann zwei, dann drei, sie wird immer ausgefüllter und dann nimmt sie die ganze Hand. Sie dehnt Myriams Scheide und sie hat das Gefühl zu zerreißen. Durch ihr Zungenspiel empfindet Myriam den Dehnungsschmerz nicht besonders und es geilt sie total auf. Mehr, mehr, oh sie hat ihre ganze Hand in meiner Scheide.

Langsam bewegt sie ihre Hand auf und ab und Myriam wird schier verrückt vor Geilheit. Jetzt hat sie ihre Hand ganz drin und mit geübten Zungenschlägen treibt sie Myriam auf ihren Orgasmus zu. Ihr Unterleib zieht sich zusammen und ein gewaltiger Orgasmus durchschüttelt ihren Körper.

Nadine umarmt Myriam und hält sie fest. Zärtlich streichelt sie deren Körper.

Puh, das war genial. Hätte nie gedacht, dass ich mal mit einer Partnerin Liebe vor so vielen Zuschauern praktiziere.

Langsam lassen sie den Abend ausklingen und schauen nur noch zu, was die anderen so treiben. Myriam hält ein Glas Single Malt in der Hand und Nadine ein Glas Sekt. Sie beobachten, während sie sich streicheln.


Eine neue Aufgabe

Manchmal denkt Myriam, dass sie sich den falschen Beruf ausgesucht hat. Sollte sie lieber irgendwo in Anstellung gehen und ein regelmäßiges Gehalt beziehen? Fest für die Versicherung in der juristischen Abteilung arbeiten? Jeden morgen um sieben in die Tretmühle eines Unternehmens einsteigen, mit geregelten Mittagszeiten und Überstunden am Abend? Sie schüttelt unwillig den Kopf.

Nein, das ist nichts für mich. Ich brauche meine Freiheit, meine Auszeiten, wenn ich sie brauche und nicht, wenn mein Chef es mir sagt. Dann doch lieber ein bisschen weniger Geld haben und tun, was mir Spaß macht. Und wenn ich denke, dass nichts mehr geht, kommt immer ein neuer Auftrag und meistens macht es auch noch einen höllischen Spaß.

Heute hat sie die Buchhaltung gemacht, das ist etwas, was sie sehr ungern tut, jedoch der Fiskus will Zahlen sehen. Als sie endlich fertig ist, klappt sie den Laptop zu und gießt sich ein Glas Single Malt ein. Sie lächelt zufrieden.

Dafür reicht mein Geld immer. Es ist aber auch zu schön, wenn er meine Kehle hinunterfließt und wärmt, seidig und cremig mit einem Hauch Haselnüssen sowie leichtem Torfrauch. Speyside Single Malt 12 Jahre, ich habe ihn letztens bei meinem Einkauf entdeckt und beschlossen, ihm eine neue Heimat zu geben.

Draußen scheint die Sonne und sie denkt an ihr letztes Abenteuer. Ihre Füße liegen auf dem Schreibtisch und sie ist schon in Feierabendstimmung. Sie träumt. Einen Wohnwagen mieten, oder besser noch, ein kleines Wohnmobil und dann ab an die Nordseeküste, auf eine der Inseln. Das würde sie jetzt am liebsten tun. Notebook mitnehmen, ab und zu am Strand liegen und an einem Roman schreiben.

Es klingelt. Myriam schwingt ihre Beine auf die Erde, umrundet den Schreibtisch und öffnet die Tür.

Ihr Mund verschluckt die harschen Worte, die auf ihrer Zunge liegen, weil ihre Träumerei gestört wird und schaut in zwei haselnussbraune Augen. Sie gehören zu einer wahren Schönheit mit dunkelbraunem Haar, einer atemberaubenden Figur und einem Duft aus Moschus. Myriam schnuppert: Opium. Mein Lieblingsparfüm.

«Guten Abend! Treten Sie doch ein!» Myriam tritt zur Seite und geleitet sie mit einer Handbewegung in ihr Büro.

«Vielen Dank, sind Sie Frau Sanders?»

Myriam nickt.

«Sie wurden mir von Noemi empfohlen. Sie sagt, sie würden sich sehr diskret um mein Problem kümmern.»

«Oh, vielen Dank. Wie geht es ihr denn? Ich habe schon lange nichts mehr von ihr gehört.»

«Sie ist mit neuen Papieren ins Ausland gegangen, sodass sie von Antonia Moretti nicht mehr gefunden werden kann. Und auch ich habe seit ihrer Abreise kein Lebenszeichen von ihr bekommen.»

«Nehmen Sie doch Platz!» Myriam rückt den schäbigen Stuhl zurecht und schämt sich wieder einmal für ihr mageres Ambiente.

Vielleicht sollte ich mir neue Büromöbel kaufen. Mit dem Scheck von Noemi, er traf bereits am nächsten Tag bei mir ein, konnte ich meine Schulden bei der Bank tilgen und habe nun auch noch ein kleines Polster. Ich werde meine Preise erhöhen. Heute noch!

«Danke, gerne», und die Fremde setzt sich nieder, als wäre es ein Thron. Sie ist unglaublich schlank, sieht aus, als wenn sie unter ihrer Bluse eine Korsage trägt, die sehr eng in der Taille geschnürt ist. Hautenge Jeans lassen ihre Kurven erahnen, ein runder knackiger Po, lange Beine, Erotik ausstrahlend. Ihre Haare sind zu einem Pferdeschwanz gebunden und er wippt lustig auf ihrem Rücken. Wäre sie nicht eine Kundin, Myriam wüsste schon, was sie mir ihr anfangen könnte. Sie setzt ihr geschäftliches Gesicht auf. «Was kann ich denn für Sie tun?»

«Oh, das werde ich Ihnen erklären. Ich bin mit einem einflussreichen Mann verheiratet Aber manchmal bin ich völlig ratlos. Ich möchte wissen, wohin mein Mann an jedem ersten Dienstagabend verschwindet. Er geht einfach, lässt mich unwissend zurück und ich frage mich, was tut er, das so geheimnisvoll ist, dass er mir nichts darüber erzählen kann oder will. In den frühen Morgenstunden ist er dann wieder zu Hause. Sagt kein Wort und erklärt auch nichts? Vielleicht macht er was Illegales, was weiß ich. Und vielleicht ist es sogar strafbar. In diesem Fall kann ich die Scheidung einreichen und er bekommt nichts. Wissen Sie, als wir geheiratet haben, wurde ein Ehevertrag aufgesetzt. Mein Vater bestand darauf, denn das Vermögen gehört meinem Vater und mir. Wenn aber ich die Scheidung einreiche, ohne dass er sich was hat zuschulden kommen lassen, so bekommt er eine sechsstellige Abfindung. Die würde ich gerne sparen. Zu seinen Ausflügen nimmt er immer ein Taxi. Wohl, damit ich ihm nicht auf die Schliche komme.»

Die Frau grinst bösartig.

Ich glaube, sie ist von ihrem Mann sehr verletzt worden, denkt Myriam.

«Was genau ist denn nun meine Aufgabe?»

«Sie sollen ihn beschatten und genau herausfinden, wohin er geht, was er macht und welchen Geschäften er nachgeht. Ich habe es satt, immer nur dumm zu Hause herumzusitzen.»

Myriam hat ihr Gehalt in Gedanken gerade verdoppelt.

«Gut, ich nehme den Auftrag an. Ich bekomme 2000 Euro Vorschuss und noch einmal 2000, wenn der Job erledigt ist.»

«Abgemacht. Am Dienstag ist es wieder soweit. Seien Sie bitte um einundzwanzig Uhr vor unserem Haus. Wenn sie ihn verlieren, können Sie erst nächsten Monat wieder in Aktion treten, also rate ich Ihnen, nicht zu versagen.»

Ihr Ton ist unmissverständlich. Sie würde eine gute Domina abgeben.

Sie erhebt sich und gibt Myriam zwanzig schöne, grüne Geldscheine und eine Karte mit der Adresse und eine Handynummer. Myriams Stimmung ist auf dem Höhepunkt. Super, ein neuer Auftrag, leicht verdientes Geld. So sollte es immer laufen.

Pünktlich, kurz vor dem vereinbarten Termin wartet Myriam in ihrem kleinen Auto an der Ecke unweit des Hauses mit den Garagen. Das ist mehr als ein Haus! Eine Villa, ein Palast! Alle Menschen in dieser Gegend scheinen im Geld zu schwimmen. Soll mir recht sein.

Kein Taxi, sondern ein dunkler Mietwagen kommt vorgefahren. Der Mann verlässt das Haus, steigt ein, nimmt hinten Platz und der Wagen rollt die Einfahrt hinunter, dann gibt er Gas und verschwindet in der Nacht.

Myriam nimmt die Verfolgung des Mannes auf und bleibt hinter ihm, weit genug entfernt, damit er nicht merkt, dass er verfolgt wird. Er fährt in Richtung Dahlem.

Hier sollen doch die Reichsten der Reichen wohnen! Was weiß ich über Dahlem? Mal nachdenken. Er zählt zu den wohlhabenden Stadtteilen Berlins, geprägt durch Villen und kleine Parkanlagen. Neben alten renovierten Gebäuden, findet man aber auch neue Luxus-Wohnanlagen auf dem Gelände des ehemaligen US-Hauptquartiers. Viele Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen haben sich hier niedergelassen, darunter die Freie Universität Berlin, die Max-Planck-Gesellschaft und verschiedene andere Institute.

Sie passieren ein schlossähnliches Gebäude. Hier wird er langsamer und biegt in die Einfahrt ab.

Myriams Gedanken kreisen.

Den Ankh-Schlüssel habe ich bei mir und das Halsband auch. Jetzt brauche ich nur noch eine willige Sklavin, die mich da hineinbringt..

Myriam schaut sich um und parkt dann ihr Fahrzeug an einem Gebüsch unweit des Tores. Langsam nähert sie sich dem Gelände und geht so unauffällig, wie möglich, in Richtung Eingang.

Ein Mercedes rollt durch das Tor und hält. Ein Mann steigt aus. Das ist nicht, was Myriam gebrauchen kann. Minuten später. Ein roter Jaguar-E braust durch die Einfahrt und parkt neben den anderen Autos. Wieder ein Mann. So geht das eine halbe Stunde. Zirka 30 Wagen. Dann herrscht Ruhe. Keine Frauen. Myriam zerbricht sich den Kopf und wartet in ihrem Wagen. Sie nickt ein.

Plötzlich wird es laut. Ein Kleinbus fährt in den Hof, gefolgt von mehreren weiteren Wagen.

Erschrocken fährt Myriam hoch. Schaut auf die Uhr. Es ist 11:30.

Mein Gott. Ich bin eingepennt. Jetzt oder nie.

Myriams Herz klopft laut, als sie sich der heißen Blondine, die aus dem letztem Wagen ausgestiegen ist, von hinten nähert. Blitzschnell legt sie der Frau das Halsband an und lässt das Schloss zuschnappen.

Myriam hält den Atem an.

Was wird die Frau jetzt tun? Wird die Magie hier funktionieren? Oh, ist das aufregend!

Die Blondine dreht sich langsam um und schaut Myriam mit großen Augen an.

«Was haben Sie mit mir gemacht? Es schnürt mir die Luft ab!»

«Dann zerren Sie nicht daran! Sie sollen mir sagen, wie ich in dieses Haus komme! Ab jetzt gehorchst du mir. Verstanden?»

Sie schaut erschrocken: «Ja, ja», beeilt sie sich zu antworten. «Sie brauchen eine Einladung und ein Losungswort, sonst werden Sie sofort wieder abgewiesen und wer weiß, was dann mit Ihnen geschieht!»

«Das klingt erst einmal ziemlich unschön! Ich muss aber da hinein. Ich muss einen Herrn suchen.»

Myriam zieht das Photo aus ihrer Tasche und zeigt es der blonden Frau. «Kennst du ihn? Und wie soll ich dich nennen?»

«Kristina!» Sie sieht Myriam an. «Und den Mann kenne ich. Es ist einer der Großmeister der Loge.»

«Was ist das denn?»

«Eine Loge ist ein Geheimbund. Dieser Orden ist Jahrhunderte alt und reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Er wurde in Jerusalem gegründet, hab ich gehört. Sie halten hier ihre Versammlungen ab.»

«Oh, je, das wird ja immer schöner. Also, wie kommen wir jetzt da hinein? Ich mache dir einen Vorschlag. Das Halsband entferne ich, wenn der Abend vorbei ist und ich Zugang in dieses Etablissement habe, und erfahre, was hier gespielt wird.»

«Ja, ja. Das mache ich. Wie soll ich Sie nennen?»

Myriam beißt sich auf die Unterlippe, darüber hatte sie sich keine Gedanken gemacht, denn ihren richtigen Namen will sie auf keinen Fall preisgeben.

«Nenne mich Herrin! Und nun, mach schon! Lass uns hineingehen.» Mit diesen Worten nimmt Myriam Kristina bei der Hand und zieht sie hinter sich her.

«Wie lautete das Losungswort? Und gib mir die Einladung!»

«Primi secundi.»

«Was?»

«Das Losungswort: Primi secundi», und reicht Myriam die Einladung. Sie schließt auf und gemeinsam betreten sie den Eingang. Myriam sagt das Losungswort und zeigt die Einladung. Misstrauisch werden sie begutachtet und werden dann eingelassen.

Sie gehen eine geschwungene Treppe hinauf, bis zu einer Balustrade. Kristina zieht sich aus und wirft sich, nackt, wie sie ist, einen roten Kaputzenmantel über.

«Du musst dich auch ausziehen und dich mit einem der roten Mäntel bekleiden.»

«Und dann?»

«Auf ein Zeichen gehen wir hinunter und müssen die Männer befriedigen.»

«Aha. So läuft das.» Sie beobachten, wie sich unter ihnen der Saal füllt. Sie haben von hier oben einen guten Überblick. Myriam zieht sich aus. Ihr Job verlangt es. Schnell befestigt sie eine Mini Dashkamera am Kragen des Mantels.

«Das Zeichen. Wir müssen hinunter! Die Initiation beginnt!»

«Was ist denn das?», will Myriam wissen.

«Das ist das Ritual, damit der Bums beginnen kann.»

«Nach der Zeremonie bist du wieder bei mir!»

Myriam beobachtet, wie Kristina langsam die Treppe hinunter schreitet und sich in den Kreis der roten Robenträgerinnen einreiht.

In der Mitte steht ein Mann. Nicht der Mann, den sie sucht. Vermutlich der Großmeister. Er trägt ebenfalls eine rote Robe und umfasst einen langen Stab, der eine geschnitzte Figur auf dem oberen Ende trägt.

Monotoner Singsang wechselt sich mit dem Stampfen des Stabes auf der Erde ab. In der linken Hand schwingt er ein Weihrauchgefäß und schwingt es zu jeder anwesenden Person.

Myriam sieht, wie sich Männer in schwarzen Roben um die Roten herumstellen. Und sie stimmen in den monotonen Gesang mit ein.

Nachdem der Großmeister bei allen war, klopft er wieder mit dem Stab auf die Erde. Daraufhin senken alle roten Robenträgerinnen ihr Knie, legen den Kopf nach unten und scheinen auf etwas zu warten. Wieder klopft der Zeremonienmeister mit dem Stab auf den Boden und alle Knieenden werfen ihre Robe ab. 20 wunderschöne nackte Frauen erheben sich, knicksen noch einmal in Richtung der Mitte, wenden sich um und suchen sich einen der Schwarzgewandeten, mit dem sie zu den angrenzenden Sitzgelegenheiten und Sofaliegen verschwinden.

Myriam steigt die Treppe hinunter, um ebenfalls in den Raum hineinzugehen.

!Wow! Damit habe ich nicht gerechnet!»

Sie entdeckt Kristina. Sie lächelt sie an: Jetzt nur nicht auffallen.

Ich muss das tun, was alle tun. Das eröffnet neue Möglichkeiten, sagt sie zu sich selbst.

Myriam nimmt auf einem Sofa neben einem älteren Mann Platz, an dessen anderer Seite Kristina sitzt und dessen Hose im Schritt knetet. So kann sie in Ruhe die Szene in sich aufnehmen.

Einige nackte Frauen werden von elegant gekleideten Herren an Ketten geführt.

Eine Domina in einem schwarzen Lederanzug führt ihre Lebensgefährtin zu einem im Hintergrund stehenden schwarzen Pferd mit einem Sattel. Es ist eine originalgetreue Nachbildung eines Pferdes aus schwarz glänzendem Plastik. Erst jetzt erkennt Myriam, dass aus dem braunen Ledersattel ein stattlicher schwarzer Dildo in Form eines steifen Penisses aufrecht herausragt. Fasziniert starren sie das Bild an, das sich vor ihnen auftut. Myriam gibt Kristina ein Zeichen und sie gesellen sich zu dem Kreis der neugierigen Beobachter und Kristina gehorcht Myriam aufs Wort. Die Domina betätigt einen Schalter und der Dildo beginnt sich auf und ab zu bewegen. Dann beordert sie die nackte Frau in den Sattel aufzusteigen. Sie hält die Zügel und lässt sich langsam auf den Dildo herab. Am Summen des Elektromotors im Innern des Pferdes hört man, dass die Domina die Stoßgeschwindigkeit erhöht hat und die Gefährtin lautstark stöhnt.

Verträumt sagt Myriam zu Kristina: «Ist das nicht ein schöner Anblick, wie sie gefickt wird?»

«Ja», stöhnt Kristina leise.

«Möchtest du da auch mal draufsitzen?», fragt der Mann.

Zaghaft verschämt, aber gehorsam antwortet Kristina: «Ja, wenn Sie das möchten.»

«Wir werden später nochmal herkommen. Es würde mir gefallen, wenn ich sehen könnte, wie du von dem Pferd gefickt wirst. Es wird dir Freude machen.»

Eine ganze Zeitlang schauen sie dem lustigen Treiben zu, bis die Frau ihren Orgasmus hinausschreit und fast aus dem Sattel fällt. Myriam beobachtet fasziniert die Domina, die ihre Gefährtin auf das Fickpferd gesetzt, das Gerät in Gang gesetzt hatte und ihr jetzt die Hand reicht, damit sie absteigen kann. Unten angekommen wird sie von ihrer Domina liebevoll umarmt und geküsst.

Da als Nächstes schon ein dominanter Mann mit einer nackten Partnerin bereitsteht, das Pferd zu nutzen, geht Myriam mit Kristina wieder zurück zu ihrem Sofa.

Ein Mann kommt zu ihnen. Sein Hosenschlitz ist offen und sein steifes Glied steht heraus. Er wendet sich an Kristina, hält ihr das Glied vors Gesicht und sagt nur: «Blasen!»

Kristina tut wie befohlen und Myriam schaut fasziniert zu. Alles wird ihre Kamera aufnehmen.

Es dauert nicht lange und der Mann spritzt in den Mund von Kristina. Er tätschelt ihre Wangen, sagt keinen Ton und verschwindet zu einer Gruppe Männer mit anderen Frauen.

Aus einem Lautsprecher ertönt eine Stimme. Es ist wohl der Großmeister, der Mann, der die Zeremonie abgehalten hat. Auch er hat seine Gewandung getauscht, trägt nun einen sehr eleganten Smoking und hält ein Mikrofon in der Hand.

«Liebe Brüder und Schwestern,

ich begrüße euch in diesem wunderschönen Ambiente, das uns von der hohen Freimaurerischen Vereinigung für den heutigen Abend überlassen wurde. Esst und trinkt, lasst es euch schmecken. Danach gebt euch nur noch der Lust hin. Macht den Abend nach der anstrengenden Sitzung zu einem grandiosen Fest.

Applaus, eine seitliche Doppeltüre wird geöffnet und dahinter wird nun ein exklusives Buffet aufgetragen. Eine Bar wird hineingeschoben und von dort kann sich jeder das Getränk seiner Wahl abholen. Sekt, Wein, Cocktails.

In der Mitte des Saales steht ein übergroßer Tisch, auf dem sich einige Frauen gegenseitig lecken. Außen herum setzen sich Zuschauer mit ihren beladenen Tellern und beobachten beim Essen die Show. Eine junge Frau wird von einer anderen mit einem Vibrator befriedigt, während eine andere ein kniendes Mädchen mit dem Flogger peitscht.

An einem Andreaskreuz an der Rückwand des Saals ist eine Frau gefesselt, die mit einer Singletail gepeitscht wird. Überall lustvolles Stöhnen und Schreien.

Einer der Großmeister hat eine hübsche Nackte an der Kette und setzt sich mit ihr an den großen Tisch zwischen anderen Gästen.

Kristina erschrickt. «Das ist der Mann, den du suchst. Einer der Großmeister. Er darf uns nicht sehen, sonst stellt er bestimmt Fragen.»

Myriam nutzt den Moment und kontrolliert ihre Kamera. Nicht weit entfernt setzt sie sich zu einem Mann am Tisch, dessen Glied von einer zwischen seinen Beinen knienden Frau geblasen wird. Der Mann nickt erfreut und um Gehorsam zu zeigen, krault Myriam seinen Sack, umgreift sein Glied und unterstützt mit entsprechenden Bewegungen die Arbeit der blasenden Frau. Dabei beachtet und filmt sie den Großmeister, dessen kleines Glied von der neben ihm sitzenden Frau gestreichelt wird, während die beiden fasziniert das Geschehen auf dem Tisch verfolgen.

Myriam hat genug und sucht Kristina. Sie entdeckt sie auf dem Teppich kniend, während sie von hinten von einem Mann gefickt wird.

Als der Mann fertig ist, zieht sie Kristina fort. In einen Erker setzen sie sich und blicken auf ein weiteres Paar, dessen Frau auf dem Pferd sitzt und lauthals stöhnt.

«Du kennst den Großmeister?»

«Ja. Er hat sich mit mir vorige Woche unterhalten. Ich habe mich um ihn bemüht, aber er wurde nicht richtig steif. Ich glaube, er ist auch nicht gekommen. Aber er hat sich liebevoll bedankt und gesagt, ich dürfe immer wiederkommen. Ich solle am Eingang den Namen Großmeister Hermann sagen.»

«Was weißt du über ihn? Antworte!» Dabei berührt sie den Angk Schlüssel und das Halsband zieht sich stramm.

«Bitte. Bitte», fleht Kristina. «Ich sag alles, was ich gehört habe. Aber er darf uns nicht sehen, solltest du erwischt werden, werden sie dich eliminieren.»

«Ich passe schon auf. Kannst du mir ein paar Fragen beantworten?»

«Was willst du denn wissen?» Sie sieht Myriam neugierig an, die begeistert das Treiben auf dem Pferd beobachtet.

«Was er so treibt und womit er sein Geld verdient und wie es kommt, dass er so viel davon hat.»

«Nun ja, ich habe gehört, er hat Insiderwissen über bevorstehende Transaktionen auf dem Aktienmarkt, betreibt unseriöse Aktiengeschäfte und da er bei einigen Konzernen im Aufsichtsrat sitzt, weiß er umso mehr über Hintergründe von Hochs und Tiefs auf dem Aktienmarkt.»

«Welche Konzerne?»

«Ich weiß es nicht. Eine Firma heißt wohl General Electric.»

Myriam merkt, dass es wohl besser ist, zu verschwinden.

«Ich werde dir dein Halsband abnehmen. Sei brav und sag nichts. Du würdest auch nur Schwierigkeiten bekommen.»

Myriam sieht sich um. Vorher aber hat sie ihrer Sklavin noch das Halsband entfernt und ihr die Einladungskarte abgenommen.

Kristina betrachtet das Halsband in Myriams Händen. «Was ist das für ein komisches Halsband?»

«Es hat dich gehorsam gemacht.»

«Wir sind verpflichtet hier jedem absolut zu gehorchen. Das haben wir vertraglich unterschreiben müssen, ob den hohen Herren oder den Dominas. Ich dachte, du seist eine der Dominas.»

«Wer sind die Dominas?»

«Sie organisieren uns Mädels und weisen uns an, wem wir dienen müssen.»

Erstaunt hebt Myriam die Augenbraue. Ist ihr Halsband ein Schrottspielzeug? Hatte Naomi nicht gesagt, das zu der Wirkung noch irgendwelche Rituale gehören? Alles seltsam. «Kümmer dich um deine Aufgabe, Kristina. Du hast super gedient. Ich werde dich loben.»

Gorillas in schwarzen Anzügen, deren ausgebeulte Jacken zeigen, dass sie Kanonen tragen, flanieren an den Türen. Wie komme ich hier wieder heil raus? Sie geht zum Ausgang, gibt die Karte an der Tür ab, sagt, sie brauche unbedingt einen Moment frische Luft und noch bevor sie einer aufhalten könnte, verschwindet sie in der dunklen Nacht.

Als Myriam das Fest verlässt, ist sie um einige Informationen reicher und kann ihrer Auftraggeberin die geforderten Informationen liefern.


Aus dem Auftrag wird mehr

Zu Hause wirft sich Myriam erst einmal in ihr Bett und schläft aus. Das war ein anstrengender Abend.

Ausgeruht schreibt sie am nächsten Morgen an ihren Bericht und sieht auch die Bilder, die sie heimlich mit ihrer Flashcam aufgenommen hat, sortiert sie, bearbeitet sie und druckt Einzelaufnahmen aus. Die Bilder der Frau auf dem Fickpferd sind super scharf geworden. Auch die Aufnahmen mit dem Großmeister vor dem riesigen Tisch, wie er von einer Frau neben ihm geblasen wird.

Myriam ist auf jeden Fall zufrieden mit ihrer Arbeit und auch wieder um eine Erfahrung reicher. Die alten Templer wussten, wie man feiert und eine Orgie genießt. Sie lächelt unbewusst.

Dann wählt sie die Handynummer ihrer Auftraggeberin.

«Hallo, unbekannte Schöne. Ich habe Informationen, die Sie benötigen!»

«Das ist wunderbar. Wir treffen uns um elf Uhr im «Andy‘s Diner & Bar, Potzdamer Platz 1.»

«Alles klar, ich werde da sein!»

Es klackt in der Leitung. Die Frau hat das Telefonat beendet.

Pünktlich um elf Uhr betritt Myriam die Bar und schaut sich suchend um. Da sie ihre Auftraggeberin erspäht, lenkt sie ihre Schritte zu deren Tisch und setzt sich ihr gegenüber.

Die Bedienung eilt herbei. «Möchten Sie etwas trinken?»

«Bringen Sie uns bitte eine große Flasche Stilles Wasser und zwei Gläser.»

Myriam wird nicht gefragt.

«So, dann erzählen Sie mir bitte, was Sie herausgefunden haben.»

Myriam zieht ihre schriftlichen Unterlagen hervor und breitet sie vor der schönen Frau mit den braunen Augen aus. Auch heute ist sie wieder unglaublich sexy gekleidet. Wieder ein hautenger Rock. Dazu schwarze Lackstiefel mit Fransen. Ihr Oberteil lässt einen tiefen Blick auf ihr Dekolleté zu, das mit schwarzen Rüschen umrahmt ist. Die Ärmel sind ebenfalls mit schwarzen Fransen gesäumt. Und die Bluse erstrahlt in einem metallisch glänzenden tiefrot.

«Ihr Mann ist der Großmeister einer Loge der Freimaurer oder aber Templer. Es ist alles so geheim, dass man zu den Festen nur mit einer persönlichen Einladung und einem Losungswort zugelassen wird.»

«Wie haben Sie das denn geschafft?»

«Das ist mein Berufsgeheimnis. Am Eingang standen mächtige Männer mit starken Muskeln und einem Revolver unter der Jacke. Ich habe mir sagen lassen, dass jeder, der es wagt, sich illegal einzuschleusen, kurzerhand eliminiert wird. Was auch immer eliminieren bedeutet. Ich wollte es auch nicht ausprobieren. Und bin schleunigst wieder verschwunden, als ich meine Informationen hatte. Im Übrigen hatte ich Hilfe von einer Frau, die ich dort kennengelernt habe und die mich sehr unterstützt hat. Sie war mit einer Gruppe weiterer Frauen um kurz vor Mitternacht in einem Kleinbus gebracht worden. Mir war es gelungen, mit ihr sehr schnell in guten Kontakt zu kommen. Sie und die anderen jungen Frauen waren alle über eine Hostessen-Agentur gebucht worden. Sie waren Call-Girls oder schlicht und einfach gesagt, Nutten. Ihre Aufgabe war es, die Herren nach einer langen ernsthaften Konferenz oder Veranstaltung aufzuheitern und zu entspannen.»

«Entspannen?»

«Nun ja. Blasen, wichsen und vögeln.»

«Mein Mann?»

«Ja. Ihr Mann ließ sich auch bedienen.»

«Erstaunlich. Mit mir hat er seit Jahren nicht mehr geschlafen.»

«Das geschieht alles in einer Art Ritual. Erst werden die jungen Frauen geweiht, dann legen sie ihren roten Mantel ab und gehen nackt zu einem Mann und vögeln den ganzen Abend mit diesem Mann und auch mit anderen. Es wäre jetzt zu viel, das alles zu erzählen. Nun erst einmal zu Ihrem Mann.

Er ist, wie gesagt, einer der Großmeister, hält die Initiation ab und was bei diesen Treffen auch stattfindet, ist das Heilige Ritual des Hieros Gamos, die fleischliche Vereinigung der Götter. Es vereinigen sich der Priester mit der Hohepriesterin. Hier, schauen Sie mal!»

Myriam gibt der Frau, einige eng beschriebene Seiten. «Das habe ich aus dem Internet, lesen Sie einfach mal in Ruhe, wenn Sie zu Hause sind.»

Dann übergibt sie der Frau die Ausdrucke der Fotos, auf der ihr Mann recht gut zu erkennen ist.

«Das ist ja unglaublich. Dieses verkommene Schwein. Macht immer auf seriös. Und dann bei so einer Orgie.»

«Ich habe auch Filmaufnahmen von dem Abend gemacht, die ich Ihnen auf einer CD kopiert habe. Sie stehen Ihnen zur Verfügung.»

«Danke. Das ist gut. Sehr hilfreich. Das wird die Scheidung schnell über die Bühne bringen.»

«Mir ist bestätigt worden, dass sich die Herren auf ihren Sitzungen mit Aktiengeschäften beschäftigen.»

«Das habe ich schon lange vermutet. Ich habe Papiere, die ihm des Insiderhandels bezichtigen. Ist was für die Finanzpolizei und die Börsenaufsicht.»

Die Frau blättert gedankenverloren in den Seiten, und legt sie dann zu den anderen Aufzeichnungen. «Die werde ich heute Abend lesen. Wie sind Sie da herausgekommen?»

«Als ich genug gesehen hatte und die Aufzeichnungen geklappt hatten, hab ich gesagt, mir ist schlecht und will hinaus zum Bus. Man hat mich gelassen. Ich habe mich dann in dem Vorraum wieder angezogen, bin hinaus und habe mich zu meinem Wagen verdrückt. Ich habe auch ein paar Namen aufgeschnappt, vielleicht können Sie etwas damit anfangen. Aber steht alles in meinem Bericht.»

«Wunderbar, ich werde Ihnen einen Scheck zukommen lassen. Die Informationen sind mir viel mehr wert!»

Mit diesen Worten erhebt sich die Frau, verabschiedet sich mit einem Kopfnicken, dreht sich um und verschwindet.

Myriam sitzt noch immer regungslos auf ihrer Bank und nippt an ihrem Wasser.

Ob ich diese Dame wiedersehe? Sie ist eine Sünde wert. Aber wahrscheinlich ist sie jetzt nur froh, Material gegen ihren Mann zu haben und wird nicht mehr an mich denken. Myriam seufzt.


Annie

Myriam brütet gerade über ihrer Buchhaltung, als Annie in das Büro stürmt.

«Bin wieder da!»

«Was war so wichtig, dass du unentschuldigt gefehlt hast, auch eine Krankmeldung habe ich nicht bekommen!»

«Du, Myriam, du hast mich mit auf diese ominöse Party genommen. Allein dir habe ich es zu verdanken, dass ich jetzt eine Beziehung habe, die mich glücklich macht.»

Myriam sieht Annie mit offenem Mund an.

«Und das ist jetzt deine Entschuldigung?»

«Ja, nein …!»

«Was denn nun?»

«Ich meine, nein, das ist keine Entschuldigung, es ist eine Erklärung für mein Fehlen. Du warst auf einmal verschwunden und ich habe dich auch nicht mehr gesehen. Bist einfach ohne mich abgehauen.»

Annie zieht einen Schmollmund, der so gar nicht zu ihrem glücklichen Gesicht passt.

«Okay, okay, ich musste, weil mein Job erledigt war und ich diese Noemi, befreit habe. Konnte nicht dableiben, wäre zu gefährlich gewesen. Was ist denn nun auf der Party noch passiert?»

Annie atmete tief ein und auch wieder aus, bevor sie wieder das Wort ergreift. «Da oben auf der Bühne, was ich da gesehen habe, das war eine unglaubliche Erfahrung. Ich verspürte Lust und habe eine wahnsinnig nette Freundin kennengelernt. Wir sind später zu ihr gegangen. Nie hätte ich geglaubt, dass eine Frau, mich so glücklich machen kann.»

«So, so, dann hast du also dein Glück gefunden!» Myriam lächelt Annie an. «Und wieder fit für die Arbeit?»

«Aber klar! Sag mir, was ich tun soll und es wird geschehen.»


Neue Erfahrungen

Schon am vorhergehenden Abend hatte Myriam sich hingesetzt und begonnen, einen Roman zu schreiben. Mit dem Titel ‚Das Voodoo Halsband‘ wollte sie alle ihre verrückten Gedanken zu Papier bringen. Basierend auf ihre Erfahrung mit Noemi schmückte sie es aus, und heute beschreibt sie genüsslich und ausführlich erotische SM-Szenen in dem Haus in Haiti. Die Sätze entstehen fast von selbst, fließen förmlich in den Computer und auch Dialoge, die sie schon lange zuvor im Kopf hatte, geben der Geschichte eine Aktualität, als wäre sie wirklich dabei gewesen.

Ein paar Tage sind wieder vergangen, der Roman ist gewachsen und heute will Myriam neue Erfahrungen für die Geschichte machen und einen besonderen Fetischclub besuchen. Sie nimmt Bea mit und sie machen sich auf den Weg zum «Insomnia Erotic Nightclub». Vor dem BDSM Club angekommen, drückt Myriam auf eine Klingel. Die Tür öffnet sich. Ein freundlicher Mann im Anzug begutachtet auch hier die Outfits und bittet sie rein. Eine stilvolle Atmosphäre und angenehmes Licht bringen sie in die richtige Stimmung. Ähnlich wie im KitKat Club können sich die Gäste im Eingangsbereich neben der Kasse umziehen. Eine kurze Treppe führt hinunter zur Garderobe und eine weitere, längere Treppe hoch in den Hauptbereich des Clubs auf eine große Tanzfläche. Gleich daneben befindet sich die Bar, hinter der vier große, beleuchtete Spiegel angebracht sind. Zwischen den Spiegeln stehen drei riesige, goldene Statuen. Für den kleinen Hunger zwischendurch ist am Ende der Bar ein kleiner Obstkorb platziert, der immer wieder frisch aufgefüllt wird.

Myriam springt sofort eine große Leinwand ins Auge, auf der Pornofilme gezeigt werden. Bea und Myriam durchstreifen die Räume und schauen sich weiter um. Einige Paare unterhalten sich entspannt, andere verführen sich regelrecht gegenseitig auf der Tanzfläche. Viele kleine Extra-Räume, durch dicke Vorhänge abgetrennt, sind mit Liebesschaukeln, Betten und jeder Menge Sextoys ausgestattet. Hinter dem DJ-Pult hängt ein schwerer Samtvorhang. Dahinter liegen zwei weitere Räume, die sehr stimmungsvoll hergerichtet sind. Das sogenannte «Klinikzimmer», mit Gynäkologenstuhl und einem großem, roten Bett, wirkt auf den ersten Blick etwas abschreckend. Für die entsprechende Atmosphäre sind rote Kreuze an die Wand gemalt.

Im Sanitärbereich, in dem es einen Whirlpool und Duschen gibt, vergnügt sich gerade ein Pärchen. Sobald sie den Pool verlassen haben, säubert das Personal alles gründlich. Ob Aschenbecher, leere Gläser oder unansehnliche Flecken, die freundlichen Angestellten beseitigen alle Unstimmigkeiten schnell und diskret. Auf besonderen Wunsch gibt es neues Wasser inklusive Bedienung am Pool für rund 30 Euro.

Oben auf der Empore, zu der ebenfalls eine Treppe führt, haben nur Paare Zutritt. Ein riesiges, rot-schwarzes Himmelbett mit großen Kissen und viele kleine Betten laden die Partygäste zu gemeinsamen Spielereien ein. Neben jedem Bett steht ein Nachttisch mit Kondomen und Taschentüchern bereit. Keine fünf Minuten nachdem die Galerie geöffnet wurde, sind bereits sechs Paare auf allen fünf Betten zu Gange. Von der Tanzfläche aus hat Myriam einen guten Blick auf das lange Geländer auf der Empore, an dem es den ganzen Abend über tatkräftig zur Sache geht. Sie fühlt sich zunächst etwas beschämt, kann aber auch irgendwie nicht wegsehen.

Myriam fällt auf, dass sie sich im Insomnia nach einiger Zeit wesentlich wohler fühlt, als im «Kitty». Die Gäste lassen ihnen ihren Freiraum, wodurch insgesamt eine angenehmere Atmosphäre entsteht. Die Wahl der Outfits fällt auch hier sehr freizügig aus. Jedoch wirken sie unaufdringlicher und stilvoller – viele Korsetts, Strapse, lange schwarze Kleider, dunkle Leder- und Latexanzüge sowie viele Ketten.

«Das Insomnia will verführen, provozieren, anregen und damit eine Lücke in der Hauptstadtszene schließen», erklärt Bea.

«Und woher weiß Frau Neunmalschlau das?»

«Oh, das habe ich im Internet gelesen. Ich habe mich schlau gemacht, nachdem ich deine Einladung bekommen habe.»

«So, so, du hast dich also schlau gemacht!», grinst Myriam.

Sie tanzen noch sehr viel an diesem Abend, trinken eine Menge und naschen an den Kleinigkeiten, die an der Bar feilgeboten werden. Sie küssen und lieben sich in einer Ecke, ohne sich an all den anderen Gästen zu stören. Sie beobachten belustigt, wie eine in einem schwarzen Lederkostüm gekleidete Frau eine halbnackte jüngere Frau an einer Kette und Halsband hinter sich herzieht. Myriam fragt sich, was das für ein Gefühl für die jüngere Frau sein muss, von einer Domina an der Kette geführt zu werden. Aber Bea ist nicht die Dominante, denkt Myriam. Sie ist eher die liebe, brave.

Es ist schon ziemlich spät, nein, eher sehr früh am Morgen, als Bea und Myriam den Heimweg antreten, beide ziemlich betrunken. Sie lachen und albern herum und suchen sich ein Taxi, um nach Hause zu fahren.

«Du warst echt Klasse, war echt geil mit dir!»

«Mit dir aber auch!» Bea grinst und schiebt Myriam ins Taxi.


Wiedersehen

Schlagzeile in einer Tageszeitung.

Hermann Berger verhaftet.

Der Aufsichtsratsvorsitzende mehrerer großer Gesellschaften Herr Hermann Berger und Vorstand der Haffner Guppe wurde gestern überraschend verhaftet. Ein Sondereinsatzkommando des LKA stürmte die Firmenzentrale und nahm ihn fest. Die Beamten beschlagnahmten Computer und Ordner. Ihm wird vorgeworfen, Insiderwissen zu seinem eigenen Vorteil genutzt zu haben, um Aktienkurse zu manipulieren. Außerdem ist bekannt geworden, dass er als Großmeister einer dubiosen Sekte angehörte und sexuelle Unzucht mit Minderjährigen vollzogen haben soll. Er sitzt zurzeit in U-Haft. Seine Frau hat sofort die Scheidung eingereicht. Sie ist die Millionenerbin des Unternehmens Haffner & Söhne, mit Investitionen in der Automobil-Zulieferindustrie und distanziert sich ausdrücklich von den Machenschaften ihres Mannes.

«Gut so!» Bettina Haffner-Berger lächelt und lässt die Tageszeitung sinken. «Niemand hat herausgefunden, dass ich hinter dieser Sache stecke und meine Detektivin echt gut war. Ich glaube, sie wird noch mehr Aufträge für mich erfüllen. Gute Leute muss ich mir warm halten. Und Myriam Sanders ist gut!»

Bettina nimmt noch einen Schluck aus ihrer Kaffeetasse und räumt dann ihr Frühstücksgeschirr ab.

«Zeit, meine Firma und meinen Vater zu besuchen.»

«Guten Morgen, Vater. Hast du die Zeitung gelesen?»

«Ja, heute Morgen, ich wollte dich auch schon anrufen, aber das Telefon steht einfach nicht still. Presse, Fernsehen, besorgte Aufsichtsratsmitglieder ...»

«Mach dir keine Sorgen, wir regeln das und Hermann wird leer ausgehen. Er hat mich betrogen, oft und immer wieder in diesem merkwürdigen Kreis von Logenmitgliedern.»

«Wer hätte das gedacht, ich hielt ihn für einen Ehrenmann und niemals hätte ich geglaubt, dass er in so einem Sumpf steckt.»

«Lass uns den Vorstand versammeln und wir arbeiten eine Pressemitteilung aus, die alle Schuld auf Hermann beschränkt. Egal, was passiert, aus der Nummer kommt er nicht mehr raus.»

Einige Tage später geht Bettina an der Spree spazieren, sie hängt ihren Gedanken nach. Die Sonne scheint warm auf sie herab und die Vögel zwitschern so fröhlich. Sie schaut auf den Weg und achtet nicht auf ihre Umgebung. Ein Windstoß weht durch eine Trauerweide und die Blätter rascheln. Sie schaut auf und sieht Myriam Sanders ins Gesicht.

«Oh, ich habe Sie gar nicht gesehen!»

«Ich grüße Sie, Frau Haffner-Berger, jetzt habe ich durch die Presse doch noch Ihren Namen erfahren. Sie wollten doch die Informationen für sich behalten! Wer weiß, was uns jetzt blüht.»

«Machen Sie sich keine Sorgen. Ihr Name taucht nirgendwo auf. Gehen Sie öfter hier spazieren?»

«Ja, fast jeden Mittag und im «petit bijou» gehe ich dann eine Kleinigkeit essen.»

«Waren Sie schon?»

«Nein, ich wollte nach dem Spaziergang hin.»

«Darf ich Sie begleiten?»

«Gern.»

Die beiden Frauen schlendern noch eine Weile am Spreeufer entlang, um dann im «petit bijou» einzukehren.

Sie plaudern über dies und das, bis der Kellner kommt und ihre Bestellung aufnimmt.

«Frau Sanders, bitte bestellen Sie, Sie wissen, was hier gut schmeckt.»

«Gern! Dann bitte zweimal Sauerteigbrot mit Lachs und Bio-Ei, dazu einen bunten Salat, und eine Flasche Stilles Wasser mit zwei Gläsern.»

«Das war‘s?», fragt die Bedienung, «Möchten Sie vielleicht einen Aperitif?»

Bettina Haffner-Beger bestellt noch zwei Gläser Aperol Spritz. «Lassen Sie uns auf unser Wiedersehen anstoßen!»

«Okay, ich bin einverstanden.»

«Sie haben mir sicherlich nicht alles erzählt, was in dieser besagten Nacht passiert ist, oder?»

«Stimmt, ich wollte Sie nicht mit Belanglosigkeiten ermüden.»

Bettina lächelt: «Aber genau diese Kleinigkeiten interessieren mich!»

Myriam lächelt zurück: «Oh, das wusste ich nicht.»

Die Kellnerin bringt die Getränke und gießt Wasser in die beiden leeren Gläser.

Bettina und Myriam ergreifen ihren Aperitif, prosten sich zu und trinken einen Schluck.

«Wollen wir uns nicht duzen?»

«Ja, gern, ich bin Myriam.»

«Bettina!»

Wieder erklingen die Gläser, die beiden prosten sich zu und trinken den nächsten Schluck.

«Was hast du vor? Ich meine in Bezug auf deinen Mann?»

«Ich habe direkt meinen Anwalt angerufen, der sofort die Scheidung einreichen soll und außerdem kann ich dann den Zusatznamen Berger entfernen und ich heiße dann wieder Bettina Haffner und der Berger ist weg.» Bettina lacht schallend.

«Ich bin so froh, dass Noemi mir deine Adresse gegeben hat. Wer weiß, ob jemand anderes so viele Informationen hätte herausfinden können.»

Myriam ist nachdenklich. «Wie es aussieht, wolltest du schon länger von deinem Mann weg und du hast einen Weg gesucht, ihn loszuwerden, stimmts?»

«So krass würde ich es jetzt nicht ausdrücken, aber du kommst der Wahrheit ziemlich nahe. Ich habe Hermann geheiratet, weil mein Vater einen Nachkommen für sein Unternehmen haben wollte und ich dachte, wenn ich erst Mutter bin und meinem Vater einen Enkel schenke, wird er glücklich sein.

Meine beiden Brüder sind bei einem Segeltörn ums Leben gekommen und Vater hatte ja dann nur noch mich. Aber ich bin in all den Jahren nicht schwanger geworden und freiwillig hätte Hermann seinen Posten nicht aufgegeben, außerdem hätte ich ihm eine hohe Abfindung zahlen müssen, wenn ich die Scheidung ohne Begründung eingereicht hätte. So war es bedeutend besser.»

«Sag mal. Wie hast du Noemi kennengelernt?»

«In der Buchhandlung Sinnlichkeit.»

«Oh, kenne ich nicht.»

«Es ist ein Frauenladen in der Clayallee, in Zehlendorf, neben dem Cafè Lebensart. Frieda Freifrau von Waldburg, eine gute Freundin von mir, betreibt ihn. Es ist eine Librairie des Femmes, eine Autorinnenbuchhandlung. Und dazu führt sie in einem Nebenraum hoch exklusive Wäsche, Dessous der besonderen Art.»

«Interessant, und was hast du nun für dein weiteres Leben vor?»

«Ich lasse es mir gutgehen!»

«Okay, und wie soll das aussehen?»

«Ich muss in den nächsten Tagen einiges mit meinem Vater wegen der Firmen regeln, außerdem will ich mein Leben auch anderweitig aufräumen, dann habe ich vor, erst einmal in Urlaub zu fahren, bis sich die Wogen um den Skandal geglättet haben. Willst du mich begleiten? Ich lade dich ein.» Bettina strahlt Myriam an.

Myriam zieht ihre Stirn in Falten und sieht skeptisch aus. «Lass mich überlegen.» Sie lehnt sich in ihrem Stuhl zurück und denkt nach.

Wow, das ist ein Hammerangebot. Kann und darf ich das annehmen? Dann muss ich Annie beauftragen, die Stellung zu halten und meine Blumen zu gießen. Gott sei Dank habe ich keine Haustiere. Mein alter Kater ist letztes Jahr gestorben, friedlich ist er in meinen Armen eingeschlafen. Ja, ich fahre mit.

«Wo soll es denn hingehen?»

«Wie wäre es mit einer Kreuzfahrt in die Südsee?»

«Okay, gebongt, ich fahre mit und meine Mitarbeiterin wird die Stellung halten.»

In diesem Moment wird das Essen gebracht, es duftet wunderbar nach frisch gebackenem Brot.

Mmmmh, ist das lecker!

Myriam beißt herzhaft in ihr Brot und kaut genüsslich und schaut dabei Bettina an, die ebenfalls kräftig in ihre Stulle beißt.

«Ganz vorzüglich! Der Lachs ist zart und schmelzend auf der Zunge, das Brot kräftig und knusprig. Gute Wahl, liebe Myriam.»

Die beiden Frauen essen schweigend und jede hängt ihren eigenen Gedanken nach.

Nachdem sie fertig sind, bestellen sie noch einen Espresso, den sie mit einem Löffel braunen Zucker versüßen.

Bettina übernimmt die Rechnung, bevor Myriam widersprechen kann. «Ich lade dich ein, denn ohne dich wäre ich jetzt nicht hier.»

«Na, dann vielen Dank.»

Die Sonne lacht ihnen entgegen, als sie das Lokal verlassen und ihre Schritte in Richtung Parkplatz lenken.

«Myriam, das war wirklich super, dass ich dich hier getroffen habe und versprich mir, dass wir uns wiedersehen! Mit der Einladung, das war mein voller Ernst»

«Gerne, Bettina. Ich freue mich, wenn du mich anrufst und wir einen Termin für unsere Besprechung unseres gemeinsamen Urlaubs finden.»

Sie umarmen sich und jede geht ihrer Wege. Myriam ins Büro und Bettina zu ihrem Vater.


Annies Liebe

Ein Tag, wie jeder andere. Nicht ganz. Annie sprüht in letzter Zeit vor Glück. Myriam hat neue Bürostühle gekauft und für Annie einen kleinen Schreibtisch mit eigenem Laptop.

«Myriam, das war das Beste, was sich aus unserem kleinen Auftrag entwickelt hat. Sie ist echt eine Sahneschnitte, sie liest mir wirklich jeden Wunsch von den Augen ab, trägt mich auf Händen. Sie ist stark und kann mich beschützen. Beim Sex bringt sie mich in die höchsten Höhen der Wolllust. Das ist es, was mir bei meinem letzten Freund gefehlt hat.»

«Das ist schön», erwidert Myriam. «Dann drücke ich dir die Daumen, dass es so bleibt. Aber jetzt an die Arbeit.»

Myriam gibt ihr eine Liste. «Recherchier das bitte im Internet, ich will alles über diese Personen und den Laden wissen.»

«Wird gemacht!»

Beide arbeiten still vor sich hin und als es Mittag ist, fragt Myriam: «Lust auf einen Spaziergang an der Spree und was zu essen?»

«Oh, super, ich habe einen Bärenhunger.» Annie speichert ihre Notizen und klappt den Laptop zu. Myriam ist bereits fertig.

Fröhlich machen sich die beiden Frauen auf den Weg, albern herum und plaudern über die Party.


Der Koffer

Spätnachmittags erscheint Bettina in Myriams Büro. In der Hand trägt sie einem dicken Aktenkoffer.

«Hallo, Myriam.»

«Hi, Bettina. Was führt dich zu mir?»

«Ich habe einen neuen Auftrag für dich», ruft sie aus, als sie sich stöhnend in den Sessel vorm Schreibtisch fallen lässt.

«Oh, das hört sich gut an», lacht Myriam.

«Also, die Scheidung läuft. Er tobt. Wir wissen es von seinem Anwalt. Dabei habe ich gewisse Befürchtungen. Hermann hat sehr viel enge Freunde und es könnte sein, dass er seine Freunde aus der Untersuchungshaft heraus beauftragt, mich zu drangsalieren. Gestern Abend trieben sich ein paar dunkle Gestalten vor unserem Grundstück herum. Recht auffällig. Hier in diesem Aktenkoffer habe ich einige sehr persönliche Unterlagen und Dokumente gepackt und bitte dich, den Koffer in Verwahrung zu nehmen.»

«Ja, natürlich, Bettina. Das kann ich machen. Ist ein großer Aktenkoffer, fast wie ein Pilotenkoffer. Hier ist er sicher.»

«Ja. Es ist ein Pilotenkoffer. Ich hatte ihn mal in Hong Kong gekauft. Du darfst niemanden von dem Koffer erzählen und dass er von mir ist. Niemand weiß davon. Es ist besser so. Verstaue ihn gut. Er hat Zahlenschlösser, die ein unbeabsichtigtes Öffnen verhindern. Es ist gut, wenn niemand weiß, was in dem Koffer ist und von wem er ist.»

«Mein Büro ist sicher. Dieses Haus hat mehrere Büros vermietet und einen Sicherheitsservice. Ich habe Spezialschlösser in der Stahltüre einbauen lassen. Kannst dich auf mich verlassen.»

«Ich zahl dir auch Miete.»

«Quatsch. Das brauchst du nicht.»

«Ach. Du kannst es doch gebrauchen.» Sie zieht zwei Hundert-Euroscheine aus dem Portmonee. «Nimm es. Bitte.»

«Na gut. Du bist eine echte Freundin.»

«Ich habe auch einige gute Freundinnen, denen ich dich empfehlen werde. Die eine oder andere kann deine Hilfe vielleicht gut gebrauchen.»

«Danke. Möchtest du etwas trinken?»

«Nein, Danke. Ich muss zu einer Sitzung des Aufsichtsrats. Ich melde mich demnächst, dann kommst du zu mir zum Essen und dann können wir uns danach einmal gemütlich aussprechen. Ich denke, du hast keine Angst vor einer Frau, die mit beiden Beinen auf dem Boden steht. Ich glaube, wir beide könnten uns gut verstehen.»

«Das glaube ich auch. Na, dann. Alles Gute.»

«Es wird gut. Ich bin dabei, einiges auch privat zu bereinigen. Werde mein Leben umkrempeln.»

Bettina kommt um den Schreibtisch herum und gibt Myriam einen Kuss.

Der Koffer ist schwer, als Myriam ihn in den unteren Teil des Aktenschranks schiebt und die untere Rolltüre herunterzieht und abschließt. Da ist er sicher, da geht keiner dran, sagt sie sich.

Diese Frau ist interessant, denkt Myriam. Sie ist zwar einiges älter als ich, aber ich bin sicher, sie hat Feuer und mit ihr werde ich im Bett landen.

Myriam bekommt von Annie zusammengestellte Unterlagen und Ausdrucke über den Frauenladen und beschließt, einfach loszufahren und sich den Laden anzusehen.




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