Bengston Energy Healing - Heilen aus dem Nichts
William Bengston

Sylvia Fraser


Wer heilt, hat Recht – dieses geflügelte Wort gilt auch für William Bengston, selbst wenn er noch nicht genau

angeben kann, warum sein «Heilen aus dem Nichts» wirkt. Die Beobachtung zeigt, dass die Methode funktioniert – und das lässt sich sogar unter standardisierten wissenschaftlichen Bedingungen belegen.

Bengston Energy Healing ist weltanschaulich neutral, verzichtet auf philosophische oder esoterische Bedeutungsgebung – und kann von jedem erlernt werden.

Hier beschreibt der Autor die Anwendung seiner Heilmethode, bei der er heilende Energie aktiviert, während sein Bewusstsein ins «Nichts» eintaucht und jede Intention loslässt. Seit vielen Jahren hat er diese Feldmethode (das heißt, die Methode wirkt auf das energetische Umfeld und auch in die Ferne) höchst erfolgreich angewendet und unterrichtet. Das Buch:

–&#160;gibt detaillierte Anleitungen zum Erlernen der Methode

–&#160;eröffnet eine neue, nebenwirkungsfreie Heilungsperspektive für chronisch Kranke und Schwerstkranke

–&#160;dokumentiert die Entwicklung und Anwendung mit vielen eindrucksvollen Fallbeispielen

Bengston Energy Healing erwies sich gerade bei schweren Erkrankungen als besonders wirksam, etwa bei Herzerkrankungen, Diabetes, Parkinson und Arthritis. Der Autor war anfangs selbst sehr skeptisch, doch sein selbstkritischer Erfahrungsbericht wird alle überzeugen, die nach neuen, wissenschaftlich erhärteten Heilungsmethoden suchen: Menschen mit schweren (auch chronischen) Erkrankungen ebenso wie Ärzte, Heilpraktiker und alle an Heilung Interessierten. (Mehr unter http://bengstonresearch.com/videos – Video-Vorträge in englischer Sprache)







William Bengston

Sylvia Fraser

Bengston Energy Healing –  Heilen aus dem Nichts



William Bengston  Sylvia Fraser




Bengston Energy Healing –  Heilen aus dem Nichts


Wissenschaftlich belegt –  in der Praxis bewährt –  für jeden erlernbar







Titel der amerikanischen Ausgabe:

The Energy Cure.  Unraveling the Mystery of Hands-On Healing  © William Bengston und Sylvia Fraser, 2010  Mit ISBN 978-1-59179-911-5 erschienen bei:  Sounds True, Inc., Boulder / Colorado (USA)

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der

Deutschen Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind

im Internet über http://dnb.d-nb.de (http://dnb.d-nb.de) abrufbar.

VAK Verlags GmbH

Eschbachstraße 5

79199 Kirchzarten

Deutschland

www.vakverlag.de (http://www.vakverlag.de)

© VAK Verlags GmbH, Kirchzarten bei Freiburg 2012

Übersetzung: Beate Brandt

Lektorat: Norbert Gehlen

Fotos: William Bengston

Umschlag: fuchs_design, München

Layout: Karl-Heinz Mundinger, VAK

Herstellung: Bookwire, Frankfurt am Main

ISBN: 978-3-95484-008-3 (epub)




Inhaltsverzeichnis


Einleitung (#ub30cb172-bd47-53e4-9679-417898c232c2)

1. Eine außergewöhnliche Begegnung (#u57767007-49eb-5ebf-bde1-9864a5d6cac4)

2. Zwischen Putzjob und Parapsychologie (#uc871a0a8-2a06-5ed1-af99-2ccb5155bf2f)

3. Durchbruch und Wendepunkt (#uadea5e75-5106-5d7c-9967-ffff59315d7c)

4. Bens spektakuläre Heilungen (#ucbb1e270-4473-5363-a9d6-f7477ecd1da8)

5. Wie ich zum Zauberlehrling wurde (#uea41e20b-f627-57f2-8896-20a6733c964a)

6. Am Scheideweg Eine Technik der Ablenkung – in zwei Schritten (#u131e9dcf-94d0-4044-9810-b450b9fd71aa)

7. Von Menschen und Mäusen (#u2fbb3e0a-eef9-5bc2-8f8a-54304677cf1f)

8. Zu schön, um wahr zu sein (#ue1c00e0c-15d8-5051-9d28-95d8670ce564)

9. Rätselhafte Versuchsergebnisse (#u95245ecc-437f-5ad9-8cef-7ab40b97ead4)

10. Eine Auszeit – oder doch nicht? (#u8d1a696f-7a70-58be-917c-94642aa8c1cf)

11. Zwischen Wissenschaft und Ketzerei (#ud385150f-22cb-5aed-ae14-8da2510036d7)

12. Meine Heilungserfolge – und wovon sie abhingen (#u61603239-342d-5347-91b9-e0bba121da2b)

13. Heureka! – Erkenntnis durch Erweitern des Blickwinkels Heilung dank Resonanzverbindung – meine Theorie des Resonant Bonding (#u46e998d1-3056-4204-883e-95e3496fa3af)

14. Was Messgeräte uns sagen können – und was nicht (#ue1be6553-ba5d-5fc0-a1fb-59db2e0f30cd)

15. „Warum haben Sie noch keinen Nobelpreis bekommen?“ (#u61cfdcc6-f428-539d-bd8f-85548c978a88)

16. Mein Abschied von Ben (#ubffd4121-d0ec-597d-8169-96b476d4dc0f)

17. Blick zurück und Blick nach vorn – eine Zwischenbilanz Sechs Thesen zu energetischen Heilungsmethoden Offene Fragen (#u9301d2f5-7562-45d8-be26-f10ab4cae1ee)

18. In Kontakt mit der Quelle? (#u1d8cccf1-8a61-5769-be6e-692983308744)

19. Anleitung zur praktischen Anwendung der Bengston Energy Healing Method™ (#u7e2416a3-85cc-41bc-91c8-b90fab8516b0)

20. Ausgewählte Forschungsergebnisse anderer Wissenschaftler (#u80f49fc5-c077-4e61-9fa4-9c817f47ecf9)

Danksagungen (#u94edda74-a71f-5559-8940-3f1fad3b1551)

Quellenverzeichnis (#ubb6033f9-c255-42a8-96ab-f3d1eb0fd59f)

Über die Autoren (#u98ac0687-d623-59ab-bcdc-8af3c1297dbf)


Dieses Buch ist all jenen gewidmet,  die mit fundierter wissenschaftlicher Forschung  die Grenzen des Denkens erweitert haben.


Oft schien es mir beim Behandeln meiner Patienten so, als wohne meinen Händen eine merkwürdige Fähigkeit inne, Schmerzen und gewisse Unreinheiten aus den betroffenen Körperteilen zu ziehen und zu entfernen.  HIPPOKRATES („Vater“ der Medizin)

Eine neue wissenschaftliche Wahrheit pflegt sich nicht in der Weise durchzusetzen, dass ihre Gegner überzeugt werden und sich als belehrt erklären, sondern vielmehr dadurch, dass ihre Gegner allmählich aussterben und dass die heranwachsende Generation von vornherein mit der Wahrheit vertraut gemacht ist.  MAX PLANCK („Vater“ der Quantenphysik)




Einleitung


In den vergangenen 35 Jahren ist es mir gelungen, Menschen mit verschiedenen Krebsarten – von Knochen- über Bauchspeicheldrüsen-, Brust-, Hirn-, Darm-, Lymphdrüsen- und Magenkrebs bis hin zur Leukämie – sowie mit diversen anderen Krankheiten zu heilen, und zwar mit einer Methode, die schmerzfrei und nichtinvasiv ist und keine unangenehmen Nebenwirkungen hat. Soweit mir bekannt ist, hat keine der von mir geheilten Personen je einen Rückfall erlitten.

Die Wirksamkeit meiner Methode wurde mittlerweile in zehn wissenschaftlich kontrollierten Experimenten nachgewiesen, die unter der Leitung skeptischer Forscher in fünf Labors von medizinischen und biologischen Universitätsfakultäten stattfanden. Zwar war meine eigene Reaktion auf das Phänomen des Heilens in Verbindung mit Handauflegen zunächst von Unglauben geprägt, doch musste ich meine Skepsis nach dem Ansammeln vieler wissenschaftlicher Daten mittlerweile ablegen. Von Haus aus bin ich Soziologieprofessor und unterrichte am St. Joseph’s College in New York. Und obwohl ich bemüht bin, meine beiden Leben sauber voneinander zu trennen, schwappt schon einmal etwas vom einen ins andere hinüber.

Und so fing es an: Vor etwa 25 Jahren unterrichtete ich zwei Mittvierzigerinnen, deren Kinder mittlerweile aus dem Haus waren und die nun gemeinsam studieren und einen Bachelor-Abschluss erreichen wollten. Auf nahezu schicksalhafte Weise erhielten Laurie und Carol zur gleichen Zeit dieselbe ernüchternde Diagnose: Ihr Brustbzw. Lymphdrüsenkrebs hatten metastasiert, was bedeutete, dass sich bösartige Tumore im Körper ausbreiteten. Beide erhielten von ihrem jeweiligen Arzt die Prognose, dass die Krankheit, wenn sie sich nicht behandeln ließen, in etwa vier Monaten zum Tod führen würde.

Zwei Monate lang „behandelte“ ich Laurie an sechs Tagen in der Woche nach meiner Methode, manchmal mehrere Stunden pro Tag. Die von ihren Ärzten durchgeführten medizinischen Standarduntersuchungen wie Röntgenaufnahmen, Blutbilder und Computertomografien (die ein dreidimensionales Bild vom Körper zeigen) ergaben, dass die Tumore kleiner wurden. Schließlich waren sie ganz verschwunden. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits das traurige Erlebnis hinter uns gebracht, Carols Bestattung beizuwohnen …

Laurie und ich feierten inzwischen gemeinsam den fünften und den zehnten Jahrestag ihrer Befreiung von Krebs. Auch heute noch haben wir hin und wieder Kontakt und ihr Ehemann, der zunächst gegen die Behandlung gewesen war, ist zu einem Freund und Unterstützer meiner Arbeit geworden. [Zur Verwendung der Begriffe „Behandlung“, „behandeln“ und „Heilen“ (als Tätigkeit eines Heilers) in diesem Buch: vgl. die ausführlichen „Haftungsausschlussklauseln“ in Kapitel 19 (#u7e2416a3-85cc-41bc-91c8-b90fab8516b0)! Anmerkung des Verlags]

Meiner Erfahrung nach sind die Menschen mit der besten Aussicht auf Heilung jüngere Menschen mit hoch aggressiven Krebsarten, wie zum Beispiel der vierjährige Ryan, ein aufgeweckter kleiner Kerl, der Züge liebte und die Haltestellen mehrerer U-Bahn-Linien in Manhattan auswendig aufsagen konnte. Bei ihm war ein Retinoblastom festgestellt worden, eine besonders scheußliche Krebsart, die in der Regel zur Entfernung eines oder beider Augen führt, gefolgt von Hirntumoren und schließlich dem Tod. Als seine besorgten Eltern ihn zu mir brachten, war er bereits völlig „medikalisiert“, denn in der Hoffnung auf Genesung waren sie mit ihm von einem Arzt zum nächsten gezogen. Schon allein das bloße Reden über die Krankheit löste Wutanfälle bei ihm aus.

Als Ryan das erste Mal zu mir nach Hause kam, zog er eine Schnute und quengelte herum, wie es Vierjährige häufiger tun. Ich sagte einfach nur „Ryan“ und hielt dann meine linke Hand hoch, die meine heilende Hand ist. Er nahm sie und legte sie auf sein Auge. Dann saß er rund eine Stunde lang still und friedlich da, während ich den in diesem Buch beschriebenen Prozess des Heilens mit Handauflegen initiierte. Etwa zu dem Zeitpunkt, an dem ich die Sitzung für abgeschlossen hielt, nahm er die Hand weg und wurde wieder zu einem störrischen Vierjährigen.

Dieses Spiel wiederholte sich bei unseren ersten vier Behandlungen. Obwohl ich annahm, dass Ryan geheilt war, führte ich noch einige zusätzliche Sitzungen durch, während wir auf die Testergebnisse warteten. Bei diesen Gelegenheiten mussten seine Eltern ihn festhalten, während er sich wand und protestierte, so als wüsste er genau, dass keine Behandlung mehr erforderlich war. Ich erhielt noch mehrere Jahre danach E-Mails von Ryans Mutter, in denen sie seine Heilung als eine „wunderbare Erinnerung an eine märchenhaft anmutende Zeit“ beschrieb.

Im Umgang mit Krebs lag (und liegt) meine Erfolgsquote bislang bei 100 Prozent; zumindest galt das immer dann, wenn zwei wichtige Bedingungen erfüllt waren: Die Betroffenen kamen zu mir, bevor Bestrahlungen oder Chemotherapie eingesetzt wurden, und sie brachten unsere Sitzungsserie mit mir gemeinsam zu Ende. Ich habe den Verdacht, dass konventionelle medizinische Behandlungsmethoden, die darauf abzielen, Krebszellen abzutöten, zugleich etwas „Energetisches“ beim Patienten zerstören. Wenn ich Menschen, die Bestrahlungen oder Chemotherapie erhalten hatten, mit meiner Methode zu unterstützen versuchte, fühlte es sich an, als wollte ich eine marode Autobatterie wieder aufladen.

Zwar habe ich meine spektakulärsten Erfolge bei Krebserkrankungen erzielt, doch habe ich auch die unterschiedlichsten anderen Gebrechen heilen können. Paul aus Michigan etwa war Marathonläufer und etwa 48 Jahre alt, als er sich vor sechs Jahren an mich wandte. Man hatte bei ihm ein Herzklappenproblem festgestellt, das eine Operation erforderlich machte. Da der Gedanke daran ihn regelrecht in Panik versetzte, war Paul fest entschlossen, alles zu tun, um eine Operation am offenen Herzen zu vermeiden. Pauls Herzklappe auf meine Art zu „reparieren“ nahm fünf Sitzungen in Anspruch, und um diese zu erhalten, reiste mein zielstrebiger Klient mir per Auto, Zug und Flugzeug hinterher. Er nimmt auch heute noch an Marathonläufen teil.

Im Allgemeinen lässt sich Folgendes sagen: Je länger eine Krankheit sich entwickeln konnte, umso mehr Zeit nimmt auch die Heilung in Anspruch. Bei Krankheiten wie Diabetes, Parkinson und Arthritis konnte ich die Symptome um bis zu 50 Prozent lindern, die Krankheit selbst jedoch nicht heilen.

Meine Behandlungsmethode beruht nicht auf Glauben. Weder der Behandelte noch der Behandler müssen irgendetwas glauben, nicht einmal, dass der Prozess eine Wirkung zeigt. Ich verstehe mein Heilen mit Handauflegen auch nicht als Ersatz für die traditionelle westliche Medizin! Was mich von den meisten Ärzten unterscheidet, ist ein größeres Vertrauen in die Fähigkeit des Körpers, sich selbst zu heilen, sodass die Notwendigkeit radikaler Eingriffe häufig entfällt.

Ich habe im Rahmen eigener Untersuchungen festgestellt, dass die Produkte, die von der Pharmaindustrie als geprüft und bewährt verkauft werden, die beworbenen Wirkungen häufig eher der Auslegung von Forschungsergebnissen verdanken denn unwiderlegbaren Tatsachen. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass so viele Medikamente aufgrund schädlicher oder unangenehmer Nebenwirkungen wieder vom Markt genommen werden.

Heilen mit Handauflegen hat den Vorteil, dass es völlig sicher ist. Ihm liegen fernöstliche Heilmethoden wie Akupunktur und Yoga zugrunde, die auf eine Tradition von rund viertausend Jahren zurückblicken können. Sie werden gestützt durch die Quantenphysik, die die materielle Welt in Form von Energiefeldern beschreibt.

Ich selbst entdeckte meine Fähigkeit zum Heilen durch einen Mentor, der sie von Natur aus besaß: Bennett Meyrick. Wir lernten uns im Sommer des Jahres 1971 auf Long Island in New York kennen, als ich 21 war. Wenngleich Ben damals bereits auf die fünfzig zuging, hatte er seine „übersinnlichen“ Fähigkeiten gerade erst entdeckt. Er behauptete, wenn er einen Gegenstand von jemandem, den er noch nie getroffen habe, in der Hand halte, dann könne er detaillierte Angaben über dessen Besitzer machen. Monatelang testete ich Bennett anhand von Dingen, die Freunde mir zur Verfügung stellten. Ich war fest entschlossen, seine angebliche Fähigkeit entweder als Schwindel zu entlarven oder aber auf wissenschaftliche Weise zu verstehen, wie sie funktionierte. Doch selbst, als ich Doppelblindstudien entwarf, um ihn zu überlisten, und Verfahrensweisen verwendete, die ich für fehlerlos funktionierend hielt, verblüffte er mich jedes Mal.

Während er seine „Readings“ durchführte [also Untersuchungen, bei denen er auf nichtsinnliche Weise an den Gegenständen etwas über deren Besitzer „ablas“; Anmerk. d. Verlags], nahm Ben mehr und mehr physische Empfindungen wahr, die mit gesundheitlichen Problemen der Besitzer dieser Gegenstände korrespondierten. Zunächst versuchte er mich einzuspannen, um diese unangenehmen „Nebenwirkungen“ wieder loszuwerden. Dann jedoch wurde ich sein erster Klient: Er befreite mich von meinen chronischen Rückenschmerzen, die seither nie wieder aufgetaucht sind.

Durch Versuch und Irrtum entwickelte sich Ben zu einem Heiler, der mit Handauflegen arbeitete, ohne dass einer von uns beiden wusste, was da eigentlich geschah. Seine Fähigkeiten sprachen sich herum, sodass immer mehr Menschen mit ihren Problemen zu ihm kamen. Ben legte ihnen eine halbe Stunde bis eine Stunde lang die Hände auf und linderte so Beschwerden, die zuvor als unheilbar gegolten hatten. Es gab allerdings auch unerwartete Fehlschläge. So konnte er beispielsweise keine Warzen kurieren und bei einem normalen Schnupfen war man mit einem Inhalator ebenso gut bedient wie mit einer Behandlung von Ben.

Bei Krebserkrankungen erfuhren wir meist anhand von Blutbild und Computertomografie, dass die Krankheit sich zurückbildete und dann ganz verschwand. Die meisten Ärzte, die unsere Klienten betreuten, bezeichneten diese unerwartete Heilung als Spontanremission, ein seltenes, aber medizinisch anerkanntes Phänomen. Erstaunlicherweise konnten wir solche Remissionen praktisch ständig beobachten, und das bei vielen verschiedenen Krebsarten. Was passierte da? Was war der gemeinsame Faktor bei all diesen Fällen?

Trotz der erfreulichen Ergebnisse war ich vom rein wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen zunehmend frustriert. Die Betroffenen brachten ganz individuelle, komplexe körperliche und psychische Faktoren mit, die es uns erschwerten, die Ergebnisse von Bens Bemühungen isoliert zu betrachten. So nahm der eine vielleicht große Mengen an Vitamin C, der nächste bekam zusätzlich Akupunktur oder unterzog sich nebenbei konventionellen Heilmethoden.

Mich als Wissenschaftler irritiert dieses Problem bis heute. Hatte vielleicht die makrobiotische Kost, auf der Laurie damals bestand, etwas mit ihrer Heilung zu tun? Auch wenn Laurie und Carol oberflächlich betrachtet das gleiche Krankheitsbild aufwiesen, gab es vielleicht tiefer liegende Unterschiede? Wenn ich Carol behandelt hätte anstatt Laurie, hätte sie dann überlebt oder wäre das Ergebnis in jedem Fall gleich geblieben? Was waren in Lauries Fall die Faktoren, die zu ihrer Heilung führten?

Meine unermüdliche Suche nach Antworten führte mich in die kontrollierte Welt der Labors, wo ich unwiderlegbare Beweise zu finden hoffte. Unser erster Versuch sollte 1975 mit Mäusen im Biologielabor des Queens College der City University of New York stattfinden. Im letzten Moment verweigerte Ben, der nichts von solchen Versuchen hielt, die Mitarbeit. Da ich bereits seit einigen Jahren gemeinsam mit ihm „Healings“ [= Sitzungen mit heilender Wirkung; Anmerk. d. Verlags] durchführte, sprang ich notgedrungen als Ersatzmann ein.

Beim ersten Versuch, der in der Folge als Muster diente, wurden Mäuse, die speziell für die Forschung gezüchtet worden waren, mit einer besonders tödlich wirkenden Form von Brustkrebs infiziert, die bislang mit hundertprozentiger Sicherheit innerhalb von 14 bis 27 Tagen zum Tod geführt hatte. Durch meine Methode des Heilens wurde dieses Ergebnis ins Gegenteil verkehrt: 100 Prozent der Mäuse überlebten die Krankheit, wurden vollständig geheilt und erreichten die normale Lebenserwartung von zwei Jahren! Das Experiment wurde daraufhin am Queens College ein weiteres Mal durchgeführt, ebenfalls mit einer Erfolgsquote von 100 Prozent. Acht weitere Wiederholungen des Versuchs (mit kleineren Veränderungen der ursprünglichen Versuchsanordnung) in vier anderen biologischen und medizinischen Labors zeigten vergleichbare Ergebnisse. Fast ebenso erstaunlich war, dass Mäuse, die ein zweites Mal infiziert wurden, gar nicht erst an Krebs erkrankten, was darauf hindeutet, dass sie eine Art Immunität entwickelt hatten …

Ich möchte ausdrücklich darauf hinweisen, dass mein Ansatz vom sonst gebräuchlichen abweicht, denn ich habe nicht mit Tierversuchen in einem Labor begonnen und eine Theorie aufgestellt, die dann erst am Menschen erprobt werden musste. Stattdessen ging ich ins Labor, um ein Verfahren zu überprüfen und näher zu erforschen, das ich bereits erfolgreich angewendet und mit dem ich viele Menschen von einer Vielzahl an Krankheiten befreit hatte.

Zugegebenermaßen gibt es noch vieles darüber in Erfahrung zu bringen, wie meine Methode im Einzelnen funktioniert:

• Tötet das Heilen mit Handauflegen Krebszellen ab oder stimuliert es das Immunsystem des Körpers, sodass dieser sich selbst heilt?

• Könnte man das Blut der von uns geheilten Mäuse zur Entwicklung eines Impfstoffs verwenden, da sie nachweislich eine Immunität gegen Krebs entwickelten? Nimmt man die Tatsache hinzu, dass auch die von mir behandelten Menschen keinen bekannten Rückfall erlitten, könnte man anhand des gleichen experimentellen Prozesses auch für Menschen einen Impfstoff gegen Krebs entwickeln?

• Was passiert beim Heilen mit Handauflegen zwischen Heiler und Geheiltem? Werden Energie oder Informationen ausgetauscht? Wie wirkt sich das Handauflegen auf das Gehirn des Betroffenen aus? Um dieses Rätsel zu lösen, habe ich Kernspintomografien (diese Technik liefert detailliertere Bilder als die klassische Computertomografie) und Elektroenzephalogramme (sie messen die elektrische Aktivität des Gehirns) machen lassen, während ich mich in einem Healing befand.

In jüngerer Zeit habe ich meine Aufmerksamkeit einer Frage zugewandt, die eine breiter angelegte klinische Anwendung betrifft, nämlich der, ob das Heilen mit Handauflegen und die von mir verwendete Technik erlernbar sind. Da die meisten Kulturen unabhängig voneinander eine Tradition des Heilens durch Handauflegen entwickelt haben, scheint es nur vernünftig anzunehmen, dass diese Fähigkeit (vergleichbar einer künstlerischen oder musikalischen Begabung) in jeder Population vorhanden sein muss. Wenn dies so ist, wie können dann Menschen, die diese Fähigkeit besitzen, sie entdecken und einsetzen?

Das Geheimnis des Heilens mit Handauflegen zu entschlüsseln, das stellte in den vergangenen drei Jahrzehnten einen Großteil meiner Arbeit dar. Wie bei fast allen Dingen, die einem besonders am Herzen liegen, lief auch hier nicht immer alles glatt. Neben beglückenden Erfolgen traf ich auch immer wieder auf absonderliche Hindernisse, merkwürdige Anomalien und – was mich wohl am meisten getroffen hat – die willkürliche Ablehnung unumstößlicher wissenschaftlicher Fakten mit der Begründung, dass dies zu schön sei, um wahr zu sein.

Dies also ist das (immer noch weitergehende) Abenteuer, von dem ich – mit engagierter Unterstützung meiner Koautorin Sylvia Fraser – in diesem Buch berichte.

Dr. William Bengston




1. Eine außergewöhnliche Begegnung


Wahrheit ist unglaublicher als Phantasie. Phantasie muss Sinn ergeben, Wahrheit nicht.

MARK TWAIN

Im Sommer 1971, als ich 21 Jahre alt war, lernte ich einen Mann kennen, der den Verlauf meines Lebens grundlegend verändern sollte. Im Mai hatte ich an der Niagara University im Staat New York meinen Bachelor-Abschluss in Soziologie gemacht. Leider hatte ich keinerlei Vorstellung davon, wie es nun weitergehen sollte. Um Zeit zu gewinnen, nahm ich erst einmal einen Job als Rettungsschwimmer an, wie ich es bereits in den Sommern zuvor getan hatte – diesmal in einem neuen Schwimmbad in Great Neck auf Long Island. Rückblickend gesehen war das wohl genau der richtige Zeitpunkt, um meinem Leben eine entscheidende Wende zu geben.

Eines Nachmittags machte mich eine meiner Kolleginnen auf einen Mann aufmerksam, der auf dem Pool-Deck saß und den sie ein wenig spöttisch als Hellseher bezeichnete. Das weckte meine Neugier und ich beschloss, in meiner nächsten Arbeitspause Bekanntschaft mit ihm zu schließen. Zur damaligen Zeit fand ich übersinnliche Fähigkeiten durchaus interessant, legte jedoch in Bezug auf Menschen, die behaupteten, sie zu besitzen, eine gesunde Skepsis an den Tag. Als Jugendlicher hatte ich mehrmals vom bevorstehenden Tod mir bekannter Menschen geträumt. Da diese Träume sich im Nachhinein als zutreffend erwiesen, las ich einige populärwissenschaftliche Bücher über paranormale Phänomene, die größtenteils nette Anekdoten enthielten und mich nicht sonderlich beeindruckten.

Bennett Mayrick, der Mann, den ich im Schwimmbad kennenlernte, war dunkelhaarig und braun gebrannt, hatte eine nicht ganz gerade Nase und leichtes Übergewicht. Er war etwa 1,90 Meter groß und ich schätzte sein Alter auf rund 50 Jahre. Obwohl ich noch nie einen Menschen mit paranormalen Fähigkeiten getroffen hatte, war ich sicher, dass er übertriebene Behauptungen von sich geben, die Werbetrommel für sich selbst rühren und seine angebliche Gabe vermarkten würde. Das Gegenteil war der Fall. Als wir während einiger meiner Arbeitspausen ins Gespräch kamen, erklärte er mir klipp und klar, dass er seine Fähigkeiten nicht zu geschäftlichen Zwecken einsetze und diese ohnehin erst vor Kurzem entdeckt habe. Weit davon entfernt, mich überzeugen zu wollen, sprach er mit einer leisen, tiefen Stimme und wirkte so, als ob mein Interesse ihn verwunderte. Es handelte sich bei ihm zweifelsfrei nicht um jemanden, der mir etwas verkaufen wollte. Stattdessen spürte ich seine tiefe Zwiegespaltenheit in Bezug auf seine Fähigkeiten, die ihm ebenso aufregend wie bedrohlich erschienen.

Acht Monate zuvor war Ben Gast auf einer Party gewesen, bei der zur Unterhaltung der Gäste auch eine Hellseherin auftrat. Nachdem jeder einen persönlichen Gegenstand in eine Kiste gelegt hatte, zog sie einen nach dem anderen hervor und versuchte, zu jedem Besitzer etwas Persönliches zu berichten. Nach einigen dieser Readings forderte die Hellseherin aus unerfindlichen Gründen Ben auf, er möge einen Gegenstand wählen und eine Geschichte dazu erzählen. Zwar protestierte er und sagte, er glaube nicht an so etwas, aber sie bedrängte ihn so lange, bis er einen Ring nahm, ihn auf seine Handfläche legte und zu seiner eigenen Verblüffung erklärte, der Besitzer habe vor Kurzem die Arbeitsstelle gewechselt. Noch erstaunter war er allerdings, als sich diese Aussage als richtig entpuppte. Wie er berichtete, nahm er daraufhin weitere Gegenstände in die Hand und die Geschichten wurden immer ausführlicher. Jedes Mal stimmten die Details.

Obwohl mich seine Geschichte nicht sonderlich überzeugte, bohrte ich nach und fragte, ob er visuelle Bilder empfangen habe. „Nein“, antwortete er. „Ich habe einfach das Erste herausgeplappert, was mir einfiel, und kam mir dabei ziemlich idiotisch vor!“ Er kannte nur wenige der bei der Party Anwesenden und vermutete schließlich, dass alle, einschließlich der Hellseherin, sich einen Scherz mit ihm erlaubt hatten.

Fest entschlossen, dem Ganzen die Krone aufzusetzen, nahm Ben als Nächstes eine Armbanduhr in die Hand und erzählte eine detaillierte Geschichte über eine Affäre, die der Besitzer hatte, einschließlich einer Beschreibung der Geliebten des Mannes und der Orte, wo die beiden sich getroffen hatten. „Plötzlich lief einer der Partygäste rot an und schien völlig aus der Fassung zu geraten“, berichtete Ben. „Später nahm mich ein anderer Gast beiseite und fragte mich, wie ich von der heimlichen Affäre habe wissen können. Offenbar entsprach alles, was ich gesagt hatte, bis ins Detail der Wahrheit.“

Einer skeptischen Bemerkung meinerseits kam Ben zuvor, indem er sagte: „Ich war fest davon überzeugt, dass mich der Gastgeber am nächsten Tag anrufen und mir lachend erklären würde, dass man mich hereingelegt habe. Stattdessen riefen mehrere Gäste an und fragten, woher ich meine Informationen hätte. Sie dachten, die Hellseherin und ich steckten unter einer Decke …“ Spätestens jetzt war ich davon überzeugt, dass der Typ entweder enorm übertrieb oder unter Größenwahn litt. Kein Hellseher versprach je eine Trefferquote von 100 Prozent. Gleichzeitig verblüffte mich, wie nonchalant Ben in Bezug auf seine Aussagen zu sein schien und wie wenig es ihn interessierte, ob ich ihm glaubte oder nicht.

Ich fragte ihn, ob er bereit sei, für mich ein Reading zu machen. Erneut überraschte er mich. Anstatt der von mir erwarteten Ausflüchte erhielt ich die ironische Antwort: „Klar. Gib mir irgendetwas. Vielleicht liege ich ja endlich mal daneben.“ Ich gab ihm meine Geldbörse, fest entschlossen, keine weiteren verbalen oder visuellen Tipps zu geben. Wieder war er mir einen Schritt voraus: „Erzähl mir nichts über dich. Je weniger ich weiß, umso besser funktioniert es.“

Während er meine Geldbörse in der linken Hand hielt, führte er mit der rechten eine Zigarette zum Mund. Seine Augen – dunkel, klar und von großer Tiefe – schienen ins Leere zu blicken, als er sagte: „Ich spüre Besorgnis und eine Frau, die wahrscheinlich um die Fünfzig ist. Sie hat dunkles, relativ kurz geschnittenes Haar und sie unterhält sich mit einer jüngeren Frau, die ihr ähnlich sieht – wahrscheinlich ist es ihre Tochter. Die beiden äußern sich besorgt über eine andere junge Frau, eine Blondine, die nach New York ziehen will.“

Als Ben in seiner Beschreibung innehielt, unterbrach ich ihn ungeduldig: „Es könnte sich um meine Mutter und meine Schwester handeln sowie eine Freundin von mir, die eventuell nach New York ziehen will. Aber die Beschreibung ist viel zu vage, um überzeugend zu sein und außerdem klingt das, was Sie mir erzählen, nicht wirklich nach den beiden.“

Interessanterweise versuchte er nicht, seine Aussage abzuschwächen, noch nahm er sie zurück. „Prüf es einfach nach. Das Gespräch hat gerade eben stattgefunden. In der Küche.“ Ich war nicht gerade beeindruckt und fragte: „War das alles?“ – „Mit deinem Auto stimmt was nicht.“ – „Es war gerade gestern erst in der Werkstatt. Da ist alles in Ordnung!“, entgegnete ich.

Ich gab mir keine Mühe, meine Enttäuschung zu verbergen. Ein Teil von mir hatte insgeheim gehofft, dass er einen sensationellen Treffer landen würde. Gleichzeitig hatte ich das Gefühl, dass jeder, der behauptete, unfehlbar zu sein, es verdient hatte, wieder auf den Boden der Tatsachen gebracht zu werden. Ich war mir mittlerweile sicher, dass Ben Mayrick zwar ein interessanter Typ war, mehr aber auch nicht.

Ben blieb ungerührt: „Du wirst sehen, dass ich recht habe.“ Ich kam mir vor, als erkläre mir jemand, mein Geburtstag sei am 14. März, während sowohl meine Geburtsurkunde als auch meine Mutter auf dem 6. Oktober bestanden. Offensichtlich war Ben fest von sich überzeugt. Teils aus Höflichkeit, teils um zu sehen, wie weit der Kerl noch gehen würde, fragte ich ihn, ob er noch über andere außergewöhnliche Fähigkeiten verfüge. Ohne auch nur im Geringsten verlegen zu wirken, stellte er die absurdeste Behauptung auf, die ich je gehört hatte: „Ich kann Wolken auflösen. Wenn ich sie eine Weile lang anstarre, lösen sie sich auf. Pass auf, ich zeige es dir!“

Natürlich wusste ich, dass einige Eingeborenenstämme behaupteten, das Wetter beeinflussen zu können, weshalb rainmaker (dt.: Regenmacher) im englischen Sprachraum eine häufig verwendete Metapher für jemanden ist, der die vorherrschende Meinung ändern kann.

„Such eine Wolke aus“, drängte mich Ben. Ich weigerte mich. Er beharrte weiter darauf: „Nun mach schon, es ist eine völlig abgefahrene Sache!“ Also deutete ich auf eine Wolke unmittelbar über uns: „Diese da.“ – Bens Augen schienen wie zuvor wieder ins Leere zu blicken. Nach 15 oder 20 Sekunden sagte er zufrieden: „Das war’s!“ Ich blickte nach oben: Die Wolke war verschwunden!

„Ist das nicht irre? Ich habe erst vor ein paar Tagen herausgefunden, dass ich das kann.“ – Ich suchte eine weitere Wolke aus – eine mittelgroße Kumuluswolke, die relativ allein am tiefblauen Himmel schwebte, und zeigte darauf: „Jetzt diese hier!“ Diesmal beobachtete ich die Wolke genau. Nach etwa fünfzehn Sekunden begann sie sich an den Rändern aufzulösen, während die Mitte langsam durchsichtig wurde. Kurz darauf war auch diese Wolke verschwunden, obwohl die anderen um sie herum unverändert blieben.

Ben grinste mich an, während ich nach einer plausiblen Erklärung suchte. Sicherlich hatte der Wind die Wolken zerstreut oder die Sonne hatte für eine optische Täuschung gesorgt. Ich bat ihn also darum, noch einen weiteren Versuch durchzuführen – fest entschlossen, meinen Sinn für Realität zu bewahren, indem ich die Daten für das nächste Experiment genau festlegte. Nachdem ich vier Wolken von ungefähr gleicher Größe gefunden hatte, die einander fast berührten, setzte ich eine Sonnenbrille auf und studierte ihre Form und Konsistenz so genau, dass ich sie heute noch zeichnen könnte. Dann bat ich Ben Mayrick, nur die Wolke unten rechts aufzulösen.

Während der nächsten 20 Sekunden schlenderte ich um den Pool und prägte mir das Bild der Wolken ein. Dabei versicherte ich mir selbst, dass alles so bleiben werde, wie ich es zuvor gesehen hatte. – „Fertig!“, verkündete Ben. Als ich wieder nach oben blickte, war die untere rechte Wolke – und nur diese – verschwunden.

Ich gab mich geschlagen und schüttelte ihm die Hand. „Das ist das Erstaunlichste, was ich je gesehen habe.“ Dann machte ich mich davon, immer noch überzeugt, dass das Ganze eine Art Trick sein müsse.

Ein paar Stunden später hatte ich den Vorfall schon nahezu vergessen und war auf dem Weg nach Hause, als ich ein furchtbares Krachen hörte und kurz darauf das Geräusch von Metall, das über Asphalt schleift. Der gesamte Auspuff meines Autos war abgefallen. Während der restlichen Fahrt in meinem Qualmwolken ausstoßenden Auto versuchte ich lauter vernünftige Gründe dafür zu finden, warum dies auf keinen Fall etwas mit Bens Aussage zu tun haben könne. Schließlich hatte er nicht explizit vom Auspuff gesprochen und ich fuhr meistens alte Autos, bei denen der Auspuff früher oder später den Geist aufgab. Das damalige Modell war ein Nova, Baujahr 1964, mit einem roten Ersatzsitz, weil das Original sich bereits in seine Bestandteile aufgelöst hatte.

Als ich schließlich zu Hause ankam, fand ich meine Familie im Garten beim Grillen. Nachdem ich meine Schwester beiseitegenommen hatte, befragte ich sie zu dem Gespräch, das Ben zwischen ihr und unserer Mutter beschrieben hatte. Sie war völlig entgeistert: „Woher weißt du das? Das war ein vertrauliches Gespräch!“ – „Und wo fand es statt?“ – „In der Küche.“

Unter normalen Umständen hätte ich mich über die Umstände und Kosten einer Autoreparatur geärgert, aber obwohl mein fahrbarer Untersatz sich auf der Fahrt zur Werkstatt anhörte wie ein Panzer, durchströmte mich ein unerwartetes Hochgefühl. Das Auto, die Wolken, das Gespräch in der Küche – Ben war es zweifelsohne gelungen, meine Aufmerksamkeit zu wecken. Ich brannte auf ein Wiedersehen, und da er und seine Familie ein Appartement in der Nähe des Schwimmbads gemietet hatten, musste ich nicht lange darauf warten. Sobald ich ihn gemeinsam mit seinem Sohn und seiner Tochter am Pool entdeckte, lief ich zu ihm hin.

„Sie hatten recht“, sagte ich. „Mein Auto hatte wirklich einen Schaden und meine Mutter und meine Schwester haben tatsächlich die Unterhaltung geführt, die Sie beschrieben haben!“ Während ich dies für ein überwältigendes Eingeständnis hielt, verzog Ben keine Miene. Wie ich in der Zukunft feststellen sollte, würde er, gesetzt den Fall, ich hielte den Himmel für blau und er für grün, einfach annehmen, ich sei farbenblind.

Während meiner nächsten Pause bedrängte ich ihn mit Fragen. Woher hatte er gewusst, dass mit meinem Auto etwas nicht stimmte, ohne jedoch zu wissen, dass es der Auspuff war? Was fühlte und dachte er, wenn er seine Vorhersagen machte? – Mit der unvermeidlichen Zigarette in der Hand antwortete Ben: „Wenn ich einen Gegenstand in der Hand halte, überkommt mich der Drang, etwas dazu zu sagen, aber ich weiß im Vorhinein nie, was es sein wird. Bei deiner Geldbörse dachte ich an ein Auto und Probleme. Wenn ich sie länger in der Hand gehalten hätte, wäre mir vielleicht der Auspuff eingefallen, vielleicht aber auch nicht.“






Diese Art des Austauschs bestimmte unsere Beziehung für den Rest des Sommers. Ich verbrachte meine Pausen damit, Ben Gegenstände von Freunden in die Hand zu drücken und ihn dann zu den Antworten, die stets korrekt waren, zu befragen. Meine Neugier war geweckt und mein Interesse schmeichelte ihm. Außerdem half ich ihm dabei, ein Mysterium zu erforschen, dem er selbst ratlos gegenüberstand.

Von Zeit zu Zeit gab Ben mir spontane Readings. Er blickte dabei wie gewohnt ins Leere, aber ohne einen Gegenstand in der Hand zu halten. „Du hast das Gefühl, anders zu sein, und ich glaube, das ist auch so. Du spürst ebenfalls Dinge, die du eigentlich nicht wissen kannst. Und du glaubst, dass niemand dich so ganz verstehen kann.“

Ich wechselte das Thema. „Was halten deine Freunde von deinen Fähigkeiten?“ – „Die meisten halten das Ganze für einen Witz. Einige sagen auch, sie hätten schon immer gewusst, dass ich anders bin.“ Da Ben seine Fähigkeiten erst so spät entdeckt hatte, gerieten wir ins Spekulieren, wie viele andere Leute wohl ebenso „verdreht“ waren, ohne es zu ahnen. Eine Rettungsschwimmerin – ich nenne sie hier Amelia – stammte aus einer katholischen, irischstämmigen Großfamilie, die in meiner Nachbarschaft lebte. Schon als Kind hatte ich mir immer vorgestellt, dass ihre ausgesprochen sympathische Mutter heimlich eine Hexe war, die sich enorm bemühte, ein normales Leben zu führen. Die Kinder waren allesamt künstlerisch veranlagt und feinfühlig. Ich konnte mir gut vorstellen, dass sie übersinnliche Fähigkeiten hatten. Vor allem war mir ein Erlebnis in Erinnerung geblieben, bei dem Amelia mit Tarotkarten herumgespielt hatte.

Ben führte mit Amelia eine hypnotische Rückführung durch – etwas, was ich noch nie zuvor bei ihm gesehen hatte –, und zwar bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie zwei Jahre alt war. Es war faszinierend zu beobachten, wie ihre Stimme und ihre Gestik sich veränderten. Sie beschrieb unter anderem, dass sie sich verlaufen habe, und da ich mich in unserer gemeinsamen Nachbarschaft natürlich gut auskannte, wusste ich genau, wo sie war, auch wenn sie es nicht wusste.

Danach war Amelia so aufgewühlt, dass sie nichts mehr mit Ben zu tun haben wollte – wie ich später noch feststellen sollte, eine durchaus nicht unübliche Reaktion auf die verblüffende Genauigkeit seiner Angaben. Wann immer wir von da an auf diese Reaktion trafen, nannten wir sie den „Amelia-Effekt“. Damals verstörte mich diese Reaktion sehr und das geht mir auch heute noch manchmal so, auch wenn sie für mich nicht mehr überraschend kommt. Waren die Leute wirklich nicht an diesen Fähigkeiten interessiert oder fürchteten sie das, was Bens Gabe suggerierte? Spürten sie in sich etwas Ähnliches, vor dem sie instinktiv zurückschreckten? Man könnte natürlich auch die umgekehrte Frage stellen: Warum war ich so fasziniert von diesen Fähigkeiten? War Ben die Antwort auf eine innere Sehnsucht, der ich mir nur vage bewusst war?

Es waren jedoch nicht nur Bens übersinnliche Fähigkeiten, die mich im Sommer des Jahres 1971 überraschten. Auch sein Privatleben war eher ungewöhnlich und seine „berufliche“ Tätigkeit ebenso. „Ich bin eine Art Putzhilfe“, erzählte er mir. Übersetzt bedeutete dies, dass er zusammen mit einem Partner Häuser putzte – einer der vielen Jobs, die sich zufällig ergeben hatten, darunter Tätigkeiten als Arbeiter, Handelsvertreter, halbprofessioneller Basketballspieler oder professioneller Sänger. Keine Arbeit hielt er mehr als sechs Monate durch. Er verdiente gerade genug Geld, um die Miete für die Wohnung, die er mit seiner Frau und den beiden Kindern bewohnte, bezahlen, ein klappriges Auto fahren und seine drei Packungen Zigaretten am Tag finanzieren zu können.

Irgendwann einmal hatte Ben einen Abschluss am Emory and Henry College in Virginia gemacht. Er hatte außerdem im Zweiten Weltkrieg bei der amerikanischen Armee gedient, wo er zum ersten Mal zu ahnen begann, dass er womöglich anders war als andere. Als ein Lastwagen, auf dem er saß, über eine Mine fuhr und explodierte, erlebte er, dass er wie in Zeitlupe in die Luft flog, einen Rückwärtssalto machte und sicher auf beiden Füßen landete – um ihn herum ein einziges Blutbad. Instinktiv wusste er, dass seine Rettung nicht normal gewesen war.

Den ganzen August des Jahres 1971 hindurch nahm meine Bewunderung für Bens Fähigkeiten zu. Als das Schwimmbad Anfang September seine Pforten schloss, hatte ich ein Gefühl von Verlust und Leere – zum einen, weil unsere Beziehung sich wahrscheinlich dem Ende zuneigte, und zum anderen, weil ich immer noch keinen Plan hatte, was ich mit meinem Leben anfangen wollte.

Völlig überraschend bot Ben mir einen Job an – offensichtlich hatte sein Putzpartner gerade die Mitarbeit beendet. Ich sagte zu. Und so nahm mein Lebenslauf die unerwartete Wendung, dass auch ich zur „Putzhilfe“ wurde.

Etwa zur gleichen Zeit beschloss ich, im Januar mit einem Magisterstudium in Soziologie an der St. John’s University in New York zu beginnen. Menschen, speziell Eltern, haben in der Regel mehr Verständnis für das exzentrische Verhalten eines Studenten als für das eines überqualifizierten Gelegenheitsarbeiters. Außerdem wusste ich wirklich nicht, was ich sonst mit meinem Leben anfangen sollte. Nachdem ich kurz mit Psychologie als Studienfach geliebäugelt hatte, fiel die Entscheidung für Soziologie. Das Verhalten von Gruppen erschien mir interessanter und wichtiger als die Frage, wie einzelne Menschen ihr Leben führen.




2. Zwischen Putzjob und Parapsychologie


Wenn wir ehrlich sind, dann stellen wir fest, dass wir häufig bereits Argumente gegen eine neue Idee entwickeln, noch bevor man sie uns vollständig dargestellt hat.

WILFRED TROTTER (britischer Neurochirurg)

Ich war keine besonders gute Putzhilfe – auch nicht nach Bens fünfminütigem „Intensivkurs“. Wir einigten uns schließlich darauf, dass die „schweren“ Arbeiten in Bad und Küche in sein Ressort fielen, während ich das Staubwischen und Staubsaugen übernahm. Immerhin: Der Coup mit dem Putzjob gab mir die Möglichkeit, mehr Zeit mit ihm zu verbringen, während meine Bewerbung an der Hochschule als Besänftigung für all jene diente, die mehr von mir erwarteten – zumal ich als hochbegabt galt.

Von meinem persönlicher Hintergrund her gesehen war ich weder für das Paranormale noch für die Arbeit als Putzhilfe prädestiniert. Ich wurde 1950 in New York geboren, als zweites von drei Kindern. Meine Schwester Lynn ist drei Jahre älter als ich, mein Bruder Rob sechs Jahre jünger. Mein Vater Earl arbeitete als Buchhalter oder Rechnungsprüfer für Kaufhäuser und Werbeagenturen, während meine Mutter Norma, wie es damals üblich war, sich um Haushalt und Familie kümmerte. Finanziell gesehen ging es uns gut, auch wenn man uns sicherlich nicht als reich bezeichnen konnte.

Meine Erziehung war den damaligen Maßstäben nach ziemlich locker. Douglaston, ein Bezirk im äußersten Osten von New York, war ein freundliches Ober- bis Mittelklasseidyll. Niemand schloss seine Haustür ab und man konnte nahezu bei jedem nach Belieben ein- und ausgehen. Hervorragende Leistungen wurden als selbstverständlich betrachtet. Unsere Halbinsel an der Little Neck Bay auf Long Island hat Weltklassesportler wie den Tennisstar John McEnroe und überdurchschnittlich viele erfolgreiche Berufssportler hervorgebracht – ebenso wie eine große Zahl von Menschen, die sich umbrachten oder an einer Überdosis von Drogen starben.

Zwar übten meine Eltern weder Druck auf uns Kinder aus, noch waren sie materialistisch eingestellt, aber mein offensichtlicher Mangel an erkennbarem Ehrgeiz brachte selbst sie an die Grenzen ihrer Toleranz. Immer häufiger fragte mein Vater mich freundlich, wohin das denn führen solle. Mit gespieltem Erstaunen fragte ich zurück, warum er Bens unglaubliche Fähigkeiten nicht für ebenso aufregend hielt wie ich. Aber auch wenn mein Vater kein großes Interesse für diese Dinge zeigte, stellte er dennoch nie mein Recht in Frage, mich damit zu beschäftigen. Für ihn, der während der großen Weltwirtschaftskrise geboren wurde und als Erster aus seiner Familie ein College besuchte, war wirtschaftliche Sicherheit stets oberstes Ziel gewesen. Ein Teil von ihm wünschte mir die Freiheit, die er nie gehabt hatte – aber als Putzhilfe …?

Meine Mutter betrachtete meinen neuen Job eher insofern mit Skepsis, als sie mich noch nie mit einem Staubwedel in der Hand gesehen hatte. Ihre größte Sorge allerdings resultierte aus dem Glauben, dass Ben verrückt sei. Aber auch wenn ich mich manchmal fragte, ob die Sorgen meiner Eltern womöglich berechtigt waren, überwog stets mein inneres Gefühl, dass ich genau das Richtige tat. Ben hatte Charisma und wie alle, die dies besitzen, polarisierte er die Menschen. Es gab solche, die seiner Faszination erlagen, und andere, die das nicht nachvollziehen konnten – und beide Fraktionen bemitleideten einander. Weder meine Familie noch meine Freunde mochten Ben und den Einfluss, den er auf mich ausübte, und ich wiederum konnte ihnen diesen nicht plausibel machen.

Was den Job als Putzhilfe betraf, stellte ich bald fest, dass Ben eine recht „entspannte“ Einstellung zum Thema Zeit hatte. Wenn er „morgens“ sagte, konnte das einen beliebigen Zeitpunkt zwischen neun Uhr früh und drei Uhr nachmittags bedeuten. In der Regel trudelte ich kurz vor 12 bei ihm ein. Wenn ich Glück hatte, war er bereits aufgestanden, und irgendwann machten wir uns dann auf den Weg zu einem Haus und begannen mit unserer Arbeit. Unsere Gesprächsthemen reichten von bestimmten Aspekten der Readings, die er nun regelmäßig durchführte, bis hin zu Politik und Kosmologie. Er schien mich gerne um sich zu haben – zum einen, weil ich über mehr Allgemeinbildung verfügte als er, und zum anderen, weil mein Interesse an seinen merkwürdigen Fähigkeiten ihn hoffen ließ, dass wir gemeinsam die richtigen Antworten finden würden. Oder zumindest die richtigen Fragen. Auch meine mangelnden Fähigkeiten als Putzhilfe schienen Ben nicht abzuschrecken. Zwar verlor er wegen meiner Mitarbeit die meisten seiner Kunden, aber das passierte genau zu dem Zeitpunkt, da er selbst allmählich die Lust an dieser Arbeit verlor.

Einige der Freizeitaktivitäten, die ich durch Ben kennenlernte, waren mir ebenso fremd wie das Putzen. Da waren zum Beispiel die Pferderennen, ein Sport, für den er sich begeisterte. Nachdem er sich jahrelang damit beschäftigt hatte, glaubte Ben ein mathematisches System entwickelt zu haben, das absolut sicher war: Zwar würde man auch damit vielleicht bei einigen Rennen oder sogar während eines kompletten Renntages verlieren, nicht jedoch eine ganze Woche lang. Wenn man zwei Dollar einsetze, das System konsequent durchhalte und den Einsatz stetig erhöhe, sei man am Ende der Woche um mindestens 20 Dollar reicher.

Ich bin kein Spieler. Spielen macht mir einfach keinen Spaß, auch nicht, wenn ich gewinne. Es war der mathematische Aspekt von Bens System, der mich faszinierte. Nachdem ich die Rennprogramme von acht zurückliegenden Wochen überprüft hatte, stellte ich fest, dass er offensichtlich recht hatte. Das System beinhaltete allerdings gewisse Einschränkungen bezüglich der Rennen, auf die man wetten konnte. Ich übernahm den rechnerischen Part und fand beispielsweise heraus, dass wir auf das dritte Pferd im vierten Rennen wetten sollten. Das Problem war, dass einer von uns meist mit irgendwelchen Gründen daherkam, warum das in diesem Fall keine gute Idee war: Es hatte vielleicht nur „drei Beine“ – das hieß, dass es noch nie gewonnen hatte – oder der Jockey schien nicht recht zu wissen, wo vorne und hinten war … Also setzten wir nicht auf dieses Pferd und natürlich gewann es prompt. Keiner von uns beiden wurde aus Schaden klug. Stets schafften wir es, uns selbst so weit zu sabotieren, dass am Ende der Woche zwar das System gewann, wir aber Geld verloren hatten.






Durch unsere Freundschaft gelang es mir, Ben zu Dingen zu überreden, die er eigentlich ablehnte. Unter anderem ließ er sich von mir in mehrere parapsychologische Labors schleifen, in denen seine übersinnlichen Fähigkeiten getestet wurden. Zu Anfang weigerte er sich, weil er meinte, dass solche Tests völlig bedeutungslos seien. Auf meine Frage, wie er dies wissen könne, bekam ich zur Antwort: „Glaub‘ mir, ich weiß es.“ Als Ben schließlich doch einwilligte, tat er dies nur unter bestimmten Bedingungen: „Erstens möchte ich nicht an Maschinen angeschlossen werden und zweitens müssen sie über jeden Gegenstand, den sie mir geben, eine Menge wissen.“

Unsere erste Station war die altehrwürdige American Society for Psychical Research (ASPR) mit Sitz in Manhattan. Diese Gesellschaft wurde 1885 von Koryphäen wie dem Harvard-Psychologen William James gegründet, um das damals populäre Phänomen des Mediumismus zu untersuchen. In den nachfolgenden Jahrzehnten entwickelte sie sich im Sinne der wissenschaftlichen Ausrichtung des Pioniers J. B. Rhine weiter. Der Botaniker Rhine interessierte sich für außersinnliche Wahrnehmung (ASW), die er definierte als die Fähigkeit, Informationen auf andere Weise als über die fünf bekannten Sinne zu erlangen. Er prägte auch den Begriff „Parapsychologie“, um die Untersuchung dieses Phänomens zu beschreiben.

In den 1930er-Jahren richtete Rhine das erste parapsychologische Labor Amerikas ein, um außersinnliche Wahrnehmungen anhand genau berechneter statistischer Wahrscheinlichkeiten zu „messen“. In seinem berühmtesten Test forderte er die Versuchsteilnehmer auf, die Kartenabfolge in einem Stapel von Karten zu erraten, die in einem zufälligen Verfahren gemischt wurden und die mit fünf verschiedenen Symbolen markiert waren. Dabei lag die Trefferquote so weit über der statistischen Wahrscheinlichkeit, dass dies stark auf das Vorhandensein übersinnlicher Fähigkeiten hindeutete.

Bens Termin war auf zehn Uhr an einem Morgen im Oktober festgelegt worden. Da er sonst nie so früh aufstand, war er die ganze Zugfahrt über schlecht gelaunt. Die ASPR hat ihren Sitz in einem wunderschönen vierstöckigen Sandsteinhaus, in der Nähe des Central Park in Manhattan. Dort kamen wir zunächst in ein Labor voller Apparate und Maschinen in allen Formen und Größen. Als er mein Interesse bemerkte, zeigte einer der Techniker auf einen kleinen Apparat: „Das ist ein automatisches Gerät zum Testen von Hellsichtigkeit. Von einem Zufallsgenerator gesteuert leuchtet immer wieder irgendeine von vier Lampen auf und die Versuchsperson versucht vorherzusagen, welche Lampe es sein wird. Das Gerät zeichnet automatisch auf, wie oft die Person richtig und falsch liegt.“

Er zeigte auf ein weiteres Gerät: „Damit führen wir Psychokinesetests durch, also die Einwirkung des Geistes auf Materie. Im Gerät befindet sich ein winziges Stück radioaktiven Materials, das gemäß den Gesetzen der Quantenphysik zerfällt, während die Testperson versucht, diesen Vorgang zu verlangsamen oder zu beschleunigen.“ An diesem Punkt mischte Ben sich ein: „Das kann ich.“ Ich drehte mich zu ihm um und sagte: „Ich dachte, du wolltest nicht an Maschinen angeschlossen werden?“ – „Will ich auch nicht. Ich habe nur gesagt, dass ich das kann.“

Trotz seiner Abneigung gegen „Maschinen“ willigte Ben ein, an einen Elektroenzephalografen (EEG) angeschlossen zu werden, da dieses Gerät keine Fähigkeiten testen, sondern lediglich seine Gehirnwellen überwachen würde. Dank meiner Lektüre parapsychologischer Literatur wusste ich, dass das normale Wachbewusstsein Beta-Gehirnwellen von 15 oder mehr Zyklen pro Sekunde erzeugt. „Alpha“ ist in diesem Kontext ein entspannter Zustand von sieben bis dreizehn Zyklen, „Theta“ liegt bei vier bis sieben Zyklen und „Delta“ (tiefer, traumloser Schlaf) bei eineinhalb bis vier Zyklen. Damals ging man davon aus, dass übersinnliche Erfahrungen im Alpha-Zustand stattfanden und mystische Erfahrungen im Theta-Zustand.

Ben sollte von Karlis Osis getestet werden, dem damaligen Direktor des ASPR. Als ich den Termin mit Osis vereinbarte, klärte ich ihn über Bens wichtigste Bedingung auf: dass er lediglich anhand eines Gegenstands mit einer gut dokumentierten „Geschichte“ getestet werden wollte. Da Reproduzierbarkeit eines der wichtigsten Probleme bei der ASW-Forschung ist, beeindruckte Osis die Nachdrücklichkeit, mit der ich behauptete, dass Ben unter allen Umständen immer zu 100 Prozent richtig lag. Zweifellos hatte er zuvor schon Hunderte solcher Behauptungen gehört, die sich unter Testbedingungen dann doch als falsch erwiesen.

Die Fragen, die Osis Ben stellte, während dieser von einem technischen Assistenten an das EEG-Gerät angeschlossen wurde, waren eher höflich desinteressiert und machten deutlich, dass auch er auf einem Gebiet, das mehr als jedes andere zur Skepsis einlud, allmählich zum Skeptiker wurde. Dann gab er Ben einen braunen Kasten, der etwa 30 mal 30 Zentimeter maß und keinerlei Hinweis auf den darin enthaltenen Gegenstand gab.

Ben blickte auf die mir mittlerweile vertraute Weise ins Leere und erklärte: „Dies ist ein Geschenk, das bereits durch viele Hände gegangen ist. Ich sehe Berge und ein kleines Dorf in Südamerika. In Peru. Der Gegenstand wurde von einem etwa 30 Jahre alten Mann gekauft. Er schenkte ihn einer jüngeren Frau mit braunen Haaren und braunen Augen. Sie wiederum verschenkte ihn an einen älteren Mann, um ihm für einen Gefallen zu danken. Es ging um ein Empfehlungsschreiben.“ Ben sah Osis an. „Dieser ältere Mann waren Sie, aber der Gegenstand bedeutet Ihnen nicht sonderlich viel. Ich wette, Sie wissen rein gar nichts darüber.“

Osis war ziemlich verdattert. „Wüssten Sie gerne, um was für einen Gegenstand es sich handelt?“, fragte er. Ben seufzte: „Das spielt keine Rolle.“ Für mich allerdings tat es dies schon und ich war erfreut, als Osis die Kiste öffnete und sagte: „Es handelt sich um einen Brieföffner und es stimmt, ich bekam ihn von einer Frau als Dank für eine Empfehlung geschenkt. Ich glaube allerdings nicht, dass Sie mit Südamerika richtig liegen. Trotzdem, ein vielversprechender Anfang!“

Ben warf Osis einen finsteren Blick zu: „Sie wissen also wirklich nichts über die Geschichte des Gegenstands?“ – „Nein, aber wenn das mit Südamerika stimmen würde, dann wüsste ich es.“ Als Osis seine Aufmerksamkeit dem EEG-Techniker zuwendete, nahm ich den Brieföffner verstohlen in die Hand und entdeckte die Aufschrift „Made in Peru“!

Der Techniker schien Probleme mit Bens EEG zu haben. „Keine Ahnung, was da passiert ist“, sagte er zu Osis. „Ein paar Sekunden, nachdem Sie Ben den Kasten gegeben haben, stieg seine Beta-Aktivität eher an, als dass sie abnahm. Dann begann ein Teil seines Hinterhauptslappens mit der Produktion von Theta-Wellen, was eigentlich völlig unmöglich ist.“

Osis stimmte ihm zu: „Bei Theta handelt es sich um eine sehr eingeschränkte Gehirnaktivität. Man kann nicht zugleich einen aktiven Beta- und einen passiven Theta-Zustand haben.“ Der Techniker meinte, dass wohl irgendetwas mit dem Gerät nicht stimme. Osis nickte nur und blickte auf seine Uhr: „Es tut mir leid, aber ich muss zum nächsten Termin. Ich habe mich sehr gefreut, Sie kennenzulernen, Herr Mayrick.“

Immer noch perplex testete der Techniker das EEG-Gerät an sich selbst. Es funktionierte tadellos. Wir überredeten Ben dazu, ein weiteres Reading vorzunehmen und sich noch einmal an das Gerät anschließen zu lassen. Wieder erzeugte er Beta- und Theta-Wellen gleichzeitig. Der technische Assistent probierte das Gerät erneut an sich selbst aus, wieder funktionierte es tadellos. Bei Ben hingegen zeigte es stur Beta- und Theta-Wellen. Schließlich kam der Techniker endgültig zu dem Schluss, dass das Gerät nicht in Ordnung sein könne. Erst Jahre später sollte ich herausfinden, dass einige indische Yogis und buddhistische Mönche meditieren, indem sie ihre Gehirnaktivität erhöhen, statt sie zu verlangsamen, und so zuvor unbekannte Gamma-Zustände erreichen, in denen schnelle und langsame Gehirnwellen gleichzeitig hervorgerufen werden.

Da die Weigerung des Technikers, Bens Messergebnisse ernst zu nehmen, mich ärgerte, schlug ich vor, eine andere Art von Gerät auszuprobieren – und zwar dasjenige, mit dem die Fähigkeit der Versuchsperson getestet wurde, den Zerfall einer radioaktiven Substanz zu beschleunigen oder zu verlangsamen. Ben willigte widerstrebend ein. Nachdem er die Funktionstüchtigkeit der Maschine untersucht hatte, fordert der Techniker Ben auf, sich einfach nur darauf zu konzentrieren, das radioaktive Material schneller zerfallen zu lassen. Amüsiert antwortete Ben, dass dies kein Problem sei.

Während Ben dasaß, ohne die Apparatur auch nur anzusehen, entfuhr dem Techniker ein Laut des Erstaunens. „Da stimmt etwas nicht! Das Ding hier sagt, dass der Zerfall schneller stattfindet, als ich das für möglich halte.“ „Na gut“, sagte Ben, wie wenn er damit spielte, „dann verlangsame ich den Zerfall jetzt eben.“ Kurz darauf murmelte der Techniker, dass der Zerfall sich nun nahezu auf die Hälfte der normalen Geschwindigkeit verlangsamt habe. Er schaltete das Gerät ab. „Ich weiß nicht, was ich Ihnen sagen soll. Auch mit diesem Gerät scheint etwas nicht zu stimmen.“

Auf der Fahrt nach Hause ließ Ben seinem angestauten Ärger freien Lauf. „Na, was habe ich dir gesagt? Diese Typen fürchten sich genauso vor allem, was nicht in ihr Schema passt, wie alle anderen auch!“ Ich fragte ihn, wie er das radioaktive Material beeinflusst habe. Er lebte sichtlich auf: „Das war einfach. Um den Zerfall zu beschleunigen, stellte ich mir eine Wolke vor, die ich dann auflöste. Und für den umgekehrten Prozess einen gefrorenen Stein.“

Ben gab mir noch eine weitere Chance, ihm zu beweisen, dass parapsychologische Tests nützlich sein könnten. Diesmal fuhren wir zum Traumlabor des Maimonides Medical Center in Brooklyn. Wieder erklärte ich vorab, dass Ben nur anhand eines Gegenstands mit bekannter Historie getestet werden wollte. Und wieder sollte er von einem erfahrenen Parapsychologie-Forscher überwacht werden, diesmal Charles Honorton, der für seine ASW-Studien bekannt war.

Nach ein paar einfachen Fragen gab Honorton Ben einen Schal. Sobald Ben ihn berührte, geriet er in helle Aufregung. Er sprang auf und schrie: „Panik, Panik! Überall sind Tiere – Tiger, Elefanten und Giraffen! Ich versteh‘ das nicht!“ Er war kreidebleich und bekam kaum Luft.

„Ein sehr interessantes Reading“, sagte Honorton gelassen. „Der Schal gehört einem Mädchen, von dem wir glauben, dass es entführt wurde. Das letzte Mal wurde sie in der Bronx im Zoo gesehen. Der Polizei fehlen jegliche Anhaltspunkte, daher fragten sie an, ob einer unserer hellsichtigen Probanden vielleicht helfen könnte.“ – Ben warf Honorton den Schal vor die Füße. „Ich werde da nicht mehr mitmachen.“

Den ganzen Nachhauseweg über schimpfte er, und das war völlig in Ordnung; ich war mindestens ebenso aufgebracht wie er selbst. Ben hatte nur eine einzige Bedingung für das Reading gestellt – dass der Tester die Geschichte des Gegenstands kennen müsse – und in beiden Fällen war diese Vereinbarung gebrochen worden. Ich hatte diesen Forschern sozusagen den Heiligen Gral gebracht – einen Menschen mit übersinnlichen Fähigkeiten, der noch nie mit einer Aussage danebengelegen hatte –, aber sie waren zu sehr mit ihren eigenen Dingen beschäftigt, um das zu bemerken.

Leider musste ich im Laufe der Zeit feststellen, dass diese Art von „Tunnelblick“ in der gesamten wissenschaftlichen Welt eher die Norm war – und je näher etwas vor ihrer Nase lag, umso eher konnte man davon ausgehen, dass die Experten es übersahen.




3. Durchbruch und Wendepunkt


Die Weltanschauungen einer Epoche haben sich in der darauffolgenden Ära als Absurditäten erwiesen und die Dummheiten von gestern wurden zu den Weisheiten von morgen.

SIR WILLIAM OSLER (berühmter kanadischer Arzt am Johns Hopkins Hospital in Baltimore)

Auch nachdem ich im Januar 1972 mit meinem Magisterstudium in Soziologie an der St. John’s University in Queens begonnen hatte, putzte ich nebenbei weiterhin Häuser mit Ben, sodass wir uns nahezu täglich sahen. Zwar fand ich die Vorlesungen über verschiedene Theorien, Forschungsmethoden und Statistik durchaus interessant, aber mein wirkliches Interesse galt immer noch dem, was ich gemeinsam mit Ben erlebte. Ich ahnte, dass dem Auflösen von Wolken und „Aus-der-Luft-Greifen“ von Informationen ein Prinzip zugrunde lag, das meine Vorstellungskraft überstieg. Bevor ich an den Punkt kam, an dem das Ganze möglicherweise zur Routine und somit langweilig wurde, erlebte Ben einen Durchbruch, der den weiteren Verlauf seines und zu einem großen Teil auch meines Lebens bestimmen sollte.

Wir saßen mit ein paar Freunden in Bens Wohnung, als einer von ihnen Ben einen Brief von einer Cousine in Dallas in die Hand drückte und um ein Reading bat. „Erzähl‘ mir bloß nicht mehr“, warnte Ben. „Je weniger ich weiß, umso genauere Angaben kann ich machen.“ Nach wenigen Sekunden griff er sich an Kopf. „Keine Ahnung, was da los ist, aber ich bekomme plötzlich derart massive Kopfschmerzen, das könnt Ihr euch gar nicht vorstellen.“ Er legte den Brief aus der Hand und die Kopfschmerzen verschwanden. Dann nahm er ihn wieder auf und prompt schmerzte sein Kopf erneut. Er probierte dies mehrere Male aus.

Ich schlug ihm vor, den Brief lieber nicht anzufassen, aber Ben hatte sich in den Kopf gesetzt, dass er die Schmerzen auflösen wolle. Er ging also in sein Schlafzimmer und legte sich hin, den Brief weiterhin in der Hand haltend. Etwa fünfzehn Minuten später kehrte er zu uns zurück – völlig erschöpft, aber mit triumphierendem Blick verkündete er stolz, dass er die Schmerzen habe verschwinden lassen.

Ben war mit diesem Ergebnis schon höchst zufrieden, und erst nachdem der Freund seine Cousine in Dallas angerufen und ihr von dem Reading berichtet hatte, sollte uns die Idee kommen, dass wir auf etwas völlig Neues gestoßen sein könnten: Denn offensichtlich litt die Cousine zu dem Zeitpunkt, als Ben ihren Brief in der Hand hielt, an einem Migräneanfall. Als die Schmerzen in Bens Kopf sich auflösten, geschah das Gleiche auch bei ihr. Dabei hatte Ben gar nicht die Absicht gehabt, sie zu heilen, sondern wollte lediglich die entsetzlichen Schmerzen in seinem eigenen Kopf loswerden.

Schon bei vorherigen Readings hatte Ben manchmal Informationen über körperliche Symptome bekommen, aber diesmal hatte er sie zum ersten Mal am eigenen Leib verspürt. Einmal, als er den Büchereiausweis eines besonders skeptischen Freundes von mir in der Hand hielt, legte Ben seine rechte Hand an seinen eigenen unteren Rücken: „Dein Freund Douglas hat sich etwa hier den Rücken verrenkt, und zwar erst vor Kurzem. Ich glaube, es ist passiert, als er etwas gehoben hat. Es ist nicht weiter schlimm, könnte aber chronisch werden, wenn er sich nicht darum kümmert. Außerdem sind seine Schultern verspannt, aber das ist nur nervöse Anspannung.“ Dann stellte Ben eine seiner seltenen Fragen: „Worüber macht sich dein Freund Sorgen?“

„Er heiratet bald.“

„Sag ihm, er soll es lieber sein lassen, zumindest wenn er die Anspannung loswerden will“, riet Ben. Dann wurde sein Blick wieder leer. „Und dann ist da eine Geschwulst hinter seinem linken Ohr. Das ist nichts Ernstes, auch wenn er sich Sorgen deswegen macht.“ Und nach einer Pause fügte er noch hinzu: „Ich glaube, es ist eine Talgzyste.“ Ich fragte ihn, was das sei, und er antwortete: „Keine Ahnung. Das kam mir einfach so in den Sinn.“

Da Ben sich nie danach erkundigte, ob er richtig gelegen hatte, erzählte ich ihm nicht, dass mein Freund sich einen Monat vorher beim Hochheben einer Kiste den Rücken verrenkt hatte. Als ich Douglas wenig später den Büchereiausweis zurückgab, bestätigte er die Anspannung in den Schultern. Die Geschwulst hinter seinem linken Ohr sah ich mit eigenen Augen und ein Arzt diagnostizierte wenig später eine harmlose Talgzyste …

Douglas‘ Reaktion auf Bens Diagnose war auch wieder „typisch“: Zwar erstaunte ihn die Genauigkeit von Bens Aussagen, aber er zeigte keinerlei Interesse an seinen Fähigkeiten – der „Douglas-Effekt“.






Der Brief der Cousine aus Dallas markierte den Beginn von Bens Arbeit als „Diagnostiker“. Und wie der Zufall es wollte, war ich die erste Person, die er wissentlich heilte.

Wir befanden uns in der Küche eines Kunden und legten gerade eine Putzpause ein. Da der Hausbesitzer Ben aufgefordert hatte, sich ruhig zu bedienen, lehnte er am Kühlschrank und trank einen Kaffee, während ich mit baumelnden Füßen auf der Arbeitsplatte saß und mir ein Mineralwasser gönnte. Die Geschichte mit dem Brief aus Dallas hatte sich erst am Abend zuvor zugetragen und ließ Ben immer noch nicht los: „Also, ich kriege ein Gefühl im Kopf, als habe mir jemand die obere Kopfhälfte weggepustet. Ich denke mir, dass dieser Schmerz etwas ist, was ich genauso auflösen kann wie eine Wolke, also tue ich das und es geht mir besser. Und dann höre ich, dass es der Frau mit der Migräne angeblich zur gleichen Zeit ebenfalls besser geht. Ist das was Besonderes oder lese ich da zu viel hinein?“

Ich war froh, das Wort „angeblich“ aus seinem Mund zu hören. „Man kann natürlich nicht ausschließen, dass es sich um einen reinen Zufall handelt“, antwortete ich und kam mir sehr weise vor. „Schmerzen kommen und gehen.“ Niemand wusste das besser als ich selbst: Seit rund fünf Jahren hatte ich so starke Schmerzen in meinem unteren Rücken, dass ich das Stipendium, das ich aufgrund meiner Fähigkeiten als Schwimmer bekommen hatte, aufgeben musste. Mittlerweile waren die Schmerzen chronisch geworden. Selbst längeres Stehen konnte sie auslösen. Verschiedenste Ärzte hatten meinen Rücken untersucht und weder an Knochen und Muskeln noch an den Nerven irgendetwas feststellen können. Wie vielen anderen Menschen blieb auch mir nichts anderes übrig, als mit den Schmerzen zu leben und sie durch Stretching-Übungen ein wenig zu lindern.

Während wir uns unterhielten, spürte ich, wie mein Rücken sich verkrampfte, und ich beugte mich unwillkürlich nach vorne. Ben lehnte mit seiner linken Schulter am Kühlschrank und gestikulierte mit der rechten Hand. Plötzlich zog er eine Grimasse, setzte die Kaffeetasse ab, fasste sich mit der linken Hand an den unteren Rücken und begann über Rückenschmerzen zu klagen.

Ich fragte ihn beiläufig, wo die Schmerzen denn sitzen würden. „Genau hier, unter meiner Hand. Mensch, das ist vielleicht merkwürdig. Der Schmerz kam ganz plötzlich, genau wie bei dem Brief.“ Er begann seine Taschen zu durchwühlen. Vielleicht trage ich ja irgendetwas von jemandem bei mir, der ein Rückenproblem hat.“ Er öffnete seine Brieftasche. „Hm, hier habe ich ein paar Schecks von anderen Leuten, aber ich glaube nicht, dass es das ist.“ Dann ging er aus der Küche, die Hand immer noch am Rücken: „Vielleicht ist es etwas in meiner Manteltasche.“

„Nein, du Dussel!“, rief ich ihm hinterher. „Komm zurück – ich bin das Problem!“ Trotz des unangenehmen Gefühls im Rücken war es mir heimlich eine Genugtuung, dass ich ihm diesmal zuvorgekommen war: „Und du bezeichnest dich selbst als Hellseher?!“

„Na toll“, sagte Ben. „Nun haben wir beide Rückenschmerzen. Hättest du deine Schmerzen nicht für dich behalten können?“ – „Ich weiß was viel Besseres“, sagte ich grinsend. „Warum heilst du uns nicht beide gleichzeitig?!“ – „Und wie soll das gehen?“ Ich ließ mich von der Arbeitsplatte gleiten und beugte mich über den Küchentisch. „Leg deine Hand hier auf meinen Rücken“, sagte ich. – „Warum, wozu soll das gut sein?“ – „Tu’s doch einfach!“

Also legte Ben seine Hand auf mein Kreuz. Die Stelle wurde sofort warm, dann heiß. Während die Wärme meine Wirbelsäule durchdrang, spürte ich, wie mein unterer Rücken in einem Bereich von rund 10 Zentimetern Durchmesser taub wurde, als hätte man mir ein Betäubungsmittel gespritzt. Bens Hand ruhte weiterhin auf meinem Kreuz und die Taubheit nahm langsam wieder ab, ausgehend vom äußeren Rand des Bereichs. Als Ben die Hand schließlich wegnahm, war der letzte Rest von Taubheit verschwunden. Der gesamte Vorgang hatte weniger als zehn Minuten in Anspruch genommen.

„Meine Rückenschmerzen sind weg!“, verkündete Ben. Ich stellte mich aufrecht hin, beugte mich nach vorne und nach hinten, drehte den Oberkörper zur Seite und berührte meine Zehen. „Was machst du da?“, fragte er mich. – „Ich versuche, den Schmerz zu finden.“ – „Also sind deine Rückenschmerzen auch verschwunden?“ – „Komplett!“

„Was du nicht sagst“, zog Ben mich auf, der offensichtlich zu seinem üblichen prahlerischen Auftreten zurückgefunden hatte. Wie so oft hatte im Widerstreit der gegensätzlichen Gefühle, mit denen er zu kämpfen hatte, sein selbst eingestandener Größenwahn kurzfristig die Oberhand gewonnen: Wenn überhaupt jemand heilen konnte, dann war es selbstverständlich er! – Ich fragte ihn, wie er diesmal vorgegangen sei.

„Keine Ahnung. In den vergangenen Wochen hatte ich das Gefühl, dass sich irgendetwas veränderte, ohne jedoch genau zu wissen, was. Als du mich um Hilfe batest, hatte ich so eine Vorahnung, was wohl passieren würde. Sobald ich die Hand auf deinen Rücken legte, spürte ich, wie Energie meinen Arm hinunterpulsierte. Es lief ganz automatisch – als wäre es das Natürlichste von der Welt – und ich wusste, dass dies die nächste Station auf meinem Weg sein würde.“

„Du willst als Heiler arbeiten?“ Auch wenn sich in meinem Kopf tausend Fragen drehten, machte die seltsame Traurigkeit ins Bens Augen mir klar, dass diese Fragen auf einen besseren Zeitpunkt würden warten müssen. Im Stillen wunderte ich mich, wie die Fähigkeit zu heilen ein Grund für Melancholie sein konnte statt für Freude. Aber wie immer ahnte Ben bereits etwas, was ich auf die harte Tour würde lernen müssen. Er drückte es ungefähr so aus:

„Mit dieser ‚Heilungs‘-Geschichte öffne ich die Büchse der Pandora und ich bin mir nicht sicher, ob es das wert ist. Zwischen dem reinen Mitteilen von Informationen und dem Umgang mit der Gesundheit anderer Menschen besteht ja ein riesiger Unterschied. Stell dir einfach mal vor, du könntest Schmerzen auflösen oder heilen, oder wie auch immer du es nennen möchtest. Wenn nun Menschen mit schrecklichen Krankheiten zu dir kommen, wie könntest du sie dann ignorieren? Ich werde den Rest meines Lebens damit verbringen, schlimmste Krankheiten zu durchleben – dabei möchte ich am liebsten völlig in Ruhe gelassen werden. In Wahrheit wollen nämlich viele Kranke gar nicht gesund werden, ganz gleich, wie sehr sie das Gegenteil behaupten mögen. Sie genießen entweder die Aufmerksamkeit, die ihr Kranksein ihnen verschafft, oder sie wollen vielleicht einfach nur keine Verantwortung übernehmen. Die Menschen, die ich erfolgreich behandle, werden es mir verübeln, die Ärzte werden mich verachten und ich werde als Freak gelten …“ Leider erwiesen sich Bens Vorhersagen in allen Punkten als korrekt.

Was meinen Rücken betrifft, so kann ich berichten, dass die Schmerzen in den vergangenen 35 Jahren kein einziges Mal zurückgekehrt sind, auch wenn ich damals zunächst dachte, die Besserung sei nur vorübergehend. Obwohl ich an Sportwettkämpfen teilnahm und schwere Lasten hob, habe ich nie wieder auch nur ein Ziehen oder Stechen im Rücken gespürt. Ich würde sogar wagen zu behaupten, dass mein Rücken außerordentlich belastbar ist. Wenn irgendwer nun die Behauptung aufstellen möchte, dass meine Beschwerden bestimmt „psychosomatisch“ gewesen seien, dann ist das völlig in Ordnung. Eine Heilung ist eine Heilung ist eine Heilung.

Sobald Ben bekannt machte, dass er als Heiler tätig sein würde, mangelte es ihm nicht an Klienten. Es begann mit kleinen Wehwehchen von Freunden und Nachbarn, die wiederum anderen davon erzählten, sodass ein nie versiegender Strom an „Kunden“ da war. Zwar waren dramatische Sofortheilungen wie die meinige selten, aber es zeigte sich bei verschiedensten Beschwerden zum ersten Mal überhaupt eine Besserung.

Auch wenn Bens neue berufliche Laufbahn mich faszinierte, waren diese Fälle von Heilung in meinen Augen sozusagen gnadenlos undurchsichtig, ja „schwammig“. Das war alles irgendwie mysteriös, nichts lief kontrolliert ab. Es wäre bequem und praktisch gewesen, diese Heilungen einfach zu glauben, aber ich war nun mal Empiriker – ich musste einfach wissen, wie die Methode wirkte.

Widerwillig erlaubte mir Ben, seine Diagnosen in einer Doppelblindstudie zu testen, die ich ganz formlos am Deepdale Hospital in Little Neck durchführte. Patienten, die sich im Krankenhaus anmeldeten, wurden gefragt, ob sie freiwillig eine Karteikarte unterschreiben würden, die die Krankenschwester anschließend in zwei verschiedene, blickdichte Umschläge steckte. Am Ende hatten wir acht Umschläge. Als ich Ben später die einzelnen Umschläge zur Diagnose in die Hand gab, wusste keiner von uns etwas über die jeweiligen Patienten, noch nicht einmal, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelte. Ben lag bei allen Diagnosen außer einer einzigen richtig. Später erfuhren wir, dass auch diese korrekt war, denn beim ersten Besuch des Patienten war eine falsche Diagnose gestellt worden, die bei seinem zweiten Besuch einen Monat später korrigiert wurde.

Zwischenzeitlich hatten wir ein Erlebnis, das jegliche Zweifel, die ich vielleicht noch gehabt haben mochte, endgültig ausräumte. Ben und ich saßen mit meiner Schwester Lynn und meiner Freundin zusammen, die versuchte, den Verschluss einer Getränkedose mit einem Messer zu öffnen. „Pass mit dem Messer auf!“, warnte Ben sie just in dem Moment, als sie sich in den rechten Zeigefinger stach und eine tiefe Wunde hinterließ. Ben sprang auf und nahm ihren Finger, aus dem nun das Blut quoll, in seine linke Hand.

„Hör auf, so zu drücken!“, protestierte sie. „Das tut weh!“ Aber Ben drückte keineswegs zu und ich konnte zwischen ihren und seinen Fingern deutlich einen kleinen Abstand erkennen. „Bleib einfach still sitzen, es heilt“, beharrte Ben und behielt den Finger in seiner Hand. Zwanzig Minuten später ließ er ihn los. Die Wunde war verheilt. Kein Schnitt, keine Narbe, kein Schorf – bis auf die Blutflecke war kein Anzeichen einer Verletzung mehr zu entdecken.

Jeder lässt sich von anderen Dingen beeindrucken. Vorher hatte ich ja schon erlebt, wie Ben meinen Rücken kuriert und andere spektakuläre Heilungen erzielt hatte, aber nichts bewegte mich so tief wie das hier: zu sehen, dass der Finger meiner Freundin vor meinen Augen heilte. Ich war im wahrsten Sinne des Wortes sprachlos, während sie mit kreidebleichem Gesicht immer wieder über die Stelle strich, an der die Wunde hätte sein müssen, und dabei murmelte: „Ach, du lieber Gott!“ Ich glaube, selbst Ben war das Ganze nicht geheuer, denn er verabschiedete sich an diesem Abend sehr bald von uns.




4. Bens spektakuläre Heilungen


Wunder stehen nicht im Gegensatz zur Natur, sondern nur im Gegensatz zu dem, was wir über die Natur wissen.

AUGUSTINUS (Philosoph und Kirchenlehrer,

354–430 n. Chr.)

Rund ein Jahr nach meinem Einstieg als Bens Putzpartner hatte ich es geschafft, auch noch den letzten seiner Kunden zu vergraulen. Ben arbeitete damals bereits „in Vollzeit“ als Heiler. Während er Readings stets kostenlos gab, nahm er für seine Healings Geld: „Zahlen Sie, was und wann Sie möchten!“ Irgendwann bot ich ihm einmal im Scherz an, ein Schild zu basteln mit der Aufschrift „ANGEBOT DES TAGES! LEUKÄMIE HEUTE NUR 15 DOLLAR!“ Viele Menschen gaben ihm sogar noch weniger. Ben machte das nichts aus – seiner Frau allerdings schon.

Die Leute kamen in Scharen, aus allen Schichten und mit jedem nur erdenklichen Gebrechen. Damals wurde mir bewusst, dass es eine riesige verborgene Schicksalsgemeinschaft verzweifelter, schmerzgeplagter Menschen gab, die durch das Raster des Gesundheitssystems gefallen waren. Ich stellte auch fest, dass Ben es trotz seines ständigen Gejammers darüber, was alles von ihm erwartet wurde, durchaus genoss, im Mittelpunkt zu stehen.

Einer seiner ersten Klienten war ein Schüler namens Mark, der zusammen mit seinen Eltern an Krücken laufend bei uns ankam. „Ich kann meinen rechten Fuß nicht anheben“, sagte er zu Ben. Obwohl Ben nicht nach Einzelheiten fragte, fühlte sich Marks Mutter bemüßigt, uns diese mitzuteilen. Mark war eine Woche zuvor bei einem Football-Spiel bewusstlos geschlagen worden. Als er wieder zu sich kam, zuckte sein Fuß unkontrolliert. Da die Ärzte einen neurologischen Schaden vermuteten, hatten sie ihm ein Medikament für parkinsonähnliche Syndrome verschrieben. Dieses half zwar gegen die Krämpfe, aber Mark konnte trotzdem seinen Knöchel nicht bewegen: ein klassischer Fall von Fallfuß. [Anmerk. d. Übers.: Beim Fallfuß hängt die Fußspitze aufgrund einer Nervenlähmung und der Fußrücken kann nicht aktiv angehoben werden.]

Während ich zusah, setzte sich Ben Mark gegenüber, sodass er Marks rechten Fuß auf sein eigenes linkes Knie legen konnte. Er bewegte seine linke Hand rund eine Minute lang über Marks Knöchel hin und her und verkündete dann, er könne nicht feststellen, dass damit etwas nicht in Ordnung sei. Und Schmerzen seien da auch keine. „Woher wissen Sie das?“, fragte Marks Vater. Ben erklärte, dass er Schmerzen wahrnehmen könne. Mark, ein eher schüchterner Bursche, saß währenddessen nur schweigend da.

Als Nächstes stellte Ben Marks Fuß wieder auf den Boden und forderte ihn auf, ihn zu bewegen. Aber wenngleich Mark sein gesamtes Bein anheben konnte, blieb der Knöchel weiter unbeweglich. Daraufhin stellte Ben sich hinter Mark und legte seine Hände auf dessen Nacken, fast so, als wolle er ihn strangulieren. Nach etwa fünf Minuten bewegte er seine linke Hand über Marks Kopf und hielt sie schließlich über einen Bereich an der linken oberen Kopfhälfte. „Das Problem liegt hier“, verkündete er. „Die Verletzung liegt im Gehirn, genau wie die Ärzte gesagt haben, und nicht im Knöchel.“ Ben hielt seine Hand etwa fünfzehn Minuten lang an der gleichen Stelle und forderte Mark dann auf, seinen Fuß zu bewegen.

Mit starker Konzentration gelang es Mark, seine Zehen einige Zentimeter hochzuheben, während seine Ferse weiterhin am Boden blieb. Dann ließ er die Zehen am Boden und bewegte die Ferse drei bis vier Zentimeter nach oben. Dann drehte er den Knöchel leicht und strahlte seine Eltern an: „Schaut mal, er bewegt sich!“ Marks Vater war wie vor den Kopf geschlagen, während seine Mutter in Tränen ausbrach und ich Gänsehaut bekam.

Ben nahm seine Hände von Marks Schultern. „Das reicht für heute. Wenn du morgen noch einmal wiederkommst, erledigen wir den Rest.“ Mark strahlte immer noch über das ganze Gesicht. „Danke, Mann, das war super!“ Nachdem die Familie gegangen war, zogen Ben und ich Bilanz. Ich fragte ihn, was genau passiert war.

„Da ist so eine Energie, die mich durchläuft. Ich kann spüren, wie sie sich meinen linken Arm hinunterbewegt und von dort aus in meine Hand strömt.“ Er zeigte auf einen Punkt in seiner linken Handfläche, ein wenig außerhalb der Mitte in Richtung Daumen. „Der Punkt ist genau hier. Ich habe gespürt, wie hier eine Wärme herausgeflossen ist, die nicht von mir zu stammen schien.“

„Und was hast du gemacht, als du deine Hand über Marks Fuß und Kopf bewegt hast?“

„Ich habe nach etwas gesucht, was sich anders als üblich anfühlt, was auch immer das bedeutet. Da ich an Marks Fuß nichts spüren konnte, habe ich rein intuitiv um seinen Kopf herum nachgespürt und dort eine heiße Stelle gefunden. Ich bin mir nicht sicher, ob es sein Kopf war, der die Wärme ausstrahlte, oder meine Hand oder beide, aber es erschien mir nur natürlich, an der heißen Stelle zu arbeiten.“

„Und wieso konntest du meinen Rücken und die Schnittwunde meiner Freundin sofort in Ordnung bringen, Marks Fuß aber nicht?“

„Nun, das Gefühl in meiner Hand ließ nach und ich hatte den Eindruck, dass Mark nicht mehr Energie aufnehmen konnte. Ich bin sicher, dass sein Problem durch weitere Sitzungen vollständig behoben werden kann.“ Und so war es auch. Nach fünf weiteren Healings konnte Mark seinen Knöchel wieder vollständig bewegen.

Marks „Fall“ erwies sich als richtungweisend: Ben legte seine Hände auf die Schultern eines Klienten, manchmal auch auf den Solarplexus. Nach ein paar Minuten suchte er dann nach heißen Punkten. Meistens, aber nicht immer, stimmten diese mit den Bereichen überein, in denen der Klient Beschwerden hatte. In jedem Fall konzentrierte Ben sich dann auf diese Stellen.

Die meisten Healings dauerten 30 bis 60 Minuten, manche auch länger, je nach der Schwere des Symptoms. Je bekannter Ben wurde, umso mehr ähnelte sein Wohnzimmer dem Wartezimmer eines Arztes, nur dass er dort auch arbeitete. Er ging von einem zum anderen und behandelte manchmal fünfzehn Personen in einer Sitzung.

Erstaunliche Dinge spielten sich vor meinen Augen ab. Ohne biblisch klingen zu wollen, wurde ich doch Zeuge, wie Blinde einen Teil ihrer Sehkraft wiedererlangten, wie Taube wieder hören und Lahme wieder gehen konnten, ganz abgesehen von einigen Krebsheilungen, die die Ärzte kurzerhand als Spontanremissionen abtaten.

Sofortheilungen wie diejenige, die ich selbst erfahren hatte, waren eher selten, auch wenn sich bei den meisten Healings sofort eine sichtbare Wirkung einstellte. Manchmal verschlimmerte sich der Zustand der Betroffenen zunächst, speziell bei schmerzhaften Krankheiten. Wenngleich mich dies anfangs beunruhigte, sah Ben es als einen notwendigen Teil des größeren Heilungsprozesses an. Meistens mussten die Erkrankten mehrmals kommen, um wieder ganz gesund zu werden, und manchmal reichte auch das nicht aus. Ich kann mich an eine Frau in den Vierzigern erinnern, die an rheumatischer Arthritis litt und von Ben wochenlang betreut wurde. Zwar konnte er die Schmerzen etwas lindern und ihre verkrümmten Finger ein wenig begradigen, aber heilen konnte er sie nicht.

Im Laufe der Zeit stellte ich fest, dass es einen Zusammenhang gab zwischen der Länge des Zeitraums, den ein Gebrechen bereits bestand, und der Anzahl der Healings, die erforderlich waren. Während jemand, der erst kürzlich bei einem Unfall erblindet war, relativ schnell das Augenlicht wiedererlangen konnte, erlebte ein Mensch, der im Laufe der Jahre aufgrund von Diabetes erblindet war, eher eine graduelle Verbesserung, die mit einem geringeren Bedarf an Insulin einherging.

Ähnlich war es bei Krankheiten, die man als „naturgegeben“ bezeichnen könnte. So ist beispielsweise Myopie oder Kurzsichtigkeit keine Krankheit des Augapfels, sondern ein Problem, das durch seine Form entsteht. Als Ben meine Kurzsichtigkeit behandelte, verbesserte sich meine Sehstärke zunächst nur so weit, dass ich Probleme mit meinen damaligen Brillengläsern bekam. Da meine Augen noch viele weitere Healings benötigt hätten, sah ich eine längere Zeitspanne vor mir, in der ich weder mit Brille noch ohne Brille würde sehen können. Ich hätte mir natürlich zwischendurch immer wieder neue Gläser verschreiben lassen können, aber auch das erschien mir nicht besonders praktisch. Also ließ ich es gut sein und meine Augen passten sich wieder an die alte Brille an.

Meine Erfahrung erwies sich als typisch. Ben stellte sich zwischenzeitlich vor, wie spaßig es wohl sei, einen Optiker mit Zugriff auf eine unbegrenzte Anzahl unterschiedlicher Linsen zu behandeln. Gleichwohl beschloss er, sich selbst zu behandeln, sodass er seine Lesebrille wenig später nicht mehr benötigte.

Bei keinem von Bens erfolgreichen Healings war es erforderlich, dass Heiler oder Klient oder beide an etwas Bestimmtes glaubten. Viele Menschen, die bereits bei Gesundbetern oder Geistheilern gewesen waren, fragten, ob sie an etwas Spezielles glauben müssten; das verneinte Ben stets. Es erschien uns im Gegenteil so zu sein, dass bei vergleichbaren Fällen diejenigen Menschen am schnellsten Heilung erfuhren, die am wenigsten daran glaubten. Ben und ich wandelten daher den Satz „Dein Glaube hat dich geheilt“ im Scherz um in: „Dein Unglaube hat dich geheilt.“ Bens Lieblingsklienten waren diejenigen, die ihn gleich mit einem Satz wie diesem begrüßten: „Ich persönlich halte das ja für absoluten Müll, aber ich weiß nicht, an wen sonst ich mich noch wenden soll …“

Ich erinnere mich gerne an einen ganz besonderen „Fall“: Nicholas war damals Anfang oder Mitte zwanzig und hatte sein Leben lang davon geträumt, Nationalgardist zu werden. Die Mindestgröße hierfür lag allerdings bei 1,72 Meter und Nicholas lag mit etwas über 1,70 Meter knapp darunter. Ben und ich behandelten ihn mehrere Male, bis er eines Tages ganz aufgeregt zu uns kam: Er war Nationalgardist geworden! Ob wir ihm nun zu den zusätzlichen knapp zwei Zentimetern verholfen hatten oder ob er es schaffte, den für die Musterung zuständigen Beamten auszutricksen, das werden wir wohl nie erfahren.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Menschen mit übersinnlichen Fähigkeiten gab es bei Ben keine guten oder schlechten Tage. Ob eine Sitzung erfolgreich war, das hing von dem behandelten Problem ab und nicht davon, wie er sich fühlte. War er zu Beginn der Arbeit auch manchmal mürrisch, so heiterte sich seine Stimmung bei der Arbeit stets auf. Auch schien er gegen jede Form von Ablenkung immun zu sein. Er konnte der einen Person heilende Energie zukommen lassen, während er sich mit einer anderen unterhielt. Und er behauptete sogar, dass diese Art von „Nebenbeschäftigung“ seine Heilungsfähigkeit verbessere.

Wie bereits an dem Brief aus Dallas deutlich geworden war, konnte Ben auch „Fernheilungen“ durchführen, die wir lieber als „Healing in Abwesenheit“ bezeichneten. Allerdings laugte ihn dies stark aus. Wenn er etwa einen Gegenstand, der einem woanders lebenden Klienten gehörte, unter sein Kopfkissen legte, erwachte er am nächsten Morgen völlig erschöpft.

Von Zeit zu Zeit kam es auch zu unerwarteten Fehlschlägen. Ein Klient, der wegen einer schweren Krankheit zu Ben kam, bat ihn beispielsweise: „Da ich sowieso gerade hier bin, könnten Sie vielleicht auch meine Warze behandeln?“ Aber Ben konnte weder Warzen zum Verschwinden bringen noch einen gewöhnlichen Schnupfen heilen, wenngleich bei Letzterem zumindest eine zeitweilige Besserung der verstopften Nase möglich war.

Spektakuläre Erfolge erzielte Ben vor allem bei einer großen Bandbreite an Krebserkrankungen, bei denen seine Arbeit zumindest als eine Art Diagnoseinstrument diente: Wenn eine Geschwulst sofort auf die Behandlung reagierte, war sie bösartig. Passierte dies nicht, war sie wahrscheinlich gutartig. Die beste Aussicht auf Heilung hatten Fälle, in denen aggressiver Krebs bei jungen Menschen auftrat, die noch keinerlei Bestrahlungen oder Chemotherapie erhalten hatten. Bestrahlungen und Chemotherapie stellen einen großen Eingriff in den Körper dar, da sie sowohl gesunde als auch kranke Zellen zerstören. Da Krebszellen sich jedoch schneller vermehren als gesunde Zellen, liegt die Hoffnung bei diesen Behandlungsmethoden darin, dass Krebszellen schneller betroffen sind und auch schneller absterben. Bens Healings schienen im Gegensatz dazu das Wachstum der gesunden Zellen zu fördern.

Ben war noch nicht lange als Heiler tätig, als bereits die ersten der merkwürdigen psychologischen Reaktionen auftraten, die er vorhergesehen hatte: Wenn sie zur Behandlung kamen, wollten die meisten Leute erst einmal vorab wissen, wie lange diese dauern würde. Viele, die sich zum ersten Mal in die von ihnen als „Hokuspokus“ betrachtete Welt des Heilens mit Handauflegen begaben, erwarteten sozusagen als Beweis eine sofortige Heilung – ganz im Gegensatz zu den frustrierend langen Behandlungen, die sie im konventionellen Gesundheitssystem ohne Murren in Kauf nahmen. Ein Mann, der an Leukämie erkrankt war, regte sich darüber auf, dass Ben ihn nicht in einer einzigen Sitzung geheilt hatte. Wenn Ben die Zahl seiner Blutkörperchen innerhalb einer Woche um 40 Prozent in die Höhe treiben könne, müsse es doch wohl auch möglich sein, ihn gleich ganz zu heilen, damit er nicht noch einmal kommen müsse …

Es erstaunte mich immer wieder, dass rund die Hälfte der Klienten, die nicht innerhalb einer Sitzung geheilt werden konnten, kein weiteres Mal zu uns kamen, und zwar selbst solche, die bei Allergien, Schmerzen, kräftezehrenden Krebssymptomen, Diabetes oder Arthritis eine deutliche Linderung ihrer Symptome erlebt hatten. Während ich mich darüber aufregte, sah Ben das Ganze philosophisch: Er hatte es schließlich vorausgesehen. Ich kam letztlich zu dem gleichen Schluss wie er: Manche Menschen wollten offenbar nicht gesund werden. Das galt vor allem für all jene, die schon länger krank waren oder Schmerzen litten. Für sie schienen ihre Beschwerden Teil ihrer Identität geworden zu sein. Ein Leben ohne Krankheit schien ihnen unvorstellbar, selbst wenn sie pro forma verzweifelt nach Heilung und Linderung suchten – und zwar nicht nur, um ihre Mitmenschen zufriedenzustellen, sondern auch, um die Farce vor sich selbst aufrechtzuerhalten.

Besonders überrascht war ich, als ein ausgesprochen intelligenter Freund von mir die gleiche befremdliche Reaktion zeigte. Walter war ein Studienkollege, mit dem ich manchmal zusammen lernte. Als ich eines Tages in der Unibibliothek saß, kam er an Krücken auf mich zu. Eine Woche zuvor hatte er plötzlich einen stechenden Schmerz im rechten Bein verspürt, der sich stetig verschlimmerte. Die beiden Ärzte, die er aufsuchte – der eine Chiropraktiker, der andere Neurologe – konnten ihm nicht helfen. Während wir uns unterhielten, traten Tränen in seine Augen. „Die Schmerzen sind kaum auszuhalten. Ich würde mir am liebsten das Bein abhacken.“

Walter stammte aus Nigeria, wo die Männer eher als Machos gelten, und war normalerweise ein Meister der Untertreibung. Als ich ihm von Ben berichtete, trat er sofort instinktiv einen Schritt zurück, fiel dabei fast über seine Krücken und meinte: „Das ist ja völlig verrückt!“ Ich wusste mittlerweile, dass Argumentieren keinen Sinn hatte, also sagte ich nur: „Na gut, wie du willst.“ Walter arbeitete gerade an seinem dritten Doktortitel und ich fand, dass das mindestens ebenso verrückt war. Ich wünschte ihm noch viel Spaß mit seinen Schmerzen und wollte gerade gehen, als er mir eilig hinterhergehumpelt kam: „Warte mal! Kann dein Freund mir wirklich helfen?“ – „Was hast du schon zu verlieren?“

Ich rief also Ben an. Da er gerade mitten in einem Healing war, lud er uns ein, gleich vorbeizukommen. Je mehr ich Walter auf der Fahrt über Ben erzählte, umso stiller wurde er. Ben behandelte gerade einen Klienten, der an Krebs erkrankt und erstmalig zu ihm gekommen war. Eine weitere Frau wartete auf ihre dritte Sitzung wegen rheumatischer Arthritis – eine für Ben stets problematische Erkrankung. Als Ben mit dem Krebserkrankten fertig war, forderte er Walter auf, sich auf den Stuhl zu setzen. Dieser protestierte zunächst, dass er ja noch gar nicht an der Reihe sei, setzte sich dann aber brav hin.

Ben ging wie immer vor, bis seine Hände an einer Stelle etwa acht Zentimeter über Walters Knie anhielten. Während alle anderen im Raum Anwesenden sich unterhielten, beschäftigte er sich rund zwanzig Minuten lang mit Walter, um ihn dann zu fragen, wie sein Bein sich anfühle. Walter schaute ihn unbewegt an und sagte: „Kein Kommentar.“

Ben, der sich davon nicht weiter beeindrucken ließ, bat ihn, zu warten, bis er der Frau mit der Arthritis geholfen habe. Ich beobachtete, wie Walter das Bein vorsichtig aufsetzte und dann langsam zu seinem Stuhl zurückging. Er vermied jeden Augenkontakt mit mir, während er sein Bein massierte und es immer wieder hob und senkte. Nach etwa fünf Minuten sagte Ben zu ihm, dass er sein Bein noch einmal „bearbeiten“ werde, falls die Schmerzen noch vorhanden seien. „Ich weiß nie voher, wie lange ein Healing dauern wird.“ Von Walter kam erneut nur ein knappes „Kein Kommentar“. – „Wir sind hier nicht auf einer Pressekonferenz“, sagte ich verärgert. „Wie fühlt sich dein Bein denn nun an?“

Beinahe unglücklich sah Walter zunächst zu mir und dann zu Ben herüber. Dann blickte er wieder mich an. „Ich versuche die ganze Zeit zu verstehen, was passiert ist. Etwa fünf Minuten, nachdem Ben seine Hand auf mein Bein gelegt hatte, waren die Schmerzen verschwunden.“ Und dann fügte er verlegen hinzu: „Ich habe versucht, sie wieder zurückzuholen.“

Ben, der immer noch die Arthritispatientin behandelte, nickte nur. Mir hingegen platzte fast der Kragen und ich sagte ihm, dass ein wenig Dankbarkeit ja wohl das Mindeste wäre. Während Ben mich mit einer Handbewegung aufforderte, mich zu beruhigen, ging Walter ganz normal und ohne Krücken durch den Raum. „Natürlich bin ich dankbar, aber ich bin auch verwirrt. Ich bin in einer Stammesgesellschaft aufgewachsen, die an Magie und Medizinmänner glaubt, und habe mich von diesen Dingen freigemacht“, versuchte Walter zu erklären.

„Walter sieht sich als Intellektuellen“, meinte Ben vertraulich zu mir. „Er ist zu einem Jünger des rationalen Denkens geworden. Ich stelle für ihn so etwas dar wie seine Stammesvergangenheit, die ihn einholt.“

Auf der Fahrt nach Hause sagte Walter kein einziges Wort. Jedes Mal, wenn ich versuchte, ein Gespräch anzufangen, nickte er nur. Als ich ihn zu Hause absetzte, gab er mir höflich die Hand. „Vielen Dank. Ich weiß deine Hilfe zu schätzen.“ – Wir lernten nie wieder zusammen. Wenn wir uns zufällig trafen, war er freundlich, aber bei Fragen nach seinem Bein wurde sein Gesicht ausdruckslos: der „Walter-Effekt“!

Als ich später mit Ben über Walters Fall sprach, erklärte er: „Wenn du verstehst, welches Problem Walter mit dem Heilen durch Handauflegen hat, wirst du auch verstehen, warum Wissenschaftler und Mediziner sich niemals dafür erwärmen werden.“ Natürlich glaubte ich ihm nicht. Warum sollten Fachleute, denen doch sicherlich daran gelegen war, das Leid ihrer Patienten zu lindern, eine Methode verwerfen, die derart wirkungsvoll, kostensparend und frei von Nebenwirkungen war?

Hier wartete eine weitere Lektion auf mich und unglücklicherweise sollte ich bald reichlich Gelegenheit haben, sie zu lernen. Bei einem Fall nach dem anderen konnte ich beobachten, wie Ärzte Bens Healings, deren Wirksamkeit sie an ihren eigenen Röntgenbildern, Computertomografien oder Blutuntersuchungen ablesen konnten, als Spontanremissionen abtaten. Keiner hatte Interesse daran, mehr darüber zu erfahren. Keiner wollte herausfinden, ob da mehr am Werk war als der reine Zufall. Und keiner zeigte Interesse am Gesamtbild der Erfahrungen, die wir täglich sammelten. Zwar ist es richtig, dass Krebs sich spontan zurückbilden kann, aber ein Arzt kann schon froh sein, wenn er in seiner Laufbahn einen solchen Fall zu Gesicht bekommt, während wir Dutzende hintereinander erlebten. Wenn Ben nur eine bestimmte Krebsart hätte heilen können, dann hätten wir zumindest berechnen können, wie die Chancen für eine Remission standen, aber er heilte sie alle. Sein spektakulärer Erfolg war der beste Beweis gegen ihn.

Nehmen wir beispielsweise Nancys Fall. Bei ihr war eine Operation angesetzt, bei der ein brandiger Fuß entfernt werden sollte. Zwei Tage nach Bens Healing war der Wundbrand verschwunden. Ihr Arzt war regelrecht erschüttert. Bei Wundbrand gibt es keine Remission, und als Nancy fragte, ob er den Mann kennenlernen wolle, der sie geheilt habe, lehnte er ab: „Wenn ich solche ‚Heilungen‘ akzeptiere, dann kann ich meine medizinische Ausbildung an den Nagel hängen. Was ich hier gesehen habe, ist schlichtweg unmöglich.“ Im Gegensatz zu den meisten Ärzten war er allerdings großmütig genug, um hinzuzufügen: „Ich möchte Ihren Heiler zwar nicht kennenlernen, aber ganz unter uns würde ich Ihnen raten, weiterhin lieber ihn zu konsultieren als mich.“

Bei wenigstens einem Fall erwies sich die Aussage eines Arztes, dass Bens Heilungen „zu schön“ seien, „um wahr zu sein“ als tragisch: Lillian war eine OP-Schwester, die ich über eine ihrer Kolleginnen kannte. Wenngleich die Arbeit, die sie verrichtete, viele Menschen hart und zynisch werden ließ, war Lillian eine außergewöhnlich freundliche, stille und mitfühlende Person. Ihr lag etwas an den Patienten.

Drei Jahre zuvor waren präkanzeröse Läsionen aus Lillians Brust entfernt worden. Die Operation verlief ohne Komplikationen. Bei einer Nachuntersuchung zeigte sich allerdings, dass der Krebs mittlerweile ihren gesamten Körper mit aller Gewalt heimgesucht hatte. Er war praktisch überall. Das Atmen fiel ihr schwer, sie war appetitlos und ermüdete schnell. Man gab ihr bestenfalls noch ein paar Monate. Auf Bitte eines Freundes stellte ich Ben und Lillian einander vor. Wenngleich dieser Freund Ben gegenüber misstrauisch war, der ja keinerlei Ausbildungen auf diesem Gebiet vorweisen konnte, war er ängstlich um Lillian besorgt, die erst 22 Jahre alt war.

Ben sagte alle seine anderen Termine ab, damit er sich einen Tag lang ganz auf Lillian konzentrieren konnte. „Mein Krebs hat sich auf alle lebenswichtigen Organe ausgebreitet“, erklärte sie ihm ruhig und nüchtern. „In zwei Tagen habe ich einen Termin bei einem Onkologen, aber sowohl mein Chirurg als auch mein Internist haben mir bereits gesagt, dass nicht viel Grund zur Hoffnung besteht.“

Ben nickte nur. „Ich werde sehen, was sich machen lässt.“ Er arbeitete mit Lillian zwei Stunden lang. Danach schien ihr das Atmen leichter zu fallen. Als sie ging, hörte ich, wie sie zu ihrem Mann sagte, dass sie Hunger habe.

Als Lillian am nächsten Tag wiederkam, war die Veränderung deutlich zu erkennen. Anstatt zu schnaufen, kam sie leichten Schrittes auf uns zu. Nachdem Ben weitere zwei Stunden mit ihr gearbeitet hatte, lachte sie, machte Witze und alberte mit uns herum.

Am dritten Tag kam sie ganz aufgeregt zu uns. „Mein Mann und ich waren gestern Abend Bowling spielen“, erzählte sie. „Ich fühle mich wie neu geboren!“ Nachdem Ben mit Lillian eine weitere Stunde lang gearbeitet hatte, ging sie zu ihrem Arzttermin. Ben war mit sich zufrieden. „Ich habe noch nie jemanden so intensiv betreut“, gestand er mir. „Da hat sich was getan bei Lillian. Ich kann es spüren.“

Und so war es auch. Ich war immer noch bei Ben, als Lillian einige Stunden später anrief. Während ich im Wohnzimmer wartete, zog er sich mit dem Telefon zurück, um allein mit ihr zu reden. Es wurde ein langes Telefongespräch, und als er ins Wohnzimmer zurückkam, ließ er sich auf den Stuhl neben mir plumpsen. Er sah völlig fertig aus. „Sie können keinen Krebs mehr finden“, sagte er. Ich stieß einen Jubelschrei aus, aber Ben reagierte nicht. Ich fragte ihn, was denn los sei.

Laut Lillian hatte der Radiologe, als er sie mit Röntgenstrahlen und Computertomografie untersuchte, keine Tumore mehr entdecken können. Er versuchte es mit einem anderen Gerät und erzielte das gleiche Ergebnis. Auch eine Blutuntersuchung bestätigte, dass sie krebsfrei war. In ihrer Aufregung erzählte Lillian ihm von Bens Arbeit. Der Arzt tat diese als wertlos ab und bestand dann darauf, die medizinische Behandlung ihrer Krankheit wie geplant fortzusetzen.

„Welche Krankheit?“, fragte ich verdutzt. „Die, die sie vorher hatte und von der die Ärzte annehmen, dass sie sie immer noch haben muss. Sie glauben ihren Tests nicht! Oder vielleicht wollen sie die Behandlung präventiv einsetzen, weil das in solchen Fällen von Krebs eine Art Vorschrift ist, an die ein Mediziner sich halten muss.“

„Und was sagt Lillian dazu?“ – „Sie sagt, dass sie mir dankbar sei, aber beschlossen habe, die Behandlung durchzuziehen, um auf Nummer sicher zu gehen. Ich konnte es ihr nicht ausreden.“ – „Was kann denn schlimmstenfalls passieren?“ – „Das Zeug ist tödlich!“, sagte Ben aufgebracht. Lillian erhielt Bestrahlungen mit hoher Dosis, kombiniert mit einer massiven Chemotherapie. Da sie laut ursprünglicher Diagnose als nahezu hoffnungsloser Fall galt, hielten die Ärzte es für gerechtfertigt, ihr diese „minimale Chance“ zu geben.

Lillian absolvierte die gesamte Behandlung wie eine pflichtgetreue Krankenschwester und akzeptierte alles, was die Ärzte verordneten. Ihre Haare fielen aus und sie nahm das kränkliche, aufgedunsene Aussehen einer Chemotherapiepatientin an. Obwohl Ben sie im Krankenhaus besuchte und versuchte, die Nachwirkungen der Behandlung auszugleichen, war der angerichtete Schaden schlichtweg zu groß. Dann stellte sich heraus, dass Lillians Lunge eine zu hohe Dosis Strahlung abbekommen hatte. Ein Lungenflügel hörte auf zu arbeiten und wurde operativ entfernt. Wenige Stunden nach der Operation starb sie an Herzversagen. Lillians Lunge wurde nach ihrem Tod routinemäßig untersucht und wir erfuhren über Umwege, dass kein Krebs gefunden worden war …

Von all unseren Fällen berührte Lillians Geschichte Ben und mich am meisten. Zwar ärgerte Ben sich stets, wenn seine Klienten die medizinische Erklärung einer Spontanremission akzeptierten, aber bis dahin hatte noch keine Ablehnung vonseiten der medizinischen Zunft derart verheerende Folgen gehabt. Lillians Tod brachte ihn so sehr auf, dass er sich womöglich ganz zur Ruhe gesetzt hätte, wenn er sich nicht für die anderen Menschen verantwortlich gefühlt hätte, die auf die Fortsetzung seiner Arbeit warteten. So entschied er sich für eine drastische Änderung seiner Vorgehensweise.




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